Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 22. OKTOBER 1937 Wlrtschaftsschwierigkeiten und ihre Ueberwindung Von Jenny Ra dt, Tel Aviv Die jetzt allmählich wieder vollzählig eingetroffenen Reisen* den, die in Europa init ihren Angehörigen und Freunden zusamtnengetroffen sind, berichten zuweilen, welch Erstaunen es liervorgerufen hätte, daß Menschen aus Palästina so gar nicht verelendet aussehen .., Das Pendel ist also nicht wenig umgeschlagen. Vor kaum zwei Jahren noch galt Palästina als ein Phantasie-Amerika, das, freigiebiger als die amerikanische Wirklichkeit, zugleich Prosperity, Sicherheit und allerhand Gcmütswerte bieten sollte, und heute ist es denselben Leuten hoffnungsarm, seine Menschen zum Gegenstand Wohlwollenden Bedauerns geworden. Man soll diesen radikalen Umschlag nicht damit abzutun suchen, daß man ihn auf das Konto einer stark gesteigerten psychischen Labilität schiebt, zumal der Pessimismus in bezug auf Palästina auch in fundierter Form auftritt. Man braucht da bloß an den in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. September auszugsweise wiedergegebenen Artikel der englischen Zeitschritt ״Great Britain and Near East“ zu denken, dessen Autor die Ansicht vertritt, die gegenwärtige Lage Palästinas sei der Ausdruck einer konstitutionellen Schwäche des palästinensischen Wirtschaftsorganismus; das Land sei in seiner natürlichen Armut für dichte Besiedlung ungeeignet, daher wäre der starke Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre nicht organisch einzugliedern: mir durch ״künstliche“ Arbeitsbeschaffung Und durch Verschiebung des Arbeitsquantums zwischen jiidisehen und arabischen Arbeitskräften hatte man diese Grundtatsachen für eine Zeitlang verschleiern können. Zweifellos ist zutreffend, daß ein gewisser Teil der jiidisehen Arbeitskräfte dadurch absorbiert wurde, daß man sie mit öffentlichen Arbeiten beschäftigte oder an Stellen einsetz.te, die vor dem arabischen Arbeitsstreik mit Arabern besetzt waren. Und rückhaltslos muß man ztigeben: bleibt das die einzige oder die Hauptmöglichkeit zur Absorption jüdischer Arbeitskräfte, so ist die Grenze der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes erreicht, wenn nicht gar überschritten; denn es ist klar, daß man weder dauernd Wegebau oder ähnliche öffentliche Arbeitsvorliaben durchführen kann, ebenso wie es selbstverständlich ist, daß eine Verschiebung des Arbeiterquantüriis zwischen jüdischen und arabischen Kräfteil nicht immer fortzuführen ist. Die Frage ist aber, ob man an diesem Punkt Halt machen muß, wie das der Autor und mit ihm auch manche jüdische Kreise tun — als ob es entschieden wäre, daß die jüdische Wirtschaft überhaupt nicht mehr als Faktor für die Aufnahme weiterer Mensehen in Betracht kommt. Zur Basis zionistisch-palästinensischer Wirtschaftsihcorie gehört bekanntlich die These, daß die Grenze der AufnalimefähigkeitdesLandesaufabsehbareZcit nie festzu legen sei. Zur Begründung wurde immer schon auf zwei allgemein bekannte Wirtschaftserschcinungen hingewiesen: auf landwirtschaftliche Intensivwirtschaften und auf Industrien, die unabhängig vom Standort des Rohstoffes an beliebigen Orten errichtet werden können und errichtet worden sind. Bis 1933 hat man diese Theken, besonders was die Landwirtschaft anbetrifft, in die Wirklichkeit umgesetzt und damit anerkannte Erfolge erzielt. Denn im Verlauf der jüdischen Investitionen für Intensivwirtschatten hat sich die gesamte Bevölkerung des Landes vermehrt und den Standard verbessert. Seit 1933 hat nun diese allmählich in bezug auf Industrie und Gewerbe sogar sehr langsame Entwicklung ein stark beschleunigtes Tempo angenommen. Zwischen 1933 und 1<)35 hat besonders das städtische Gewerbe eine ruckweise Ausdebmmg erfahren, was unvermeidlich ist, da auch die intensivste Intensivwirtschaft nicht imstande ist, einen größeren Einvvandererstrom allein zu absorbieren. Dann sind bekanntlich nach der Zeit des Aufbaus auf allen Gebieten die Wirtschaftsschwierigkeiten auf״ getreten, die auch jetzt noch nicht überwunden sind. Müßig ist der Streit darüber, ob der italienisch-abessinische Krieg die Krise verursacht oder nur ausgelöst hat, sicher ist jedenfalls, daß die Rückschläge in Palästina länger und nachhaltiger sind als in anderen Ländern, die ihrer Lage wegen von den Kriegsauswirkungen auch nicht unberührt geblieben waren. Kapitalknappheit, Absatzschwierigkeiten und geringe Rcntabilitat in vielen Betrieben der Landwirtschaft und ,des Gewerbes sind bezeichnend für die Situation. Erfreulich ist dcnigegenüber die Stetigkeit der Bankdepositen, die bis in die letzte Zeit ihren fast unveränderten Stand beibehielten. Allerdings soll man sich in der Bewertung dieser Erscheinung vor Uebertrcibungen hüten. Denn die Kehrseite der hohen Depositen ist die mangelnde Unternehmungslust der Kapitalbesitzer, die ihr Geld nicht Unternehmungen anvertrauen oder selber damit arbeiten wollen. Daß sie den Banken vertrauen, ist gut; aber daß sic der Wirtschaft mißtrauen und ausweichcn, ist auf die Dauer unhaltbar. Man könnte sagen: wenn die Kapitalbesitzer nicht die Initiative haben, dann ist es Sache der Banken, für sie zu handeln und auf Grund der hohen Depositenbestände der Wirtschaft die so dringend benötigten langfristigen Kredite zur Verfügung zu stellen. In der Tat wird auch den Banken hier mehr oder minder dringend immer wieder nahegelegt, diesen Weg zu bcschrciten. Ueberflüssig zu sagen, daß das unerfüllbare Fo rderungen sind. Die Banken können, wenn sic nicht ihre Liquidität und damit das in sie gesetzte Vertrauen auts Spiel setzen wollen, als Depositenbanken k e i n c s o 1 - chen Kredite zur Verfügung stellen. Damit muß man sich abfinden und wird dann auch den richtigen Mnßstah für die Bewertung der Depositen als Faktor für die hiesige Wirtschaft haben. Sie können etwas und sogar sehr viel wert sein, wenn es gelingt, die Kapitalbesitzer für Investitionen in der Wirtschaft bereit zu machen, und sie sind von nicht wesentlichem aktuellen Wert, solange diese Aktivierung der Dcpotgelder nicht gelingt. Zu dem Gelingen ist aber in erster Linie erforderlich, daß die Kapitalbesitzer Vertrauen nicht bloß in die Möglichkeit neuer Industriegründungen gewinnen, sondern überzeugt werden, daß solch« Industrien auch rentabel arbeiten können. Man muß zugeben: die Frage der Rentabilität hat sich viel schwerer gestaltet, als die meisten es sich wohl zu Anfang der ״Industriaiisicrungsphasc“ vorgestellt hatten. Auch wo keine Fehlinvestitionen nachweisbar sind, w0׳ bescheiden Ausnahmezustand aufgehoben Entspannung in Jerusalem — Weitere Terrorakte Der Ausnahmezustand, der am vergangenen Freitag über Jerusalem verhängt worden ist, wurde am Dienstag wieder aufgehoben. Seine Aufhebung bedeutet ein erhebliches Nachlassen der gespannten Atmosphäre. Dennoch gab es in den vorangehenden Tagen bis Dienstag eine große Zahl von Uebertällen und Zusammenstößen. So wurde in der Nähe von Kalandia bei Jerusalem ein Autobus, der aut dem Wege von Haifa nach Jerusalem war, beschossen, ohne daß jemand getroffen wurde. Im Simon ha Zadik- Viertel in Jerusalem wurde einem Araber, der eine Bombe in ein jemenitisch-jüdisches Geschäft werfen wollte, durch ihre vorzeitige Explosion der Arm abgerissen. Das Geschäft selbst wurde nicht beschädigt. In einem großen Möbelgeschäft sowie in einer Garage des Saleh Abdo und in der eines anderen Mitgliedes der Nashashjbi-Partei wurde Feuer angelegt, und es besteht der Verdacht, daß arabische Tcrroristen für die Brandstiftung verantwortlich sind. Ein Araber, der verdächtigt wurde, im Dienste der Polizei zu stehen, wurde in der Jerusalemer Altstadt erschossen. Samuel Guttmann, ein 25jähriger aus Ungarn stammender Schneider, wurde im Kerem Abraham-Viertel von einem Araber durch einen Dolchstoß schwer verletzt. Bei einem bereits gemeldeten Ueberfall auf ein Auto bei Moza wurden der 31jährige Otto Wallsch (nicht Weiß) und ein jüdisches Mädchen schwer verletzt und zwei Personen leicht verwundet. Ein heftiger Angriff wurde auf die Siedlung Ramatli Rachel bei Jerusalem vorgenommen, der durch Hiifspoliz.ei abgewehrt wurde. Vor dem Einwanderungsamt der Regierung wurde ein armenischer Straßcnnhotograph irrtümiieh für einen Juden gehalten und beschossen. Er er- 1 a g seinen Verletzungen. Bei einer Beschießung arabischer Arbeiter wurde ein Arbeiter leicht verletzt. Iin Zusammenhang hiermit wurden zwei Juden festgenommen, später jedoch wieder freigelassen. Im arabischen Viertel wurden nachts Haussuchungen nach Waffen durchgeführt. Die Ansammlung von Gruppen aut den Straßen ist verboten, ebenso das Tragen von Messern, Stöcken, Steinen und anderen Gegenständen, die als Waffe benutzt werden können. Schwerer Schaden ist durch eine Reihe von Bombenanschlägcn in Jaffa angcrichtet worden. Die Hauptpolizei- Station wurde stark beschädigt, mehrere Polizciautos wurden zerstört. Auch gegen die Büros der nationalistischen Zeitung ״A Ditaa“ ist eine Bombe geworfen worden. Beim Postamt wurden rechtzeitig zwei Bomben von außerordentlieber Sprengkraft unschädlich gemacht. Zwei weitere Bornben explodierten in der Nähe, eine davon an der Stadtgrenze an dem Wege nach Tel Aviv. ־ Bei Kubab, einem Dorfe zwischen Gaza und Bet Gubriti, ist in der Nacht eine Polixcipatrouille beschossen worden. Am folgenden Morgen nahm die Polizei in Kubab eine Durchsuchung vor und verhaftete sechs Dorfälteste. Mitglieder der Familie Nashashibi fanden bei ihrem Hause in Jaffa zwei Bomben. Sie wurden von der Polizei entfernt. Die Tclephonleitung von Sichron Jaakow nach Haifa ist durchschnitten worden. In Safeü wurde durch die Explosion einer Bombe, die auf eine Gruppe jüdischer Ghaffirim geworfen wurde, eine Panik verursacht. Es wurde jedoch kein Unheil angcrichtet. Wie mitgeteilt wird, sind in Nordpalästina kleinere Gruppen der am Sonntag an der syrischen Grenze zersprengten Bande aufgetaucht. In den Bergen hei Nablus entdeckte eine britische Militärabteilung in einem verlassenen Wirtshaus ein Materiallager und einen transportablen Geheimsender. Zwei arabische Reiter näherten sich später dem Gehöft und flohen, als sie die Panzerwagen erblickten. Sie konnten später gefangen werden. Awlnoam Yellln verletzt Ein Sohn von David Yellin, Awinoam YeHirt, Sckretär im Erziehungsdcpartemcnt der Regierung, wurde Donnerstag bei Eintritt in sein Büro in Jerusalem angesehossen und schwer verletzt. Der Polizeioffizier Scliittrit in Haifa wurde angesehossen und schwer verletzt. Strafmaßnahmen Im Süden in der Gegend von Beer Scheba hatte eine etwa 50 Mann starke Bande schon seit Tagen ihr Unwesen getrieben. Am Montag stieß sie mit Polizei- und Militärabteilungen zusammen. Zwölf Meilen nordöstlich von Beer Scheba wurde der Polizeiposten von Dali rya angegriffen. Es entwickelte sich ein zweistündiges Gefecht, wobei es der Bande gelang, den Hofrauin des Polizeipostens zu besetzen. Die bedrängte Mannschaft brachte die Munition in Sicherheit, verbarrikadierte sich im Hause der Polizcistation und funkte nach Verstärkungen,!diese wurden sofort auf den Schauplatz entsandt, doch gelang es den Arabern, die von ihrem Späher rechtzeitig gewarnt worden waren, unter Mitnähme eines Teiles der Waffenvorräte der Polizeistation zu entkommen. Am Abend wurde der Standort der Bande durch Militärflugzeuge in der Wüste zwischen Tel el Ain und Rir el Asob ausgekmidschaftet. Truppen wurden zur Verfolgung der Bande eingesetzt. Eine Vcrgeltiingsaktior! gegen das Dorf Dahrya wurde angeordnet. Es wurden drei Häuser gesprengt. Dem Muchtar des Dorfes Dahrya wurde die Zerstörung seines Hauses angedrolit, wenn er nicht die Namen der aus dem Dorf geflohenen Einwohner bekanntgeben würde. Dem Dorf ist eine K o 11 e k t i v s f r a f e von 2000 Pfund aufcrlegt worden. Die Einziehung der Strafe geschieht zunächst durch Beschlagnahme von Naturalien, Getreide, Vieh und anderen beweglichen Gütern. Dreißig Personen müssen sich täglich in Hebron melden. Der Einwohnerschaft ist bekanntgegeben worden, daß für jedes nicht wieder zuriiekgestdite 'Gewehr ein Haus gesprengt werden wird. Vielfach wird von den Aufrührern die Rücksicht, die auf mohammedanische Frauen genommen wird, dazu ausgenutzt, um Waffen und Munition zu verbergen. Es wurde darum weibliches Poüzeipersonal nach Darya gebracht und zum erstenmal eine Durchsucluing auch bei den arabischen f r allen vorgenommen. Ein dreißig Mann starker Polizeiposten wurde in das Dorf gelegt. Dem Dorf Tayiba wurde eine Kollektivstrafe von 150 Pfund aufcrlegt. Die mit der Einziehung bcauft ragten Beamten konnten jedoch kein Geld bekommen. Den arabischen Dörfern Yagor und Bet Dagon ist die Sprengung ihrer Häuser für den Eal! angedroht worden, daß die Sabotageakte in der Umgehung nicht aufhören. Die Palästina-Regierung hat ein \'c i/cichnis von in den Rayons von Jerusalem, Hebron und l.vtkla liegenden Häusern angelegt, die bei Wiederholung von Terrorakten in die Luft gesprengt werden sollen. Arabische״ Pressemeldungen zufolge hat die Regierung an die Einwohner des Kreises Hebron die Warnung gerichtet, dal! ihnen eine Kollektivstrafe aufcrlegt und weitere strenge Maßnahmen gegen sie ergriffen werden würden, wenn der Kleinkrieg in diesem Gebiet nicht aufhört. Es war bekanntlich in Hebron, wo ein planmäßiger Angriff einer größeteil organisierten Bande auf die Begleitmannschaft einer Autokolonne• erfolgte, wobei zwei britische Polizisten den Tod fanden. Im Zusammenhang mit der Brandstiftung auf dem flughafcn von l.v 1IJa sind IS arabische Neu allein dieser Stadt verhaftet worden. In den Dörfern Rautieh und Hoieli hei Petach Tikwah wurden vier arabische Häuser von der Polizei mit Dynamit gesprengt. Ein arabischer Arzt, der verwundete Mitglieder der A a''c״hande hehandeit hat, die an dein IJcherfaii auf den Liseabaim/ug bei Ras el Ain teiigeiioinimm haben, sieh aber weigerte, die Namen der Beha iitlelten mit/ufeilen, ist verhaftet worden. I >cr < )rtschait Kalkilie ist wegen Durchschneidung von T clcphomirähteu eine Ko'lcktivstrule von ICK) Pfund aufcrlegt worden. Außerdem wurde strafweise ein acht Mann starker Polizeiposten in die Ortschaft gelegt. Es wurde der Ausnahmezustand verkündet. Alle achtzig Linwoliner sind verpflichtet, sich taglieh bei der Polizcistation zu melden. Waffenschmuggel Einem Waffe 11 Schmuggel für die Versorgung der Araber in Palästina ist die englische Behörde in Haifa aut die Spur gekommen. Der ״Daily Hcrakf“ schreibt hierzu, daß ein Offizier der Zollbehörde Hunderte von automatischen Pistolen und Munitionsgurtcii in einer Ladung Zement entdeckt habe. Die Anlagen der großen mit internationalem Kapital arbeitenden I n d u s ז r i e 11 n t e r n e h 111 u n g c n, wie der Irak-Petroleumgeselhchaft, der Shell Company, der Pnlestine Potasli Comp., der Palestine Electric Gorporation und ähn- Hoher Gesellschaften, stehen unter stärkster Bewachung durch Polizei und Militär. Neue Vertretung der Araber? Verschiedene politische Gruppen in Jaffa sind angeblich bemüht, eine Koalition zu schließen, um eine nette Ges a!111 v e r t r e t u 11 g der Ar a her Palästi 11 a s zustande zu bringen. In dieser Richtung sind insbesondere der Herausgeber des ״Eclcstin“, Issa el Issa, Omar Eifendi el Bltar und andere aus früherer Zeit bekannte Politiker tätig. Aehn- Hebe Versuche werden in Jerusalem von der Veitekliguiigs- Partei Nashashibis unternommen. Ein Schritt der arabischen Könige Die arabischen Könige von I r;! k, Saudi-Arabien und T r a n s j o r ci a 11 1 e 11 haben einen Schritt hei der britischen Mandatsverwaltirng zugunsten der R ii e k k e h r der nach den Sevehclien-Iiiseln v e r h a 11 n t e 11 p a 1 a s t i 11 e 11 s 1 - sehen A r a b e r f ü h r e r unternommen. 111 einem Memorundum wird die Rückkehr der Araberführer als notwendig bezeichnet, um ihnen (ielegenheit zu gehen, ihre Beschwerden der von England nett zu entsendenden Palästina-Kommission vorzutragen. Wie ״A Difaa“ meldet, haben Freunde der palästincnsiselten Araber im Irak tlie Regierung 11111 die Erlaubnis gebeten, eine ..friedliche K 11 n d g e b u 11 g" zugunsten der palästinensischen Araber veranstalten zu dürfen. Wie aus Indien gemeldet wird, ist auf der Moham• ni e d a n e r - K o n f e r e 11 / eine Resolution gegen die britische Palästina-Politik gefaßt worden. 111 nächster Zeit dürfte eine Abordnung der indischen Mohammedaner nach Pa- Listina kommen, um sich von der angeblichen Unterdriiekung der Araber zu überzeugen. gelebt und fleißig gearbeitet wurde, ist die Rentabilität keine günstige. Zum Teil hängt das tatsächlich mit der Struktur der Wirtschaft hier zusammen. Man kann zwar, wie mit Recht betont wurde, eine ganze Zahl von Industrien aü beliebigen Plätzen, also auch in Palästina, atitbauen, weil sic vom Standort des Rohstoffes unabhängig sind. Aber eine Wirtschaft, die als ganze n 1! r auf solchen Industrien aufgebaut ist, ist einer Gefahr ausgesetzt, die sich auch in Palästina bereits verwirklicht hat, und das ist die Ueberbesetzung. Es können nur Fertigindustrien atifgebaut werden, und zwar mir solche, die in ihrem Absatz nicht auf die Urindustrien als Auftraggeber angewiesen sind. Das ist ohnehin schon eine beschränkte Anzahl; sie ist dadurch noch enger geworden, daß die jüdischen Einwanderer in ihren Ursprungsländern auch mir auf einzelne Industrien und Gewerbe sieh konzentriert hatten. Daher ist es nur natürlich, daß in der jungen Industrie —MAGISTER KIRSCH—, Der gute Likör Ma0l«1«r-Ukfirf Abrifc, Manch•(! VIS, In Berlin tu h«ti«h, durah dl« WalngruShandlung Bernhard Brauer, BurgatraDa 9 / Ru<: Bl 43 40 Palästinas die Gefahr besteht, daß die Betriebe ״sich gegenseitig aufessen“. Man muß sich darüber klar sein, daß sich, wenn man die Dinge so wcitcrlaiifer! läßt, au dieser Situation auch durch neue Einwanderung nicht viel ändern wird; denn jede neue Einwanderung bringt nicht bloß Konsumenten, sondern Produzenten, die, wenn eben keine Acnderung erlolgt, die Zahl der vorhandenen Betriebe lediglich vermehren. Bei den L a n <1 w i r t s c h a f t s zw e i g e 11, die nur für den inneren Markt arbeiten, ist auch eine zeitweise ״lieber- Produktion“ fcstziistellcn. Beim O c 111 ii s e b a 11, der von vielen Neueinwanderern betrieben wird, ist einmal die billigere arabische Konkurrenz, die Ursache der Marktverengung, vor allem ist aber der große Umfang des Konsums von Auslands- Gemüsekonserven in Betracht zu ziehen, der den einheimischen Gemüsezüchtern sehr abträglich ist. Die Frage ist, ob und wie weit all diese Erscheinungen, die unleugbar mit ürundtatsachen der hiesigen Wirtschaft in Zusammenhang stehen, beeinflußbar sind. Zwingende Notwendigkeit ist eine stärkere Streuung im gesamten Gewerbe. Vorarbeiten dazu müssen von einer Stelle geleistet werden, die die Aufbau- und Rentalülitäfsmögiichkciten von neuen Industrien eingehend und ständig prüft, eventuell auch