Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 80 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 8. X. 1937 Ausländer in Frankreich besitzt die ganze Fülle eines Bildungs- und Anschauungsvermögcns, das sich durch den Blick auf die vor Jahrtausenden entstandenen Werke unserer klassischen Zeit ergibt, und er umfaßt zugleich neben dieser vertikalen Sicht auch die horizontale Schau auf die Auswirklingen unserer klassischen Kulturgüter in den Kulturen der Völker der Welt bis in unsere Tage hinein. Dieser Humanismus und damit eine von ihm getragene Auffassung des jüdischen Nationalismus enthält nicht weniger als der klassische 1.luniaiiismus Europas, der sich an den Griechen und Römern bildete, einen erzieherischen, an höchsten menschlichen Maßstaben orientierten Wert. Er stellt den Versuch dar, die Angehörigen des Volkes zu einem bestimmten menschlichen Bilde hin zu erziehen, das aus den größten Leistungen und Gestalten der klassisehen Zeit unserer Volksgeschichte entnommen ist. Dabei besteht allerdings ein tiefgehender Unterschied zwischen dieser Art humanistischer Haltung und dem europäischen Humanismus. WiiIrrend dort eine Beziclning zu den Kulturwerten zweier Völker hergestellt wird, die bei aller seelischen Verwandtschaft dennoch ein geistiges Gebilde darstellen, das sich in seinem Wesen von der ursprünglichen Art der anderen Nationen unterschob det, handelt es sich bei uns darum, das Ziel aufzustellen, die Werke und die in menschlichen Gestalten sich offenharciulen Inhalte des eigenen Volkstums wieder zu einem Wert der Gegenwart und zu einem Ziel zu erheben, nach dem die Jugend strebt. Es ist klar, daß in dieser Differenz eine Verschiebung des ganzen Wert Systems enthalten ist — sicherlich nicht zuungunsten des großen Vcrsudles eines hebräischer! 1 iumanismus. Aufgaben der Forschung 1111 Humanismus Europas ist das Ideal des alten Griecheiitunis als Wunschbild und Zielpunkt der Erziehung einer neuen Zeit testgclegt worden. Das Schöne und das sittlich (inte, die ״Kaiokngatilic“ ues Griechen-!יוחס ist jenes menschliche Ideal, das im Mittelpunkt des Erziehcnpscvstenis stellt, ein Ideal, das zunächst und vielleicht im־ den ganzen Verlauf der griechischen Antike nur aus dem \Ve׳.-en des griechische!] Adels zu verstehen ist. Iss ist durch die I orselumpen und die in glühenden Farben gemalten I t'ir-Uelhingen seitens einer langen Reihe von Minne 1! in den v,i.־htig.-tcn Völkern Europas von den Tagen der Renaissance an zu einem immer wirklichkeitsnaheren Bilde geworden und hat damit der 1111 inanistischen Erzieliting Klarheit über ihre Voraussetzungen und ihr Ziel gegeben. Diese Aufgabe ist für das antike Judentum noch nicht gelöst. Gewiß gibt es Forschungen darüber von jüdischer Seite, die von hohem Rang sind und uns die Gestallen der Vergangenheit nahe bringen; dennoch steht vor dem jüdischen Volk und seinen geistigen Kräften in der Zeit seiner nationalen Wiedergeburt noch die große Aufgäbe, aus der Uchcrlieferung der Vergangenheit das einheiiliche Bild eines Menschentums herauszumeißeln, das sich in der jüdischen Antike offenbarte und ihr auch für unsere Gegenwart wieder formende Kraft verleihen kann. Wir wissen, daß die letzten Abgründe der menschlichen Seele und die höchsten Gipfel ihres Aufschwungs dort zu finden sind, wo die Helden der hebräischen Klassik und die Vertreter ihrer geistig-sittlichen Ordnung zu uns spredien. Ans diesen Elementen ein Bild zu formen, das Spiege! unserer Zeit wird und s״ die Menschen der Gegenwart tiefer zu sich selbst führen kann, ist die Aufgabe einer Forschling, die mehr ist als trockene