Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1937)
- Date
- 1937-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Rundschau Nr. 87, 2. NOVEMBER 1937 Die Juden Deutschlands im Mittelalter Zur Neuauflage von Abraham Berliners Schrift Roman der Austreibung Ernst Sommer: ״Botschaft aus Granada“. — Verlag ■J. Kittls Nachfolger, Mährisch-Ostrau. Die Austreibung der Juden aus den spanischen König- »eichen im Jahre 1492 ist, wie jedes große und folgenschwere geschichtliche Ereignis, in seiner Deutung dem Wandel der /eiten und Anschauungen unterworfen, ln dem ihr folgenden Jahrhundert wirkte sie natürlich als Akt und Denkmal der unbedingten Giaubenstrcuc einer großen jüdischen Gemeinschaft. Sie hatte dem jüdischen Glaubensmartyrium des Mittelalters die Krone aufgesetzt. Sie hatte den Konflikt zwischen Glaube und Heimat zugunsten des ersteren cntschieden und damit ein Beispiel aufgestellt, das weit über den jüdischen Bezirk hinaus seine, wenn auch selten vermerkte Wirkung tat. Von unserm heutigen Standort aus, wo das Bewußtsein der akuten Schärfe des Glaubensproblems eine gewisse Ab- Schwächung erfahren hat, sind wir geneigt, in der Aus- Wanderung der Juden aus Spanien nach der Verschmähung der Taufe in erster Linie einen Triumph des Gemeinschaftsgefühis, des Hoch- und Mitreißens der Schwachen durch die Starken zu sehen. Wir erkennen in der Wanderung von dreihunderttausend oder noch mehr gleichstämmiger und gleichgläubiger Menschen, ohne Rücksicht auf ihre natürlich ungleichen individuellen Umstände materieller ־und ideeller Art, die selbstübcrwinderisehe Tat eines Volkes, eines nach Kultur und Reichtum mehr noch als der Zahl nach beträchtlichen Teiles des jüdischen Volkes. Wir sehen darin die Erfüllung der im jüdischen Volkscharak- 1er liegenden, fast beispiellosen Möglichkeiten einer reforjnatorischen Ermannung und ziehen daraus starke Wirkungen der Ermutigung für den heutigen und morgigen Zustand des Judentums in der Welt In dem Roman nun, den Ernst Sommer, ein Schriftsteiler von offenbar ausgezeichnetem historischem Einfühhmgsvermogen, ״Öotschaftaus Granada“ nennt, spielt dieses Moment kaum eine Rolle. Sommer teilt sein Buch in Abschnitte ein, denen er —• manchmal, vom Inhalt her gesehen, etwas willkürlich —- die Namen der in der spanischjüdischen Tragödie mitsnielenden Hauptakteure jüdischer und christlicher Herkunft als Titel voransetzt. Erst über dem letzten Kapitel steht der Titel: ,,Das Volk“, und auch darunter wird vom Autor nur das Volk eines einzigen von Barcelona ausfahrenden Schiffes verstanden, und vollends bemüht er sich kaum, diese ״pars pro toto“ in ein gültiges künstlerisches oder historisches Bild hineinzuheben. Vielmehr läßt er dieses eine Schiff im Laut seiner ersten Abenteuer eine Begegnung mit der inzwischen ebenfalls ausgefahrenen Flotte des Christobal Colon, also des K o I u m bus, haben. Was immer er mit diesem schon in der Konzeption dünnen, in der Ausführung und Ausdeutung aber noch dünneren Schlußeinfall bezweckt haben mag, es kommt nicht mehr dabei zustande als eine fahle und zitterige Allegorie, die fast den Eindruck aufkommen läßt, als ob jene Wanderungstragödie ausgegangen sei wie ... das Hornberger Schießen. In diesem wahrhaft mattherzigen Schlußkapitel rächt sich ganz offenbar der Fehler in der Gesamtaniage des Buches, dem man fast eine besondere Neigung