Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 80 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 80, 8. X. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seif« 3 Werfel-Premiere in Wien Ein großer Erfolg Von unserem Wiener Berichterstatter J. R., Wien, 6. Oktober Unter allen Zeichen eines ganz außerordentlichen künst• lerischen und gesellschaftlichen Ereignisses ging gestern, Dienstag, die mit Spannung erwartete Uraufführung von Franz Werfels jüngstem Drama ״In einer Nacht“ unter der Regie Max Reinhardts im Theater in der Josefstadt vor sich. Die Aufführung, der Bundeskanzler von Schuschnigg, sowie die Spitzen des geistigen und künstlerischen Wien beiwohnten, gestaltete sich zu einem der glanzvollsten Theaterabende der letzten Jahre. Rein äußerlich schon bot das Josefstädter-Theater an diesem Premierenabend ein Bild, das an die ruhmreichste Aera der großen Reinhardt - Aufführungen erinnerte. Werfels verklärte Dichtung, Reinhardts Meisterregic und das großartige Spiel der Hauptdarsteller, allen voran Helene Th i m ig-Reinhardt, sowie Anton Edthofer und Attila Hörbiger, fanden begeisterten Beifall. Zinn Schluß der Aufführung wurden Reinhardt und Werfel mit den Schauspielern stürmisch gefeiert. Im Anschluß an die Premiere fand zu Ehren Werfels und Reinhardts ein von Direktor Lothar und seiner Gattin Adrienne Geßner in den Sfräußelsälen veranstalteter Empfang statt, an dein Bundeskanzler Schuschnigg, Kultusminister Dr. P e r n t e r, Staatssekretär Z e r n a 11 o und andere Mitglieder der Regierung, sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus Kunst- und Diplomatenkreisen teilnalnnen. * Ueber das Stück selbst schreibt uns unser Prospero-iAHarbeiter aus Wien: Mit diesem Schauspiel ,,Tn einer Nacht״ ist dem Lyriker und Epiker Franz Werfel der Durchbruch zum Drama geglückt. Diese Liebesgeschichte einer Frau zwischen zwei Männern, dieses Liebesdrama, dessen zuverlässiger Motor Gelegenheitspoesie Kleine Naditwadien von Ludwig Strauß Von diesen ״Sprüchen in Versen" (Schocken• Bücherei S3) stellt der Dichter fest, daß sie ״manchen Leuten Vergnügen machen“, die er sonst nicht zu seinen Leserkreisen zählen kann. Fast wundert er sich selbst darüber, daß so etwas ״Leichtes" ihm gelungen ist. Und so gibt er dem Leser den ״Rat zum Abschied“, von diesen ״Kleinen Nachtwachen“ nicht auf die ״Nachtwache“ zu schließen, sein nicht ebenso leicht zugiin liebes lyrisches Hauptwerk, das seine zwischen 1919 und 1933 entstandenen Gedichte vereinigt (und von Schocken aus dem früheren Verlage übernominell wurde). Der Dichter — mit Wolfskeh! und Monibert, mit Beer-Hofmann und Werfel die Kammhöhe der zeitgenössischtm jüdischen Dichtung in deutscher Sprache, deren Anblick von den allzuvielen jüdisch reimenden Tagesschrei־ bern oftmals durch Wolken verhüllt wird — warnt die Bewunderer dieser Gelegonhcitspocsie vor der Anschaffung der ״Nachtwache“, aber ... er gibt sich der Hoffnung hin, daß diese Warnung so ungehört wie die anderen in diesem Versband ausgesprochenen verhalle. Warnungen nämlich enthalten die beiden Spruchzyklen dieses Bandes, die während der Unruhen von 1936 in Jerusalem und im Kibbuz Hasorea geschaffen wurden, wiihrend der Dichter aut Wache stand. Und er faßt sein Wächteramt heilig auf, nimmt nicht nur auf den feindlichen Nachkommen Ismael bezug, der die junge, gemeinsam bewirtschäftete Arbeitersiedlung am Südwestrand der