Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 82 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 82, 15.X. 1937 i. Reformvorschläge für das hebräische Schulwerk Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Im ״Haarez“ prüft der bekannte Pädagoge E. Rieger die Feststellungen und Vorschläge der Königlichen Kommission auf dem Gebiete unseres Schu!Werks aut ihre Stichhaltigkeit. Die Kommission stellt lobend fest, daß mehr als 80 <V0 des jildischen Schulbudgets aus Schulgeldern oder Schulstetiem stammen, also vom Jischttw selbst aufgebracht werden. Hingegen sieht sie die starke Betonung des Nationalen im jüdischen Schulwerk als etwas Negatives an und stellt die Juden hierin in eine Reihe mit den Arabern, deren (von der Regierung erhaltenes) Schulwerk national-extremistisch ist. Die Kommission sieht das ürundiibel auch hier im Mandat, das jeder Gemeinschaft in Palästina das Recht, Schulen in eigener Sprache zu erhalten, zubilligt. Ferner tadelt sie den lelativ geringen Aufwand der Regierung für Erziehungszwecke, der nicht genügte, um im Kampf gegen den arabischen Analphabetismus ausreichende Fortschritte zu machen. Die Kommission verlangt, daß die Regierungsausfab er, für Erziehung erhöht wurden, und zwar 1m wesentlichen zugunsten der Araber. Der Standpunkt der Juden, daß die Regierung ihre Beihilfe nach der Sehü'erzalil geben soll und nicht, wie bisher, entsprechend der Anzahl der bei den Juden bnv. Arabern vorhandenen Kinder im Schulalter, findet nicht die Unterstützung der Kommission. Die Kommission befürwortet ferner ein gemeinsames Schul werk mit nach Sprachen getrennten Klassen für die Volksschttljahrc und gemeinsamen Klassen mit englischer Unterrichtssprache für die Mittelschulen, zuin mindesten aber die Gründung gemeinsamer Fachschulen. Der Grundfehler der Kommission auf diesem Gebiete scheint Dr. Rieger eine allzu schematische Betrachtungsweise zu sein: das jüdische Erziehungswerk ist reich — das arabische arm; das jüdische autonom — das arabische in der Hand der Regierung; beide sind fanatisch nationalistisch gerichtet usw. Aus diesem Schematismus folgt dann der Vorschlag eines einheitlichen Er/.iehungswerkes. Diese Vor- Schläge stellen sieh aber bei näherer Betrachtung als unüberlegt heraus. Schon die Verschiedenheit der Religionen macht einen gemeinsamen Unterricht unmöglich, denn es waren in der Woche drei verschiedene Ruhetage einzuhalten. Aue 11 kann eine Ziiriiekdrüngung der Muttersprache zugunsten einer Fremdsprache schon aus pädagogischen Gründen nicht gebilligt weiden. Selbst um den Preis des Friedens kann ein Volk seine Eigenart und die Möglichkeit sie aus/uprägen und zu vertiefen, nicht aufgeben. Die Gründung englischer Schulen im britischen Imperium für Eingeborene niederer Kulturstufe zeigt noch nicht die Zweckmäßigkeit solcher Einrichtung für ein altes Kulturvolk von hoher Zivilisation. Auch ist die von der Kommission gebilligte Meinung, es wäre die Aufgabe der Mandatarmacht, die kulturelle Differenz zwisehen Juden und Arabern auszugleichen, irn höchsten Grade gefährlich. Ein solcher Ausgleich wird schwer auf dem Wege der Hebung der Araber erreicht — was eine Aufgabe für Generationen ist —, aber er führt, leicht zu einer systematisehen Vernachlässigung jüdischer Kulturi nt ercssen durch die Regierung. Die Forderung der Kommission nach Autonomie für das