Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 79 (5.10.1937)
- Date
- 1937-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 JÖOISCHE RUNDSCHAU Nr, 79, 5. X. 1937 Londoner Pressestimmen Ein Wendepunkt? England hat auf den furchtbaren Mord an dem Distriktskommissar Andrews in Nazareth die erwartete Antwort gegeben. Die Geduld ist zu Ende. Diese Tat hat das volle Faß zum Ueberfließen gebracht. Fast 1','a Jahre nach dem Ausbruch des arabischen Aufstandes, der zahlreiche Todesopfer gekostet hat, und drei Monate nach dem Erscheinen des Peel-Berichtes, der ziemlich unverhüllt die moralische Verantwortlichkeit des Mufti und seines Kreises für die Unruhen festgestellt hatte, hat die Mandatar-Regierung zu einem entscheidenden Schlag gegen die revolutionäre arabische Be• wegung ausgeholt. Schon die Tatsache, daß bei den zahlreichen Attentaten der letzten Zeit — auch bei solchen, denen Araber oder Engländer zum Opfer gefallen sind — kein einziges Mal die Täter festgenommen werden konnten, machte es notwendig, auf die politisehen Führer zurückzugreifen. Hätte sich die Regierung früher zu solchen Maßnahmen entschlossen, dann wäre es vielleicht möglich gewesen, rechtzeitig einen Weg der Verständigung zu finden, denn es ist oft darauf hingewiesen worden, daß viele gemäßigte Araber einen Ausgleich wünschen, aber durch die Furcht vor dem Mufti und den anderen Extremisten verhindert werden, ihre Meinung offen zu äußern. Die Absetzung des M11 f t i von den Aemtern, die ihm England ver• liehen hat, ist das deutlichste Eingeständnis des Scheiterns jener Politik der Versöhnung, die Herbert Samuel If)22 begonnen hat und von der er selbst in seinen letzten Parlamentsreden zumindest teilweise abriieken mußte, jener Politik, die die ״Times‘■ als ein ״unglückseliges Experiment“ Sir Arthur Wauchopes bezeichnet. Die organisierte arabische Nationalbewegung, bisher trotz ihres offenkundig gegen die Landesverfassung (das Mandat) gerichteten Charakters toleriert, ist durch die Auflösung ihrer zentralen und lokalen Komitees illegal geworden. Eine Betätigung in ihrem Sinne würde unter das Au f ru hrge setz fallen und müßte demgemäß bestraft werden. Wieweit sich dies ohne Proklamie• rung des Kriegszustandes durchführen läßt, ist noch nicht zu übersehen, denn in dem gegenwärtigen Stadium, wo so gut wie die ganze arabische Bevölkerung in die Nationalbewegung einbezogen ist, fällt deren Bekämpfung viel schwerer als früher. Das spurlose Entkommen aller Attentäter und Terroristen trotz der hohen ausgesetzten Belohnungen beweist jedenfalls, daß die arabische Bevölkerung ein hohes Maß nationaler Soli- Parität besitzt; dazu kommt noch der Terror der Geheim- Organisationen, die anscheinend einen nicht unbeträchtliehen Teil der arabischen Jugend umfassen. Die Regierung hat die militärischen Vorkehrungen verstärkt, jedoch bisher keinen Ausnahmezustand verhängt. Sind nun diese Maßnahmen wirklich ein Wendepunkt in der Palästina-Politik Englands? Diese Frage, die sich naturgemäß zuerst aufdrängt, wird man zunächst nur vorsichtig beantworten können. Es gibt viele Präzedenzfälle in der englischen Kolonialgeschichte, besonders der letzten zwanzig Jahre, die beweisen, daß England sich zuweilen drastischer Mittel bedient, bald darauf aber wieder zu anderen, oft entgegengesetzten Methoden übergeht. Beispiele aus der Geschichte Aegvptens oder Indiens ließen sich anführen. Man muß sich auch darüber klar sein, daß sich zugunsten der arabischen Bewegung Palästinas eine weltweite Aktion erliehen wird, nicht nur in den moslemischen Ländern einschließlich Indiens, nicht nur durch Intervention der moslemischen Mitgliedstaaten des Völkerbundes wie Irak und Aegypten, sondern auch in England selbst, wo ein Teil der