Untersuchung, die vielmehr /um sollen Leben über die Brücke der Jahrtausende hinweg zurückstrebt. Sie wird die Ligenart jüdischer Kultur dar/ustcllen haben, jene eigentümliche Position zwisehen Abendland und Morgenland, die in der Vergr;־enheit -- und wolil auch in der Zukunft — ihre Art charaktermien. Die S c 11 w i e r i g; k eite n, die auf diesem Wege liegen, sind grolt. Wir sind gewohnt, unsere Vergangenheit durch die IS rill e d o M i t t e 1 a 11 e r s zu sehen, das in unserer (iesdiiehte und Iwoonders auch in unserer wissenschaftlichen i rkemunis bis nahe an unsere Tage oder gar las in diese hinein,, reicht, oder wir bet!achten die Gestalten der Vergangenheit mit den Kategorien tuiicr Aufklärung, in der die Tenden- 7en der (.111 niumnicrung alles jüdischen nur allzu deutlich zur behau treten. Leides muß überwunden werden. Es soll aus der Reinheit der Anschauung einer großen Vergangenheit in den lier/en und im Geiste der Menschen unserer Zeit ein neues Triebwerk sieh ausitoen. Das ist nicht eine Aufgabe der Philologie im engeren Sinne, obwohl diese gewiß eine wichtige Hilfsstcllung dabei feistet, sondern wir müssen in der Vergan• genheit die blut- und geistvollen menschlichen Gestalten unserer eigenen Art in ihrer inneren Geschlossenheit erkennen, wie die Völker Europas in den Gestalten Homers, Sokrates’, Platos und Geier anderer Großer der Antike Bilder von Geschlosser.heit und unergründlicher Tiefe vor dem geistigen Auge sehen. Das Wort als ein Ganzes, verbunden mit dem Menschen, der sein Träger ist und der durch sein Lehen seine Lehre darsfellt, jenes Allumfassende, das vir mit dem griechisehen Begriff des ״fogos" bezeichnen und das nur schwer in einem einfachen Worte wieder zugeben ist, soll im Mittelpunkt einer solchen humanistischen Tradition stehen. Dies allein ermöglicht ja den Ucbergang in das ״Reich der Ewigkeit und Freiheit", das aller menschlichen Kultur als letztes Ziel vorschwebt, einer׳ Ewigkeit und Freiheit aus unserem ei gene n Geiste, gewachsen ans dem Boden u ת se res Landes und genährt vom Blute unseres Volkes. Der Sinn des Wege» Vielleicht könnte mau fragen, warum wir dies brauchen, besonders für diejenigen Teile des Volkes, die als solche dem Untergange geweiht scheinen und sic 11 auf einem raschen Rückzüge befinden. Die Frage ist falsch. Wenn wir an unser Leben als Volk glauben, dann brauchen wir eine nationale Erneuerung, die tiefer geht, als der Betrieb des Tages es zuläßt. Die J u g e 11 d, die sonst allzu leicht versprengt werden Verschärfte Fremdengesetzgebung Unser Pariser K.■Berichterstatter schreibt: ln dem letzten wiclitigen Kabinettsrat, den die französische Regierung i!1 Rambouillet abgehalten hat, wurden auch zwei Bcsdilikse gefaßt, die für die in Frankreich und in Nordafrika 'lebende jüdische Bevölkerung von großer Bedeutimg sind. Bereits nach den ersten Attentaten auf franzörischem Boden kündigte Ministerpräsident Chautemps eine verschärfte Ueberwachung der in Frankreich lebenden Ausländer an. Diese Verschärfung soll stell nach zwei Seiten erstrecken: einmal sollen die beschlossenen administrativen Maßnahmen gegen Ausländer, insbesondere die Auswcisungsanordiuuigen, jetzt mit aller Energie dtirchgeführt werden, und andererseits sollen die Kontrollvorschriftcn gegen alle in Frankreich lebenden Ausländer erheblich verschärft werden. So ist 11. 