Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 80 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653700--31354-2685958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 8. X. 1937 Oneg Schabbat — Aufgabe der Gemeinschaft ״Der Schabbat muß ein wirklicher Tag der indischen Jugend werden und seine Weihe zurückgewinnen." Mit diesen Worten führte die ״Jüdische Rundschau" am 23. Oktober 1934 die an diesem Tage zum ersten Male erscheinende Rubrik: ״Wie gestalte ich den Schabbat?" ein. Durch jast drei Jahre hindurch war nun diese Rubrik Woche um Woche ein Begleiter all derer, denen die Sorge um die Feierstunden von Gruppen jugendlicher oder auch älterer Menschen anvertraut war. Wir wissen nicht, wie weit die Hoffnung erfüllt werden konnte, Anregungen zu geben. Aber nach Abschluß der Rubrik in ihrer bisherigen Form und vor Beginn einer neuen Rubrik, die der Belehrung dienen soll, empfinden wir es als angezcigt, einmal grundsätzlich zur Frage des Oneg Schabbat Stellung zu nehmen und auch die Jugendbünde über ihre Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen. (Red.) Der Weg des Oneg Schabbat Die Bünde haben das Wort Die Aufforderung•, an ausgezeichneten Tagen des Jahres freudiger Stimmung zu sein, findet sich an vielen Stellen der Bibel. Das Judentum ist eine Religion, die bei aller Betonung des Transzendenten den Menschen immer wieder auf seine irdischen Pflichten hinweist und in dieser Lebensbejahung das Paradox nicht scheut, auch die Freude zu• den Pflichten des Menschen zu rechnen. So ist es nicht verwunderlich, daß der Schabbat seine besondere Note erhalten hat und der Freudenspettder in jeder Woche wurde. Das Judentum des 19. Jahrhunderts, das seine Freuden in anderer Weise suchte und fand, mußte dem Schabbat notwendigerweise fremd gegenüberstellen, weil es ihn nicht mit jüdischen Inhalten zu füllen vermochte und weil sein jüdischer Sinn ihm kaum mehr ver- *tändlich war. Wir alle erinnern uns, wie sich dies nach der Schicksals- Wende von 1933 linderte. Der Zionismus trug an die jüdischen Massen Palästina heran, man entdeckte auf einmal, daß es dort eine lebendige jüdische Welt gibt, die zwar auch noch mit der Neugestaltung ihrer Dascinsiormen, mit der Synthese zwischen Tradition und Modernem ringt, die aber doch die Ansatzpunkte m einem Neuwerdcnderi in sich trägt. Die Juden 111 Deutschland erfuhren von den Bemühungen B1 a 1 i k s in Palästina um die Zusammenfassung; der Menschen, indem er den alten Brauch des ״Oneg Schabbat‘■ wiederbelebte. Kaum eine andere Institution Palästinas fiat die Juden in Deutschland so stark innerlich zu erfassen veimoeht wie dieser Oneg Schabhat. Nicht nur in zionistisehen Kreisen wurde er cingeführt, auch die dem Zionismus und Palästina innerlich noch fernstehenden Gruppen griffen die Idee auf, die Gemeinden führten solche Sehabbat-Feiern ein, der Weltverhand des religiös-liberalen Judentums setzte sich mit der Frage auseinander, und nicht einmal die Berliner Reformgemeinde konnte sich ihr verschließen, ln der jüdischen Jugend gab es keine Gruppe, die es nicht als ganz selbstverständlich betrachtet hätte, der! Oneg Schabbat zu begehen. Man kann sagen, daß die Bereitwilligkeit, auf diesem Wege zur Gemeinschaft zu gelangen, allseits vorhanden war und daß tatsächlich viel Muhe, Geduld und ehrliches Suchen dafür aufgewandt wurden, zu dem erträumten Ziel zu kommen. —MAGISTER KIRSCH—, Der gute Likör Maglster-Llkörfabrik, München VII, In Berlin zu b«xl*h. durch di* Weingroßhandlung Bernhard Brauer, Burgstraß• 3 / Ruf: 514340 Wenn wir heute zurückblicken, so müssen wir leider feststellen, daß das Feuer der Begeisterung, das im Anfang so hell loderte, erloschen ist. An dieser Stelle wurde bereits vor mehreren Jahren (s. ״J. R.