zur Entfaltung ״kalter historischer Pracht“ nachsagen kann, die schließlich gar nicht anders kann, als sich ins Allegorische zu flüchten. Zählt man die Namen auf׳, die über sieben von den neun Kapiteln des Romans stehen, so hat man mit der Rollenauch von ungefähr die Stoffverteilung: Abravanel, Arbues, Santangel, Benito Garcia, El Chico, Abraham Senior, Torquemada. Das spanische Königspaar steht über und in dieser Reihe wie über und in seinem Hofstaat. EI Chico, der letzte islamische Herrscher von Granada, und Benito Garcia, das gar nicht existierende Opfer eines gleich als fromme Legende erfundenen Ritualmordes, bekommen den Rang und die Richtung von Mürchenfiguren. Nun tritt aber noch eine achte hinzu, eben jener Christobal Colon. Wie kommt, möchte man fragen, dieser Prophet unter die Säule? Hier hat das Historische, das Gleichgeistige, dem Dichterischen, dem Gleiclmistimmenden, einen Streich gespielt. Kolumbus wirkt wie ein Ballast, den das Schiff des Romans mitschleppen muß, ohne daß es durch ihn an Gleich- und auch an Vollgewichtigkeit gewinnt. Dies alles eben scheint mir daher zu kommen, daß der Autor eine Volks- und Gemein- Schaftstragödie vom Individualistischen aus aufgebaut hat. Hat man diesen (allerdings fundamentalen) Konstruktionsfehler des Buches aufgezeigt, so kann man sich der angenehmen Pflicht widmen, die großen Vorzüge des Werkes festzustellen. Es ist der nichts weniger als alltägliche Versuch, das äußere und innere Bild einer Zeit und einer Kultur aufzufangen, in kaum einem einzigen Punkt wird mit der historischen Wahrheit willkürlich oder auch nur romanhaft verfahren, im Gegenteil: es ist vielleicht der größte Vorzug des Buches, daß seine dichterische Entfaltung sich in der Treue zu den objektiven Tatbeständen manifestiert und in der Gewissenhaftigkeit gegenüber der zeitpsychologischen Ausdeutung der Figuren. Ausgezeichnet auch ist die Milieu- Schilderung, vielleicht ein wenig zu deutlich bildungsdurchsättigt, aber dafür zuverlässig, bildkräftig und suggestiv. Die Phantasie des Autors — und er hat welche! — wächst ganz pnd gar im zeitgerechten Raum. Dies eine auch zeigt und belegt dieser Roman: Die spanischen Juden hatten vor und während der Austreibung keine Führer. Sie hatten einige bedeutende rabbinische Lehrer (und Vorbilder), sie hatten Fürsprecher und Helfer, aber der Segen einer zentralen und überpersönlichen Füllrung war ihnen versagt. Abravanel, der Vielgepriesene und gewiß Preisenswerte, war dieser Mission weder Zuganglieh noch gewachsen. Wahrscheinlich fehlte ihm dazu schon das objektive Moment der Schicksalsgleichheit mit seinen Leidensbrüdern. Seine edle Gesinnung verdünnte sich durch die Höhe seiner Stellung. Daß sein großer Geschäftsfreund und Amfskollege Abralnam Senior fähig war, sich und seine Familie taufen zu fassen, beweist im Grunde die Führerlosigkeit des spanischen Judentums weniger, als daß Abravanei, der ״Vater der Vertriebener!