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Jüdische Rundschau · 1937-11-05 · Heft 88 (5.11.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 88 (5.11.1937)
Date
1937-11-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88. 5 XI. 1937 Bekämpfung des Terrors suchen, einer anderen Lösung: naehzugehen. Ihr Denken fuhrt sie naturgemäß auf den Weg einer direkten Ver• siändigung mit den Arabern. Man erkenn^ daß die Araber augenblicklich in einer schwierigen Situation sind, daß sie vielleicht eher als vor einem halben Jahre geneigt sein mögen, sich mit den Juden au einen Tisch 711 setzen, daß auch im englischen Lager die Dinge keineswegs starr sind und daß sich die Möglichkeit böte, Gehör für einen neuen Ausgleichsvorschlag zu finden. Das Unglück bei den- ]'eiligen, die in dieser Richtung denken, ist jedoch ein doppclles: es bestellt kein einleuchtendes Programm, auf dessen Grundlage man verhandeln könnte, und angesichts der Hai- 1ung der gemäßigten Araber, die vor dem Terror zittern, gibt es im Moment — vielleicht wird cs in drei Monaten anders sein — keinen Verhandlungspartner. Die Anhänger der Teilung sagen heute!licht einfach: Judenstaat, sie sagen: Judenstaat, aber schnell! Diese Einstellung fließt ebenso aus politischen wie aus ökonomischen Erwägungen. Man fürchtet, daß sich bei einer Verschleppung der Sache die Aussichten für die Juden verschlechtern könnt׳'n, sowohl wegen der Entwicklung in England a’s auch in der internationalen Politik. Und man erkennt, daß die UiKlurc'1sichtigkeit der politischen Lage auf die Wirtschaft nachteilig wirkt und eine Neuankurbelung verlangsamt, hragt man aber diejenigen, die es — vielleicht mit Recht — so eilig haben, wie man diese Beschleunigung herbeiführen soll, so bekommt man keine Antwort. Die Realpolitik von heute muß sich damit abfinden, daß sich die Dinge nur langsam entwickeln und muß sowohl die politische wie auch die wirtschaftliche Leitung darauf einstellen, daß die sehr komplizierten palästinensischen I ragen erst nacii und nach und mit großer Geduld gelöst werden können. Die Nachfolge Wauchopes Wie der ״Da i I v Telegraph“ meldet, wird in gcwissen Kreisen die Ernennung von Sir Hubert W. V o u n g rum Nachfolger des High (iomniNsioners für Palästina, Sir Arthur Wauchope, lebhaft befürwortet. Sir Hubert W. Young War seit lO'JI Gouverneur und Oberkoinmandicmider in Nordrliodesien. Er ist 52 Jahre alt und verfugt über grobe politische Erfahrung im Mittleren Osten. Das Blatt erklärt weiter, man erwarte, daß Sir Arthur Waucliope, der am Donnerstag nach Jerusalem zuruekkehrte. mindestens noch drei Monate lang in Palästina bleiben wird. Vermutlich werde er dort noch die Kommission, die den Teilungsplan ausarbeiten Soll, empfangen. _ Der Balfour-Tag in Palästina Der 20. Jahrestag der Verkündung der Ballotir-Dcklnration ist von der jüdischen Bevölkerung in ganz Palästina festlich begangen worden. Die jüdischen öffentlichen Gebäude in Jerusalem uni! i:1 Tel Aviv hatten die englische und die blau-weiße indische Flagge gehißt. Die hebräischen Zeitungen befassen sich in ausführlichen Aufsätzen mit der Bedeutung der Deklaration. Es wird die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es auf die Zusagen dieser Erklärung keinen Verzicht gibt. Das jüdische Volk in der Diaspora und der Jischuw werden aufgefordert, tatkräftig an dem Aufbauwerk in Palästina weiterzuarbeiten. Von arabischer Seite ist keinerlei üegenkundgebung weder tu Form eines Streiks noch durch Straßendenionstrationen veranstaltet worden. Nur die arabischen Zeitungen brachten Protestartikel, worin sie erklären, England bezahle die Baifour-Deklaration mit der Freundschaft der islamischen Welt. Tagung des Kleinen A.