Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1937)
- Date
- 1937-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 J ö D I SCHi RUNDSCHAU Nr. 83, 19.X. 1937 Innere Schwierigkeiten der arabischen Staaten Der europäische Einfluß durch den Panarabismus bedroht Von unserem Berichterstatter Verdammung der ״Blutrache“ Bin Appell zur Selbstbeherrectiung Unter der Ueberschrift ״E in V n g I ü c k" bringt die Monatsschrift für die arbeitende Frau ״Dwar liapoelet*‘ (Tel Aviv) die AeulSerung einer Arbeiterin zu einem Mord an einem Araber. Die Worte dieser Frau gewinnen noch dadurch an Interesse, daß sie aus der bekannten Siedlerfamilie Czisik stammt, aus der mehrere Mitglieder Opfer arabischer Ueberfälle geworden sind. Sie schreibt: ״Das Uniiiek gesell ah in der Nahe der fruchtbarsten und schönsten cke unseres Gartens, wo die meisten unserer Mädchen arbeiten. Es geschah in der schönsten Tagesstunde, in der die Farben langsam verdämmern und die Mädchen sich über unseren ganzen Garten zerstreuen, um an den ver* schiedenen Stellen zu arbeiten. Zu dieser Stunde fielen die Schüsse imkI brachten alles in Verwirrung. Die Araber kamen aus dem benachbarten Orte, die Juden aus unserem Dorfe, und an unserem Gitter wälzt sich ein Mensch in seinem Blute, Nach einem Augenblick war die Verwirrung überwunden. Wir schlossen das Tor und schickten die Neulinge aus unserer Wirtschaft ins Haus. Aeltere Arbeiterinnen trafen die nötigen Anordnungen und gaben die Nachricht durchs Telephon weiter. Ich trat ans Gitter. Der Araber lag in seinem Blute. Er seufzte nicht. Seine Augen blickten groß und lauter. Mit einer schrecklichen Ergebenheit trug er sein Los, er lag da wie ein Kind. Wie schmerzte es mich, daß ich ihm nicht helfen konnte. Seine Frau saß st um in an seiner Seite. Bis der ״Rote Magen David“ das Auto schickte, das ihn holte, lag der Mann stumm, so menschlich in der Stunde des großen Abschieds. Damals erfaßte ich die ganze Tiefe dieses Verbrechens gegen einen Schuldlosen, der mit seiner Frau zu seinem nahen Dorfe geht und plötzlieh von der Kugel ereilt wird. Vor mir stieg die Ermnerung an unsere Wächter auf, die anf ähnliche Weise in vergangenen Zeiten fielen. Es gibt Augenblicke im Leben, die alle Zweifel und Unentschiedenheiten wie ein Blitz erhellen und für die Weltanschauung entscheidend sind: Wir sind das kleinste mul unterdriiekteste der Völker, voll von Bitterkeit, und das Bewußtsein davon schwächt in uns zuweilen die menschlichen Werte, die wir mit uns hierher gebracht haben, und wir fühlen zuweilen ein Bedürfnis, uns an unserem Feinde zu rächen, Blutrache für unsere Onfer zu nehmen, wenn eine andere Sprache von ihnen nicht verstanden wird. Aber als ich neben dem aus dem Hinterhalt ermordeten Araber stand, wußte ich, daß das ein unsühnbares Verbrechen ist, erkannte ich die schreckliche Wildheit, die in der Rache von Volk zu Volk liegt und den hohen Wert der Selbstbeherrschung (״Hawlagah“), die wir so lange gezeigt haben und zu der wir uns, trotz allem, was uns widerfährt, weiter erziehen müssen.“ Liste der Verbrechen Die ,.Times“ vom!