Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1937)
- Date
- 1937-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81, 12. X. IP37 :jüdische Wovon man in Budapest spricht und liest Von unserem Berichterstatter Budapest, 4. Oktober König(. Kurie entscheidet: Judentum ist Konfession. Zwei Sensenkreiizler waren angeklagt, Plakate verbreitet zu haben, mit der Aufschrift: ״Wer beim Juden kauft, ist ein Verräter der ungarischen Hasse". Iin Instanzenwege kam die Angelegenheit vor das höchste Gericht, das die beiden 2u Gefängnisstrafe verurteilte. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß das Judentum nach gültiger Kurialentsciieidüng keine Rasse sei, sondern eine Konfession, die Angeklagten hätten sich also einer Aufreizung gegen die Konfession schuldig gemacht. Major a. D. Franz Szdlasi meint es anders. Vor dem Budapester Strafgerichtshof fand heute ein Preß- und Krimiiialprozeß gegen den Führer der ״Partei des nationalen Willens“, Franz S z ä I a s i, statt, der in einer Reihe von Flugschriften;zum Umsturz der staatlichen und gesetlscluftliehen Ordnung aufgefordert hatte, In der einen heißt es u. a.: ״Der ungarische Arbeiter soll befreit werden von den Fesseln der tyrannischen Wilikürherrschaft der unter jüdischer Füh* rung stehenden Gewerkschaften und den habgierigen Krallen des feudalen, kapitalistischen, nationfeindlichen Judentums ... Der ungarische Staat der Juden hat den Arbeiter zu einem gott- und vaterlandslosen Vagabunden proletarisiert.“ Der Verteidiger beantragte, das Justizministerium möge befragt Werden, ob das Gesetz über den ininieriis clausus gegen das Judentum als Rasse oder als Konfession gerichtet sei... Die Verhandlung wurde vertagt, um festzustellen, ob Szälasi vom Vizegespan des Rester Komi tat es eine behördliche Bewilügung zur Verbreitung seiner Publikationen erhalten habe, Wie er an gab. Der Pfellkreuzlergraf In Nöten. Graf Alexander Festelieh, der erst in jüngster Zeit einen bedeutenden Teil seines Großgrundbesitzes 1 u!nidiereti mußte, ist wieder beim Justizminister cingekotnmen, 3000 Joch seines Fideikommiß frei veräußern zu dürfen, um seinen verschiedenen Verpflichtungen, die seinen Grund und Boden belasten, naciiKommeti zu können. Literarische■ Der Universitätsprofessor I)r. Eduard Mahler, von dessen SO. Geburtstag wir schon jüngst Mitteilung machten, wurde aus diesem Anlaß mit einer > ״Festschrift“ beehrt, zu der ■18 in- und ausländische Gelehrte, meist Schüler und Mitarbeitcr Mahlers, wissenschaftliche Beiträge lieferten. Der Prachtband wurde dem Jubilar vom Vorsitzenden der Ungar־,- sehen Israelitischen l.iteraturgesellschaft, Direktor Adolf W e rt h e sni e r. tiberreicht, während ihm Geheimrat Julius Korn iss, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, im Namen der Akademie der Wissenschaften, Professor St. Henlein von seiten der Universität huldigten. Einer der anerkanntesten Publizisten des heutigen .Lh»- garns, Köbor Tainäs, Chefredakteur der ״U j s ä g , feierte seinen 70. Geburtstag. In der Umgebung und Ideenwelt eines Stefan T1' s z a aufgewachsen, kämpft Köbor auch heute für die Ideale des Liberalismus. Köbor, der dieses Pseudonvm einer populären Figur Aranyscher Dichtung entlehnte, hat die Schilderung des noch proeiiizbehafteten, aber regsamen jüdischen Bürgertums der Hauptstadt in die Literatur eingeführt und besonders mit seinem dreibändigen Roman: ״Hinans au$• dem Ghetto“ großen Beifall gefunden; «Köbor ist Vorsitzender des Vorlcsungsausschusses der Ungarischen lsraeiitischen Literaturgesellschaft Unter der Aegide der Pestcr Israelitischen •Gemeinde, redigiert von dem derzeitigen Stellvertreter Köbors, dem Schriftsteller Bela Z s o 11, soll dieser Tage eine neue Jujjend- Zeitschrift erscheinen, die die jugendlichen Kreise der Hauptstadt in national-religiöser Richtung aufklären und bccin- Russen soll. Anläßlich des 70jährigen Jubiläums der ״Ungarischen Historischen Gesellschaft״, deren Vorsitzender, Kultusminister flöinan. dein jüngst verstorbene•:! Prof. Munkäcsi seine ersten literarischen Sporen verdankte, stellt ״Z s i d ö Eiet“ jene jüdischen und als Juden gebürtiger! Historiker zusammen, die für die Ausgestaltung der ungarischen Geschichtsschre!