Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653704--31410-2686018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JODlSCHf RUNDSCHAU Nr. 84, 22. X. 1937 -T Wiener Rundsdbau Von unserem Berichterstatter J. R, Wien, 17. Oktober Theater und Kunst. Als erste große Neuinszenierung dieser Spielzeit ■wurde jetzt in der Staatsoper Hans Pfifzners Oper ״Palestriiia“, von Bruno Walter einstudiert, zur Auffiihrung gebracht. Im ״Deutschen Volksthcater“ gelangt als nächste Novität unter der Regie Heinrich Schnitzlers (des Sohnes Arthur Schnitzlers) das Drama ״Kaiserin Elisabeth von Oesterreich‘' vom Salzburger Dichter Georg Rendel mit Sybiiie Binder in der Hauptrolle zur Uraufführung. In der neuen Konzertsaison, die auch eine Reihe bedeutender jüdischer Künstler in iiirem Programm vorsieht, bildete das Konzert Nathan M i I s t e i n den Auftakt der grollen Solistenkonzerte. Der berühmte jugendliche Geiger spielte Bachs ״A-Mo!I-Konzert“, Goldmarks Violinkonzert und das Violiri- Konzert von Dvorak, das auch den Höhepunkt des Abends bildete. Milstein wurde sehr gefeiert, Aus Medizin und Wissenschaft In der Wiener Aerzte- Schaft wird jetzt mit großer G eruiert uuug die Zuweisung von neuen Räumen an das berühmte Wiener medico-historische Insti tut im Josephinum, der einstigen medizinischchirurgischen Akademie der Armee unter Kaiser Josef, zur Kenntnis genommen. Diese Erweiterung ermöglicht dem Institut, die berühmtesten medizinischen bammlungsobjekte sowohl nach rein medizinischen als auch nach kulturhistorischen Gesichtspunkten neu zu gestalten, Auch vom jüdischen Gesichtspunkt aus verdient dies vermerkt zu werden: An der Spitze dieses Institutes steht der Wiener Medico-Historiker UewnOHtx M&ffataftH Herren- und l)omen~A 11 sstattunffe n Berlin 51V, hricdrlchstrafic 50-51 und Arzt Dr. Max N e 11 b u r g e r, ein Jude, der in dreißigjähriger hingebungsvoller Arbeit dieses Institut geschaffen hat. Anläßlich der Erweiterung findet nun eine überaus interessante und sehenswerte Ausstellung statt, zu der Dr. Neuburger all jene seltenen Instrumente, die an die bahnbrechenden mediziirischen Entdeckungen eines Billrolh, Stricker, Koch, Helmholtz, Basch u. a. m. erinnern, zusammengetragen hat. — In der ersten Sitzung der Gesellschaft der Aerzte‘‘ im Winter- Semester unter dem Vorsitz des Präsidenten Baron von Eiseisberg berichtete Dozent Felix Bi a n d 1, der Vorstand <lcr Chirurgischen Abteilung des Child-Spitals, über seine bisherigcn Forschungsergebnisse bei der Epithelkörperchenkraiikheit. Schon im Jahre 1625 gelang cs Dozent Mandl erstmalig bei der sogenannten Rccklinghausischen Knochcncrkrankting durch Entfernung eines vergröllerten Epithelkörperchen — bekanntlich g! hären die Epithelkörperchen oder Nebenschilddrüsen zu den Drüsen mit innerer Sekretion — einen vollkommend! Heilerfolg der bis dahin unheilbaren Knochenerkranktmg zu erzielen. Heute weist bereits die Medizin auf über 200 früher unheilbare Fälle lü 11, die nach der Mandlsdten Methode operiert wurden. Nun führte der Vortragende aus, daß auf Grund seiner weiteren Forschungen auch bei anderen Knochenerkratiktmgen durch die Entfernung normaler Epithelkörperchen Erfolge zu erzielen sind. So können insbesondere bei schweren Gelenkseri'artungcn der Wirbelsäule, bei schweren chronischen Gcletiksentzündungen, bei fortschreitender Verknöcherung der Muskeln, bei der sogenannten Sklerodcrtnis, einer schweren Hauterkrankung, mittels dieses Verfahrens Besserungen, ja sogar Heilungen erreicht werden. Vorträge. Irt der ״Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden“ hielt ais erster Referent im diesjährigen Vortragszyklus der