<>. Oktober veröffentlicht folgende Rückschau auf die Entstehung der jetzigen Unruhen: Die neue Krähe der Unruhen begann Ende Juli nach Erscheinen des Berichtes der Kgl. Kommission. Der erste Ausbruch war die Erschießung eines Scheichs am 30. Juli beim Tcmpelplatz in Jerusalem, der zur Partei der Gegner des Obersten Arabischen Komitees gehörte. Am selben Tage wurden jüdische Touristen überfallen und beraubt, und Räuber plünderten ein arabisches Dort. Im August wurde wieder ein Araber in Jerusalem erschossen; ferner wurden Schüsse abgegeben aut eine jüdische Kolonie und mehrere arabische Landbesitzer, die im Verdacht standen, Land an Juden verkaufen zu wollen; zwei Räuberbanden betätigten sich, und junge Araber sollen Palästina verlassen haben, um bei der arabischen Organisation in Damaskus zu arbeiten. Mitte August wurde ein arabischer Polizist in seinem Hause ermordet, und am 30. August zwei Juden in Kerkur. Darauf folgten — wahrscheinlich als jüdische Vergeltungsmaßnahmen — die Ermordung eines Arabers in Beharia, ein Bombenwurf in ein arabische Cafe in Jaffa und die Ermordung von vier Arabern in Kerkur. In der ersten Septeinberwoche wurde ein arabischer Schutzmann im!)!!•!ist in Atlit erschossen; ein arabischer Notabler vtitdc in Haifa von Edlachen ermordet. Am selben Tage wurde auf einen jüdischen Omnibus in Jerusalem eine Bombe geworfen und am 7. September ein arabischer Polizist in Akko erschossen. Am 8. September fand der arabische Kongreß in Bludan bei Damaskus statt, und am selben Tage In׳ rau fite 1! und ermordeten Straßenrauher einen Juden auf der Strafte bei Nazareth. Am dl, Senfernher wurden zwei arabische 1 andbesit/er bei N'a/areth bzw, Akko ermordet. Am t!1>. September erfolgte der Mord an den! 1 )i.-tnkt-Kommissar Andrews und dem Polizisten Robertson in N'a/areth. Am; 1, Ok tober L ‘»ste (i i r IU :'gierung (1 as Oberste Arabische Koi nitec * auf, t Irnorti erte vier seiner Mit; .;licder und setzte den Mt!!ft! ab. I ):es von ir sachte die S cli I i cßung arabischer (Ir ich;! fte im L^'in/c fi Ln: 1:10, die je doch zwei Tage später w i i1 der g/öff.lrl vv!!r< .!en. Am 3. Ok!ober wurde ein Araber וזו AU ko erscl!rtoven;!n-i Artnf wi irden Eisenbahnarbeite׳ \ <!:;e <1 ie St! er! <c rep i*\i en, 1ibrrL!| len. F :in weiterer Ueberfall < erfol gte hei Kn fr Kan! 1a sowie a ut ei ne jüdische Kolonie bei Meggido am ר. und 7. Oktober; an den beiden folgenden Tagen wurden weitere Raubiiberfällc in verschiedenen Teilen des Landes gemeldet. Am 10. und 11. Oktober überfielen Rauher aus I ,alä-tina eine große Anzahl von Autos knapp jenseits der Libanongrenze nördlich von Ras en N'akura, und ein arairischer Muditar (Dorfschulze) wurde vor dem Geriehfsgenäude jn Safcd am 11. Oktober erschossen. Vom Palästina-Orchester. Infolge des Unfalls ßronislaw Huber m ans herrschte in Palästina einige Unklarheit darüber, ob das Palästina-Orchester seine Saison eröffnen wird. Auf Wunsch Hubermans, in dessen Befinden — wie ein von ihm gesandtes Telegramm atissagi — eine Besserung eingetreten Ist, wird das Eröffn tut gskonzert am 24. Oktober in Tel Aviv stattfinden. Allerdings kann Hu ber man nicht, wie ursprünglich vorgesehen, als Solist auftreten, was ProgrammändiTungen erforderlich macht. Der Abend sieht unter Leitung von 11, W. St ei ח borg und bringt ein Beethoven- Programm: die 6. Symphonie (Pastorale), das Triple-Konzert und die 8. Symphonie; Solisten: 1. Kaminsky (Violine), Jac. Bernstein (Cello), I. Vincze-Kraus (Piano). — Der ständige