Ebene Jesreel, der Strauß sich eingeordnet hat, jetzt bedroht, sondern auch aut seine Brüder in Erez Israel, die den Aufbau des Landes nicht gefährden sollen, indem ihre Presse die arabischen Wortexzesse!nitmacht. So sind auch diese Verse des vierundvierzigjährigen Ludwig Strauß, dessen erste Gedichte aus dem Jahre 1913 stammen, ״Rufe an die Zeit“, Dienst an der Gemeinschaft, für die er nun seit fast einem Vierteljahrhundert auf Wache steht — ,,in verschiedenen Zeiten und Zonen, gegen Mensehen und gegen Dämonen, gegen Krankheiten, gegen Kationen, ... gegen Juden, Mohammedaner und Christen, gegen Im• und Expressionisten und gegen sein Ich..,“ Einer, dem Dichtersein Berufung und Judesein Verpflidifung ist, hafte er sich den Richtungen und Mode- Schlagworten ferngeh,•dten, und als er Deutschland verlassen hatte, machte er mit dem Ideal der Gemeinschaft im Heiligen Lande Ernst, lehnte er im Kibbuz literarische Brotarbeit ab; Um für das Brot der anderen zu sorgen, beanspruchte er keine Zeit für eigenes Schaffen schriftstellerischer Art■ Um so freier strömte das Dichten aus dem Müssen heraus, Gedanken überfielen ihn, während er Wache hielt, formten sich zu Versen ... und es tut ihnen keinen Eintrag, daß die Sprüche mitunter gereimt sind wie Hoehzcitskarmina, studentische Bierpredigten, kurz Gelegenheitspoesie von Festrednern. Ge- Tade daß sie ״Spiel" sind, nicht Verdichtung des ״Schwierigen“, zeugt hier von der Unmittelbarkeit des Erlebnisses hei der Gelegenheit des Wachehaltens — Gelegenheitspoesie echtester Art, Daß selbst hierzu eine Souveränität des Wortes gehört, Weiß jeder, der sieh einmal auch nur mit Gelegcnheitsdichtungen abgegeben hat, und ein wortmächtiger Tyriker wie Ludwig Strauß weiß den Tonfall der ״Geiegenheitspoesie“ auch als Kunstmitte! der fronie zu verwenden. Der eingangs erwähnte ״Rat an den Leser" ist nur ein kleines Beispiel dafür. Häufig genug steigert sich seine Poesie zu Heinescher Geisteswaffe, was etwas anderes ist als die leichtfertige Nachahmung der Hcine-Weis'. Zu ihm führt eine legitime Linie über Heine von Jehuda Halcvy her, dessen Versform in einem kunstvollen Gedicht mit dein einundzwanzigmaligen Reimwort ״Erde“ auflebt. Es ist die Ewigkeit jüdischer Melodie. Audi hebräische Worte weiß er zwingend auf solche der Sprache, in der er dichtet, zu reimen. In den nur spielerischen Reimen leben wir die Ent- Stellung der ״Kleinen Nachtwachen“ nach, die ״schwierigen“ bewundern wir. Von seiner Ethik lassen wir uns mahnen, auch wenn sie sich der Form der Ironie bedient, und wir lieber! sein Dichtertum, wenn es Mensch und Tier, Gestirne und Landschaft liebend umfängt und naturnah singt; ״Iris und Narzisse, / Zyklane und Anemone, / Blüten in ebenen Auen / Und aufwärts den steinigen Stieg, / Sanken fns Ungewisse. / Darf ich mich freuen, im Glanze / Morgen sie wieder zu schauen? / Frühling, darf ich dir trauen? / Fühlst du in solchem Kranze / Morgen den Frieden zum Throne / Oder neuen Krieg?