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Jüdische Rundschau · 1937-10-01 · Heft 78 (1.10.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 78 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 78, 1. X. 1937 JöDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Reinhardt inszeniert Werfel -Drama Von unserem Berichterstatter J. R. Wie n, 25. September Nach dreijähriger Pause wird jetzt Max Reinhardt im 1Josefstädter Theater, dessen Theaterzettel ja nach wie vor den;Namen ״Die Schauspieler des Theaters in der Josefstadt unter der Führung Max Reinhardts“ aufweist, eine Neu- Inszenierung vornehmen. Reinhardt wird das jüngste Drama von Franz werfel ״In einer Nacht“ in Szene setzen. Die Uraufführung ist mit Rücksicht auf die bevorstehende Abreise des Regisseurs nach Amerika schon für den 5. Oktober angesetzt. Die Proben sind bereits unter persönlicher Leitung Reinhardts in vollstem Gange. Die weibliche Hauptrolle wird von Helene T h i m i g, der Gattin Max Reinhardts, gespielt werden, die männliche wird Attila Hörbiger geben. Das IJjJjk A. Hartbrodi, Berlin C 2, Kömgstr.i9 I Uhren / Goldu. Silberwaren | nach den Intentionen des Dichters zu gestaltende Bühnenbild — der Raum, in dem sich das Stück in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November 192S abspielt, soll ein ״Schloß im Waldgebirge, nahe der Hauptstadt“, bilden — wird der bekannte Bühnenbildner Professor Witzmann herstcllen. Franz Werfels deutsche Nachdichtung der ״T r 0 e r i n ־ neu“ des Euripides gelangt ebenfalls im Oktober in einer Neuinszenierung am Burgtheater zur Aufführung. Das Werk, dessen Hauptrollen tnit tledwig Blei btreu, Hilde "W ag e n e r, Nora Gregor, A s I a n und H ö b 1 i n g besetzt sind, ist von Direktor Röbheling im Rahmen des am Burgtheater seit einem Jahr veranstalteten Zyklus ״Stirnmen der Völker im Drama“ für Griechenland angesetzt. Regie führt Franz Hcrtcrieh, der das Drama auch bei der Erstaufführung im Jahre 1920 im Burgtheater inszeliiert hat. fm ״Theater der Josefstadt“ wird dieses Jahr die von Walter Firner geleitete ״O österreichische Volksftii 11 ne" ihr neues Heim finden. Als erstes Stück in der neuen Saison brachte die Volksbühne in einer Nachtvorstellung im ,,Deutschen Volkstheater“ (ihrer bisherigen Wirkungsstätte) Walter Firners ״Mut zur Wahrheit“ zur Aufführung. Als nächste Premiere■ bringt Firner in der Josefstadt Ferdinand Bruckners ״Napoleon der Erste“ zur Aufführung. Das dem ״Theater der Josefstadt“ angeschlossene Reinha rdt-Scminar tritt jetzt in das neunte Unterrichtsjahr. Professor Reinhardt hat mit der Leitung des Seminars, aus dem alljährlich eine Reihe sehr begabter Schauspieler den Weg zur Bühne im 111- und Auslande findet, Professor Emil Geyer betraut. Der Direktor des Josefstädter Theaters, Dr. Ernst Lothar, Frieda Richard, Prof. Hans Nüchtern werden nebst einer anderen Anzahl bekannter Künstler als Lehrer fungieren. fm Eröffnungsstück des Deutschen Volkstheafers ״Kleines Glück auf der Wieden“ von Victor Skutctzky erzielte Gisela W’erbezirk in der Rolle einer Greislerir! allabendlich große Erfolge. Das unter der Leitung von Dr. Kurt Pahlen, dem Dirigenten des Orchesters des ״Bundes Jüdischer Frontsoldaten“, stehende Opernstudio der Volkshochschule am Ludo-Hartmann-Platz bringt demnächst ״Carmen“ in der von Carmen Studer, der Gattin des Generalmusikdirektors Felix Weingartner, neu übersetzten Urfassung zur Aufführung. Igo Outtmann wird den Dor» Jose singen. Schärfere Einwanderungskontrolle in Ungarn Von unserem Berichterstatter Budapest, 25. September Die politische Saison beginnt, ehe das Parlament noch seine Tore öffnet. Und die Judenfrage steht obenan. Dr. Andreas Csillery, Obmann der hauptstädtischen christlichen Pariei, eröffnete' das neue Parteilokal mit einer Ansprache, in der er die Anhänger des christlich-nationalen Gedankens, in deren Kreisen neuerdings größere Unruhe wahrnehmbar sei und die sich deshalb in stets neue Fraktionellen splitlern, zu einheitlicher Stellungnahme aufrief. ״Der Grund unserer Unruhe liegt darin, daß wir von seiten der verantwörtlichen Faktoren viel Versprechen hören, aber wenig Taten sehen, während von der anderen Seite das Judentum ein immer provoziercndercs Benehmen gegen den Christus- Gedanken an den Tag legt. Der Geist des Ghettos nimmt im Lande überhand, organisierte Machinationen nehmen der christlichen Gesellschaft ihre Lebensmöglichkeiteil, der schädliehen Einwanderung setzt niemand ein Ziel, und so nimmt die Verarmung der heimischen Bürger stets zu.“ Auf diese Anklage scheint Innenminister Josef von Szdll antworten zu wollen, als er anläßlich eines Presseempfanges, in dem er die Ocffentüchkeit insbesondere über neue sozialhygienische Probleme und Einrichtungen orientierte, auch folgendes ausführte: ״Allgemein ist die Klage, daß aus Galizien, Bukowina und Rußland unerwünschte Elemente unauffällig ins Land einsickern, deren Kontrolle mit den bisherigen Mitteln unmöglich ist. Infolgedessen sind in den jüngsten Tagen Verfügungen getroffen worden, daß vorläufig in drei (im Nordosten liegenden) Städten, in Misk o I c, Nyiregyhäza und S&toralja-Ujhcly Exposituren des Frcmdenkontrollamtes errichtet werden, deren energische Tätigkeit es ermöglichen wird, daß einerseits die Einwanderungsmöglichkeiten ausländischer Bürger auf das Minimum reduziert wird, andererseits die sich unberechtigterweise hier befindlichen Fremden in wirksamster Weise ausgeforscht werden.“ — Auch die Anfrage eines Journalisten, warum die Magyarisierungsgesuche jiidischer Staatsbürger so langsam, und fast niemals günstig erledigt werden, gab der Minister zu, daß dies eine heikle und jedesmal Uebcrlegung heischende Angelegenheit sei. Die Tendenz sei, in neuerer Zeit die Magyarisierung des Namens nur im Falle besonderer Würdigkeit zu gestatten, denn der ungarische Name sei von sehr vielen zur Erreichung unverdienter Vorteile benutzt und mißbraucht worden. Persönliches. Am 5. Oktober begeht Generaldirektor Hermann Meyer, M.-Gladbach, seinen 70. Geburtstag. In jugendlichem Alter gründete er die Großhandelsfirma Lucas & Meyer, aus der er später die Wcbstoff-Aktien-Gesellschaft schuf, der verschiedene Fahrikationsbetriebe angegliedert wurden, In der Verwaltung von Gemeinde und Vereinen hat er lange Jahre mit Rat und Tat geholfen und mitgearbeitet. Leiwiks Golem Der Kulturbund eröffnet seine diesjährige Winterspielzeit mit der Aufführung des ״G 0 1 e m“ von H. L e i w i k. Das Sujet dieses Stückes hat in weitesten jüdischen Kreisen großes Interesse erweckt. Manche entsinnen sich noch der Aufführung des ״Qoiem“ durch die ״H a b i in a h“, die das Leiwiksche Stück damals in einer hebräischen Uebersetzung von Bialik brachte, Aber auch sonst ist ja dieser Stoft durch Romane, Theaterstücke und Filme sehr populär, ja er gehört vielleicht zu den bekanntesten Gegenständen der jüdischen Folklore, die es überhaupt gibt, und hat weit über den jüdischen Bezirk hinaus starke Eindrücke hinterlassen. Dennoch wird cs gut sein, wenn der Besucher der Gokiti-Aufführung des Kulturbundes sich von den Vorstellungen frei macht, die er aus der Lektüre oder aus dem Theater- oder Kinobesuch in früherer Zeit etwa gewonnen hat. Leiviks ״Golem“, der in einer deutschen Uebersetzung von Leo Hirsch und in einer ganz, neuen Bearbeitung, die auch sehr stark von der Fassung abweicht, die seinerzeit die ״Habimah“ aufführte, jetzt hcrauskommt, ist etwas ganz anderes, als man sich gemeinhin unter der Golemsage vorstellt. Das Stück selbst, und besonders die Inszenierung, die Fritz Wistcn besorgt, geben ein menschliches Drama, in dessen Mittelpunkt nicht so sehr der Golem, der von Siegfried Ur i as gespielt wird, als die Gestalt Rabbi Lösvs, des Schöpfers des Golems, den Herbert Griinbaum gibt, steht. Es ist beinahe so etwas wie ein nromethcisches Thema, das hier angeschlagen wird. Der mit Gott und mit sich selbst ringende Mensch tritt auf die Bretter. Es ist die Tragik des Golems, daß die Seele nicht in ihn hineinzuziehen ist, obwohl der / Zur Aufführung im Kulturbund Rabb?, sein Schöpfer, es hoffte. Ein geistiges Drama wird vor unseren Augen abrollen, in dem auch das Böse, das Fleischliehe, als ein Werkzeug Gottes eine Rolle spielt. Besonders der Schluß des Stückes, der stark ins Religiöse liineingehoben ist, dürfte in der neuen Inszenierung starken Eindruck machen. Auch die Atmosphäre des Märchenhaften, die in Leiwiks Stück überhaupt stark im Vordergrund steht, wird betont. Es ist eine zeitna 11 e D i c h t u n g und ei ne zeitnahe Darstellung des Werkes, die hier gegeben wird, und so ist der Vorgang bei aller historischen Unrermaltmg und trotz dem Ekstatisch-Mystischen, das sich vor unserem Auge ereignet, dennoch Gleichnis unserer eigenen Probleme. Einen breiten Raum in der Inszenierung wird auch das Volk, die Juden des Ghetto, einnehmen, die in den symbolischen Gestalten der Bettler, die in ihren nicht weniger symbolischen Behausungen leben, packende Bilder abgeben dürften. Die Inszenierung des Kulturbundes wird ganz unrealistisch sein, aber auch von jener maskenhaft-auflösemlen Tendenz frei, die die Auffassung der ״Habimah“ charakterisierte. Sie wird sehr wirkungsvoll durch die Musik unterstützt, die von Alfred Jospe stammt und vom Orchester des Kulturbundes unter Leitung von Kapellmeister Rudolf Schwarz gespielt wird. Es ist eine große Aufgabe, die sich der Kulturbund mit dieser Aufführung gesetzt hat, Symbol eines Gestaltungswillens, einen jüdischen Stoff zu meistern, der zugleich menschlieh hohe Werte birgt. Ohne daß wir der Kritik vorgreifen möchten, glauben und hoffen wir, daß das Publikum ihm bei dieser ernster! Arbeit Gefolgschaft leisten wird, — n. Der Golem, 5. Bild: Der Rabbi im Stnrm (Bühnenbild Heinz Cendvll) Die Einwanderung nach Australien Die australisch-jüdische Woliifahrtsgesellschaft, deren Zentrale in Sidney mit ihren Zweigstellen in ganz Australien Fürsorgearbeit für jüdische Einwanderung aus Deutschland und Polen leistet, hat vom Innenministerium eine Mitteilung erhalten, in der einschneidende Aenderungen der Vorschriften für die Zulassung von alleinstehenden Einwanderern bekanntgegcben werden. Während die Regierung sich früher mit einer Garantie des Komitees begnügte, daß der Einwanderungsvvillige 50 Pfund besitzt und der Allgemeinheit nicht zur Last fallen wird, verlangt die Regierung jetzt außer dem Landungsgeld eine Bestätigung des künftigen Arbeitgebers, aus der hervorgeht, daß durch die Beschäftigung des Einwanderers australischen Bürgern kein Schaden erwachsen wird. Da die Gesellschaft bei dem Versuch, solche Anstellungsbestätigungen zu erlangen, Schwierigkeiten begegnet, will sie in Verhandlungen mit der Bundesregierung über die neuen Bestimmungen eintreten. Sie erwartet jedoch nicht, daß «ine andere Haltung der amtlichen Stellen vor den Bundes wählen, die Ende Oktober stattfinden, erreicht werden kann. Man erwartet, daß im Fall eines Sieges der Vereinigten australischen Partei die frühere großzügigere Einwamierungspoütik wieder angewendet werden wird. Dagegen besteht für den Fall eines Sieges der Arbeiterpartei keine Hoffnung aut Milderung der Einschränkungen. Die Deutsche Arbeitsfront hat in einigen Fällen fesfgestellt, daß Inhaber jüdischer Betriebe unter Zurücklassung erheblicher Schulden an Sozialversicherungsbeiträgen ins Auslana geflüchtet seien. Der Reichsarbeitsminister hat deshalb den Versicherungsträgern in einen! Erlaß empfohlen, die jüdischen Betriebe besonders zu überwachen und ־bei Verstößen und Unregelmäßigkeiten vorzugehen, In Chikago ist Brigadegeneral Otto H, Goldstein im Alter von 55 Jahren gestorben, Jüdisches aus Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, 21. September Die Zionistische Vereinigung gab in einer Kundgebung Kenntnis von dem Drciteilungsplan und allen Einzelheiten. Der jüdisch-französische Schriftsteller Joseph Kessel hat sich einige Tage hier aufgchalten, um Unterlagen für sein nächstes Buch zu sammeln, eine Biographie über den verschollenen Flieger Dean Mermoz. Herr Enrique Bernstein, ein nordamerikanischer Jude, der sich um das Wolilfahrtswcscn in Santiago sehr verdient gemacht hat, ist vom Präsidenten der Republik mit dem Komturkreuz zum Orden ״AI Merito" ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wurde ihm vom Staatspräsidenten Arturo Alessandri in feierlicher Audienz, im Beisein mehrerer Staatsminister und des nordamerikanischen Botschafters überreicht. Gesetze gegen Kollektiv-Beleidigung In Südafrika gefordert Johannesburg, 22. September. (JTA.) Ueber hundert Abgeordnete des südafrikanischen Parlaments haben sich in die Spitze einer Aktion gestellt, die auf die Einführung gesetzlichen Schutzes vor Kollekti vbeleidigung abzielt. Die Regierung soll aufgefordert werden, einen Gesetzentwurf vorzulegen, in dem das Tragen politischer Uniformen verboten und die gesetzlichen Bestimmungen gegen Verleumdung bestimmter Rassen verschärft werden sollen. Unter den Mitgliedern des Parlaments, die diese Aktion unternehmen, befinden sich nicht Angehörige der Nationalistischen Partei. Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, besteht wenig Aussicht aut Einführung der gewünschten neuen Gesetze während der bevorstehenden kurzen Parlamentssession. TEPPICHHAUS ZENTRUM AeuQerste Preise für Teppiche - Gardinen Läufer Berlin C2, Spandauer Straße 28 an der Köniastraße

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