arabische Erziehungswesen, wenn sie dem jüdischen belassen bleibt, ist nicht gerechtfertigt. Wohl kann an sich dagegen nichts cingewandt werden, aber die Kommission hätte nicht außer acht lassen dürfen, daß die Juden 78 ihres Erzichungsbudgets selbst tragen und so einen besser begründeten Anspruch auf Selbstverwaltung haben. Auch die nationalistischen Tendenzen der jüdischcn und arabischen Erziehung dürfen nicht ohne weiteres verglichen werden. Immerhin wird in jeder höheren jüdischen Schule Arabisch und die Geschichte des Islam gelehrt, während die Araber die Zumutung, Hebräisch in ihren Stundenplan aufzunehmen, entrüstet zurückweisen. Auch die Billigung des Verteilungs- Schlüssels des Erziehungshudgets von seiten der Kommission ist unüberlegt. Das jüdische Erziehinigswerk ist nicht reich, und nur ein Viertel aller jüdischen Kinder kann die Volksschule beenden. Es ist also auf Unterstützung durch die Reflerung angewiesen. Die Araber aber, besonders in den tädten, wo die meisten ihrer Schulen sind, bringen nicht die gleichen Opfer wie die Juden, Kleine Nachrichten Aut dem großen Terrain gegenüber dem Tel-Aviver Elektrizitätswerk wird jetzt ein neues Geschäftszentrum erbaut. Die Postverwaltung 11 at bekanntgegeben, daß der Betrieb in dem neuen Gebäude der Jerusalemer Hauptpost im März 193s auf genommen wird. Die Telephonzentrale wird im Mai in das neue Gebäude verlegt. Der bereits seit einiger Zeit zur Benutzung freigegebene F I u g 11 a f e n b c i I. y d d a geht seiner Vollendung entgegen. Ein vor zwei .Monaten aus Deutschland nach Palästina Eingewamierter hat auf dem Friedhof von Klar üilcadi S e 111 s t in o r d begangen. Der Leiter der Abteilung für innere Krankheiten an dein Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, üdieimrat Prot. Dr. Hermann Strati ß, ist zu vorübergehendem Aufcnthalt in Palästina eingetrotfen, w׳o er eine Reihe faclnvissenechaftlicher Vorträge halten wird. Ein Vertreter des Irak traf, von Bagdad kommend, in Da maskus ein, um mit Vertretern Syriens Verhandlungen über den Beitritt zum asiatischen Ostnakt zu führen. Der Sekretär König Ihn Sauds, Yasuf Yasin, ist ebenfalls in Damaskus eingetroffen, um über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Saudi-Arabien und Syrier! zu verhandeln. Ausstellung des Malers Sclilomoh Lamm Im Halfaer Technikum. Im Technikum stellt der junge Schlomoh Lamm sein Werk zur Diskussion. Die nicht häufig vorkammende Doppelbegabitng des Porträtisten, der sich auch mit Skulpturen cinfiihrt, hat sich aus der Fälligkeit des Künstlers entwickelt, Menschen in ihrer besonderen, charakteristischen Eigenart stark zu erfassen. Diese Fälligkeit spiegelt sich in seinen gemalten Porträts ebenso wieder wie in einer Reihe seiner Gipsköpfe. Die Porträts, etwa das sehr persönlieh gemalte des Bruders des Künstlers oder das durch den Kontrast des weißen Ucberwurfs zum schwarzen Gesicht besonders wirksame Bild einer Negerin, zeigen überdies eine warme Farbigkeit der Tongebung, die wir auch in den anderen Bildern der geschickt und anregend zusammengestellten Ausstellung — den Blumcnstiickcn, Aquarellen usw. — finden. Eine erhöhte Beachtung verdienen die palästinensischen Landschaften des Künstlers. Dr. Georg Salomonski ״Theatron Ivri“ eröffnet die neue Spielzeit am 19. Oktober 1m ,,Jasha-Heifetz-Saal“ in Tel Aviv mit ״Weibsteufel“ von Karl ’ Schönherr. Regie: Alfred Wolf. Bühnenbild: Anatol Ourewitsch. Die nächste Vorstellung findet am 23, Oktober statt. Aus der Wirtschaft Für eine Planwirtschaft Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Im ״Dasvar“ tritt H. Frumkin für eine Veränderung und Systematisierung der wirtschaftlichen Aufbauarbeit ein. Das Ziel der wirtschaftlichen Bemühungen im Lande muß Erweiterung der Wirtschaft, Vergrößerung der Aufnahmefähigkeit sein. Man wendet dagegen ein, daß der Zustrom an Kapital sich verringert habe. Aber die Statistik zeigt das Gegenteil, ln den ersten neun Monaten des Jahres 1937 sind 4('j Milli einen Pfund nach Palästina geflossen, eine halbe Million pro Monat. Audi die Summe der Bankdepositen hat sich im ersten Halbjahr des Jahres 1937 um fast £ 300 001) erhöht. Es kann also von einer Vertrauenskrise nicht die Red e sein. Nicht nur, daß die Banken weiter das Vertrauen ihrer Kunden genießen, sondern es müssen auch Investitionen erfolgt sein, die ungefähr dem Ueberschuß der Kapitaleinfuhr entsprechen. Nicht weniger als eine Million Pfund von dem im Jahre 1937 zur Anlage kommenden Kapital wird jüdisches öffentliches Geld sein. Dazu kommt noch jüdisches Privatkapital. Im ersten Halbjahr des Jahres 1937 haben die Juden in Bauten ungefähr anderthalb Millionen Pfund investiert, die Investitionen in der Industrie sind auf etwa £ 350 000, die in der Land* Wirtschaft auf eine halbe Million Pfund zu schätzen, Dazu kommen dann noch schwerer erfaßbare Investitionen. Im ganzen kann man annehmen, daß im ersten Halbjahr 1937 3 Millionen Pfund an jüdischem Oelde investiert worden sind, und daß diese Investitionen mH gleicher Stärke auch im zweiten Halbjahr anhalten, so daß für das Jahr 1937 mit einer jüdischen Gesamtinvesti* tion von 6 Millionen Pfund zu rechnen ist. Freilieh war im Jahre 1935 die jüdische Investition etwa doppelt so groß. Damals aber erreichte die Einwanderung ihrem Höhepunkt. Wir können also augenblicklich nur von einer Verlangsamung unserer wirtschaftlichen Entwicklung, nicht aber von einer Stagnation sprechen. Auch das Argument von unserer gesunkenen Kaufkraft, das gegen die Erweite• rungsprojekte der Wirtschaft angeführt wird, hält einer Kritik nicht stand. Natürlich hat die Verringerung der Tätig• keit auf dem Baumarkt die K au f k r a f t "gewisser Schieb• ten vermindert, dafür aber hat die jiidisene. Bevölkerung durch Einwanderung und natürliche Vermehrung auch im Jahre 1937 zugenonimen und die Kaufkraft im allgemeinen ist nicht gesunken. Der Wert der Einfuhr im ersten Halbjahr 1937 war über 8 Millionen Pfund, d. h. um 20 °,0׳ mehr als iti der gleichen Periode des Vorjahres und nur um etwa 5 weniger als zur Zeit der Prosperity 1935. Man könnte dies der Erhöhung der Preise zuschreiben, aber die Statistik zeigt, daß es sich 11m eine echte Importvermehrung handelt. Sowohl der Import in der Bekleidungsindustrie, wie auch der Import an Süßigkeiten hat der Menge nach zugenommen, obgleich hier die heimische Industrie den Bedarf decken könnte. Große Summen werden auch für Kaffee und Zucker ausgegeben. Auch der Import an Butter, Käse und Eiern ist gestiegen. Das alles spricht nicht für geschwundene Kaufkraft. Sogar Baumaterialien wurden in größerer Menge eingeführt als im vergangenen Jahre. Diesem Zustand der Dinge, der die Entwicklungsmöglichkeiten des Landes untergräbt, müssen