3. die Abnahme von Fingerabdrücken bei der Zuteilung der Aufenthalfsbereclitigung in Frankreich gep’ant. Diese letzte Absicht hat in Ausländerkreisen aus begreiflichcn Gründen erhebliche Mißstimmung hervorgerufen, doch wird von französischer Seite darauf hingewiesen, daß sich auch dieJranzösLcIien Staatsbürger bei der Zuteilung von Militärpapieren seit langer Zeit dieser Kontrollmaßnahmc unterwerfen müssen. Wenn aber einerseits die französischen Behörden scheinbar entschlossen sind, mit großer Strenge gegen alle Ausländer vorzugehen, die aus irgendeinem Grunde in Frankreich als ״indcsirable“ erscheinen, so gewinnt inan auf der anderen Seite den Findruck, «laß sich die Administration jetzt bemühen wird, die Ungerechtigkeiten und Fehler der früheren Fremdet!Kontrollen zu vermeiden. Man will diesmal unter allen Umständen eine deutliche Unterscheidung zwischen dem legal und friedlich in Frankreich lebenden Ausländer und turbulenten Elementen auf französischem Boden machen. Eine neue Beschränkung der Existenzmöglichketten für die zahlreichen in Frankreich lebenden Juden ausländischer Staatsbürgerschaft scheint daher im Augenblick nicht beabsichtigt zu sein, ־und es ist zu hoffen, daß die neuen Fremdengesetze sich diesmal nicht in einer Vertreibung in Frankreich lebender ausländischer Juden auswirken werden. Auch ein zweiter Beschluß des Ministerrates, der ein versciiärftes Vorgehen gegen die Agitation in Nordafrika zum Ziel 11a:, Int für die jüdische Bevölkerung in diesen Gebieten g o'L־ Bedeutung. Der als energisch bekannte französisclie S.iino־ und frühere langjährige Kolonialminister Albert S a r r a u ז ist zum Kabinettsmitglied ernannt worden, das mit der besonderen Aufgabe der Uebcrwarhung Nordafrikas betraut ist. Die Zustände in den nordafrikanischciy Kolonien Frankreichs haben sich ron Monat zu Monat zugespitzt. Diese politischen und wirtschaftlichen Spannungen, die sowohl zwischen dem radikalen Teil der eingeborenen Bevölkerung und der französischen Schutzmacht sowie zwischen den einzellten Bevölkerungsgruppen bestehen, haben sich leider in verhängnisvoller Weise für die jüdische Bevölkerung ausgewirkt. Fast jeder Zwischenfall, jeder Zusammenstoß zwischen der könnte, wenn unser eigener Kreis sich auflöst, hat sic dringend nötig, die Judenheiten der Länder des Westens, denen die Gefahr des Abfalls droht, und Palästina, das von Aufsaugung und moralisch-geistiger Abwertung im Chaos der Levante gefährdet ist. Auch in der schwersten Stunde unserer Volksgeschichte wurde die Flamme jüdischen Geistes gehütet, und J a w n c trat a!1 Jerusalems Stelle. Um wie viel mehr müssen und können wir ihn heute bewahren, da trotz allen Sorgen des Tages die aufbauenden Kräfte im Volke rege sind! Wir werden Erziehung, Schulwesen und Briefmarken Fritz Lewin Lützowstr. 91A Universität nicht für die Dauer fundieren und ihnen eine Richtung geben, wenn wir uns nicht überden tieferen Sinn der Erziehung Klarheit verschaffen, der zugleich der Sinn des heutigen Weges des ganzen Volkes ist. Mit praktischen Programmen, mit Unterweisung zur Lebenstüchtigkeit allein ist es nicht getan. Wenn vielmehr eine neue Jugend wieder schaffend am Lebensprozeß des Volkes teilnehmen soll, so wird sie es nur können — auch in schweren Tagen, die kommen werden — wenn ein vertiefter Nationalismus, eine vertiefte Be- Ziehung zu ihrem eigenen Volke in ihr wach ist. Renaissance, Wiedergeburt der Vergangenheit bedeutet ja stets zugleich, daß die geistige Produktion des Menschen angeregt wird. Wenn wir die Gestalten unserer klassischen Vergangenheit rezäpieren, dann können wir es nur tun, indem wir zugleich zu ihnen Stellung nehmen, uns von ihnen vielleicht in dieser oder jener Richtung distanzieren oder den Versuch machen, ihre Ideen, ihre menschliche Haltung in unserer Zeit weiter zu entwickeln. Das aber bedeutet Tätig