“ Nr. 73, 1935) in einem Auf- Satz davor gewarnt, die Idee des Oneg Schabbat weiter sich mechanisieren zu lassen, so daß nur noch ein Ablaut der Feier übrigbleibt, der mehr einer Schulstunde ähnlich sicht. Es wurde gesagt, daß die meisten dieser Feiern einen viel zu konventionellen Charakter haben, daß die Jugend sich in ihnen nicht wohlfühit, und es wurde angeregt, daß eine zentrale Stelle sich mit Rat und Tat dieser Angelegenheit annehmen möge, die doch wichtig genug ist, um über unseren sonstigen Sorgen nicht vergessen zu werden. Nichts von alledem ist gcschehcn. Niemand hat sich um die Pflege des Schabbatgedankens gekümmert, keine zentrale Stelle hat Anregungen gegeben oder Plane ausgearbeitet, so daß schließlich die Sache ins Gleise der Alltäglichkeit geriet, verflachte und langweilig wurde. Es gibt natürlich mannigfache Gründe, die zu dieser Ent- Wicklung gefühlt haften. I’)er wichtigste Grund ist unser Mangel a 11 i ii 11 r e n <1 e n M 0 n s c 11 c 11. Die Feiern in den ersten Jahren nach 1933 konnten so gut gelingen, weil cs damals noch ei 111־ Anzahl ■Menschen gab, die durch ihre Personlichkeir, durch ihr Wissen und sonstige Eigenschaften eine Feier zu einem Erlebnis zu gestalten vermochten. Im Februar!935 veranstaltete die Berliner Zionistische Yereinigung eine Palästinawoche, deren Höhepunkt ein Oneg Sch abbat mit Joachim Prinz war. Wer von uns dabei gewesen ist, der vergißt diesen Abend nicht, der eines der zündendsten Erlebnisse wurde, weil der Gestalter und die Zuhörer in einmaligir Stimmung in eins zusammenwuchsen. Aber es ist nicht nur die Tragik unserer Gemeinschaft, daß wir durch die Auswanderung der wesentlichsten geistigen Kräfte beraubt sind, die für das Lehen einer Gruppe notwendig sind, sondern es kommt noch die Resignation hinzu, die unsere Menschen vielfach erfaßt hat. Aber wir können doch nicht auf hören, zu mahnen und ntif/.urtifcn und zu versuchen, das Nachlassen der seelischen Kräfte zu verhindern, weil die jüdische Gemeinschaft nur dann existieren kann, wenn selbst unter den schwierigsten Bedingungen jeder einzelne sich seiner Verantwortung bewußt wird, keiner zu früh vorgibt, miide zu sein und keiner sich seinen Pflichten gegenüber der Gesamtheit entzieht. Das Judentum wird nicht nur durch Steuerzahlungen und Wohlfahrtslcistungcn _ aufrechterhalten, sondern es gehört dazu auch der Wille jedes cinzeln e n, den geistigen Rahmen nicht auseinanderfallen zu lassen. Geistige Inhalte bleiben aber nur dann bestehen, wenn sie immer von neuem gemeinschaftlich erlebt werden. Der Einzelne zieht sich zu stark in sich selbst zurück,_ das Denken in Gemeinschaftskategorien — das schon verheißungsvolle Anfange aufzuweisen hatte — ist wieder einem Individualismus gewichen, und so kommt es, daß uns heutzutage so gar keine rechten Feiern mehr gelingen wollen. In der Seele jedes einzelnen Menschen ist in den letzten Jahren viel zerbrochen worden; dennoch darf der Ruf nicht unterbleibens ich wieder a u f 7. n r a f f e n, sich in die Gemeinschaft hineinzustellen. Welcher Tag aber wäre mehr dafür geeignet als der Schabbat! Versuchen wir wieder ״Oneg“, die Wonne des Schabbat, zu empfinden, sie anderen mitzuteilen und ihnen davon abzugeben. Dann wird ein neues Lebensgefülii in uns einziehen. Der Weg zum Oneg Schabbat — so erkannte es auch Bialik — führt über die Gemeinschaft; und der Weg zur Gemeinschaft, vielleicht gerade bei uns Juden in Deutschland, über den Schabbat. Nachdem nun dieser schöne Brauch hier nicht mehr den Glanz hat, den er tatsächlich ausstrahlen könnte, wäre es an der Zeit, dafi sich alle die zusammentun, denen es um die seelische und geistige Erneuerung des Judentu ms geht, und daß man versucht, planmäßig Feiern zu gestaltrn, die nicht steif und fremd wirken, sondern den Menschen in ihren Bann ziehen und ihm das Gefühl verjnitteln, nicht allein zu stehen, sondern in einer Gemeinschaft, in deren höherem Zweck er aufgeht. Gerhardt Ncumann Misradii: Unser Bund hatte als erster in der Galuth regelmäßig Oneg-Schabbat-Feiern durchgefiihrt. Schon seit langer Zeit waren