Jischuw und Regierung vereint entgcgentreten. Aber wir können nicht warten, bis handclspolitische Maßnahmen, die sich erst im Vorstadium befinden, zur Ausführung kommen. Schon vorher muß die Jewish Agencv einen starken Einfluß auf den jüdischen Engroshandel ausühen. Es geht nicht an, daß hundert bis zweihundert Importeure das Schicksal des Jischuw negativ beeinflussen. Schließlich hängen diese Importeure _ auch in einem gewissen Grade von unseren Finanzinstitutionen ab und es muß möglich sein, sie dazu zu bringen, mindesten* zu 25 0״ Landesprodukte zu kaufen. Schon das wäre genug, um die Arbeitslosigkeit zu beheben. Es gibt jetzt keine dringlichere Aufgabe für unsere Behörden und für unsere Banken. Zollprobleme Aus Tel Aviv wird uns gesehrieben: Anläßlich der Publikation einer neuen Zollverordnung schreibt der ״Haarez“: Die 'Verordnung ist viel zu umständlich und zu wenig übersichtlich und in dieser Beziehung ein Rückschritt gegenüber dem früheren Zustand. Wichtiger aber als tech* nische Mängel sind die Mängel in der Zollpolitik, die sicli in dieser Publikation offenbaren. Palästina schlägt sich jetzt schon hundert Jahre lang mit Zollproblemen herum. Im Jahre ISIS wurde durch das oHomanische Reich in Palästina eine Zollgesetzgebung eingeführt, die damals als eine Reform galt. Schon früher war der Zoll durch Zoll- Pächter erhoben worden. Die Höhe des Zolls wurde damals nach dem Werte festgesetzt, den die Ware an dem Orte hatte, für den sie bestimmt war. Dieses System führte nafüll ich zu großen Schwierigkeiten, und es wurde auch noch zur Zeit der türkischen Regierung im Jahre 1907 abgeschafft und durch ein moderneres ersetzt. Die Bestimmung des Zolls wurde jetzt nicht mehr interessierten Zollpächtern, son- (lern R e g i c r 11 n g s b e a m t e n übertragen, seine Höhe riehtete sich nach der Rechnung oder dem im Herkunftsland deklarierten Wert der Ware. Nach der Besetzung des Lanries durch die Engländer wurden zunächst die Zölle für Baumaterialien verbilligt, die für landwirtschaftliche Produkte ganz aufgehoben und auch der allgemeine Zoll von Winter - Mäntel fiVffXS *m Winter-Amfige — gut יי— preiswert v(*n Frankfurt a. M.« Hindenburgplalz l*f am Havptbafcakaf. 11 0׳״ erniedrigt. Dieser allgemeine Zoll, der jede Ware trifft, für die keine Sonderbestimmungen bestehen, wurde allerdings dann später im Jahre 1921 auf 12 0״׳ erhöht, und so viel beträgt er noch heute. Die Sonderkategorien wurden dauernd erweitert und 1924 gab es schon 150 Warenarten, die nicht unter den allgemeinen Zoll fielen. Heule haben sich mit der Entwicklung Palästinas die Probleme noch vermehrt. Vor allem wäre es wichtig, die Rohstotfe und die Waren, die zur Veredelung nach Palästina gebracht werden, vom Zoll zu befreien. Eine solche vereinfachende Entscheidung würde letzten Endes den Staatscinkünfteu nicht schaden. Bei Waren, die sowohl vom Publikum verbraucht wie auch in der Industrie verwandt werden, könnte die Regierung •eine unterschiedliche Behandlung durchführen, so wie sie es jüngst mit dem Zucker getan hat, der für allgemeinen Gebrauch zollpflichtig, für die Zwecke der Bienenzucht aber zollfrei ist. Freilich kann die Industrie nicht allein durch Zollbefreiungen blühen, sie bedarf auch der Schutzzölle, die ein schweres Problem darstellen, da sie mit der Frage der Leistungsfähigkeit uns«- rer jungen Industrie