Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 86, 29. X. 1937 -י*■ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Amerikanischer Zionismus Beobachtungen bei einer Konferenz Von einem Mitarbeiter aus Deutschland Detrbit, 11. Oktober Es ist in hohem Grade reizvoll, in einem fremden Lande eine Bewegung zu beobachten, die in der eigenen Heimat nicht nur ein besonderes ideologisches Gesicht, som• dem auch eigene Formen und eine besondere soziologische Struktur gehabt hat. Was das amerikanische Judentum und den amerikanischen Zionismus betrifft, so scheint es uns nicht nur interessant, sondern auch wichtig zu sein, diese Beobachtungen mitzuteilen. Es ist keine Frage, daß das Schicksal Palästinas und auch das Schicksal des Zionismus weitgehend vom amerikanischen Zionismus abhiingt. So ist es wichtig, dieses amerikanische Gebilde kennenzulernen. Allgemeine Essays darüber zu schreiben, in denen Apercus 'Kttfen kt a ein (Jek *idtr Itunhut __ "KLE I D fl NC-rr u!tMtjm£1?meJCu1ttilung,dahe/rJe1b{4e'ji(ueliuOuJ1LUu0a^:n BERLIN SW, SPITTELMARKT 11/13 —■׳1 .—.י™.*— 1.. .- ... —. notwendig eine Rolle spielen müssen, scheint dabei die «infächere und unwesentlichere Aufgabe zu sein, als der Versuch, häufig zu beobachten, viele Gelegenheiten dazu wahrzunehmen und dann diese Eindrücke zusammenfassend zu überblicken. Denn eines ist klar: in diesem unübersichtlichen Riesenlande erfaßt jede Gruppe immer nur einen bestimmten Sektor, zahlenmäßig und der Struktur nach. Amerika ist nichts weniger als ein Schmelztiegel, wenigstens heute noch nicht. Hart und übergangslos stehen und leben die Schi ehten nebeneinander. Es ist ein geologisches Bild, das sich einem zum Vergleiche anbietet und zweifellos sind die ״Leitfossilien“ dieser Schichten dort zu suchen, wo sich der ״Ursprung“ dokumentiert. Denn noch immer ist Amerika ein Land der Emigrierten. Die erste Generation lebt noch, die ״Mayflover“ der russischen Juden ist vor ein paar Jahrzehnten angekommen und die der Juden aus Deutschland legt fast täglich an. Eine Landeskonferenz wie die •des Keren Kajemeth, die hier in Detroit an der Grenze Kanadas abgchalten wurde, bietet zu vielen Betrachtungen Anlaß. Es is das Bild eines Kongresses: ein Riesenhotel ist von 700 Delegierten ״beschlagnahmt“ worden. Die Plenarsitzungen werden von etwa 2000 Menschen besucht. Zwei Typen sind klar zu unterscheiden: sprachlich und fast könnte man sagen physiognomiscli: die jiddisch sprechende ältere Generation und die englisch sprechende Jugend. Wobei das Wort Jugena leider nicht ganz wörtlicli zu nehmen ist. Bis auf etwa 20 oder 30 Helfer aus den Jugendgruppen sieht man nur die ״Jugend“ der Dreißigjährigen. Das Durchschnittsalter der Delegierten mag zwischen 40 und 50 Jahren liegen. Bei den Reden sind die verschiedenen Akzente der Heimatsländer klar zu unterscheiden: Ein Arzt aus Texas, etwas exotisch und pittoresk, spricht ein hartes russisches Englisch, ein Professor aus Clevefand ein ebenso hartes deutsches — ein Zeichen dafür, daß er aus Czernowitz kommt. Nur die Reformrabbis sprechen wirkliches, reines Englisch. Sie sind — fast ohne Ausnahme — ״zweite Generation‘“, ln den ,,Couloirs“ hört man im wesentlichen Jiddisch. Immerhin ist es interessant: unter 700 Delegierten ist kein einziger Emigrant aus Deutschland, In Detroit leben etwa 400 Juden, die aus Deutschland kamen. Kaum einer ist zu sehen. Die Emigration hat sich noch nicht dem jüdischen Leben angeschlossen. Sie weiß noch nichts mit all dem, was ihnen hier geboten wird, anzufangen. In New York lebt eine Gruppe von alten Zionisten aus Deutschland. Sie