werden des Volkes als solchen auf einer Bahn, die ihm von seiner Vergangenheit her vorgezeichnet ist. Kleinmut oder Selbstbewußtscin 7 Es ist vielfach üblich, von unserer Zeit als der schlechtesten aller Zeiten zu sprechen und ihr geistiges Niveau herabzusetzen. Demgegenüber scheint es angebracht zu betonen, daß der Wert einer jeden Zeit und jeder Generation, besonders in ihrer geistigen Haitung, nicht so sehr von ihr selbst als von der Nachwelt und der Geschichte beurteilt werden kann. So notwendig es ist, sich von übertriebener Aufgeblasenheit fernzuhalten, so verfehlt ist es andererseits, im Gefühl einer Minder Wertigkeit zu leben und kleinmütig auf die eigene Leistung und die Zeit seines Lebens 2ru blicken. Vielleicht kann man sogar sagen, daß jede Zeit und jedes Geschlecht so viel wert sind, wie £ie sich selbst Zutrauen und wie sie aus den Anlagen machen, die in ihnen wie in allen Menschengeschlechtern liegen. Auch hier haben die griechischen Weisen uns vorgedacht, wenn sie wie z. B. Aristoteles als die schlimmste Verfehlung brandmarkten, daß ein Mensch, dessen Anlagen groß sind, kleinmütig auf sich selbst blickt und steh nicht an die Aufgaben wagt, die ihm gestellt sind und die der Größe seiner Anlage entsprechen. Der ״Qro 15 ge s in nt e“ ist mit Recht das Ideal, das jenen Kennern des menschlichen Lebens und der menschlichen Seele vorgeschwebt hat. Es scheint uns, daß diese Lehre gerade für die heute lebende Generation des jüdischen Volkes von Bedeutung ist, die unter den Schlägen äußerer «Art, die sie auf vielen Schauplätzen Ordnungstruppe und der aufgeheizten Menge führt automatisch einen Uebcrfall auf die jüdische Bevölkerung herbei. Zuletzt sind wieder in verschiedenen marokkanische« Städten jüd i s c h e K a u f 1 c u t e überfallen mul verletzt, ihre Läden geplündert worden. Eine energische Bekämpfung dieser /Agitation, wie sie die Ernennung Sarrauts zurn ״Prokonsul“ für Französisch-Nordafnka zum Ziel hat, wird daher wohl auch der jüdischen Bevölkerung eine Erleichterung bringen. ״Habimah“ in Paris. Unser Pariser K.•Berichterstatter schreibt: Die ״Habitnah“ ist jetzt in Paris eingetrofferi, wo sie — wie bereits gemeldet — im Rahmen der Veranstaltungen der Pariser Weltausstellung eine Anzahl von Stücken aus ihrem Repertoire aufführen wird. Die ״Habimah“ wird in Paris im ganzen 17 Vorstellungen geben, und zwar teilweise in dem größten Pariser Konzertsaal ״Pleyel“, teilweise im Theater der Cltanips Elysees, wo die meisten ausländiseben Gastspiele zur Weltausstellung stattfinde 11. Die 11״abitnah“ wird ihre Vorführungen mit einem Presseempfang eröffnen, aut dem vor geladenen Gästen der zweite Akt des ״Dyblmk“ gespielt werden wird. Nach Beendigung ihres Pariser Gastspieles wird die ״Habimah“ eine Europatournee antrcten, die wahrscheinlich 4 bis 5 Monate dauern wird. Nach der Rückkehr von der Europatournöe wird die ״Habimah“ wahrscheinlich in ihr neues Haus in Tel Aviv einz.ielien. Einwanderung nach Syrien? Der Anschluß des Negew an den geplanten jüdischen Staat in Palästina wird vom britischen Koloniemiiinisterium einer Meldung des ״Scotsman“ zufolge jetzt nicht mehr in Betracht gezogen. Der Gedanke des Anschlusses dieses Gebietes ist angeblich auch von Dr. Wciznann und der Zionistischen Organisation fallen gelassen worden. Das Blatt weiß weiter zu melden, daß möglicherweise den Juden eine Kompensation für diesen Verlust in der O eff nun g der Grenzen Syriens und des Libanon mit Zu- Stimmung Frankreichs sowie Transjorda « iens für jüdische Einwanderung geboten werden wird. Einer geplanten jüdischen Einwanderung nach