- bung von Bedeutung waren. Unter den Getauften ist wohl der Tituiar-Bisdiof von Rom, (icncrnlsckrctär der Akademie, Wilhelm Fraknöi, der bekannteste, während sich um die Erforschung der jndengeschichte besonders der erste unarische Seelsorger von Pest, Dr. Samuel Kolm, große 'erriienste erworben har. Die meisten Rabbiner des Landes haben die Gest luchte ihrer Gemeinde bearbeitet. Die A i t o f e n e r j ü d i sc h e G e mein d e, heute im III. Verwaltungsbezirk der Hauptstadt, beging dieser Tage, wie ihr Archivar S. (iälosi in einem ausführlichen Zeitungsinterview ausfuhrt, ihren 200. Geburtstag. Vom 29. September ]717 ist jene hebräisch geschriebene Urkunde datiert, in der die Gräfin Zieh y den in Altofen seit Jahren ansässigen Juden Gemeitidereänc verlieh. Ein Gebetbuch, In religiösen Kreisen spricht man viel über ein neues Gebetbuch ,״ בנערינו ובזהנינוMit unserer Jugend und mit unserem Alter‘, dessen Verfasser, Rcligionsinspcktor Dr. Moritz F c!1 y e s, die Gebete nicht einfach übersetzt, sondern sie den Bedürfnissen des modernen Beters anzupassen stiehl. Leider überwiegt statt der schlichten Einfalt des Siddurs hei Frnycs die Reflexion und Predigt, um! er sagt in der Einleitung selbst, seine ״Gebete“ konnten in bescheiden ausgestatteten Gemeinden auch den Tempelvortrag des Rabbiners ersetzen. Alles in allem: ein interessanter Versuch. Dr. A. F. Aktion für die Falaschas Der italienische Kolonien minister Alessandro Lessona hat den stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien, Ing. Guido Zevi, und das Mitglied des Vorstandes des Verbandes, Adv. Carlo Alberto Viterb«, in längerer Audienz empfangen. Die beiden überreichten dem Minister ein ausführliches Memorandum über die Lage der Falaschas und die Organisation der jüdischen Gemeinden in Abessinien. Adv. V'ilerbo war seinerzeit vom Verband der jüdischen Gemeinden in Italien mit Zustimmung der italienischen Regierung nach Abessinien entsandt worden, um jüdische Gemeinden in Addis Aheba und in Dire Datia zu gründen, ferner an Ort und Steile die Verhältnisse und Bräuche der Falaschas zu studieren. Adv. Viterbo weilte von August 1936 bis März 1937 in Abessinien und besuchte während dieser Zeit auch die entlegenen Falascha-Siedlungeri in Gondar. Der Bericht, den der Verband der jüdischen Oemeinden in Italien nun dem Kolonienminister Lessona unterbreitet hat, befaßt sich hauptsächlich mit der Notwendigkeit, für die Falaschas ein geordnetes Schulwesen ins Leben zu rufen und ihnen außer einer jüdischen Erziehung auch die Möglichkeit einer modernen landwirtschaftlichen una fachlichen Ausbildung zu geben. Der Kolonienminister versprach, die Vorschläge Adv. Viterbos und die Wünsche des Verbandes der jüdischen Gemeinden nach Hilfe- Leistung lür die Falaschas eingehend zu prüfen. (Vgl. Nr. 78, 79) Der ewige Jude Es war Im vergangenen Sommer in einem ostslowakischen Städtchen. Der kleine Bahnhof lag ruhig und verlassen da; der Mittagszug hatte kurz zuvor die Station passiert und der nächste Zug sollte erst in zwei Stunden abgehen, — Um diese Zeit stand ich auf der Bahn- Station. Ich habe die Gewohnheit, sobald ich mich in einem fremden Ort befinde, hin und wieder auch einmal zum Bahnhof zu pilgern; gerade dort erlebt man häufig Neues, Unbekanntes, Charakteristisches. Gleich nach Abfahrt des Mittagsschnellzuges, als der Bahnsteig sich schon völlig geleert hatte, betrat hastig, vom schnellen Laufen sichtlich angestrengt, ein Jude, ein Händler mit seinem Packen auf dem Rücken den Bahnsteig. Er hatte den Zug versäumt und war gezwungen, nun zwei Stunden zu warten. — Da wir beide ganz allein waren, setzte ich mich neben ihm auf die Bank und begann, ohne irgendwelche Ueberleitung, mit ihm ein Gespräch. Jetzt erst sah ich diese Gestalt deutlich vor mir. Der erste Eindruck: die personifizierte^ Armut. Jacke und Hosen an mehreren Stellen geflickt, die Stiefel, deren Sohlen völlig durchgelaufen, waren von den langen Fußwanderungen dick mit Staub bedeckt. Eine ebenso ärmliche Kopfbedeckung, einen schweren Rucksack am Rücken, einen Stock in der Hand und eine langsam schwelende Tabakpfeife im Munde: so erlebte ich in einem fremden Lande einen Angehörigen unseres Volkes, einen Typus von der Art des ״ewigen Juden“. — Doch hinter dieser Armut verbarg sich eine edle Denkweise, eine Gesinnung, die man von dem interessanten, beinahe gepflegten Gesicht mit den dunklen leuchtenden Augen und dem gestutzten Bart ahlesen konnte. Er ist in Lipca bei Chust beheimatet, tief in Karpatho- Rußland, dem östlichsten Zipfel der tschechoslowakischen Republik, dort, wo es noch ein eigenständiges jüdisches Leben gibt. Dort lebt seine Frau, während er dauernd unterwegs ist, Karpatho-Rußland und die Slowakei bereist, und wenn es zum Fahrgeld nicht ausreicht — auch durchwandert. Er verkauft Siddnrim, Tefillin, Mesusoth und ähnliches, und zu Rösch Haschanah und Jom Kippur Gliickwunsehkarten aus Erez Israel. Seiner Frau schickt er wöchentlich die paar Kronen per Post ein. Nur zu den Feiertagen ist er zu Hause. Ihm liegt das Erzählen nicht. Alles muß mau aus ihm herauspressen. Von sich erzählt er sehr wenig, von seiner Nolage — überhaupt nichts. Ihm scheint sein persönliches Los ziemlich gleichgültig zu sein: ״Gott wird helfen, Gott muß helfen seinem Volk.“ Das wiederholt er dauernd, das ist für ihn felsenfeste IJeberzcugung, die ihn alles leicht ertragen läßt. Ja, es scheint mir, als ob ich sein Leid mehr fühle als er selbst. Von Verzweiflung oder Resignation ist bei ihm nicht das mindeste zu spüren, im Gegenteil: eine Persönlichkeit von so innerer Harmonie, was bei einem so kärglichen Wanderleben in Erstaunen setzt. ־— Er hat nicht so sehr Interesse für Einzelschicksale, ihn interessiert das Ganze. Er ist über die jüdische Lage in der Welt •ziemlich gut informiert, er kennt genau die Vorgänge in Erez Israel und er verstellt es in wunderbarer Weise, auf Grund seiner tiefen jüdisch-religiösen Bildung, den Ereignissen einen Sinn zu geben. Ihm ist nichts problematisch, er versteht alles, — Und eines beeindruckte mich noch besonders: er sprach weder abfällig noch fluchte er den Menschen unseres Volkes, die nicht den Weg zur Thora gefunden haben. Wirklicher Jude ist fiir ihn, selbstverständlich, derjenige, der _ auch seine Pflichten gegenüber Gott erfüllt in der Weise, wie sie Ausländer in Frankreich Scharf• Forderungen Herriots Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Oktober Im Zusammenhang mit den neuen Regierungsbeschliissen über die Fremdenkontrolle erscheint eine Rede des Kammerpräsidenten Edouard Herriot, die sich mit der Frage der Ausländer in Frankreich beschäftigte, besonders bemerkenswert. Präsident Herriot war auch Vorsitzender des Fremdenausschusses, der zu Beginn der französischen Wirtschaftskrise die Abschiebung der überzähligen ausländischen Arbeitskräfte einleitete, ln seiner Rede beschäftigte sich Präsident Herriot zuerst mit der Frage der ausländischen Gewerbetreibenden in Frankreich. Er stellte fest, ,,daß viele ausländische Gewerbetreibende in Frankreich sich an Stelle der nicht erhältlichen Arbeitskarte eine Karte als Gewerbetreibender verschafft hätten und nun — teilweise als Agenten ausländischer Firmen — den französischen Gewerbetreibenden Schmutzkonkurrenz machen“. Präsident Herriot fordert daher eine