Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 79 (5.10.1937)
- Date
- 1937-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Solte 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79, 5. X. 1937־ Präsidentenwahlen in Argentinien Von unserem Berichterstatter Erklärungen gegen Antisemitismus Zionistisches Leben Auswandererschutz Konferenz der Privatorganiaationen In Genf hat eine Sitzung des Verbindungskomitees der Privatorganisationen für Auswandcrerschutz stattgefimden, die mit dem unter der Leitung von Sir Ncrll Malcolm stehenden Völkerbundoberkommissari.it zusammen arbeitet. Obcrkonimissar Malcolm wohnte den Beratungen bei. Es waren die Vertreter von zwanzig jüdischen um! nichtjüdischen Verbänden erschienen. Zum Vorsitzenden wurde Professor Fischer vom schwedischen Landeskomitee für Atiswandererliilfe gewählt. Nach einer Ansprache des Oberkomntissars unterbreitete Jarblum der Konferenz den Entwurf eines Statuts für die Auswanderer aus Deutschland. Der Entwurf wurde in seinen Einzelheiten durchberaten. Die Vorschläge wurden nach eingehender Aussprache angenommen. In einer einstimmig־ angenommenen Resolution wer- ‘den auf Grund des Berichtes einer Unterkommission von Fachleuten Armierungen in dem jetzt geltenden Rechtsstatut für die Auswanderer in dem Sinne vorgeschlagen, daß der Auswandererschutz sich auf alle diejenigen erstrecken soll, die früher in Deutschland gelebt haben und jetzt nicht mehr den juristischen «der tatsächlichen Schutz der Reiebsregierung oder desjenigen Staates genießen, in dein sie vor ihrer Niederlassung in Deutschland gelebt haben. Weiter soll der Auswandererscluitz auf alle diejenigen erstreckt werden, die nicht die Privilegien der früheren Ausvvamlererschutzkonveution genießen. Weiter wird betont, daß eine Lösung des Auswandererproblems ohne Gewährung der Arbeit«- erlattbnis in den gegenwärtigen Auf ent 11 altsländern nicht möglich ist. Die Entschließung wird von dem Oberkommissai dem Völkerbumlsekretariat und der nach Genf einzuberufenden Zwischenstaatlichen Regierungskonferenz unterbreitet werden. Ar. den Obcrkonimissar wurde der Appell gerichtet, seinen!:infinit dahin geltend zu machen, daß das ,neue Statut angenommen werde. Der Obcrkommissar versprach, die von der Konferenz gefaßten Beschlüsse nachdrücklieh zu unterstützen. In einer weiteren Entschließung sprach die Konferenz ihre Genugtuung über den Bericht aus, den der Obcrkommissar der jetzigen Völkerbuiultagung vorgelegt hat. Sie verspricht, den Obcrkonimissar in seinen Bemühungen, geeignete T e r r i t o r i e n für die Ansiedlung von Auswanderern aus Deutschland ausfindig zu. machen, in jeder Weise zu unterstützen. |);c Laiidcshilfskomitccs wurden von der Konferenz aufgefordert, sich bei den Regierungen ihrer Länder dafür ein/11sc!/e11, daß diese die Durchführung der Konferenzbeschlüsse fordert. Zum ständigen Sekretär ries Verbindungskomitees mit dem Sitz in Paris wurde der Sekretär des Joint Distribution Committee, Nathan K a t z, gewählt. Die nächste Sitzung des Komitees wird im Januar 1938, voraussichtlich in Amsterdam, stattfinden, Die zum Studium der Auswandererfragen eingesetzt(־ U n t e r k o m 111 iss io n 11a♦ der Politischen Kommission des Völkerbundes ihren Bericht vorgelegt. In ihm werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, an den Konventioneu vom 2$. Oktober!03 und vom 30. Juni 1028 fcstzuhalten, Ausgewanderte nicht auszuweisen, bevor sie nicht die Aufenthaltserlaubnis in einem anderen Lande erlangt haben, und ihnen die Möglichkeit der Arbeit nicht zu erschweren. In dem zweiten Teil des Berichtes wird dem Oberkommissar für A 11 s w a!1 d e r e r f 11 r so r g e der Dank der Volkerbundsversamnilimg ausgesprochen. Er wird ermiiehtigt, gemeinsam mit dem Generalsekretär des Völkerbundes Anfang 10 3S eine Internationale Konferenz einzuberufen, die eine internationale Konvention über die Auswanderer aus I)eufschland ausarheifett soll. Die Regie rungen der gegenwärtigen An f enthältst an der werden ersucht, die endgültige Niederlassung der Ausgewanderten zu erleichtern. Das Geneinhtkretariat des Völkerbundes soll von der Volkerbundsversammhmg aufgefordert worden, gemeinsam mit dem heiter des Nansen-Amtes und dem Obcrkommissar für die Ausgewanderten ans Deutschland einen Hilfsplan bis zum il. Dezember l'H3 aufzustellen, der den einzelnen Regierungen bispätestens 15. Mai 1038 zur Prüfung vorgelegt werden .