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Jüdische Rundschau · 1937-10-26 · Heft 85 (26.10.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 85 (26.10.1937)
Date
1937-10-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 JÜDISCH! RUNDSCHAU Nr. 85, 26. X. 1937 Trauerkundgebung Gedenken Welzmanns für Warbarg Unter dem Vorsitz von Dr. Chaim Weizmann veranstaltete die Jewish Agenw in London eine eindrucksvolle Trauerkundgebung. Außer weizmann sprachen noch Lionel Cohen, Prof. Selig Brodetskyj der Präsident des Board of Deputies, Neville Las kl, und Simon Marks. Der Name Warburgs, so föhrte Dr. Weizmann aus, sei der iudenheit so vertraut gewesen, daß es sich erübrige, viel darüber zu sagen, was er war und was sein Verlust bedeutet Als hervorragender Bürger Amerikas hat Warburg in dem Leben seines Landes eine bedeutende Rolle gespielt. Gleich• zeitig war er sein Leben lang mit jedem Problem der Judenheit eng verbunden. Dr. Weizmann wies darauf hin, daß unter der Funrung Warburgs und Marshalls und in den letzten Jahren Warburgs allein die amerikanische Judenheit ihre Kräfte darauf konzentriert hat, unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas wieder aufzubauen, was der Krieg zerstört hat. Achtzig bis hundert Millionen Dollar sind so für konstruktive Aufgaben aufgewendet worden. Neben dieser Arbeit und der Sozialfürsorge in Amerika selbst sei ein großer Teil der Tätigkeit Warburgs Palästina- Problemen gewidmet gewesen. Er war der eigentliche Führer des uichtzionistischen Teiles der Jewish Agency. Weizmann hob die hilfreiche Mitwirkung Warburgs bei der Behandlung schwierigster Fragen, die Klugheit und Mäßigung erforderten, auf der Züricher Tagung hervor und betonte, daß es für Warburg im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand damals ein edles Opfer gewesen sei, von New York nach Zürich zu kommen. Die letzten Tage in Zürich habe er mit Warburg gemeinsam verbracht Sie beide konnten in dem flückiicnen Oefühi nach Hause zurückkehren, daß das Werk ortgesetzt werden und trotz aller bevorstehenden Schwierigkeiten gedeihen wird. Weizmann sprach weiter von dem Wirken Warburgs für Kunst und Wissensch a ft Er wies auf die Förderung hin, die der Verstorbene der Harvard-Universität und der Hebräischen Universität in Jerusalem, dem Metropolitan-Museum in New York und Gemäldesammlungen in London angedeihen ließ. Diese umfassende und vielseitige Tätigkeit habe Warburgs Gesundheit in den letzten fünf bis sechs Jahren schwer auf die Probe gestellt ln allem, was er unternahm, habe Warbürg außerordentliche Gewandtheit bewiesen. Immer habe er Oel auf aufgewühlte Fluten gegossen, immer versucht, einen friedlichen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, die demienigen begegnen, der uu öffentlichen Leben steht Warburgs Mitarbeit könne in diesem Augenblick in Amerika• und in der zionistischen Bewegung schwer entbehrt werden. Ich muß aufrichtig sagen, erklärte Weizmann, daß ich im weiten Umkreis niemanden sehe, der ihn vollkommen ersetzen könnte. Eine ungeheure Leere ist nach ihm geblieben. Zum Schluß sprach Weizmann noch von dem persönlichen Ver• lust, den er durch den Tod Warburgs, mit dem er jahrelang befreundet war, erlitten hat Lionel Cohen sprach von der warmfühlenden Menschlichkeit und dem tatbereiten Mitgefühl, das Warburg notleiden־ den Glaubensgenossen, wo immer sie leben, entgegen gebracht hat Er habe eine geniale Begabung für Freundschaft besessen. Im Namen der Zionistischen Organisation sprach Prof. Brodetsky. Die Organisation empfinde eine besondere Dankesschuld gegenüber Warburg und werde ihrer Verbindung mit ihm stets