die Chawerim vor Ausgang des Schabbat zusammengekommen, hatten Mincha gebetet, den betreffenden Thora- Abschnitt vorgclesen und sieh dann zusammengesetzt, um, den alten Brauch der Chassidim aufnehmend, das Ausklingen des Schabbat und den Beginn der neuen Arbeitswoche in der Gemeinschaft zu verleben. Sehr oft waren diese Oneg- Sehabbat-Feiern improvisiert, und bald mußte sich der literarische ״Vorrat“ erschöpfen. Deshalb waren wir, vor allem in den kleineren Orten, froh, als die Rubrik ״Wie gestalte ich den Schabbat“ cingeführt wurde. Uns war wichtig, daß die leitenden Gedanken der Sidra oder Haftarah, die den natiirliehen Mittelpunkt des Oneg bilden, herausgearbeitet wurden. Die Literaturangaben brachten Ergänzungen, Material zum Vorlesen oder zum Durcharbeiten. Allerdings war manchmal zwar nicht zu viel Literaturangabe, aber zu wenig Möglichkeit gegeben, die genannten Bücher auch wirklich zu bekommen. In unserer Gruppe fand Anklang, daß bei den Hinweisen zur Sidra gleichmäßig alte und neue Erklärer gebracht wurden. Für die Jungführcr war es gilt, daß der erste Teil dieser Rubrik schlicht und kurz war, und deshalb leicht zu verstehen und anzmvenden. Der zweite Teil gab durch die Durchführung eines bestimmten Themas die Möglichkeit, den Oneg-Schabbat auch in einen größeren Zusammenhang zu stellen und eine Reihe von Feiern unter diesem Gesichtspunkte zu veranstalten. Schlomo Stockhammer, Leipzig Werkleute! Vor ein paar Jahren fingen wir an, in unseren Gruppen dem Schabbat-Nachmittag ein jüdisches Gesicht zu geben. Bisher waren die meisten Gruppen wohl auch zu dieser Zeit zu ihren Sichot zusammengekommen, aber da sprachen wir nur-ab und zu über jüdische Dinge, eben dann, wenn wir im Lauf unserer Erziehungsarbeit damit zu tun bekamen. Als der Oneg-Schabbat dann bei uns aufkam -- erst zögernd, wie es immer beiin Neuen ist — suchten wir hier und dort nach Stoffen für seine Gestaltung. Allmählich erst ging uns auf, daß wir doch einen Stoff schon bereitlicgen hatten, den T’nacli, und daß die Beschäftigung mit Sidra und Haftarah ja der eigentliche Sinn des Oneg-Schabbat sei. Damit war aber das ״Wie“ noch nicht gelöst, denn nur die wenigsten von uns waren imstande, selbständig den hebräischen Text, — von dem wir natürlich ausgingen —- zu dtirchdringen und aus seinem Inhalt zu schöpfen. Da gab uns die Rubrik der ״Rundschau“, die gerade zu jener Zeit zu erscheinen begann, eine gute Antwort auf die Frage: Wie gestalte ich....? Für den, der allein vor dem hebräischen Text stand, waren die Der Versuch, eine zentrale Feierstunde des Schabbat aus der Tradition heraus, und doch in neuartiger Weiterfiihrung derselben zu schaffen, wird für immer mit der Person Bialiks verbunden bleiben, immer mehr und mehr wurde es zur Hanptsorge Bialiks in seinen letzten Lebensjahren, das weitverzweigte Bildungsgilt unserer Tradition zu sammein, zu sichten und in neuer, die breiten Massen ansprechender und ihrem Biklungsvcrmögcn passender Form hcratiszugeben. Vor dieser Tätigkeit verstummte der Dichter Bialik. Darüber hinaus ging er nun dazu über, die Ver an k e r u,n g dieses Bildungsgutes und der Tradition im Volke durch Schaffung von geeigneten Institutionen und Festesformen zu sichern, die die breiten Massen neu innerlich sammeln und ihre Verknüpfung mit dem Gute der Tradition stärken konnten. Schon immer betonte Bialik den besonderen Wert des Schabbat in diesem Zusammenhänge, und bei allen Anlassen war Bialiks Stimme eine der ersten und dringlichsten, die für die Wahrung und Heiligung des Schabbat gerade auch im Stadium des Aufbaus eintraten und sich gegen seine Entweihung im privaten und öffentlichen Leben des Jischuw Herren- und Damen-Auaatatiungen Berlin SW, friedridisiraße SO-Sl in Erez Israel wandten. Allerdings begnügte er sich nicht wie die meisten mit der Feststellung der öffentlichen liebertretung des Schabbat und dem Proteste dagegen; vielmehr suchte