“ Lutz Weltmann Der Baßbuffo Fritz Ollen dorft Ist an die Baseler Oper engagiert worden. ein handfester Kriminalfall ist, ist ein Theaterstück, das herz- Haft angepackt ist, dessen Rhythmus uns von der ersten Szene an fasziniert und nicht mehr losläßt, bis der Mörder — ein mordender Rivale — verhaftet ist und der Schluß die überrascliende, fast effektvolle Umbiegung bringt: das Erwachen des Ermordeten aus dem Scheintod; ein glückliches Liebespaar; ein glückliches Ende. Freilich blinzelt auch jetzt noch durch das Dramengerippe jener andere Werfel, der einmal ein Expressionist gewesen ist. Man nimmt dies aber als ein Ornament am Gesims eines richtig gehanten Dramcngebäudes, und zuletzt hat man die personifizierte ,.Stimme׳‘, die im Mitfelakt hörbar und gespenstisch sichtbar wird, kaum mehr im Ohr. Uni so stärker ist in uns das St tick Gefühl, das nicht von dem Theatraliker, das von (lern Dichter Werfel stammt. In dieser ״einen Nacht" vor Allerseelen geschieht nicht allein das Verbrechen, die Liebestragödie, die unser Interesse hat und uns Herzklopfen verursacht. Da werden hinter menschliehen und erotischen Beziehungen Schicksale lebendig und gültig gestaltet: das Schicksal einer Ehe, die nie eine war; das Schicksal einer liebenden, zur Entsagung gezwungenen Frau; das Schicksal des Mannes, dessen lauter Liebes Inniger ungestillt bleiben muß, weil das Wesen dieser Fra« die Stille ist, die leise Glücksehnsuclit, die sie dem resignierenden Anderen verbindet; das Schicksal des Mannes also, der aus Liebe zum Mörder wird, in der Hoffnung, durch Töten, durch ״Einschmelzen“ des Andern zum Sieger zu werden. Im Vordergrund stellt ein Kriminalfali, und es knallen rund um ein einsames Schloß Schüsse in die Novembernaclit. Im Hintergrund jedoch vibriert eine Dichtung, und es geht um Menschliches. Diese Mischung wird das Glück dieses Dramas sein. Es ist die erste Inszenierung Max Reinhardts in Wien seit der ״Maria Stuart“ und der ״Geliebten Stimme“ (von Cocteau) von 1934. Abermals agiert auf dieser Meistcrsz.cne das Reinhardt-Ensemble: eine Fülle der Persönlichkeiten, eine majestätische Demonstration der Gesichter, Farben, Töne; eine bunte Vielfalt und eine dichtgefiigte Komposition; überflackert von den Lichtern ungezählter Episoden. Diese Aufführung ist größter und bester Reinhardt. Der Hobe Rabbi Löw Von Dr. Hilde Ottenheim er Die Gestalt des Rahhi hfliv, der mit dem Prag des 17. Jahrhunderts eng verknüpft ist, gewinnt durch die bevorsichende Berliner Auf führung des Leiwikschen ״Goleiit“, in dessen Mittelpunkt Rahhi Löw sieht, aktuelles Interesse. Die nachstehende kurze Darstellung seiner Persönlichkeit kommt daher zur rechten Zeit. (Red.) Zu denjenigen jüdischen Gestalten, welche wie die Verkörperung der Sehnsucht des jüdischen Volkes zu bestimmten Zeiten auftreten, gehört der Hohe Rabbi Löw.. Jeder kennt die Sagen, die seine Gestalt umranken, wie die Sage vom Goiem, von der Erscheinung des Todesengels, vom Mädchen mit der Rose 11. a. m. Jeder verbindet auch sofort mit seinem Namen eine Vorstellung vom jüdischen Prag des 17. Jahrhunderts, jener Gemeinde, die ihres regen inneren Lebens wegen den Ehrennamen einer ״Mutter in Israel“ damals trug. War doch in Prag der Sitz einer solchen vielbesuchten Talnuidltoclischulc, daß Zeitgenossen sie als tl i e Universität der Juden, ״sozureden der Juden Akademie“, bezeichneten; erstand doch in Prag die erste jüdische Buchdruckerei in Deutschland, die der Gersoniden; dort lebte der erste Geschichtsschreiber der aschkenasischen Juden, Dawid Gans, und dort entfalteten Hofjuden wie Mardochai Meysel und Bassewi von Treueiiberg ein jüdisches Mäzenatentum von einer unbeschreiblichen Großartigkeit. Aber auch nirgends scheinen die geistigen Spannungen der Epoche so heftig gewesen zu seiii wie in Prag, jene Kämpfe zwischen dem jüdischen Gesetz und dem Bedürfnis nach einer Gefiihlsreligion, zwischen der jenseitig gerichteten mcssianisclien Stimmung und der zunehmenden Freude an dieser Welt; zwischen den! Bestreben nach Heiligung des Lebens und der Tendenz, mit der Religiosität auch profane Bereiche zu durchdringen. Aus diesem Gewoge der Sagen, Gestalten und Geisteskämpfe tritt uns die Gestalt von Rabbi Jehuda Löw Ben Bez, alel entgegen. Von seiner Person schien ein solcher Zauber auszugehen, daß Zeitgenossen ihm bewundernde Epitheta wie ״Löwe der Thora“, ״Wunder unserer Zeit" u. a,!11. beilegten, daß er, der auf seinem Grabmal in Prag als ״der Bescheidene“ bezeichnet wurde, halt! nach seinem Tode berühmt wurde als der ״Hohe“ Rahhi Löw. Es ist sehr wenig über den Hohen Rabbi Löw bekannt. Denn im Gegensatz zu anderen jüdischen Autoren dieses Zeitraums, die sich in den Vorreden zu ihren Werken dem Leser gleichsam vorstellten, indem sie Aufschluß über ihre Lehensverhältnisse gaben, spricht der Hohe Rabbi Löw nicht von sich. Vermutlich beruhte aber seine Größe, seine ״Höhe“, die ihn wie ein Geheimnis umgab, darauf, daß er für alle Spannungen und Gegensätze seines Zeitalters einen eigenen Sinn, eine eigene Lösung, eine ״Weltanschauung“ gefunden hatte. Dieser seiner persönlichen Lösung, seiner Weltanschauung, entsprach ein Streben nach Ganzheit, nach sinnvoller jüdisch, geprägter Lebensbewältigung und Lebcnsgcstaltung. Er, der jüdische Philosoph mystischer Richtung wollte das durch göttlichen Sinn gestaltete Judentum in seiner Totalität erschauen und ergründen und die jüdische Lehre zur wirkliehen Lebensgrundlage machen. Dagegen paßte die damals im Judentum vorherrschende Richtung, der jüdischen Lehre nur eine Bedeutung für das Denken, nicht aber für das Sein beizulegen, in keiner Weise zu der Natur des Hohen Rabbi Low. Daher war er auch ein Gegner des zu seiner Zeit entstandenen jüdischen Gesetzbuches, des ״Schulchau Aruch“ (Gedeckter Tisch), wie aller Bestrebungen, die jüdisclie Lehre schriftlich zu kodifizieren und der Theorie gemäß die Praxis zu gestalten. Ganz natürlich ist auch für ihn, den philosophischen Realisten, den Gegner aller Scholastik, die Abneigung gegen die talmudische Dialektik, die damals eine wahre Blütezeit in Deutschland erlebte. Soweit Daten bekannt sind, erscheint das Leben des Hohen Rabbi Löw unrulie- und wechselvoll wie das der meisten rabbinischen Autoritäten jener Zeit. Er ist als Nachkomme einer aus Posen stammenden Familie im Jahre 1520 geboren. Ueber seine Erziehung, über Lehrer lind aridere entscheidende Bildungseinflüsse ist nichts bekannt. Ungefähr von 1553—1573־ und später noch einmal von 1584—1588 war er Landesrabbiner in Mähren, tn der Zwischenzeit zwischen 1573 und 1584, ferner nach 1588 und seit der Mitte der neunziger Jahre lebte er, nachdem er dazwischen noch einige Jahre in Posen war, in Prag als Leiter der auf seine lnitiative gegründeten ״Klause“ und später auch als Oberrabbiner. Und in Prag ist der Hohe Rabbi Löw, der Maharal von Prag, wie er im hebräischen Schrifttum bezeichnet wird, 1609 gestorben. 1111 Gegensatz zu vielen rabbinischen Autoritäten jener Zeit hat der Hohe Rabbi Löw nicht nur eine gelehrte Wirk- Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe samkeit ausgeübt, sondern auch zu Zeitfragen Stellung genommen, und er hat sich auch große Verdienste um das damals arg zerrüttete Oeitieindclehen erworben. 