Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JÖDI5CHE RUNDSCHAU Nr. 76/77, 24. SEPTEMBER 1937 Künstlerisches Chasonus Ja-Sagen zum Leben Prof. Dr. Weichbrodt: ״Selbstmord“. — Verlag S. Karger, Basel 1937. Ein Buch, das, wohl erstmalig in seiner umfassenden Art, die extremste Form der Lebensverneinung, den Selbstmord, unter zahlreichen wissenschaftlichen Gesichtspunkten (medizinischen, statistischen, philosophischen, theologischen, ökonomischen) behandelt und dein widerspruchsvollen Todesdrang die unbedingte Lebensbejahung entgegensetzt, ist für jeden lesenswert, der an psychologischen und soziologischen Erkenntnissen interessiert ist. Und wenn eine Sammlung fachwissenschaftlicher Essais von einer so weiten geistesgeschichtlichen Gesamtschau getragen und mit so klarer Ausbreitung von Tatsachen, Deutungen, Urteilen und Empfehlungen geschrieben ist, wie Prof. Dr. W e i c h b ro d ts aus einer Antrittsvorlesung hervorgegangene Monographie über den Selbstmord, dann darf man behaupten, daß damit zugleich für eine fruchtbare Einsicht in diese soziale Krankheit, die nach Weichbrodt nur selten (etwa 3 0׳,״) auf eine echte Geisteskrankheit zurückgeht, neue Wege geebnet sind. An dieser Stelle auf das Werk hinzuweisen, rechtfertigt sich durch die vielfache Behandlung jüdischer Gesichtspunkte. Zunächst wird in den Abschnitten, die den Selbstmord bei den verschiedener! Völkern und Religionen historisch betrachten (Primitive, Griechen, Römer, Germanen, Christentum, Fernosten), irr einem besonderen Kapitel die Haltung des Judentums zum Selbstmord an dem Material, das Bibel und Talmud, Religionsgesetz und jüdische Geschichte bieten, erläutert. (Reichliche Quellenhinweise im Jüdischen Lexikon, Artikel Selbstmord.) Die Meinung des religiösen Judentums muß von dem Wert ausgehen, den es dem Leben zuerkennt. Da das Einzelleben in einem göttlichen Heils- und Weltenplan Stellung und Aufgabe erhält, der Arterhaltung dienen soll und schließlich, als das einzige Gut, unwiederbringlich ist, gilt seine selbstgewollte Vernichtung als Verbrechen wie der gewöhnliche Mord. Nur wenn Umstände eintreten oder droben, die zur Selbsttötung zwingen, wie im Falle der Nötigung zu einer Todsünde, des Martyriums durch Feindeshand, ist Selbstmord erlaubt, wo nicht sogar geboten; alsdann ist gewissermaßen der Begriff des Selbstmordes aufgehoben, der absolute Freiheit der Entscheidung und Verantwortungsfälligkeit voraussetzt. Jüdisches Interesse erwecken ferner unter den im Anhang zusammengestellten Acußerungen berühmter Schriftsteller und Philosophen die Ansprache des Flavins Josephus an seine Kampfgenossen über die Feigheit und religiöse Verabscheuungswürdigkeit des Selbstmordes (aus dem 3. Buch des Jüd. Krieges 8, 5) und Moses Mendelssohns Ablehnung der Selbsttötung in den ״Briefen über die Empfindungen“; sodann Spinozas Ansichten. Endlich widmen die statistischen Teile der Monographie dem Anteil der Juden (Religionsjudcn) am Selbstmord eingehende Darstellungen. Hier ist der Hinweis besonders wichtig, daß eine Ver- Icichung der Selbstmordfälle verschiedener Bevölkerungs* reise, insbesondere der Konfessionen, bezogen auf die Ge- Samtbevölkerung, zu völlig falschen Ergebnissen führt. Es besagt nichts für eine größere •Sclbstmordhäufigkeit bei den Juden, wenn auf 100 000 Seelen der Gesamtbevölkerung mehr jüdische als andere Selbstmorde fallen: denn der Selbstmord ist naturgemäß nur in höheren Altern zuständig, so daß eine so jugendarme Bevölkerungsgruppe, wie z. B, die jüdische in Deutschland, bei Beziehung auf 100 000 Gesamtseelen eine hohe Selbstmordziffer haben muß. Diese optische Täuschung entsteht ferner auch, wenn man den städtischen Charakter und die wirtschaftliche Labilität der jüdischen Bevölkerung nicht berücksichtigt. Aber die jüdischen Beziehungen des Weichbrodtschen Buches sind nur ein