Genfer Lfnivcrsitätsprofessor Dr. L. Hersch, Mitglied des internationalen Instituts für Statistik, einen sehr interessanten und aufschlußreichen Vortrag über ,,Die Kriminalität der Juden“. Professor Hersch, der in seinen Untersuchungen von der offiziellen Statistik Polens ausgeht, gelangt zu der allgemeinen Feststellung־^ Je schwerer ein VerWedien, desto geringer die Zahl der jiidisehen Tater. Der Vergleich der jüdischen Kriminalität mit der nichtji'tdischen in Polen stöbt auf!Schwierigkeiten, da man ihn hier zwischen einer zu י'! aus Städtern bestehenden Bevölkertmg tmd einer zu ‘aus Dorfbewohnern sich zusammensetzenden Bevölkerung zieht. Aus diesem Grunde beschränkte sieh der Vortrngende darauf, für die Ermittelung seiner Ergebrtisse die liriminellen Verhältnisse der Stadt Warschau heranzu/ichen, weil sich hier zwei gleichgea riete Bevölkerungsteile gegenüberstel!«!. Von den wichtigsten Deliktskafogorien, wie Verbrechen gegen Staat und Gesellschaft, gegen Person 1111(! gegen Eigen hin! weist die jüdische Kriminaiität in Warschau heim ersten Delikt 42"'« im Vergleich zur nicht jüdische!!, bei den zwei letzteren Delikten, also gegen das Eigentum, 30 ׳'׳.■! und gegen Leben bloß 11°'״ auf. Sehr gering ist der Anteil der Juden bei Verbrechen gegen die öffentliche Sicherheit wie Brandlegung, Widerstand gegen die Staatsgewalt usw. Aber auch im ehemaligen Russisch- Polen sowie ira Galizien ist ausnahmslos in allen Verbrechensarten gegen Leben und Gesundheit, Familie und Geschlechtsinoral die Krim innli'ät der Juden viel kleiner als die der Nichtjuden. Bei Verbrechen gegen das Leben ist in Kongreßpolen die jüdische Kriminalität siebennml kleiner, in Galizien dreimal kleiner als die iiirlrtjüdische. In ganz Polen entfallen auf eine jüdische Bevölkerung von über drei Millionen insgesamt 51 000 Verurteilt. Zwei jüdische Lebensretter. Zwei jüdische Jungen, der 15jäl1rige Emst Fleischer und der 13jährige Herbert Fried mann, retteten unter eigener Lebensgefahr eine 18jährige Schneiderin, die in den Donaukanal gesprungen var. Während ein dritter Junge die Fohzct verständigte, sprangen die beiden in «len Strom und ei gelang ihnen, das Mädchen zu retten. Das Krönungsgeschenk des Jschuw für König Oeorg VF., das von den Vertretern des Jüdischen Nationalrats Palästinas (Waad Let!mi> nach England gebracht worden ist, wurde von dem Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chairn Weiztnann, dem Kolonienminister Ormsby-Gore zur Ucberreichung an den König übergeben. Das Geschenk besteht aus einer auf kostbarem Pergament geschriebenen und künstlerisch ausgestatteten Thorarolle, einem Album mit Bildern, die den Fortschritt des jüdischen Aufbauwerkes unter britischem Mandat veranschaulichen, und einer Huldigungsadresse in englischer und hebräischer Sprache. In einer *chönen Illustrierten Palästina-Publikation, die das Büro des Keren Kajemeth in Riga (Lettland) herausgegeben hat, schrieb der lettische Publizist A. Grün einen Artikel über das ״Recht des jüdischen Volkes auf die Unter- Stützung Europas“ bei seinem Werke des Wiederaufbaues Palästitias. Grün war lange Zeit Redakteur des offiziösen Blattes ״Ritas“; sein» Artikel finden stets große Beachtung. Es wird gewiß von der Juden heit dankbar empfunden werden, daß er sich in dieser entschiedenen Weise für die jüdische Sache einsetzt. Aus dem reichen Inhalt des Heftes erwähnen wir noch den Bericht über das große Legat von J. Israel- «ohn zugunsten des Keren Kajemeth (£ 800), 3U0ZSCK1 J / . Polnische Dorfsynagoge Das Dorf, das Irgendwo in Galizien liegt, besitzt eine Synagoge, deren Bau aus den engen Gassen hervorragl. Sie hat einen gewissen