Begleiter Hubermans, der Pianist Jacob Gimpel, der im dritten Saisonkonzert als Solist!nitwirken soll, befand sich nicht in dem verunglückten Flugzeug, sondern befindet sich an Bord eines Dampfers auf dem Wege nach Erez Israel. — Einen überaus gelungenen Auftakt zur Musiksaison bildete ein Abend des palästinensischen Pianisten Alexander Buch, der heute fraglos neben ausländischen Pianisten ersten Ranges bestehen wird. Buchs Spiel ist frei von Effekthascherei, klangschön und sauber bei hervorragender Technik. Das Programm brachte Werke von Bach, Händel, Dcbussy, Bloch, Prokoficw, die C-dur-Sonate von Brahms und wunderschön interpretierte »Chopin-Stücke. Der Beifall war sehr stark, M. G, K., Paris, im Oktober Der ״T tmps“ bringt in diesen Tagen einen sehr interessanten Bericht seines Kairoer Korrespondenten über die Probleme der panarabischen Bewegung. ״Der Kongreß in Blondan war eine der größten Manifestationen der panarabischen Bewegung. Es nahmen an ihm 119 palästinensische Nationalisten, 35 Transiordanier, 13 Iraker, 4 Acgypter, 60 Libanesen, 75 Syrer und ein Delegierter-aus dem Hedschas teil. Trotz dieser starken Beteiligung wurde aber die Bedeutung dieses Kongresses erheblich dadurch gemildert, daß keine der arabischen Regierungen offiziell vertrefen war. Auch Nuri Pascha, der in seiner Abwesenheit zum Präsidenten der politischen Kommission des Kongresses gewählt worden war, zog es vor, nicht zu erscheinen. Der ägyptische Delegierte, Oluba Pascha, der besonders lieftig die englische Palästina-Politik atigriff, steht in scharfer Opposition zur jetzigen ägyotlschen Regierung und hat keinen Einfluß in seiner Heimat. Trotzdem ist auch dieser Kongreß, dessen Hauptdrahtzieher erneut der Mufti von Jerusalern war, ein gutes Propagandamittel für die panarabische Bewegung. Ein bedeutsames Zeichen für die Lagerung des Zentrums der panarabischen Bewegung war die Unterstützung, die die syrische Regierung, obwohl sie nicht offiziell vertreten war, dem Kongreß zuteil werden ließ. Diese panarabischen Manifestationen und die Sympathieerklärungeo einzelner arabischer Staaten können aber nicht über die inneren Schwierigkeiten dieser Läoder hinwegtäuschen. Im Gegenteil ist die äußere Aktivität dieser Staaten geradezu durch ihre innere Krise bedingt. Die syrische Regierung z. B., die sich heute schützend vor den Panarabismus stellt, ist in ihrer Macht innerhalb ihres eigenen Landes sehr beschränkt. Ihr Machtbereich erstreckt sich nur auf Hamasktis und seine Religion, während die Drusen und Aluiten heute fast vollkommen unabhängig sind. Kein Beamter der syrischen Regierung darf sich in den Djebel Druz waijen. Auf der anderen Seite zittern die in Alepno lebenden Christen vor der Ratifizierung des französisch-syrischen Vertrages um! hereiten sich aut eine Massen« migration nach dem Libanonstaat vor. Diese inneren Schwierigkeiten, die in ähnlicher Form die nationalen Regierungen in Aegypten und im Ink hedrohen, veranlassen diese Regierungen zu einer verstärkten Aktion nach außen, die die Massen von den inneren Prnblemen a bien Ren soll. Der Kampf gegen die ״Eindringlinge“, der sielt heute nicht nur gegen die Zionisten, sondern auch — allerdings in geringerem Maße — gegen den neuen Libanon- Staat richtet, soll die Bevölkerung der arabischen