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Jüdische Rundschau · 1937-10-19 · Heft 83 (19.10.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 83 (19.10.1937)
Date
1937-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ן t;!: < a »י -!:sii•!ח Seite 4 JODiSCHE RUNDSCHAU Nr. 83, 19.X. 1937 Sorgerecht über Kinder aus geschiedenen Mischehen Nach § 1635 BGB. stellt im Falle einer Ehescheidung die Sorge für die Person des Kindes, wenn ein Ehegatte allein für schuldig erklärt ist, dem anderen Ehegatten zu; sind heule Ehegatten für schuldig erklärt, so steht die Sorge für einen Sohn unter sechs Jahren oder für eine Tochter der Mutter, für einen Sohn über sc®hs Jahren dem Vater zu. Das Vorniundsclialtsgericht kann eine abweichende An- Ordnung treffen, wenn eine solche aus besonderen Gründen im Interesse des Kindes geboten ist. Bei derartigen abweichenden Regelungen ist in den letzten Jahren, soweit es sich um Mischehen handelte, die Rassenfrage ausschlaggebend ins Gewicht gefallen. (Vgl. die in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 12. April 1955 und 5. Mai 1936 mitgcteiltcn Entscheidungen.) In einer kürzlich bekanntgewordenen Entscheidung eines Amtsgerichts, bei der es sich tim viertel)üdisehes Kind handelte, war die Stellung, die die Nürnberger Gesetze diesen Mischlingen zweiten Grades gegeben hat, für die Regelung des Sorgerechts maligehend. Die Ehe der Eltern war aus beiderseitigem Verschulden geschieden worden, das Sorgcrcdit über die Sohne, die bei der rein arischen Mirtter in Brasilien leben, stand nach tj 1635־ BOB. dem in Deutschland lebenden halbjüdischen Vater zu. Als dieser verlangte, daB die Kinder zu ihm kommen, wurde ihm auf Antrag der Mutter das Sorgerecht entzogen und der Mutter übertragen. ln den Gründen wird davon misgegaiigen, da# die deutsehe Rassegesct/gehung das Aufgehen der Vicrteljuden in die Blutnmi Schicksnlsgemcinschaft des deutschen Volkes erstrebt und 11,11 ו das Ziel einer biologischen Wiedcreingliedcder rting voraiissc vor jiidi bei kim Vierteüuden /t. da3 solche ehern Emdiil; uru, die m d! zu beeinflussen sind. Die erwähnte Eids Vater selhstverst;Gullich körne!beb. gehtig 11ml in die deutsche Volksgemeinschaft Mischlinge soweit wie irgend möglich bewahrt bleiben. Dies gilt namentlich 11 der Entwicklung stehen und leicht :beidtmg betont, dal! ein jüdischer niemals imstande ist, seinen Jungen seelisch so zu erziehen, wie es für ein A :11 geilt •11 ei ח es Vit ׳rteljndeti in das deutsche Volk erforderi ich is t, li. is tri fit auch für c men halhjüdisctu rn Elternteil zi 1. De r Ha e (Mischling ersten (irades, mit zwei jüdisi 1 len 11 rolfel fern) h; *,׳1t noch .so!ei rusäcfrenuk's Blut und damit ra-sei a׳c׳n!(l V Fi!: eiiscllaftcn, 11 alt Kinder von ihm sehr leicht artfre md in ein;11! ßt werde» könnten, wem! man sie seiner t:!/!c!iiing;inv ert: rauen wurif c. in ׳:(ein ciltsC hir{?( •nr n Fall hat < las Gericht noch erwähnt. daß 1 1 i f rau nie! US;i ׳ml eri! könnte , daß der ha 1!)jüdische Vaier eine zwei tc l: he 1111t einer arischen Frau eingegan- £t?n in \ < >n dii •sei! Fr\v־i 11:1 nenn wird nach einer F.nt Scheidung des ( in! i,1! e!1:-.; Gi׳rii י■! M u n ׳.