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Jüdische Rundschau · 1937-11-05 · Heft 88 (5.11.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 88 (5.11.1937)
Date
1937-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 88, 5. XI. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Erklärungen im Unterhaus Palästlnasehnsuchft in Polen ׳, Palästinakonferenz Ende November Von unserem Berichterstatter Warschau, 2. November Während der Ereignisse der letzten Monate in Polen hörte man vielleicht wenig darüber, was die polnischen luden über Palästina denken und für Palästina leisten. Und man muß gestehen, daß die Not des Tages und die Sorge ums tägliche Brot so manchem nicht erlaubten, aus der Enge der Judengasse hinauszuschauen. Aber wer diese Juriengas.se in Polen während der Tagung des XX. Kongresses aufsuchte, konnte sich leicht überzeugen, wie tief und echt die Masse an Palästina hängt, welche greifbare Realität — trotz allem — Erez Israel für diese Juden des polnischen Städtchens bedeutet. Mit welchem Interesse und mit welcher Leidenschaft las und besprach man den Bericht der Königlichen Kommission, wie mitgerissen waren jung und alt, Zionisten und Nichtzionisten von den Debatten in Zürich, wie stark bekämpften sich auch hier die Ja- und Neinsager! Dann kamen zu Hunderten zu Besuch nach Polen Söhne und Töchter aus Palästina zum Wiedersehen mit ihren Familien. Die tausende Briefe, welche ein lebendiges Band zwischen den Generationen in Polen und in Palästina bilden, vermochten doch nicht die Unruhe der Jungen in Erez Israel über das Los ihrer Angehörigen zu verscheuchen. Also kamen sie hierher und fast jede jüdische Gemeinde empfing sie mit Freude. Man zog einen Vergleich und es stärkte sich in sehr vielen jüdischen Häusern hier die Sehnsucht nach diesem neuen Leben, bei vielen wuchs der Stolz über das Geleistete und — ohne spezielle Propaganda — gab man sich und den Zurückkehrenden das Versprechen, das Mehrfache zu leisten. Dann kamen wiederum die schweren Tage und Erlebnisse. Hier und in Palästina. Es ist schwer, auch für den scharfen Beobachter, die Haltung zu bezeichnen, welche die uiiiiuiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiMmiiiimiiuniimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimNiiiiiiiiimiitiiiiiiiiiiiiiiii Wanderlied Von Ilse BI u m en ih a 1 -We I 6 Nun ist man wieder so allein In fernem Land, in ferner Stadt. Nun bricht ein fremdes Leben ein Und täuscht das große Einsamsein. - Ach, daß man nirgend Heimat hatl Nun münden Streben In die Zelt, Die nur der Träume Warten sah. Und eile Wege sind so weit, Sind wie von Tranen zugeschneit. — Und nirgend doch ist Heimat nah. Nun treibt man allen Welten zu, Zeitaut und ab, wie Blatt im Wind. Ein Ladieln liebkost kurze Ruh’, Und wieder weiter, ich und du. — Adi, dab wir ohne Heimat sind. (Für Mrs. Corbett-Ashby) lltllllllllllllHIIIIIII1n1l(lllllllllllillllll!!lllllllll!lll!llllllllllll1m1lllllllllllll!lil!flll!llllllll!IlllltllllHlllllllllliilllllllllll(llllll1m1 polnische Judenheit jetzt gegenüber all dem, was in und 11m Palästina geschieht, ciunimmt. Spannungsvolle Er- Wartung, dies ist der Gefühlszustand, mit welchem Tausende polnische Juden tagtäglich die Nachrichten aus und über Palästina aufnehmen. Die Verbundenheit mit Erez Israel und dem Aufbauwerk ist so stark, die Gegenwart und Zukunft hier so trostlos, daß dieser Zustand natürlich ist. Die Erwartung sei aber eine passive — hörte man oft in den zionistischen Reihen in Polen klagen. Und diese Passivität, behauptet man mit Recht, sei zu gefährlich und bringe unserer Sache großen moralischen und materiellen Schaden. Die im Volke .schlummernden Energien bleiben unausgenutzt. Die große Aufgabe Diese passive Erwartung in eine aktive zu verwarndein —- das ist die große Aufgabe für die zionistische Bewegung in Polen im gegenwärtigen Augenblick. Erst Palästina hat uns diese Aufgabe vergegenwärtigt