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Jüdische Rundschau · 1937-11-02 · Heft 87 (2.11.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 87 (2.11.1937)
Date
1937-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JO&ISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 2. XL 1937 Völkern zuteil wurde; sie konnte den Juden keinen ״Staat“ verheißen, weil zu einem Staat Souveränität über ein Territorium gehört, in welchem das Volk wohnt. In dem einzigartigen Fall der Juden mußten Volk und Land erst zusammengebracht werden. Die Ballour-Deklaration stellte aber die Hilfe Großbritanniens (später aller im Völkerbund zusammengeschlossenen Staaten) zum Aufbau eines Nationallleims in Aussicht. Achad Haam hat schon 1920 darauf hingewiesen, daß die Formel der Balfour-Deklaration, die nicht Palästina ״als“ Nationalheim der Juden anerkennt, sondern den Juden ein Nationalheim ״in“ Palästina zuspricht, eine Ein- Schränkung der ursprünglichen jüdischen Ansprüche be• deute. Das Nationalheim findet seine natürliche Grenze durch die Respektierung des Rechtes der gegenwärtigen Einwohner des Landes. Man hat später den Ausdruck ״Nationalheim“, der in der Sprache des Staatsrechtes neu war, zu definieren versucht, und die bis heute gültige Definition wurde in dem englischen Weißbuch von 1922 gegeben, worin ausgesprochen wird, 'daß nicht beabsichtigt sei, in ganz Palästina einen jüdischen Staat zu errichten, wodurch auch, die nichtjüdischen Einwohner des Landes eine jüdische Staatsbürgerschaft erhalten würden; vielmehr sei beabsichtigt, eine Entwicklung des jüdischen Zentrums in Palästina herbeizuführen, an dem die gesamte Juden* heit auf Grund der Bande des Volkstums und der Religion ein aktives Interesse nehmen könnte; um dies zu erreichen, müsse anerkannt werden, daß die Juden in Palästina ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Dul* düng“ sind und daß ihr Recht auf Einwanderung und ihre historische Verbundenheit mit dem Land völkerrechtlich anerkannt werden. Das Ziel der britischen Politik, wie es in der Nachkriegszeit durch alle maßgebenden Staatsmänner i;n Laufe von fünfzehn Jahren definiert wurde, war die Sein;hing eines selbständigen Staates Palästina, innerhalb dessen die Existenz des Jüdischen Nationaihehis garantiert ist, der aber darüber hinaus durch fortschreitende Selbstver* waltung der Gesnmtbevölkeruug regiert wird. Leider hat die Regierung viel zu wenig getan, um 'dieses Ziel wirklich auch praktisch durchzusetzen und den beteiligte» Völkern mueztibringen. Die zwanzig Jahre, die seit der Balfour-Deklaration verflossen sind, kranken innerlich daran, daß keiner der beiden Be* völkerungsteile das von England proklamierte Ziel be* jahte, vielmehr erhob sich dagegen von beiden Seiten eine teils latente, teils offene Opposition. Die Verhält* nisse im Lande waren keineswegs stabil. In dieser Situ* ation kam vom jüdischen Standpunkt alles darauf an, die jüdischen Positionen zu stärken und möglichst viel Juden im Lande wirtschaftlich zu ver* ankern. Denn «s war klar, daß die ״Proklamierung“ einer jüdischen Souveränität sinnlos gewesen wäre, wenn die Juden nicht tatsächlich im Lande sitzen, und es war voratiszusehen, daß in nicht zu ferner Zeit die Ent* Scheidungen nach den gegebenen Machtverlfältnissen fallen werden. Gegen viele Einwände im eigenen Lager setzte daher Weizraann, dessen Name untrennbar mit den letzten 20 Jahren Zionismus verknüpft ist, das Prinzip der unmittelbaren und unbedingten prak* tischen Arbeit in Palästina als oberste Rieht* linie des Zionismus durch. Dank dieser Politik ist heute