-oll. Palästina - Tagung־ in Wien Von unserem Berichterstatter J. R. Wien, 3. Oktober _ Zum ersten Male .«eit Bestehen des österreichischen Keren Hajessod hat dieser cm«■ für zwei Tage anheraumtc Pa- 1 a s t i 11 a - T a g 11 n g 1!;« 11 \X' i e n ein berufe 11. Ihre Eröffnung fand "sam-tug abends in Anwesenheit einiger hundert Delegunter ans Wien und den Bundesländern irn Ingenieur- und Arcl1itektrnvm׳in--aul st,!11. ,\n der f'ro;n 1mgssit/11 n־4׳ nahmen alle zioiii-ti-clieii Parteien Wiens sowie die der Jewish Agency aiurehoremleti niehizioiuetisehen Vereinigungen, ferner zahlreiche zioni-tische Vorst 1•tu r der Wiener Ivultusgemeinde mit dem Präsidenten an der Spitze sowie Vertreter der Kultusgemeimleig ,aus «len üsttirdclüsclien Bundesländern teil. Die Palustma-Tagim״, die durch die Teilnahme führender Personlichkeiteii aus dem zionistisdicn u!1;l jüdischen Lehen der Tschechoslowakei, fies Abgeordneten Dr. Angclo Goldstein und des Präsidenten des obersten Rates der israeiitiselten Kultusgemeindcii der Tschechoslowakei, Dr. Josef Popper, ihr besonderes Geprägt־ erhält, steht überdies im Zeichen des in den nächsten Wochen wiederkelircndcn 10. Todestages des Wiener Olierrabbiners Professor Dr. C h a j e s, des Mitbegiiinders und ersten Präsidenten des österreichischen Keren Hajessod, Diesem Gedenken galt, nach kurzen Eröffmntfjworten des Vizepräsidenten des Keren Hajessod, Direktor Sicgtricd Alt man 11, 11ru3 den Begrüßungsansprachen der einzelnen Parteiführer die Rede des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Deskler Fried mann, der ein umfassendes Bild von der einzigartigen Persönlichkeit Chajes' entwarf. Das Hauptreferat der Tagung erstattete der Prager Abgeordnete Dr. Angclo Ci oldst ein, der seinen Vortrag über die Ergebnisse des XX, Zionistenkongresses mit Gedenkworten für den verstorbenen Präsidenten Masaryk, zu dessen Ehrung sich die Versammlung von den Sitzen erhob, einleitete. In seinem Relcrat gab Dr. Goldstein eine überaus interessant gestaltete Schilderung über die Arbeiten des XX. Zionistenkongresses, Die Tagung wurde aut Sonntag fortgesetzt. Es referierte zunächst der Präsident des obersten Rate« der israelitischen Kultusgemeiiulen der Tschechoslowakei, Dr. Josef Popper, «Mitglied des Administrative Committee der Jewish Agency, über den ״V. Council der Jewish Agency“. In der Vormittags- Sitzung wurde ferner vom Vorsitzenden des zionistischen Landeskomitees ein Referat über ״Das österreichische Judentum und der Palästina-Aufbau“ erstattet und schließlich sprach als letzter Redner der zweiten Sitzung der administrative Leiter des österreichischen Keren Hajessod über ״Die Bedeutung der nationalen Mittel für die nächste Entwicklung“. Die Nachmittagssitzung brachte nach einem Lichtbildervortrag ״Das Gesicht des neuen Palästina“ von Unimsitütsprofessor Max Eisler eine allgemeine Aussprache. B u e n 08 Air es, 22. September Die vor einigen Wochen in ganz Argentinien vorgenommenen Präsidentenwahlen haben, wenn auch indirekt, auch auf das jüdische Lehen hier einen gewissen Einfluß gehabt. Vor allem zeigte sich in den letzten Wochen vor dem Wahlakt eine sowohl in der Propaganda der beiden kämpfenden Parteien als auch in der der sich bei diesen Wahlen passiv verhaltenden antisemitischen Gruppen, daß