Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1937)
- Date
- 1937-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 2. XI. 1937 die ais Wortführer an die Stelle des arabischen Rates zu treten imstande ist. Wir habetwuns also auf eine relativ lange Warteperlode einzurichten. Es wird eine gewisse Zeit mit der Beseitigung des Terrors vergehen, zu gleicher Zeit wird man auf eine Neugruppierung unter den Arabern warten müssen. Erst danach ist die neue Kommission zu erwarten, deren Untersuchungen Monate in Anspruch nehmen werden, dann ihr Bericht, dam! Verhandlungen und Debatten in London und vielleicht in Genf. Diese Wartezeit ist keineswegs eine Zeit der 1 uaktivitüt, sondern vermutlich eine Zeit lebhafter Tätigkeit auf allen Seiten, vielleicht auch der Ueberraschungen. Es bewahrheitet sich, was schon bei dem ersten Erscheinen des Peel-Reports klar war, daß zwar die palästinensische Frage in ein Stadium der Entscheidungen eingetreten ist, daß jedoch diese Entscheidungen sehr lange Zeit erfordern werden. Der Teilungsplan ln dieser Uebersicht ist der Terlungspian nicht erwähnt worden, und zwar aus dem Grunde, weil alle jene Voraussetzungen •— Unterdrückung des Terrors, Umbildung der arabischen öffentlichen Meinung — erfüllt werden müssen, bevor er überhaupt praktisch werden kann. Daß dennoch der Teilungsplan sehr stark diskutiert wird, muß demgegenüber betont werden. Es ist kein Geheimnis, daß sich* innerhalb der Administration in Jerusalem, aus den verschiedensten Motiven heraus, insbesondere aber aus administrativen Bedenken, starke Widerstände dagegen regen. Und mit dem Konimeit der Kommission werden sich diese Widerstände fraglos praktisch demonstrieren. Dabei stellt sich diese Gegnerschaft teils gegen die Teilung als solche, teils gegen den speziellen P e e 1 - P 1 a n, der mit seiner komplizierfen Konzeption von drei verschiedenen politischen Körpern, nebst Korridoren mul Enklaven, dem administrativen Denken imheimlich ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nicht bloß die Gegnerschaft, sondern die eventuell daraus fließenden Altern 3 t i v v o rs e h 1 ä ge, sei es einer anderen Teilung, sei es einer ganz neuen 1. ös 11 n g der Palästinafrag'e. Nicht nur die — schon genügend unklare — Entwicklung der palästinensischen Verhältnisse übt in diesem Zusammenhang ihren Eiiifluß aus, sondern auch die i 1t t c r - nationale Situation. Der palästinensische Tag ist so voll von seinen eigenen Geschehnissen, daß er leicht die schwankende und sieh wandelnde Welt draußen überschattet. Sie hat jedoch gerade in dieser Ecke des Mittelmeeres ihre spürbaren und empfind! ichen Reaktionen und auch diese wandeln sich, ebenso wie die Dinge im Lande selbst, von Tag zu Tag. (Fortsetzung folgt) Der Mufti aus Syrien ausgewiesen Wie unmittelbar vor Redaktionsschluß gemeldet wird, wurde der Mufti von Jerusalem, der sich bisher in Beirut befand, von den französischen MandaJsbehörden aus gewiesen. Er muß das französische Mandatsgebiet (Syrien und Libanon) bis Sonnabend verlassen. Wie verlautet, soll der Mufti und andere exilierte palästinensische Araberf!Ihrer von König Ghazi von Irak nach Bagdad eingeladen worden sein. Das neue Einwanderungsgesetz Aut die Anfrage des Abg. Wedgwood, über die neue palästinensische E i n w anderungsverordnung antwortete Minister Ormsby-Gore im Unterhaus: ״Die neue Verordnung sieht vor, daß ein Ausländer, d. h. eine Person, die nicht palästinensischer Bürger ist, im Falle der Beschuldigung, daß er illegal nach Palästina gekommen oder in Palästina nach Beendigung der Frist verblieben ist, die ihm für den Aufenthalt als Tourist oder auf Grund eines Durchreisevisums gewährt wurde, die Beweislast für seinen rechtmäßigen Aufenthalt zu tragen hat. Die Verordnung enthält auch Be- Stimmungen über Hilfe und Vorscluibleistung an Personen, die die Einwandernniuverordnung verletzen sowie über ihre Beherbergung, und .