-C. Unter dem Vorsitz von M. M. Ussi sch kin wurde am Mittwoch jn Jerusalem eine Sitzung des Kleinen Aktbns-Comit« eröffnet. Die Beratung galt dringenden Problemen der gegenwärtigen politischen Situation 111 Palästina um! im Zionisiuus. Vor dem Beginn der Beratungen ehrte die Versammlung das Andenken der Opfer des arabischen Terrors, insbesondere des Distriktskommissars Andrews und Avinoam Yeilins. Fenier hielt Us-ischkiii eilten Nachruf für Felix M. Warbtirg. Die Beratungen wurden sodann durch ein eingehendes Referat des Leiters des politischen Departments der Jewish Agency, Mosche Scher! 0 k, eingelötet. Strafmaßnahmen Den arabischen No fabeln von Gaza und Migtlal wurde mitgeteilt, daß sie in ein Kon/cnfrationslager gebracht und ihre Häuser gesprengt werden würden, wenn sie nicht die Schuldigen an den Sabotageakten der letzten Zeit bekanntgebeu. Das Gebiet um das Tote Meer winde von einer starken Polizeiahteilimg nach dem Versteck der Bande, die den Transport der Palestine Potash Company angegriffen hat, abgesucht. Die Spürhunde führten eine Patrouille zu einem Haus, in dem 8 km nordwestlich von Jerusalem geie c icn Dorf Mukhmas. Der Bewohner des Hauses versuchte zu Lüchten. Die Polizisten gaben drei Warmmgs- Schüsse ab. Der Araber wurde dann von den Hunden gestellt, in Khan Junis, wo die Telcphonleitung durchschnitten wurde, hat der stellvertretende Distriktskommissar des Süddislrikis die Notabein aufgefordert, die Saboteure binnen drei Tagen der Regierung auszuliefern. Anderenfalls würde die Regierung gezwungen sein, die Nota bei 11 zu verbauneu, lm Wiederholungsfall würden Häuser in der Stadt gesprengt werden. Die Bewohner von Dliarya, denen eine Kollektivstra fe von 2000 Pfund wegen des Uebcnalls auf die dortige Polizeistation auferlegt worden war, haben unter dem Druck der strengen Zwangsmaßnahmen bereits 1000 Pfund eing c z a 11 11. Bei Lydda wurde aut ein Polizeiauto ein Schuß abgegeben. Durch Glassplitter wurde der arabische Polizist Sciiaufik Abdul Lladi leicht verwundet, lm Laufe des Tages wurde die Lage in Lydda gespannt. Es mußte der Ausn;111 in c z u s t a!111 über die Stadt v e r 11 ä n g t w « r den. Zur Strafe für den Angriff auf das Polizeiauto wurden zwei Häuser mit Dynamit gesprengt. Im Dorfe J a rn 11 n bei Nablus sind wegen Gewalttätigkeiten seitens der Bevölkerung zwei Häuser gesprengt worden. Anscheinend hat die arabische Bande, die früher zwischen Hebron und Beer Scheba ihr Unwesen trieb, jetzt ihre Tätigkeit in die Umgebung von Jerusalem verlegt. Im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf den Transport der Palestine Potash Company, bei dem der Arbeiter Mordechai Slotnicki getötet worden war, sind 111 chrerc Ar a her verhaftet worden. Es heißt, daß sie gestanden haben, Mitglieder