Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 78 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHa״ Nr. 78,!.OKTOBER 1937 Distriktskommissar Andrews ermordet Schwere Bluttat in Nazareth — Scharfe Maßnahmen der Regierung Der Disfrikfskommissar von Galiläa, Lewis Yefland And r e w s, sowie der britische Polizist Peter Robertson ־ M c E w a n wurden am vergangenen Sonntag, als sie die Kirche in Nazareth verließen, ermordet. Vier maskierte Araber schossen auf sie aus dem Hinterhalt. Die Schüsse wurden aus nächster Nähe gefeuert und trafen Mr. Andrews mehrfach. Der getötete Polizist war Mr. Andrews’ Leibwache. Mr. Pirle-Gordon, Hlifsbeamter des Bezirkskommissariats, der etwas im Hintergrund gestanden hatte, entkam nur sehr knapp den Schüssen. Andrews warnte ihn und rief ihm zu, sich durch Flucht zu retten. Der Angriff ist angeblich von drei Männern veröbl worden, von denen zwei den Tarbusch trugen, während einer wie ein Fellache gekleidet war, JEs ist bisher nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden. Man glaubt, daß der Führer der Terroristen eine unter dem Namen ״Der W01 f“ bekannte geheimnisvolle Persönlichkeit Ist, die als die rechte Hand des Rebellenführers Fauzi el Kaukji gilt £10000 Belohnung Alle Straßen von und nach Nazareth wurden von der Polizei sofort nach dem Mord gesperrt. Gerüchten zufolge Ist es wahrscheinlich, daß der Kriegszustand über Nordpalästina verhängt wird. Ausnahmezustand Ist bereits verkündet worden. Sofort nach dem Mord wurden Polizeihunde auf den Schauplatz gebracht. Die Regierung hat eine Belohnung von C 10 000 für Nachrichten, die auf die Spur der Mörder führen, ausgesetzt. Die palästinensisch-transjordanische Grenze wird besonders scharf bewacht. Die Zahl der Verhafteten ist auf 200 gestiegen. Unter ihnen befinden sich viele Kadis und die Vorsitzenden der örtlichen ״arabischen Natioualkomitees“, sowie viele bekannte Hetzagitaioren. Unter ihnen befindet sich auch Subhi Khadra, ein berüchtigter Agitator, der in enger Verbindung mit dem Mufti von Jeriusalem stellt. 25 Araber wurden in Haifa verhaftet, darunter der Sekretär der Moslem-Association und eine Anzahl ihrer Führer. Ebenso wurde ein Prediger der Moschee festgenommen. Sämtliche Häftlinge wurden nach Akko gebracht. Viele Araber, die der Mittäterschaft verdächtig sind, haben die Flucht ergriffen. Von der moslemischen geistlichen Behörde wurde an Ciiefsekretär Battershill telegraphisch gegen die Verhaftung׳ vieler mohammedanischer Geistlicher protestiert. In dem Telegramm Heißt es, diese Verhaftungen trügen nicht dazu bei, die Verständigung zwischen Engländern und Arabern zu fördern. Die Festgenornmenen gehören zum größten Teil der Mufti-Partei an. Militär traf in Nazareth ein. In arabischen Kreisen wird befürchtet, daß im Hinhlick aut die Erfolge der arabischen Terroristen und die; Tat- *fache, daß keiner der Angreifer verhaftet wurde, weitere *terroristische Anschläge begangen werden könnten. Mr. Battershill, General Wave 11 und der Distriktskommissar Mr. Maclaren hielten eine Konferenz ab, und wird angenommen, daß der Advisory Council der es Regierung ebenfalls zusammentreten wird. Später fand, nachdem der Chefsekretär telephonisch mit dem Colonial Office in London und mit dem High Commissioncr Sir Arthur Wauchope konferiert hatte, eine Besprechung aller Distriktskommissare statt. Mr. D. G. Harris, der Rcgierungsratgeber für Bewässerung, ist zum zeitweiligen Bezirkskommissar in Galiläa ernannt worden. Die Beisetzung In •Jerusalem fand die Beerdigung der beiden Opfer mit allen militärischen Ehren statt. Für die Jewish Agency