Länder über die Unzulänglichkeit der regierenden Schichten, die nicht in der Lage sind, ihre vor der Erlangung der Unabhängigkeit gemachten Versprechen cinzuhalten, hinwegtäuschen. Die p a n a r a b is c h e Idee, so gering auch die Aussichten auf eine Verwirklichung dieses Traumes sind, begeistert die arabischen Massen und insbesondere die Jugend, die einen! fanntischen Nationalismus ergeben ist. Trotz des Versuches, die inneren Spannungen in den arabischen Staaten in einen Kampf gegen den ״äußeren Feind“ umzulenken, dauert aber die politische Gärung an, und man kann mit neuen itineren Kämpfen in Damaskus, Bagdad und vielleicht auch in Kairo rechnen. Der Korrespondent weist zum Schluß auf die Bedrohung des europäischen Einflusses in Arabien durch die panarabische Bewegung bin. Im Grunde ist die Aktion der revolutionären arabischen Führer nur äußerlich gegen den kommenden Judenstaat und den christlichen Libanon gerichtet; sie geht im Grunde gegen den europäischen Einfluß at!1 der arabischen Halbinsel. Nur eine_ gemeinsame Aktion Englands und Frankreichs kann die im Vorderen Orient bedrohten europäischen Positionen sichern. Im Zusammenhang mit dieser Interessanten Darstellung der aktuellen Probleme im Vorderen Orient sei erwähnt, daß eine Gegenaktion der West tu ächte gegen diese aggressiven Kräfte in der arabischen Welt bereits eingesetzt hat. Es ist dabei nicht nur auf die Aktion der britischen RegiVnmg in Palästina hirmiweisen, sondern auch auf die diplomatischcn Schritte, die sowohl England wie Frankreich in Damaskus unternommen haben. Der englische Oeneralkonsul in Damaskus hat eine energische Protestnote an die Regierung in Damaskus gerichtet, in der er eine Unterdriirkung der England feindlichen Propaganda in Syrien fordert. Die Note weist darauf hin, daß die syrischer! Funktionäre offen die Vorbereitung einer Einmischung in Palästina unterstützen. Vor kurzem ist auch die französische Regierung im gleichen Sinne in Damaskus vorstellig geworden. Da der syrisch-französische Vertrag bisher noch Von der Woche Der vor kurzem als Nachfolger des ermordeten Distriktskommissnrs Andrews 7um Kommissar von Galiläa ernannte frühere Stellvertreter des britischen Residenten in Amman, K i r k b r i de, hat eine Reihe jüdischer Siedlungen in Untergaliläa besucht. Der Distriktskomm issar erkundigte sich eingehend nach den Lebensverhältnissen und Bedürfnissen der Siedler. Der Distriktskommissar für den Norddisfrikf, Oberstleutnant Edward Kcith Roach, ist in das Regierungskrankenhaus nach Jerusalem gebracht worden. Es heißt, daß der Distrilctskomnüssar von einem ernsten Asthma-Leiden befallen ist. Im ״Fdestin“, dem Organ Raghcb Bev Nashashibis, werden die a r a b i s c 11 e n Stadtvcror d n e t e n von J c 1׳ u - s a I e m aufgefordert, den Sitzungen auch unter der Leitung des jüdischen Vizebürpermeisters Daniel Auster beizuwohnen, da ihr Rücktritt zur Ernennung eines Regierungskommissars führen würde. Die Einfuhr der ägyptischen Tageszeitung ״El Mokattam“ nach Palästina ist Itir einen Monat verboten worden. In Anwesenheit zahlreicher Rabbiner, Jeschiwalcitcr und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens fand in Tel Aviv die feierliche Eröffnung der ״Zentraljcschiwa für den neuen Jischuw“ (Hajcschiwa Hamerkasit Lejischuw