einer bewaffneten arabischen Bande zu sein, die früher in Siid- Palästina tätig war. Die Bande wurde von syrischen Arabern geführt lind erhielt aus Syrien Unterstützung. In dem arabischen Sportklub in Haifa wurden 1500 Nadeln mit dem Fühle des Mufti beschlagnahmt. Die Straße nach Aegypten ist für den allgemeinen Verkehr gesperrt worden, da größere Truppenabtcilungen nach dem Süden entsandt worden sind, um die im Negew zusammengezogenen arabischen Banden zu suchen. Neue Militärposten ln Nahlus wurde zur Bekämpfung des Bandenterrors in dieser Gegend ein militärisches Hauptquartier eingerichtet. Unter dem Kommando von Generalmajor \Vave1l finden in dem Dreieck Tulkercm, Dschenin, Haifa große Uehuiigcn statt, an denen auch Fliegerabteilungen, Panzerwagen, fahrbare Sender und schwere Artillerie teilnehmcn. Bei Tulkercm wurde eine Militärpatrouille angegriffen. Die Terroristen wurden durch Maschinengewehrfeuer vertrieben. ׳ Die Polizeistation in Dalirya ist abermals angegriffen worden. Flugzeuge wurden entsandt, um die Verstecke der Banden in dieser Gegend auszukundsciiaften. L)ie Geheimpolizei des Libanon hat einen größeren für Palästina bestimmten Waffentransport entdeckt. Nacliforschlingen haben ergeben, daß eine ausgedehnte Organisation, für den Schmuggel von Waffen nach Palästina besteht. Weitere 130 Mann starke Polizeipalrouillcii haben die Bcwacliung der Eiscnbahnstrecke Jerusalem—Lydda zur Verhütung von Sabotageakten übernommen. Zwischen Jerusalem und Nablus wurde eine Militärpatrouille beschossen. I3ie zur Verstärkung eint reffen den Truppen konnten keine Spuren der Bande mehr entdecken. In der Nacht sind auf die Anlagen der Palestine Potash Company am Toten Meer mehrere Schüsse abgegeben worden. Um 2 Uhr früh wurde das Black Watch-Rcgiment aus seinem Lager in Jerusalem nach dem Toten Meer entsandt. Es wurde im Gehirge Moab beschossen. In den Morgenstunden kehrte das Regiment in das Lager zurück. Eines der Flugzeuge, das nach den Banden in der Gegend von Dahrya sucht, ist verunglückt. Flugzeugfühl er und Besatzung blieben unverletzt. Ueberfülite Gefängnisse Die palästinensischen Gefängnisse sind jetzt so überfüllt, daß Konzentrationslager zur Unterbringung von Terrorisien, gleichgültig welcher Partei sie angeboren, angelegt werden müssen. Das größte Lager wird bei S aralend gebaut, wo schon während der Unruhen des letzten Jahres Hunderte Araber gefangen gehalten wurden. Diesmal wird neben einer Abteilung für Araber auch eine solche für Juden eingerichtet. Das Department für die Polizei und die Gefängnisse' hat von der Regierung zusätzliche Mittel zur Deckung der erhöhten Ausgaben verlangt. Infolge der fortgesetzten Anschläge auf die Telcplionleitungen werden alle Polizeiabteilungen mit Sendern und Empfängern ausgestattet. Der Distriktsheamle von Safed hat dem Bürgermeister und den Muchtars dieser Stadt Verhaftung für den Fall erneuter Ruhestörungen angedroht. Der Bürgermeister und die Muchtars sind daraufhin zurückgctrctsn. Keine arabischen Arbeiter bei militärischen Objekten Die Palästina-Regierung hat angeordnet, daß für Arbeiten aut den Flughäfen und beim Bau von MilitarbaracRen keine weiteren arabischen Arbeiter herangezogen werden. Die bereits beschäftigten Araber sollen, wie