öffentlichen Meinung auf seiten der Araber steht oder doch zumindest ein so scharfes Vorgehen nicht für richtig hält, und möglicherweise auch in den libernlen Kreisen anderer Länder, wie z.B. Amerikas. Daß die Verschärfung der Lage in Palästina auch ein Motiv innerhalb der großen, seit zwei Jahren schwebenden weltpolitischen Auseinandersetzungen um das Mittelmcer bilden kann, braucht kaum erwähnt zu werden. Man muß aber annehmen, daß die englische Regierung alle diese Widerstände vorher überlegt hat und die jetzt begonnene Politik mit Entschlossenheit bis zum logisehen E n de durchführen wird. Alles andere wäre verhängnisvoll für das britische Prestige und Ansehen und ■würde Englands Position in jeder Weise schwächen. England hat jetzt einen guten Stand, denn die Ermordt111g des Distriktsgouverneurs von Galiläa ist eine Tat, die nicht ungesühnt bleiben kann; zudem kann England allen Kritikern nachweisen, daß es genug langmütig war und sich um eine Versöhnung bemüht hat. Ein weiteres Nachgeben würde Räumung der englischen Positionen und Bruch des feierlichen Versprechens bedeuten. Das Ende, zu dem England die Palästina-Politik steuern will, ist klar vorgezeichnet durch die Empfehhingen des Peel-Berichtes. Nach Beseitigung der extremen Führerschicht müßte freie Bahn geschaffen werden für die gemäßigte Gruppe arabischer Politiker, die aus Realitätssinn und wohlverstandenem Interesse einem Ausgleich im Sinne des Peel-Berichtes zuneigen und damit dem erschöpften Lande die Möglichkeit einer Beruhigung und eines neuen Aufschwunges geben wollen. Ein schnelles fait accompli würde der Unruhe ein Ende machen. Das jüdische Volk, das durch die Erfahrungen der letzten Jahre gelernt hat, Palästina nicht nur durch die Brille des Ideals sondern in seiner Wirklichkeit zu sehen, wird gewiß bereit sein, an einer friedlichen Lösung, die das durch die Person des Mufti bezeichnete unglückliche Kapitel endgültig abschließt, mit allen Kräften und aller Offenheit mitzuwirken. ״Times“ sagt: ״Endlich!“ Die Londoner ״Times“ vom 2. Oktober läßt keinen Zweifel darüber, daß die englische öffentliche Meinung das scharfe Vorgehen der Regierung billigt. Das Blatt, das in den letzten Wochen wiederholt auf die von der Royal Commission enthüllte verhängnisvolle Rolle des Mufti hingewiesen hat, schreibt in einem Leitartikel, daß die palästinensischen Behörden ״endlich“ Maßnahmen gegen das Oberste Arabische Komitee und den Mufti ergriffen hätten. Das Communique der Regierung erkläre nicht, warum die Regierung über drei Monate gebraucht habe, um energische Maßnahmen gegen Gruppen und Personen zu treffen, die moralisch für die Dnruhen und den Terror verantwortlich waren, die das Heilige Land gequält haben. Die erste Empfindung in vielen Kreisen Palästinas werde ein Gefühl großer Erleichterung sein. Diese Erleichterung ist nicht auf die Juden beschränkt. Das Blatt verweist auf die vielen Morde an gemäßigten Arabern, die nicht mit der Politik des Mufti einverstanden waren. Was immer mit dem Mufti, der sich am 17. Juli in das Heiligtum geflüchtet hat, geschehen mag, sein Einfluß ist wahrscheinlich erschüttert. Er hat die zwei hohen Aemtcr verloren, die ihm die Kontrolle über große Gelder gaben, die sich nach dem Peel-Bericht auf £ 67 000 pro Jahr belaufen, sowie die Ernennung von rund 1500 Geistlichen, die seine Politik in ihren Freitagpredigten und bei ihren Inspektion?