“, sich mit seiner Familie und geringem Anhang nach Neapel absonderte — von einem Königshof zum anderen. Darin dokumentiert sich die Schwäche der damaligen jüdischen Oberschicht, wenn man will, auch ihre individualistische Oestimmtheit. Ernst Sommer hat das in seinem Roman eindrucksvoll gestaltet. Auch die Gegenseite hat er in Ar hu es und Torquemada in fast grelles Licht gestellt. Freilich ist es ihm so wenig wie anderen gelungen, die dämonische Gestalt des Großinquisitors uns, wie man zu sagen pflegt, nahe zu bringen. Die Nähe, die er erreicht, ist denn doch mehr apokalyptisch als psychologisch begründet. Er zeigt in Torquemada eher das Entblutete als das Blutvolle, da9 dagewesen sein muß. Der Roman ist ganz aufs Dynamische gestellt; das gibt ihm sein Tempo und seine Suggestivität. Es gibt ihm aber auch eine gewisse Verengung und einen Mangel an Durchsichtigkeit, der gelegentlich zur Blässe wird, so besonders in Abraham Berliner, in Varnhagens Todesjahr geboren und ein Jahr nach Ausbruch des Weltkrieges verstorben, hat als erster auf die rabbinische Responsenliteratur als Quelle für die Kulturgeschichte der Juden Deutschlands im Mittelalter hingewiesen. Seitdem ist unsere Kenntnis in mancher Einzelheit bereichert worden, aber die Neuausgabe in der Schocken-Bücherei (Bd. 79) beweist, wie lebendig seine Schrift geblieben ist. Professor El bogen hat sie neu herausgegeben, hat sie ״überholt“, indem er das durch neue Wissenschaft Ueberholte aus ihr entfernte, Wiederholungen strich und die Reihenfolge gelegentlich änderte, so daß das Zusammengehörige zusainmenkam. So ist ein Tatsachenbericht auf 100 Seiten entstanden, der ebenso lehrreich wie unterhaltend ist. Wir erfahren von ihrer günstigen rechtlichen Stellung irn frühen Mittelalfer, über die nahe geographische Lage von Judengasse, Synagoge und Rathaus in den Städten (zehntes Jahrhundert), über das gerechte Verhalten des Peter von Amiens den Juden gegenüber zu Beginn des ersten Kreuzzuges (aut Empfehlungsschreiben französischer Juden erbat und erhielt er von ihnen Wegzehrung) und über den Schlitz, den Bürger und Stadtherren ihnen gewährten, als der Haß der Pilger nicht nur gegen die Nichtchristen im Morgenlande, sondern auch gegen die Juden im Abendlande geschürt wurde. Vom Martyrium der Juden gebt der Verfasser auf ihre Cilaubensfestigkeit über, zu der bereits die Jugend erzogen wurde, den Kindern wurde die Lehre mittels Leckerbissen und Süßigkeiten im wahren Sinne des Wortes schmackhaft gemacht. Den Wert, den man dem Jugendunterricht beimaß, kennzeichnet am besten die Ansicht, daß man es ״für noch löblicher hielt, für diesen Zweck als für die Erhaltung der Synagoge beizutragen“. Das Talmudstudium war den Befiihigten Vorbehalten, wahre Volksbücher wurden die Psalmen, Hiob und Raschis Kommentar. Auch Mädchen wurden, in der Lehre unterwiesen, ihr Unterricht von Frauen betreut, es gab sogar Vorbeterinnen und sie fehlen nicht unter den Märtyrerinnen für ihren Glauben. Im 15. Jahrhundert erfolgt der erste starke Einbruch der deutschen Sprache, das Judendeutsch entsteht und die Jüdische Kunstbücher M. Narklss: Cofns of Palestine. Part one: Jeivish coins. — Jerusalem 1036 (Hebräisch). Die Veröffentlichung des Leiters des Bezalel-Muscums in Jerusalem, dem wir die vor einigen Jahren veranstaltete Aus- Stellung von Chanukkahlampen und Beiträge zur jüdischen Antike, u. a. über die Dochtsciiaufcl im ״Journal of the Palestine Oriental Society", 1935, verdanken, ist als Schrift I/1I der Bibliothek für Paiastinakunde der Jewish Palestine Exploration Society im Rahmen der Bialik-Stittung der jcwisli Agency erschienen. Es ist ein Handbuch der jüdischen Münzkunde, •das in systematischer Darstellung mit einer Uehersicht über die Entstehung und Entwicklung der Münze in