fühlen sich heimatlos. Abseits von der Zionistischen Organisation leben sie ihr eigenes landsmnnnschaftliches Leben. Der Zionismus Amerikas ist eine Sache der Ostjuden. Als die russisch-polnische Emigration ins Land kam, brachte sie den Zionismus mit, und wo das nicht geschah, wenigstens alle Imponderabilien, die die.Bereitschaft zum Zionismus ausmachen. So konnte gestern nacht Ab. Goldberg־, eine von den volkstümlichen Figuren im amenkanischen Zionismus, ein Mann mit einem kindlich-rührenden Glauben, zu den amerikanischen Zionisten sprechen, wie zu einer Massenkundgebung in irgendeiner Stadt im Osten Euro* pas: die gleichen Worte — er sprach natürlich jiddisch —, die gleichen Argumente, dieselben irrationalen Elemente. Es hatte etwas geradezu Spukhaftes, diese Versammlung uni Mitternacht; nichts hat diese Menschen verwandelt, nicht die ״Landschaft“, nicht das ״Milieu“, nicht die Sprache. Da sitzen sie im Staate Michigan, an der Grenze Kanadas, Tausende von Kilometern Meer und Land trennen sie von Warschau und Kiew. Es bedeutet nichts. Um zu amerikanisehen Juden zu reden, ist es nötiger, Warschau zu kennen und Scholem Alcjcliem als Washington und Charles Dickeris. Die Emanzipation der amerikanischen Juden ist ein politischer und juristischer Vorgang. Er hat mit kultureller und psychischer Assimilation nichts zu tun. Auch der Zionismus ist prä-assimilatorisch. Es ist die Frage, wie er in der nächsten Generation aussehen wird. Aber da die Frage der Generationen brennend ist und die Söhne bärtiger jiddisch sprechender Väter Golf und Fußball spielen, in die Laboratorien gehen und weit, weit ab vom väterlichen Erbe leben, so ist von einer Kontinuität keine Rede. D i e Jugend, von der nicht wenige, wenn auch nicht alle, glücklieh wären, jüdisch geführt zu werden, ist ohne jede Organisation. Die Hand voll jüdischer organisierter Jugendlicher ist nicht zu rechnen. Nie gab es im Laufe der jüdischen Geschichte eine Massensiedlung von Juden wie die in New York. Aber die jüdischen Zahlen, die Willen, Aktivität und Arbeit anzeigen, sind beschämend klein. Auf dieser Konferenz die das 35. Jubiläum des Nationalfonds feierte, wurde mitgeteilt, daß im Laufe dieser Zeit die Gesamteinnahme des KKL in der Welt 24 Millionen Dollar befragen habe. Davon hat Amerika den beschämend kleinen Betrag von 6 000 000 Dollar aufgebracht. Freilich, das letzte Jahr brachte 700 000 Dollars, die Einnahmen steifen, die Aktivität wächst. Die jüdischen Arbeitergruppen haben en Plan, für 100 000 Dollar eine Kolonie auf den Namen Leon Blums zu errichten. Und gestern nachmittag wurden spontan ebenfalls 100 000 Dollar gezeichnet. Was aber bedeutet das schon für ein Land von dieser Größe! In einem Telegramm verlangte Ussisclikin 2,5 Millionen Dollar für die Erschließung des Galil und 1,5 Millionen für den regulären Bedarf. Aber was sind das für Zahlen, gemessen an den unvorstellbaren Möglichkeiten dieses Landes! Der Stil der Konferenz unterscheidet si-ch von dem unseren sehr wesentlich. Das ״Biographische“ herrscht vor. Die Eil 'ührung jedes Redners nimmt viel Zeit. Es werden viele, allzu viele Artigkeiten gesagt. Jede Gruppe begwißt in Ansprachen die Versammlung. Es fällt auf, mit welcher Gewandtheit gesprochen wird. Bemerkenswert ist, wie gewandt und geschickt die Frauen reden. So bleibt für wirkliche, kritische Referate, die die Problematik darstellen, ja die auch nur den Versuch machen, das Material sachkundig auszubreiten, keine Zeit, Vermutlich ist das aber keine Frage des Zeitmangels, sondern der Methode. Eine Ausnahme macht Lipsky, der eine sehr gute Rede über