eingedenk bleiben. Neville Las ki erklärte, et sei unmöglich, sich Warburg losgelöst von seiner nimmer rastenden Tätigkeit vorzusteüen. Stets habe er irgendeinen neuen Plan zur Verbesserung der Lage seiner notleidenden Brüder Im Kopfe gehabt. Noch zuletzt habe er an einem großzügigen Plan gearbeitet, durch den die gesamte jüdische Hilfstätigkeit koordiniert werden sollte. Simon Marks wies darauf hin, daß er nicht nur einen persönlichen Freund, sondern auch einen Kollegen in der Arbeit zu betrauern habe. Seit der Gründung des Notfonds nach den Palästina-Unruhen von 1929 sei er mit Warburg verbunden gewesen. Diese Arbeit führte zu der gemeinsam mit der ICA vorgenommenen Gründung der EMICA. der Jewish Agency Weitere Trauerknndgebungen Der frühere Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfflrsorge, James O. MacDonald, hielt auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Joint Distribution Committee und des christlich-amerikanischen Komitees für Flüchtlingsfürsorge in New York eine Rede, in der er Felix M. Warburg als einen Mann feierte, der unermüdlich für internationale und interkonfessionelle Verständigung gekämpft habe. Warburg sei ein Menschenfreund gewesen, dessen Sympathien alle umfaßt hätten. Er sei ein treuer, zuverlässiger Freund der Menschheit gewesen. Die Zahl der Trauerkundgebungen in den Vereinigten Staaten und in der ganzen jüdischen Welt ist außerordentlieh groß. So veröffentlicht u. a. der Staategouvernei» Herbert H. Lehman eine warmgehaltene Erklärung. Der Vorsitzende des Joint Distribution Committee, Paul B a e r - wald, der Präsident des American Jewish Committee Dr, Cyrus Adler, die Leiter des United Palestine Appeal, die Hadassah, der amerikanische Rabbinerverband, der Verband der polnischen Juden in Amerika haben ebenfalls Trauer- Kundgebungen erlasen. Aus England liegen Trauerkundgehangen von Viscount Samuel, des Präsidenten des Board öt Deputies Neville Laski, des Präsidenten der Anglo Jewish Association Leonhard Montefiore vor. Aus Pa- 1 ä s t i n a sind besonders Kundgebungen der Stadtverwaltung von Tel Aviv und der Allgemeinen jüdischen Arbeiter- Organisation zu erwähnen. In Polen äußerte sich Senator Prot. Dr. M. Schorr zum Tode Warburgs in herzlichen Worten. Auch Rabbi Schneurson, der chassidische Rabbi von Lubawitsch, gab seiner Trauer Ausdruck. Aus Rumänien werden Trauerkundgebungen von Oberrabbiner Dr. J. Nlemirower, vom Präsidenten der Union rumänischer Juden Dr. Wilhelm Filderman, dem Präsidenten des Verbandes jüdischer Gemeinden Rumäniens Senator Siegmund Birman und dem Präsidenten der jüdischen Vereinigung für soziale und kulturelle Arbeit ״Luinino“, M. Zelter- Sarateanu gemeldet. Aus Deutschland sind zu den schon in der vorigen Nummer erwähnten Beileidsbezeugungen Tratierkundgebungen der Berliner Jüdischen Gemeinde und des Reichsverbandes jüdischer Frontsoldaten nachzutragen, die an den Bruder des Verstorbenen, Max Warburg, gerichtet waren. Das Hauptbüro des Joint Distribution Committee und seine Zweigbüros in allen Ländern blieben zum Zeichen der Trauer bis zur Beisetzung geschlossen. Felix Warburgs Beisetzung Das äußere Bild der gewaltigen Trauerversammlung, die sich am 22. Oktober im Tempel Emanu-EI eingefunden hatte, zeigte, daß Felix M. Warburg in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Amerikas als anerkannter Führer galt. Das Judentum aus Ost und West war in dem weiten Raum des Gotteshauses zusammengeströmt, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Betont einfach und schlicht war der Trauergottesdienst. Nur 25 Minuten dauerte die Feier, der die markantesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beiwohnten, an