erschienen Mr. E. Kaplan und Mr. J. Gordon, für den Waad Leumi Mr. I. Ben Z v i. Ebenso waren Vertreter anderer jüdischer Nationalinstitutioneil und von zahlreichen jüdischen Siedlungen anwesend. Viele Kränze wurden von jüdischen Siedlern aus dem Emckgebiet gesandt. Der einzige Araber bei der Beerdigung war der Bürgermeister von Jerusalem. Die Mehrzahl der britischen Kolonie war vertreten, geführt von Mr. Battershill. Das Oberste Arabische Komitee drückte in einer Kundgebung seit! Bedauern und die Verdammung des Mordes an Mr. Andrews aus. Eine arabische Deputation, die sich aus arabischen Per* sönlichkeitcn von Rang aus Nablus sowie dem Bürgermeister und dem Mufti dieser Stadt zusammensetzte, sprach bei Mr. Foot, dem assistierenden Distriktskommissar, vor, um ihr Beileid auszudrücken. Mr. Foot weigerte sich jedoch, die Deputation zu empfangen. Der Vfaad Leumi hat eine Kundgebung erlassen, in 'der festgestellt wird, daß der Ermordete, der dein Lande seit der britischen Okkupation freu gedient hat, in letzter Zeit die Aufgabe übernommen hatte, in einer Gegend, in der die Terroristen besonders arge Unruhen hervorgerufen hatten, die Ordnung wiederherztistellen. Obwohl es ihn! bekannt gewesen sei, daß er sein Leben gefährde, habe er mutig den iesetzeii Geltung verschafft. Damit habe er seinen Namen in die jüdische Geschichte eingeschrieben und sei jetzt einer der Märtyrer geworden, die ihr Lehen für den Frieden und den Aufbau des Landes geopfert haben. Zahlreiche jüdische Organisationen haben der Regierung ihr Beileid ausgesprochen. In der Yeshurun-Synag-oge in Jerusalcm wurde eine Gedächtnisfeier für den Verstorbenen abgehalten. In Afuleh wurden die Simchat-Thora-Fcierlichkeiten in der Synagoge unterbrochen. In Nathania, die Mr. Andrews zu ihrem Ehrenbürger ernannt hatte, wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Jüdische Pressestimmen Die hebräische Presse betrauert den Mord an Mr. Andrews aufs tiefste, ״D a w a r“ stellt in einem Leitartikel fest, daß der Verstorbene zu den wenigen Beamten fehörte, die sich in ihren Bestrebungen für Frieden und icherheit im Lande rühmlich auszeichneten. Mit dem Mord an Mr. Andrews hat der arabische Terror den Gipfelpunkt erreicht. Wer kann sagen, welchen Drohungen das Land in Zukunft ausgesetzt ist? Die Zeitung macht die Schwäche der Regierung für dieses Blutvergießen verantwortlich und führt aus, daß, solange die Regierung nicht die Wurzel des Uebels• — diejenigen arabischen Institutionen und Personen, die in Jerusalem ihr Unheil treiben — angreifen will, die halben Maßnahmen, die getroffen werden, so gut wie zwecklos sind. ״H aarez“ wendet sich dagegen, daß diejenigen, die für den ganzen Terrorismus verantwortlich sind, es wagen, ihr Beileid für das, was geschehen ist, auszudrücken. Die Zeitung tadelt ebenfalls die Behörden für ihre Schwäche, die zu einem großen Teil für die Ermordung von Mr. Andrews verantwortlich sei, und appelliert an die Regierung, endlich drastische Maßnahmen zu ergreifen, um der abscheulichen Gesetzlosigkeit ein Ende zu bereiten. Die ״Palestine Post“ erklärt, daß, wenn auch das Blutvergießen in Nazareth nicht zu Racheakten aufrufen soll, es wenigstens doch nach S ii hne ruft, und daß diejenigen, deren rücksichtsloser Irrsinn das Heilige Land schändet, die die religiösen Heiligtümer in eine Brutstätte von Mord verwandelt haben, dafür büßen sollen. Der Terror ist sicher gemacht worden, und die Sicherheit von Terroristen ist die Frucht einer Politik von falsch angewandter Versöhnlichkeit. Das Echo in England Die ״Times“ weist darauf hin, daß Distriktskommissar Andrews als ein Opfer