man sich allseits der hiesigen Juden erinnerte. Der Kandidat der konservativen (jetzt am Ruder befindlichen) Partei, Ort i z, ließ in den letzten Vorwahltagen an den Mauern der Stra- Ben im jüdischen Stadtviertel Plakate anklcbeit, in denen der Antisemitismus abgelebt nt und die feierliche 2 u s i c 11 er 1t n g gegeben wird, daß unter seinem Regime die absoltife Gleichheit aller Bürger des Landes bewahrt werden würde. Auch die Radikalen, deren Kandidat Alvear ist, blieben mit ähnlichen Freundschafts- und Loyalitätsbezeugangen gegenüber den Juden des Landes nicht zurück. Hingegen benutzten einige antisemitische Gruppierungen die Gelegenheit, um ihre Propaganda durchzuführen. Einzelne Fälle von direkter Intervention der Regierung gegen die antisemitische Propaganda tonnten verzeichnet werden; das Blatt ״Clarinada“ mußte sieb etwas zurückhalten. Die W a h- 1 e n selbst sind, mit einigen Ausnahmen in der Provinz Bucnos-Aires, im ganzen Lande ruhig verlaufen; in der Nacht des Sonntag, 5. September, versuchten einzelne kleinere faschistische Gruppen auf den Hauptstraßen zu demonstrieren und ein demokratisches Blatt anzugreifen, wurden aber durch energisches Eingreifen der Polizei an weiteren Ausschreitungen verhindert. Nur das Denkmal des Roque Saenz Pefla, des Schöpfers des heutigen Wahl- Systems Argentiniens, wurde beschmutzt; weitere nennenswerte Ruhestörungen sind nicht vorgekommer -- Bei der jetzt allmählich sich abwickclnden Bekanntgabe der Wahlresultate stellt es sich heraus, daß in der von vielen jüdischen Kolonisten bewohnten Provinz Entrc-Rios, die sonst gewöhnlich als radikale Festung galt, die Radikalen in der «Minderheit geblieben sind, während in der Hauptstadt selbst diese gesiegt haben. Immerhin ist die Wahl Ortiz’ gesichert, und es wird nun abzuwarten sein, ob er die freundlichen Absichten, di« er während der MZ&hlpropaganda bekundet hat, auch in der Praxis durchführen wird, Jüdisches Leben In Paris Von unseren! Berichterstatter K. Paris, im Oktober Dar Abschluß des jiddischen Kulturkongresees Der jiddische Kulturkongreß ist in Paris in der vergangenen Woche abgeschlossen worden. Ziel des Kongresses war die Besprechung und Förderung der wichtigsten Probleme der jiddischen Galuthkultur und die Begründung eines Studien- und Dokumentationszentrums, das die Verbindungen zwischen den kulturellen Arbeitern aal dem Gebiet der jiddischen Kul- 1tr in allen Ländern aufrechterhalten soll. Fast alle jüdischen Galuthländer waren auf dieser Tagung durch Delegationen vertreten, wobei allerdings die Frage offen bleibt, ob diese Delegationen wirklicli repräsentativ waren. Zum Abschluß des Kongresses wurden eine große Anzahl von Resolutionen über jiddisches Theater, Schulwesen, Presse, Literatur usw. angenommen. Es wurde schliefllich eine ״Union Mondiale de la Gilture Juive“ gegründet, die die Verteidigung und die Verbreitung der jiddischen Kultur zum Ziele hat. An der Spitze der neuen Wcltunion stellt ein Komitee von 85 «Mitgliedern aus allen an dem Kongreß beledigten Ländern. Die französische Sektion der neuen ״Union" wird vorläufig die Polle eines Exekutivkomitees des Wellvcrbandes erfüllen und «las Pariser Büro die organisatorischen Aufgaben durchführen, Wiederaufnahme der zlonlstiechen Arbeit Nach der Unterbrechung• durch die Sommerferien wird die zionistische Arbeit in Paris wieder aufgenommen. Verschie* dene Organisationen kündigen Versammlungen an, in denen vor allem über die Palästinaproblcme und die Ergebnisse des Völkerbundsverseunmlimg nimmt an Die Völkerbundsversarnrnlung hat die ihr von der Poli■ tischen Kommission unterbreitete Entschließung über die Ver• xvaltung des Palästina-Mandats angenommen. Verlöbnis und Mischehenveibot Nachdem durch das Blutschutzgesetz vom 15. 9. 