Hechadasch) statt. Der Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Juda L. IMagnes, der sich längere Zeit im Ausland aufgehalten hat, ist wieder in Jerusalem eingetroffen. Wie ״Haboker“ meldet, werden gegenwärtig Verhandlungen über eine Tournee des Tel Avivcr Arbeitertheaters ״<) h c 1“ durch die Vereinigten Staaten von Amerika geführt. nicht vom französischen Parlament ratifiziert worden ist, so wird diese aggressive Haltung der führenden Damaszener Kreise sicherlich noch in der französischen Oeffentlichkeit erörtert werden. Schon bisher bestanden bei einem Teil der französischen Politiker erhebliche Bedenken gegen die Aufhebung des französischen Mandates über Syrien, und die Haltung der Regierung in Damaskus ist dazu angetan, diese Bedenken zu verstärken. Andererseits erschwert aber die politische Spannung im Mittelmcer eine energische Reaktion der Wcstmäcbte gegen der! wachsenden arabischen Imperialismus. Die panarabische Agitation richtet sich aber nicht nur gegen den Zionismus und den Libanonstaat, sondern ebenso gegen die Unabhängigkeit des Sandschaks von Alexand rette, die in Genf entschieden wurde. Die panarabischen Agitatoren bemühen sicli daher, die bevorstehenden Wahlen im Sandscliak zu einem glänzenden Abstimmungserfolg für die Araber zu gestalten. Die vom Völkerbundsrat eingesetzte Wahlkom inission ist jetzt in Genf zusammengetreten und hat den früheren Bürgermeister von Colombo, T. Reid, zum Präsidenten und den Schweizer Delegierten Secretan zum Vizepräsidenten ernannt. Die Wahlkommission reist jetzt nach detn Sandschak ah und wird auf ihrer Reise auch Ankara bciiihren. Die Sandsehakwahlen werden allerdings erst in einiger Zeit, wahrscheinlich Anfang 1938, durchgeführt werden. Die Völkerbundskommission wird bei ihrem diesmaligen Besuch im Sandschak nur das Wahlstatut aufstellen. Der syrische Ministerpräsident Mariiam Bcy hat offizieh erklärt, daß er die Anwendung von Gewalt in Palästina verurteile. Er hat angekiindigt, die Syrische Regierung werde in Zusammenarbeit: mit Frankreich und England strenge Maßnahmen gegen den W a f - tenschinuggel und die illegale Einwanderung nach Palästina treffen. Frankreichs Vorbehalt zum Teilungsplan Die Tageszeitung ״A Difaa“, das Organ der Istiklal- Partei, veröffentlicht eine Unterredung ihres Redakteurs Ibra hm es Schanti mit einem Mitglied der französisclen Delegation in Genf, über die Gründe, die Frankreich zu den Vorbehalten veranlasse«, die es im Völkerbund gegen den Plan der Teilung Palästinas gemacht hat. Die Unterredung fand in Belgrad statt, wo sich der Redakteur des Blattes gemeinsam mit dem Führer der arabischen Abordnung, Amu Bey Abdul Hadi, aulhielt. Der französische Diplomat hat danach erklärt, daß seine Regierung in gewisser Hinsicht a!1 dem Palästinaproblem stark interessiert sei. Dies habe sich an der Haltung der französischen Delegation in Genf gezeigt. Die französischen Vertreter forderten, daß der Teilungsplan für eine bestimmte Zeit zuriickgestcllt werde, während die Vertreter Englands eine schnelle Entscheidung wünschten. Frankreich, so betonte der Gewährsmann des arabischen Blattes, ist nicht grundsätzlich gegen die Teilung oder gegen die Durchführung des Tcilungsplanes. Es sei aber über die künftige Entwicklung sehr hcsorgt, Frankreich bezweifelt, ob es in