Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 78 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I ' I! n זי) Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78 1. X 1937 Die wirtschaftliche Macht des Mufti In der Zeitschrift ״Haschomer Hazair“ beleuchtet A. Prag die finanzielle Macht, die der Mufti kraft seiner Aeniter repräsentiert: Als Haupt des muslemischen Rats untersteht ihm die Verwaltung des ״u n v « r ä u ß e r liehen K i r c h e n guts“ der Mohammedaner (Wakf). Dieser Besitz umfaßt 7 y« des palästinensischen Bodens, wenn man den Negew au Der Betracht läßt. Auch städtischer Baden gehört dazu und viele wertvolle Gebäude wie das Hotel Palace in Jerusalem, das jetzt Regierungsgebäude ist. ln allen mohammedanischen ländern existiert die Einrichtung des Wakf, und 15 ״» des arabischen Bodens gehören ihm, Aber in anderen Ländern ist die Verwaltung• dieses großen öffentlichen Besitzes der Regierungsaufsiclit unterworfen. So hatte die Türkei vor dem Kriege ein eigenes Mi* nisferium für diesen Zweck. Nur die palästinensische Regieru ng hat aut jedes Aufsichtsrecht verzichte*. Während vieler Jahre erschien nach nicht einmal ein Rechenschaftsbericht. Nach den Statuten des moslemischen Rats beträgt die Amtszeit seiner Leitung vier Jahre, und jedes Jahr muß ein Rechenschaftsbericht abgelegt werden. Der jetzige Mufti ist 192! zum Oberhaupt des Rats ernannt worden. 1925 sollten Neuwahlen stattfinden, bei denen es zu UnregelmäBigkeiten kam. Die Regierung anullierte die Wahlen und ließ den vorherigen Zustand als Provisorium fort bestehen. Seitdem haben entgegen den Statuten keine Neuwahlen mehr ststtgefunden. Von diesem Jahre 1925 an hörte der Mufti auch auf, Rechenschaftsberichte zu veröffentlichen. Noch einmal im Jahre 1930, als eine gerichtliche Untersuchung gegen ihn im Gange war, sah er sich gezwungen, Rechnung abzulegen, und veröffentlichte gleichzeitig die Rechenschaftsberichte für die Jahre 1928, 1929 und 1930. Seitdem ist niemals mehr etwas über die Verwaltung des Wakf veröffentlicht worden. Dabei stiegen die Einnahmen aus dem Wakf, 1921 betrugen sie 43 297 £, 1930 — 71 697 £. 50 »;0 kommen aus den Zehnten der Pächter, 27 00־ al!s städtischem Besitz. Im Jahre 1929, als die Unruhen waren, betrugen die Einnahmen sogar mehr als 97 000 £, wovon 27 501) £ Spenden waren, während unter dieser Rubrik in den anderen Jahren nur 2000 bis 3090 £ vereinnahmt wurden. Im selben Jahre werden 44 000 l‘ für Moscheebautcn und -Ausbesserungen ausgegeben, während auf diesem Posten in den übrigen Jahren 7000 bis 10 900 £ nusgewiesen sind. Die Regierung treibt die Ertragssteuer' für den Wakf ein und tiberweist sie ihm. Der Wakf erhält ungefähr 30 “0 der Ertragsstcuer des ganzen Landes. Zudem ralilt die Regierung noch annähernd 17000 £ für die verschiedenen administrativen Ausgaben des moslemischen Rats. Die Gesamteinnahmen des Wakf betragen jetzt an die 90 000 £. Davon gibt die Regierung unmittelbar. 