Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I :ווו f't ׳llipl; ־, G 1# Seite 8 JODISCME kumdsCHAU Nr. 84, 22. X, 1?37 Nöte der Landwirtschaft Vonunserem palästinensischen Korrespondenten die Hachscharah-Ausbildung durch Hinweis au! die Arbeitekräfte, die in solchen Industrien gebraucht werden können, beeinflußt. Wesentlich ist natürlich die Erweiterung des inneren Marktes durch Einsetzen einer vorsichtigen Zollpolitik. Aber bis die staatsrechtlichen Grundlagen für eine umfassende jüdische Industrie-Interessen berücksichtigende Zollpolitik geschaffen werden, kann noch geraume Zeit vergehen, und bis dahin? Eine instruktive Antwort, die gleichzeitig einen guten Beweis für die Initiative und die Organisationsfähigkeit hiesiger l Internehmerschiciiten liefert, bietet die Tat- Sache, daß das jüdische S c!1 u 11 g c vv c r b e unter Einschluß der Schuhimportelire den Weg der Selbsthilfe schreitet und beschlossen hat, vom I. Januar 1 <>3S ab nur noch Schuhe aus hiesigen Fabriken zum Verkauf zu bringen. Es ist anzunehmen, daß in anderen Gewerben ähnliche, wenn auch nicht immer so umfassende .Maßnahmen beschlossen werden. Natürlich kann Zollsdiutz «der Abriegelung des inneren Marktes nicht die Zauberformel für die gesamte jüdische Wirtschaff sein, wie das von mancher Seite geglaubt wird. Die jüdische Industrie wird, je großer und bodenständiger sie wird, immer mehr zu Exporten gezwungen sein. Denn einmal kann die rohstoffarme Wirtschaft die für Rohstoffe erforderliehen Devisen auf die Dauer nur aus Exporterlösen hereinholen, wenn auch vielleicht noch andere Quellen, wie die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, in verstärktem Umfang hinzukommen werden, und dann wird die Gefahr der Markt- Verengung, auf die vorher 11 in gewiesen wurde, auch wieder nur durch Exporte behoben werden können. Eine Wirtschaft aber, die exportieren muß, kann sich nicht abschließen, cs sei denn, sie hat Mniiopoigüter zu exportieren, was aber für Palästina nicht zutrifft. Aus diesen Gründen allein wird schon eine einseitige Zollpolitik nicht durchgeführt werden können. Was die (i e 111 u s e p r o (I 11 k t i 0 11 betrifft, so können hier Zölle auf Frischgcimise und Konserven sicher helfen, allerdings nur dann, wenn gleichzeitig mit Zöllen eine leistungsfähige hiesige Konservenfabrikation au (gebaut wird. Die hiesige Hausfrau bevorzugt die Konserven trotz des relativ hohen Preises, weil sie Arbeit ersparen. Sie wird, wenn sic vom Koiiservenluviig Abstand nclimcn rnuß, nicht oder nicht in entsprechendem Umfang zum Gemüsekauf übergehen, sondern wird stritt dessen andere Naliriingsinittcl bevorzugen. Das ist keine Willkür, sondern der Ausdruck der Gesellschaftliehen Tatsache, daß die Frauen hier angestrengt arbeiten. Diese Tatsache kann man zu einer produktiven gestalten, wenn sieh mehr Gewerbe entwickeln, die der Hausfrau durch Vorarbeiten einen Teil der 1 l.ausarhcit abnehmen; aber durch Zollpolitik ist ihr nicht hei/ukonimen. Im ganzen also läßt sich ohne Schönfärberei sagen: die Schwierigkeiten der palästinensischen Wirtschaft, die nicht bloß zufällig zum Vorschein kommen, sondern mit Orundtatsachen, wenn man will, Schwächen dieser Wirtschaft Zusammenhängen, sind durc 11 aus beeinflußbar, und zwar tlurcli eine Wirtschaftspolitik, die sich nicht mit dem Aufbauen allein begnügt, sondern auch die F 11 11 k t i o n s f ä Ir i g k c i t der einzelnen Teile und des Ganzen