- reisen verkünden mußten. Diese Verluste werden wohl seinen Status vom Führer eines ״Staates im Staate“ zu dem eines arabischen Po’itikers unter anderen Politikern reduzieren. Was die Terroristen anbelangt, von denen wohl die meisten aus Syrien stammen, so sollte eine genaue Ucberwachung der Grenze und eine engere Zusammenarbeit mit den t'ranzösischen Behörden in Syrien ein weiteres Hereinströmen verhindern. Damaskus ist notorisch eines der Zentren, wo sie angeworben werden; wilde Pläne wurden bei dem letzten arabischen Kongreß bei Damaskus erörtert; aber die Entschiossenheit der Falästinaregierung, die Ordnung wiederherzustellen und aufrechtzucrhaltcn, wird wohl die Abenteurer abschrecken. Zugleich muß erkannt werden, daß die unglücklichen Wirkungen des langen und — wie die Tatsachen zeigen — nutzlosen Experiments derVersöhnung, das Waucliope unternahm, nicht sofort verschwinden werden; und daß die Empfehlungen der Kgl. Kommission nicht durchgeführt werden können, bis die Mandatarmacht das öffentliche Vertrauen wieder hergestellt hat durch Sicherung von Ordnung und Sicherheit, die das Heilige Land verdient. ״Keine Kursänderung“ Dem gegenwärtigen Leiter der Palästina-Regierung, Chef- Sekretär Battershill, wird im ״Daily Telegraph“ beson* dere Anerkennung für den Mut und die Schnelligkeit gezollt, mit der er das politische Verbrechen in Palästina an der Wurzel getroffen habe. Die Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees, die wieder einmal gezeigt׳ hätten, daß sie nicht imstande sind, etwas zu lernen oder etwas zu vergessen, würden vielleicht im Exil einen kühleren Kopf bekommen und die primitiven Regeln politischer Klugheit lernen. Sicherlich würden sie nicht den Glorienschein des Märtyrers erwerben. Das Vorgehen der Regierung sei kein Ab weichen von der festgelegten britischen P a 1 ä st i n a pol i t i k, die ein Ueberwinden des toten Punktes aut der Grundlage von Gerechtigkeit und Unparteilichkeit anstrebt. Nur darin weiche es von der bisherigen Politik ab, daß die Regierung endlich einen greifbaren Beweis ihrer Entschlossenheit gegeben hat, daß künftighin Mord als Agitationsmittel nicht mehr geduldet werden wird. Fs sei nur bedauerlich, daß die Regiemng trotz der belastenden Beweise, die sich in ihrem Besitz befanden, mit ihrem Ent- Der Eindruck in Palästina Der Jerusalemer Korrespondent der Londoner ״Times“ schreibt, daß man nach den letzten Maßnahmen der Regierung erkenne, daß die ausgedehnten Verhaftungen während der letzten Tage (nach dem Mord in Nazareth) den Zweck hatten, jede mögliche Agitation nach der Maßnahme gegen das Oberste Arabische Komitee zu verhindern. Eine Verhaftung des Mufti scheine nicht beabsichtigt zu sein. Manche betrachten dies als ein Zeichen der Schwäche, aber andere stellen fest, daß die Hauptsache ist, ihn der Kontrolle der Gelder des Obersten Möslemischen Rats enthoben zu haben. Dies verhindert die Möglichkeit einer lieber Weisung von Geldern an die Terroristenbanden. Freilich erhalten die Terroristen auch durch Erpressung Gelder von reichen Notabein, und man kann nicht genau sagen, wieweit diese Einkommensquelle durch die gegenwärtigen Maßnahmen reduziert werden wird. Die arabische Meinung ist sehr überrascht über die Deportation von Hussein Klialdi, Fuad Saba und Achmed Hilmi Pascha, die man der bewußten Mitwirkung an irgendeiner Mordaktion für unfähig hält. Der letztgenannte ist vielleicht miteinbegriffen worden, weil er als Direktor der Arabischen Bank in der Lage war, unerlaubte Gelder zu überweisen. Die Regierungserklärung bezeichnet die drei als ״moralisch verantwortlich“, eine Wendung, aus der hervorzugehen scheint, daß infolge des Fehlens von Beweisen nicht beabsichtigt ist, ein ordentliches Verfahren gegen sie anhängig zu machen. Was die politischen Aussichten anbelangt, so dürfte die arabische Haltung gegen eine Verminderung der arabischen Ansprüche versteift «.