Sonderfall seiner Untersuchungen, die immer wieder durch die anschauliche Gedankenführung bereichern. Erstaunlich ist, wieviele Disziplinen diese Arbeit berührt: nicht nur die eingangs erwähnten Praktiker, sondern auch politische und Literarhistoriker sowie auch Religions- und ändere Kulturforscher werden von dem Werke angesprachen. Das mit biographischen Notizen über das Seelenleben einiger bekannter Selbstmörder ausgestattete Werk, mit großem künstlerischem Schwung geschrieben, überwindet sein unerfreuliches Thema durch die Fülle der Einsichten und anregenden Gedanken, vor allem aber durch die Lichter der Lebensfreude, mit denen cs das düstere Gespenst verscheuchen will. Bruno Kirschner Biologisches Weltbild Dr. Erwin Pulay: ״Der überempfindliche Mensch“. — Verlag Otto Lorenz, Wien. Das Buch eines Arztes, der von den Erkrankungen der Haut ausgehend zu den Problemen des sensibilisierten Mensehen vorstieß und in diesem Buch eine Skizze seiner Lehre der menschlichen Typenbildung auf Grund der Hörtnontheorie, der Ucbercmpfindlichkeit des Körpers und der Seele, der Beziehungen von ״Tiefenperson“ und ״Rindenperson“ und daran anschließend eine Darstellung des Verhältnisses des Menschen zu seiner Umwelt, der Probleme von Kultur und Zivilisation aut biologischer Grundlage und der Masscnpsychologie gibt. Soweit das Buch im biologischen Bereich bleibt, ist es stets interessant und sicher reich an Anregungen, Das Uebergreifcn auf das psychologische und noch mehr auf das soziologische Gebiet allerdings führt zu mancherlei Theorien und Hypothesen, die man doch eher als Bilder und Symbole, denn als fundierte Lehrgebäude ansprechen mag. Für uns interessant sind die Ausführungen über Anpassung und Einpassung. Die Einpassung sieht der Verfasser als einen unbewußten Vorgang an, die durch Intuition gebahnt wird; sie ist das Werk der Tiefenperson; die Anpassung dagegen erfolgt bewußt durch Assimilation, und zwar durch die Rindenperson. Durch beide Vorgänge wird die Person mit der Umwelt verschmolzen. In der Einpassungsfähigkeit liege die Voraussetzung zur Kultur, in der Anpassungsfähigkeit zur Zivilisation. Diese Sätze sind für das Problem der Assimilation kollektiver Gruppen, das uns besonders beschäftigt, von großem Interesse. Weiterhin äußert sich Pulay auch über die Frage der Kulturträger und KuHutmittler. Er sagt, daß der Kulturträger mit seiner Heimat zur funktionellen Einheit verbunden ist; je eingepaßter und mehr zur Einheit geworden der Mensch mit seiner Umweit ist, um so tiefer ist seine Kultur. Ein Volk, das nicht mit der heimatlichen Erde zur Einheit verschmolzen ist, könne niemals zum Träger, sondern nur zum Mittler der Kultur werden. Vermöge seiner assimilatorischen Fähigkeiten vermöge es kulturelle Werte zu ergreifen und sie in sich aufzuspeichern, aber es werde nicht primär Träger dieser Kultur. Schließlich weist Pulay auch auf die seelische Situation der Minderheiten hin. Völker, die nicht bodenständig sind und daher unaufhörlich in ihrer Existenz bedroht werden, die aber dennoch existieren wollen, erlangen nicht nur erhöhte Immunität, sondern gleichzeitig erhöhte Wider- Standskraft gegen Umwelteinflüsse. Hieraus erklärt sich die Boas Bisdiofswerder: Sdiabbos malk’so Eines der reizvollsten, bisher noch unerschlosscnen Gebiete ist das des virtuosen Chasonus. Die Orientalen kennen wohl das improvisierende Schweifen auf Tonfloskeln, das Schleifen von Nebentönen, die Südländer die Sinnesfreude im Schwelgen auf langbogigen Melodielinien, das Verzieren der Kantilene mit Koloraturen, doch keinem dieser Völker ist in ihren Gesängen dieses Aufbegehren, dieser Ausdruckswille eigen, wie ihn das Chasonus in der Hochblüte seines Virtuosentums im Unterstrom kabbalistisch mystischer Regung kennt. Wer Gelegenheit hatte, echtes Chasonus zu hören, wird begreifen, wie einzigartig