17000 £ und dazu 30 900 £ an abgeführter Ertragssteuer. Die Gesamteinnahmen werden etwa wie folgt verausgabt: 17a« allgemeine Administration, 25״/ Erhaltung der Moschccn und Gehälter an ihre Beamten, 10 ״/#, Erziehung, 10״״ Wohlfahrtspflege, (1—8 0״ Waisenhäuser. Die Gegner de» Mufti haben immer wieder geltend gemacht, dal! die Oeldgebarung des Wakf nicht korrekt sei. Mare spricht von günstigen Anleilten an nahe Verwandte des Mufti. Angekundigte Bodenkäufe wurden nicht durchgeführt oder erwiesen sich als ungünstig. Aegypten und Syrien haben es für nötig gefunden, den Wakf unter Regierungsaufsicht zu stellen und seinen Status den modernen Erfordernissen entsprechend zu ändern. Nur Palästina hat diese feudale Institution beibehalten trotz der wirtschaftlichen und politischen Nachteile, die ihre Existenz mit sich brachte. Die Regierung enthielt sich nicht nur jeder Aufsicht und jeder Einflußnähme, nein sie half noch eine Institution zu sticken, die ein Werkzeug in der Hand politischer Führer war. Gegen jüdischen Terrorismus Aus Palästina wird uns geschrieben: Im ,,Dawar“ nimmt >J. Ben-Dawid Stellung״ zu den verschiedenen Erei£- niss eit der letzten Wochen: Am Eindringen des Terrorismus in das jüdische Lager sind nicht allein diejenigen schuld, die mit Revolvern und Bomben arbeiten, sondern auch viele, die nie einer Fliege etwas zuleide tun würden. Das sind Mensehen, die durch ihren ganzen Lebenswandel ein ewiges Alibi haben, und ihre Mitschuld an den Ereignissen bestellt darin, dafi sie sich jenen ■entgegenstellen, die dem System von Bedroh 11 ng und Erpressung ernstlich ein Ende machen wollen, daII sie sich schlitzend vor die Verdächtigen stellen und daß sie diejenigen verunglimpfen, die versuchen, die Vorfälle wirklich autzuklüreri und ninnöglich zu machen. Sie haben es natürlich leichter als die Terroristen selbst und begeben sich i;1 keine Gefahr. Viele tun es rein aus (jewohpheit, sie glauben für die Ehre der Nation einzustellen und sie jjegen Verräter zu schützen. Das Ziel der Pfeile ist jetzt bchertok (der dem Terrorismus öffentlich den Kampf angesagt hat). Man wird unwillkürlich an die Zeit vor dem Arlosoroff-Mord erinnert. Selbst wenn man überzeugt ist, daß die damals Verdächtige!! nicht die Mörder waren, muß inan doch zugeben, daß das Verhalten eines Teiles der Presse geeignet gewesen wäre, zu einer solchen Tat aufzureizen. Schert ok hat jedem Bandenwesen öffentlich den Kampf angesagt und der Jischuw, der viele schwere Monate lang Selbstbeherrschung gezeigt fiat, wird keine Sikarier dulden. Er konnte keine Begeisterung für arabische Banden aufbringen, er wird es auch nicht für jüdische Banden tun. Nicht jedem, der sich zum Beschützer der nationalen Ehre aufwirft, wird die Möglichkeit gegeben werden, die jüdische Gass« in eine Räuberhöhle zu verwandeln des Aufbaus ist keine bloße Phrase. Die Ideologie Berichtigungen. Die inunserer Ausgabe vom 10. September gebrachte Nachricht über den Tod von Aron Agassi am Berg Massada muß richtig־ heißen, daß der Getötete infolge Absturzes ums Leben kam, nicht durch einen Terrorakt, wie aus der Nachricht irrtümlich hervorzugehen schien. — In Nr. 73 muß es in dem Artikel ״Aussichten der Zitrus- Wirtschaft“ am Schluß richtig heißen: ״Selbst letztes Jahr war der Nettoertrag fünf Schilling pro Kiste* lind nicht ״dieses Jahr“. — Wir veröffentlichten in Nr. 74/75 unter der Ueberschrift ״Waad Leumi gegen den Terror“ eine JTA.