die Zeitung ״A-Dilaa“ von zuverlässiger Seite erfährt, Jiur Während einiger Stunden beschäftigt werden. Nach der Brandstiftung auf dem Flugfeld in Ltidd hat ״Dawar״ geschrieben: Die Brandstiftung auf dem Flugfeld muß die Regierung nicht nur wegen des großen Ausmaßes des Schadens in besonderem Maße beschäftigen, sondern weil sie eine natürliche, logische Folge der Geschichte dieses Flughafens ist. Dieser zentrale Flughafen, der vollkommenste des ganzen Orients, wurde in Lydda, fern von Haifa und Jerusalem und ohne sicheren Zugang zu der größten Stadt des Landes, Tel Aviv, angelegt. Beim Aufbau wurden nur arabische Arbeitskräfte zugelassen. Die jüdische Bevölkerung und ihre Presse warnte bereits vor Monaten vor der unzureichenden Bewachung dieses wichtigen Hafens üi der gefährdeten Gegend. Unsere Befürchtungen bewahrbeiteten sich. Hätte man zur richtigen Zeit 20 Polizisten auf dem Fluglelde stationiert, so hätte man jetzt keine Häuser in Lydda zu sprengen brauchen. Dieses Unglück muß von neuem die Frage der Errichtung eines Flughafens in Tel Aviv, außer dem von Lydda, aufkommen lassen. Wie die JTA. erfährt, wurde auf Grund der Einwände des Oberkonimandierenden Generalmajor W a v e 11 gegen die Sicherlieitsverhältnisse auf dem Flugfeld von Lydda die Errichtung einer hohen Mauer rund um den Flughafen beschlossen. Hinter dieser Mauer sollen die Soldaten im Notfall Schutz finden. Bewegung in Transjordanien? Die Tageszeitung ״linarez“ meldet aus Amman, daß die französische Fremdenlegion in Syrien Bercitschaftsbefehl erhalten hat; an der syrisch-transjordani* sehen Grenze kreuzen französische Militärflugzeuge. Weiter berichtet das Blatt, daß das tra ns jordanische Grenzkorps Befehl erhalte!! hat, die Gegend 11111 Akaba mit be* soliderer Aufmerksamkeit zu bewachen, da verdächtige Bewegtmgen a abisclicr Stämme und saudi-arabischer Truppenteile in der Nähe dieser Stadt beobachtet worden seien. Auf die Ocllcituug in Transjordanien sind drei neue Anschläge verübt worden. Reuter mehlet, daß die Berichte einiger Zeitungen über einen angeblichen Aufstand gegen Emir Abdullah und die Beschießung der Militärhnracken in Dclfour und die des Rcgicrungsgebäudes in A.lim unzutreffend sind. Bei der Eröffnung der Parlamcntsscssiou in Amman seien dem Emir von der Bevölkerung Ovationen bereitet worden. Ehe lasker - Schüler.- Ick tiwas mh Palästina Diesmal!)rächte mich der charmante und galante italienische Dampfer ״Galiläa“ nach! Da 1:1 stina und sein Bruder, das mächtige UrolSsdiiff: Gerusaieinme, zum zweiten Male in die Schweiz zurück in mein Adoptivkind. Ais wir damals am Abend am Ziel unserer Hinreise in Haifa landeten, staunte ich. wie groß und funkelnd die inorgenlämlischc Hafenstadt in den 2G Jahren meiner Abwesenheit geworden; sie kann sieh sehen lassen, die einen so strahlend anblickt. Aber ich sehne mich nach Jerusalem -- wie der nette verehrte Commamlnnte gcntlissimo unserer Galiläa richtig vermutete. Und nach den üblichen Formalitäten stieg ich sofort in den Autoomnibtis, der mich in die Lieblingsstadt Gottes brachte. Immer über den gelben Sandteppich der Wüste; manchmal durch die Straßen kleiner arabischer Städte und Dörfer rollte unser Wagen bergab, um wieder an einem Palmerihain