׳ b r 11 (vgl. ,,Iiidisr be Rumischau" \ um i>. , \f-nl ]u Ff) da- Re eilt des nichtsnr ■gcherechtigten Llternteüs n ts f p t 1 s 0 n 1 i c ־1 1, 1 e 11 V e r k e 11 r mit dem Kinde nicht berü lirt. Zum Beschäftigungsverbot des Blutschutzgesetzes Nach dem Blufschutzgesetz dürfen Juden weibliche Staats- Angehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 15׳ Jahren in ihren) Haushalt nicht beschäftigen. Ueber den Kreis der für einen Verstoli gegen dieses Verbot strafrechtlich verantwortlichen Persotien (Hatishiiltimgsvorstand, Ehefrau usw.) ist in einem Urteil des Oberlaiulesgeriehts Kid n entschieden worden. (Vgl. die in der ״J. R■‘ vom 4. 5. 37 mitgef eilten Ausführungen.) Neuerdings nimmt ein Urteil des Reichsgerichts zu der Frage Stellung, unter welchen Voraussetzungen eine vor 11 b e r ״ e h ende Tätigkeit i n einem Hau shalt g e g e 11 Ule e r w;1 hüte Strafandrohung verstoßt. Dies wurde in dem ent H a u s s c h n c i d e r i n bejaht, 11 betreifenden Arbeitgebers Ini freier zu einem bestimmten Tags. cs.1t/ arbeiten voruhergclnaid verrichtete, in die I (ati-geinein׳ eines Ai Iicn-O'eriia1! gebunden war und au.-übte, die 11 a c 1: b e z a h I t u unk■. Das t ■' 1 te il crwfihnf auch, daß den Begriff des AibeitsverhaltiiN-cs rccliisirnum ist. •diicdene!! falle bei einer e in dem Haushalt des VC'olmuug und Verpflegung Atiebcsserungs- und Neuliier wurde eine Aufnahme uifi angenommen, ebenso das V'orüegeii -w-, da die* Schneiderin an Weisungen liso eine 111' der Da 11 c selbständige Tätigkeit r d e r Bes c h ä f t i g u n g :■in etwaiger Irrtum über ein unbeachtlicher Straf- Jüdisches Leben in Belgien Von unserem Berichterstatter Brüssel, Anfang Oktober Die Winfertätigkcit des Keren Hajes sod wurde durch den Ik'Mii'li I )!rektor,-. Dr. Hantke eingeicttet. Auf dem Empfangsabi nd im Bet 11 Zion Antwerpens, wo sich die Leiter der Zionistischen Föderation Belgiens, des Keren Hajessod und eine große Anzahl Mitarbeiter vereinigten, wies Dr. Hantke darauf hin, daß auch dieses Jahr eine ganz besondere Anstrengung erforderlich sei. Die zionistischfit Vereine rücken die politischen Fragen ganz in den Vordergrund. In der ״Union Siortiste de Bruxelles“, den! größten jüdischen Verein der belgischen Hauptstadt, haben, die beiden Kongreßdelegierten, N. Torczyner, Ibisident der Föderation, und Rechtsanwalt L£o Kubowitzky einen eingehenden Bericht über den Verlaut des Kongresses und die gesamten politischen Probleme gegeben, R.-A. Kubowitzky spricht auch über die Teilungsfrage im Radio. Auf dem Bankett zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Diamantensyndikats schilderte der Präsident Lipschütz die Entwicklung des belgischen Diainanthandels. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Minister Van Isacktr mul der Bürgermeister Antwerpens, H 11 y s m a n s, wohnten der Feier bei. Zur Gründung der Wettvereinigurig für Handel- und Diamantenindustric traf dann Sir Ernest () p p c n 11 e i in e r, der Vorsitzende der Diamond Corporation, ein, die fast den gesamten Handel mit Rohdiamanten kontrolliert. Sir Ernest Oppenheimer ist Inhaber der belgischen Auszeichnung ,,Olympische Krone für Arbeit“, die demjenigen verliehen wird," der der größtmöglichen