und mitgeholfen, sie zu erkennen und mit ihrer Verwirklichung zu beginnen. B i s t r i t z k i, Hantke und S p r i n z a k sind cs, die während der letzten Wochen zu uns kamen, mit uns eingehend die Lage besprachen und zusammen mit den polnischen Zionisten aller Schattierungen den Weg feststellten, der einzuschlagen ist. Joseph Sprinzak kam als Delegierter der Exekutive und tand bei sämtlichen Parteien großes Verständnis für die von der Exekutive proklamierte große Aktion zur Stärkling unserer Aufbaufonds. Es wurde beschlossen, Ende November eine Palästinakonferenz der polnischen Juden, die alle dem Palästinawerk nahestehenden Kreise umfassen soll, einzuberufen. Diese im Zusammenhang mit dem zwanzigsten Jahrestag der Balfour- Deklaration geplante Konferenz soll eine intensive und großzügige Palästinatätigkeit in Polen einleiten, die einen namhatten Beitrag für die Anfrechterhaltung und Vermehrung unserer Positionen in Palästina liefern und zugleich das geistige und moralische Rückgrat der polnischen Judenheit Die Verantwortung der Araberführer in der Unterhaussitzung vom 3. November hatte der Abgeordnete Gallacher den Kolonienminister gefragt, ob er bekanntgeben wolle, warum Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees verhaftet und aus Palästina deport i e r t worden seien, was die Bedeutung der von der Palästina-Regierung am 1. Oktober erlassenen Erklärung sei, daß die Mitglieder des Arabischen Komitees für den Tod von Arabern und Juden, den Mordanschlag auf den Generalinspektor der Palästina-Polizei, R. G. Spicer, und die Ermordüng des Distriktskommissars Louis Andrews und des Polizisten McEwen moralisch verantwortlich seien; ob die Regierung Beweise für die direkte Mitschuld von Mitgliedern des Arabischen Komitees an diesen Terrorakten besitze und warum dies nicht mitgeteilt worden sei, wenn es der Fall war. Kolonienminister Ormsby-Gore erwiderte, die gegen den Jerusalemer Grofimufti und die übrigen Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees unternommene Aktion sei die direkte Folge der Mordtaten und Terroranschlage gewesen, die seit September besonders intensiv waren und zu der Ermordung des Distriktskommissars von Galiläa, Louis Andrews, und des britischen Polizisten McEwen beim Verlassen der Kirche von Nazareth geführt haben. Es sei die Ansicht der Regierung, daß die Tätigkeit des Obersten Arabischen Komitees die Äufrechtcrhaltung von Ruhe und Ordnung in Palästina gehindert hat und daß dieses Komitee für die im Lande begangenen Verbrechen verantwortlich zu machen sei. Als der Abgeordnete Gailacher weiter fragte, ob die Regicrung ihre Haltung gegenüber dem Obersten Arabischen Komitee nicht ändern werde, antwortete der Minister in sehr entschiedenem Tone: Nein. Die Regierung, fuhr Minister Ormsby-Gore fort, habe im Laut eines ganzen Jahres außerordentliche Nachsicht gegenüber der Welle von Mord, Verbrechen und Aufstand gezeigt, die über Palästina gegangen ist. im Lichte der Tatsache» sei die Regierung zu der Schlußfolgerung gekommen, daß die nachsichtige Haltung gegenüber den Trägern des Terrors von diesen als Anzeichen der Schwäche der Regierung gedeutet wurde. Darum müsse die Herrschaft von Ruhe und Ordnung in Palästina wicdcrhergestellt werden, wenn das Leben der gemäßigten Araber und der Juden gesichert werden soll. Es wurden in derselben Sitzung des Unterhauses an Minister Ormsby-Gore noch eine Reihe weiterer Fragen von verschiedenen Abgeordneten gestellt. U. a. wurde der Minister efragt, wie cs zu der Brandstiftung auf dem Flugeld von Lydda gekommen sei, und was die Regierung im Zusammenhang mit diesem Anschlag plane. Der Arbeiterparteiler Tom Williams fragte, ob die Regierung nicht beabsichtige, in der Nähe von Tel Aviv einen neuen Flugplatz für die Zivilluftschiffahrt einzurichten, der im Hinblick auf die stärken soll. In dieser Beziehung wirkt ausgezeichnet der Dichter Natan Bistritzki als Abgesandter des