111 ganz älmlieber Art wie Frankfurt am Main litt nämlich auch Prag damals unter einem starken Gegensatz zwischen dem autokratisehen, sich stolz auf seinen Besitz stutzenden Gemeinde- Vorstand und der jüdischen Bevölkerung, die danach drängte, aktiv am Genieinclelebcn teilzunehmen. Dazu kam noch ein Kampf zwischen den einflußreichen Familien, für ihre Angehöriger! die Ehren- und Würdenstellen in der Gemeinde zu erlangen. In tiiesem Kampf um die Leitung der Genieitule wurde sogar zu so verwerflichen Mitteln wie Denunziationen ganz bestimmter, die Abstammung herabsetzender Art gegriffen■. Obwohl der Hohe Rabbi Löw mit Feuereifer gegen diese alte Unsitte auftrat, konnte er es nicht verhüten, daß er selbst ein Opfer dieser Zwistigkeiten wurde. Dennoch hat er vieles zur Festigung und Belebung des jüdischen Gemeindelebens getan. Außer der Errichtung der ״Klause“ wird ihm auch die Begründung einer Chewrah Kadischall zugeschrieben, deren Statuten für die ganze Folgezeit maßgebend geworden sind. Ganz besonders charakteristisch ist für ihn die Gründung von Lcriigemeinscliaftcn zum Mischna- Studium nicht nur in Prag, sondern auch in vielen anderen Gemeinden. Auch andere jüdisch-pädagogische Relormbestrebilligen des 16. und 17. Jahrhunderts werden auf ihn zurückgeführt. Mit den Bemühungen des Hollen Rabbi Löw um die Belebung des Gemeindewesens wird sogar zuweilen — obwohl es an jedem festen Anhaltspunkt für eine solche Vermutung fehlt — der dichterisch verklärte Besuch bei Kaiser Rudolf ü. in Verbindung gebracht. Von dem Boden seiner festen Weltanschauung aus konnte der Hohe Rabbi Löw das zu seiner Zeit Unerhörte wagen, sich mit nicht jüdisch en Wissenschaften, mit Mathematik und Astronomie, zu beschäftigen. Denn ,,warum“ sagt er, ,,sollte man die Wissenschaften nicht lernen, da sie doch göttliehe Weisheit enthalten?“ ״Da doch auch sie von dem Wesen und der Ordnung der Welt, von der Größe und Allmacht Gottes kiindeu?“ Selbst die gricrhische Philosophie, die der Talmud verbietet, hat für ihn, den gefestigten jiidischeu Philosophen, eine so nebensächliche Bedeutung, daß sogar sie in seinen Augen erlaubt sein könnte, ״da sie in gar keinem Zusammenhang mit der Thora stehe, sondern nur die Redekunst oder was sonst immer betreffe.“ In der Gestalt des Hohen Rabbi Löw erstand ein jüdischer Philosoph, der mit einer religiösen Besessenheit des Herzens und mit einer bewu1uier־-.״werte11 Weite des Denkens lind Wollens den gesamten jiidGehen Lebciisberach zu umspannen und die Enden des Wissens seiner Zeit in seinem religiösen Bewußtsein zu einer Einheit zu verschmelzen wußte. Diese Harmonie in der Universalität, diese aus der Einheit quellende Vielheit mußte für seine noch scholastisch befangene Mitwelt, aber auch noch für viele folgende Generationen etwas Geheimnisvolles haben. Erst für unser Zeitalter, das wiederum nach einer Einheit von Lehre und Leben strebt, ist der Hohe Rabbi Löw nicht nur eine Sagengestatt, sondern ein wirklicher geistiger Führer zum Judentum. 