Zusammenhängen. Denn cs geht nicht an, aen breiten Schichten der Bevölkerung lebensnotwendige Waren zu verteuern. Auch können Schutzzölle, die die Produkte bestimmter Länder treffen, sich ungünstig auf unsere eigenen Exportmöglichkeiten auswirken und so im ganzen unsere Volkswirtschaft schädigen. So lohnte es sich nicht, für die Interessen unserer P a r f ü m i n d u s t r i e Frankreich zu verärgern und die Aussicht auf Absatz unserer Zitrustrüchtc in zwei wichtigen Ländern zu verringern. Ja manche ausländische Erzeugnisse sind mit einem hohen Zoll belastet, ohne daß wir überhaupt eine eigene Produktion auf dem betreffenden Gebiete haben. Zuweilen wußte die Regierung den goldenen Mittelweg zu gehen. So ändert sich der Eierzoll saisoninäßig und ist zu Zeiten geringer heimischer Produktion sehr gering. Im ganzen aber gibt es für unsere Zollpolitik noch viele Möglichkeiten der Verbesserung. Von den Moschawe Owdlm Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar״ bringt einen Ueberblick über die Entwicklung der auf gegenseifiger Hilfe aufgebauten Einzelsie dl ungen der Ar• beiter (Moschawe Owdim). Diese neben der Kibbuzbewegung bestehende Bewegung ist im ständigen Anwachsen. An neuen Moschawim entstanden im letzten Jahre: Kfar Chittin, das jahrelang leergestanden hatte und nun von neuen Menschen als Moschaw besiedelt wurde; Beth ossef, wo sich eine größere vorbereitende Gruppe beindet; Misch mar Hasch lose ha in der Nähe von Auswanderung von Juden aus Deutschland erwarb, und wo Ja wan, eine Organisation griechischer Juden, die sich mit Hilfe der Zionistischen Organisation Griechenlands auf Keren Kajcincth-Boden niederläßt; Irgun Efrajim, der schon etwa ein Jahr auf seinem Boden sitzt und 100 Erwachsene und 40 Kinder erfaßt. Ein Konsumverein und andere öffentliche Institutionen sind schon in Betrieb. — Die Lage der bestehenden Siedlungen war keine besonders gute. Wohl war die Ernte gut, die Preise aber waren sehr niedrig, die Futterpreise hingegen hoch. Es bestand deshalb ein allgcmeines Streben nach Krediferweiterung und nach Einschränkting der privaten und öffentlichen Ausgaben. Besonders schwierig war die Lage der neueren Siedlungen, die fünf fahre und •weniger existieren, die Einrichtung lind Bau ihrer Wirtschaften noch nicht zu Ende geführt haben und sich großen Ausgaben und Verpflichtungen gegenüber sehen. — Mehrere Gruppen, die sich zur späteren Gründung von Moschawim zusammengeschlosseii haben, arbeiteten geschlossen an verschiedenen Punkten des Landes. Einige von ihnen stehen unmittelbar vor der Ansiedlung, die sich durch die Boden- oder die Geldfrage hinauszögert. Andere Gruppen, darunter eine bulgarischer Juden, sind im Entstehen. Auch die Jugend der älteren Moschawim regt sich besonders aut dem Gebiete der Kulturarbeit. Auch sie strebt nach Ansiedlung in gesonderten Gruppen, ln diesem Jahr wurde ein besonderer Fonds für alle Moschawim gegründet, der für den Fall vom Erkrankung, Unglücksfall und Wirtschaftliehen Schwierigkeiten eines Mitgliedes dem betroffenen Moschaw helfen soll, seiner Verpflichtung zu _ gegenseitiger Hilfe nachzttkommen. Die Moschaw Bewegung hielt in diesem Jahre einen Kongreß ab, auf dem stärkere Berücksichtigung ihrer Bestrebungen durch die öffentlichen Institutionen vorlangt wurde. Das Organ der Bewegung, ״Telamim", erschien in diesem Jahre zweimal, jedes Mal als Doppelheft. Jerusalemer Wohnungsmarkt 1m ״Haarez“ schildert, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, I I. S w e t die Möglichkeiten des Jerusalemer Bau- und Wohmmgsniaiktes. 