in ihren Betrachtungskreis einbezieht. Sie muH eine Industriepolitik, zu der die Gründung einer Industricban k gehört, ebenso umfassen wie eine Zollpolitik, und sie muß endlich auch die Exportfragen praktisch weiter fördern. Ucberali sind Ansätze in dieser Riehtung gemacht worden. Fs ist kein Grund zu der Annahme, daß diese Ansätze nicht weiterfiihren. Werden sie aber encrgisch und im Zusammenhang miteinander weitergefülirt, dann ist auch kein Grund zu der Annahme, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes erschöpft sei. Schabbatschutz-Gesetz in Tel Aviv Die Bestimmungen der vor kurzem im Amtsblatt voröffentlichten neuen Verordnung über den Ladenschluß in Tel Aviv sind der Bevölkerung durch die Stadtverwaltung in Mauer,inschliigen bekanntpegehen worden. Die Einhaltung der Bestimmungen wird von der Polizei noch nicht überwacht. Die Kiadtgemeindc wird besondere Beamte mit dieser Aufgabe betrauen. Nach den Bestimmungen bleiben die Läden an Wochentagen von 7 Uhr abends bis 3 Uhr morgens geschlossen. Am Vorabend von Feiertagen dürfen die Geschälte bis 10 Uhr abends gculfnet bleiben. Läden in der Nähe der Stadigren/e geuen Jalta, insbe-omlere die Lebensmittelstände, dürfen bis 0 Uhr abends Offenheiten. Am S e h a b b a f müssen sämtliche Geschäfte cinsehlicßlieh der Milchum! Spcisci is-l.ädcn geschlossen bleiben. Kaffeehäuser und Restaurants können am Freitagabend und am Vorabend von Feiertagen bis 10 Uhr, an Sonnabenden von 10 Uhr vormittags'bis 3 Uhr nachmittags offen 11 alt eil. Am Yer.söhining.-Uag bleiben Kaffe ehäiiscr und Restaurants geschlossen, am ö, .■Vv müssen ■tc um 7 Uhr abend« schließen, können aber am fo'genden Morgen wieder gcö'fnet werden. Die Ucbertrctimw dieser Bestimmungen wird mit Geldstrafen bis zu tu l’i'und best!alt. Generalinspektor Spicer kehrt nicht zurück Amtlich wird bestätigt, daß der bisherige^ Kommandant der Palästinapolizei, Generalinspektor Roy G. Spicer, nicht mehr auf seinen Posten zumckkehreii wird. Die Mitteilung wirkt überraschend, weil gerade Spicer es war, der von High Commissioner Sir Arthur Wnuchope ein schärferes Vorgellen gegen die Hintermänner der Terroristen gefordert hat. Gegen ihn wurde bekanntlich in diesem Jahr in Jerusalem <i!1 mißglückter Anschlag verübt. Patente in Palästina Der ״Haare?.‘4 berichtet, wie ans Tel Aviv geschrieben wird: Seit dem Jahre 1021 sind in Palästina etwa 1000 Patente erteilt worden. Ungefähr zwei Drittel davon an das Ausland und ein Drittel an Inländer. Alle Inländer sind Juden. An Araber sind keine Patente erteil! worden. Irn Jahre 1035 wurden in Syrien 45 Patente meist ausländischen Ursprungs eingetragen, in derselben Zeit 2J1 Patente in Palästina, Dabei sind die Gebühren in Palästina bedeutend höher als in Acgypten und in Serien und selbst als in England, wo die Aussichten für die Ausnutzung eines Patents natürlich bedeutend größer sind. Interessant sind auch die Gebiete, mit denen sich hier die Erfinder beschäftig! n. In Europa und Amerika beziehen sieh die Patente meist auf die Gebiete der Elektrotechnik und der Pharmazeutik und auf Verbesserungen im Maschinenbau, die in den großen Fabriken erfunden sind und dort angewandt werden. Patente für kleine Fabriken und für Private sind relativ selten. Die Erfinder in Palästina hingegen sind meist Privatleute. Der Gegenstand ihrer Erlindungen ist meist die Erleichterung des Haushaltes. So finden wir viele