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Jüdische Rundschau · 1937-11-05 · Heft 88 (5.11.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 88 (5.11.1937)
Date
1937-11-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 5. NOVEMBER 1937 ALÄSTINA Was denken Juden und Araber? Politische Konstellationen" Von unserem palästinensischen gl.-Korrespondenten In dem Artikel ״Politische Konstellationen“ in unserer vorigen Nummer begann unser Korrespondent mit einer Uebcrsicht über die gegenwärtige politische Lage und Stimmung im Lande. Nach Darstellung der Haltung der Engländer berichtet er heute, in Fortsetzung des vorigen Artikels, über die Meinungen im arabischen und jüdischen Lager und die Perspektiven einer politischen Beruhigung. (Red.) Das arabische Lager Wir betonten bereits vorher, daß die Scheidewände, die Juden von Arabern trennen, heute noch viel höher und undurchdringlicher geworden sind, als sie es schon vorher waren und daß es ungewöhnlich schwierig ist, sich einen Begriff davon zu machen, was im arabischen Lager in Wahrheit vor sich geht. In den gemischten Städten wie Haifa und Jerusalem begegnet man einander bei der Arbeit und im Handel und tauscht auch Meinungen und Eindrücke aus, und der arabische Arbeiter arbeitet an vielen Stellen in den Plantagen zusammen mit dem jüdischen Besitzer oder mit jüdischen Arbeitsgenossen. Aber politische Berührungen sind sehr selten geworden. Die arabische Presse ist noch weniger ein Spiegel des arabischen Denkens als früher. Sie ist nicht nur gehemmt durch die Zensur, sondern auch verfärbt von der Propaganda und, was viel schwerer wiegt, von der Angst. Die Furcht ist überhaupt heute im arabischen Lager zu einem beherrschenden Faktor geworden, zum Faktor von solchem Gewicht, wie er unter normalen Umständen schwer vorstellbar ist. Die Wochen vor dem 1. Oktober, an dem die Palästina-Regierung jenen Coup d’etat durchführte, mit dem sie selbst allen Ernstes wieder die Regierungsgewalt übernahm, hatten die arabischen Notabein una Reichen, die nicht völlig im Lager des Mufti standen, in fürchterlicher Weise eingeschüchtert, weil sie für ihr Leben zu fürchten hatten. Etliche von ihnen bewegen sich auch heute, nachdem sich das Blatt im Lande gewendet hat, nicht ohne bewaffnete Leibgarde und man kann sich vorstellen, daß sich unter diesen Umständen jeder hüten wird, eine Meinung zu äußern, die von der intransigenten abweicht. Unter diesen Umständen wird es noch klarer, daß die Brechung des Terrors die erste und wichtigste Voraus- Setzung jeder weiteren politischen Entwicklung wird. Daß die Lage der Terroristen seit dem 1. Oktober sehr viel schwieriger geworden ist, stellten wir bereits dar. Die Terroristen hatten sich in der Hauptsache aus vier Quellen rekrutiert: städtische Jugend, Dörfler, die sich den Banden in den Bergen anschlossen, Jugend aus den umliegenden Ländern, die zu dem Zweck nach Palästina gekommen war, den Terror zu stützen und zu organisieren, und schließlich jene bunte Mischung derer, die aus der allgemeinen Gesetzlosigkeit Vorteil zu ziehen suchten, also Straßenräuber und ähnliches. Bei einem Teil der Terroristen spielten neben den ,nationalen Motiven auch religiöse und panislaniische eine Rolle, also jener Typ des Fanatikers, wie er in der Gruppe des irn Kampf erschossenen Scheich El Kassam sich zeigte. Es ergibt sich aus der Eigenart des Terrors und aus der Unübersichtlichkeit der palästinensischen Landschaft und Grenzen, daß der Terror von relativ kleinen Gruppen immer wieder erneut und aufrechterhalten werden konnte und kann. Eine zentrale Stelle für das ganze Land im Sinne des Generalstabs einer Armee scheint nicht zu bestehen, dagegen gibt es Lokalorganisptionen, die untereinander locker affiliiert sind und zum Teil mit den lokalen ״nationalen Komitees“ verbunden, hier und dort auch identisch sind. Da der Waffenschmuggel blühte, Gelder reichlich zur Verfügung standen, teils von außen 11er, teils durch eine mit großer Gewalt durcligeführte Erpressung reicher arabischer Kreise, wurde die terroristische Bewegung lange Zeit ohne große Mühe in Gang gehalten. Augenblicklich ist infolge der englischen Gegenaktion sowohl die Organisation als auch die Geldversorgung stark gehindert, und die Einschüchterung tut das ihre zur Einschränkung des Terrors. Wie weit er jedoch völlig auszurotten ist, müssen die nächsten Monate erweisen. Es ist deutlich, daß zugleich mit der Zurikkdrängung des Terrors auch eine Umwandlung in der Mentalität der arabischen Massen vor sich geht. Diese waren vielfach passiv, stützten jedoch die Terroristen teils aus Sympathie, teils aus Zwang, standen auch unter dem Eindruck der arabischen Propaganda, daß die Regierung niemals im Ernst zugreifen würde. Gegen diese Behauptung ist in den letzten Wochen der Gegenbeweis erbracht worden, der seinen Eindruck nicht verfehlt. Es ist jedoch nicht einfach so, daß mit der Brechung des Terrorismus und damit der extremistischen nationalen Propaganda auch das arabische Dorf und die Massen in der Stadt zu dem Leben und den Auffassungen zurückkehren, die sie vor 1936 hatten. In diesen Jahren hat sich in der arabischen Gesellschaft mit großer Vehemenz und verblüffender Schnelligkeit eine bedeutsame innere Revolution vollzogen. Das frühere patriarchalische System, bei dem der Scheich und die Dorfältesten die entscheidenden Figuren im Dorfe waren, denen sich die anderen und insbesondere die Jugend fügten, hat einen heftigen Stoß bekommen und bröckelt mit großer Geschwindigkeit ab. Die altenAutoritäten brechen auseinander, im Dort hat plötzlich ein junger Mensch aus anderer Gegend, vielleicht von jenseits der Grenzen, den Einfluß und die Macht über die Gemüter. Damit brechen alte Traditionen und Begriffe zusammen, es vollzieht sich eine Revolution, die mit dem Revolver und dem Flugblatt in der Hand vollzogen wird und große Nachwirkungen haben muß. Die jüdische Konzeption ging bisher dahin, daß mit der Einführung einer modernen Wirtschaft in Palästina sich die feudalistische arabische Wirt- Schaft allmählich ändern und modernisieren und damit auch eine geistig veränderte Haltung unter den Arabern «intreten würde. Diese geistige Aenderung ist heute bereits da, aber sie erwuchs nicht auf einer langsamen friedli-ch-ökonomisehen Umbildung, sondern war die Folge einer gewaltsamen Revolution, die nach außen gegen die Engländer und Juden gerichtet war, nach innen jedoch ebenfalls die alten Bande lockerte und völlig neue Begriffe und Auffassungen schuf. In der Stadt gehen die Aenderungen in ähnlicher Weise, aber durch die Umstände verändert vor sich, und es ist sicher, daß gerade dort die Jugend in ihrer überwältigenden Mehrheit hinter den extremen Nationalisten stand. Hier aber sind auch die Notabcln und die großen Familien, die aus verschiedenen Gründen anderer Meinung sind als die Mufti-Gruppe. Diese sogenannte ״Opposition“ ist jedoch völlig stumm. Sie ist stumm, weil sie einerseits weiß, daß eine gemäßigte Ansicht, die eine Basis für Verhandlungen mit Juden und Engländern ergäbe, extrem unpopulär ist und weil sie — auch heute noch — eine durchaus berechtigte Angst vor der Kugel des Terroristen hat, der jeden Andersdenkenden als Verräter betrachtet und ihn lehren will, was nationale Disziplin heißt. Gerade die führenden Figuren aus diesem