politischen Zionismus hält und versucht klarzumachen, was es bedeutet, daß eine politische Bewegung politisch agiert. Es ist für die Ver- Sammlung offenbar ein neuer Ton. Chaim Weizmann spricht — übertragen auf viele Sender — von London. Die Rede hat durch ihren ״Zeitstellenwert“ — die erste Rede nach dem Kongreß — eine gewisse Bedeutung. Morgan Jones, der in der Palästinadebatte im englischen Unteraus leidenschaftlich gegen die Teilungspläne gesprochen hat (er ist Mitglied der Labourpartei und ein alter Parlamentarier), hielt eine im Stil bemerkenswert unenglische, sehr warme und freundschaftliche Rede. Die Juden, selbst hier, merkwürdig unsicher, wenn ein Nichtjude zu ihnen über ihre Dinge redet: hilflos höflich, applaudieren sie an falschen Sfeilen. Als palästinensischer Gast grüßt Itamar Ben Awi, der Sohn des großen Elieser ben Jehuda, die Versammlung, und Joachim Prinz schildert die besonderen Beziehungen der Juden Deutschlands zu Palästina. Die Eindrücke der bevorstehenden (inzwischen cröffneten, s. unten — A. d. Red.) Hadassah-Konferenz in Atlantic City׳ werden unser Bild des amerikanischen Zionismus erweitern. 25 Jahre Hadassah JubUäumskonfereuz in Atlantic City Die Jubiläiimskonferenz, die die Zionistische Frauen- Organisation Amerikas Hadassah anläßlich ihres 25jährigen Bestehens einberufen hat, wurde am 27. Oktober im Hotel Chelsea in Atlantic City durch die Präsidentin, Mrs. Eduard J a c o b s, eröffnet. An der Konferenz, die bis zum 31. Oktober dauern soll, nehmen über 2000 Delegierte und Gäste ans 46 Bundesstaaten teil. Sie vertreten über 64 000 Mitglieder. Das Hauptreferat in der Eröffnungssitzung hielt der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. Wise. Dr. Wise hob u. a. die Leistungen der Persönlich- Das Hochschul- In den Kreisen der fortschrittlich gesinnten polnischen Professoren wächst der Widerstand gegen die Ghettositz- Ordnung an den Hochschulen. Dieser Tage fand eine Beratung der Professoren der humanistischen Fakultät statt, in der sich die Teilnehmer gegen die ungerechte Verordnung des Rektors wandten. In derselben Sache ist eine Sitzung der Professoren der medizinischen Fakultät einberufen worden. Man erwartet, daß eine Resolution gefaßt werden wird, die Gh ettositzordnung abzuschaff tu. Diese Ver• Ordnung muß übrigens noch durch den Universitätssenat bestätigt werden. Wird sie vom Senat abgelehnt, dann muß der Rektor die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Als auf der humanistischen Fakultät während einer Vorlesung des Soziologen Prof. Czarnowski Rufe laut wurden, daß die Juden auf den linken Bänken Platz nehmen sollten, erhob sich der Professor und erklärte in starker Erregung, er werde die Einführung eines Ghettos in seinen Vor- 1 esungen nicht dulden, solange er Universitätsprofessbr sei. Die jüdischen Studenten forderte er auf, alle freien Plätze, ohne Rücksicht auf die Nummern, einzunehmen. Det Philosoph Prof. Tadeusz Kotarbinski hat, als nationalilemokratische Studenten in seiner Vorl«sung\cl!e Juden zwingen wollten, die Bänke auf der linken Saalseite einzunehmen, erklärt, er appelliere an diejenigen, die noch ein Gewissen haben. Wäre er ein junger Mann, dann würde er sich jetzt an die Seite der jüdischen Studenten stellen, um die polnische Kultur von der Schande zu befreien, die die Ghetto- Sitzordnung über sie gebracht habe. Wie die nationaldemolratische Tageszeitung ״Warszawski Dzicnnik Narodowy“ mitteilt, haben die antisemitischen Studenten einen Boykott der Vorlesungen des Philosophieprofessors Kotarbinski proklamiert, weil dieser die Einführung der