■de ermächtigt den High Commissioner, das G es a in t!!! a x i m u in der nach Palästina innerhalb eines bestimmten Zeitraums zn/ulassenden Ausländer festzusetzen und zu bestimmen, wie viele davon Personen jüdischer Rasse sein können.“ Sitzung des ״Kleinen A.-C.“ Das ״K l e i n e A k t i o n s - C o tp i t e“ wird zum erstenmal seit dem 2». Kongreß am 3. November in Jerusalem zu einer Beratung zusammentreten. Todesfall. Am 3. Cfieschwa.11 verschied in Haifa Lehrer und Kantor Alexander U u t m a n n im 74. Lebensjahre. Mit ihm ist ein gewissenhafter Jude, ein Talmid chacliain, ein erfolgreicher Lehrer und Erzieher, ein ist Iller und besebeideuer Mensch, eine charakterfeste Persönlichkeit und ein treuer Berufskollege seiner Mitwelt entrissen worden. Ueber ein halbes Jahrhundert hat er im Dienste des Judentums gewirkt. Leider hat sich der Entschlafene nur kurze Zeit an der Seite seiner Kinder des langersehnten Aufenthalts in Erez Israel erfreuen können. S. ״Ttieatron Ivri“, Tel Avfv. Die Aufführung des Regisseurs una Theaterleiters Alfred Wolf ״Der Weibsteufel“ (״Das Haus an der Grenze“) wurde bei der Premiere und den folgenden Abenden vom Publikum und weiterhin von der palästinensischen Presse mit besonders großem Erfolg autgenoiumen. Das Bühnenbild für die Inszenierung schuf Anatol üurcvitsch. — Die nächsten Vorstellungen finden im großen Haus der ״Opera Mugrabi“ am Sonnabend, 6. November, lind am Mittwoch, 10. November, statt. Jerusalemer KunstbeTicht. Die Kunsthandlung ״The Cultivated Home״ veranstaltet im King-David-Hotel eine Aus- Stellung von Originalen und Reproduktionen des Jerusalemer Malers und Graphikers Abel Pann. Außer den Bibelbildern, die den Hauptteil der Ausstellung bestreiten, sind die berühmten Pogromdarstellungen ״Das Tränenkrüglein“ Zusehen, die — in den Kriegsjahren entstanden — ein erschütterndes Bild vom Leiden der Galuth geben. Neben diesen bekannten Arbeiten des Künstlers zeigt die Ausstellung aber auch noch eine ganz andere Seite von Panns Schaffen: Karikaturen und symbolisch-satirische Zeichnungen ebenfalls aus den Kriegsjahren verraten den kritischen Blick des Künstlers für die Probleme des Tages. Kurse palästinensischer Wertpapier«. Am 21. Oktober hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere׳ in Tel Aviv feilende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank 5 ״'oige Pfandbriefe 1938 55 98'4, 6 ״oige Pfandbriefe 1934/54 100-'/Sl 6 ״'oige kam. Vorzugsaktien HO1'!, gewöhnliche Inhaberaktien 113V*, P-L. D. C. gewöhnliche Inhaberaktien 00, 6 ״'oige kam. Vorzugsaktien 9P,1, Keren Kajemeth Lcjisrael 20 *,י,oige Pfandbriete 72:!!,, Bizur Ltd. 6 «0 Pfandbriefe 9S'/». Birmlrwah-Tcrmln! Am 13. November (9. Kisicw): Josef Gold- Schmidt, Kinderheim Ahawa, Kirjath Uialik (bei Haifa). Ueberfall in Jerusalemer Altstadt Ein Jude erschossen Dem arabischen Viertel der Altstadt von Jerusalem ist eine Kollektivstrafe zur Bestreitung der Kosten für einen zwanzig Mann starken Polizeiposten auferlegt worden, der nach einem am Freitagabend auf Betarim verübten Ueberfall strafweise in die Altstadt gelegt wurde. Der Ueberfall auf die Gruppe von B e t a r i m erfolgte, als diese von der Klagemauer in das in der Altstadt gelegene Heim des Betar zurückkehrten. Die Gruppe wurde von arabischen Terroristen aus dem Hinterhalt beschossen. Der 32jährige in Palästina geborene marokkanische Jude Aron Alkabez wurde so schwer verwundet, daß er seinen Verletzungen bald erlag. Weiter wurde der 24jährige Schlomo Rosenzweig schwer verletzt. Im Hadassah-Krankenhaus wurde an ihm eine Operation vorgenommen. Zwei weitere Betarim haben leichtere Verletzungen erliten. Ungefähr zur selben Zeit wurden jüdische Insassen eines Autos beim St.