die jüdische Position in Palästina zu einem gewal* tigen Kraft Zentrum geworden. Auch heute wäre es eine Uebertreibung zu behaupten, daß sie von sich aus gegen alle Wechselfälle gesichert ist; sie ist aber gesichert, wenn die Judenheit der Welt sich ihrer Verpflichtung bewußt ist und entschlossen ist, das Er* rungene zu halten und auszuhauen. Wer das heute Geschaffene mit der Lage vor 20 Jahren vergleicht, wird sich des beispiellosen Fortschrittes und der grandiosen Leist11 ׳ g dieser zwei Jahrzehnte bewußt. Ein Volk ohne jede kolonisatorische Erfah* rung, großenteils der physischen Arbeit entwöhnt, hat eine ausgedehnte landwirtschaftliche Siedlung geschaffen, unfruchtbaren und verseuchtem Boden in blühendes Land verwandelt, eine schwer arbeitende, aber untrennbar mit ihrem Boden verknüpfte Landbevölkerung auf die Scholle gesetzt, sie hat auf Sanddünen große Städte, in der Felsen wüste Siedlungen und Stadtviertel aufgebaut, ein weitverzweigtes Schulwerk gegründet, intensives kulturelles Leben entwickelt, sie hat in schweren Tagen gezeigt, daß sie Prüfungen standruhalten, daß sie sich zu verteidigen, aller auch Disziplin zu wahren versteht. Es ist kein Zweifel: ein jüdisches Gemeinwesen besonderer Art, unvergleichbar mit den jüdischen Siedlungen in allen anderen Teilen der Welt, ist in Palästina entstanden. Das Jüdische Nationalheim in seinem Kern wurde geschaffen und harrt der Erweiterung. Die ״zerfallene Hütte Davids“ richtet sich wieder auf. ... Nun stehen wir an einem neuen Wendepunkt. Zwanzig Jahre nach der Balfour-Deklaration kam der Peel- Bericht, der in seiner Art eine Realisierung der Balfour-Deklaration, die ein Nationalheim ״in“ Palästina versprochen hatte, vorschlägt: eine Teilung Palästinas und Gründung eines Judenstaates auf einem Teilgebiet des heutigen Mandatlnndes. Es ist in den letzten Monaten oft dargelegt worden, aus welchen Gründen es zu dieser Lösung gekommen ist. Es ist keine ״glatte“ Lösung, denn die Durchführung der neuen Pläne stößt nicht minder auf Widerstand wie die alte Politik. -Wir sind jetzt mitten in dem schmerzensreichen Prozeß. Der britische Außenminister, Nachfolger Lord Balfours, hat erklärt, daß England unbedingt an dem Teilungsplan festhält. Die Araber wollen die Teilung nicht annehmen, aber auch im zionistischen Lager werden schwere Bedenken laut; ein Teil der Neinsager sieht in dem Peel-Projekt eine völlige Negierung Großer Erfolg der ״Habimah“ In Paris K., Paris, Im Oktober Das Gastspiel, das das palästinensische Theater ״Habimah“ in Paris im Rahmen der Veranstaltungen der Pariser Weltausstellung durchgeführt hat, geht jetzt seinem Ende entgegen. Die Truppe hat die Reihe ihrer Pariser Erstaufführungen mit dem ״Traum des Golem“ von Leiwik abgeschlossen und wird nach einigen Wiederholungen der bisherigen Aufführungen Anfang der nächsten Woche die Weiterreise nach Belgien antreten. Die Aufführungen der ״Habimah“ in Paris sind ein voller Erfolg für die Truppe gewesen und haben dem hebräischen Theater einen ehrenvollen Platz nicht nur im Pariser Kunstieben,sondern auch unter den zahlreichen ausländischen Truppen und Nationaltheatem gesichert die Paris während der Weltausstellung besuchten und dort Gastspiele durchführten. Es will schon etwas über die Gestaltungskraft des hebräischen Theaters aussagen, wenn zwei Wochen lang Abend für Abend über 1500 Menschen in dem größten Konzertsaal bzw. dem größten Theater von Paris, andachtsvoll und begeistert dem Spiel der ״Habimah“ folgten, ohne in der überwiegenden Mehrzahl der hebräischen Sprache auch nur entfernt mächtig zu sein. Wenn auch naturgemäß