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Jüdische Rundschau · 1937-11-02 · Heft 87 (2.11.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 87 (2.11.1937)
Date
1937-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-4.11.1a37 " V Nr. 8'ü/s Jahrgang 42 Prel» 25 RpL Jüdische Rundschau ■•dakUon, Verlag null A n1:el2en Verwaltung: BarllaWlS, Mclnek.it*, 10 Bcraruf t 919031, T.lagramm -Adraa.s 1 Orghlp. — Bezugaprei■ aiuachliaSUch Baatellgald ja Monat RM Xr-, je Viarteljahr RM 5,75, fcel Abholung RM 1,88 brw. RM 539. — Poatachedc ■ Konten dar Vertrieba - Abteilung ׳. Berlin 71573 Itür GraS-Berlin), Berlin 17392 (für da« übrige Reich), ln Füllen höherer Ge»־alt beateht kein Anspruch «11 Nachlieferung oder Erstattung etwa achon gezahlter BengagebShren. — Eraehalnt jeden Dienstag and Freitag• BERLIN כ״ח מרחעוו תרצ״ח DIENSTAG, 2. NOVEMBER 1937 OUUgi Anzelgeaprelsliste Nr. 5, Die 12 gespaltene mm Zeile 20 Rpf., für Familien - NachriiMen 15 Rpi Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmter. Ausgaben oder an beftiramten Plützen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»« ameigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18־ Uhr. AnnahmeschluB für die Dienstag * Ausgabe Nootag 10 Uhr, für die F reitag Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien «Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Wauchope tritt zurück Kolonialniinister Ormsby-Gore hat im englischen Unterhaus dem. Abg. Sandys auf seine Frage, wann General Sir Arthur Wauchope nach Palästina zurückkehren ■werde, folgende schrittliehe Antwort erteilt: ״Sir Arthur Wauchope, der Anfang September nach England kam, um hier seinen Urlaub zu verbringen, wurde durch eine Erkrankung gezwungen, sich zur Behandlung in eine Klinik zu begehen. Sein Gesundheitszustand bessert sich bereits, und es besteht die Hoffnung, daß er Mitte Not e m b e r in der läge sein wird, sein Amt wieder auszuüben.. Er hat mir jedoch mitgeteilt, daß sein Zustand es ihm nicht gestatten wird, seine zweite Amtsperiode als High C o m «a i s s io n e r voll zu absolvieren, und hat aus diesem Grunde um seine Amtsenthebung Anfang des kommenden Jahres angesucht. Ich benütze diese Gelegenheit, um den tiefsten Dank der Regierung an Sir Arthur Wauchope für seine langjährigen und hervorragenden Verdienste um den Staat auszuspreches. Ich bin überzeugt, daß das Parlament ihm in seinem vorzeitigen Rücktritt von einem Amt, das er mit Eifer und Hingabe in den schwersten Bedingungen sechs Jahre lang ausgeübt hat, tiefe Teilnahme entgegenbringt.“ Obwohl in allen amtlichen Aeußemugen ausdrücklich betont wird, daß Wauchope, der im 63, Lebensjahre steht, nur aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten ist, weil er gerade in der jetzigen erregten Zeit in Palästina ohne volle körperliche Kraft seinen Aufgaben nicht gerecht werden zu können meint, drängt sich doch begreiflicherweise die Vermutung auf, daß der Rücktritt auch politische Gründe hat. Diese Vermutung wird besonders dadurch bestärkt, daß in der letzten Zeit in der maßgebenden englischen Presse scharfe Kritik an Wauchopes Politik geübt worden ist. Seine Versuche, die Araber durch Milde zu versöhnen, werden als mißglückt bezeichnet, nachdem auch der Peel- Bericht bereits recht starke Zweifel au der Weisheit und Richtigkeit der Regierungsmethoden im letzten Jahre geäußert hat Ob Wauchope seinerseits die letzte Wendung aer englischen Politik in Palästina mißbilligt, ist schwer zu _ beurteilen; vermutlich ist ein großer Teil, vielleicht der größte Teil der Beamte!; der Palästina-Administration, nicht be-?eistert von dem Peel-Bericht, und die energische^ Politik des . Oktober nach der Ermordung von Andrews ist nicht in Jerusalem, sondern in London angeordnet worden. Wauchope selbst hat freilich auch gezeigt, daß er unter Umständen euergisch zu regieren weiß; so hat er im Oktober 1933 die damalige arabische Demonstration im Keime erstickt, und heute muß er zu der Erkenntnis gekommen sein, daß die Wirren im Lande ohne starke Haltung nicht beseitigt werden können. Wauchope ist der vierte in der Reihe der High Commissioner in Palästina. Der erste Higli Commissioner, Sir Herbert (jetzt Lord) Samuel, stand von 1920 bis 1925 an der Spitze der Palästina-Regierung. Ihm ist nach anfängliehen Schwierigkeiten (Unruhen 1921) die Pazifizierung des Landes geglückt, trotz der gerade im letzten Jahre seiner Regierungszeit sich abspieienden Aufstände in Syrien. Bei seinem Rücktritt stand Palästina im Zeichen einer großen Einwanderung (״vierte Alijah“) und der eindrucksvollen Feier der Einweihung der Universität Jerusalem. Samuels Nachfolger. Feldmarschall Lord PI um er (1925—1928), vermochte die Ruhe im Lande aufrechtzuerhalten und half, die Wirtschaftskrise glücklich zu üherstehen. Die Regierungszeit des nichsten High Commissioner, Sir John R. Chancellor (1928 bis 1931), stand unter einem ungünstigen Stern. Chancellor kam unvoreingenommen nach Palästina und bemühte sich um die Verfassungsreform nach den damals in der englischen Kolonial- Verwaltung geltenden Grundsätzen. Da die jüdische Sache sich diesem Schema nicht einreihen ließ, hat er allmählich die Sympathie für sie verloren. Im Jahre 1929 fanden die heftigen Unruhen und Pogrome statt, in deren Folge dann die Untersuchung der Shaw-Kommission und der Bericht von Sir John Hope Simpson kamen, nebst der antizionistischen Haltung der damaligen Labour-Regierung, die erst durch den MacDonald- Brief von 1931 gemildert wurde. Chancellor (und ebenso seine wichtigsten Mitarbeiter) trat noch vor Ablauf seiner Amtszeit zurück und wurde ersetzt durch Sir Arthur Grenfeil Wauchope, der gleichfalls als ein Unbekannter nach Palästina kam. Wauchope, ein Intellektueller von feiner Bildüng und starken kulturellen Interessen, erkannte bald über die aktuellen politischen Tagesfragen hinaus den tieferen Sinn des zionistischen Werkes. Der damalige neue Leiter der Politik der Palästina-Exekutive, der zugleich mit Wauchope (1931) sein Amt antrat, Arlosoroff, verstand es, dem High Commissioner die geistige Welt der jüdischen Renaissance nahezubringen. Wauchope hat freilich niemals vergessen, daß in Palästina ein schwieriges politisches Problem zur Lösung steht, und von Anfang an wollte er dieses, im Einklang mit der seit langem von London proklamierten Politik, durch eine Verfassungsreform mit tinrichtung eines Gesetzgebenden Rates zu lösen versuchen. Diesen Standpunkt vertrat er persönlich auch vor der Mandatskommission in Genl. Wautmopes Amtsführung gestaltete sich so erfolgreich, daß er als einziger High Commissioner nach Ablauf seiner fünfjährigen Amtszeit 1936 neuerlich für fünf Jahre ernannt wurde. Von dieser neuen Amtsperiode hat wauchope freilich nur ein Jahr abgedient. Die jüngste Geschichte