ihrer Spitze Staatsgouverneur Herbert H. Lehman, sein Bruder Richter Irving Lehman, der frühere Gouverneur Al Smith, ferner John D. Rockefeller, der Philanthrop und Präsident der jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft, Percy S. Straus, der Präsident des American Jewish Committee, Dr. Cyrus Adler, und viele andere hervorragende Vertreter der Gesellschaft, der politischen Kreise, der wissenschädlichen Welt und der Wirtschaft. Es wurden keine Trauerreden gehalten. Die religiösen Funktionen versahen Rabbi Ooldenson und Rabbi emeritus Samuel Schulman. Ihnen assistierten Rabbi Jonah B. Wise und andere führende Rabbiner. Tausende umsäumten die Straßen, durch die der mit Nelker.gewinden umhüllte Sarg zu dem Salemfields-Friedhof in Brooklyn geführt wurde. Eine Polizeiabteilung auf Motorrädern begleitete den Zug bei der Ueberführung. Die Bel- Setzung erfolgte im Erbbegräbnis der Familie Schiff. glauben, daß diese Aufgabe von der Universität in Angriff genommen und bewältigt werden kann, dann um so besser, ist sie ja durch ihre einzigartige Stellung auf dem Skopus, durch den genius loci nicht weniger als durch eine Anzahl von Männern, die ihr angehören oder nahe stehen, eine besonders geeignete Kristallisationszelle für ein solches Unternehmen. Die Stiftung der Akademie wird ja, wenn sie Wirklichkeit werden sollte, ein Akt von historischer Bedeutung sein, dessen Perspektiven für die jüdische Renaissance heute noch gar nicht zu übersehen sind. Es wird dabei allerdings darauf ankommen, von vornherein nicht in der Enge zu bleiben. Wohl muß wissenschaftliche Arbeit im Zentrum auch dieser Akademie stehen, schon deshalb, weil die Erforschling geschichtlicher Tatsachen ihr besonderes Augenmerk verdient; aber zugleich muß Kunst und Liter atu rund das wichtige Gebiet der Voikserziehung ihr integrierender Bestandteil sein, und Männer von Rang, die die besten Namen des jüdischen Volkes auf diesen Gebieten darstellen, sollten ihr als aktive Mitarbeiter angehören. Unsere Zeit ist voll des äußeren Zusammenbraches, und eine Fülle der Schrecknisse erfüllt das jüdische Leben in der Welt. Palästina und Diaspora scheinen unter den Schlägen fast mythisch zu nennender Kräfte zu erbeben, und unter ihrem Einfluß zerbrechen auch die Ideale, die viele von uns sich in ihrem Herzeri gebildet hatten. Es droht der Zerfall aller geistigen Bindungen, ohne daß wir wissen, was an ihre Stelle treten soll, ln dieser Stunde, in der der Nihilismus droht -- der sich in den verschiedensten Verkleidungen in unser Leben eindrängt, nicht zuletzt auch im Rahmen nationaler Vorsteilungen ־—, mag doch etwas Neues sich aus der Seele des Volkes fosringen. Wir wissen nicht, ob es so ist, besonders deshalb nicht, weil wir ja mit all unserem Tun mehr oder weniger im Bezirke des Organisierbaren bleiben und die Resultate nicht voraussehen können. Dennoch wissen wir, daß die Sehnsucht der besten Kräfte im Volke um so tiefer ist, weil es eine Sehnsucht aus dem Abgrund der Verzweiflung ist, in den unser Herz über die Not des Volkes und noch mehr über seine Verlassenheit in der Düsternis der Welt gestürzt ist. Vielleicht — vielleicht wird aus dieser Tiefe, aus der Qual des Zusammenbruches und aus der Einsamkeit des menschlichen Herzens das Licht hervorbrechen, das dem Volke voranleuchten kann, das seine menschlichen Kräfte wieder vereinigt, die sich erst in ihrer eigentümlichen volksmäßigen Bedingtheit voll offenbaren können. Wir brauchen auf diesem Wege zunächst eines: das ist die Ueberwindung der Anarchie, die unser ganzes Leben zu zerfressen droht, die Wiedereinordnung m