des arabischen Terrors gefallen ist, der entgegen den Hoffnungen amtlicher Kreise in Palästina tortdauert und sich in letzter Zeit, nachdem die Juden zu Vergeltungsmaßnahmen übergegangen sind, stärker gegen gemäßigte christliche und mohammedanische Araber als gegen Juden gerichtet hat. Bis zum Sonntag habe es gegen britische Beamte keine Angriffe in diesem Jahr gegeben. Aber der Ermordete sei wiederholt bedroht worden, und man glaube, daß er gewußt hat, von wo diese Drohungen ausgingen. Zwar hätten der Mufti von Jerusalem und das Oberste Arabische Komitee die Tat verurteilt, denn Andrews habe gute Beziehungen zu vielen arabischen Politikern unterhalten und dem Obersten Arabischen Komitee einen wertvollen Dienst erwiesen, indem er an den Verhandlungen mitwirkte, die dazu führten, daß das Oberste Arabische Komitee vor der Kgl. Kommission erschien und dort Aussagen machte. Aber der Tod des Distriktskommissars sei die un mittelbare Folge der Sabotage- und Terrorwelle, die im letzten Jahr über Palästina hinging, und die Kgl. Kommission habe in ihrem einstimmig erstatteten Bericht erklärt, daß der Mufti als Vorsitzender des Obersten Arabischen Komitees seinen vollen Teil an der Verantwortung für die Unruhen zu tragen hat. Daneben aber trage auch die Palästina-Regierung schuld, deren Unfähigkeit, einen ihrer tüchtigsten Beamten zu schützen, sich gezeigt habe. Der Artikel hebt die außerordentliche Treue hervor, mit der Andrews, einer der besten Kenner Palästinas und seiner Bevölkerung, seine Aufgabe im Sinne der von der Britischen Regierung übernommenen zwiefachen Verpfüchfung erfüllt hat. Weil er für die Teilung als gerechteste Methode zur Beseitigung der Beschwerden _ von Juden und Arabern eiutrat, sei er von den Terroristen gehaßt, bedroht und schließlich ermordet worden. Die während des vorjährigen Aufstandes versuchten Methoden der Versöhnung hätten offenkundig Schiffhrucli erlitten. Aber man habe sich die Lehre dieses Mißerfolges nicht zu Herzen genommen. Das habe die arabischen Terroristen bloß in ihrem Glauben bestärkt, daß die Mandatsverwaltung und vielleicht auch die Mandatsregicrung nicht die Macht und vermutlich auch nicht den Willen hätten, die Aufreeliterhaltung von Ruhe und Ordnung zu erzwingen. Die Kgl. Kommission habe schon in ihrem Bericht im Juli festgestellt, daß die elementare Pflicht, die öffentliehe Sicherheit zu g e w ä h r 1 e ist e 11, nicht erfüllt worden ist. Seither seien zwei Monate vergangen, aber der Terror dauere noch immer ungehindert fort. ״Evening Standard“ nimmt den Mord zum Anlaß eines scharfen Angriffs gegen den Teilungsplan. Die britische Verwaltung würde sich in einem geteilten Palästina einer noch komplizierteren Aufgabe und einer größeren Feindschaft der Araber gegeniibergestellt sehen. In Genf hätten Staate 11, die keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet der Kolonialverwaltung haben, an England Kritik geübt und die widersprechendsten Ratschläge erteilt, einige mit der Begründung, daß die Lage der Juden in gewissen europäischen Ländern eine Lösung der Palästinafrage durch Fortsetzung der jüdischen Einwanderung erfordere. England könne aber keine untragbare Last auf sich nehmen, weil der Völkerbund sich als schwach erwiesen hat. Von der unpopulären Teilung seien Unruhen und Blutvergießen ztl ׳erwarten. Der dem Parlament neu vorzulegende Plan müsse diesen schlechten Vorschlag völlig ausschalten. Prof. Norman Be 11 tw ich bezeichnet in der ״Times“ vom 29. September den Verlust Andrews’ als ״unersetzlich für die Paläsfinaregierung und einen tiefen Schmerz für alle, die ihn kannten“. Er