Verschärfung der Kon troll vor- Schriften gegen diese Kategorie von Fremden. Herriot wies ferner aut die von Ausländern auf französischem Boden begangenen Attentate hin und bezeiehnete die ausländischen Arbeiter als eine wahre Gefährdung der französischen Arbeit, ln Lyon gibt es z. B. mehr Ausländer als Arbeitslose. Audi das Problem der Naturalisationen ist in Frankreich schlecht geregelt. Herriot fordert eine scharfe Kontrolle der Naturalisationen durch das Außenministerium und unterscheidet unter den Ausländern drei Kategorien: diejenigen, di« sich in Frankreich assimilieren und ihren Pflicliten als französischer Staatsbürger, besonders auch hinsichtlieh des Militärdienstes, nachkommen, die störenden Elcmente, die einfach ausgewiesen werden müssen, und schließlieh jenes ״labile“ Element, das seine wirtschaftliche Existenz in Frankreich sucht, sieh dort aber nicht einwurzeln will. Dieser letzten Kategorie gegenüber müssen die französischen Arbeiter bei der Ärbeitszutcilung vorgezogen werden. Den Ausführungen des Präsidenten Herriot kommt für die künftige französische Fremdenpolitik sicherlich erhebliche Bedeutung zu. * Anläßlich der französischen Kantonahvahlen ist in Elsaß eine neu« antisemitisc 11 •e Partei gebildet worden, die sich aus Dissidenten der clsässischcn Autonomisten und der Volkspartei zusammensetzt. Diese neue Partei nennt sich ״Partei Jung-Elsaß-Lothringen“ und vertritt ein radikal antisemitisches Programm. Die Leiterin der Abteilung für Sozialarbeit beim Waad Leumi, Miss Henrietta Szolü, die auch die Unterbringung der Jugendaliiah in Palästina organisiert, hat sich für zwei Monate nach Amerika begeben. Thora und mündliche Ueberliefcrung vorschreiben, derjenige, der sich jeden Morgen in Talith und Tefillin klcidrt und seinem Schöpfer dankt, daß er ihn hat erwachen lassen. Aber, so sagt er weiter, ״es ist nicht so leicht zu sein a Jid, a einefldiger (wahrer) Jid.״ Die Zeiten werden kommen und werden es ändern, wie sie schon vieles geändert haben. Auch das ist für ihn unumstößliche Ueberzeuguiig. Ais ich mich verabschieden und ihm ein Fünf-Kroncnstück in die Hand drücken wollte, da lehnte er ab... nur wenn ich ihm etwas abkaufen will, geschenkt will er nichts,- Ich kaufe bei ihm die illustrierten Gliickwunsehkarten aus Erez Israel mit der hebräischen Aufschrift: ״Im eschkachech Jeruschalajim..Mit vielen Wünschen auf den Lippen entließ er mich. Siegfried Geller, Berlin Feiertage ixt Italien*) Ich bin zu Studienzwecken in Padua, einem Ort, der durch das (einstmalige) Grab des in diesem Jahre gefeierten Abrabanel auch den Juden in Deutschland bekannt geworden ist. Der Tempel, in venezianischem Stil gehalten, liegt in ersten Stock des Gemeindehauses, in einer schmalen Seitengasse, aber unmittelbar neben den großen Verkehrsstraßen. Ich habe ihn die ganzen Feiertage hindurch besucht und ein _ um so eindrucksvolleres Bild erhalten, als ich mich fast ein Jahr lang in Berlin aufgehalten habe. Die sefardischc Aussprache klingt uns heute nicht mehr so fremdartig wie vielleicht noch vor f> Jahren, und wird der kommenden Generation erst recht keine Schwierigkeiten mehr machen. Die Gebete werden, mit Ausnahme der Tfilla, alle laut vorgetragen, auch das ganze Schma Jisracl. Die Melodien sind eintönig, aber mehr Dur als Moll, und erinnern zuweilen, z. B. beim Vortrag d«s Hallet, etwas an Tanzrhythmen. Zweierlei ist liier feierlicher gestaltet als dort: der Priestersegen und die Hagboh, das Einporlicben der Thora, die nach allen drei Seiten lierumgezeigt wird, unter dem Gesang des Chores. Unvergeßlich bleibt mir, wie am zweiten Tag Roseh Haschanah ein älterer, mit Orden dekorierter Herr während dieses Aktes den Tempel betraf, an der Tür stehen blieb und die Thora mit erhobener Rechten grüßte. An Sukkoth-Feiertagen wirkt der Chor nebst Orgel sowohl an den Vorabenden