'המורה העברי גליון ד (י) שנה ב« Die soeben «- schiencne Nummer 10 des ,,Hamorch haiwri“ bringt eine sehr begrüßenswerte Neuerung, und zwar enthält die Zeit- Schrift neben dem üblichen pädagogischen Teil einen allgemein-literarischen Teil, der fast die Hälfte des Heftes umfaßt. Auch der literarische Teil bringt, ebenso wie der pädagogische, eine Auslese aus den hebräischen Zeitungeil und Zeitschriften und bietet dadurch für alle, die an dem hebräisch,en Wort Interesse haben und nicht in der l.age sind, hebräische Zeitschriften zu beziehen, einen wertvollen Ersatz. — Im pädagogischen Teil finden wir einen Artikel von Dr, Rawidowicz, der die theoretische Begründung für die vor kurzem in London ins Leben gerufene Brith Hanoar haiwri enthält; A. Einstein, Leiter der hebräischen Schufen der .,Tarbuth“-Organisa:ion in Polen, schreibt über den ״Inhalt der hebräischen Erziehung“ und gibt neben dein theoretischen Teil interessante Einzelheiten aus dem hebräiseiten Schulwesen Polens. Der Pädagoge Raw Israel (Pa-!ästin,1) behandelt in seinem Artikel ״Wenn das Dach vor dem Fundament gebaut wird“ die!•'rage des Grammatik- Unterrichts und schildert die Erfahrungen, die er auf Grund eigener Beobachtung in der Schule gemacht hat. Mit der Frage der Transkription von Fremdwörtern ins Hebräische beschäftigt sieh J. Awineri, der zwar keine allgemeingültige Lösung findet, jedoch wertvolle Anregungen zu diesem Problem gibt. — Iler allgemein-literarische Teil enthält ein Gedicht von Sch. Sebalom »,Schüsse in der Nacht“, das die Stimmung in Erez Israel svälirenc! der letzten Unruhen veranschaulicht. Ferner ״Mein erster Schritt als Schriftsteller“ — Auszüge aus der Autobiographie Sa[- man Schiieurs. Der Soziologe A, T a r t a k o w e r!)ringt ein Kapitel aus seinem Werk ,,Zur Soziologie der Sprachen der Juden“ — ״Das gesellschaftliche Antlitz der hebräischen Sprache“, und B, Km p n i k erzählt über ״Ein Nachtgespräch mit Bialik“, in dem er in leichter I onn eine Unterhaltung über die Stoffwahl des modernen hebräischen Dichters wie- (!ergibt. — Das Lieft ist vom Tarlnith-[)ezernat der ZVfD^ Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu beziehen. ״Für das jüdische Haus“. Das seit einem Jahrzehnt vergriffen gewesene kleine Büchlein ״Reth Jisrocl — Für das jüdische Haus“ ist neu aufgelegt worden. Das von Rabbiner Dr. M. L, Bambergcr s. A. zusamtnengesfeJIte und von dem Jüdischen Buchvcrlag־ Joe! Sänger, Frankfurt a. M., herausgebrachte Bändchen (Preis: 1 RM.) enthält nach Schabbaten und Festtagen geordnet: Kiddusch, Tischgebet, Hawdoloh, ferner die. Gebete für Hochzeit, Bris Miloh, Auslösung des Erstgeborenen und Kiddusch Hahvanah. Es ist eine An- Icitung zur Durchführung des traditionellen häuslichen Festrituals; auch viele, denen die sinnigen Brauche fremd geworden sind, werden sich gern aus diesem anspruchslosen instruktiven Büchlein darüber unterrichten. Bibeln in einer englischen Buch-Ausstellung. Die alljährliche (neunte) 'Ausstellung des ״First Edition Club“ in London ist dieser Tage eröffnet worden. Zweck dieser Schau ist, die besten Exemplare der englischen Buchproduktion der letzten zwölf Monate zu zeigen. Darunter sind auch einige Bibeln, die die Cambridge Univcrsity Preß herausgab. Ob sie ein paar Schillinge kosten oder über zwanzig, sie sind mit gleicher Liebe und Sorgfalt bearbeitet. Ferner eine Ausgabe des ״Hohen Liedes“: ״The Song of Songs“, mit einer neuen englischen Uebersetzung und .Anmerkungen von W. O. E. Ocsterley. Man hat diesen englischen Büchern 50 amerikanische aus der gleichen Epoche beigefügt, hei deren Wahl man sicherlich mehr auf den technischen, als atu den literarischen Wert achtete, wenn sich auch die Bibelausgabe des Verlages Simon ft Schuster, New York, darunter befindet, bestimmt ״als lebende Literatur gelesen zu werden“, Ilse Cohn en, LondoxJ