Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 88 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 88, 5. XI. 1937 »I |׳;.f »I» 3#f f: ג<'יו ־ <# 41?#־׳ 1!u y I!( . :1 fv i Isoliert erfolgen, sondern im Zusammenhang mit der Oe- Samtsituation der Juden in Polen und mit der Klärung der innerpolitischen Lage in diesem Lande überhaupt. Dennoch ist die Jttdenfrage in Polen nicht bloß eine ״innere Angelegenheit“ dieses Landes: Die Jtidenheit der Welt muß an diesen Vorgängen Anteil nehmen, denn eine Milderung der Jiidenfrage in Polen erfordert unter anderem eine Fördentng der jüdischen Auswanderung, und es ist nichts Neues, daß durch einen jüdischen Auswanderers!roin aus einem bestimmten Land auch die Judcnhcitcn anderer Länder nütberührt werden. Ohne Hilfe der Weltjudenheit ist eine organisierte lind halbwegs geregelte jüdische Wanderung gar nicht möglich, und kein Staat hat ein Interesse an ungeregelter, panikartiger Auswanderung, die ein Chaos erzeugt. Neben der Auswanderung ist die Norinali- 8 i e r u 11 g des beruflichen Aufbaues der polnischeu Judenheit, die derzeit ein vorwiegend städtisches Eiement bildet, dringend erforderlich, und in diesem Zusammenhang auch eine Abwendung von den intcllekt u e 11 e ti und a k a d e in i s c 11 e 11 Berufe 11. Dies aber erfordert eine wohlwollende Kooperation seitens der zuständigen Behörden und ist auf jeden Fall ein Prozeß auf lauge Sicht; aber ein Prozeß, der sich schließlich segensreich für alle erweisen muß. * Die Nachricht, daß H. St. John Philby dieser Tage In Jerusalem cingctroffcn ist, lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf diese eigentümliche Persönlichkeit, die schon einmal!•ersucht hat, in die Geschicke Palästinas cinzugreifen. Pliilhv war ein Mitglied jener britischen Mission, die während des Weltkrieges vom Persischen Golf aus ins Innere Arabiens vordr.mg und dort Beziehungen zu dem Wählt,׳ibi-Snltnii des Nodschd, Abdul A/iz ihn Saud, anknüpfte, während auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel Co!. Lawrence den Scherben von Mekka, Hussein, für Lughmi gewonnen Iiatte. Ihn Saud und 1 lusfein waren Rivalen tun die Hegemonie in der arabischen Welt, und nachdem am Ende des Weltkrieges Hussein zum König des Hedselias (und damit ־zum Herrn über die Heiligen Stritten des hl am) gemacht worden war, während seine Sohne Feisal im Irak und Abdullah in Transjordatiicui Herrscher wurden, gelang es Ihn Saud im Jahre ld'24, Hussein zu vertreiben Und sich in den Besitz des Hodschas zu setzen, so daß heute Ihn Sand unbestritten der mächtigste Herrscher der arabischen Halbinsel ist und den N'edsehd und Hodschas unter *einer Herrschaft vereinigt (das neue Reich wird kurz. ״Samlia‘■ genannt),!,hiIhr, der nach dem Kriege eine Zeitlang Berater des englischen Administrators in Trans Jordanien War, war spiiter immer wieder Mittelsmann zwischen England und Ihn Saud und stand eine Zeitlang• in dessen Diensten (er soll auch zum Islam iibergetreten sein). Pltiiby hat sieh immer für die Probleme Palästinas Interessiert, schon weil er der Meinung war, daß Palästina einer engeren englisch-arabischen Freundschaft im Wege steht. Darum war er auch kein Freund des Zionismus. Er hat nach den Unruhen des Jahres 1020 als Privatperson in Palästina zu vermitteln versucht und es lohnt vielleicht, diese um 8 Jahre zurückliegenden Vorgänge, die vielen unserer jetzigen Leser unbekannt sein dürften, ins Gedachtnis zurückzurufen. Phüby hatte damals in Jerusalem eine Reihe von geheimen Besprechungen mit den arabischen Fiih- Tern und hat dann in einem Artikel in ״New York Times“ vom 21. November 1929 seine Friedensvorschläge formuliert, die wie folgt resümiert wurden: I, 1, 1. A 11f'1c״'h!e1"l1al:ung der lt.dfo'.ir■Deklaration. 