eine Zucht im Geistigen wie im Moralischen, das nach unserer Auffassung, die auch für das Judentum aller Zeiten bestimmend war, sich allein aus dem Geistigen ableiten läßt. Das Wissen um unser So-Sein und das Gefühl für dieses Wissen sind es, die auch unsere sittliche Haltung als Juden regulieren können und damit die Basis für das Verhalten des Volkes in der Wirklichkeit des täglichen Lebens abgeben. Solche Zucht aber kann uns nur die Anknüpfung an die höchsten Werte vermitteln, in denen die Art und der Geist des jüdischen Volkes am reinsten und erhabensten ausgeprägt ist, werden das Volk und seine Jugend sich doch geringeren Malistäben gewiß nicht zu unterwerfen bereit sein — jenes Volk, das in dieser Zeit nicht weniger widerspenstig ist, als es in früheren entscheidungsvollen Momenten seiner Geschichte war, weil es dunkel ahnt, daß der Weg einer wahrhaften Erneuerung schwer und voller Verzichte ist. Darum meinen wir, daß jenes Mittel der geistigen und sittlichen Zucht, das uns zur Verfügung steht, nur eines sein kann: das ist die jüdische Amtike in ihren höchsten und idealsten Ausprägungen, die Form und Bild gewordene Idee jüdischen Daseins, die uns iri der klassischen Geschichte unseres Volkes entgegentritt. Nicht weil diese Werte alt sind und darum eine gewisse Ehrfurcht der Heutigen beanspruchen können, müssen wir uns ihnen zuwenden, sondern weil in ihnen die bildende Kraft liegt, die den menschlichen Wert aller kommenden Geschlechter zu steigern vermag, die den Juden ganz zu sich selbst und damit zu seinen menschlichen Quellen führen kann. Es gibt gelegentlich die Frage: Besteht eine jüdisehe Kultur? Wir meinen damit nicht jene Frage- Stellung, die von Juden aufgeworfen wurde, weil sie meinten, daß das jüdische Volk sich aufgelöst habe und seine Glieder ln den Kulturen der umwohnenden Völker untergetaucht seien. Es handelt sich vielmehr um eine weit ernstere Fragestellung, die davon ausgeht, daß das jüdi- Sehe Volk als ein Volk Asiens im Gegensatz zu den Völkern Europas nicht das sein Eigen nenne, was man mit dem Kulturbegriff zu bezeichnen sucht. Es fehle uns das, was man ״B ildung“ heißt, nämlich die Herausbildung der menschlichen Idee aus dem zunächst amorphen Leib und Geist, die Formung einer menschlichen Persönlichkeit nach einem von ihr losgelösten Bilde. Uns scheint, daß wir demgegenüber an jdie Gestalten auf dem Höhepunkt unserer Geschichte zu denken haben, die nicht allein mit dem starren Schema des ״Du sollst“ und ״Du sollst nicht“ das Volk anredeten, sondern die ganze Fülle menschlicher Leidenschaft und menschlicher Zucht in ihrem Leben verkörperten und eine bis heute noch nicht voll ausgeschöpfte und klar genug nachgezeichnete Idee jüdischen Seins darstelltcu, eine* So« Seins und Anders-Seins zugleich, wenn wir cs an der Art der anderen Völker messen. Wenn wir die Frage stellen, was uns mit jenen heroischen und leidenden —־ um die beiden wichtigsten Züge menschlichen Schicksals herauszugreifen — Gestalten verbindet, dann muß die Antwort lauten, daß es unsere Erkenntnis und unser intuitives Gefühl ist, in ihnen sei unser eigentliches Menschentum in echtester jüdischer Prägung zum Ausdruck gekommen. All diese Fragen sind, so abstrakt sie klingen mögen, vom Leben selbst nicht weit entfernt. In Palästina wird eine Diskussion darüber geführt, worin die Leitlinie der jüdischen Erneuerung, der Erziehung der Jugend insbesondere zu liegen hat. Es gibt eine starke, wie uns scheint vorherrschende Strömung, die in der Weltlichkeit oder — besser gesagt — Irdischkeit des Lebens in Palästina den höchsten Wert sieht, die die Arbeit besonders die Arbeit am Boden