Ruf in dieser Gegend durch die kunstvolle Ausschmückung mit jüdischen Symbolen erlangt. Die zwölf Stämme Israels, die jüdischen Monate, Geschehnisse a*!s unserer Geschichte sind in bunten, lebendigen Farben warm dargestellt. Bilder aus Palästina, naiv gemalt, bringet! die ewige Hoffnung auf Erlösung, die Messiassehnsucht unseres Volk« ergreifend zum Ausdruck. Wie lange wir schon darauf warten! Der Thoraschrein ist mit besonderer Sorgfalt und Liebe geschmückt. Große Blumenornamente ranken sich zur Decke empor und geben dem ganzen Raum ein vergrößertes Aussehen. Ein kunstvolles, mit phantasievollen Arabesken verziertes Schmiedeeisengifter umgib! den Platz in der Mitte der Synagoge, von dem aus die Tltora vorgelesen wird. Viele Lehrbücher liegen zerstreut auf den Tischen umher, man sieht es an den vergilbten Blättern, daß sie dauernd gebraucht werden. Draußen aut der Gasse spricht mich ein 80jähriger Jude mit langem weißem Barte an. Sein Gesicht ist von der Not und den Sorgen eines schweren Lebens zerfaltet, uralt. Sein schwarzer Kaltau ist zerrissen, er besteht eigentlich nttr aus Flicken. Aber seine Augen leuchten wie ein klarer Gebirgsbach! Sie zeigen noch die tiefe, innere Anteilnahme an den Ereignissen dieser Welt. ״Geht es den Juden in der Welt schon besser?“ fragt er mich auf Jiddisch, als er hört, daß ich aus einem anderem Lande komme. Und ״anderes Land“ bedeutet für ihn schon die weite Welt. Wahrscheinlich ist er niemals mehr als 30 oder 40 km aus diesem Dorfe fortgewesen, vielleicht nicht einmal diese. Wie dieser alte Jude vor mir steht, mit seinen gütigen Augen, mit dem vergeistigten Atisdmck seines Kopfes, empfinde ich seine ganze Liebe und Anhänglichkeit zu unserem Schicksal! Norbert Artmann, Duisburg-Ruhrort Begegnung Ich war in Rom. Ich bin über Straßen und Plätze gewandert; kh habe die Antike erlebt, die Kunst des Mittelalters bewundert und das Schaffen der neuen Zeit gesehen. Ich stand in Museen und Kirchen und fühlte den Zauber ihrer Atmosphäre. Und ich kam in den Petersdom. — Die gewaltige weite seines Raumes, die massigen monumentalen Darstellungen hatten etwas Ueberwältigendes, etwas Erdrückendes für mich. Alles war zu groß, zu weit, zu fremd. In einer Seitennische aber, abseits, und als einziger Gegenstand umgittert, steht eine weiße Marmorsäule. Leuchtend im Stein, in sich gewunden und mit geschnitz* tem Weinlaub umrankt, steht sie gefangen hier auf fremdem Boden. Sie stammt, sie als einzige und letzte, aus unserem Tempel, aus dein Tempel von Jerusalem. Irgend Jemand hat sie auf seinem Zuge nach Rom gebracht, irgendwann wurde sie an diesen Platz gestellt. Das alles weiß ich nicht genau. Ich weiß nur, daß alles um mich her verschwunden schien, daß ich nichts sah, nichts mehr empfand, als die Nähe dieser einen Säule. Mir war sie zugehörig, zwischen uns beiden war das starke Band von Jahrtausenden gewoben. Von ihr zu mir ging das Leben unserer Geschichte. Hier hätte ich beten können, und ich konnte nur weinen. Felicia Guggenheim, Berlin Wie idi Zionistin wurde Es war vor etwa sechsunddreißig Jahren, ich war gerade zwöli Jahre alt, da nahm mich meine Mutter mit an das Rheinufer. Ein großes Schiff, voll mit jüdischen Flücht- Iingen aus Rumänien, legte in Köln an. Erschüttert betrachtete ich die Ankömmlinge — Mütter mit Säuglingen, Greise, Männer und Frauen in guter Kleidung und solche, denen das Elend aus den Augen sprach. Meine Eltern und viele andere Familien suchten auf das beste dies« Not zu lindern. Zahlreiche Männer, besonders Handwerker, fanden Aufnahme in rheinischen Dörfern und Städten. Am Abend dieses Tages zürnte ich in kindlicher Welse meinem