ein großer Teil der Zuschauer jüdischer Abkunft War, so war doch die Teilnahme des französischen Publikums und seine Begeisterung für die Darbietungen bemerkenswert stark. Es erübrigt sich in diesem Zusammenhang noch eine Würdigung der vier Stücke ״Dybbuk“ von Änsky, ״Der ewige Jude“ von Pinski, ״Uriel d'A costa“ nach Gutzkow in der Regie von Granowsky und schließlich ״Traum des Golem“ von Leiwik, die die ״Habimah“ dem Pariser Publikum in ihrem Gastspiel darbot, zu geben. Diese Stücke gehören zum bühnenwirksamsten Repertoire der Truppe und zu ihren eindrucksvollsten darstellerischen Leistungen. Wie stets wird der Zuschauer von 11er monumentalen und zugleich intensiven Kunst der ״Habimah“ in den Bann gezogen, vermittelt ihm die Kombination von Sprachkunst, Musik und Tanz, die durch die Darstellungskraft der Truppe zu einer künstlerischen Einheit ztisamtnengeschlossen werden, einen einzigartigen und dauerhaften Genuß. Man könnte vielleicht bedauern, daß das Repertoire der ״Habimah“, wie es in dem Pariser Oastspiel zum Ausdruck kommt, «inen etwas einseitigen Charakter trug und daß es vor allem die tragische Seite des jüdischen Lebens und der jüdischen Kunst betonte, und daß manche Stücke zu sehr den Charakter einer abstrakte« Symbolik trugen. Man hätte gewünscht, daß der erschütternde Eindruck jüdischer Dramatik auch durch Bilder des jüdisehen Humors ergänzt würde, der nicht weniger als die tragische Ekstase für den jüdischen Volkscharakter typisch ist. Man hätte auch neben dem ״Dybbuk“ ein Stück aus dem Leben Palästinas gewünscht. Der tiefste Eindruck, den die ״Habimah“ bei ihrem Pariser Gastspiel hinterlassen hat, wird am besten durch Zitate aus der französischen Presse deutlich, deren Kritik sich ohne Unterschied in höchstem Maße lobend über das palästinensische Theater geäußert hat Die große Abendzeitung ״Le S0ir" schreibt, ״daß die ,Habimatr den Gipfelpunkt der dramatischen Kunst erreicht hat. Alles bei ihr ist vollkommen. Die Rowina gehört zu den größten lebenden Schauspielerinnen,“ Nicht weniger begeistert ist der Kritiker von ״Paris-Mi di“: ״Die ,Habimah‘ hat die Elemente der jüdischen Seele zu einer Einheit zusammengeschlossen und ein einzigartiges Element zu ihrem Verständnis geschmiedet. Die Kunst der ,Habimah‘ hat aus dem Stück (Dybbuk) den packenden Effekt zu ziehen gewußt, der alle Zuschauer erregt und bezaubert.“ Im ״I ntransi geant“ schreibt der Kritiker G. Bret, ״daß In der Bilderfolge des Stückes von Ansky, das Sitten schildert, die dem Franzosen weltenfern stehen, Szeneu sind, die ati Bilder von Breughel erinnern.“ Der bekannte Kunstkritiker Gcrard Bauer betont in der rechtsstehenden Zeitung ״L'Epoque“, daß er ״von" dem Spiel der Darstellung, von ihrer Leidenschaft, ihrer rührenden Ueberzcugung tief erschüttert wurde. Der ganze zweite Teil des ,Ewigen Juden‘ ist von einer tiefen Schönheit und Ueberzeugungskraft* Zum Schluß sei u. a. noch die Kritik der großen Pariser Wochenschrift ״Marianne“ erwähnt, die die Kunst der ״Habimah“ als ein ״wahres Schmuckstück der dramatischen Darstellung“ bezeichnet. ״Das ist 100 ”10 Theater. Die Schau- Spieler der Truppe sind Schöpfer in den großen wie in den kleinen Rollen. Alles ist echt und rein. Seit langem hat man eine Schauspielerin wie Rowina nicht gesehen.