Anzahl von Belgiern Arbeit verschafft. P. R, Anläßlich des 20. Jahrestages der BaJfour- Deklaration am 2. November sollen in verschiedenen Ländern Europas P a 1 ä s t i n a k o n f e r e n z e n abgchaltcn werden. Diese Konferenzen werden von der Jewish Agency organisiert. Zur Leitung der Vorbereitungsarbeiten haben sich Joseph Sprinzak und Dr. A. Kramer nach Europa begeben. Die diesjährige Aktion für den Keren Haje»$od soll aut diesen Konferenzen eröffnet werden. ״Wir gehen nicht ins Ghetto“ Der Protest der jüdischen. Studenten in Polen Von unserem Berichterstatter W a r s c 11 a u, 15. Oktober Der angekündigte Proteststreik der jüdischen Studentenschaft gegen die Einführung von Ghettobänken für die jüdischen Hocbschülcr ist in Warschau gestern und heute und an den Hochschulen in Krakau, Lemberg und Wilno heute durchgeftihrt worden. Gleichzeitig veröffentlichen, die jüdischen Parlamentsmitglieder und sämtliche bürgerliche jüdische Parteien von der Agudah bis zu den Revisionisten, sowie die Verbände der jüdischen Kaitfleufe, Rechtsanwälte und Ingenieure eine Prot e st e r k! ä r u 11 g gegen die Ghettovcrordming an den Hochschulen, die als Vergewaltigung der politischen und biirgerliehen Gleichberechtigung der gesamten polnischen Judenheit bezeichnet wird, fn dem Aufruf wird die Regierung aufgefordert, die Verordnung aufzuheben, und an die jiidischc Gesellschaft wird der Appell gerichtet, die jüdischen Studenten, ״die Avantgarde in unserem Kampfe für Gleichbcrccbtigung“, moralisch und materiell großzügig zu unterstützen. Zu diesem Zwecke wird die ״Woche des jiidisehen Akademikers“■ vom 20.—27. Oktober prokiamiert. Für Dienstag, den 19, d. M., ist ein halbtägiger Proteststreik angekündigt, dem sich wahrscheinlich, wie aus der heute veröffentlichten Erklärung des Abgeordneten Sommcrsfehi hervorgeht, die gesamte polnische Jud e ti 11 e i t anschließen wird. Daraus ist zu ersehen, welche Empörung in jüdischen Kreisen die Einführung der Ghetto bä nke hervorgerufen hat und mit welcher Entschlossenheit die polnische Judenheit daran gellt, dieses Attentat auf ihre Bürgerrechte abzuweliren. Es ist hier nämlich für jedermann klar, daß der Ghettoverordnung weitere D i s k r i 111 i 11 a ז i o n s a k t e gegen die Juden folgen können. Deswegen empfindet die ganze jüdische Gesellschaft, unabhängig von Partei mul Stand, den Kampf der jüdischen Hochschüicrschaft als den ihrigen. Seit zehn Tagen, d. i. seit der Oeffnung der Hochschulen in Warschau, bleiben die jüdischen Studenten lest bei ihrem Entschluß, die Gliettobünke nicht zu besetzen. Sie stehen während der Vorlesungen oder besetzen die für die nichtorganisicrteii Stüde et 1״ bestimmten Bänke. Daraus ergeben sich verschiedene Konf'i'dc. Manche Professoren zwingen die jiidischeu Hörer, die für sie bestimmten Sitzplätze cinz.unehmen und erlauben ihnen nicht, stehend den Vorträgen beizuwohneu. 