Gott. Wie konnte er so etwas zulassen? Die Erwachsenen unter den Flüchtlingen konnten ja manches auf dem Kerbholz haben und Strafe verdienen; — aber die Kinder? Gott braucht doch mir zu wollen, und den Juden kann nichts geschehen. Warum also will er nicht? — Immer wieder zog es mich in die jüdische Lesehalle, in der sich die Flüchtlinge abends versammelten. Diese östliehen Gesichter zogen mich unendlich an. Warum dünkte meine Umgebung sich um so vieles besser? Sind wir nicht alle Kinder eines Gottes? — Den Weg zum Gebet fand ich nicht mehr. Als kh älter wurde, studierten meine Brüder ttnd besuchten eine Studentenverbindung. Sie taten alle mögliehen Dinge, die nicht zu ihnen paßten. Ich fühlte mich einsam und fremd. Da lernte ich einige junge zionistische Studenten kennen. Sie benutzten ihre Freizeit, für den KKL zu sammeln. Mit diesem Geld wollte man Boden kaufen in Erez Israel, damit es keine heimatlosen Juden mehr gebe. — Da endlich wußte ich, wohin ich gehörte, und die Leere 1’n mir verwandelte sich in Begeisterung und Tat. Zu meiner großen Freude schlug auch mein Bruder später diesen Weg ein. Und heute? Da könnte ich wieder mit dem Herrgott zürnen, doch ich tue es nicht. Jetzt weiß ich, daß er die: Verantwortung und Kraft in unsere eigenen Hände gelegt hat und daß uns nichts in den Schoß fallen wird. Die Heimat müssen wir mühsam erringen, um ihrer würdig zu sein. Lena Moskovitz-Apfel, Prag Historische Merkwürdigkeiten ״Altneusdml“ ״ ־Altneuland“ Eine der Interessantesten Sehenswürdigkeiten der tschechoslowakischen Hauptstadt ist die wundervolle alte Synagoge im Prager Ghetto, die der Tradition nach jahrhundertelang verschüttet war und nachher susgegraben wurde, was ihr den Namen Altneuschul eintrug. Das Symbolhafte dieser Bezeichnung ergriff auch die Phantasie Theodor Hcrzls, der dem alten Land, das zum neuen Leben erwacht, den Namen Altneuland gab. Altneu! Es klingt sehr gut und erweckt allerhand Vor- Stellungen. Aber wie das schon so oft der Fall ist, hat die historische Forschung auch liier nicht übel Lust, eine Legende zu zerstören. Denn die deutsche Auslegung des Namens Altneuschul beruht (woraut bekanntlich schon Achad Haam in seiner Kritik von Herzls Altneuland hinweist — A. d, R.) aut einem Irrtum, zu dem aticli die Unkenntnis des Hebräischen ihren Teil beitrug. Die alte Synagoge wurde nätnllch seinerzeit ״AI T’nai“ (unter der Bedingung) gegründet, daß in ihr an dem Tage, an dem das Heiligtum in Jeruschalajim wieder errichtet werden wird, nicht mehr gebetet werden soll. Daher wurde sie Alt’nai-Schul genannt. Spätere Generafionen verdeutschten den Namen, und so hieß dann die Synagoge Allneuschul und der zionistische Zukunftsroman Altneuland. Sdiahbat ohne ״Lcdha dodi“ Die Liturgie des Schabbat-Einganges am Freitagabend in der Synagoge ist heutzutage ohne die Hymne ״Lecha dodi“, mit der die königliche Braut begrüßt^ wird, einfach unvorstellbar. Noclt vor kurzem hielt man dieses Lied des Schelomo Halevi Alkabez aus Safed fiir einen lyrischen Erguß kabhalistischer Schwärmerei, ohne jeglichen historischen Kern. Nun hat vor Avenigen Jahren der New-Yorker jüdische Historiker Dr, S, Bernstein nachgewiesen, daß Alkabez dieses Lied um das Jahr 1570 geschrieben habe, um den Aufbau von Tiberias durch Don Josef Nassi zu begrüßen. Dem «ichter schwebte hierbei die Vision eines neuentstandeuen dischen Staates vor. Im Ghetto von Venedig ist noch heutzutage die alte ״scuola tedesca“, die Synagoge nach deutschem Ritus, zu sehen, das älteste noch bestehende jüdische Bethaus in Venedig. Diese Synagoge hat eine Merkwürdigkeit aufzuweisen: in ihre Liturgie (die Synagoge ist um ein