das jüdische Erlebnis des Chasonus sein kann. Vielleicht nur noch BRIEFMARKEN - FRITZ LEWIN, Berlin W35, LUtzcwstr.91A in der frühen Musikepoche um die Wende des ersten Jahrtausends finden wir Beispiele dieser Art der Singweise, in den Hallelujas, den Jubilationen der Kirche, Beispiele melismenrcichen einstimmigen Gesangs höchstwahrscheinlich orientalisch-hebräischen Ursprungs. Vor mir liegt ein Werk ״Sdiabbos malk’so“ des Londoner Oberkantors Boas B i s c ho f s w e r d e r (früher Berlin), das dieser Singart mit wahrer Inbrunst huldigt. Es umfaßt Kompositionen, die nach Tonskalen, Weisen und Vortragsart in das Gerüst des gewöhnlichen Freitagabend- Chasonus, wie es jeder Baal t’fillah kennt, eingespannt sind; im Uebersteigern der vorhandenen Ausdrucksmittel aber über das Maß des rein Rezitativ-mäßigen weit hinausgehen und so zur virtuosen Gesangsiibung werden. Wir finden sehr feine Kompositionen, wie ״Ono b’choach“, ״Ascher bid’woro“, besonders ״L’man jirbu“, ״Uamnkke w’ewroso‘, die Fassungen von ״Usch’mor zesenu“, ״W’schomru“ und ״Elohenu r’ze“ und eine sehr charakteristische, auf dem Lernnigun auf gebaute talmudische Studie über ״Hani’chabbe Zionismus ohne nationale Idee? William Zukerman: ״The Jew in Revolt“. — Verlag Martin Secker & Warburg Ltd., London 1937. Ein jüdischer Journalist in Amerika hat dieses Buch eschrieben, dessen Absicht es ist, die Judenfrage aus der erspektive der ökonomischen Geschichtsauffassung heraus zu deuten. Daß ihm die ״Idealfaktoren“ aber nicht fremd sind, zeigt das Kapitel über den Zionismus, das uns hier am meisten interessiert. Dort kann er nicht umhin anzuerkennen, welche tiefen und idealen Beweggründe die chaluzische Jugend nach Palästina geführt haben. Allerdings glaubt er, daß die Einwanderung der Mittelschicht besonders aus Polen, daß die Bodenspekulation und ähnliche Erscheinungen Palästina geschädigt haben. Die Mittelschicht aus Polen ist nach Zukermans Ansicht nach Palästina gekommen, um das ' Ghetto dorthin zu verpflanzen und in ihrem alten Lebensstil zu verharren. Unter diesen Bedingungen habe die Arbeiter- Schaft Palästinas sich nicht so entfalten können, wie es zu hoffen gewesen wäre. Der zionistischen Bewegung wirft Zukerman vor, sie habe ״einen seltsamen Kult für eine jüdische Majorität in Palästina geschaffen und eine fieberhafte Aktivität zur Erlangung einer Mehrheit im Lande mit allen möglichen Mitteln seelische Situation der Minderheiten. Durch den Mechanis*! mus der Ucberkompensation komme es zu einem dynamischen Auftrieb, der oft den wahren Kraftverhältnissen widerspreche. Aber aus dieser Diskrepanz zwischen Wollen und Können resultieren oft unerwartete Leistungen. Schließlieh meint Pulay, daß ״nur maximaler Nationalismus, in diesem höheren biologischen Sinn verstanden: als Eingepaßtheit in seine engere Heimat, die Voraussetzung zu jenem Ucbernationalismus schafft, der in seinem höheren Sinn Kulturverbundenheit, d. h. Humanität bedeutet“. Ein in allen Kapiteln interessantes, wenn auch gelegentlich zum Widerspruch herausforderndes Buch. oe. Eine Homer-Travestie Heinrich־ Kurtzig. ״Liebes- und Irrfahrten nach Homers Odyssee“. Mit Illustrationen von O. Geismar und L. Nunberg. — Verlag E. Löwe, Berlin. Seit altersher hat die unerschöpfliche Schatzkammer Homers auch den Travestien reichen Stoff geboten. Kurtzig, den wir bislang nur als warmherzigen und liebevollen Schilderer jüdischen Volkslebens in Ostdeutschland kannten, stellt die alten Helden Homers unmittelbar in die modernste Umweit hinein, stattet sie mit Telephon, Radio, Flugzeug aus und wagt es dann mit Gewandtiieit und guter Laune bei allem schuldigen Respekt vor dem ״echten“ Homer ihre altbekannten Schicksale in neue flüssige Reime zu gießen. So ist ein höchst ergötzliches Büchlein zustande gekommen, das nach dem Urteil erfahrener Schulmänner sich trefflich dazu eignet, der reiferen Jugend die Welt der homerischen Helden ein wenig näherzubringen. Ich empfehle den wenigen Primanern, die heute noch den Homer im Urtext lesen, die Abschweifung zu den ״Eselsbrücken“ (S. 52). — Otto Geismar und Ludwig Nunberg haben das heitere Büchlein heiter illustriert._ B. B.