er Formen zu schaffen, die dem Menschen, besonders dem der Tradition Entfremdeten, die Möglichkeit geben, zur Welt der Tradition zurückzufinden. In einer zentralen Stunde, in der Stunde vor Schabbatausgang, sollte man zu einer Schabbatfeicr, dem ״Oneg Schabbat“, sich versammeln, Vorträge und musikalische Darbietungen entgegennehmen bzw. auch aktiv sich dabei beteiligen una in der Form der Tradition den Ausgang des Schabbat, den Uebergang zum Wochentag gemeinsam erleben. Nach der Tradition versammelt man sich am Schabbat in der letzten Stunde zur ״Seuda scldischith“, zur ״dritten Mahlzeit“ und erlebt aus dem ganz über dem Alltag erhobenen Schabbat heraus nun gleichsam für eine Stunde den ״Schabbat der Zukunft“ vorahnend, die Zeit, da die Welt ganz Schabbat — יום שבול1 שבת — sein wird. Aehnlich wollte Bialik in einer Weit der Traditionslosigkeit und Zwiespältigkeit, die einem vielleicht ganz, besonders in Erez Israel bewußt wird, für eine Stunde den Entfremdeten ״in eine Welt, die nur Schabbat ist“, führen, ihn gleichsam hineinlocken in die Tradition, seine volle Rückkehr zu ihr in diesem Augenblicke und über ihn in die Woche hinauswirkend vorwegnehmen lassen. In Erez Israel, In den Städten und auf dem Lande, und bald dann auch in den Ländern der Golah, trat diese Form der Schabbatfeier bald den Siegeszug an. Es dürfte heute am Platze sein, sich Rechenschaft abzulegen, inwieweit die Absichten des Gründers des Oneg Schabbat, und damit der Sinn dieser Feier überhaupt, erfüllt worden sind. Wohl in den meisten Fällen ist der Oneg kurzen Inhaltsangaben der Sidra der Kompaß, mit dem er sich an den Text selber wagen konnte; wer schon selbständiger zu lernen sich getraute, dem gab die Darstellung dort Anregiing zum Betrachten des Textes von anderem Blickpunkt aus; und der Fortgeschrittenste konnte für die wertvollen Materialangaben dankbar sein. Freilich, daß gerade diese Angaben immer ausgenützt wurden, kann nicht guten Gewissens behauptet werden. Aber daran ist am meisten der große Zeitmangel all unserer Führenden schuld, der alle Arbeit hemmt. Alfred Landauer, Berlin Habonim! Durch zwei Begriffe soll meiner Auffassung nach der Oneg Schabbat seine Gestaltung bekommen; durch die Be- Ziehung zur Gegenwart und zur Vergangenheit iin Leben der Juden. Als Bialik das Leben der Juden in Erez Israel mit der Schaffung des Oneg Schabbat bereicherte, geschal! dies aus der Erkenntnis, daß für die Gestaltung des Schabbat eine neue Form notwendig sei, eine Form, die auch dem neuen jüdischen Leben im Lande entspricht. Wenn also heute die zionistische Jugend den Schabbat gestaltet, so kommen in den Onagini Momente zum Ausdruck, die ebenso neu sind wie das Leben, das dieselbe Jugend im Lande verwirklicht. Wenn früher Juden sich zusammeusetzten, um ihre Beziehung zum Schabbat, dem heiligsten Tag des iüdischen Volkes, Ausdruck zu geben, so spielten religiöse Momente die hauptsächlichste Rolle. Mit dem Leben der Umweit hat sich auch das jüdische Leben verweltlicht und ist mit der zionistischen Bewegung nationaler geworden. Und so versuchen wir, Elemente im Oneg Schabbat auszudrücken, die im Volke ihre Wurzel haben. So ist cs z. B. möglich, einen Oneg Schabbat mit den Dichtungen und der Persönlichkeit Rachels auszufiillen oder mit einem Symbol des Fiistorisehen Aufbaus in Erez Israel (die Wiederauferstehung Jeruschalajims zum Beispiel) oder ein großes Ereignis aus der Geschichte des Kibbuz festlich zu gestalten. Doch soll dies nicht etwa eine Abgrenzung sein all den Werten gegenüber, die uns durch die Kette der Geschlechter hindurch erhalten worden sind. Durch den Oneg Schabbat sollen wir uns auch tiefer hineinversenken können in die Quellen, aus denen unsere heutige Bewegung und unser Schaffen im Lande entstanden sind: in das Leben der Juden in der Golah, hauptsächlich in Osteuropa. Um die tiefe Wahrheit zu verstehen, aus deren Erkenntnis heraus der größte