vorbei, empor nach Jerusalem zu fahren. Man glaubt sich auf dem fernsten Stern, einem Schlepp- 8tern der Mondsichel, die gleitet wagerecht, ein grandbser goldener Nachen durch das weite Wolkenmcer am Strand des Horizonts entlang. Nach der Reise ins Heilige Land gibt es doch nur noch eine einzige Reise: Die Himmelfahrt. Weil man das höchste irdische Ziel erreichte zu Land und zur See: Jerusalem. Von dort geht es nicht weiter, von dort führt der direkte Weg in die Himmel. Die hebräischen schlichten Mönche glauben iincrschiittcrlieh an die Himmel. Sie lächeln besehenden, fragt man sie, wo die Himmel liegen. 111 welcher Hiimnelsrichtung? lind — ,,Breitengrad“? meint wohlwollend ein Ueberklügelter. Doch die demütigen Gottesjünger überhören schweigend die Hollart. Sie möchten Adonaj und Seinen Engeln nicht zu- Vorkommen. Ohne des Todestalers verlustig, üblichen Zoll, kommt keine Seele durch den unsichtbaren Tunnel des gcheimnisvollen Viadukts ins Paradies zu Gott heim. ,,Ist Palästina schön?“ Und fragt man mich auch aberlrials und immer noch einmal, ob Palästina und seine Hauptstadt Jerusalem schön? So bin ich, selbst im Interesse des Landes, zu ehrlich zu antworten, Palästina ist schön. Palästina ist Gestein, Seliöpfungsgesteiu, der kostbarste Edelstein des Herrn. Er trug ihn vor der Offenbarung der Welt an Seiner Hand. In meinen frühsten Gedichten steht: I'h möchte einmal Gottes Hand fassen Und Jerusalem an Seinem Finger sehen ..., Palästina ist Gestein. Zwischen Gestein und Gestein wuchsen Gegenden, schlängelten sich Landstreifen bis ans •Meer. Es ragten Höhen empor und stürzten kratergrausig sich auf Täler und höhlten sie aus. Aut ihren wiesigen Abbangen weidet das Lamm. Ein methodisches Chaos denke man sich Palästina, arbeitsam und von der Sonne verklärt. Auf die sandfarbene Leinwand im Rahmen der Berge Judas und Moahs und Giiboas malt die sonnige Goklmalerin, auf der Himmelsleiter sitzend, ihre zauberischen Träume. Viele mit lila Hintergründen, etliche oraiigcngclb und zitronengelb. Setzt plötzlich eine Flamme aus heißgepaarien Farben, einen Akzent auf das — Weltporträt der Heiligen roten Erde. Auf der Fahrt zum Toten Meer begegnen uns Reisenden bunte Wanderer, aus der Bibelzeit noch übrig. Ihrem Wandel entströmt Gläubigkeit und Vertrauen zu ihrem Herrn. Sie schreiten nicht weit vor unserem Omnibus, geruhsam den Weg inmitten der Wüste entlang und die tauben schnellen Räder unseres Wagens erreichen die Pilger doch nicht. Auf einmal sehe ich sie verschwinden, wie über Stufen hinabgleiten ins Innere der Welt. Unser schweres Auto fährt gedankenlos über ihren frommen Wandel hinweg. Diesen imerklärlichen Vorgang erlebten nur ich und meine kleine Freundin Trudmiriam, denn die Menschen auf ihren Sitzen schlummerten den 60-Gracl-Hit/eschlaf. Kamele, geschmückte mit lauter Perlen, vielartige Talismanc, die sie vorm Verunglücken schützen sollen, begegnen uns. Es ist ganz still im wagenraum, man hätte ein Sandkörn fallen hören, eine Muschel sicherlich. Jäh erwacht das niedliche Töchterchcn auf dem Schoße ihres Papas, eines Juden aus Bagdad. Bestürmt ihn auf Hebräisch, סס es auch nicht zur Salzsäule werde an Lotlis Meer? Es wolle lieber nicht an den Strand gehen. Wir befinden uns noch in