“ Diese kleine Auswahl aus zahlreichen begeisterten Aeußerungen der tränzösischen Presse zeigt, daß ,die ״Habimah“ in Frankreich Verständnis und Anerkennung gefunden hat und daß sie mit ihrem Pariser Gastspiel zufrieden sein kann. Der Erfolg der ״Habimah“ hat das Generalkommissariat der Pariser Weltausstellung veranlaßt, sie zur Teilnahme an dem Wettbewerb der ausländischen Theater, die während der Ausstellung in Paris spielten, aufzufordern. der ursprünglichen zionistischen Ziele, ein anderer Teil anerkennt zwar die Unausweichliclikeit dieses Ausweges, erkennt aber die außerordentlichen Gefahren. Auch sie, die angesichts der gegebenen Lage und mangels anderer Alternativen die Politik der weiteren Verhandlungen auf Grund des Peel-Projektes gutheißen, fragen sich immer wieder, ob nicht in einem gegebenen Moment sich eine andere Chance zeigt, um die Teilung abzuwehren. Es ist nicht zu bezweifeln, daß heute eine andere Situation gegeben ist als zur Zeit des Züricher Kongresses. England hat zum erstenmal eine energische Haltung gegenüber der arabischen Obstruktion gezeigt und hat die extremen Führer der arabischen Nationalisten beseitigt Sir Arthur Wauchope, der letzte aus der Reihe der Hochkommissare, die eine Befriedung des Landes und dadurch auch eine Sicherung des Jüdischen Nationalheims durch Entgegenkommen an die Araber erreichen wollten, ist zurückgetreten. Die Araber, die bisher auf Englands schwankende Haltung bauten, können nicht mehr wie bisher hoffen, durch Terror und passive Resistenz die Politik der Balfour-Deklaration zu Fall zu bringen. Gibt es, so fragt man, für die Juden eine Möglichkeit, in dieser veränderten Lage einen Versuch zu machen, um den Aufbau des Nationalheims in Palästina ohne Teilung des Landes fortzusetzen? England will die Teilung durchführen und auch als Jude muß man, wenn kein Alternativvorschlag da ist, der Meinung zustimmen, daß eine richtig durchgeführte und von England auch weiter gestützte Teilung die einzige Lösung des politischen Konfliktes ist. Wenn aber Juden und Araber gemeinsam etwas anderes vorschlagen, dann fällt der Hauptgrund für die englische Politik weg. Es bedürfte freilich eines gewaltigen Umschwunges bei Juden und Arabern, um dies zustande zu bringen, aber das Ziel ist des Einsatzes aller Kräfte wert. Welches kann dieses Ziel sein? Ein Alternativ-Vorschlag Sofern man auf dem Boden der Realität bleiben will, ergibt sich, daß nicht die Proklamierung eines ״Judenstaates“ auf dem Boden ganz Palästinas, d. h, mit einer arabischen Zweidrittel-Mehrheit, zu erreichen ist. Aber Palästina als Ganzes kann auch kein arabischer Staat sein und kein Staat, in dem nach dem Mehrheitsprinzip die gegenwärtige Bevölkerung herrscht, Vielmehr ergebe sich etwa folgende Konzeption: Die Sonderstellung Palästinas, die sich ja schon aus der einzigartigen Rolle dieses Landes, aus seiner Verknüpfung mit überpolitischen religiösen Motiven und seiner Verbundenheit mit dem jüdischen Volk und der jüdischen Geschichte ergibt, muß eindeutig anerkannt werden. Das Jüdische Nationalheim ist untrennbar ver* knüpft mit dem Recht der Juden auf Ein wände* rung entsprechend der ökonomischen Fassungskraft des Landes, d. h. die Juden können mit ihren eigenen Mit* teln und Kräften das Land entwickeln und erschließen und dadurch für weitere Massen jüdischer Einwanderer aufnahmefähig machen. An dieser Entwicklung soll di« arabische Bevölkerung gleichberechtigt teilnehmen. Di« Verwaltung des Landes wäre zwischen Arabern und Juden zu teilen, wobei eine Einteilung in vorwiegend jüdische und arabische Distrikte durchaus denkbar ist, Das Land Palästina als Ganzes soll in enger Verbindung, gegebenenfalls in Zollunion und in regem kulturellen Austausch, mit den benachbarten arabischen Ländern stehen. Die Juden anerkennen diese Verbindung Pali* stinas mit den arabischen Nachbarländern ebenso wie die Araber ihrerseits die Verbundenheit