111 dies■׳•' Fällen verlassen die jüdischen Studenten demonstrafiv den I(örsaal. Bei anderen Vorlesungen bleiben die ProtessoTci! passiv und die Sitzordnung bewachen dann — nicht seilen ohne Gewaltmittel — die antisemitischen Studenten oder die — Pedelle. Bei manchen Kursen, vornehmlich der letzten Jahrgänge, sieht man oft christliche Studenten, die zusammen mit den Juden sitzen oder stehen. Auch einige Professoren haben ihrer Entrüstung gegen die Ghettoverordnung offen Ausdruck gegeben. Als nun bekannt wurde, daß die Universitätsbehörden daran gehen sollen, die jüdischen Studenten mit verschiedenen D i s z i p 1 i n a r 111 i 11 e 1 11 zu zwingen, die neue Sitzordnung zu befolgen, beschlossen die Verbände der jüdischen Studenten, den Proteststreik dnrch/uiüliren, und zwar in der Weise, daß sämtliche jüdische Hochschüler in Warschau aufgefordert wurden, am Donnerstag und Freitag die Vorlesungen 11 i c 111 zu besuchen und sich im Jüdischen Akademischen Haus zu versammeln. Ueber 100(1 Studenten und Studentinnen füllten am Donnerstag vormittag das Jüdische Akademische Haus, wo sie ununterbrochen bis Freitag Vorabend verblieben. Sämtliche Wohnzimmer des Hauses wurden abgeschlossen und die Studeuten sammelten sich in den großen Vortrags-, Lese- und Speisesälen. Die Nacht von Donnerstag aut Freitag verbrachten die Studenten schlaflos. In mehreren Ansprachen kam die große Erbitterung über den geschaffenen Zustand und das Gefühl der Solidarität sämtlicher Parteien der Judenheit mit den jüdischen Studenten zum Ausdruck. Die jüdische Bevölkerung Warschaus sandte spontan ins Akademische Haus Nahrungsmittel. Während der Dauer dieser zum Zeichen des Protesfes freiwillig beschlossenen ״Blockade‘', herrschte im Hause musterhafte Ordnung. Ueber dem großen Gebäude sah man eine Aufschrift: ״Wir gehen nicht ins Ghetto.“ In Krakau sind die Ghettobänke noch nicht eingeführt worden. Der Rektor der Krakauer Universität hat bei der inaugurationsfeier den polnischen Hörern einige Ziffern mitgeteilt, damit sie daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Während an der Universität in Krakau insgesamt 12,5 ״<> Juden im letzten Schuljahr inskribiert waren, haben das Hochschulstudium mit dem gewöhnlichen Zensus 22% Juden beendet, und unter denen, die den Doktortitel erworben haben, machen die Juden sogar 47 <0;׳ aus. Diese Ziffern bilden einen sehr wichtigen Beitrag zum Verständnis der judenfrage an den polnischen Hochschulen. ״Pilsudskis Andenken entehrt“ Anläßlich der Semester-Eröffnung an der Wilnaer Universität hielt der frühere Rektor Professor S t a - niewicz eine Ansprache, in der er die studentische Jugend ermahnte, die Würde der Hochschule zu wahren. Ein Teil der Studentenschaft habe durch sein Verhalten im letzten Jahre das Andenken von Marschall Pilsudski entehrt; denn dieser habe bei der Wiedereröffnung der Universität nach 120 Jahren polnischer Knechtschaft erklärt, daß an dieser Hochschule keinerlei Feindschaft zwischen den Gruppen verschicdencr Nationalität und Abstammung herrschen solle. Die Polen, die bisher unterdrückt gewesen seien, würden brüd erliche Beziehungen zu den Angehörigen der anderen Nationalitäten unterhalten und sie nicht verfolgen. — An der Eröffnung des neuen Studienjahres nahmen die jüdischen Studenten nicht teil. Nur Abg. Rabbiner Rubinstein war neben den Vertretern der übrigen Bekenntnisse erschienen. Nachrichten aus Polen Während des Woehenmarktes in dem Städtchen Brandt im Kreis Biatystok ist es zu schweren