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Jüdische Rundschau · 1937-09-24 · Heft 76-77 (24.9.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 76-77 (24.9.1937)
Date
1937-09-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 76/77, 24. IX. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Palästina in der Weltgeschichte Ein historischer Ueberblick Der schmale Streifen Fruchtlandes zwischen der Ostküste des Mittelmeeres und der arabischen Wüste war seit frühester Zeit ein Schauplatz unaufhörlicher Kämpfe zwischen verschiedcnen Rassen, Välkcrsthimncn und Kulturen. Vor seiner Eroberung■ durch die Nomadenstämme der ״Hebräer“ (um die Wende des 13. jhts, a.) war das Land von mehreren kleinen Völkerschaften besiedelt, die zum großen Teil zur semitischen Volksgruppe gehörten. Auch nachdem die Hebräer in ״Kanaan“ festen Fuß gefaßt hatten, blieben viele nichtisraelitische Völkersplitter in geschlossenen Siedlungen im Lande sitzen. Insbesondere blieb das von den Philistern besetzte südwestliche Küstengebiet (dessen Name ״Peleschet“ später in der Form ״Palästina“ von den Römern auf das ganze Land übertragen wurde) ein ständiger Herd kriegerischer Verwicklungen. Noch in der letzten Periode des jüdischen Staatslebens — in der Zeit des ״zweiten Tempels“ — war der Anteil der jüdischen Mehrheit an der Gesamtbevölkerung starken Schwankungen unterworfen; einen bedeutenden Bestandteil der Bevölkerung bildeten seit der Zerstörung des ersten Tempels (586) die Samaritaner und verschiedene aus dem Osten und Süden eingewanderte fremdstämmige Kolonisten; später siedelten sich größere Massen von Syrern, Aegyptern, Orieeben und Römern im Lande an. Die gcopolitische Lage Palästinas Für die eminente Rolle, die Palästina in der Weltgeschichte spielte, war seine Lage an der Ostküste des Mittelmeers entscheidend. Das größte Binnenmeer der alten Welt, dessen Wasser die drei bis zur Neuzeit allein bekannten Weltteile bespülen, nimmt in der Geschichte eine zentrale Stellung ein. Geographisch-historisch gesehen erscheint der Entwicklungsgang der westlichen Kultur als ein allmählicher Ausbreitungsprozeß in der Richtung vom Osten nach dem Westen an den Ufern des Miltelmeercs: das Zentrum des Kulturlebens verschob sich in dieser Richtung immer weiter, und im Küstengebiet des ״großen Meeres“ entstanden und vergingen im Laufe von Jahrtausenden die historischen Külturstaaten, die einander in der politischen und geistigen Führung ablösten. In der östlichen Küstenebene, zu der auch Palästina gehört, wirkten sich die politischen und geistigen Wandlungen jeweils am stärksten aus. Ueher diese Ebene führten die großen Landstraßen, die Europa mit Asien und Asien mit Afrika verbinden. Hier kreuzten und befruchteten sich alle Kulturen des Orients und des Okzidtnts. Die Geschichte Palästinas spiegelt die entscheidender! Wandlungen im Gange der Weltgeschichte wider: die Schicksale dieses Landes signalisierten und symbolisierten die jeweiligen Wendepunkte und Krisen in der Entwicklung der Menschheit. Babylonien und Aegypten Bereits vor mehr als 6000 Jahren blühten im Nordosten und im Südosten des Mittelmeeres die zwei größten Kulturreiclie des vorklassischcn Altertums: Babylonien und Aegypten. Die Linie, die diese beiden Pole der damaligen Kulturwelt miteinander verband, ging über Syrien- Palästina, und dieses von den beiden Rivalen umstrittene Gebiet geriet bald unter die Oberherrschaft des einen, bald unter die des anderen Reiches. Um die Mitte des zweiten voichristlichen Jahrtausends trat ein gewisses Gleichgewicht ein: während das Nordgebiet der Küstenebene (Nordsyrien) unbestrittene Einflußsphäre Babyloniens wurde, in dem babylonische Schrift und Sprache, babylonische religiöse Vor- Stellungen und babylonisches Recht (Hammurabi-Gesetz) herrschten, erhielt das ägyptische Reich den südlichen Teil der Küstenebene (Palästina) als festen Besitz, Die Hetiter Bald wechselte aber das Bild. Eine neue Großmacht trat Im Nordosten von Palästina in den Vordergrund der Geschichte. Das von dem semjtisch-mongoloiden Kriegervolk der Hetiter in Kleinasien begründete Stadtkönigtum griff entscheidend in die Geschichte der Völker Vorderasiens ein. Palästina geriet — etwa im 14. vorchristlichen Jahrhundert — unter die Herrschaft der Hetiter, die den vielen kleinen Völkmehaften des Landes ihr nationales Gepräge aufdrückten. Der Kampf zwischen dem Hctareich und Aegypten