׳erden; aber Unruhen in großem Maßstab sind unwahrscheinlich wegen der Vorkehrungen der Regierung und wegen des arabischen Vertraucns auf die Hilfe der arabischen und anderer Mächte nach der Palästina-Debatte im Völkerbund. Die Hauptquartiere der Terroristenbanden liegen wahrscheinlich im Norden und sind vielleicht mit der ursprünglichen Bande des Scheichs Kassam verbunden, die teilweise im Jahre 1935 vernichtet wurde und eine halbreligiöse Grundlage hatte. Der Berichterstatter betont, daß jüdische Kreise große Befriedigung über die von ihnen seit langer Zeit geforderte Aktion der Regierung äußern. Todesfall. Aus Wien wird uns geschrieben: Knapp vor Vollendung seines 50. Lebensjahres wurde Dr. Georg Wein c r nach kurzer Krankheit jäh vom Tode ereilt. Der Verstorbene zählte zu den eifrigsten und aktivsten Zionisten von Wien. Von frühester Jugend der zionistischen Bewegung ergeben, stand Dr. Weiner schon als junger Hochschiiler als Mitglied des Vereines zionistischer Hochschiiler ״Theodor H e r z 1“ in der ersten Reihe der zionistischen Akademiker Oesterreichs und nahm führend am zionistischen Leben teil. Zuletzt übte Dr. Weiner das Amt des Obmannes der Steuereinschätzungskomtnission der Wiener Kultusgemeinde aus. Sein Ansehen auch in nichtjüdischen, insbesondere in Anwaltskreisen war groß. Wiederholt wurde Dr. Weiner in den Disziplinarrat der Wiener Rechtsanwaltskammer entsandt. Schluß gewartet hat, bis ein wertvoller Beamter sein Leben eingebüßt hatte. Was die Araber betrifft, so hätten sie durch die Beseitigung von Führern, deren Mitschuld an der Gewalttätigkeit innen nur Mißkredit gebracht hat, keinen Verlust erlitten. Die Stimme der arabischen öffentlichen Meinung werde, wenn sie durch andere Führer repräsentiert wird, eher Gehör linden. Die Araber in Palästina und diejenigen, die in anderen Ländern mit ihnen sympathisieren, sollten daher die ersten sein, die den soeben getanen Schritt begrüßen. ״Manchester Guardian“ schreibt, die Araber seien bisher geneigt gewesen, die Frage, ob die britische Regierung durch Terror eingcschüchtert werden kann, mit Ja zu «antworten. Die jetzigen Maßnahmen, insbesondere <fie Absetzung des Mufti, dürften ihnen eine andere Antwort nahelegen. Daß die Verhaftungen keinen politischen Kurs- Wechsel bedeuten, wird vom ״News Chronicle“ besonders hervorgelioben. Es ist natürlich, schreibt das Blatt, höchst bedauerlich, daß in einer Zeit, in der England alles tut, um ein unparteiisches Gleichgewicht zwischen Juden und Arabern aufrecht zu erhalten, derartige Maßnahmen nur gegen Araber getroffen werden müssen. Aber das ist ein Fenier der arabischen, nicht der englischen Politik. Es muß völlig klargestellt werden, daß die Verhaftungen nicht aut eine Aenderung der britischen Politik hin deuten. Die arabischen Führer sollen bestraft werden, weil sie Feinde nicht der Juden, sondern von Gesetz urrd Ordnung sind. Die endgültige Lehre, die aus den gestrigen Vorfällen zu ziehen ist, ist die unbedingte Notwendigkeit, eine gerechte Lösung des Palästinaproblems zum frühestmöglichen Zeitpunkt anzustreben. Es ist dies eines derjenigen Probleme, die sich nicht von seihst lösen werden. Der diplomatische Korrespondent des ״Observer“ berichtet über die Stimmung in englischen Regiere rieskreisen folgendes: die Regierung hat nur mit größter Besorgnis und Zurückhaltung sich entschlossen, scharfe Repressiv-Maßnahinen gegen die Araber anzuwenden. Auf der einen Seite wird es als unerläßlich betrachtet, die Pflicht, Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten, nicht einzuschränken, da bei dem Vorherrschen des organisierten Terrorismus nicht einmal an die Anwendung der Empfehlungen der Peel- Kommission zu denken wäre, aut der anderen Seite verringert die Notwendigkeit, Maßnahmen gegen die Araber zu ergreifen, noch mehr die Chancen, daß diese Empfehlungen, angenommen werden, und stehen im Widerspruch mit dem streng unparteiischen Zweck dieser