judenfeindüchen Ausschreitungcn gekommen. Gruppen von Exzedenten versuchten die jüdischen Händler von dem Markt zu treiben; später wurden viele jüdische Häuser mit Steinen bombardiert und zahlreiche jüdische Passanten überfallen. Acht Juden wurden verwundet, zwei von ihnen schwer. Nachdem ans Bialystok Polizeiverstarkungcn eingetroffen waren und mehrere Verliaftungeii vorgenommen 'wurden, konnte die Ruhe wieder• hergcstellt werden. Das Kreisgericht in Kielce hat in dem Prozeß gegen die Teilnehmer an dem vor einem Jahre in dem Dorfe Stavvy verübten Massen in orii an einer j ü d i s c ii e n Familie das Urteil gefällt. An der Tat hatten die vier Brüder Krasinski teilgenommen. Der älteste von ihnen, Tadeusz, wurde z u nt Tode, ein zweiter zu lebenslänglichem, ein dritter zu zehnjährigem Zuchthaus verurteilt. I9er vierte wurde freigesprochen. Ein fünfter Angeklagter erhielt fünf Jahre Zuchthaus. Alle Verurteilten stehen int Alter von 20 bis 25 Jahren. Gegen das Todesurteil, das gegen den Brest-Litowsker Schlächterssohn Wolf Szczerbowski wegen Ermordung des Polizisten Kendziora verhängt worden ist, hat der Verteidiger, R.-A. Tschernichow, jetzt beim Obersten Gerichtshot Revision eingelegt. Aus der jetzt veröffentlichten amtlichen Statistik ist zu ersehen, daß von den in Polen lebenden 3 114 0 0 0 Glaubensjuden bei der letzten Volkszählung 2 73 2 5 73, das sind 88%, Jiddisch oder Hebräisch als Mutterspräche angegeben haben. Die übrigen bekannten sich zur polnischen Muttersprache. Hebräisch wird von 243539 Juden in Polen als Muttersprache gesprochen. Die Angabe des Jiddischen und des Hebräischen als Muttersprache ersetzt das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität, da bei der letzten Volkszählung im Gegensatz zu früheren nicht mehr die nationale Zugehörigkeit, sondern nur noch die Muttersprache registriert wurde. Weizmann besucht Polen Die Jüdische Gemeinde in P i n s k, der Geburtsstadt Dr. Cliaim Wcizmanns, hat auf eine an diesen gerichtete Einladung die Antwort erhalten, daß er der Einladung folgend in nächster Zeit Polen besuchen und auch nach Pinsk kommen wird. 20000 PSund Geldstrafe für eine jucfeufemdliche Aeußerung Der frühere Redakteur der judenfeindlichen Londoner Zeitung ״Action“ John Beckett, ist am Freitag von einem Sondergericht unter dem Vorsitz, von Richter Hilbcry zu einer Geldstrafe von 20 000 Pfund wegen Verleumdung des ״Daily Telegraph“ und seines Herausgebers, Lord Catn rose, verurteilt worden. Für die Strafe haften solidarisch die Zeitung ״Acfion“, Beckett und die Argus-Preß, in der das Blatt hergestellt wurde. Die Anklage war wegen eines Artikels erhoben worden, in dem Lord Camrose als internationaler jüdischer Finanzier bezeichnet wurde, der der Krone gegenüber keine Treue beweise und bei der Leitung des ״Daily Telegraph“ seine persönlichen finanziellen Interessen denjenigen des öffentliehen Wohles übergeordnet habe. Der Vertreter des Klägers, R.