Palästinas, die mit dem Namen Wauchopes eng verknüpft ist, können wir bei unseren Lesern als bekannt voraussetzen. Sein Versuch der Verfassungsreform scheiterte an dem Widerstand beider Völker, und während noch die Verhandlungen im Gange waren, brachen die Unruhen von 1936 aus. Der schwerste Fehler Wauchopes war, daß er es unterließ, die Unruhen gleich zu Anfang mit aller Macht niederzusclilagen und die Regicrungsautoritä.t zu festigen. Seine Meinung, daß Versöhnlichkeit eher zum Ziele führen werde, hat sich als Irrtum erwiesen, und sein Wunsch, durch Milde größere Onfer zu vermeiden, hat eine endlose Kette von Opfern im Laufe von fast zwei Jahren nach sich ge¬ T'i Wauthope Archiv zogen, Wauchope hat dann die Ergebnisse des Peel-Berichtes loyal akzeptiert, aber seine bei dieser Gelegenheit in seiner Radiorede ausgesprochene Hoffnung, daß der leilungsplan eine ״neue Epoche der Verständigung zwischen Juden und Arabern“ einl eiten werde, hat sich bisher nicht sichtbar erfüllt. Es muß für Wauchope eine schmerzliche Erkenntnis sein zu sehen, daß seine in edelster Absicht und mit großer staatsmännischer Ueberiegenlieit eingeleitete Politik an den harten Realitäten zerschellt ist. Es liegt nahe, daß er durch seinen Rücktritt die Konsequenz zieht. Sir Arthur Wauchope war als High Commissioner eine sehr populäre Figur, vergleichbar nur mit dem ersten High Commissioner, Sir Herbert Samuel, dessen Politik auch in gewissem Maile der seinen ähnlich war. Er ist ein Mann von vielseitigem Interesse und unterhielt freundschaftliche Be- Ziehungen und regen geistigen Austausch mit verschiedenen Kreisen der jüdischen Gesellschaft. Besonders bekannt war seine Vorliebe für Kunst uni Musik. Unter Wauchopes Regierungszeit fällt der ungeahnt!? rapide Aufstieg des Jüdischen Nationalheims und die stärkste Einwanderung, die es bisher in der Geschichte Palästinas gab. Wauchope war sich der daraus resultierenden Aufgaben wohl bewußt. Insbesondere hatte er tiefes Verstandnis für die Notwendigkeit, die Ein wänderung von Juden aus Deutschland mit allen Kräften zu fördern. In den Zeiten der Wirtschaffsblüte hat er jedem Versuch, aus politischen Gründen die Einwanderung einzuschränken, Widerstand geleistet. Obwohl besonders in den letzten zwei Jahren öfter über Einzel fragen der Politik Meinungsverschiedenheiten zwischen Wauchope und den verantwortlichen Führern der Jewish Agency entstanden sind, darf doch abschließend gesagt werden, daß dieser Mann dem jüdischen Aufbauwerk mit Sympathie und _ Verständnis gegenüberstand; und, soweit seine überaus schwierigen politischen Aufgaben es gestatteten, der jüdischen Sache hilfreich beistand. Es ist daher verständlich, daß insbesondere in der Jtidenschaft Palästinas die Nachricht von dem Abgänge Waucliopes mit einer starken Welle menschlicher Sympathie für diesen Mann, mit dem der Jischuvv sechs reiche und schwere Jahre verbunden war, aufgenommen wird, (Siehe auch Seite 3) Nach zwanzig Jahren Zum 2. November Der zwanzigste Jahrestag der Balfour-Deklaration fällt in eine Zeit, da nach dem Willen der für die ״Bai« f o 11 r - D e k 1 a r a t i o n“ verantwortlichen Macht die am 2. November 1917 begonnene Entwicklung durch eine neue Epoche abgelöst weiden soll. Die Balfour־ Deklaration war die erste offizielle Anerkennung der nationalen Ziele des jüdischen Volkes. Das Wort ״Jüdisches Volk“ ist durch die Balfour-Deklaiation