Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1937)
- Date
- 1937-11-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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י Nr. 87, 2. XI. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Archiv Eine Botschaft Lloyd Georges Anläßlich des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration veröffentlicht das Londoner Organ der Zionistischen Exe- Iuitive, ״New Judaea“, folgendes Schreiben von Lloyd George: ״Seit Veröffentlichung der Balfour-Deklaration 'durch die Regierung, der ich als Ministerpräsident angehörte, sind zwanzig Jahre vergangen. Die Deklaration erschien in einer Zeit noch nie dagewesener Bedrängnis und Sorge für das brilische Volk; sie war jedoch ein Dokument, das vom Ministerrat aufs genaueste und eingehendste erwogen worden war. Sie erhielt die volle Zustimmung sämtlicher alliierten Mächte sowie der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich bin stolz, daß ich an der Einleitung einer Politik beteiligt war, die einen Akt historischer Gerechtigkeit einem alten Volke gegeniibe! darstellt, dent die Menschheit so viel verdankt. Diese Politik hat berms in dem bemerkenswerten wirtschaftlichen Wiederaufbau des Heiligen Landes Frucht getragen. Es ist eine Politik, deren volle Bedeutung, wie ich glaube, erst dunkel erkannt werden kann. Großbritaunien, als Treuhänder der Kulturvölker der Wdt, hat in Palästina ein großes und ein edles Unternehmen übernommen, und es ist u n d c n 1c b a r, daß esseine Aufgabe nur halb erfüllt im Stich läßt. Die Juden 11aheil bewiesen, daß, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird, sic imstande sind, ihrer nie vergessenen Heimat die Fruchtbarkeit zurückzugeben und ihre Wüsten in Gärten zu vorwandeln. Die Leistungen des Keren Hajessod (Palästina - Gründungsfon ds) als des Hauptinstrumentes der nationalen Aufbauarbeit in Palästina, sind mir wohlbekannt, und ich bin überzeugt, daß in den kommenden Jahren das jüdische Volk selbst, das bisher sämtlichen 'Anforderungen, die an es gestellt worden sind, in so mustergültiger Weise entsprochen hat, auch weiterhin alle Kräfte daran wenden wird, um sein Unternehmen zu einem erfolgreichcn Abschluß zu bringen. Die Arbeit muß und wird weitergellen. David Lloyd George“ Nach Wauchop es Rücktritt In London sind die meisten Blatter der Ansicht, daß der frühere Gouverneur von Bengalen, Sir Charles Anderson, zuni Nachfolger Sir Arthurs ernannt werden wird. Neben diesem aussichtsreichen Kandidaten werden aber auch die Namen des früheren Oberkommaiidierendcn in Indien, Feldmarschall Sir Philip Che twode, und des Generalgouverneurs des Sudan, Sir Stcw׳art Symes (der, früher einmal Chef- Sekretär von Palästina war — A. d. R.j, genannt. ״Daily Mail“ bezeichnet es als wesentlich, daß England seine Arbeit in Palästina jetzt ohne weiteren Aufschub zum Abschluß bringe. Schnelle Befriedung des Landes sei die wichtigste Aufgabe. Es wird nicht leicht sein, schreibt das Blatt, einen Nachfolger zu ernennen, der den Terror und die -beleidigenden Angriffe auf das britische Regime in dem Heiligen Lande unterdrücken kann. Es wird ihm aber die Hilfe von Sir Charles Tegart zur Verfügung stehen. Sir Charles, der durch die Niederwerfung der Revolution und der Mordkampagne in Bengalen bekannt geworden ist, wird, wie man befürchtet, in Palästina Gelegenheit haben, seine Strenge zu zeigen. Die Bevölkerung Englands wird die Anwendung schneller, entschlossener Justiz nicht bekritteln. Jerusalem, 29. Oktober. (Palcor.) In ihrem Kommentar zuin bevorstehenden Rücktritt des High Commissioner erklärt die ״Palestin e