-A. Roland Oliver, stellte fest» daß Lord Camrose nicht jüdischer A bst amm u n g ist Einen Nichtjuden als Juden zu bezeichnen, bedeute an sich keine Verleumdung, wohl aber sei es Verleuuidung, wenn man zunächst behauptet, alle jüdischer Finanziers seien skrupellos und unpatriotisch, und dann je• man den einen jüdischen Finanzier nennt. John Beckett, der sich selbst verteidigte, wollte den: Kläger Abbitte leisten. Fr wies außerdem darauf hin daß das Blatt, in dein der Artikel veröffentlicht worden war unbedeutend sei, eine unbedeutende Bewegung repräsen tiere und nur eine geringfügige Auflage habe. Der Vertreter der ״Xction“, Gerald Gardiner, vertrat den Standpunkt, daß es sich bei dem Artikel um eine zulässige Kritik gehandelt habe. Es sei der Standpunkt vertreten worden, daß die Leiter großer Zeitungen au anderen großen InaustricuiiteindiiHUiigen beteiligt sind. Das Gericht erklärte die Angeklagten der Verl cumdüng schuldig und sprach Lord Camrose eine Ent- Schädigung von 12 500 Pfund, dem ״Daily Telegraph“ eine solche von 7500 Pfund zu. Außerdem müssen die Angeklagten die Kosten tragen. Eine Stundung der Enfschädigungsleistung, die von dem Vertreter der Druckerei mit Rücksicht auf die Höhe der Beträge verlangt worden war, wurde vom Vorsitzenden abgefeimt. Der Bürgermeister von I ris, der seit dreiunddreißi׳ steht, ist zum Ehrenbürger ■aster, Ratsherr Samuet M o r• [ähren in städtischen Diensten :annt worden. Hubermans Befinden gebessert Nach telegraphischen Berichten ist in dem Befinden Bro* 11 islav Hubermans eine weitere Besserung eingetreten. Es besteht begründete Aussicht, daß der Künstler seine volle Spielfähigkeit wiedererlangen wird. (Siehe auch den Bericht über das Palästina-Orchester auf Seite 6.) Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter H. R. Stockholm, 10. Oktober Die kürzlich abgehaltcne Jahresversammlung der 7. i onistischen Vereinigung gab einen klaren Einblick in das regere zionistische Leben, das sich während der letzten Monate in Stockholm bemerkbar machte. Der J iidischc Jugend-Klub hielt seinen ersten Klubabend im neuen Arbeitsjahre ab, an dem verschiedene der nach Kopcnlagen gesandten Delegierten *יי : Eindrücke über den diesjährigen 17. Kongreß des s״״ ünavisch-Jüdischen Jugendverbandes mitteilten. Der nächste Kongreß soll im Sommer 1938 in Stockholm stattfinden. Anja Dorf mann spielte im Konsertförenigen — unter Fritz Büschs hingebungsvoller Leitung — Beethovens Klavierkonzert C-Dur 1 und erntete bei Publikum und Presse stürmischeu Beifall. — Prof. Henry Rubin spielte in einem vorn Jüdischen Frauenbund und der Wizo veranstalteten Wohlfätigkcitskonzert eigene und andere Kompositionen und stellte sich dem Stockholmer Publikum hierbei als her Vorräten- 1er Violinist vor. Oberkantor Leo Rosenblüth (mit Frau ,?05a Rosenbliith am Flügel) trug mit seinem wohlklingenden ‘ariton und geschmackvollen Vortrag zum Gelingen dieses ' bends bei. — Kurt B c 11 d i x, der erfolgreiche Opern- ■ apcllmcistcr der Königlichen Oper, leitete eine Festvardellung mit Lawrence Tibbet in ״Rigolcito“ und wurde hier- ,׳ci von der Presse als einer der wertvollsten und tüchtigsten Kräfte des Institutes bezeichnet. Die Vorsitzenden einer Reihe schwedischer Studenten- Vereinigungen haben ein offizielles Profestschreiben unterzeichnet, in dem die Geschehnisse anläßlich Prof. Katz' Antrittsvorlesung scharf verurteilt werden. II

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