- Meldung, in der es u. a. hieß: ״Weiter wird von der Regierung verlangt, daß sie sich hinter die jüdischen Institutionen in ihrem Kampf gegen die unverantwortlichen Elemente stelle, die Vergeltungsakte gegen unschuldige Araber unternehmen wollen,“ In dieser Form trifft die Meldung nicht zu. Der Aufruf des Waad Leumi enthielt drei Punkte. Der erste Punkt bezog sich auf die Palästina-Regierung, von der die Abkehr von ihrem bisherigen System der Duldung der Terrorakte und der antijüdischen Hetzpropaganda und ein energisches Einschreiten gegen dieselben verlangt wird. Der zweite Punkt wandte sich au den jüdischen Jischuw mit der Forderung nach nationaler Disziplin und Unterstützung der autoritativen jüdischen Institutionen in ihrem Kampfe gegen die unverantwortlichen Elemente des Jischuw, die mit Rache- und Vergeltungsakten gegen unschuldige Araber die öffentliehe Sicherheit gefährden und das Ansehen des Jischuw untergraben. Im Schlußteil des Aufrufes wurde der Beschluli mitgeteilt, einen speziellen Ausschuß aus der Mitte des Jischuw einzusetzen, mit der Aufgabe, die Leitung des Wand Leumi in allen mit der jetzigen Lage zusammenhängenden Aktionen zu unterstützen. Das Neueste in Kürze Politik und Sicherheit Araber haben versucht, in das Grabmal des Rabbi Meir Baal Haness in Merom einzudringen. Die Angreifer gaben auf den Wächter des Grabmals Schüsse ab, wurden jedoch von diesem vertrieben. Im Laufe der Nacht wurde von drei Arabern der Versuch gemacht, in das Quellengebäude in Tiberias ein zudringen. Sie schossen auf den jüdischen Wächter, der die Schüsse erwiderte, worauf sich die Araber aus dem Staube machten. Ueber vierzig arabische Orangen-Expor'teure, die Verträge mit jüdischen Pflanzern geschlossen haben, sind von einem Geheimverband unter Todesd rohu 11 g aufgefordert worden, die Verträge rückgängig zu macheu. Mehrere Exporteure haben an ihren Wohnungseingängen Bomben und Revolverpatronen gefunden. In Tiberias wurden fünf Juden, die unter der Anklage standen, während der Unruhen im Februar nach Arabern mit Steinen geworfen zu haben, freigelassen. Der Magistrat erklärte, er könne den Aussagen der arabischen Zeugen keinen Glauben schenken. Der 17jährige Araber, der sich vor dem Assisengericht In Tel Aviv wegen des Mordes an dem Polen Sluga zu verantworten hatte, wurde f re iges p roc h en, da die vom Opfer vor dem Tode gemachte Aussage nicht durch zu- *ätzlich« Beweise erhärtet werden konnte. Drei Mitglieder der AI - K ass a m - R ä u b er band e, deren Gefängnisstrafe abgebüßt worden ist, sind auf administrativem Wege zu einem weiteren Jahr verurteilt worden. Wie aus Akko gemeldet wird, ist es in dem dortigen Gefängnis zu Unruhen gekommen, die von 159 arabischen Häftlingen hervorgerufen werden sind. Die Gefangenen sind in den Hungerstreik getreten, weil sie, wie sie behaupten, rechtewidrig festgelialten werden. Einer Meldung des ״DaWar“ zufolge sind bei den Unruhen 3 Gefangene verwundet -und ins Krankenhaus gebracht worden. Vertreter des Siedlungsrates von Chedera suchten den Bezirkskommissar-Assistenten auf und forderten die Befreiung der am Vorabend von Rösch Haschanah verhafteten Personen. Sie wiesen aut die schlechte Behandlung hin, die den Verhafteten im Gefängnis zuteiL wird, und verlangten ihre Ueberfülirung bis zur Befreiung in ein Konzentrationslager. Der Bezirkskommissar-Assistent versprach, die Ausführungen in Erwägung zu ziehen. Es ־wurde beschlossen, die fünf Revisionisten, die im Zusammenhang mit dem Raubversuch in Tel Aviv verhaftet wurden, für weitere zwei Wochen in Unters 11 chungsha ft zu nehmen. Es ist noch nicht entschieden, ob dem Gesuch, sie gegen Bürgschaft freizulassen, stattgegeben wird. Der Prozeß •wird wahrscheinlich innerhalb der nächsten 14 Tage sbttfinden. Die arabische Zeitung ״\ Difaa“ meldet, daß im Monat Juli von der Polizei in den Dörfern um Jerusalem 236 Gewehre, IQ Jagdgewehre, 137 Revolver