endete schließlich mit einer abermaligen Aufteilung der syrischen Oebiete zwischen den Gegnern: Palästina kam zurück unter die Botmäßigkeit des Nilreichs. Die Hebräer-Einwanderung Der Ausgang des zweiten vorchristlichen _ Jahrtausends war ein Wendepunkt in der Geschichte Vorderasiens. Er stand im Zeichen gewaltiger Völkerwanderungen im Grenzgebiet Europas und Asiens, die dem Aufschwung Griechenfar.ds und der Entstehung des jüdischen Staates vorangingen, und die eine neue Epoche in der Kulturentwiefdnng einleiteten. Im Laufe von Jahrhunderten fluteten Wellen semitischer Nomadenstämme aus den Steppen Mesopotamiens nach der Küstenebene des Mittelmeeres. Ein Teil von ihnen — die ״Chahiru“ (Hebräer) — war durch die Sinaihalb־ Insel bis nach Aegypten gekommen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts zogen diese nach Aegypten gelangten ״Israeliten“ aus dem ״Lande der Knechtschaft“, fielen zusammen mit anderen Stämmen in das ihnen vom ״Gotte ihrer Väter“ verheißene Land an der Ostküste des ״großen Meeres“ ein und eroberten sich eine neue Heimat. Damit begann die Geschichte des jüdischen Volkes und zugleich die ״jüdisch e“ Geschichte Palästinas. Die Philister Zugleich mit der Einwanderung der semitischen Nomadenstämme vom Südwester! her brach vom Nordosten — wahrscheinlich von den ägäischen Inseln herkommend — ein nichtsemitisches kriegerisches Volk — die Philister — in die svrisch-palästinensische Ebene ein. Zu derselben Zeit als im Norden die Griechen mit Feuer und Schwert sich in Kleinasien einen Weg nach der Kolchis bahnten (Argonautenzug; trojanischer Krieg) kämpften im Süden die ihnen wohl verwandten Philister um den Besitz des Wüstengrenzlandes, über das der Landweg nach Aegypten und nach dem Roten Meer führte: es war gewissermaßen ein Vorspiel der späterer! Auseinandersetzung zwi» sehen Hellas und Judäa. Israel und Juda Den Israeliten gelang cs, zum ersten Male In Kanaan einen fast das ganze Land umfassenden nationalen Ein* h eitsStaat zu schaffen. Infolge seiner geographiseh-poiitischen Lage war aber dieser Staat von vornherein zu einem höchst unsicheren, gefahrvollen und kurzen Leben verurteilt. In einem Raume, in dem alle politischen Kraftlinien der damaligen Welt wie in einem Knotenpunkt zusammenliefen, war die selbständige Existenz, eines jüdischen Staates nur so lange möglich, wie die großen Nachbarreiche im Norden und im Süden durch innere und äußere Kämpfe in ihrem Expansionsdrang gehemmt waren. Die beiden jüdischen Königreiche, in die der jüdische Staat kurz nach seinem Aufschwung zerfiel, konnten sich in einem labilen Uebergangszustand einige Jahrhunderte behaupten: sic fielen dann nacheinander dem vom Norden erfolgten Ansturm Assyriens und Babyloniens zum Opfer (Samaria 722; Juda 586a.). Die kurze Zeitspanne reichte aber zur Konsolidierung der jüdisch-religiösen Kultur aus, die eine neue, bis dahin unerreicht hohe Stufe des religiösen Bewußtseins darstellte: diese Kultur vermochte auch, die verschiedenen frcmdvöikischeu Elemente im Lande zum großen Teil zu a.ssirnilicren 1111a die geistigen Impulse Babyloniens und Assyriens schöpferisch zu verwerten. Damit hatte das Jndareich eine nationale und zugleich weltgeschichtlich-übernationale Aufgabe erfüllt. Die Zerstörung des Königreichs Juda fällt in die E n d 1. cri t der b a b y 1 o n i s c 1! - ä g y ptischen Kultur Periode. Noch im selben Jahrhundert kamen sowohl Aegypten als auch Babylonien unter die Herrschaft des Perserkönigs Cyrus, dem es gelang, in kurzer Zeit den ganzen alten Orient politisch zu vereinen. Aber auch das neue Reich der Perser war ein Koloß auf tönernen Beinen: der Orient war bereits nicht mehr imstande, seine Hegemonie in der damaligen Welt zu behaupten. Der Mittelpunkt des Weltgeschehens war weiter nach dem Westen gewandert. An die Stelle Vorderasiens trat die benachbarte griechische Halbinsel. Athen übernahm die geistige Führung der antiken Welt. Die Zeit des Hellenismus Diese Wende in der Geschichte des Abendlandes, — gekennzeichnet durch das Zuriiektreten des altorientalischen und den Aufschwung des hellenistischen Geistes — bedeutete auch fiir Palästina und das jüdische Volk den Beginn einer neuen Aera. Durch den Fall Babyloniens im Kampfe mit den Persert! wurde die Rückkehr eines Teiles der jüdischen Exulanten nach Palästina ermöglicht. In derselben Zeit, als im perikleischen Athen die klassische Kultur ihren herrlichen