Post“, daß die Zeit zur Wertung seiner Verdienste noch nicht gekommen sei. Der Artikel lobt die Uneigennützigkeit und den konstruktiven Willen des High Commissioner, dessen vier erste Amtsjahre eine Zeit des bisher größten Fortschritts in bezug auf jüdische Einwanderung und aut die Prosperität des Landes dargestellt haben. Sein erster Fehler sei sein beharrlicher Versuch gewesen, einen Gesetzgebenden Rat zu schaffen. Der Mißerfolg der zweiten Aintsperiode von Sir Arthur Waucliope sei nicht aut Verschrobenheit seinerseits, sondern auf falsch angewandte Rechtschaffenheit zurückzufiihren. — Aehnlich äußern sich die anderen jüdischen Zeitungen. Wauchojie bei einem Besuche des Daniel'Sieff •Instituts in ftechowoth mit Dr. Wcizmann vor dem Tore des Instituts. Archiv Der Originaltext der Balfour-Deklaration Wir geben nachstehend ein Faksimile der Balfour-Deklaration in Originalgröße wieder. Foreign Office» November 2nd, 1917. Dear Lord Rothschild, I hava rauch pleasure in conveying to you, מס fcehalf of Hia MaJestyfs,Government, the followlng fleciarauon of sympatny with Jewish Zionist aspir&tlons which has been submltted to, and approved by, the Cabinet. ‘,His töajesty’s Government view with favour the establishment m Palestlne of a national home for the Jewish people, and will use their best endeavours to facllltate the achlevement of thls object, it being clearly understood that nothing sh&ll be done which may prejudlce the civil and religious rights of existlng non-dewisö conmunltles in Palestlne, or the rights and political Status önjoyed by Jews in any other eountry”. I should oe grateful if you would bring this dedlaration to the Knowledge of the Zionist Federation. fi 1111111111!1u11u!1111!1u111i111N1!u1n111:111111u1H11u111111u111111n11111111111111111111111111111111111H1u11111111t1111nu11u111u1i1u1u11!1u1M11111111!1111111111111:1n11H111111n1111H111nn11!111111n111111n1u1M11!1u11111111111u1111!1111m11!11111111!1111!1111nnu1u111111!1n1111111u11u11Hm Das Budget der Hadassah Mrs. Jacobs nimmt Waiii in die Exekutive an Die Hadassah-Konferenz in Atlantic City hat für medizinische Arbeit in Palästina ein Budget von 270190 Dollar angenommen. Ferner wurden 1 0000 0 Dollar für die Zwecke der Jugend-Ali j ah bewilligt. Als Geschenk für Miß Szold bestimmte die Konferenz einen Betrag von 50 0 0 Dollar als Stiftung für soziale Kinderfürsorge zum Andenken an Nathan Straus, ln dem Finanzbericht wurde mitgeteilt, daß die Hadassah im Laufe von zwei Jahren 250 766 Dollar für die Jugend-Alijah aufgebracht hat. Miß Szold hob in diesem Zusammenhang insbesondere die Leistung des bekannten amerikanischen Filmschauspielers Eddie Cantor hervor, der durch seine persönliche Werbung der Jugendalijah 50000 Dollar zuführte. Am Sonnabendabend und atn Sonntag sprachen der Professor der Geschichte an der Columbia-Universität in New York, Dr. Sak> W. Baron, über jüdisches Leben in Amerika und Westeuropa, der Assistent für Geschichte ain College der Stadt New׳ York, Dr. Oskar I. Janowsky, über die Lage der Juden in Polen, Dr. Joachim Prinz über die sozialen und kulturellen Verhältnisse bei den Juden in Deutschland und der Orientalist der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. Walter F isch e I, über die Juden im Orient. Politische Probleme, insbesondere der Teilungsplan der Kgl. Kommission, wurden eingehend erörtert. An der Aussprache beteiligten sich u. a. der Abgeordnete des englischen Parlaments Morgan Jones, der frühere Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Robert Szold, der Rabbiner der spanisch - portugiesischen Synagogengemeinde in New York Dr. David