und 650 Patronen beachiagnahmt worden sirsd. Das Oberste Arabische Komitee hat dem amtierenden Leiter der Palästina-Regierung, Mr. Batiershill, einen Protest gegen ״zionistischen . Terror“ eingereicht, Es fordert scharfe Maßnahmen gegen die Juden, die auf die Araber geschossen haben, welche vor einigen Tagen ihre Herden auf Böden der Siedlung H a s s a d e h getrieben hgtten. . Das Arabische Nationale Komitee )»/Jerusalem hat beim polnischem (Generalkonsul gegen die Erklärung des polnischen Außenministers Beck in Genf Protest eingelegt. Das Komitee droht, daß die Araber sich genötigt sehen werden, ihre Beziehungen zu Polen abztibreehen. ״Felestin“ berichtet, da 13 eine Gruppe von Jugendlichen ln Damaskus einen Protest gegen die Erklärung von Oberst Beck im Völkerbundsrat dem polnischen Konsul in Damaskus übergeben habe. Die arabische Zeitung ״Adifaa“ meldet, daß Gerüchte ln Umlauf sind, denen zufolge Dr. Weizmann und der Maronitische Patriarch von Beirut in Paris zusammengekommen seien, um über einen zwischen dem zukünftigen Judenstaat und dein Libanon abzuschließeadea Vertrag zu verhandeln. An der letzten Sitzung des Obersten Arabischen Komitee• hat auch der von einer Auslandsreise zurückgekehrte Bürger* meistcr von Jerusalem, Dr. Hussein Khaidi, teilgenommen, Wirtschaft Die Zitrus-Börse in Tel Aviv wurde davon in Kenntnis gesetzt, daß die Regierung beschlossen hat, den Pflanzern die Zollgebühren, die sie für das importierte Packhole zahlen müssen, zurückzuerstaften. Die Vorbereitungen für die Zitrus ernte werden jetzt im Hafen von Tel Aviv begonnen. Man schätzt, daß etwa zwei Millionen Kisten von Tel Aviv aus versandt werden, d. 11. etwa 20 <>/ des gesamten Exporte. Die Aus•» sichten der Zitrusernte auf den Weltmärkten haben sich erheblich gebessert. In jüdischen Landwirtkreisen verlautet, daß M. Smilansky, der sich gegenwärtig in England aufhält, Verband- Iungen über die Schaffung eines Fonds im Ausmaße von £ 100 0000 führt, aus dem jüdischen Orangenpflanzern Darlehen zu niedrigen Zinsen gewährt werden sollen. Der Direktor der Palestine Land Development Company, Dr. Jacob Thon, ist in Begleitung von Dr. Kurt Mendelsohn in Saloniki eingetroffen, um die Ergebnisse des grie- Chisch-türkischen Bevölkerungsaustausches und der Kclonisation der ans der Türkei gekommenen griechischen Fluchtlinge in Thrazien und Mazedonien zu studieren. Laut Meldungen in der arabischen Presse soll Groß- Britannien eine Anleihe von £ 30000 für Bewässerung*- zwecke in Trans jorda nie 11 zur Verfügung stellen. Die Gesellschaft ״Palestine Airways“ beabsichtigt, In nächster Zeit eine neue Luftverkehrslinie zwischen Jerusalem und Haifa za eröffnen. Außerdem sollen Verbindungen zwischen den großen Städten und entlegenen Ortschaften in Galiläa und am Tiberias-See hergestellt werden. Vermischtes An den ersten und letzten Sukkothfeiertagcn haben etvya 8000 Beter die Klagemauer in Jerusalem besucht. Es ist zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. ln der Sukkoth-Woche hat der Verband der Schomrlm Palästinas in der Kolonie Natania sein erstes Treffen abgehalten. Die vom Makkabi-Weltverband gegründete Siedlung Kfa r Hamakkabi hat beschlossen, ein neues Kulturhaus zu errichten, das den Namen Thomas G. Masaryk tragen soll. Die frühere Kaiserin von Abessinien ist in ein koptisches Kloster in Jerusalem eingetreten. Sie folgte damit der überlieferten Sitte, daß die Gattin eines, verstorbenen