Palästina beginnt, der sich eine Erörterung über den Darstellungskreis der jüdischen Münzen anschließt. Etrog, Lulav und Palmenbanm, Granatapfel, Weinhlaft und Traube, Tempel, Schaubrote, Menorah, Posaunen, Kelch und Kantharos, Füll- Börner, Leier und Stern sind die bezeichnendsten Bildmotive, denen sich ein aus fremdem Formengut übernommener Kriegslielm zugesellt. Es folgt eine Beschreibung der Münzen in historischer Folge: der des Hastnoniiers Simon, des Johann Hyrkan I., des Aristobulos, Jonathans (Alexander Jannäus), des Matatja Antigonous, ferner Münzen des herodianischen Herrscherhauses und die bekannten Münzen des ersten und des zweiten Aufstandes gegen die Römer. Das handliche Buch bietet außerdem nützliche Fingerzeige zum Kapitel Fälschungen, ein Wörterbuch, das insbesondere Fachausdrücke erläutert, sowie einen ausführlichen una vielseitigen Literaturnachweis. Das gut geordnete Abbildungsmaterial läßt reproduktionstechnisch einiges zu wünschen übrig. Die Aufnahmen sind z. T. zu klein und unscharf. Sehr wertvoll ist die Tafel anit dem althebräischen Alphabet, dessen Kenntnis zum Ent- Ziffern der Münzaufschriften unumgänglich ist. Dr. Moritz Stern: Aus dem Berliner Jüdischen Museum. Palästinensische Altertümer, Münzen, Medaillen, Siegel, Ringe und Kultusgeräte mit 64 Abbildungen. —• Philo-Verlag, Berlin 1937. Die Arbeiten Dr. M. Sterns, die der Kunstsammlung ^cr Jüdischen Gemeinde in Berlin gewidmet sind, haben für jeden, der sich für die Entwicklung unseres Jüdischen Museums interessiert, grundlegende Bedeutung, weil Stern, als der erste Leiter der aus der Stiftung Albert Wolfs hervorgegangenen Sammlung, mit dieser auch die Verpflichtung übernahm, das wissenschaftliche Erbe des Mtiseumsgründers zu bewahren, ln seinem Gedenkblatt für Albert Wolf (Berlin 1917) hat Stern der Figur des ntarranischen Finanzministers Santangel, die konstruiert wirkt. Um so inniger entfaltet sich die Bildnerische Hand des Dichters an Kolumbus, der eine herrliehe, mittelalterlich und mystisch untermalte Outsider-Figur ist. Zum Schluß wird der Bück des Lesers mein־ auf seinen Weg als auf den der vertriebenen Juden gelenkt. Zumal ja das Volk — das Volk, dessen Tat 7.11 bewerten und dessen Martyrium zu ergründen war — nur als Schatten da ist! Hermann Sinsheim er Führer durch die füdisdie Frauenwelt Dora Edinger, ״The Jewish Ycar as portrayed by Exampies from Jewish Literature“. — (National Council of Jewish Women, Broadway, New York, 1937.) Dora Edinger, bekannt durch ihre Arbeit fiir die jüdischen Frauen in Deutschland, wohnt seit einiger Zeit in New York und gibt dort nun einen sehr ansprechenden und praktisch brauchbaren Führer durch das jüdische Jahr heraus, der für die jüdische Frauenwelt in Amerika einen neuartigen Versuch darstellt. Als ״Stoff für Studien“ ist diese Zusammenstellung jüdischer Quellen aus Bibel und Literatur gedacht; als einer jener Führer zu guten jüdischen Büchern, wie sie amerikanisebe Frauengrunpen wiederholt verlangten. Jeder .Merktag des Jüdischen Kalenders wurde hier durch ein jüdisches Buch von bleibendem Wert erläutert. Dora Edinger nutzte dabei sowohl altes Schrifttum von biblischer Zeit an sowie englische, amerikanische, hebräische, jiddische, holländische und deutsche Bücher. Es ist zu bewundern, wie rasch sich diese Frau dein neuen Sprach- und Knlfurkrei.s anzupassen verstand; wenn