Keren Kajemeth. Bei der großen Landeskonferenz des Keren Kajemeth in Warschau und bei einem Treffen der jüdischen Schriftsteller und Journalisten gab Bistritzki eine ausgezeichnete und tiefschürfende Analyse des Kulturniveaus und geistigen Daseins der heutigen Juden in der Galuth. Die in der interessanten Debatte geäußerten ]Meinungen bekannter Schriftsteller ergaben ein Bild der unbeschreiblichen Krise, in welcher sich die gegenwärtige jüdische Generation befindet. Ein Großteil von ihr hat keine Verbindung mehr mit der alten Tradition und ist mit keinen netlen jüdischen Geistesquellen verbunden. Das Problem besteht darin, einen neuen Erziehungsweg zu wählen, um der jüdischen Jugend die Elemente der jüdischen Tradition beizubringen und sie gleichzeitig mit dem neuen Werden in Erez Israel innerlich zu verbinden. Im Zusammenhang damit wurde die Beziehung zwischen Erez Israel und der Galuth erörtert. Ein gegenseitiger seelischer Kontakt der ״Q 11 a 1 i t ä t Palästinas“ mit der ״Quantität der Galuth“ könnte eine Heilung für die gegemvärtige Krise bringen. Eine organische Vertundüng zwischen der jüdischen Phantas ie und dem jüdischen Boden sei nötig. Dieser von Bistritzki angeregte Meinungsaustausch ist als echte zionistische Kulturtat zu bewerten. Diese inhaltsvollen Botschaften von Bistritzki und Sprinzak werden sicherlieh viel dazu beitragen, die zionistische Tätigkeit und den zionistischen Gedanken in Polen in neue Bahnen zu lenken. ״An die polnischen Mütter“ Aus Lemberg wird berichtet, daß die dortigen nationaldemokratischen Studenten trotz der Warnung des Rektors, Prof. Kulcynski, eine Versammlung abgehaltcn haben, in der die Einführung von Ghettobänken gefordert wurde. Die Studenten bildeten sodann einen Zug, der sich unter Judenfeindlichen Rufen durch die Straßen bewegte. Die jüdischen Läden wurden heim Herannahen des Zuges geschlossen. Vor dem Hause des Rektors, der mit seiner Gattin am Rette seines erkrankten Kindes weilte, veranstalteten die Nationaldemokraten eine Kundgebung. Die Gattin des Rektors hat in den polnischen Zeitungen einen offenen Brief ,,an die polnischen Mütter“ veröffentlicht, in dem sie diesen Vorfall schildert. Der Appell der Gattin des Rektors an die Oeffentlichkeit hat tiefen Eindruck gemacht. Der Professor an der Wawelbergschcn Technischen Hochschule in Warschau, Ing. Krusewski, gab zu Beginn der Nähe der jüdischen Stadt vor Terror- und Sabotageakten sicher wäre. In Beantwortung dieser Interpellationen teilte Minister Ormsby-Gore folgendes mit: In der Nacht vom 15. zmn 16. Oktober ist aus den benachbarten Dörfern eine größere Bande aut das Gebiet des Zivilflughafens in Lydda eingedrungen, hat die Telephon- und Telegraphenleitungcn durchschnitten, die Gebäude in Brand gesteckt und so die Vernichtung des Zollamtes, des Paßamtes und der Radiostation verursacht. Der drahtlose Verkehr wurde mit Hilfe von Funkgeraten wiederhergestellt, die von den Abteilungen der militärischen Luftflotte zur Verfügung gestellt wurden. Es wurden provisorische Einrichtungen getroffen, die die ungestörte Fortsetzung des Zivilluftverkehrs sichern, und diese Einrichtungen werden dauernd verbessert. Die Errichtung eines neuen Lufthafens hält die Regierung nicht für notwendig. Der Flugplatz in Lydda wird jetzt durch Militär gesichert. Die Luftvcrhindung mit Alexandrien und Kairo wird in normaler Weise fortgesetzt. Anti -T error ־ Bestimmungen bleiben in Krait Im Unterhaus fragte am I. November der Abgeordnete Gailacher, ob der Minister bekanntgeben wolle, warum arabische Häuser in Palästina gesprengt worden sind; in wievielen Städten oder Dörfern solche Sprengungen mit Dynamit stattgefunden hätten; nach weichem Grundsatz die Wohnhäuser zur Zerstörung ansgewähit wurden; wieviele Personen obdachlos geworden seien; ob diese Politik der Zerstörung von der britischen Regierung genehmigt worden sei, bevor sie angewandt wurde, und ob der Minister