oder entthronten abessinischen Herrschers sich in ein Kloster zurückzuziehen hat. Mr. Percival Aylmer Harris, ein Beamter der Landabteilung der Palästina-Regierung, wurde in Jerusalem toiaufgefunden. Es wird angenommen, daß er Selbstmord beging. Sara Tauwi, eine 65jährige Jüdin aus Konstantinopel, beging im Regierungskrankenhaus in Safed Selbstmord durch Erhängen. Sie war in der Nähe von Meron wegen illegaler Einwanderung verhaftet worden, nachdem der Mpiip, der ■sie führen sollte, ihre ganzen Ersparnisse geraubt hatte. Am Morgen des 3. Sukkotlitages brach durch Explosion des Primus in der Eß-Baracke der Jugend-Alijah-Gruppe in Sde Jaakov (Emek Jesreel) Feuer aus, das das ganze Gcbäude nebst der daran angrenzenden Wäsche- und Kleiderkammer bis auf die Grundmauern in Asche legte. Der Sachschaden ist beträchtlich. Verletzt wurde niemand. Am 6. (Oktober tritt die Habimah eine Europa- Tournee an. Anläßlich der bevorstehenden Abreise der Truppe veranstaltete der Waad Leumi und der Keren Hajessod ihr zu Ehren einen Abschiedsabend. Palästinensischer Import In ,,Palestine and Middle East“ veröffentlicht S. Abramowicz folgende Angaben über den palästinensischen Import: Der Gesamtbedarf des jüdischen Jischuuv in Palästina ist ungefähr auf 1.6 Millionen Pfund jährlich zu schätzen. Ungefähr die Hälfte dieses Bedarfs wird heute schon von den Juden Palästinas selbst erzeugt, der Rest verteilt sich aut arabische Produktion (für etwa eine halbe Million Pfund) und Import (für etwa 7(4 Millionen Pfund). Die Handelsbilanz der jüdischen Wirtschaft zeigt also ein Defizit von etwa 714 Millionen Pfund. Trotzdem ist die Geldbilanz positiv, da das Defizit durch Kapitaleinfuhr mehr als gedeckt wird. Im Jahre 1935 wies die jüdische Wirtschaft ein Plus von 2! 3 Millionen Pfund auf. Die Verminderung der Kapitaleinfuhr in letzter Zeit macht die Einschränkung des Imports und die Ausweitung־ der heimischen Produktion zu einer Notwendigkeit. Der notwendige Import von Rohstoffen uikI Maschinen für Palästina beträgt ungefähr 23/) Mil- Honen Pfund, es bleiben «also noch große Möglichkeiten für die Landwirtschaft, für die Textil- und Metallindustrie und für die chemische Industrie. Eine solche Entwicklung, die einen verstärkten Güteraustausch zwischen der heimischen Landwirtschaft und Industrie mit sich bringen würde, wäre eine wirtschaftlich gesunde zu nennen. Hebräisch in der Galuth . Im ״Haare*״ untersucht, wie uns aus Tel Aviv berichtet wird, Michael, Gruber den gegenwärtigen Stand der hebräischen Bewegung in der Galuth im Zusammenhang mit einer Aktion ״hebräische Bücher für die Galuth“, die jetzt in Tel Aviv vom ״Weltbünde für das Hebräisch“ unternommen wird. Diese literarische Philanthropie wird das Problem nicht lösen. Die hebräische Bewegung in der Diaspora ist heute schwach, weil sie sich auf die Kräfte der Zionistischen Organisation allein verbissen hat. Die Zionistische Organisation ist aber ru sehr mit anderer» Aufgaben überlastet, und diese Belastung wird in Zukunft noch größer werden. Die hebräische Bewegung muß die orgamsatorischen Kräfte in sich selbst finden. Was not tut, sind gute Schulen, tüchtige Lehrer, Klubs für Erwachsene und vor allem eine Afmo- Sphäre, welche der nationaler» Sprache und ihrer Kultur günstig ist. Man darf die Diaspora nicht einfach als Konsument für die hebräische Literatur Palästinas ansehen, sie muß vielmehr selbst Produzent werden. Die hebräische