Teil der Juden für die Wiederbelebung ihres Volkes kämpfen, müssen wir uns mit den Epochen unserer näheren Vergangenheit vertraut niachen. Das kann man z. B. mit einer Darstellung über das Wesen des Chassidismus erreichen, und damit wäre eine Verbindung geschaffen zwischen der Wurzel des zionfetischen Gedankens und unserem heutigen Leben. Sepp Al ose s, Berlin Schabbat nicht die den Fremden in die Tradition einführende, ihn mit ihr verbindende Stunde, nicht die Brücke zum jüdischen Geistesgut geworden. Und es konnte wohl auch nicht anders sein. Bialik selber sprach es einmal klar aus, daß man Feste nicht künstlich schaffen kann, daß sie aus dem vorhandenen Weltbilde und der Lebensform des Alltags sich als die ihnen entsprechenden Feierformen von selber ergeben und nicht künstlich gebildet oder ausgelauscht werden können. Daher sind alle Versuche einer Neubelebung des Religiösen oder der Tradition durch Neugestaltung des Feiertags in Erez Israel zum Scheitern verurteilt. Nur durch eine Regulierung der den Alltag beherrschenden Kräfte, durch eine stärkere Auflockerung der noch allzusehr in einem dogmalischen Rationalismus befangenen Haltung zur Welt, in einer Geöffnetheit zu den tieferen Kräften des Seins, wird sich allmählich auch auf diesem Felde eine Aenderung anbahnen lassen. Die Ruhelosigkeit und Zwiespältigkeit gerade der besten Teile des Jischuw׳, die in ihrer ausschließlichen Konzentration auf die Welt der Arbeit und des Aufbaus einen Ausweg für sie, aber keine Antwort fanden, kommt wohl nirgends so deutlich zum Ausdruck, wie in ihrem Unvermögen, eine echte Form des Feierns zn finden. Daher ist auch der Oneg Schabbat nicht der Gefahr entgangen, der er gerade entgegentreten wollte, nämlich Institution zu werden, eine Feierstunde mit vorgeschriebenen Festen, ein und derselbe nun auch Tradition gewordene, von Woche zu Woche sich wiederholende Ablauf dieser Stunde. Oder der Oneg Schabbat ist, verbunden meist mit künstlerischen Dar• bietungen, zu einer Vortragsstunde, zu einer Darstellung wesentlicher Fragen auf jüdischem oder nichtjüdischem Gebiete, oder auch zu einer Bildungsstunde, einer zentralen Vorlesung der Volkshochschule entsprechend, geworden. Man soll diese Tatsache zunächst einmal ganz deutlich sehen. Der Oneg Schabhat hat nicht diese schöpferische Kraft aut den Jischuw ausgeübt, zu der ihn Bialik machen wollte. Und doch ist er zu einer nicht mehr aus dem Schabbat des Jischuw wegzudenkenden Feier geworden. Man blättere nur einmal in dem Verzeichnis der für jeden Schabbat auf dem Lande oder in den Städten erfolgenden Ankiindigungen und ersehe daraus die Mannigfaltigkeit der Themen und Vortragenden bei den verschiedenen Bildungsorgane sltionen, Parteien und Bäte hamidrasch. Auch in der Beschränkung auf das Bildungsgut, auf die Erörterung zentraler Fragen, meist aus dem Gebiete jüdischer Geschichte, in einer dieser Stunde entsprechenden Form in einem weiten Kreise, in der Schaffung von geistigen Zentren, angesichts des Fehlens eines festen Mittelpunktes, hat der Oneg eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, auf dem Lande nicht weniger als in der Stadt. Auch in den naturgemäß geschlosseneren Gemcinsehaftsgruppen der Kibbuzim bereitet die Gestaltung des Oneg besondere Schwierigkeiten. Die in den Ländern der Oolah übliche Form der Feier, die im wesentliehen aut das Erlebnis der kommenden Alijali ausgerichtet ist und von ihr die ihr eigentümliche Spannung und Zugkraft erhält, oder oft einfach als Stunde festlichen Zusammen- Seins in jüdischer Gemeinschaft wertvoll ist, befriedigt nicht mehr. Die Jüngeren, meist in der Jugendalijah organisiert, versuchen, diese Form weiterzuführen, vielfach auch, ihr eine besondere Note zu geben und zugleich auf das größere Gemeinschaftsleben des Kibbuz wirken zu lassen, una scheitern in den meisten Fällen. Dr. Erich Rosenblüth (Kibbuz Rodges) 1 Oneg Schabbat in Erez Israel