1111 Zentrum des jüdischen Jerusalem, an der Bcn-Jeluida-Straßc und an der King Georgc-Straße, wer• den siebenstöckige Gebäude errichtet. Die Besitzer sind Araber, die Mieter aher werden Juden sein. Beim Bau Wird kein Jude beschäftigt. Dabei hat die Wohnungskom« mission der jüdischen Gemeinde festgesteilt, daß 488 Woh■ nungen, 227 Läden und 211 Büros von Juden bei Nichtjuden gemietet werden. Diese Zahl dürfte nicht alle Mietkontrakte erfassen und man muß mit höheren Ziffern rechnen. Nach der Feststellung des Architcktenverbandes wird in Jerusalem jährlich eine Viertelmillion Pfund Mietgelder durch Juden an Nichtjuden gezahlt. Die Wohnungskommission der Gemeinde schätzt diese Zahl etwas geringer ein, aber sie bleibt noch hoch genug, wenn man bedenkt, daß 500 Wohnungen und 100 Läden in jüdischem Besitz keine Mieter gefunden haben. Der Mietpreis ist gesunken. Freilich ist der Abstieg noch nicht sehr stark und Fälle, wo man eine Vierzimmer-Wohnung für £ 60 jährlich mieten kann, sind noch Ausnahmen, aber sie sind nichtsdestoweniger symptomatisch. Natürlich bestellt unter solchen Umständen keine ß a u 1 u s t. Eine ganze Reihe von Baukonzcssionen sind in jüdischen Händen, aber sie werden nicht ausgenutzt. Schon begonnene Bauten werden fertiggestellt, neue aber Werden kaum begonnen. Der gemeinschaftliche billige Wohnnungshau steckt in Jerusalem noch in den Anfängen und man hofft durch Unternehmungen dieser Art, die Bautätigkeit beleben zu können. Problematisch ist auch die Tatsache des vornehmen Wohnviertels T a 1 b i e 11, wo viele Konsuln und höhere Regicrungsbcamte Wohnung genommen haben, und das in letzter Zeit auch eine große Anziehungskraft auf Juden ausübt. Die Häuser sind durchweg in arabischem Besitz, die Wohnungen sehr gut ausgestattet und modern, die Preise relativ mäßig. Auch dies trägt natürlich zur Erschwcrung der Lage des jüdischen Baumarktes in Jerusalem bei. Unfälle am Badestrand. Aus Anlaß einer statistischen Veröffentlichung der Stadt Tel Aviv schreibt, wie uns aus Tel Aviv mitgeteiit wird, der ״Haare?“: ln den 41/a Mouaten der Badesaison sind am Strande von Tel Aviv 4119 Unfälle vorgekoinmen. Freilich ist diese Ziffer nicht ganz so erschreckend, wie sie zuerst scheint, denn der Begriff ״Unfälle“ ist weit gefaßt. Die Rettungsstation, von der das Material stammt, bezeichnet 3815 Fälle als leichte Verwundungen und darunter figurieren auch Bienenstiche und Verbrennungen. In 101 Fällen mußte Ertrinkenden Hilfe geleistet werden. 173 schwere Verwundungen kamen vor. Die Rettungsstation wendet sich besonders gegen das Baden an hierzu nicht freigegebenen Stellen, gegen das Werten von Ballert und auch von Steinen, während sich Hunderte von Kindern und Erwachsenen im Umkreis der Spielenden bewegen. Würde die Stadtverwaltung gegen diese Dinge vorehen, wie es in ihrer Macht steht, so würde sie damit ie Hauptursachen für die vielen Unfälle beseitigen. Famlllen-NacHricltlen, Herr Albert Blumberg (früher Lyck), Haifa, Uillcl-Str. 26, begeht am 5. November den 70. Geburtstag. Barmiiwah-Termin 1 Am 6. November (2. lvkiew): Sigurd Jacobi, Sohn von Martin Jacobi, Petach-Tikwah, Rechow Notdau.!Schluß des Palästina-Teils)