Kochgeräte, Warmwasserspender, Waschmaschinen, Verbesserungen für Kühlanlagen, Patentbetten und Verbessegl. Tel Aviv, 14. Oktober Die Frage nach dem Schicksal des Jüdischen Nationalheims ist ihrem innersten Wesen nach eine politische. Und Politik dominiert im öffentlichen Leben des Landes heute ebenso, wie sie die letzten Jahre hindurch dominiert hat. Die druckenden Fragen des Tages jedoch sind in erster Linie wirtschaftlicher Natur. Daß diese ökonomischen Schwierigkeiten aufs engste mit den politischen zusammen-!längen, in hohem Maße von ihnen bestimmt werden, nimmt ihnen nichts von ihrem eigentlichen Charakter. Und es hilft auch im Moment wenig, wenn man die Abhängigkeit der wirtschaftlichen Entwicklungen von den politischen Faktoren erkennt und betont. Denn da das politische Schicksal des Landes völlig in der Schwebe ist und von den Juden selbst nur zu einem gewissen Grade beeinflußt werden kann, so ist es im Augenblick so gut wie unmöglich, auf die Wirtschaft von der politischen Seite aus erheblichen Einfluß auszuüben. Man maß, unter den gegebenen Umständen — das heißt also in der bestehenden politischen Verwirrung — den wirtschaftlichen Fragen zu Leibe gehen und sie, soweit es überhaupt möglich ist, zu lösen versuchen. Wir greifen heute einen gesonderten Abschnitt der jiidischcn Wirtschaft heraus, um in großen Stichen die Nöte der Stunde zu skizzieren, und zwar die sogenannte ״gemischte Landwirtschaft“, also die Siedlungen des Keren Hajessod auf Boden des Keren Kajerneth. Eis findet gerade jetzt eine ״Moazah Chaklaith“, eine Beratung der Landarbeiter, statt, an der sich auch die Koionisatioiisahteilung■ der Jewisli Agency beteiligt, und sie gibt Gelegenheit, die Nöte der Siedlungen, die von ihnen gestellten Forderungen und die herrschende Stimmung zu studieren. Neukolonisation Eine der Fragen, die die Konferenz beschäftigt und die dringend und sofort eine Lösung verlangt, ist die Lage der neuen, das heißt, während des letzten Jahres gegründeten Kolonien. Insgesamt gibt es 10 davon, und eine ganze Reihe wurde in einer Atmosphäre der Gefahr ״über Nacht“ errichtet, weil es notwendig war, die vorhandenen Böden des Naü'onalfouds sofort zu okkupieren und in Bearbeitung zu nehmen, Ganz Palästina und die gesamte an der Entwicklung des Landes interessierte (iahith hat die Schaffung dieser neuen Punkte mit größtem Interesse verfolgt, und Wochenlang war die Presse voll von Berichten und Bildern über die wie durch Zauber aus dem Boden gewachsenen Punkte in der Jordansenke, aut der Qstseite des Tiberias-Secs und an anderen Stellen. Die Menschen, die diese Okkupationen durchführten und die, die sic organisierten, wußten jedoch sehr genau, daß damit nichts beendet war und die eigentliche Aufgabe erst begann. Wir schrieben bei der Gründling von Beth Joseph und Misehmar Haschloschah: ,,... der heroische Auftakt der Ansiedluug ist eben nichts als ein Auftakt und nach den ersten erregten ,und begeisterten Wochen folgt der schwere tägliche Kampf um Produktion und Absatz, um Basierung der Punkte, um Kredite und Wasserbeschaffung. Die Siedler sind in diesem Kampfe die Front, die Vorposten, sie können jedoch nur durchhaltcn, wenn ihnen der nötige Nachschub an Mitteln kommt, wenn sie das Volk, für das sie arbeiten, in ihrer Stellung hält. Für die nationalen Institutionen erwächst mit dieser Neusiedlung gesteigerte Verantwortung, und die Judenheit des Gahith wird zu zeigen haben, ob sie verstellt, was hier getan wird, indem sie Palästina die nötigen Mittel zur Weiterarbeit zur Verfügung stellt.