-St. Walther Pah!: Wetterzonen der Weltpolitik. — Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig 1937. Im Rahmen einer umfassenden Darstellung, die sieh mit den wichtigsten Problemen weltpolitischer Art beschäftigt, ist der erste Teil dieses interessanten und flüssig geschriebenen Buches den Problemen der Mittelmccrpolitik gewidmet. Hierbei werden sowohl das Erwachen der Türkei als auch die arabische Nationalbewegung und die Probleme des Islams dargestellt. Ein eigenes Kapitel ist Palästina und dem jüdisch-arabischen Problem gewidmet. Pa 111 schildert den arabischen Aufstand von 1936 und gibt im Anschluß daran eine kurze Darstellung der jüdischen Arbeit im Lande. Englands Interesse an Palästina wird gezeigt, und es wird die Meinung ausgedrückt, daß England vor der Gewalt nicht zurückweichen werde. Pahl meint, daß es, um überhaupt eine friedliche Atmosphäre im Lande wicderhcrzustcllen, notwendig sein werde, eine obere Grenze für den jüdischen Einwandererngszuwachs festzusetzen (das Buch ist noch vor Erscheinen des Peel-Berichtes geschrieben). England werde eine Entscheidung treffen, die ihm eine große Auseinandersetzung mit der arabischen Nationalbewegung erspart und ihm die militärisch-strategischen Interessen in Palästina unter allen Umständen sichert. —n. es haner“, Schöpfungen, in denen Gebet und Singen eins werden. Vorherrschend in diesen Gesängen ist die ״Adonoj molocl1“-\vcise, verbunden mit dem Lernnigun und Neginoth, zwischendurch oszilliert die ״Ahawo rabbolr-weise um schmelzende Moll- oder härtere Dur-Intonationen. Mit diesen Weisen hält der Chasan die Grundstimmung fest, skandiert, deklamiert, die Töne schwingen im Gefühl der Andacht zu Melodiebögen aus, streben im bunten Gewebe emporrankender Floskeln nach oben, bleiben in der Höhe wie Feuerwerk hängen, hier im Falsett, im Kreisen um wenige Töne blendend, zitternd in andächtiger Verzückung; ein kleiner Farbwechsel, die Modulation in eine neue Weise, eine neue Tongruppe, hier das gleiche Spiel im Wiederholen von Arabesken, sich senkend, wieder aufsteigend, eiri plötzliches Innehalten auf einsamer Tonhöhe, bebendes Trcmolicren, ruckweis fallendes Seufzen und dann ein Aufraffen zum jubilierenden, fast apotheotisehen Ansklang. Bischofswerder spricht in seiner Vorrede davon, daß er altes Chasonus hiit modernen Mitteln zu durchwirken versucht. Dieser Zusatz ist etwas unverständlich, zumal man darüber im unklaren bleibt, welche Mittel es sind. Vom Standpunkt des modernen Musikers, der Tradition schätzen gelernt hat, erscheint es eher angebracht, an dem Kern der gegebenen Vorlage nichts zu lindern, jedes Au (pfropfen moderner Stileleinente muß wie unpassender Aufputz wirken, Bei einigen Kadenzen, Sequenzen und allzu klassisch anmutenden modiilatoriselien VX'endungen kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Es sind Schönheitsfehler, die dem schon immer starken Bedürfnis der Chasanim entspringen, Melodien und Wendungen, die ihnen gefallen, aus der Umweit in ihre Gesangs Übung zu verpflanzen. Solche Schönheifsfeliler sollten vermieden werden. Das Werk Boas Bischofswerders bedeutet einen wesentlichen Beitrag zum virtuosen Chasonus und seinen Jüngern eine wa lire Fundgrube an chasonischen Feinschmeckereieu. I )r. J a k o b S c h 5 n berg und in der kürzesten Zeit entfaltet“. So habe sich die zionistische Propaganda von ihrer ursprünglichen Forderung auf das Recht zur produktiven Arbeit zu einer Sache der Kapitalisten gewandelt, die im Besitze einer internationalen Konzession auf