beschreibt seinen Werdegang und hebt das Vertrauen hervor, das Andrews überall genoß. Während der Unruhen von 1929 und 1936 gab seine Anwesenheit den bedrängten jüdischen Siedlern ein Gefühl der Sicherheit. Das Tragische sei, daß er von Mördern inmitten seiner Arbeit niedergestreckt wurde, als er die Reife erreicht hatte, und daß er wohl noch weitere 20 Jahre aufopferungsvollen Dienstes für das Land, das er liebte, hingehen wollte. Die Persönlichkeit des Ermordeten Mr. Andrews, der der erste britische Hohe Beamte ist, der in Palästina getötet wurde, war ein von den Juden sehr geachteter Beamter lind genoß ihr vollstes Vertrauen. Während des Krieges war er Kapitän der australischen Streitkräfte und wurde 1920 Beamter der Palästina-Verwaltung unter Sir Herbert Samuel. 1932 wurde er Beamter _ für Boden-Entwicklung und war spezieller Vcrbindiingskoinmissar der Regierung während des Aufenthaltes der Kgl. Kommission in Palästina. Erst im Juli wurde er zum Distriktskommissar für Galiläa ernannt. Andrews hatte auch die Verantwortung für die Sicherheit in den neuen Siedlungen bei B eis an und hatte den Siedlern bei der Besetzung des von ihnen _ erworbenen Landes große Hilfe geleistet. Er hatte zahlreiche jüdische Freunde und besaß ein Haus in Nathania, das er häufig besuchte. Andrews sprach hebräisch. Er hinterläßt eine Frau und drei Kinder, die augenblicklich in England sind. Während der Unruhen von 1936, ais Mr. Andrews in der Bezirksverwaltung in Jerusalem tätig war, wurden bereits zwei Anschläge auf sein Leben ausgeführt. Einer der An- Stifter dieser Anschläge wurde seinerzeit verhaftet und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Es gelang ihm jedoch später, aus dem Gefängnis zu fliehen. Boustenai schrieb am 21. Juli anläßlich der Ernennung{ Mr. Andrews’ zum Fezirkskommissar des Galii-Distrikts: ״... Und auch der Kommissar, der für den neuen Galii- Distrikt ernannt wurde, flößt Vertrauen ein. ln einem anderen Staat wird sich der Leser wohl wundern, daß man einem Distriktskommissar besonderes Lob und Anerkennung zollt, weil er über Ordnung and Sicherheit der Bevölkerung wacht. Hier aber ist für derartiges Lob noch der Ort. Hier soll noch vor aller Welt vermerkt werden, daß von dein Moment, seit Mr. Andrews in den Galil-Distrikt versetzt wurde, dort Ruhe und Ordnung herrscht — und dies wurde ohne besondere Repressalien, Zwangsmaßnahmen und Strafandrohun« gen erreicht. Wenn die Bevölkerung einsielit, daß ein Verwaltungsbeamter aufrichtig die Ruhe wünscht, und dies Ziel mit starkem, unbeugsamem Willen verfolgt, so verliert sie die Lust, diesem Beamten Gelegenheit zu geben, seine starke Hand zu zeigen. Und Mr. Andrews gehört zu dieser Kategorie der Verwaltungsbeamien.“ Zwei arabische Grundbesitzer ermordet Zwei angesehene arabische Persönlichkeiten wurden im Norden Palästinas im Schlafe getötet. Einer ist Said Awad Eikhoury, der reichste Grundbesitzer in Galiläa, der in dem Dorf Mul in der Nähe von Nazareth ermordet wurde. Es wurde schon einmal ein Anschlag auf ihn verübt, da er unter dem Verdacht stand, an Juden Land zu verkaufen. Der andere ist Sheikh Mohammed Ibrahim, aus dem Dorfe Damun in der Nähe von Akko. Er stand unter demselben Verdacht. Das arabische National - Komitee in Safed fordert fn einem Manifest die Araber im Norden Palästinas dringlich auf, den Terrorismus einzustellen. Ein Araber, der im Verdacht stand, ein Polizeispitzel zu sein, wurde hei Mischmar Hacmek ermordet. Der Mörder, ein Araber, wurde verhaftet. In Haifa beabsichligen zahlreiche wohlhabende Araber, angesichts der herrschenden Unsicherheit und des verstärkten