2. .Vutrecliierhaimng des ,M imlaico, 3, J’iel;• Bimvandeiung «cü,.])reehcnd der Auhsalmseiähigkcit des J..UH.W, 4. lir.'.rvi• khing dir |ii■ fhen n.1־t:on.׳!on Ivdtur, 5, A11 Hs dUmg v״׳;s l׳eb n reu vline!״!!ydc, 0. \\ 0iu:i bei* ,1nd dir je■■', i :: VgcSK'y, II. 1. Lim: liaiianalc Kegierung dtm״k1,1l!-׳ l1-1 epublikanischcn Cha• ] ■!1,!! SS, 2.1,111 l.c Re!!.sr und Vertretung auf Grund der Zahl für jedes 3. S-l.׳!o d../’ t»■ ׳,!/:״. er; R.i'lrse mH InWrw.en der fude-n ״nd ns.Wnsi Mwmswun ,!׳:!!, d.!■; Yewrs de־ bre ddsen High er,!! Hcte!cg! ■IsiUve f>,!-T ‘.״,•!״!!ge U1־gUTt11sCw1ne£!1,11!nK*, 4. .Der lligh ('oimig-dnncr behält die l!1 ■fehl.״ und \ erhigting-• gtevalt über dir M di•r1־ rebkruno und Nt verant',! orlkdi iur <J!t!>:teiltIi.:he biheih! hg‘ Pliilhv hat auch zu den Juden Fühlung gesucht und hatte mehrere Besprechungen mit Dr. Mngncs, dem Kanzler der Universität Jerusalem, der ihm von früher bekannt war. Magnes hat darüber in seiner 1029 erschienenen Broschüre ״Wie alle Völker?“ Rechenschaft gegeben. Magties war wegen dieser Besprechungen mit Pliilhv heftigen Anfeindüngen ansgesetzt; die jüdische Oeffcntlichkeit lehnte Magties’ Intervention ebenso wie Philbys Programm, das in seinem wesentlichen Kern auf der Statuierimg der Juden als M i « d e r 11 e i t beruhte, entschieden ah. Gb die A r a b ct jenem von Phüby veröffentlichten Programm ihre Zustimmung gegeben haben, ist nicht bekannt geworden, doch ist im Jahre 1931 eine Pressepolemik zwischen den arabischen Parteien entstanden, aus der hervorgeht, daß die Verharxilungen wenigstens eines Teils der Araber mit Phüby ziemlich Weit gingen. Diese Dinge haben heute gewiß nur den Wert historischer Reminiszenzen; aber sie sind von Interesse_, weil Philby zu den ersten gehörte, die sich in England entschieden für das Teilungsprojekt des Peel -Planes ausgesprochen haben. Diese Zustimmung hat er in der englischen Presse geäußert, und in einer Diskussion, die im Juli d. J. im ״Royal Institute of International Affairs“ (Königliches Institut für internationale Angelegenheiten) in London im Anschluß an ein Referat Lord Peels über die Palästinafrage abgehalten wurde und deren hochinteressantes Protokoll ־ziemlich ausführlich in dem September,Oktober- Heft der Zeitschrift dieses Institutes (״International Affairs“, Chatam House, London SW. 1) abgedruckt ist, hat Philby seinen Standpunkt dargelegt. Er habe, so sagte er, den scheinbaren Frieden der letzten Jahre in Palästina Immer für eine Illusion gehalten und war überzeugt, daß das Mandat undurchführbar ist. Wenn die Regierung — so habe er vor zwei Jahren gesagt —■ ihre Politik nicht ändere, werde es endloses Blutvergießen geben. Um so mehr begrüße er den Peel-Bericht, und als ein Mann, der sein ganzes Leben lang die arabische Sache unterstützt hat, glaube er, daß bei ruhiger Sonnabend, 13. November, 20JO Uhr, GEMEINDE-ABEND in der Synagoge Prinzregentenstrqße Von der Balfour - Deklaration zum Judenstaat Kundgebung aus Anlaß des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration Rabbiner Dr. Leo Baeck Direktor Heinrich. Stahl Dr. Michael Traub Begrüßungs- Ansprachen von Vertretern der Landesverbände Musikalische Umrahmung durch das Orchester des Jüdischen Kulturbundes, Berlin, unter Leitung von Kapellmeister Rudolf Schwarz Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Jewish Agency for Palestine Präsidium des Keren Hajessod »*»♦•♦•fr♦—♦♦♦» Uebcrlegung die Araber den Bericht annehmen werden, da dies in hohem Maße