der Lage sein werde, seine Stellung in Syrien m behaupten, wenn ein neuer Araberstaat gegründet wird, der Transjordanien und den arabischen Teil Palästinas umfaßt. Früher oder spater würde dieser Staat eine Vereinigung auch mit Syrien anstreben, was zu einer Erweiterung der britischen Einfluß- Sphäre aut Kosten der französischen führen würde. Aber auch der. jüdische Staat in Palästina würde ganz unter britischem Einfluß stehen, so daß der Einfluß Frankreichs sich nur noch aut den Libanon erstrecken würde. Frankreich wünscht daher, obwohl es an sich nicht gegen das Juden- Staatsprojekt ist, Zeit zu gewinnen, um mit seinem Verbündeten England zu einem Abkommen über den Schutz seiner Interessen im Nahen Osten zu gelangen. Es gibt jedoch einen Faktor, der Frankreich veranlaßt, sich reserviert zu verhalten. Jerusalem und Bethlehem, die beiden heiligen Stätten der Christenheit, werden sich nach dem Teilungsplan unter britischer Kontrolle befinden. Frankreich hat aber Interessen an diesen heiligen Stätten. Auf die Frage, ob Frankreich bereit sei, jüdische Einwanderung nach dem Libanon zuzulassen, erklärte der französische Diplomat, es wäre erwünscht, wenn einige tausend jüdische Kapitalisten sich in dem Lan<jc njederließeri, um zu der Gesundung seiner Wirtschaftliehen Lage beizutragen; dagegen solle das Land nicht zu einem Zentrum jüdischer Masscncinwanderung werdet!. Neuer Kolonisations-Plan der PICA Der Merkas Chaklai (Ausschuß der Landarbeiterschaft) bei der Uistadruth befaßte sich in Tel Aviv mit einem neuen S" . die Siedlungen in Obergaliläa umfassen 8011. Vor einigen Tagen ist zwischen der PICA und den Kwuzoth Ajelet Haschacfiar, ücscher und Kfar Giieadi ein Abkommen getroffen worden, demzufolge diese Siedlungen langfristige Kolonisalionskrcdite gegen eine jährliche Verzinsung von 2 0'״ erhalten. Die Rückzahlung der Kredite soll im Laut von sechz.ig Jahren erfolgen. ln derselben Sitzung berichtete der Schatzmeister tlerExekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan, über die finanziehe Lage der Agency, ln der Debatte wurde gefordert, daß die Regierung Zölle zum Schutz der palästinensischen Landwirtschaft einführe. Die Lebensmittel-Abteilung des Nathan und Lina Strauß- Oesumlhcitszentrums in Jerusalem veranstaltet ein« überaus eindrucksvolle und übersichtlich hygienische Ausstellung unter dem Motto ״Nahrungsmittel und i 11 r e V c rf.ils c 11 u n g“. Durch einprägsame Modelle und (oft sehr hübsch aiisgeffihrtc) Wandtafeln werden die Gefahren vorgeführt, die minderwertige oder unzulänglich hergestclltc Nahrungsmittel in sich bergen. Mikroskopaufiiahmen zeigen die verschiedenen Bakterien, welche z. B. in der nicht pasteurisierten Milch enthalten sind oder in dem hier so beliebten ״Glklah“ (Fruchteis), das aus nicht gereinigtem Wasser hergestellt wird. Geschäftliche Mitteilungen (Ohne Verantwortung der Reduktion) Die Firma SU*, Danilger Sk C«M Tel Aviv, Haifa, gibt bekamt, daß Herr Hermann S«8kmd, früher Teilhaber des Bankhauses Mosler, Süßkind & Co., Berlin, «1■ Partner eirsgetreten ist. Die Firma SiU, Donziger & Co. befaßt sich seit ihrer vor vier Jahren erhofften Gründung mit dem Handel in palästinensischen und internaUonaleo Wertpapiere* sowie mit Hypothcketianlafen und Transferberatimg. (Schluß des Palästinateils)