Lager werden sich heut« nicht gerne mit Juden sehen lassen, sie werden sich vor dem Ausspreclien einer abweichenden politischen Meinung hüten. Es muß eine relativ lange Zeit vergehen und es muß während dieser Zeit die unnachgiebige Haltung der Regierung bestehen bleiben, bis sich unter den Arabern eine Gruppe bilden kann, die einen neuen politischen Ansatzpunkt bietet. Dieses muß jedoch das Ziel der englischen Politik sein, nachdem sic die bisherigen arabischen Führer beseitigt hat. Bisher hat sich nur der Emir Abdullah im Sinne der Gemäßigten mit einem Interview herausgewagt. Freilich hat er es einfach aus dem Grunde leichter, weil er in Transjordanien sitzt, wo die Kugeln noch nicht so lose in den Läufen sitzen wie diesseits des Flusses. Der Emir allein ist noch keine genügende Stütze, er muß sich in Palästina eine entsprechende Gruppe sammeln, mit der er kooperieren kann und die imstande ist, einen erheblichen Teil der öffentlichen Meinung im Lande für sich zu gewinnen. Dieses zu verhindern und zugleich den Terror nicht einschlafen zu lassen, ist zur Zeit das Bemühen derjenigen arabischen Führer, die im Auslande sitzen. Der 1. Oktober war fraglos für die Araber ein schwerer Schlag. Es hat jedoch anscheinend nicht lange gedauert, bis sich die Füh- Tung in den umliegenden Ländern, insbesondere in Syrien, wieder konsolidierte. Damit ist der 1. Oktober für sie nicht der Abschluß einer Kampfepoche, sondern der Beginn einer neuen. In diese gehen sie den Engländern gegenüber mit großen Nachteilen hinein, sie haben weniger Menschen, weniger Geld und viel weniger Aktionsfreiheit. Aber sie haben immerhin den Kampf von neuem aufgenommen und er kann sich lange Zeit hinziehen. Ansichten unter den Juden Die aktuellste politische Frage unter den J«uden ist heute wie überhaupt in Palästina nicht die der großen Perspektiven, sondern die nach der Tendenz der nächsten Zukunft. Man fragt, ob es der Regierung gelingen wird, den Terror völlig stillzulegen und beantwortet die Frage je nach der Stimmung und je nach den Attentaten des Tages. Vor dem 1. Oktober hielt sich vielfach unter den Juden die Auffassung, daß eine Verhaftung der politischen Führer genügen würde, um eine Befriedung des Landes herbeizuführen, und diese Meinung wurde durch die relative Ruhe der ersten Oktoberhälfte noch verstärkt. Seitdem sich um die Mitte des Monats das Blatt wieder gewendet hat und wir in einer Serie neuer Terrorakte stehen, wird nach und nach cingcschen, daß dieser erste Zugriff allein nicht genügt. Diese Situation wird zu einem großen Teile auf das lange Zuwarten der Regierung gebucht, die dem Uebel erlaubt hat, sich cinzu- Anhaltende Unruhe Wieder Ausnahmezustand In Jerusalem Infolge der Ereignisse In der Jerusalemer Altstadt, über die wir in der letzten Ausgabe berichteten, wurde über ganz Jerusalem der Ausnahmezustand (d. h. Ausgehverbot während der Abend- und Nachtstunden) bis auf weiteres verhängt. Uebertall auf der Jerusalemer Jaffa-Straße Aut der Jaffastraße, im Zentrum von Jerusalem, wurden in der Nähe des Büros des Gouverneurs mehrere Schüsse abgegeben, wobei ein Araber und ein Jude schwer verwundet wurden. Letzterer wurde als der 20jährige Raphael N i m d a r, ein persischer Jude, identifiziert. Sein Zustand ist ernst. Infolge der den Schüssen folgenden Panik ist es der Polizei bisher noch nicht gelungen, die näheren Einzelheiten des Ueberfalles, der in der belebtesten Straße im. Zentrum Jerusalems stattfand, festzustellen. Vorläufig steht nur fest, daß die Schüsse aus ein und demselben Revolver gefeuert wurden. Das Schicksal des Mufti Ausweisung dementiert Meldungen, wonach der Mufti vom König des Irak nach Bagdad eingeladen sei, wurden vom Irakischen Konsulat in Beirut als unrichtig bezeichnet. Die Meldung, wonach der Mufti auf Anordnung der französischen Mandatsregierung binnen Wochenfrist aus Syrien und dem Libanon aus gewiesen würde, ist von der zuständigen Mandatsvertretung in Beirut ebenfalls dementiert worden; kein derartiger Schritt sei vorgesehen. In der Unterhaussitzung vom 3. November erklärte der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Lord Cranborne, auf eine Anfrage des Abgeordneten Wedgwood, daß eine Auslieferung des Mufti von der Britischen Regierung nicht gefordert werde. Nach zuverlässigen Meldungen aus Beirut hat der Mufti kürzlich aus dem Ausland eine große Summe Geldes erhalten, die unter den palästinensischen Flücht- 1 i n g « n verteilt werden soll. Die Verordnung, durch die den palästinensischen Zeitungen verboten wurde, Meldungen über den Mufti zu veröffentlichen, ist aufgehoben worden. fresset! und auszubreiten. Immerhin aber hat sich die Beur* tcilung der Regierung unter den Juden gebessert, man erkennt an, daß jetzt jedenfalls ein anderer Wind weht und hofft, daß die Ruhe eintritt, wenn auch nicht heule und morgen. (Daß in Regierungskreisen die Terrorbekämpfung als ein« langdauernd« Aktion betrachtet wird, haben wir bereits dargcstellt.) Dem arabischen Terror gegenüber ist die offizielle jüdisebe Haltung nach wie vor die der reinen Vcrteidig u 11 g und der Selbst b e herr s c 11 u n g. Die Losung der ״Hawlagah“ (sich beherrschen, nicht Rache nehmen) ist ebenso aktuell wie früher. Es ist charakteristisch für die jüdische Gesamtcinstdlung, daß auch heute noch, nach einer Nervenprobe von anderthalb Jahren, wie sie schwer ihresgieieben findet, diese offizielle Haltung von einer überwältigenden AU'hrheit aller Richtungen aktiv gestutzt wird und daß die verschiedenen jüdischen Vergcltungsakte, die vorgekoinmcn sind, von Outsidern kommen und von niemandem gebilligt werden. Die ״Hawlagah“ wird heute ebenso wie v-or einem halben Jahr von inen sch liehe 11 und politischen 1: nvügungen bestimmt, und es gibt keinen irgendwie verantwortlichen Menschen unter den Juden hier, der die Aufrufe des Waad Leuini in diesen Punkten nicht aus vollem Herzen gut hieße. Ein Bild der Stimmung unter der! Juden im Lande wäre nicht vollständig ohne einen starken Hinweis auf die erstaun!iclie Ruhe und einen gewissen Fatalismus, mit dem auch heute noch die Ereignisse des Tages aufgenommen werden. Das Leben in den Städten ist, wenn auch gedämpft durch die Wirtschaftsdepression, normal und lebhaft; die Er- Öffnung der Konzertsaison war ein künstlerisch-soziales Ercignis, als ob Schießen in Palästina eine unbekannte Sache wäre._Zwar unterschätzt in Palästina kein Mensch den Ernst der Situation, aber niemand ändert wegen der politischen Ereignisse sein tägliches Leben mehr als es notwendig ist, d. h. in Tel Aviv überhaupt nicht. So sieht der Tag hier sehr viel normaler ans, als man es sich nach den Schlagzeilen ausländischer Zeitungen über Palästina, die natürlich alle Morde groß drucken, vorstdien müßte. Die Juden gehen von der richtigen Erkenntnis aus, daß die Ausrottung des Terrors nicht nur ein wichtiger Selbstzweck, sondern die Voraussetzung aller anderen politischen Entwicklungen sei. Und so beginnt nach der Diskussion über diesen ersten wichtigen Punkt die Auseinandersetzung über die T e i_l u n gs plä 11 e. In Palästina — das ist heute kein Geheimnis mehr — sind die Peel sehen Teilungsvorschläge gleich nach Erscheinen des Reports von den Juden nicht unfreundlich befrachtet worden. Es gab in dieser Beziehung einen gewissen Gegensatz zwischen den offiziellen