“ Heute, wenige Monate nach der Gründung, haben die neuen Siedler in nicht endenwollender Plage erfahren, daß der notwendige Nachschub nicht kommt. Es wurden im letzten Jahre an 75 000 Dunam neu besetzt, etwa 800 Mensehen waren an der Okkupation beteiligt. Von den 19 Punkten konnten nur 6 ein Minimum erhalten, das ihnen ein Aushalten — natürlich auch nur unter primitivsten Bedingungen — ermöglichte. Die anderen blieben selbst ohne dieses Minimum, für das Keren Hajessod, Keren Kajemcth, die Zentralstelle für die Ansiedluug von luden aus Deutschland und der zur Erinnerung an Ariosoroff gegründete Fonds, sorgten. Das heißt, daß diese Siedlungen keine Häuser besitzen, keine Wasserinstallation, daß sie keine Verbindungswege mit den benachbarten Punkten haben, auch nicht die Möglichkeit, den Boden richtig und ertragbringend zu bearbeiten. Der Winter steht vor der Tür, ohne Wege droht man bei den Regen von der Umwelt abgeschnitten zu werden, ohne Häuser wird das ohnedies sehr harte Lehen unerträglich. Nack den vorliegenden Berechnungen sind sofort C 1 00 00 0 nötig, um die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen, und nach den Berichten, die auf der Konferenz erstattet wurden, bestellt nur wenig Aussicht, diese Gelder auf Zubringern, geschweige zur Zeit aufzubringen. Was werden wird? Man kann es aus früheren Kapiteln der Kolonisationsgcschichtc einigermaßen erraten: die Siedler werden die Punkte halten, aber es wird sie ungeheure Opfer an Gesundheit und Lebenskraft kosten, und der Bau der Wirtschaft wird dann entsprechend teurer werden. Oder das Geld müßte wie durch ein Wunder doch noch aufzubringen sein .... Es gibt eine Reihe anderer Punkte, die gegenüber den rungen an den Fensterläden. Auch auf dem Gebiete des Bauwesens werden viele Erfindungen angcnicUlct, Einen großen Raum nimmt hier auch die Zitruswirtschaft ein. Nach den Erfindungen würden die gepflückten Früchte in Eisenröhren zum Packhaus befördert, dort mechanisch sortiert und gestempelt und maschinell in Kisten gepackt. Audi die Chemiker haben sich viel auf diesem Gebiete versucht. Ihre Erfindungen beziehen sich hauptsächlich auf die Schüdlingsvertilgung und auf die Verwertung der Schalen. Die Salzindustrie am Toten Meere und die Aufspeicherung des Petroleums haben die Erfinder nicht angeregt, weil beide Produkte zum Versand ins Ausland bestimmt sind und dort ihre Verwertung finden. Jerusalemer Vorträge. Der Rektor der Hebräischen Ihiiversiiät, Professor Hugo Bergmann, hielt im Kreise der Jerusalemer Arbeiterschaft eine Gedenkrede auf T. ü. Masaryk. — Der Internist des jüdischen Krankenhauses in Berlin, Professor Dr. Hermann Strauß, referierte vor einem großen Kreis von Aerzten und Laien über Diätfragen bei Nierenkrankheiten. — Die Hitachduih Olej Germania hatte Kurt B1 u m e n f e I d zu einen! Vortrag über die politische Situation des Zionismus nach dem Züricher Kongreß Ungeladen. — Das Wintersemester des Jerusalemer Arbeiterseminars eröffnete der Rektor der Hebräischen Universität, Prcvf• Dr. Hugo Bergmann, mit einem großangelegten Referat über Erziehung und Gesellschaft. Auf Einladung der Universität, der Hadassah und des Jerusalemer Aerztevereins referierte Prof. Dr. Hermann Strauß über Probleme des Alterns. alten bereits v-on der Exekutive ansgestatteten Wirtschaften als ״neue“ bezeichnet