in ihrem eigenen interesse liege. Der Peel-Bericht sei nicht nur eine sehr vermmftige Lösung eines außerordentlich komplizierten Problems, sondern er sei auch die einzige Lösung, der einzige andere Weg sei ununterbrochenes Blutvergießen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede sagte Philby, das bedeufaulste Jahr in der arabischen Geschichte sei das Jahr der Geburt des Propheten und der Gründung der arabischen Nation gewesen und dieses Jahr heiße in der Geschichte das ״Jahr des Elefanten“; durch ein seltsames Zusammentreffen sei das persisch-arabische Wort für Elefant ״Peel“. Der Redner wußte anscheinend nicht, daß auch das hebrä■ ische Wort für EIcLyit ״Peel“ פיל ist, ohne daß es nötig wäre, hieraus irgendwelche ״politischen“ Folgerungen zu ziehen. Um aber zum Ernst der Sache znrückzukehren: die Anwesenheit Philbys in Jerusalem könnte vielleicht nützliehe Dienste leisten, wenn es gelingt, die Araber zu der Anschauung zu bekehren, die einer der besten Freunde, die sie in England haben, ausgesprochen hat. Der Tcilungs• plan ist ja kein Selbstzweck, sondern sein Hauptwert, vvic auch die Peei-Koinmission ausgesprochen hat, soll darin liegen, daß er dem schwergeprüften Lande endlich den Frieden zurück!gibt. Wenn die Araber und ebenso die Juden einen verbesserten Teilungsplan akzeptieren und darüber hinaus eine Form der Kooperation der beiden neu entstandenen Staaten finden, indem unter die Vergangenheit ein Strich gemacht wird »und gemeinsam der Versuch einer neuen Aera gemacht wird, — dann kann dieses höchste Ziel, der Friede, gesichert werden. Solch ein Ziel ist des Einsatzes der besten Kräfte auf beiden Seiten und der Mit- Wirkung neuer Menschen wert. Diese Lösung könnte dann auch die Zustimmung der arabischen Weit außerhalb Palästinas finden, und darum ist es niciit gleichgültig, daß ein Mann wie Philby, der auf der Reise zu einem so maßgebenden arabischen Fürsten wie Ihn Saud ist, sich dieses Projekt zu eigen gemacht hat und vielleicht inzwischen auch dazu gelangt ist, den jüdischen Standjmnkt besser zu verstehen. '* Die dramatischen Ereignisse der letzten sechs Wochen in Palästina haben so sehr die Aufmerksamkeit beansprucht, daß daneben die itinerjüdischen Diskussionen um die Teilung in den Hintergrund traten. Die Ereignisse, vor allem die eindeutigen Erklärungen Edens in Genf, scheinen arizuzeigen, daß England fest entschlossen ist, unter keinen Umständen das Palästina -Mandat in der bisherigen Form fortznf (ihren. Dieser Ueberzeugmig Sind offenbar auch die unterrichteten englisch-jüdischen Kreise. So ist es zu verstellen, daß ein Mann wie Harry Sacher hei einer Londoner Konferenz, diese Woche gesagt hat, das Mandat sei ״tot“, d. h. es müsse durch etwas Neues ersetzt werden. Ein beträchtlicher Teil der jüdischen Öffentlichkeit ist aber anscheinend der Meinung, daß England dennoch veranlaßt werden könnte, das Mandat weiterzuführen, und nach der letzten Abrechnung mit den Arabern sogar in einem verstärkt projüdischen Sinn. Eine der wichtigsten Und bestorganisierten Gruppen innerhalb des Zionismus, die amerikanische Frauen- Organisation ״Hadassah“, hat auf ihrer Konferenz einen Be- Schluß gefaßt, der den Teilungsplan ablchnt. Die politische Resolution der Hadassah-Konferenz, ist um so wichtiger, als die bisherige Präsidentin der Hadassah, die allseitig verehrte Mrs. Jacobs, jetzt in die Exekutive der Jewish Agency cintritt. Man erinnert sich, daß die Wald von Mrs. Jacobs in die Exekutive in der letzten Nacht in Zürich heftig umstritten war, weil ein Teil der Zionisten (geführt von Ren Gurion) sich dagegen aussprach, daß Zionisten