Proklaniationcn der verschiedenen Parteien und den Meinungen der großen Menge. Unter diesen Umständen ist die Entscheidung des Kongresses in Palästina nicht als eine große Ucberraschung empfunden worden. Die Mehrheit hatte mit einet ähnlichen Entwicklung gerechnet und billigte sic. Damit soll nicht gesagt sein, daß alle Juden in Paläslina für Teilung seien, wie ja auch auf dem Kongreß keineswegs alle die Politik Weizmnnns und der Exekutive mitmachten und es eine ansehnliche Minorität gab, die prinzipicll gegen die Teilung auf trat. ln Palästina liegen heute die Dinge ähnlich. Diejenigen Kreise, die unter allen Umständen gegen die Teilung sind, haben ihre Meinung nicht geändert; sie sind bereit, weiter für sie zu kämpfen, und sie umfassen einflußreiche Persönlichkeiten, die verschieden en Lagern angeboren. Auch in dieser Beziehung ähnelt die Situation im Lande der Lage auf dem Kongreß. Und auch die Argumente, mit denen man hei der Diskussion arbeitet, sind ähnlich, so daß es überflüssig ist. aut sie einzugehen. Ein psychologisches Moment jedoch soll hier erwähnt werden, das auf dein Kongreß nicht in Erscheinung trat und hier bewußt und unterbewußt eine gewisse Rolle spielt, und zwar zugunsten der Teilung: viele, sehr viele, die Tag für Tag mit der Administration zu tun haben, insbesandere in Dingen der Verwaltung, sind des täglichen Kampfes um das Tempo und die Art der Arbeit minie und sehen unter dem gegenwärtigen Regime keine Möglichkeit, zu einer anderen und freieren Arbeitsweise zu kommen. Der Kainpt um die öffentlichen Dienste im Lande, die ja in trauriger Weise den gesteigerten Bedürfnissen nachhinken, der Kainpt um die Entwicklung und Vmvaltungsart der Stadt Tel Aviv, die ja nicht nur die größte Stadt in Palästina ist, sondern fast ein Drittel aller hier lebenden Juden umfaßt, der Kamp! um soziale Hilfe und Sozialgesetzgebung durch die Regierung — kurz jene tausend Reibungen, die sich Tag für Tag zwischen den jüdischen Repräsentanten und dein jüdischen Publikum einerseits und der Administration andererseits ergebe», üben ihre Wirkung und bringen so manchen dazu, neben anderen Argumenten für den Judenstaat einzutreten. Man will, wie das Smilansky formuliert, bei sich ״Herr im Hause" sein. Häufig genug übersieht der ungeduldige Jude, daß Tel Aviv, daß die jüdischen Siedlungen nicht ganz Palästina sind, daß die englische Verwaltung sich auf zwei Bevölkerungen mit zwei Standards einstellen muß, häufig genug vergißt er auch, daß die kleinen Hemmnisse des Tages nicht als Prüfstein der großen politischen Entscheidungen gelten dürfen. Aber es ist nicht abzuleugnen, daß für viele die Aussicht, sich von dem engen Regime der Kolonialadministration zu befreien, etwas Lockendes hat und daß diese Aussicht die Einstellung für die Tcilung stärkt Was weiter im Lande das Lager der Teilungsanhänger vergrößert, ist der Mangel irgendwelcher anderen politisehen Vorschläge, die eine Lösung der Palästinafrage versprechen. Heute scheint die Frage zu lauten: entweder Tei- Iung oder Kristallisierung des Nationallicims im gegenwärtigen Zustande. Es ist natürlich, daß unter diesen Umständen sehr viele di« Teilung wählen und sich vielleicht — hier liegt ein Verschulden des Kongresses — übermäßig große■ Vor- Stellungen von den Entwicklungsmöglichkeiten des neuen Judenstaates machen. Denn was bleibt ihnen sonst, wenn sie nicht prinzipielle Teilungsgegner sind? Es wandern freilich an verschiedenen Ecken im Lande Menschen umher, die sich vom Judenstaat kein Heil versprechen und von den Alternativ- Vorschlägen der Kommission ebenfalls nicht und die ver-

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