werden, jedoch in der Regel schon etliche Jahre bestehen und zu einem großen Teile aus den eigenen Mitteln der Siedler erstellt sind. Bei dem grollen Miß- Verhältnis zwischen den vielen Kandidaten für Ansiedlung und den Mitteln der nationalen Fonds haben sich in den letzten zehn Jahren eine beträchtliche Anzahl von Kolonien gebildet, wo die Siedler selbst eine gewisse Summe einlegten, sich primitiv einricliteten, auf Außenarbeit gingen und nebenher ihre Wirtschaft entwickelten. l!n Verhältnis zti den Mitteln, die auf diese Weise aufgebracht wurden, wurde hier viel geleistet, aber die Punkte blieben immer Sorgenkinder der landwirtschaftlichen Organisation. Da man kein Budget bekam, oder nur in ungenügendem Maße, mußte man teure Kredite aufnehmen, um die Wirtschaft ausziibauen, an vielen Stellen wechselten die Siedler, weil die ersten nicht diirciiliielten. Immerhin profitierten diese Punkte auch von der ״Prosperity“. Es gab genug Außenarheit und vielfach gut bezahlte. Jetzt, wo sich die allgemeine Lage verschlechtert hat, ist auch die Lage dieser Siedlungen bedrohlich geworden. Es gibt weniger Arbeit und fiir schlechteren Lohn, die Produkte, die man auf den Markt bringt, erzielen niedrigere Preise. Auch hier ist Hilfe, vor allem Umwandlung kurzfristiger Anleihen in langfristige, bei niederen Zinsen eine gebieterische Forderung und die Aussichten zu ihrer Befriedigung sind nicht rosig. Die ״alten Wirtschaften" Die Schwierigkeiten der gemischten Landwirtschaft maclien jedoch keineswegs an der Grenze der neuesten und der neuen Kolonien halt. Auch aus den alten Siedlungen kann man eine Menge von Klagen hören lind in der Tat befaßte sich die Haiiptdebatte auf der Konferenz mit den von ihnen gestellten Fragen, die heute Fragen der gesamten jüdischen Landwirtschaft in Palästina sind. Wenn man sie im einzelnen auf zählt, so erkennt man, daß es sich fast bei keiner davon um neu aufgekoimnene Probleme handelt, sondern um alte, die seit Jahren bestanden haben und die eintach heute, weil sich die Gesamtlage verschlechtert hat und auch die Landwirtschaft beeinflußt, akuter und schärfer empltuiden werden. Da hört man die Klage über die noch immer nicht genügende Ausrüstung: der Siedlungen, die Diskussion über M a r k t p r o b 1 c 111 e, über schlechte Preise, über teure Kredite, über mangelnde Verkaufsorganisation, da spricht mail über die Not- Wendigkeit und die Unmöglichkeit, den Lchensstandard herabzusetzen, über die unverhältnismäßig hohen Kosten der Kindererziehung, der sanitären Versorg u 11g, der Verschwendung von Arbeitskräften für den anormal hohen Wachdienst. (Diese letzte Klage ist wohl die einzige neue, durch die Unruhen bedingte. Und es ist traglos ungerecht, daß die ohnedies schwer um ihre Existenz kämpfenden Wirtschaften noch ihre abnorm großen Ausgaben für den Wachdienst selbst tragen müssen.) Der langen Reihe der Komplikationen stellt eine ebenso lange von Heilmitteln gegenüber: man verlangt eine Konvertierung der Schulden, eine Erleichterung der Steuern für Erziehung, Krankenkasse »sw., eine bessere Organisation des Verkaufsapparats, eine Erziehung des Konsumenten, damit er mehr jüdische Pro• dtikte kaufe, Ausschaltung der wilden Konkurrenz auf dem Markte, Zoll für verschiedene Waren usw. Geht man aber den Dingen narh und fragt, inwieweit sic jetzt und hier durch/ufiihrcn sind, so wird man einem großen Teil dieser Forderungen gegenüber skeptisch. Es ist eben sehr fraglich, ob mail unter den gegenwärtigen Umständen das Geld für eine Konvertierung der Anleihen finden, den Konsumenten in der Stadt — der doch heute weniger verdient als früher! — erziehen, ob man eine Verbesserung des Verkaufsapparats ohne erhebliche Neuinvestitioncn durchführen, ob man hei irgendwelchen Institutionen die Gelder auftreiben kann, die nötig sind, um den Siedlern die Kosten für Erziehung usw. zu erleichtern. Vielleicht wird sich einiges durchführen lassen, alles bestimmt nicht. Es ist klar, daß heute alle diese Fragen akut geworden sind, weil die gemischte Landwirtschaft den guten, zu in Teil exzeptionell guten Markt der Prosperity verloren hat, Aber cs steht andererseits außer Zweifel, daß damit nicht neue Komplikationen in der Landwirtschaft geschaffen, sondern mir alte verschärft wurden. Auch in dm besten Zeiten bestanden alle diese Probleme, und sie wurden richtig er■ kaiint, freilich nicht gelöst, obwohl es in den ״fetten Jahren“ leichter gewesen wäre als jetzt. Man wird vermutlich aut der Konferenz, die noch tagt, eine Reihe von Resolutionen fassen und verschiedene Organe damit betrauen, bestimmte Wege zur Besserung cinzuschlagen, Es würde Vogel-Strauß- Politik bedeuten, wenn 111:111 sich von den vielen vorgesclilageneu Arzneien eine leichte und einfache Besserung versprechen würde. Die Rentabilität der Landwirtschaft ist nirgends auf• der Welt eine glatte Rechnung, und in Palästina spürt man die Rückwirkungen der Weltsituation, verstärkt durch die spezifischen Entwicklungen des Landes. Wichtig jedoch sind die Beratungen einer derartigen Konferenz, weil sie wenigstens die Probleme klarst eilen und weil ein neuer Anstoß für klareres Denken und bessere Organisation der mit der Landwirtschaft zusammenhängenden Körperschaften davon ausgehen kann. Judenstaat und Orthodoxie In der orthodoxen Monatsschrift ״Fl alle d“ niniint der ehemalige Mannheimer Rabbiner Dr. J. Unna Stellung zur Frage des Judenstaats und führt unter anderem aus: Zur Zeit des zweiten Tempels war nicht ganz Palästina von Juden besiedelt. Ja, die Ausdrucksweise der Thora ״wenn Gott deine Grenzen erweitern wird“ wird traditionell auf die Tage des Messias gedeutet. Wichtiger als die Frage der Grenzen ist vom Standpunkte der Orthodoxie die Frage, wie sich der Judenstaat zur Frage der jüdischen Tradition stellen und ob er auf profaner Basis gegründet werden wird. Zu fordern sind: die strenge Einhaltung des Schabhat, die Beobachtung der Speisegesetze durch alle öffentlichen Institutionen, die Zugrundelegung der Thora in Fragen des Arbeitsrechts lind auch in allgemeinen Rechtsfragen. Dafür wird zu sorgen und zu kämpfen sein, wenn der Judenstaat Wirklichkeit werden sollte, denn ohne diese Grundlage kann er nicht bestehen, und ohne dies hat die Orthodoxie keinerlei Interesse an der staatlichen Selbständigkeit der Juden auf einer kleinen Fläche des Landes. — Auch unser Nationalstolz ist wie der anderer Völker auf die Verherrlichung der Werte unserer Vergangenheit gegründet, mir in der Ein- Schätzung unserer religiösen Tradition machen wir eine Ausnahme. Und so gibt es Zionisten, die unsere hciligen Schriften verachten, die Thora zertrümmern wollen, und die Verfasser unserer heiligen Bücher für Fälscher halten. Unser Kampf muß in erster Linie nicht der Bewahrung des Landes in seinen unbeschränkten Grenzen, sondern der uneingeschränkten Bewahrung des Gesetzes gelten.