wie zu Mussaf mit. Insbesondere gefiel mir ein an allen Abenden des Sukkoth-Festes innig komponiertes und tonsehön gesungenes Haschkhvenu. Da, wie gesagt, fast alle Gebete vom Vorbeter laut vorgetragen werden, tritt die Mitwirkung der Gemeinde beim Gottesdienst mehr in den Hintergrund als dort; es hat aber den Vorteil, daß der Genuß der gesanglichen Leistungen nicht beeinträchtigt wird, wie es dureli gelegentliches, aber falsches Mitsingen in dortigen Synagogen mit gesanglich hervorragend schönem Chor, z. B. in der Rykestraße, der Fall ist. Unter den Abweichungen vom dortigen Ritus erscheint mir am bemerkenswertesten, daß am ^imchafh Thora das Vorlesen von Bcresehith mithin auch das Ausheben einer dritten Thorarolle unterbleibt. Auch eine Seelcnfct'cr wie dort am Scheminl Azefjrtji scheint hier nicht bekannt zu sein. Dagegen werden an diesem Tage die Kinder gesegnet. Der Vorbeter trägt stets zu Mussaf den Kittel, wie an den hohen Feiertagen. Dr. John Blumenhein, Padua (Italien) *) Siebe auch den Bericht über Jom Kippur in Italien in Nr. 78. IN ALLER KURZE Die Abteilung Edge Hill der British Legion in Liverpool veranstaltete in der Neuen Synagoge der Greenbankdrive* Gemeinde einen Ge denk gottesdien st für die jüdisehen Kriegsgefalle 11 en. Nach dem Gottesdienst nahm Major Neville Blond aus Manchester den Vorbeimarsch der Legionäre ab. Auf ein Huldigungstelegramm war von König Georg VT. aus Schloß Balmoral ein Telegrsmni eingetroffen, in dem den Mitgliedern der Abteilung Edge Hill der British Legion und allen in der Oreenbankdrivc-Synagoge versammelten Kriegsteilnehmern der aufrichtige Dank des Königs für di« Huldigung und Glückwünsche, die Seine Majestät hoch zu schätzen wisse, ausgesprochen wird. Das öffentliche Tragen des Abzeichens des Antisemiteiibundes ist in ganz Oesterreich bewilligt worden. Auf dem in Athen stattfindenden Kongreß gegen Gotteslästerung wird die jüdische Religionsgemeinschaff durch den Athener Oberrabbiner B a r z i 1 a y vertreten. Der Oberrabbiner erhielt einen Sitz neben dem Vor* sitzenden des Kongresses, dem Erzbischof von Athen- Die Propagandadelegatior der christlich-palästinensischen Araber ist in Athen cingetroffen. Ihre Mitglieder haben Unterredungen mit dem griechisch-orthodoxen Erzbischof und Mitgliedern der Regierung abgehatten. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Ancotta ist wegen der zwischen Zionisten und Nichtzionisten bestehenden Meinungsverschiedenheiten zutückgetrcten. Die Neuwahlen sind iür Ende Oktober ausgeschrieben worden. Anläßlich des 65jährigen Jubiläums der wissenschaftlichen und Lehrtätigkeit des jüdischen Mathematikers _ und Pro* fessors honoris causa der Warschauer Universität, Samuel Dickst c in, fand eine Feier statt, an der sich die Vertreter der polnischen Wissenschaft und zahlreiche Freunde und Schüler des Gelehrten beteiligten. Dr. Walter Fisehel, Jerusalem, der sich auf einer Vor* tragsreis« durch die Vereinigten Staaten und Kanada befindet, wird aut der Tagung der Hadassah in Atlantic City ein Referat über ״Orientalische Judenfragen“ halten. Zur Erinnerung an den verstorbenen amerikanlsch-jü* dischen Komponisten George Gershwin soll in Palästina ein aus 10 000 Bäumen bestehender Wald gepflanzt werden. Anläßlich der Errichtung־ einer neuen großen Sternwarte in London-MilIhill wurde der jüdische Gelehrte Dr. Arthur Beer als Astronom an die Universität London berufen. Seit mehr als drei Jahren arbeitete Dr. Beer am Solar Physics Observator)־ in Cambridge. Früher war er an der Universitätssternwarte in Breslau und an der Deutschen Seewarte in Hamburg tätig. Dem jungen jüdischen Gelehrten Prof. Bruno Rossi in Padua ist der von der Socicta per il progresso dclle scienze gestiftete Preis von 10 000 Lire für erfolgreiche Forschungen auf dem Gebiet der Chemie und Physik zuerkannt worden.