-Stephans-Tor beschossen. Mehrere Personen wurden leicht verwundet. Obwohl die Häuser in de_r Umgebung des Schauplatzes der Tat von stärkeren Polizeiabteilungen gründlich durchsucht wurden, konnten die Täter nicht festgenommen werden. Die Behörden bereiten außerordentliche Maßnahmen im Hinblick auf die Terrorakte in Jerusalem und seiner Umgebung vor. Der Ueberfall auf die Betarim wurde an derselben Stelle verübt, an der vor zwei Monaten Rabbi Elicser Gerstein erschossen wurde. Am Freitag wurden in Jerusalem zwei Juden leicht verwundet. Beim Nablus-Tor, gerade gegenüber den Regierungsämterii, wurden auf einen Lastwagen, auf dem jüdische Arbeiter von der Arbeit zurückkamen, von einem Araber sechs Schüsse abgegeben. Der 25jährige Menachcm Benrubi wurde von einer Kugel getroffen. Kennzeichnend für die Unsicherheit ist auch ein Ueberfall auf den Leiter der Deutschen Zentralsparkasse. Ein Araber, der ein Pfund gewechselt hatte, behauptete, falsches Geld erhalten zu haben und verletzte den Beamten durch einen Dolchstich in den Hals. In letzter Zeit haben zahlreiche Regierungsbeamte Drohbriet e erhalten. Säuberungsaktion bei Nablus Eine umfangreiche Säuberungsaktion wurde in der Geend von Nablus cingeleitet. 3000 Mann nehmen an dieser ktion teil. Ueber den Bergen kreisen Flugzeuge, um das Versteck der in dieser Gegend zusammengezogenen Banden ausfindig zu machen. Panzerwagenabteilungen sind den Gruppen beigegeben. Von amtlicher Seite wird erklärt, daß die Trujrpen das Gebiet nicht verlassen werden, bevor nicht Ruhe und Ordnung wiederhergestelit sind. Einem unbestätigten Gerücht zufolge ist es bei Tulkerem zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Militär und arabischen Banden gekommen. Die Gebirgsgegend zwischen Tulkerem, Nablus und Dschenin, die jetzt endgültig von den arabischen Banden befreit werden soll, diente iin vergangenen Jahr dem Terroristenfiihrer Fauzi Bey als Operalionsbasis. In Jerusalem hat eine gemeinsame Beratung der fiihrenden Militärs und hoher Regierungsbcamter stattgefunden. An der Konferenz nahmen auch der Stellvertreter des High Commissioner, William D. Battershill, der Obcrkommandierende der Truppen, Generalmajor W ave II, und die Leiter der Regierungsdepartements teil. Dem Dorf Scheich Da nun an der syrischen Grenze wurde eine Koliektivstrafe von 100 Pfund auferlegt, weil Fellachen aus diesem Dorf an dem Ueberfall auf eine Polizeipatrouille teilgenommen haben. Der Kommissar, der die Kollektivstrafe einzuziehen hatte, erklärte, das Geld müsse binnen fünf Minuten hinterlegt werden. Für je fünf Minuten Verspätung würden weitere fünf Pfund zu zahlen sein. Eine Polizeipatrouille von einem Korporal und sechs Mann ist strafweise in das Dorf Samirja gelegt worden. In Nablus wurden die städtischen Behörden aufgetordert, ein Verzeichnis aller erwachsenen Einwohner vorzulegen, damit die Kosten für die Erhaltung von 26 Hilfspolizisten eingezogen werden könnftn. Wegen Durchschneidens von Telephondräliten in der Umgebung von Jerusalem wurden 30 Fellachen verhaftet und nach Akko gebracht. Die Regierung wird demnächst einGusetzgegendie Verbreitung falscher Gerüchte erlassen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis von drei Monaten bis drei Jahren bestraft werden. ״Stets in Bereitschaft“ Ansprache General Wavells Jerusalem, 29. Oktober. (JTA.) Der Oberkom* mandierende der Truppen in Palästina, Generalmajor A. P. Waveli, hat bei der Inspizierung des