1935 Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutsehen oder artverwandten Blutes verboten und unter Strafe gestellt sind, ist auch ein E h e v e r s p r e c h e n, das auf eine solche Ehe gerichtet ist, wegen dieses absoluten Ehe- Hindernisses nichtig. (Vgl. die in der ״J. R.״ vom 16. 3. 3? mitgeteilte Reichsgerichtsentschcidung.) In einem Urteil vom 30. 7, 1937 hat das Reichsgericht ausgesprochen, daß auch eine vor Erlaß d es Blut• schutzgcsetzes zwischen einer Jüdin und einem deutschbliitigen Staatsangehörigen geschlossene Verlobung durch das Blutschutzgesetz von selbst g-elöst und nichtig geworden ist. Im Hinblick auf den Tatbestand des in diesem Urteil entschiedenen Falles wird bemerkt, daß es hieran auch nichts ändert, daß der deutschbliitige Verlobte zur jüdischen Religion übertreten und die Verlobten nach Palästina aus wandern wollten. Eine etwa im Ausland — auch ohne Umgehung des Gesetzes —- geschlossene Ehe kann das Verlöbnis für <las deutsche Reichsgebi et nicht rechtsgültig machen, Unerheblich ist es auch, wenn in solchen Fällen wegen der beabsichtigten Auswanderung und des geplanten Uehertritt! zur jüdischen Religion mit einer Befreiung van dem Eheverbot gerechnet wird. Nur bei einer vorher ausnahinsweise erteilten Befreiung würde die Nichtigkeit eines aut eine Rassenmischehe hin zielenden Eheversprechens entfallen. Das nichtige Verlöbnis hat keinerlei Rechtsfolgen, z. B. ist das sonst für Verlobte gewährte ZeugnisverwHgerungsrecht nicht gegeben; die Verlobten gelten nicht wie in sonstigen Fällen als Angehörige, so daß auch die von einem Verlobten dem anderen Teile gewährte Begünstigung, die sonst straflos ist, hier bestraft wird. Die hiesige Presse, und zwar ohne Unterschied der Richtung, hat, während des Kongresses in Zürich und auch vor- und nachher, sehr viel Raum den Palästina- Debatten gewidmet, so daß die hiesige jüdische und nichtjüdische Bevölkerung von dein Gang der Ereignisse in Zürich und Genf genau unterrichtet war. Hier und da erschienett auch Spezialinterviews der argentinischen Delegierten in der Presse von Buenos Aires, darunter ausführliche und interepante Erklärungen der Herren Gesang und Lutzki. Zum ersten Male beteiligte sich an der Tagung der Jewish Agency ein argentinischer Vertreter, Jacobo Sasslawski. Am 29. August fand im größten Saal der Hauptstadt eine von der zionistischen Federation und der Jewish Agency einberufene feierliche Versammlung zur Erinnerung an den ersten Zionisten kon gre ß in Basel statt. Es sprachen die Herren; Dr. A. Mibasban, S. Rabinovitsch, Dr. Juris und Dr. Salvador Kibrick. Die Feier, die von über 1500 Personen besucht wurde, gestaltete sich zu einer der imposantesten Kundgebungen der südamerikanischen Juden für den Zionismus und Palästina. Das Interesse des Publikums für die Frage des Judenstaates und die damit verbundenen Probleme bekundete sich auch geltgentlich einer öffentlichen ״Gerichtsverhandlung", veranstaltet durch die Gruppe deutschsprcehender Zionisten, die eine ungeheure Menschenmenge anzog und einen hier noch nie gesehenen Erfolg erzielte. Als Ankläger fungierte Moshe bei! Sha 10nt Lutzki, als Verteidiger Dr. A. Miba* slian, als Sachverständige Dr. Dang (Christ), Dr. Juris, M. Regalski tisw. Die unter Vorsitz von Dr. Wolfsohn, Dr. Nichensohn und Dr. Harry Cohn geführten Verhandlungen fanden in der hiesigen Presse ein lebhaftes Echo und erwerkten auch in sonst unserer Sache ziemlich fernstehenden Kreisen das größte Interesse. — Die diesjährige Kampagne des Keren Hajessod geht ihrem Ende entgegen. Sie wird in der Hauptstadt um über 50 °'o, in der Provinz um etwas über 33 «0 mehr als im Vorjahre er* geben. Zuin ersten «Male beteiligten sich an dieser Aktion auch nielitzionistische Mitarbeiter. Die hiesige Abteilung der jewish Agency Hat in den letzten Monaten mehrere Schriften in spanischer Sprache über Palästina und den Zionismus veröffentlicht, darunter da* Werk ״Dein