Empfehlungen. Der jetzige Ausnahmezustand wird also von der Regierung als ein großes Unglück für alle beteiligten Parteien.betrachtet, obwohl anerkannt wird, daß die Regierung keine andere Möglichkeit hat, als Unruhen mit allen Mitteln zu unterdrücken. Die Londoner Abendzeitungen vom Freitag berichten, daß sich die Palästina-Regierung zu ihrem scharfen Vorgehen gegen die Führer der arabischen Bewegung entschlossen hat, nachdem diese der Regierung eine Denkschrift gesandt hatten, in der sie ultimativ die Freilassung der 200 nach dem Mord an Distrikts kommissar And r e w s verhafteten Araber verlangt hatten. Dieser Schritt, so schreiben die Londoner Zeitungen, habe das Maß der von der Palästina-Regierung bisher gezeigten Geduld zum Ueberlaufen gebracht. * Die ״New York Times" widmet der Wendung(:!« Palästina einen Leitartikel, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Palästina-Regierung entschlossen ist, energische Maßnahmen zu treffen. Die Welt, so heißt es in dem Artikel, begrüße diesen Schritt als Beweis dafür, daß die Palästina- Regierung wirklich beabsichtigt zu regieren. Sabotage - Akte Jerusalem, 4. Oktober. (JTA.) Die arabischen Terroristen beginnen wieder Sabotageakte wie in der Zeit der Unruhen des letzten Jahres auszuführen. Am Mantag ist die Geflügelfarm der Regierung bei Haifa eingeäschert worden. Die Oelleitung der Irak Petroleum Comp, wurde bei Dschissr Majamca an drei Punkten aufgerissen und das ausströmende Oel in Brand gesteckt. In arabischen Kreisen wird erklärt, daß die Bemühungen der Palästina-Regierung, an Stelle des aufgelösten Arabischen Komitees eine ״Arab Agency“ als Vertretung der Araber Palästinas einzusetzen, mit der die im November nach Palästina zu entsendende neue Kommission über die politische Neugestaltung des Landes verhandeln soll, an dem Widerstand der Bevölkerung scheitern werden. Die Araber Palästinas würden Wahlen zu einer solchen Agency boykottieren. Die Distriktskommissare sind ermächtigt worden, die Oeffnung der zum Protest geschlossenen arabischen Geschäfte unter Strafandrohung zu verlangen. Auch der Mufti hat in einem Sonntag im ganzen Land verbreiteten Aufruf die Araber aufgefordert, von ״Teilstreiks“ abzusehen, um die Kräfte nicht durch halbe Maßnahmen zu vergeuden. Mit Rücksicht auf die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Unruhen haben die britischen Garnisonen in Aegypten Befehl erhalten, sich für eine etwaige Intcrvention marschbereit zu machen. Es sind Vorbereitungen getrollen worden, um im Notfall kleinere Infanterie-Abteilungen im Flugzeug von Aegypten nach Palästina zu bringen. Trotz der scharfen Maßnahmen der Palästina-Regierung wird die Terrorkampagne gegen die ^ermäßigten arabischen Elemente fortgesetzt. In Akko ist Scheich Abdul Fatach erschossen worden. Ein zweiter Araber, der sich in seiner Begleitung befand, wurde verwundet. Die Angreifer sind entkommen._ Die Londoner Abendzeitung ״Star“ berichtet, daß die Möglichkeit der Oeffnung Syriens und des Libanon für jüdische Einwanderung von den britischen lind französischen Delegierten in Genf hinter den Kulissen erörtert worden sei. Die Stellungnahme Frankreichs zu diesem Vorschlag sei noch unbestimmt. In Florenz ist der Pathologe und Bakteriologe Senator Prof. Alessandro Lustig, einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten Italiens, SOjährig verstorben. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert, W e 11 s c h, Bprlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von. Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. *billig Anzeigen Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverxvaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. IhA. 111/1937 28 604.— Druck: Siegfried Seholem, Bcrlin-Sdioncbcrg.