Ghettobänkc verurteilt und sich mit den jüdischen Studenten solidarisch erklärt hat. , Aul der tierärztlichen F a k u 11;i t der Universität Warschau sind jetzt Ghettobäuke eingefiihrt worden. Die jüdischen Studenten wohnen den Vorlesungen stehend bei. Sechzig jüdische Schüler der Brunschen Handelsschule sind wegen Teilnahme an dem allgemeinen judisehen Proteststreik gegen die Ghettobänke ausgeschlossen worden. Die ausgeschlossenen Schüler kennen individuell um ihre Wiederaufnahme ansuchen, müssen aber Emsdireihgebühren und Schulgeld neu entrichten. An derselben Schule formierten die Schüler der Abendkurse einen Demonstrationszug, au dem sich etwa 200 Schüler beteiligten. Es wurden heftige judenfeindliche Rufe laut. Der Zug wurde bald polizeilich aufgelöst. ln Lublin ist eine ״Woche des polnischen Akadenukers“ proklamiert worden. Aus diesem Anlaß demon- Der Berner ProzeS Klagelegitinaation angezweiielt Vor dem bernischen Obergericht begann die Berufungs- Verhandlung in dem Prozeß um die ״Protokolle der Weisen von Zion“. Als Vertreter der Beklagten beantragt« Rechtsanwalt Dr, Ursprung (Zurzach), die Frage der Aktivlegitimation der Privatkläger zu verneinen. Die beiden jüdischen Organisationen (und zwar der Schweizerische Isr. Gemeindebund und die Berner Jüdische Kultusgemeinde) seien vom Gericht der ersten Instanz, zu Unrecht als Privatnläger zugelassen worden. Das poli* tisclie Interesse der beiden Organisationen an der Frage der ״Zionistischen Protokolle“ genüge nicht zum Nachweis, daß sie durch die Veröffentlichung der Broschüre als Verletzte im Sinne des Gesetzes anzusehen seien. Ein einzelnes Mitglied des Judentums könne nicht als verletzt und damit als aktivlegitimiert für eine persönliche Klage angesehe» werden. Diese Frage der Aktivtegitimation eines Einzelncn zur Klage gegenüber antisemitischen Behauptungen sei auch in dem Prozeß in Kairo verneint worden. Der "Staatsanwalt enthielt sich gegenüber diesem Antrag jeder Stellungnähme, während die Vertreter der Privatkläger die Ab- Weisung dejs Antrags forderten. Nach einer kurzen Beratung erkannte das Gericht auf vorläufige Abweisung der Die Krone des Alters ״Und Abraham war alt und betagt, und der Ewige hatte den Abraham gesegnet mit allem,0 (1.B.M., Kap. 24, t) Abraham wer der erste, dem die Krone des Aller» auf־ gesetzt wurde. Gleich wie einst ein König zu seinem Liebling sprach: Soll ich dir Gold und Silber, Knedhte und Mögde geben? Siehe, das hast du alles. Ich will dir nun die Krone von meinem Haupte schenken — so sprach auch der Herr zu seinem lieb־ iing Abraham: Was soll ich dir geben? Gold hast du schon. Aber siehe, wie es von mir heißt: ״Das Haar aul seinem Hauple ist wie weiße Wolle“ — so will idi auch dich machen. AgadahzumWadienabsdmiitfür Sdtabbat, den 30.Oktober Aus Bin Goriart, ״Sagen der Juden“ (Sdiocken Verlag) keilen hervor, die die Hadassah vor 25 Jahren gegründet haben und sprach unter stürmischen Beifallskundgebungen der ersten Präsidentin dieser Organisation, Miß Tienrietta Szold, die heute in Palästina in der vordersten Front der Arbeit steht, im Namen der zionistischen Bewegung Amerikas den Dank für ihr erfolgreiches Wirken aus. Im Mittelpunkt der Donnerstag-Vormittagssitzung stand ein Referat von Mrs, J acobs über den Beginn und die Entwicklting der zionistischen Arbeit unter den jüdischen Frauen Amerikas. Die Vorsitzende der Palästinakommission, Frau Robert Szotd, berichtete über die Auswirkung des von der Hadassah in Palästina eingeführten amerikanischen Systems der Gesundheitsfürsorge auf die sozialen Verhältnisse im Lande. Mittags fand eine