Exekutiv-Mandate voti dem nichtzionistiselicn Teil der Agency annehmen, Mrs. Jacobs genoß die besonder() Wertschätzung von Felix Warburg, der die Exekutive um unabhängig denkende Persönlichkeiten ohne Rücksicht auf ihre Parteisteilung gestärkt zu sehen wünschte. Bis in die letzten Tage war nicht bekannt geworden, ob Mrs. Jacobs, die in Zürich nicht anwesend war, die Wahl angenommen hat oder nicht. Erst jetzt hat sic die Erklärung abgegeben, daß sie die Wahl an nimmt, und demgemäß den Vorsitz der ״Hadassah“ nicdergclcgt. Es wurde nicht mitgctcilt, ob Mrs. Jacobs sich zum Antritt ihres Amtes sofort nacli London bzvv, Jerusalem begibt. Es wäre jedenfalls wünschen«- wert, daß sie sich persönlich über die wahre politische Sachlage unterrichtet und darüber aticli ihre amerikanischen Freunde aufklärt. Mrs. Jacobs ist die zweite Frau aus dem Kreise der ״Hadassah“, die in die Exekutive cintritt. ISire Vorgängerin, Miß Hcnrictta Szold, die noch heute in hohem Alter Vorbildlieh in der sozialen Arbeit Palästinas wirkt und durch ihre Tätigkeit für die Jugcnd-Alijah in weitesten jüdischen Kreisen Europas populär geworden ist, gehörte von 1927 bis 1931 der Exekutive an. Auch Mrs. Jacobs ist eine jener seltenen Frauen, die hingebungsvolles Wirken in der Öffentlichkeit, politische Klugheit und soziales Gefühl mit echten menschliehen und fraulichen Qualitäten vereint. Ihr Eintritt in die Exekutive wird, jenseits aller formellen Verf assungsfragen, als ein Gewinn der Jewish Agency begrüßt werden müssen. * Anläßlich des zwanzigsten Jahrestages der Baifotir-Dekiarafion ist es überaus reizvoll, in der kürzlich erschienenen großen Balfour-Biographie der N ieiite des Verstorbenen, Blanche Dugdaie (zwei Bände, Verlag Hutchinson & Co,, London) das Kapitel dtircli/iihkittern, das Balfours Beziehungen zum Zionismus und die Vorgeschichte der Deklaration behandelt. Es sei —so betont die Biographin - nicht ganz richtig, wenn man Balfour oft persönlich die Verantwortung für die Deklaration zuschieht, denn es handelt sich um einen K a b i n c 11 b c s e 111 u ß, der nach sehr langwieriger Vorbereitung und gründlicher Uebcrlegung zustande kam. Dennoch war Balfours Begeisterung für die zionistische Sache ein entscheidender Faktor in dieser Entwicklung. Balfour hatte im Jahre 1905 während einer Wahlkampagne in Manchester die Bekanntschaft des jungen Privatdozentcu der Chemie, Dr. Weizmann, gemacht, und es kam zu der berühmten und oft geschilderten Unterredung, in der Balfour wissen wollte, warum die Zionisten 1902 das Ostafrlka-Angebot Joseph Chamberlains (des Vaters des heutigen Primeministers) abgelchnt hatten lind Von Weizmann die Antwort erhielt: ״Wenn man Ihnen Paris statt London anbieten würde, würden Sie es nehmen?“ Stundenlang dauerte das Gespräch, das Balfour tief ersehntterte, und das er nie vergessen hat. ״Zwei ungewöhnlich magnetische Persönlichkeiten“, so schreibt Mrs. Dugdaie, ״waren miteinander in Kontakt gekommen.“ Als dann elf Jahre später die Palästina-Frage amtlich an Balfour herankam, waren bereits Verhandlungen der englischen Zionisten mit verschiedenen Mitgliedern des Kabinetts vorausgegangen; denn Balfour trat erst 1917 in die Koalitionsregierung ein. Mrs. Dugdaie erwähnt Weiztnanns Erfindung der synthetischen Herstellung des Acetons, weist aber die volkstümliche Legende, die auch in den zweiten Band von Lloyd Georges Kriegsmemoiren Eingang fand, zurück, als sei die Balfour - Dcklaration eine Art Belohnung für die Dienste gewesen, die Weizmann als englischer Staatsbürger seinem Vaterlandc lei» stete. Die Balfour-Deklaration sei nichts weniger als ein derartiges ״Geschäft“ gewesen. Sie war ein sehr umstrittener politischer Akt. im Kabinett gab es heftige Opposition, die von dem Minister für Indien, Edwin Montcgu, der selbst Jude war, geführt wurde, und noch am 24. September 1917 stellte Balfour in einer Notiz fest, daß in seiner Abwesenheit, während er sich in wichtiger Mission in Amerika befand, das Kabinett gegen die Zionisten entschieden habe! Balfour selbst war inzwischen ein immer entschiedenerer Freund des Zionismus geworden. Aus der Biographie erfahren wir u. a., daß sein Verständnis für die Jiidenfrage durch ein Gespräch gestärkt worden war, das er im Jahre 1912 mit Frau Cosima Wagner in Bayreuth geführt hat, die ihm gegenüber über den übermäßigen Einfluß der Juden im geistigen und Theaterleben des damaligen Deutschlands Klage führte. Als er dies 1914 Weizmann erzählte, benützte dieser die Gelegenheit, um ihm die zionistische Auffassung über die Stellung der Juden in der Welt und die Notwendigkeit einer nationalen Lösung der Jiidenfrage vorzutragen. Wie Palästina in den Bereich des englischen Interesses trat, ist bekannt. Der Außen• minister Balfour wußte aber wenig von den tatsächlichen Verhältnissen im Orient. Entscheidende Hilfe leistete hier ein anderer Mann, dessen Bedeutung für das Zustandekommen der Balfour-Deklaration nach den Worten von Mrs. Dugdaie nicht geringer ist als die von Balfour selbst. Es war Sir Mark Sykes, damals in Orientfragen Berater des Kriegs• kabinetts und des Auswärtigen Amtes, dessen Vision es war, ein arabisches und ein jüdisches Reich neu entstehen zu sehen. Er Iiatte, wie sein Biograph hervorhebt, tiefes Ver• ständnis für die jüdische Tragödie, aber ״was ihn inter• essierte, war das Ethos des echten Hebräers, nicht der angti• gierte Jude“. Wäre Sykes am Leben geblieben, dann wären die Nationen auf beiden Seilen des Jordans einander viel• leicht näher, als sie es heute sind. Das Bild wäre unvollständig, würde nicht noch erwähnt werden, daß Balfour während seiner Anwesenheit in Ame* rika in der ersten Hälfte des Jahres 1917 mit dem damaligen Führer der amerikanischen Zionisten, Louis Br an« d e i s, in Berührung kam. Zu Lord Eustace Percy sagte er später, daß Brandeis in gewisser Beziehung der bemerkens* werteste Mann sei, den er in den Vereinigten Staaten getroffen habe. Balfour hat in seinen Unterredungen mit Bran« deis ziemlich eindeutig die britische Unterstützung der zio« nistischen Bestrebungen zugesagt. Es waren bewegte und tief erregende W'oclien, die durch das Ereignis vom 2. November abgeschlossen wurden. Zu• sammenfassend sagt die Biographiri über dieses Kapitel von Balfours Lehen: ״Die Judenfrage diente dazu, bei ihm den niemals schlummernden Glauben an die Kraft des Idealismus, und den Mut, diesem Glauben gemäß zu handeln, zum Vorschein zu bringen. Er betrachtete den Zionis* mus als eine der beiden großen Gelegenheiten seines Lebens — die andere war sein Werk als Chefsekretiir für Irland (1887). Am Ende seiner Tage sagte er mir, von allem, was er je getan hat, betrachte er rückblickend als das wertvollste das, was er für die Juden habe tun können.“ Verantwortlicher Redakteur: Dr, hebert Welt sch, feerlin-Charl., 9 (auch verantwortlich filr die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! ICurt L o e w e ת * t e i h. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwort* lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finrt, Berlin W 15. Gültig Anzeige» Preisliste 5 vom 1. April 1930. Verlag und Anzcigenverwaltungi ,Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinekeatr. 10. D.A. 111/1937 23604. — Druck: Siegfried Schalem, Berlin-Schöneberg.