zum erstenmal in die internationale Sprache des modernen Völkerrechts eingeführt worden. Die Unterstützung, die England dem Zionismus zusagte, beruhte — neben anderen Motiven — auf der Erkenntnis, daß nach dem Kriege die Judenfrage akut werden wird. Iin Zeitalter der tluqour Arch״ Verwirklichung aller nationalen Bestrebungen in׳ Europa, der Vorbereitung neuer Nationalstaaten und der Verkündung des Prinzips des ״Selbstbestiinmungsrechtes der Völker“, war es unvermeidlich, daß auch das jüdische Volk einen Status erhalte. Wenn man erst an dieses Problem heranging, wurde es klar, wie verwickelt gerade die Judenfrage ist und welches Un• recht an den Juden gutzumachen ist: Die Juden waren immer zu einem anormalen Leben gezwungen wor• den und wenn sich dann Folgen dieses im natio״ nalen Sinne krankhaften Lebens zeigten, drehte man erst recht den Juden einen Strick daraus. Der erste Schritt mußte also eine Normalisierung des jüdischen Lehens sein. Den Weg dazu zeigte der Zionismus. Diese Erkenntnis setzte sich auf beiden Seiten der kriegführenden Lager durch. Es ist nicht zu bezwei• fein —■ und durch die Aeußerungen des damaligen Ministerpräsidenten Lloyd George (z. B. irn Peel• Bericht) belegt —, daß Engl and durch seine prozio■ nistische Haltung die Sympathien der Juden gewinnen wollte, vor allem der beiden größten Judengruppen, und zwar der 4 Millionen amerikanischen Juden, die, innerhalb der amerikanischen öffentlichen Meinung eine Rolle spielten, und der 6 Millionen russischen Juden, die; nach der russischen demokratischen Revolution (und; vor dem Siege des Bolschewismus) als ein wichtiges Element des Aufbaus angesehen wurden. Bekanntlich׳ haben kurz nach der Balfour-Deklaration auch die׳ deutsche, österreichische und türkische Regierung pro-, zionistische Erklärungen abgegeben, und die im Be-; reiche der Mittelmächte lebenden Zionisten, di.e seihst-, verständlich wie alle Juden ihre Kriegspflichten voll erfüllten, konnten mit Recht erwarten, daß im Falle■ des Sieges der Mittelmächte Palästina ein Regime er-: halten werde, das die Besiedlung durch Juden im großen. Stil möglich macht. Zwanzig Jahre nach dem ersten ZionistenkongreU von 1897 war eines der wichtigsten zionistischen Ziele erreicht: die Zustimmung der hauptsächlichsten Regierungen Europas zu dem zionistischen Programm. Noch wenige Jahre vorher schien die Erreichung dieses Zieles unmöglich oder in weite Ferne gerückt. Dies sollten wir uns immer wieder vor Augen haften; wer die Geschichte des Vorkriegs-Zioniormis kennt, wird lernen, auch heute schwere Zeiten scheinbarer Aussichtslosigkeit leichter zu ertragen. Die Balfour-Deklaration konnte dem jüdischen Volke nicht in derselben Weise die nationale Unabhängigkeit geben wie sie 1918 den Tschechen, Polen und anderen Ue&M&Utk Die Terrorakte in Palästina dauerten auch in dem letzten Tagen an. In der Jerusalemer Altstadt wurde bei einem Ueherjall ein Jude e r s cho s s e n. Felix War barg hat 107 000 Dollar für Wohljahrts~ zwecke hinterlassen. Mrs. Edward Jacobs teilte auf der lladassah-Konferertz mit, ׳ daß sie ihr Amt als Mitglied der Exekutive der Jewish Agency annehme. Der Rektor der Universität Lemberg isi :111 Protest gegen Judenfeind liehe Ausschreitungen xurückgetreten. ln der polnischen Stadt M l aw a kam es zu schweren; judenfeindlichen Ausschreilungen.

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