ihr auch unverkennbar ihre Schulung durch jüdische Frauenarbeit wertvollste Vorarbeiten lieferte. B. B. St. Literatur der Umwelt wird unter den Juden bekannt und vofl ihnen verarbeitet. Berliners Werk ist reich an solchen farbigen Details, aus denen einige wenige liervorgchoben werden können. Die Verleumdung der Briiniienvergiftung trat dadurch auf, daß die Sterblichkeit unter den Juden geringer war; durch ihr Ritual war die Hygiene unter ihnen größer, ihre Tierliebe ging so weit, daß die Juden nicht nur die Jagd als Beschäftigung Nimrods und Esaus ablehnten, sondern zur An- Schaffung von Pelzwerk niemanden beglückwünschten, da sie die Tötung eines Tieres voraussetzte. Für Freitische wurden Billetts in eine Büchse getan, damit der Arme sich nicht beim Armenvorstcher darum zu bewerben brauchte. Vorbildliche Sittenreinheit zeichnete das Elieieben aus, und wenn die vermittelte Ehe auch das übliche war, so pflegte man doch nur Liebende zusammenzugeben; Rabbi Jaakow ha-Lewi Mölln in Mainz (um 1400) genoß wegen seiner Ehe- Stiftungen hohes Ansehen und betrachtete sie als besonders gottgefälliges Tun, von dessen Einkünften er lebte, während er das Gemeindegchalt für seine Hochschule verwendete. Die Auslegung der Speisegesetze wich in den einzelnen Ländern zuweilen voneinander ab. Gottesdienstliche Liede: in der Landessprache datieren schon aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Außer französischem und deutschem Wort• schätz drang auch Aberglaube der Umwelt in jüdische Bräuche ein, den die Rabhinen in ihren Responscit ableimten, während man den Gestirnen (Neumond) eine Aus« nahmcstellung zuerkannte. Um solcher Responscn willen wurde weit gereist, was die über ganz Europa ausgedehnten Handelsgeschäfte der Juden erleichterten. Frühzeitig waren sie als Weinhändler an der Mosel tätig, unter den Bankiers gab es auch Frauen. Ein Denkmal geistigen Austauschs aus dieser Zeit ist die Aufnahme von Abraham Ihn Esras Schabhatüed in den Gubctsrilus der Juden Deutschlands. Wir lernen durch Berliner das alltägliche Le Iren der asch« kenasisclieu Gemeinschatt in Deutschland kennen, das weder freudenlos war, noch vorzeitig von der Aufklärung berührt wurde. Der Dreißigjährige Krieg war —־ wie bei der Umwelt — der große Schnitt in der Tradition. I)r. Lutz W e 11 in a «fl ein Verzeichnis der Veröffentlichungen Wolfs zuminmengesfellt, die, in Zeitschriften verstreut, bis heute die wichtigste Quelle für das Studium der älteren Bestände des Museums bleiben, ln seiner jetzigen Veröffentlichung bietet Dr. Stern einen Leitfaden für einen Teil der Kunstsammlung nach dem Stande von 1921—22, der durch eine 1937 geschriebenen Einleitung ergänzt wird. Die Neuauflage der Aufsätze ist außeror-dentlieh zu begrüßen. Von den eigenen Arbeiten, die Stern zitiert, sei auf den Aufsatz über die Esthcrroiien der Kunst- Sammlung im Gcmeindeblatt der Jüdischen Gemeinde (Berlin 1927, Nr. 3) hingewiesen, von dem jede Betrachtung der illustrierten Megilloth ausgehen muß. Ernö Munkacsi: Hebräische Bilderhandschriften ln Italien• — Budapest. Mit 108 Abbildungen. (Ungarisch.) Der vom Ungarisch-Jüdischen Landesmuseum in Budapest herausgegebene Band behandelt die hebräischen iliuminierten Handschriften in Rom, Rovigo, Parma, Bologna, Florenz, Venedig, Turin. Livorno. Den Spuren A. Berliners, Zunz׳ und David Kaufmann folgend