Terrors die Stadt zu verlassen. Araber gegen die neue Kommission Jerusalem, 28. September. (JTA.) Der Jerusalemer Bericliterstatter der Kairoer Tageszeitung ״El Mokattam“ weist auf Grund der Aeußerung eines Mitgliedes des Obersten Arabischen Komitees abermals darauf hin, daß die neue britische Palästinakommission von den Arabern boykottiert werden dürfte. Angeblich soll auch ein hoher britischer Beamter den Vorschlag der Entsendung einer neuen Kommission als lächerlich bezeichnet haben, weil damit eine irrige Politik fortgesetzt werde. Amtlich wird bekannlgegeben, daß die Palästina-Regierung Vorbereitungen zur Durchführung der Vorschläge der Kgl. Kommission über die wasserwirtschaftliche Erschließung Palästinas und Transjordan Jens getroffen hat. Es sollen Bewässerungsmöglichkeiten und die weitere Nutzbarmachung der Wasservorräte untersucht werden. Die Untersuchungen werden sich auf den Kreis Beer Scheba und dasJordantal in Palästina sowie auf gewisse Gebiete in Transjordanien erstrecken. Für die Forschungsarbeiten in Palästina wurden von der Regierung 50 000, für die Arbeiten in Transjordanien 30 000 Pfund zur Verfügung gestellt. Die Gefahr strittiger Grenzen 211 der Entscheidung des Völkerbuiidsrafs schreibt ״Great Britain arid the East“ vom 23. September, daß der Teilungsplan so schnell wie möglich vorwärtsgetrieben werde, daß es aber in der Natur der Dinge liege, daß dies ein langer Prozeß sein wird. Ein Problem, das 15 Jahre hindurch der Lösung gespottet hat, kann nicht innerhalb einer Woche gelöst werden. Theoretisch sei jetzt alles in Ordnung. Aber welches ist die tatsächliche Lage in Palästina? Die neue Kommission muß einerseits mit einem Voike verhandeln, das anscheinend unversöhnlich der Teilung widerstellt, und andererseits mit einem Volke, das höchstens lauwarm für die Teilung ist. Man könne antworten, daß diese Regelung aufgenvungen werden wird, ungeachtet ob Araber und Juden sic wünschen. Aber können neue Staaten wirklich in solcher Weise geschaffen werden? Die Hälfte aller Unruhe in der heutigen 1Welt stammt ans umstrittenen Grenzen. Die Art, in der die verschiedenen Staaten in Serien, die von den Franzosen künstlich geschaffen wurden, tatsächlich vcrschwunden sind, ist kein glückliches Vorzeichen für die Errichtung neuer Staaten im Süden Syriens. ' Inzwischen wird Palästina in einem gewissen Ausmaß nachi den ״Palliativen''• verwaltet, die die Kgl. Kommission vorgeschlagen hat, und zwar bemerkenswerterweise im Zusammenhang mit dem ״politischen Maximum“ für die jüdische Ein- Wanderung. Das Abgellen von dem früheren Kriterium der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes hat viel Unruhe in gewissen Kreisen erregt, obgleich viele Beobachter bekannt haben, in seiner Anwendung sowie gewissen zusätzlichen Einzelheiten eine Lösung des Problems ohne Teilung zu sehen. England muß jedenfalls viel Kritik über sich ergehen lassen. Was immer es tut, wird einer gewissen Mißbilligung begegnen, wie Ortnsbv-Gore freimütig vor der Mandatskommission am 30. Juli gestand: ״Wir haben wenig Freunde in Palästina.“ Aber die Stimme der Mäßigung im Heiligen Land, die unterdrückt ist, schweigt nicht völlig.. Daß sie sich so vernehmbar machen wird, uin die Teilung unnötig־ zu machen, ist wahrscheinlich zuviel erhofft. Aber was immer die endgültige Lösung sein möge, es werden vernünftige ״Semiten“ erforderlieh sein, sie durchzuführen. Levante - Messe verschoben Aus Tel Aviv wird gemeldet, daß die für 1938 geplante Levante-Messe mit Rücksicht auf die Unsicherheit über die politische Zukunft Palästinas bis zum Jahre 1939 vcrschoben werden soll.