Bewegung braucht eineu eigenen Apparat, braucht Menschen, welche in» Hebräischen die eigentliche Aufgabe sehen. Es tut not, einen hebräischen Weltkongreß einzuberufen, der die Wiederbelebung der hebräischen Sprache lind Kultur nach außen und vor allem nach innen demonstriert, den notwendigen Apparat für alle Länder und eine zentrale Leitung schafft und Vorbereitungen trifft für die Gründung eines hebräischen Kulturfonds. Kunst in Haifa, Die Aufführung des ״B u c h es. Ruth“ auf einer Freilichtbühne in der Achusah, über die die ״Jü'• dische Rundschau“ seinerzeit berichtete, lenkte die Aufmerk• samkeit des großen Publikums zum ersten Male auf die Möglichkeiten, die der Karmel für diese Art Darstellung bot. Andere Anstrengungen, den Karmel zum Schauplatz kulturellen Eigenlebens zu machen, wie die Veranstaltungen im Teitsch-ITaus, die Konzerte des Palästina-Orchesters bei Salzmann und zuletzt die Ausstellung bildender Kunst von Künstlern des Karmel im Wasserturm hatten die Berechti« gung und die Vorzüge eines solchen Eigenschaffens bereits erwiesen, und so die erste Veranstaltung großen Stils wie die jetzt zu Siikkoth veranstaltete ״K a r m e 1 - F e s t w oclie‘‘ vorbereitet. Diese Karmel-Festwoche, die an fünf Abenden vier Themen zum Schau stellte, zeigte daher auch bereits eine gewisse Reife. Der erste Abend, an dem Daniel i •di« Wanderung der Kinder Israel durch die Wüste nach dem Auszug aus Aegypten zum Lande Kanaan auf der Frei* lichthühne des Hotel Har Hakarmel inszenierte, zeigte nach einem Manuskript von J. Käst ein mit biblischen, Bialiksehen und Frischmannschen Unterlagen den Tanz um das goldene Kalb, die Rückkehr ■der Späher und die bevor* stehende Ankunft im gelobten Lande. Beachtlich war die Aus» gefeiltheit der Darstellung, die Reibungslosigkeit des Zu« sammenspiels der zahlreichen Schauspieler und Statisten,, di• aut sorgfältig« Proben und — oft vermißte — Routine hin* wiesen. Manche Szenen wie die Rebellion nach der Rückkehr der Späher hinterließen sehr starke Eindrücke. Das Bühnenbild Meiselm anns gab mit wenigen Andeutungen das Milieu an und bot den Darstellern gute Entfaltungsmöglichkeiten. Die Musik Ladendorfs hielt sich ver* hältnismäßig stark im Hintergrund, aus dem nur einige Kla* viertöne unangenehm an die Gegenwart erinnerten (wie es auch der Sprecher im Straßenanzug tat. — Dieses Problem war seinerzeit in der Achusah weit besser gelöst). Das Ende kam etwas abrupt und überraschte das Publikum. Nach einer Wiederholung dieses Abends brachte die zweite Veranstaltung der Karmel-Fcstwoche ״Jüdische Volkslie* dev und Tänze“. Es zeigte sich dabei, daß man erfreulicherweise vermieden hatte, eine Woche lang nur biblische Themen vomiliihren, sogar auf das ausgeprägt Jüdische hatte man teilweise verzichtet. Während der gesangliche Teil des Abends ziemlich kühl ließ, verdiente der tänzerische utn so mehr Beifall. Das gilt sowohl für Tehina Roessler, die den modernen Stil pflegte, wie vor allem für J ardena Co heu, die mit ihren orientalischen Tänzen mit Begleitung eines Originalorchestcrs den großen Erfolg des Abends davontrug. Dies zweifellos nicht nur wegen der Originalität, die diese Art Tanz und die reizvollen Kostüme in aen Augen europäischer Juden haben, sondern auch wegen der tänzerischen Durcharbeitung. Alfred Markus, Haifa Barmliwah-Termln! Am 0. Oktober (4. Marche«chw,1־n): Bm/nn Kaufmann, Sohn von Sally Kaufmann, Schoch. Schenk in |>r; Tel Aviv,