unternimmt es der Verfasser, die in den italienischen Sammlungen aufbewahrten hebräischen Bilderhandschriften der Kunstwissenschaft zu erschließen. Als unmittelbarer Vorgänger und Anreger dieser Publikation :miß jedoch Carlo Bernheimer gelten, der in seiner Paleografica Ebraica (1921) zuerst Miniaturen aus hebräischen Handschriften Italiens in größerer Anzahl veröffcntlichte, namentlich auch aus jenem Machsor der Dcrossiana in Parma, den wir bei Munkacsi durch mehrere zum Teil unveröffentlichte Bilder vertreten sehen. Aus einem Psalter der Derossiana werden in der ungarischen Publikation sogar 22 Seiten vorgeführt. Wie der Verfasser feststellen konnte, ist diese Handschrift von Mcir Hi spanus illuminiert. Ein anderer jüdischer Illuminiere!־ D a n feile f i g 1 i o del Medico S a m u e 1! e signierte eine kennissancehibel im Besitz der Biblioteca Casanatense in Rom. Hier befindet sich auch noch ein Machsor aus dem Jahre 1292 und ein vom Verfasser ins 12. Jahrhundert datierter Pentateuch. Gänzlich unbekannt war die hervorragende Renaissancehandschrift des Werkes von Aibo ״Ikkarim", das die Aceademica dei Concordi h! Rovigo beherbergt. Die Handschrift würde es verdienen, eingehender behandelt zu werden. Unter den anderen durch Illustrationen vertretenen Handschriften sei die hebräische Uebersetzung des Canon des Avicenna genannt, der der Verfasser eine Monographie in ungarischer Sprache gewidmet hat. Ein N'aiiiensregistcr und ein Vcrzeichnis der aufgeführten Handschriften erleichtern die Benutzung des ausgezeichnet ausgestatteten Werkes. Ra hei Wisch nitzer-Bernsteift Chinesische Bibel - Uebersetzung Als Pearl Buck ihr letztes Buch ״The Exile“ dem Bilde einer Toten gewidmet hatte, in der wir die Gestalt ihrer unvergessenen Mutter erkennen, da muß ihr der Geist des Vaters im Traume erschienen sein und ihr keine Ruhe gelassen haben.... Zum mindesten scheint etwas von einer Art überirdischen Zwanges zur Gcrechligkeit sie zu diesem neue« Buche getrieben zu haben (״The Fighting Angel“. Albatros- Verlag). Denn der Held dieses Buches, der herrische, schönheitsfretnde, humorlose Missionar Andrew ״in dessen Haus sie lebte, ais sie ein kleines Mädchen war“, scheint ihre Kinderjahre verdüstert zu haben und ihr im innersten Herzen fremd geblieben zu sein — alles Licht dieser Kindheit im fernen China kam von der fröhlichen, selbstlosen Carie, der Mutter. Und doch kann sie sich — und können wir uns mit ihr dem strengen Heidentum dieses weltfremden Mannes auf die Dauer nicht entziehen, der ratlos wird, wenn er ein Rcisebillett besorgen soll — aber sicher seines Weges geht, wenn es gilt, eines chinesisclten Räubers ״Seele zu retten". ״Der kämpfende Engel“ ist vielleicht nicht das beglücketidste der Bücher von Pearl Buck, der wir so manche unvergeßliche Gabe danken. Aber es ist vielleicht das psychologisch — und pädagogisch! — aufschlußreichste. Für uns hat dies Buch einen ganz besonderen Reiz; es sind ja nicht nur die Seelen der Heiden, tun die dieser Mann sich müht. Sein eigenes Lehenswerk sicht er in der neuen Bibel- Uebersetzung aus dem Hebräischen, nicht aus dein Englischen. Er ist ein Gelehrter, der sein Leben lang der Beschäftigung mit dem ersten Kapitel der Genesis nicht müde wird. ״Es war die Leidenschaft seines Lebens, die Wahrheit eres Wortes zu enthüllen." Darin liegt ein mit Teil seiner Größe. —bs,