Aussprache über die Kinderfürsorge der Hadassah statt. Oie einleitenden Heferate hielten die chemalige Vorsitzende der Hadassah, .Mrs. Irma Lind he im, die jahrelang in Palästina ansässig war, .Mrs. Israel B. Brodle aus New York, die vor kurzem vier Monate in Palästina gelebt liat und Miß Bertha Landsman, die vor 18 Jahren die Kinderwohlfahrtszentren der Hadassah organisiert hat. Am Nachmittag beschäftigte sich die Konferenz mit Fragen der Jugendalijah und insbesondere mit der Ausdehnung dieser Arbeit auch für Polen. Am Abend wurde ein Theaterstück ״Blick auf die Berge“ aufgefübrt, das die Verfasserinnen Mrs. Francis Back- Hoffman und Mrs. Anne Senzer ans Larchment der Hadassah gewidmet haben, Ghetto in Polen strierteil Studenten in den Straßen unter dem Ruf ״Tod den Juden“. In der nationalradikalen Zeitung ״A B C“ wird die Einfiilirung von Ghettobänken auch in den höheren Schulen verlangt. Das Blatt beruft sich dabei auf eine soeben vom Warschauer Schiilkiiraforium veröffentlichte Erklärung, daß die Sitzordnung in den Klassen dein pädagogischen Ermessen der Lehrer überlassen bleibe. Im Hinblick darauf, •daß die jüdischen Mittelschulen während des Proteststreikes geschlossen waren, hat das ScluilkiiTatorium die Schiitleitungm aufgefordert, die Namen der Lehrer anzugeben, die während des Streiks nicht zum UnterricM gekommen sind. In der Kinderliiinik des Professors Michalowicz hat sich ein bisher in der Geschichte der Hochschulexzesse nicht dagewesencr Fall zugetragen. Der Assistent Dr. Altermann hatte eine Operation dnrchziiführen. Das Kind lag M. M. WARBURG & CO. GEGRÜNDET 17 9? HAMBURG FERDtNANDSTR. 75 BERLINER BÜRO: TIERGARTENST«. 2b bereits auf dem Operationstisch, nls die Türen des Operationssaals aufgerissen wurden und Nationalradikale sieh auf den Operateur stürzten. Dr. Altrnnann wurde die!Maske abgerissen, und er wurde mit Stöcken blutig mißhandelt. Unter den Patienten und dem Pflegepersonal der Abteilung hrad1 eine Panik aus. Der Leiter der Klinik, Prof. Michalowicz, forderte die Eindringlinge auf, das Haus sofort zu verlassen. Er begab sich sodann zum Unterriehtsniinister, um Beschwcrde zu erheben und Zusicherungen gegen eine Wiederkolung derartiger Ausschreitungen zu erlangen. Der ״Kurier Powszcchny“ in Wilna meldet, daß der Chemieprofessor an der dortigen Universität, Michalski, den jüdischen Studenten, die mit ihren nichtjüdischen Kollegen zusammensaßen, zu Beginn seiner Vorlesung zurief: ״Fort, Juden, von den ■christlichen Bänken!“ Anträge des Verteidigers. Das Gericht behalte sich vor, die Frage nach der Aktivlegitimation nach der materiellen Seite erst Im Verlaut der Verhandlung zu prüfen und zu entscheiden. Darauf trat die Verhandlung in die Plädoyer! ein. _ Habimah ia Paris Das Gastspiel der ״Habimah“ in Paris, das wir In Nr. 84 ankündigten, hat begonnen. Als eiste Aufführungen brachte ״Habimah“ den ״Dybbuk“ von Ansky und ״Den ewigen Juden״ von David Pinski heraus. Im weiteren Verlauf des Gastspiels sollen ״Der Traum des Golem“ von Leiwik und ״Urid Acosta“ von Gutzkow aufgefiihrt werden. Die Aufführungen haben in den künstlerisch interessier« ten Kreisen von Paris außerordentliches Aufsehen erregt. Be« sonders die Aufführung des ״Dyfcbuk“ stellte wieder einen Höhepunkt der künstlerischen Leistung der ״Habimah“ dar. Die französische Presse widmet den Aufführungen interessiert« Würdigungen. __ Die neue Oper ״Wallcnstcin“ des tschechisch-jüdischen Komponisten Jaromir Weinberger, die textlich auf Schiß■ lers Drama beruht, wird demnächst in der Staatsoper kt Wien unter der Leitung von Wolfgang Martin uraufgeführt.