Black Watdh Regiments zum ersten Male öffentlich eine Anspräche gehalten, in der er sich mit der Lage in Palä* stina befaßte. Der General erinnerte daran, daß er vor 22 Jahren in Palästina war, zu einer Zeit, da Tei Aviv noch nicht existierte una an Stelle dieser Stadt nur Sanddünen zu sehen waren. Das Schlimmste an der jetzigen Situation seien die Sicherheitsverhältnisse. Die Truppen müßten stets in Bereitschaft stehen, denn das Unerwartete könne geschehen. Die Araber seien ein gutmütiges Volk. 95 °,'o der arabischen Bevölkerung seien friedliche und den Gesetzen gehorchende Menschen; nur die übrigen 5 ״ö seien Unheilstifter. Ich möchte nicht von Politik sprechen, schloß der General. Die Verwickjungen der Situation werden euch von euren Offizieren erklärt werden. Mohammedanische Geistlichkeit gegen Terror Jerusalem, 27. Oktober. (Palcor.) In einem heute veröffentlichteil Manifest an die arabische Bevölkerung, das von dreißig mohammedanischen Geistlichen unterzeichnet ist, werden Gewalttaten, wie Bombenanschläge, Schießen und Beschädigung von Eisenbahngleisen, verurteilt Dieses ist das erste Mal, daß mohammedanische Geistlichkeit den Terror öffentlich verdammt. Einem Bericht zufolge hat dieselbe beschlossen, eine Propaganda-Aktion gegen An wendüng von Gewalt einzuleiten, Jerusalem, 31. Oktober. (JTA.) Nachdem vor einigen Tagen der Khadi von Gaza verhaftet worden war, haben die Scheichs und Notabein dieser Stadt eine Massenversammlung abgehalten, in der über die Terror- und Sabotageakte im ganzen Land und insbesondere in der Gegend von Gazag csprochen wurde. Die Redner erklärten, solche Taten widersprächen der mohammedanischen Religion. Die Gläubigen müßten sich daher von der Terroraktion fernhalten. Für Selbstbeherrschung Aufrufe des Oberrabbinats und des Waad Leuml Jerusalem, 28. Oktober. (Palcor.) Das Oberrabbinat von Palästina veröffentlicht heute ein vom Oberrahbiner Dr. Herzog und von Rabbi Meir unterzeiehnetes Manifest an den jischuw, in dem dieser aufgefordert wird, sich zu beherrschen und Ruhe und Geduld zu wahren. Die ganze Welt, so heißt es in dem Aufruf, sieht die furchtbaren Taten, die in Palästina begangen werden; die Juden müssen aber ruhig und besonnen bleiben. Auch der Waad L e u m i läßt an den Jischuw einen Aufruf ergehen utid ermahnt den Jischuw, die nationale Disziplin auf dieselbe Weise zu wahren, wie er es während der Unruhen vom Jahre 1936 getan hat. Nashashibi gegen Teilung Jerusalem, 28. Oktober. (Palcor.) Die arabische Zeitung ״Feiestin“, die ais Organ der Nashashibi-Partei angesehen wird, veröffentlicht heute ein Manifest von Ragheb Bey Nashashibi, in dem dieser in Abrede stellt, daß seine Partei je dem Teilungsplan zugestimmt hätte. Er selbst betrachte den Pian als eine nationale Kata- Strophe. Der ״Times“ wird aus Jerusalem berichtet, daß in den■ arabischen politischen Kreisen eine lebhafte Tätigkeit eingesetzt nat. Die nationale Verteidigungspartei, an deren Spitze der frühere Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, steht, woile, sobald die Verhältnisse es eriauben, einen Parteikongreß einberufcri, aut dem beantragt werden soll, ein kleines Komitee verantwortlicher Personen aus verschiedenen Parteien zu bilden. Dieses Komitee würde nach Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung, was, wie man hofft, in wenigen Wochen der Fall sein wird, bereit sein, sich mit anderen Lösungsvorschlägen als denen der Teilung zu befassen, die der neuen Kommission unterbreitet werden sollten. — — —. » Die zweite Saison des Palästina-Orchesters Erstes Konzert - Begrüßungstelegramm Hubermans Tel Aviv, den 25. Oktober 1937 Die diesjährige Saison des Palästina-Orchesters wurde, wie