anordnen wolle, daß diese Sprengungen in Zukunft unterbleiben und an ihre Stelle eine Beilegung von Streiligkeiter! durch versöhnliche Methoden trete. Minister () r 11! s b y - G o r e antwortete: Häuser können ist Palästina niedergerissen werden, wenn ein Disti iktskommissar davon überzeugt ist, daß aus ihnen eine Schußwaffe abgefeuert oder eine Bombe, ein anderer Sprengkörper oder ein Brandstoff aus ihnen geschleudert worden ist. Außerdem kann in jeder Stadt, jedem Stadtviertel, Dorf oder sonstigem Gebiet jedes Haus demoliert werden, dessen Bewohner nach Ueberzeiigimg des Distriktskommissars ein Verbrechen, wie Gewalttätigkeit gegen Personen, Einschüchteruiig oder Sabotage begangen oder zu ihm Beihilfe oder Vorschub geleistet haben, ich besitze keine Mitteilungen über die Zahl der Städte oder Dörfer, in denen solche Maßnahmen getroffen wurden otier über die Zahl der betroffenen Personen. Die Bestimmungen, die unter den erwähnten Umständen Sprengungen zulässig machen, sind von der Regierung Sr. Majestät gebilligt worden. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so kann ich nur sagen, daß nicht die Absicht besteht, das Gesetz abzuändern. Vorlesung seinem Bedauern über die Teilung der Studenten in zwei Gruppen Ausdruck. Er erklärte, es falle ihm unter solchen Umständen schwer, seine Lehrtätigkeit auszuüben. Es geschehe einem Teil der Studentenschaft unrecht, und das verletze sein Gefühl für Gleichheit. Der Professor gab bekannt, daß er bereits im Professoren rat eine Erklärung in diesem Sinne abgegeben ,habe. Was ihn persönlich angelte, so werde er zu allen Studenten die gleichen Beziehungen! aufrechtcrhalten. Er hoffe, daß die Gerechtigkeit siegen werde. An der Landwirtschaftlichen Hochschule in Warschau wurden getrennte Uebungssfile für Juden und Christen eingeführt. Die jüdischen Studenten haben zum Protest die Uebungen verlassen. Prozesse wegen Ausschreitungen Das Kreisgericht in Lomza hatte 18 Angeklagte wegen Beteiligung an den j u d e n f e i 11 d 1 i c h e 11 A u s s c h r e i - t u n g e 11 in Czyzcw zu Gefängnisstrafen von sechs bis zehn Monaten verurteilt. Das Berufungsgericht hat das Urteil gegen 17 Angeklagte bestätigt, der achtzehnte, der Rubrer der Nationalradikalen von Czyzew, Kraszewski, ist inzwischen durch einen Unfall ums Lehen gekommen. Kraszewski hatte an der Spitze einer Gruppe von Ex/eilcnten eineip Autobus bei Lomza überfallen, in dem Juden fuhren. Der Chauffeur, der durch einen Steinwurt getroffen wurde, verlor die Herrschaff über den Wagen. Kraszewski wurde durch eine herabfallende Kiste erschlagen. In Warschau wurde das Berufungsverf,ihren in dem Prozeß gegen den jüdischen Kaufmann Joseph P e n d r a k aus Czcnstochau eröffnet, der den Träger Baratt nach einem Wortwechsel getötet hat. Das Kreisgericlit i!t Czcnstochau hatte Pendrak zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt und in der Begründung erklärt, die Tat sei aus Rassenhaß begangen worden. Unmittelbar nach dein Tode Barans ist es bekanntlich zu den Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung von Czenstochau gekommen. Die Gefängnisstrafe für Pendrak wurde auf 13 Jahre herabgesetzt. Das Berufungsgericht stellte ausdrücklich fest, daß die Tat nicht ״aus Rjsscirh ß“ begangen wurde, dagegen könne nicht anerkannt werden, daß Pendrak in Notwehr gehandelt hat. Die Verteidiger haben Revision beim Obersten Gerichtshof augemeldet. Auf den jüdischen Bäcker Abraham Rosen stein wurden in einer Warschauer Vorstadt mehrere Revolvcrschitsse abegeben. Er wurde in hoffnungslosem Zustand ins Kranken.- aus gebracht. - * * - :WämkSß> »DER GEDECKTE TISCH« cSitMtÄüCScl ezsekau. im /. cStach al /. y\laveutL Unsere Spezial-Abteilungen für Tisch-, Haus- und Bettwäsche bieten für Neuanschaffungen und Ergänzungen Ihrer Ausstattung stets vorteilhafte Angebote R f R l I N (2 SP A NO A Uf מ KON IGS TR

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