Palästina meinten, es durch das legale Recht jener Konzession und der Macht, die hinter ihr steht, zu besitzen. In diesem Bestreben habe man bewußt die Araberfrage vernachlässigt und es nicht einmal ftir nötig gehalten, die Araber über die wahren Ziele des Zionismus aufzuklären. Für die Arbeiterschaft Palästinas äußert Zukerman Be* wunderung; aber er lehnt ihren ״Nationalismus‘* ab; vor allem tadelt er, daß auch sie ״dem Kult der jüdischen Mehrheit“ ergeben sei. Ihre versöhnliche Haltung in der Araberfrage billigt er und glaubt, daß ohne Annäherung von Juden und Arabern die Zukunft Palästinas nicht denkbar sei. Die kapitalistische Einwanderungsperiode hält der Verfasser im wesentlichen für abgeschlossen. ״Es ist verfrüht“, so schreibt er, ״das Ende des politischen Aspekts des Zionismus zu prophezeien; aber jeder Beobachter jüdischen Lebens wir( zugeben, daß die politische Aktion des Zionismus ihr» frühere Intensität verloren hat.“ 111 der Rückkehr zur natio nalen Idee sieht Zukerman keine Lösung. Aber es ist hin zuzufügen, daß er nichts Besseres an ihre Stelle zu setzen hat N Zionistische Köpfe Fritz Cohn: ״Von Pinsker bis Wcizmann. Im Kampf füi eine Idee“. — Joachim Go kistein Verlag, Berlin 1937. Die Idee, das Wesen des Zionismus den Juden in Deutsch' Land, die bisher dem zionistischen Gedankengut ferngestan• den haben, auf dein Wege über die Darstellung der wich׳ tigsten Träger dieser Bewegung nahezubringen, ist sehr be grüßenswert, und gerade von diesem Gesiclitspunkt aus ist es richtig, was der Verfasser in! Vorwort sagt, daß da: Buch für einen weiteren Kreis, und nicht ausschließlich füi Zionisten bestimmt ist. Wir finden 1(1 kurze Skizzen, is denen die hervorragendsten Gestalten der zionistischen Re• wegung in ihrem Wesen und in ihrem Werk charakterisier werden. Die Anspruchslosigkeit der Darstellung, ihre Kürz: und der Verzicht aut eine Ausscliöpfung der Quellen läßt natürlich hei dem kritischen Lewer manche Wünsche offen Aber gerade derjenige, der unbelastet von Vorlcenntnissec an diese Lektüre herantritt, wird ein sehr itrldges, viel״ gestaliiges und im letzten doch wieder einheitliches Bild vorfinden, das einen Einblick in die Schwierigkeiten des Kampfes um die Durchsetzung der Ideale und eine erste Vor■ Stellung von den entscheidenden Epochen der zionistischen Geschichte gibt. Vor allem aller wird der Leser immer wieder gepackt sein von der Fülle menschlicher Willens• kraft und der Dramatik der Schicksale, die geschildert werden, N, Literarische Notizen Die Verlagsbuchhandlung Josef Schlesinger, Wien—Bu* dapest, bringt ein hebräisrh-dcntsches Taschen- und Miniatur-Wörter buch von Ben Chaviv heraus, sowie' eine un• garische Ausgabe desselben, die von Salonmn Widder, Professor am Jüdischen Gymnasium in Budapest, besorgt wurde. In der Auswahl der notwendigsten 6060 Wörter wurde das Nctihebräische weitgehend berücksichtigt, auf grammatische Genauigkeit und Betonung geachtet. Besonders nützlich •erscheint der Anhang mit einem Verzeichnis der in der Presse!läufigen Abbreviaturen und der im Umgang benützten G es präc11 s for in e 1 n. Zu J. Opatosch us fünfzigstem Geburtstag haben seine Landsleute in New York eine ״Opatoschii-Bihliographie“ herausgegeben, die auf 72 Seiten an 1400 Nummern enthält. Die jiddische Ausgabe von Dubnows ״Jüdischer Geschichte“ für Schulen ist in vierter Auflage erschienen. In den jiddischen und hebräischen Schulen in Litauen wird mit dein neuen Schuljahr Litauisch als Unterrichtssprache eingeführt. Im ״Jibneh-Vcrlag“, Wien, erscheinen demnächst folgende Werke des palästinensischen Komponisten Marc Lavry: EtncR, Symphonische Dichtung; AI Naliaroth Bawel, Symphonische Dichtung; Chnssidischer Tanz, für großes Orchester; Suite aus der Musik zu Massaoth Benjamin III; drei palästinensische Lieder für Solo-Gesang in,: Klavierbeglcitung._ 4