schon kurz gemeldet, progratnmäßig im Korizertsaal des Tej Aviver Messegeländes mit einem Beethoven-Abend unter Leitung des Dirigenten H. W. Steinberg eröffnet. Im Saai und auf dem Podium sind Verbesserungen baulicher Art vorgenommen worden, die der Akustik zugute kommen und dem Raum selbst etwas mehr Wärme und Einheitlichkeit verleihen. Das Konzert war — bei etwa 2500 Besuchern — ausverkauft. Auf dem großen Autoparkplatz, wo engiische und jüdische Polizei den Ordnungsdienst versah, parkten viele hundert Privatwagen. Die Autobuslinien hatten einen Sonderdienst eingerichtet. Die Zu- und Abfahrt durch die Ben Jehuda- und Dizengoffstraße ging reibungslos vor sich, so daß die Veranstaltung genau zur angegebenen Zeit beginnen konnte und der Platz vor dem Messegeiände eine knappe halbe Stunde nach Konzertschluß wieder das gewohnte ruhige Bild bot. Nach dem Spiel der jüdischen und englischen Nationalhymneji ergriff Herr Mosche C h ei 0 liehe das Wort. Er verlas ein Telegramm Hubermans, in dem dieser seinem Bedauern Ausdruck verleiht, nicht zum Eröffnungskonzert anwesend sein zu können; er hoffe, daß sein Befinden, das sich weiter bessere, es gestatten werde, noch in dieser Saison zu einer Zusammenarbeit mit dem Orchester zu gelangen. Das Andenken Avinoam Yellins ehrte das Publikum durch Erheben von den Plätzen. Der im vergangenen Jahr aufgekotnmene Brauch, die Konzerte auch zu einem feierlichen gesellschaftlichen Ereignis zu gestalten, scirt sich auch in dieser Saison wieder durch. Man sah viele Herren in Frack oder Smoking, Damen in großer Abendtoilette und mit wohlfrisierten Köpfen. Für viele Besucher ist es fraglos eine Repräsentationsangelegenheit, bei den Konzerten nicht zu fehlen. Unter den Anwesenden bemerkte man mehrere Vertreter der Regierung (der bisherige High Commissioner, ein besonderer Musikfreund und sonst selbst eifriger Konzertbesucher, ist bekanntlich z. Zt. in London), die Tel Aviver Stadt- Verwaltung wurde durch Vizebiirgernieisfer Hos vertreten (Bürgermeister Rokach kehrt erst heute von der ■Reise zurück). Manfred Gels * Das Programm enthielt zwei Symphonien: die Pastorale und die Achte. Sie zeichnen sich durch besondere Popularität aus. Trotzdem entsteht die Frage, ob zwei Symphonien, zumal mit Hinzufügen des Tripie-Konzerts (Piano, Violine und Cello), nicht für ein Abendprogramm zu viel sind. Steinbergs sorgfaltige plastische Art hat auch pädagogische Bedeutung — das Didaktische wurde sogar vielleicht etwas zu reichlich und überdeutlich betont. Die besten Momente waren: der Beginn des Gewitters in der Pastorale und der Schlußsatz der Achten. Auch das choralartige Largo des Triplekonzertes wirkte rein und feierlich, Sonst aber vermeidet Steinberg das Heroische, Dämonische und Pathetische bei Beethoven. Er zeigt sich darin den meisten anderen zeitgenössischen Dirigenten verwandt. Der Orchesterklang war diesmal nicht ganz befriedigend, wie wir es von diesem großartigen Klangkörper gewohnt sind; vielleicht war aucii die Stimmung nicht die rechte. Man muß berücksichtigen, daß aus einem durch Hubermans Auftreten ״sensationellen“ Ereignis ein normales, gewissermaßen ״gutbürgerliches“ Konzert wurde. Also eine für Dirigenten und Mitwirkende höchst undankbare Aufgabe. Um so anerkennenswerter ist die künstlerische Hingabe, mit der sie in Angriff genommen wurde. Der Streichkörper hat sich entschieden seit dem Vorjahr entwickelt, und die Solisten des Triplekonzertes: J. Vincze-Kraus (Piano), J. Kaminski (Violine) und J. Bernstein bemühten sich erfolgreich, den spröden Stoff dem Publikum nahezubringen. — Das Konzert wurde am nächsten Tage in Jerusalem wiederholt. Alice Jacob-Loewenson (Schluß des Palästinateils)