Nächster“ (The Neighbour) von Lord Melchett, das einen großen Absatz findet. Abu-Noem! Züricher Kongresses gesprochen werden wird. U. a. eröffnet die Pariser Wizo ihre Winterarbeit mit einem Vortrag von Ma!tre Sassia Ehrlich über die neue Lage in Palästina. Bel dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Lage in Palästina und der Züricher Zionistenkongreß in den nächsten Tagen auch vor einem nichtjüdischen Forum in Paris besprochen vverden wird. In dem öffentlichen Sprechsaal des ״Club dil Faubourg“ findet eine große Auseinandersetzung über den jüdischen Staat in Palästina und den zionistischen Kongreß 80wie über das Problem des Antisemitismus statt. U. a, wird auch Mn xa Nord au, die Tochter Max Nordaus, da* Wort ergreifen, Di« ״Habln1ab“ In Paria Der Beginn des Gastspiels des hebräischen Theater* ä*F ״Habimah“, das im Rahmen der Veranstaltungen der Internationalen Ausstellung in Paris sfattfindet, ist nunmehr endgültig auf den 16. Oktober festgesetzt worden. Da der neue Saalbau des ״Trocadero“ immer noch nicht fertiggestellt worden ist, werden die Aufführungen der_ ״Habiman“ im ״Salle Plevel“, dein größten Kon/ertsaai der Stadt Paris, stattfinden• Als Proeranmi der Veranstaltungen der ״Habimah“ sind folgende Stücke bisher nngekündigt: ״Dybbuk“ von Anikv, ״Der Ewige Jude“ von David Pinsky, ״Uriel Acosta“ nach Gutzkow und ״Der Golem“ von H. Lciwik, Ausstellungen palästinensischer Kunst In der Galerie Billet in Paris ist!oeben eine Ausstellung des palästinensischen Maiers Mcnalicin Sch mit eröffnet worden, die unter dem Protektorat der Vereinigung ״France- Palestine“ steht. Anschließend an diese Veranstaltung wird in der gleichen Galerie Steinhardt seine Werke zeigen. Massenflucht aus Bielitz - Biala Warschau, 29. September, Die letzten aus BI e- Ittz-Bial a elngetroflenen Nachrichten besagen, (fall mehr als 4000 Juden nach den letzten Zwischenfällan die Stadt verlassen haben- Kein einziges jüdische! Geschäft und kaum eine jüdische Wohnung ist verschont geblieben. Die Synagoge von Bielitz ist teilweise zerstört! der Strom der jüdischen Flüchtlinge «rgießt sich in die benachbarten Städte, besonders nach Krakau und Teschen. Ein* Anzahl Juden aus Blelitz-Blala traf auch ln Prag ein. Der Pogrom in Blelitz-Blala ist durch das Gerücht *utgelöst worden, daß ein gewisser G o r n y von Juden nieder* geschlagen worden sei. Eine Untersuchung hat Inzwischen ergeben, daß Gorny ein Epileptiker Ist, der bei einem Anfall das Bewußtsein verloren hatte und zu Boden gc> stürzt war. Aus Budapest wird uns geschrieben! Die ln der ״Jüdlsehen Rundschau“ im Juli August veröffentlichte Aufsatzreihe, worin die Erscheinungen des jüdischen Lebens in Ungarn IcH* tisch, gleichzeitig aber durchaus wohlwollend behandelt wurden, hat in ernsten jüdischen Kreisen des Landes große Be• triedigung liervorgerufen. Dieser Slimmung gab der bekannte Schriftsteller Dr. Josef Patai Ausdruck, als er in der letzten Nummer der von ihm herausgegebenen Monatsschrift ״Mult es Jövö“ die Aufsätze als die Früchte einer ernsten Studienreise würdigte und die vom Autor gewonnenen Folgerungen auch seinerseits unterstrich. Begreiflich, daß die offizieilen Kreise des ungarischen Judentum« entsetzt waren, als durch die in ungarischer Sprache erscheinende ״Mult Ss Jövö" die von der ״Jüdischen Rundschau“ an der assimilatorischen Leitung des ungarischen Judentums geübte Kritik allgemein bekannt wurde. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn das der Gemeindeleitung sehr nahestehende Wochen• blatt ״Egyerilöseg“ daraufhin Dr. Patai auf das heftigste an• griff. (Freilich erfolgte dies in Ausdrücken, die im Ausland bei Zeitungspolemiken wenig gebräuchlich sind.) Der Vor• stand der Zionistischen Vereinigung: für Ungarn hat sich nun mit diesen Vorgängen befaßt und sich einstimmig mit Dr. Patai solidarisch erklärt. J. H.