offenen, ewigen Wüsten, aber wittern in der Ferne Orangenwälder. Schon grünt ein Emek zu unserer Rechten. Der hebräische Bauer ist der Fürst des Landes. Am späten Abend im liebevollen und geschmackvollen Gasthaus ״Vienna“ mußte ich noch Gästen vom Toten Meer erzählen. Die nicht mitwollten des jähen geographischen• Luft- Wechsels wegen, sich erst in der Heiligen Stadt zu akklimatisicren gedachten. Das Tote Meer liegt ungefähr 200 Meter unter dem Meeresspiegel. Nun rechne man dazu die 800 Meter, die man noch von Jerusalem bis ins Ta! zu gelangen auszuatmen gezwungen. Mancher Körper leidet unter dem Blutdruck. Ich spürte nichts, erfüllt voll Erwartung. In unserer Schulhibel erreichte ich als Kind schon einmal das gewaltige Tote Urtiieer-Lilaml; allerdings auf einer der kleinen gelblichen Seiten zwischen Re'igions::c■chichten gezeichnet. Audi ich suchte auf dem naiven Bildchen wie die kleine Dora im Autoomnifms nach der salzkandierten Säule, nach der ungehorsamen!'ran Loths. Ich schilderte meinen Zuhörern, wie ich und meine junge Freundin am Toten Mccresstrand angelangt, die zierliche Bagdaneserin schließlieh tauchen sahen in den warmen Wellen; doch von seinen Oden getragen das schmale olivfarbene Körperchen immer wieder sachte emporstieg. Das Tote Meer ist eigentlich ein großer See, gewürzt mit Mineralien: Salz, Brom, aber auch mit Schwefel und Oel. Man kann sich beide Hände voll Salz mit nach Hause nehmen. Allerdings noch ungereinigtes, ungenießbares.' Die fleißigen hebräischen Arbeiter bauten Salzwerke; die stehen, Schutzpatrone, vor dem biblischen Gewässer. Das Tote Meer ist in Wirklichkeit ein See, aber sein Charakter ozeanisch. Die Berge Moabs bewachen das geölte majestätische Wasser. Von der Hausterrasse eines großen Dichters in Talpiotli erblickte ich zum ersten Male die kuppelförmigen Höhen und schmal entlang den Toten Mceressec. Es ließe sich wohl reiten auf diesen Dromcdarbuckelri, meinte ich ernstliaft, zur Freude des Adern und seiner Frau. Es war noch frühster Morgen, die Sonne halte sich zum ersten Male verschlafen. Die herrlichen Berge noch in ihrer Naturfarbe, hraunfasetig und grau wie das Fell an enthäuteten Stellen der lieben stolzen Wüstentiere. Die moabitisclien Berge erschienen mir mm aus der Nähe erschaut um den ozeanischen Salzsee, gereckter, sich zur Wehr setzend geneigter. So weit dehnte sich der Strand! Wie mag einem Schiffbrüchigen wohl zumute gewesen sein vor tausend Jahren! Wir suchten uns in unseren Tüchern Muscheln. Ich mir solche, welche mir einzig in ihrer Farbe erschienen. Aber immer, wenn ich neugesauimeltc zu den schon gesammelten zu legen gedachte, waren die vorangesammelten wie durch eine Oeffmmg verschwunden. ״Das Tuch ist ganz.!“ sage ich zu Trudmiriam, die eine von den ,,kostbarsten“ ... betonte sie lächelnd, vviederfand. Müde setzten wir uns auf den Rand eines morschen Bootes; zogen uns nach kleiner Rast Schuhe und Strümpfe aus und sprangen in die erste Welle, die uns cntgegensprudelte. Und immer tiefer in die׳ heilige Flut, bis unsere Füße überzogen mit dem Produkt des Toten Meeres, ganz weiß waren und krustig. Und Durst verspürten wir mächtig; träumten schon von 'den Apfelsincnsäfteu und dem

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