Palästinas mit dem gesamte« jüdischen Volk anerkennen müssen. Heute, wo die intransigenten arabischen Politiker beseitigt sind, und wo das Interesse einer Konsolidierung des ganzen arabischen Länderkomplexes von Kairo über Mekka und Damaskus bis Bagdad jedem politisch denkenden Araber als elementare Notwendigkeit erscheinen muß, müßte man versuchen, weitblickende arabische Politiker zu finden, die sich der Vorteile bewußt sind, die aus einer engen Kooperation mit den Juden erwachsen können. Die arabischen Interessen sind von außen und innen bedroht; ea würde genügen, an die Episode des Sandschaks von Alexandrette zu erinnern, aber darüber hinaus ist klar, daß die Gesamtlage in diesem an das östliche Mittelmeer ahgrenzenden riesigen Gebiet labiler geworden ist als je in den letzten 20 Jahren. England hat die wichtigsten arabischen Staaten bereits in ein Bündnissystem einbezogen, und die enge Zusammenarbeit von England und Frankreich ermöglicht auch eine Annäherung Syriens an diese Gruppierung. Ein hochentwickeltes Palästina mit einer dichten Bevölkerung, wirtschaftlichen Kapazität, industriellen und kommerziellen Organisation könnte hier eine große Rolle spielen. Das Jüdische Nationalheim würde innerhalb eines solchen Systems seine Aufgaben besser realisieren, weil ein gewaltiges Hinterland ganz andere Möglichkeiten bietet als ein eng begrenztes Staatsgebiet. Ein kleiner Judenstaat, der von der arabischen Welt feindselig betrachtet wird, würde am Rande des großen arabischen Gebietes in einer stetigen Gefahr leben; ganz anders würde es liegen, wenn das auferstehende jüdische Volk in enger Solidarität mit seiner Nachbarwelt eine neue Welt aufbauen hilft. Die Vision Balfours ließe sich hier realisieren. Die Araber mögen heute, nachdem die Periode des Mufti zu Ende ist, gewiß Anlaß haben, umzudenken. Ist auf jüdischer Seite die Bereitschaft vorhanden, die* sen Prozeß zu fördern, aktiv für die Idee der Kooperation zu wirken, den Feind von gestern zum Freund von morgen zu machen? Es ist schwer, eine Antwort zu geben. Wenn aber diese Voraussetzung■ erfüllt ist, dann wäre jetzt der Moment gegeben, einen neuen Kurs zu finden. Jetzt — ehe der Mufti vielleicht wieder aus der Versenkung aufsteht. Wenn ein solches Projekt mit Aussicht auf Erfolg von Angehörigen beider Völker, die die Verantwortung übernehmen wollen, aufgestellt wird, dann wird London und Genf nicht nein sagen. Das Projekt muß aber etwas Großes, Visio« näres haben, es muß an Tatkraft und Phantasie appel- Heren; wir glauben, daß die Idee eines befriedeten, neu aufgerichteten, kulturell schöpferischen Nahen Orients der Vereinigten Semitischen Staaten diese attraktive Kraft hätte. Zwanzig Jahre nach der Balfour-Deklaration stehen wir mitten drin in der praktischen Politik der Entscheidüngen. So oder so — Balfours Tat hat Geschichte gemacht, die Realisierung erleben wir ln unseren Tagen. Wir Juden, die meist nur «die Last und Leiden unserer Tage spüren, werden an einem solchen Tag uns auch der Größe der Epoche bewußt, die durch die letzten 20 Jahre bezeichnet ist. Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert W e 11 s c h, lerlin-CharL 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin SV 15. Anzeigenkiter und verantwortlieh fiir den Inhalt der Anzeigen! Hermann F i n n, Berlin W 18. Gültig Anzeigen-Preisliste 5 von 1. April 1936. Verlag und Aazelgenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W16, Mesaekeetr. 10. D.A, III/1937 28604. — Druck! Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

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