de Sola Pool und der New Yorker Rechtsanwalt Norman W inner; über Probleme, die durch den Teiiungsplan aufgeworfen werden, sprachen ferner die Vizepräsidentin der Hadassah, Mrs. Moses P. Epstein und Mrs. Herman Shulman, die an dem Züricher Kongreß als Delegierte teilgenommen haben, sowie das Mitglied des Komitees für politische Information, Mrs. Sanml Schulsinger- Newark. Eine Reihe von Referaten war der Gesundheitsarbeit der Hadassah in Palästina und ihrer volkerzieherisehen Tätigkeit in Amerika gewidmet. Eide Entschließung wurde angenommen, in der die neue palästinensische Einwander 1! ngsverordnung als eine Verletzung des Mandats» v e r u r t e i 11 wird. Präsident Roosevclt hat an die Hadassah-Konferenz folgende Botschaft gerichtet: ״Zu dem 25jährigen Jubiläum der Gründung der Hadassah möchte ich meinen aufrichtigen Glückwunsch darbringen und die Hoffnung aussprechen, dai! die hohen Ideale des Dienstes an der Allgemeinheit, die diese Organisation kennzeichnen, weiterhin in Geltung bleiben mögen.“ Begrüßungen und Glückwünsche sind außerdem von Staatsgouverneur Herbert H. Lehma 11, dem Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauehope, dem Präsidenten des Zionistischen Aktions -Comitcs, M. M. Ussischkin, dem Waad Leumi, dem Jüdischen Nationalfonds, dem Keren Hajessod, der Zionistischen Exekutive und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eingetroffen. Die Präsidentin der Hadassah, Mrs. Edward Jacobs, liat bekanntgegeben, daß sie ihre auf Vorschlag der Nichtzlonlsten im Council der Jewish Agency erfolgte Wahl in die Exekutive angenommen habe. Daß die Nichtzionisten auch Zionisten als ihre Kandidaten aufgestellt haben, so erklärte Mrs. Jacobs, zeige, daß sie die Stärke des zionistischen Programmes anerkennen. ״Meine Tätigkeit in der Exekutive, sagte Mrs. Jacobs weiter, wird in keiner Welse anders sein, als wenn ich vom Zionistenkongreß gewählt worden wäre. Ich werde mit derselben Unabhängigkeit zu den Fragen Stellung nehmen, mit denen sich die Exekutive der Jewish Agen- Archiv cy zu befassen haben wird.“ Mrs. Jacobs Felix Warburgs Testament 107000 Dollar für öffentliche Zwecke Das vom Februar 1935 datierte Testament Felix M. Warburgs ist von dem Testamentsvewahrer Sol M. Stroock zur Eröffnung eingercicht worden. Das größte Legat, das Warburg für eine öffentliche Einrichtung bestimmt hat, beträgt 50 000 Dollar. Diesen Betrag soll der Verband der jüdischen Wohifahrtsgeselischaftcn (Federation of Jewish Charities) in New York erhallen. Außerdem sind neun weitere Institutionen mit insgesamt 57 000 Dollar bedacht. In dem einleitenden Absatz des Testaments schreibt der Erblasser: Ich habe dr» Glück gehabt, lange genug zu leben, um zu sehen, daß diese Institutionen (die nicht testamen- (arisch bedacht wurden) sich entwickelt haben lind ihre Pläne mehr oder minder verwirklichen konnten. Hierzu gibt der Testamentsverw׳ahrer bekannt, daß Warburg in den letzten 15 Jahren etwa 13 Millionen Dollar über 200 Institutionen und Gesellschaften in den verschiedenen Ländern zugeführt hat. Die Witwe erhält den Grundbesitz, die Gegenstände seines persönlichen Gebrauchs und seine graphische Sammlung. Für jedes Kind sind y* Million, für jeden der acht Enkel ein vormundschaftlich zu verwaltender Betrag von 100 000 Dollar bestimmt. Der Schwiegersohn Walter Rothschild erhält 50000 Dollar. Testamentsvollstrecker sind die Witw׳e und die beiden Söhne Frederic und Paul. Sie erhalten zusammen für Mitglieder der Familie Warburg 150 000 Dollar. Die Beamten des Bankhauses Kuhn, Lob & Co, bekommen je nach der Länge der Dienstzeit Beträge bis zu. 2000 Dollar.