Jahrhundert älter als die Sehabbathymne) wurde das ״Lecha dodi“ niemals aufgenommen, was um so bemerkensweiter ist, als sich alle Riten beeilten, mit diesem Lied den Schabbat zu begrüßen, Warum diese ablehnende Haltung der Vorsteher dieseT Synagoge? Don Josef Nassi war ein geschworener Feind der Republik Venedig. Die Ablehnung seines Projektes, auf einer Insel in den Lagunen eine kleine jüdische Republik zu begründen, die Beschlagnahme des Vermögens seiner Familie MAX WBISSI1CA BERLIN W, nur KIcIststraB• i2 Enorm• Auswahl — Bill. Pralsal Mini«), »/. P»I«U Flieh»•, CapH, Kr«w«tt., all. Feil»., Harri. Modells. - Firma bargt fOr Qualität. durch den venezianischen Senat und andere Umstände haben ihn zum Widersacher der Republik gemacht. Und am Hofe in Konstantinopel war Don Josef gewissermaßen Führer der anti-venezianischen Partei, gegen den Großwesir Mehemed Sokolli, der für Venedig eintrat, Diese Feindschaft war so bekannt, daß, als 1567 das Arsenal in Venedig niederbrannte, die Republik ihn offen der Brandstiftung beschul digte. Don Josef war es auch, der in der Folge die Türkei zum Kriege gegen Venedig um den Besitz von Cypern veranlaßte. Nun stelle man sich vor: ein Lied geht durch die jüdische Welt, wohl zur Begrüßung des Schabbat, aber gleichzeitig auch zur Verherrlichung des Werkes von Don JosefI Ich glaube, daß die Vorsteher der ״scuola tedesca“ es ein* lach nicht wagten, das Lecha dodi, das dem Werke des in Venedig verhaßten Staatsmannes galt, in die Liturgie auf• zunehmen. Utjd so blieb es bis zum heutigen Tage, während in späterer Zeit, ais Don Josef längst vergessen war, alle übrigen Synagogen in Venedig ihre Tore dem schönen Liede erschlossen. Nur die ״sctto'a tedesca“ blieb hartnäckig ver> sperrt, wobei der Grund schon längst vergessen war. Der vertikale Aufbau Dies aus der neuesten Geschichte: Vor zwanzig —fünfundzwanzig Jahren galt Davis Trietsch als einer der tüchtigsten Palästina-Wirtschaftskenner, der namentlich für die Intensivierung der Wirtschaft eintrat, in der er manchmal vielleicht zu weit ging. Das jüdisch• nationale Witzblatt ״Der Schlemiehl“ in Berlin machte sich nun einmal — es war im Jahre 1919 — lustig über ihn, indem es einen apokryphen Aufsatz von ihm brachte, betitelt: ״Die Etagenwirtschatt“, ln diesem Artikel, von dem die Zei• tung scherzhaft bemerkte, daß er aus dem Handbuch .״Pa■ lästina“ des Davis Trietsch irrtümlicherweise herausgebliebett sei, wird ausgeführt, daß Palästina viel zu klein sei, infolge■ dessen müßte man trachten, aus einem Dunani viele Dunam zu machen, was nur durch Schaffung von Etagen, einer Art Gärten der Semiramis, möglich sei, Nun hörte ich vor drei Jahren von Schemue! Zucho vitzky, dem Gründer von Magdiel, daß man in der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rechowoth ernstlich mit dem Studium des Problems der ״Etagenwirtschaft“ beschältigt sei. Und jetzt ist es der Agronom Soskin, der für diese Art intensiver Wirtschaft, die er den ״vertikalen Aufbau1‘ nennt, Propaganda macht. So sieht es in der zionistischen Geschichte aus: vor 18 Jahren noch ein Scherz und heute Gegenstand ernstem Studiums! Ludwig Bat® Aufforderung zur Beteiligung an einer neuen Kunstausstellung. Das Sekretariat für Bildende Kunst bereitet für Dezember eine Ausstellung ״Berliner Künstler auf Reisen“ vor. Die jüdischen Künstler — Mitglieder des Reichs verbaudes jüdischer Kulturbünde in Deutschland — die sich an der Ausstellung beteiligen wollen, werden ersucht, ihre Antneldüng schriftlich bis zum 2. November 1937 an das Sekretariat für Bildende Kunst, Kantstr. 158, zu richten. Spätere Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden.