Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1937)
- Date
- 1937-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 81. 12. X. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Frager Brief Von unserem Berichterstatter Prag, S. Oktober Karpathorusslsche Autonomie. In dieser Woche sind die ersten entscheidenden Schritte zur Verwirklichung der Autonorme des östlichsten Gebietes der Tschechoslowakei, die schon in der tschechoslowakischen Verfassung versprochen wurde, unternommen worden. Es wurde ein aus 15 Personen bestehender Gubernialrat ernannt, der dem Gouverneur des Landes als beratendes Organ zur Seite stehen soll. Da in Kaipathorußland eine kompakte jüdische Minorität sieoelt, wurde der Installierung jenes ersten autonomen Organes auch von jüdischer Seite mit großem Interesse entgegengesehen. Die Regierung hat die Wünsche und Forderungen der jüdischen Minorität erfüllt und zwei Juden, den Zionisten Dr. Leopold Palkovitsch und den Orthodosen Kroo, in den Gubernialrat ernannt. In ganz Karathorußland fanden in der vergangenen Woche zahlreiche estkundgebungen statt, bei denen auch die Sprecher der jüdischen Minorität zu Worte kamen. Aufschwung des hebräischen Schulwesens. Auch in diesem Schuljahre weist die Schülerzahl am hebräischen Gymnasium in Munkacz eine beträchtliche Zunahme auf. Sie beträgt 400 gegen 37t) im vergangenen Schuljahr; die erste Klasse hat 54 Schüler. Im vergangenen Jahre konnte der große Bau des hebräischen Gymnasiums 11m eine moderne Turnhalle erweitert werden, ln Munkacz ist auch eine Aktion im Gange, um der hebräischen Volkss chule «in eigenes Gebäude zu schaffen. In den kommenden Mo* naten werden in Karpathorußland zwei neue hebräische Volksschulen errichtet werden, so daß die Zahl der hebräischen Volksschulen im Lande auf neun steigen wird. Masaryk-Trauerfeiern. Anläßlich des Ablebens des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei, T. G. Masaryk, fanden im ganzen Lande Trauergottesdienste in den Synagogen und zahllose jüdische Trauerkundgebungen statt. Viele jüdische Gemeinden haben den Beschluß gefaßt, das Andenken Masaryks durch Errichtung gemeinnütziger Stiftun gen zu ehren, ln Prag wird ein jüdisches Spital erlichtet werden, das den Namen Masaryks tragen soll. Allerorts wurden auch Bäume für den aut KKL-Bodcn in Palästina errichteten Masaryk-Wald gestiftet. Der Berliner Medizinalstatistikcr Dr. Georg W o 1 f f, in jüdischen Kreisen besonders durch seine Mitarbeit an dem von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland herausfegebenen Werk ״Tod und Todesursachen unter den Berliner uaen“ bekannt, hält aut Einladung der Universität London Antang Oktober drei Vorlesungen über ״Soziale und geo• graphische Pathologie von Krebs und Tuberkulose". Im Anschluß daran wird Dr. Wolff einem Rufe zu Forschung«־ zwecken nach Baltimore (USA.) Folge leisten. Unser Leben Allen, die es verstanden haben, zu meinem 70. Geburtstage (vgl. ״J. R.“ Nr. 78 — A. d. Red.) ihre Sympathie und freundschaftliche Gesinnung in so schöner Weise zum Ausdruck zu bringen, sage ich meinen herzlichen Dank. Gewiß ist die eine und düstere Seite des Lebens beherrscht vom Kampfe um das Dasein, oft in seiner schlimmen und erbarmungslosen Weise, — aber das schöne Gegenstück: die Hilfe und zarten Regungen des menschlichen Herzens können glücklicherweise auch nicht übersehen werden. Es gibt schon nicht wenige Momente in unserm Leben, wo gerade seine Lichtseiten uns beglückend zum Durchbruch kommen und trotz aller Trübsal uns wieder neuen Lebensmut bringen. Doch dies wird nur Sinn und Ziel bekommen, wenn wir mit dem großen Arzte und Denker Ottomar Rosenbach, der dem ärztlichen Berufe seine hohen Aufgaben gestellt hatte wie vielleicht keiner zuvor, annehmen, daß ״wir gelebt, bzw. umgebildet oder gelenkt werden wie Werkzeuge unter der Macht einer höheren fntelligenz“, wozu ich freilich bemerken muß, daß wir eine solche Intelligenz nicht mit dem beschränkten menschlichen Intellekt etwa verwechseln dürfen. Unser Leben ist keine leere, bedeutungslose, vorübergehende Begebenheit, sondern in seiner Tiefe verankert in einer umgreifenden, höheren Wirklichkeit, die wir ahnen, aber nicht mit unserem In• tellekt verstehen können. Daher sollen wir mit Spinoza sagen: ״Der freie Mensch denkt an nichts w'eniger als an den Tod, und seine Weisheit ist nicht ein Nachsinnen über den Tod, sondern ein Nachsinnen über das Lehen“. — Der Wille zum Leben aber nimmt seinen Weg durch Werden un d Vergehen, oft genug in schmerzliehen Rückschlägen, aber doch immer wieder zu befreiendem Aufstieg. Möget ihr alle, die ihr meiner so freundlich gedacht habt, aus diesen Gedanken Kraft und Mut schöpfen, 1m Leben tapfer auszuhalten, — das sei mein Wunsch und mein Dank. Otto Juliusburger Die Zahl der jüdischen Aerzte. Nach dem neuen ״Verzeichnis der deutschen Aerzte und Heilanstalten“ (Reichs• medizinalkalcnder für Deutschland, Teil II), gibt es an jüdischen Aerzten im Sinne des Reichs hürgergesetzes in Deutschland: 4220. Von der Gesamtzahl der Aerzte im Reich sind dies 7,7 ״b. Wenn man aber nur die Zahl der niedergelassenen Aerzte heranzieht, dann ergibt sich, daß von 37 525 Aerzten 3748 rund 10 ״« Juden sind. In Berlin weist das Verzeichnis 1824 jüdische Aerzte aus; in weitem Abstand folgt dann Niederschlesien mit 324, Bayern mit 301 und Hessen-Nassau mit 2<)0. In Berlin beträgt der Anteil der jüdischen Aerzte 27,2 ",0, in Breslau 26,2 <•», in Frankfurt a. M. 22,8 0.״, in Hamburg 14,7 «0 und in München 6,6 °/0. Auf diese fünf Städte konzentrieren sich 62,4 ״׳״ aller jüdischen Aerzte oder 73 0״ aller jüdischen Großstadt-Aerztc. MAX WBISS11R BIRLIN W, nur Kleiatstraa• 12 Enorm• Auswahl — Bill. Preise! Mini•!, V, FUchse, Cap««, Krawall., all. Fell» . Harri. Modell«. - Firma bUrgt tUr QualitA t Der Fleischerstreik in New York ist beendet worden. Die Schlächter glauben, daß ihr Streik die gewünschte Wirkung gehabt hat, da er die Aufmerksamkeit der staatlichen und städtischen Behörden erregt hat. Es findet bereits eine Konferenz zwischen Sachverständigen des Landwirtschafts, ministeriums und städtischen Beamten statt, und inan er* wartet eine Beilegung aller Differenzen. Hebräischer Lesestoff. Dem Mangel an hebräischem Lese״ stoff will das Tarbuthdezernat der ZVfD. begegnen, indem es unter der Redaktion von Dr, Kaie ko eine Reihe von Heften mit Lesestoff, ״Dapim“ betitelt, herausgibt. Die erste Nummer ist bereits erschienen. Das hübsch ausgestattete Heft bringt in gut lesbarer, photokopierter Druck- Schrift Erzählungen, Aufsätze, Gedichte und Zeitungsartikel, die der hebräischen Presse entnommen sind, teils punktiert, teils unpunktiert. Es bietet somit Lern- und Lesematerial für alle Stufen des Unterrichts. Im Gegensatz zu der mehr literarischen Sprache der Lehrbücher enthält das Heft Bei• spiele aus der modernen Alltagssprachc, wie sie iin Lande gesprochen wird. Auch die hebräisch lernende Jugend findet in den ״Dapiin“ Lesestoff, z. B. Berichte und Erzählungen aus dem Leben und der Arbeit der Jugcndalijah aus Deutschland. Zum Schluß ist ein Verzeichnis der weniger bekannten Vokabeln beigefiigt. Bei dem großen Erfolg, den das Heft gefunden hat, wird hoffentlich das zweite Heit nicht lange aut sich warten lassen. A. D, Pu״pen von Edith Samuel. Die Jugcndalijah zeigte wäh• rend i.es Züricher Kongresses unter dem Titel ״Jüdische Kinder“ Puppen der in Berlin lebenden jungen Bildliauerin Edith Samuel. Mit Recht fanden die Puppenkinder ihren Platz in dieser Ausstellung, denn die Stoffpuppen von Edith Samuel sind künstlerisch bestes Porträt unserer Jugend. Mit Kunstgevverbe und vor allem mit Puppen i!n üblichen Sinn haben diese kleinen Kunstwerke nichts zu tun. Die Künstlerin hat die Stoffpnppentechnik gewählt, um diesen lebendigen jungen und Mädchen bewegliche Gliederchen zu gehen. Mit verblüffender Sicherheit ist das Wesen jedes einzelnen Kindes erfaßt, und die Eigenart wird noch durch die jeweils von der Künstlerin gewählte Kleidung unterstrichen. Die Welt des Kindes wird in flott gezeichneten Bilderbüchern und Entwürfen zu Kinderspielen geschildert, jüdische Kinder in allen nur erdenklichen Bewegmigsphasen hat die Künstlerin in Gruppen kleiner Bastpüppchen fest• gehalten. Wir begegnen auch Kinclerplasfiken in Terrakotta, die den Eindruck, den wir von der jungen Bildhauerin empfingen, aufschlußreich ergänzen. In der Stoffpuppen* technik aber hat Editli Samuel ihren eigenen Stil gefunden, der sie befähigt, lebensvolle Bildnisse unserer jüdischen Kinder zu schaffen. Dr. Irmgard Schüler UNTERRICHT UND ERZIEHUNG ZEICHENUNTERRICHT MODE - KONFEKTION , REKLAME - SCHRIFT . Nur (Cr. Juden ... Berlin WT5 ' Jefsl: Ueizenburger Slrafle J Fernsprecher: 02.5810 HERBERT COHN (HERKO) Spanisch ■ngllsch Saragossa, Oxford, ־ it*r Staat!. geprüft, preisw, (such Schnellkurs«). Mir!. Stelnbirs Berlin. Rufi 91 54 2. 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