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Jüdische Rundschau · 1937-10-05 · Heft 79 (5.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 79 (5.10.1937)
Date
1937-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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- /- lü. JS37 ׳! /l:? '׳ . cO Nr. 79 ✓ Jahrgang 42 Preis 25 R|l! JÜDISCHE RUNDSCHAU Rtdtktion,V»rla2 and A nxelgenverwaltaiig! BerllnW 15, Matnakaatr.lO fararaf 1 H5U31, Tsisgramra *hdrm« c QrgbSp. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, ja Vierteljahr RM 5.75, bei Abholung RM 1,88 bxw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertrieb» -Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin). Berlin 17392 (für das übrig« Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter BeittgsgebÜhran. *— Erscheint jeden Dionstag and Freitag. Der Zionismus erstrebt!Or das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) BERLIN ל׳ תשי־י חרצ״ח DIENSTAG, 5. OKTOBER 1937 Gültig 1 Anzeigenpreis liste Nr• 5• Die 12 gespaltene mm •Zeile 20 Rpf,, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit«• anzeigeo nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitsg 9—18 Uhr. Annahmeschluß für dia Dienstag* Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Wendung in Palästina Palästina-Regierung greift durch; Der Mufti abgesetzt, Oberstes Arabisches Komitee aufgelöst, Deportation von Araberführern, zahlreiche Verhaftungen Am letzten Freitag sind in Palästina einschneidende Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors durchgeführt worden. Das Oberste Arabische Komitee (Arab Higher Committee), das seit April 1936 die arabische Bewegung leitet, ist mit allen seinen lokalen Unterkomitees aufgelöst worden. Damit ist die arabische Bewegung als illegal erklärt worden. Der Mufti von Jerusalem, der allgemein als die führende Persönlichkeit der palästinensischen Araber betrachtet wird, wurde seiner Aemter für verlustig erklärt, jedoch nicht verhaftet. Andere prominente Führer, darunter der Bürgermeister von Jerusalem Dr. Khaldi, sowie der engste Mitarbeiter des Mufti, Dschemal Husseini (der auch die Delegation in London und Genf geführt hatte), wurden verhaftet und auf einem englischen Kriegsschiff deportiert. Die Regierung hat große Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um Unruhen zu verhindern. Der Zugriff der Regierung hat bei den Juden Palästinas Befriedigung hervor gerufen; die Stimmung bei den Arabern ist sehr erregt, doch wird der Ausbruch von Unruhen allgemein für unwahrscheinlich gehalten. Im Einzelnen liegen die nachstehenden Meldungen vor; Das offizielle Communique Dje Palästina-Regierung hat am Freitag folgende Erklärung veröffentlicht: ״Die Regierung Palästinas ist schwer betroffen durch das Bestehen einer organisierten Terror- und Mordkampagne, die gegen Einzelpersonen im Lande gerichtet ist. Im Verlauf der letzten vier Monate hat diese Kampagne immer intensivere Formen angenommen. Die Maßnahmen der Regierung sind die unmittelbare Folge dieser Kampagne. Am 13. Juni dieses Jahres wurde auf den Generalinspektor der Palästinapolizei, Colonel A. P. S p i c e r, ein Attentat verübt. Später kam es zu einer Anzahl von Morden an Arabern und Juden. Ihren Höhepunkt hat diese Kampagne am 26. September mit dem Mord erreicht, der an Louis And r e w s, dem Distriktskommissar von Galiläa, und dem britischen Polizisten H. R. McEwan begangen worden ist. Der die Regierung leitende Beamte (d. h. der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Batterstiill, der den High Commissioner während seiner Abwesenheit vertritt — Red.) hält es deshalb für notwendig, gegen die Personen vorzugehen, deren Tätigkeit gegen die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung gerichtet ist, und die als die an dieser Terror- und Mordkampagne moralisch Schuidtragenden anzusehen sind. Auf Grund der Vollmachten, die der die Regierung leitende Beamte gemäß der Palestine (Defence) Order in Couneil vom Jahre 1937 besitzt, werden das Oberste Arabische Komitee und alle örtlichen arabischen Komitees als illegal erklärt. Es sind Haftbefehle gegen folgende Personen, die aus dem Lande deportiert werden sollen, erlassen: Dschemal ei Husseini, Achmed Hilmi Pascha, Fuad Effcndi Saba, Jacub Effendi Gh u sse in und Dr. Hussein Fakhri Effendi el Khaldi. Außerdem wird Hadsch Emin el Husseini (der Mufti — Red.) seiner Aemter im Obersten Moslem i - sehen Rat und als Mitglied des Wakf-Hauptkomitees, dessen Vorsitzender er ist, enthöbe n.“ Die Durchführung der Aktion Die Rcgierungsaktion am Freitag hat schlagartig eingesetzt. Sie erstreckte sich nicht nur auf Jerusalem, sondern auch auf eine Reihe anderer Städte, in denen zahlreiche Verhaftungen vorgenomnie» wurden. Schon am Abend zuvor war den Truppen Alarmbereitschaft anbefohlen worden. In Haifa wurde am Morgen das Gebäude der Distriktsverwaitung für den Norddistrikt von Militär umzingelt. im Inneren des Gebäudes nahm die Polizei in den Zimmern und auf den Tischen der arabischen Beamten eine gründliche Durchsuchung vor. Die Regierung hatte vertrauliche Mitteilungen erhalten, denen zufolge arabische Regierungsbeanite mit einer Reihe von Terror- und Sabotageakten in Verbindung stehen sollen. Die Vorbereitungen zur Auflösung des Obersten Arabischen Komitees und der Ortsrate und zur Verhaftung der arabischen Führer sind bcreits vor mehreren Tagen getroffen, jedoch streng geheim gehalten worden, in Jerusalem begann die Haussuchung in den Büros des Arabischen Komitees und in den Wohnungen seiner Mitglieder um 6 Uhr früh. Die Wohnhäuser aller Personen, gegen die Haftbefehle erlassen worden sind, waren von Militär umzingelt. Alle wichtigen Punkte im ganzen Land sind militärisch bewacht. Besonders umfangreich sind die militärischen Vorkehrungeti in Nazareth, aber auch die Allenby-Brücke über den Jordan und alle übrigen Uebergangsstellen sind stark bewacht. Ais die Aktion am Morgen einseizte, wurden die Tele- Phonverbindungen im ganzen Lande für mehrere Stunden unterbrochen, Straßenecken und Kreuzungen in der Altstadt von Jerusalem, wo sich die Aemter und Büros des Obersten Arabischen Komitees und ihre Zweigstellen befinden, wurden militärisch besetzt. Unmitteibar nach Wiederaufnahme des Telephonverkehrs gab die Regierung ihre Erklärung bekannt. Die Verhaftungen Ebenso wie Im Jordan wurden auch in der Umgebung von Jerusalem alle Fahrzeuge und Einzelpersonen genau durchsucht. Der Präsident der Arabischen Bank, der amerikanische Araber Tukan Bey Shumann, konnte fcstgenomnien werden. Bisher wurden vier Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees und eine Anzahl anderer führender Araber verhaftet, darunter der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khaldi, Jacub Effendi Husseini und Fuad Saba. In Akko wurde Subhi Bey el Khadra verhaftet, ein Agitator, der kürzlich nach Akko verbannt worden war. Die Verhafteten wurden nach Haifa gebracht und auf dem dort vor Anker liegenden Kreuzer ״Sussex“ iutcrniert. Dschemal el Husseini, gegen den ein Haftbefehl erlassen worden ist, wollte nach Aegypten entfliehen, wurde jedoch bei Beerscheba verhaftet. Hass anAbuSaid, politischer Berater des Mufti, sowie ein Direktor des Wakf wurden verhaftet. Es verlautet, daß die an Bord des Kreuzers gebrachten Araberführer nach den S e y c h el le n - Inseln im Indischen Ozean deportiert werden sollen. Die ״Sussex“ verließ Haifa am Sonnabend morgen, kehrte aber später wieder zurück. Man nimmt an, daß die vier arabischen Führer auf ein anderes Kriegsschiff überführt wurden, das sofort nach den Seychellen fährt. Der Direktor der Arabischen Bank, Achmed Hilmi Pascha, der nach der Erlassung des Haftbefehls gefliichtet war, ist bei Gaza festgenommen worden. Er wurde in einem Heeresflugzeug nach Haifa gebracht. Sicherheitsvorkehrungen Der Jerusalemer Distriktskommissar McLaren hat über die palästinensische Presse die Zensur verhängt. Den Zeitungen wurde nicht gestattet, über die Ereignisse am Freitagmorgen Berichte außer den offiziellen Communiquds zu veröffentlichen. Mit Rücksicht auf die gespannte Lage ist der Befehl zum Abtransport des Royal Sussex Regiments widerrufen worden. Angeblich beabsichtigen die Militärbehärden, die Be- Satzung Palästinas in voller Stärke aufrechtzuerhalten, bis die geplanten politischen Reformen bzw. die Teilung des Landes durchgeführt sind. Das zweite Bataillon der Black Waich, das das Bataillon der Royal Sussex ablösen sollte, ist sofort nach seinem Eintreffen in die Provinz geschickt worden. Da der Abmarschbefehl für die Royal Sussex widerrufen wurde, ist die Militärbesatzung Palästinas jetzt um ein Bataillon stärker als früher. Die arabische Presse teilt mit, daß die Zahl der Hilfspolizisten in Nordgaliläa um weitere 200 erhöht werden wird. In Nazareth sind einer Meldung der ״EI Dschamea el islamia“ zufolge 500 Mann in voller Kriegsausrüstung eingetroffeu. Von dem Flugplatz in Atarot bei Jerusalem sind fünf Flugzeuge nach Galiläa abgegangen. Auf Befehl der Regierung werden bei den Mitgliedern der arabischen Ortsräte im Süddistrikt Haussuchungen vorgenommen. Es wurden bereits zahlreiche Dokumente bcschlagnahmt. Die Führer des mohammedanischen Juendverbandes sind verhaftet worden. Ferner wurden 2 junge Araber unter der Beschuldigung festgcnominen, daß sie Im Auftrag der Mufti-Partei Propaganda zur Durchfiihrung eines Proteststreikes und zu einer Revolte treiben. In der Buchhaltung der Arabischen Bank wird auf Anordmmg der Sicherheitsbehörden eine genaue Revision vorgenommen. Allen Banken und Unternehmungen, die mit der Stadtgcmeinde in Verbindung stehen, ist von der Regierung mitgeteilt worden, daß die Amtszeit des früheren Bürgermeisters Dr. Khaldi am 30. September zu Ende gegangen ist. Wie Reuter meldet, wird ein britischer Beamter zur kommissarischen Führung der Geschäfte des Bürgermeisters von Jerusalem an Stelle des verhafteten Dr. Khaldi ernannt werden. Multi nicht wiederwählbar Da bekannt geworden war, daß nach der Absetzung des Mufti eine Reihe von Notabein beabsichtigten, seine Wieder wähl zum Vorsitzenden des Obersten Moslemischen Rates zu betreiben, und auf diese Weise eine politische Demonstration gegen die Palästina-Regierung zu organisieren, ist in der ״Palestine Gazette“ bekanntgegeben worden, daß der abgesetzte Mufti nicht wieder wählbar ist. Dieser hält sich im übrigen im Gebiet der Haram-Moschee auf, wo er von seiner eigenen Leibgarde umgeben ist. Der Platz der Omar-Moschee und die dazugehörenden Gebäude sind von besonders starken Polizei- und Militärabteilungen abgeriegeft. Auch die übrigen Straßen von Jerusalem und anderen Städten sind militärisch gesichert. (Siehe auch S, 5.) Arabische Proteste Am Sonnabend wurden viele arabische Geschäfte in Jerusalem, Jaffa, Nablus und Haifa gescbloss e n. Es wird jedoch erklärt, daß dies weniger mit den politischen Ereignissen zusammenhängt, sondern mit dem Feste des Geburtstages des Propheten Mohammed. Dieses Fest wird von Gruppen von Jugendlichen dazu benutzt, die arabischen Kaufleutc (einschließlich der christlichen) diuxh Drobungen zum Schließen ihrer Geschäfte zu veranlassen. Arabische Notabcin Palästinas haben T clegrammc an die Könige und Fürsten der benachbarten arabischen Reiche geschickt, mit der Bitte, bei der britischen Regierung zu intervenieren. Alle Offiziere sind von der Regierung angewiesen worden, stets Revolver bei sich, zu tragen. Alle Angehörigen der Wehrmacht dürfen nur in Gruppen von Zweien ihre Quartiere verlassen. Kundgebungen in Aegypten Kairo, 3. Oktober. (JTA.) Nationalistische Studenten haben In Kairo eine Protestkundgebung gegen die jüngsten Maßnahmen der Palästina-Regierung veranstaltet. Diese Maßnahmen werden von der gesamten Presse, zum Teil mit außerordentlicher Schärfe kommentiert. Es wird das Gerücht verbreitet, daß die Regierungen des Irak und Saudi-Arabiens einen diplomatischen Schritt vorbereiten. Die ״Arabische N a t i o n a 11 i g a“ in New York hat an den englischen Kolonienminister Ürmsby-Gore ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die Verhaftung und Deportierung der Araberführer protestiert wird.

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