zu einer Art Religionsersatz gemacht hat, der z. B. die Wehrhaftigkeit unserer jungen Generation besonders eindrucksvoll erscheint und der es nicht viel ausmacht, daß diese selbe Jugend über der Bebauung des Ackers die Gebote vergessen hat, die über den Acker handeln. Ihnen gegenüber stehen andere, die der Meinung sind, daß der religiöse Bau des Judentums mit allen seinen reichen Ausschmückungen erhalten bleiben muß, denn nur in ihm könne das Volk in seiner Eigenart bestehen. Uns scheint, daß beide Alternativen nicht das Volk als Ganzes befriedigen können. Der Preis der Arbeit und der irdischen Kraft Ist gewiß verständlich als eine Reaktion auf die Jahrhunderte der Enge des Ghettos, dennoch aber bedeutet er eine Art der Verwilderung, die sich besonders dort bemerkbar macht, wo es mit der Arbeit selbst nicht so gut bestellt ist, nämlich in der Stadt, und wo aus dieser Wirklichkeit mehr eine Ideologie geworden ist — auch dies eine Form jenes uns bedrohenden Nihilismus, von dem wir sprachen. Lehnen wir dies ab, so steht einem erheblichen Teil des Volkes dennoch nicht das Gebäude des religiösen Judentums offen, weil ihm der Schlüssel dazu fehlt, der im Glau* ben liegt, und weil er nicht bereit ist, Gefühle und Ueberzeugungen um der Einfachheit des Weges willen zu verwischen, Sollen all di«•«, deren Zahl gewiß groß ist, nicht in das Lager der — im geistigen Sinne — Ver« wilderten und Zuchtlosen hinübergetrieben werden, so tut es not, neue Formen zu schaffen, die dem ganzen Volke angepaßt sind; das aber bedeutet, daß die Kraft unserer geschichtlichen Höhepunkte wieder vor dem Geiste unserer Zeit auftauchen muß, denn nur von dort her werden Menschen, widerstrebende Menschen in das alte Bett jüdischen geistigen Daseins hinein* gezwungen werden können. All dies steht vor uns als Aufgabe. Eine Hetrl« ische Akademie wird sieh mit ihr auseinanderzusetzen haben und wird in vielfacher Kleinarbeit, die den Weg des Aufschwunges bahnen soll, ihr dienen müssen. Wir wissen, daß mit Proklamationen allein wenig getan Ist. Auch die materielle Basis eines solchen Unter« nehmens muß gesichert sein, wenn es Aussicht auf Be« stehen und Bewährung haben soll. Selbst wenn die Akademie konstituiert sein wird, wissen wir, daß damit noch wenig erreicht ist. Wir sind skeptisch geworden, wenn wir daran denken, daß manches in der Vergangen« heit gerade auf kulturellem Gebiete begonnen wurde ,und dann wie ein Strohfeuer verging. Dennoch Ist die Parole, die in Jerusalem verkündet wurde, eine große und erhabene, und es gilt, alle Kräfte zu sammeln, die ihr zu folgen bereit sind. Sie wird leben, wenn hinter ihr der gestaltende Wille von Männern steht, die wirklich die besten Kräfte des Volkes dar« stellen, die heute vorhanden sind, und wenn dieser Wille in den organisatorischen Formen zusammengefaßt wird, die der Sache angemessen sind. Zunächst wird es darauf ankommen, diesen Willen zu wecken und den ersten Schritt zu tun, der einen Weg andeutet, über dessen Größenperspektive wir uns Gedanken machen können, dessen Bedeutung uns klar ist, dessen letzte Ziele jedoch im Dunkeln der Zukunft liegen und nur durch unverdros* sene Arbeit allmählich entschleiert werden können. K.L. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Cturl. 0 (auch verantwortlich für die Aulnahrae von Bildern). Stellvertreter 1 Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigcr.leiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigen Verwaltung 1 Jüdische Rundachau, Berlin W 15, Meinekeet*. 10. U.A. III/1837 28 804. ~ Druckt Siegfried Scho lern, Berlin-Schüneberg.

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