Transjordaniat werde allerditigs von den meisten arabischen Staaten und von den Arabern Palästinas heftigster Widerstand entgegengesetzt. Dagegen glaubt man, daß man am Quai D ’ O r s a y eine Stärkung des nichtrnohammedanischen Bcvölkerungselemcntcs in Syrien und besonders im Libanon nicht: ungern sehen würde. Eine endgültige Antyyort auf diesen Vorschlag sei aber von französischer Seite noch nicht erfolgt. Der Zeitung ״A Difaa“ wird aus Damaskus berichtet, daß die syrische Regierung der französischen Regierting ein Schreiben gesandt habe, in der sie ihr den Dank für die Haltung der französischen Vertreter im Völkerbund bei der Behandlung des Palästinaproblems ausspricht. erlitten hat, geneigt scheint, den Glauben an sich selbst zu verlieren und sich allzu gering zu schätzen. Erkennen und Erleben AI! das, was unsere geistige Renaissance umfaßt, be-! wegt sich nicht allein int Bezirk des Erkenneris. Wohl be׳־ ginnt es mit dem Erkennen der Vergangenheit, dem Kennenlernen ihrer monumentalen Größe, aber es geht sehr rasch auch in die Sphäre des Erlebens über; das Erkennen, das emotional durchsetzt ist, ist zugleich ein Akt der Seele. Soweit es sich um die Erziehung der Jugend handelt, gehen wir dabei von der Ansicht aus, daß nicht allein die Natur als Lehrmeisterin noch das Kollektiverlebnis im Kreise der Jugendlichen selbst genügt, um sie zu jüdisch und menschlich voliwertigen Persönlichkeiten zu machen, sondern daß hierzu das Kulturell-Stoffliche hinzutreten muß, ja im Mittelpunkt aller Erziehung־ zu stehen hat. Jude sein und jüdisch leben sind formende Kräfte, die unser äußeres Dasein und unser intellektuelles Vermögen im Seelischen verankern, und es macht dabei keinen prinzipiellen Unterschied, ob wir hier oder irgendwo in der Golah oder in Erez Israel leben. Wer glaubt, daß die Kräfte des Volkes in ihrem Wesen noch stark sind, und wer zugleich weiß, daß die Wiedereinwurzelung des Volkes in dem Boden seiner alten Geschichte unerhörte Kraftanstrengungen und Opfer auf Generationen hinaus erfordert, der wird diese Leistungen vom Volke nur dann erwarten können, wenn es in seiner Seele einen tiefgehenden Umbildungsprozcß erfahren hat; das Volk muß wissen, ja mehr als wissen, nämlich intensiv empfinden, w o f ü r es da ist, wohin die erneuerte Volksexistenz tendiert. Ein rein formaler, bekenntnishafter Nationalismus genügt nicht; es muß wenigstens ein Kern im Volke vorhanden sein, der Träger einer substantielleren Auffassung vom Dasein des jüdischen Volkes ist und dieser Auffassung konkrete Gestalt zu geben vermag — sich stützend und auf richtend an den gewaltigen Figuren unserer klassischen Geschichte! Darum ist es gerade in dieser Zeit der äußeren Sorgen und der großen materiel« len Schwierigkeiten, die das jüdische Volk in seinem Kampf um Palästina und in weiten Gebieten der jüdischen Zerstreuung zu bestehen hat, die Aufgabe seiner besten, vorausschauendsten und zugleich in der Vergangenheit verankerten Geister, sich unter Führung ihrer bedeutendsten Vertreter zu einer Körperschaft von Autorität und aktiver Kraft zmammenzuschlicßen, um das Werk der jüdischen Renaissance in einer Richtung fortzusetzen, die der Große unserer Geschichte und den Hoffnungen unserer Zukunft entspricht. K. L. Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzcigcnlcitcr und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i!1 n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste■ 5 vom 1. April 1936. "Verlag und Anzeigenverwahur.g: Jüdische Rundschau, Berlin W 15» Mciriekcstr. 10. D.A. 111/1937 28 604. — Druck: Siegfried Scholen:,־ Berlin-Schöneberg.