Aufschwung nahm und der Grund der europäischen Wissenschaft und Philosophie gelegt wurde, festigte sich im ehemaligen Judäa das neuerstandene kleine jüdische Gemeinwesen, und die folgenreiche Entwicklung des rabbinisehen Judentums setzte ein. Das Jahrhundert der Herrschaft der Perser über Palästina (537—132) war eine Ruhepause in der Geschichte des Landes und seiner jüdischen Bevölkerung. Es war eine Zwischen- und Uebergangszeit, erfüllt vom Kampfe zwischen dem großen asiatischen Königreich und den Stadtrepubliken Griechenlands. Der Siegeszug Alexanders des Großen durch Asien besiegelte dann die endgültige Niederlage des alten Orients und eröffnete das Zeitalter des Hellenismus, in dem griechische Bildung und griechische Geistesart sich über die ganze damalige Welt ausbreiteten, lind das Hellenentum mit dem Geist des Morgenlandes verschmolz. Die weltgeschichtliche Wandlung k ii n ־ d i g t e sich in Palästina durch' den Einzug Alexanders des 0 roßen in Jerusalem und die Eroberung des Landes an (332). Das rahbinische Judentum kommt in engste Berührung mit dem universalisfischen Humanismus des Hellenentums: es beginnt eine mehr als 300 Jahre währende Auseinandersetzung zwischen beiden Welt- und Lebensauschauungen. Nach dem Tode Alexanders wird das kleine Judäa wieder — wie ehemals — Kampfstätte und Streitgegenstand der beiden Staaten, die im Norden und im Süden auf den Trümmern des riesigen Eintagreiches Alexanders an Stelle Altbabvloniens und Altägyptens entstanden. Das Land kommt nacheinander unter die Herrschaft Nenägyptens und Syriens, der Hauptburgen des Hellenismus. Es wird zum großen Teil von orientalischen ,.Griechen“ besiedelt, und nur ein kleines, rein jüdisches Gebiet blieb bestehen. Rom Während der Geist Hellas’ ln Vorderasien seine Trinmphe feierte, war der maehtpolitische Schwerpunkt im südeuronäisrhen Küstengebiet von Griechenland bereits weiter nach dem Westen gerückt. Das kaiserliche Rom übernahm das von Alexander begonnene Werk der politisehen Organisierung und Vereinheitlichung der alten Welt. Palästina kam unter römische Oberhoheit. Nach verzweifeltem Kampf um seine Existenz unterlag schließlich der jüdische Staat der größten Militärmacht des Altertums. Damit schien die letzte im hellenisierten Osten noch iibriggebliebene Barriere auf dem Wege Roms zum Weltimperium gefallen zu sein. 111 Wirklichkeit aber signalisierte dieser Sieg den Anfang des Niederganges Roms. Wie die Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar im Jahre 586 dem Untergang des babylonischen Reiches selbst voranging, so folgte auch der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus eine Periöde des geistigen und politischen Wandels. Noch in der Zeit des letzten Kamptes 11m den jüdischen Staat entstand in Palästina eine messianisch-mystische Glaubensbevvcgung, die jüdische, hellenische und orientalische Elemente in sich vereinigte und die geistige Grundlage einer neuen — christlichen — Gesellschaft werden sollte. Einige Jahrhunderte dauerte die Agonie der Antiken Welt. Nachdem im Jahre 135 n. der von Bar Koch ha nochmals unternommene Kampf gegen die Römer blutig niedergeschlagen worden war, verwandelten die Sieger Jerusalem in eine heidnische Stadt und richteten an Stelle des Tempels ein Heiligtum Jtmiters auf. Aber die innere Kraft des Heidentnms war bereits gebrochen, und der Kampf zwischen dem hellenisch-römischen Polytheismus und dem Christentum trat in seine entscheidende Phase ein, die ztim Siege der neuen Religion führte: 200 Jahre später wird das Christentum die Staatsreligion Roms und Jerusalem eine christliche Stadt (340). Der Sleff des Christentums Die Christianisierung Palästinas war ein Symptom des herannahenden christlichen Mittelalters, und inaugurierte auch einen völligen Umbruch im jüdischen!.eben. Das Christentum errang den endgültigen Sieg über die hellenische Götterweit, und zugleich scheiterte die letzte Hoffnung der Juden aut den Wiederaufbau des Tempels (unter Julian Apostafa). Das Heilige Land muß die geistige Hegemonie in der Judenheit an Babylonien — die Urheimat des jüdischen Sfammes und das Geburtsland des ״Rabbinisimis“ — abtreten: -MAGISTER KIRSCH- Dar gut• IlkAr Maglater-Ukürfabrlk, MUnchart VII. In Berlin xu bexleh. durch dl• Welngradhendlunn Bernhard Brauer, BurgttreDe 0 / Rull 5143*0 erst damit beginnt die Epoche der wirklichen G a I u t h als eines geschichtlichen Dauer* z us tan des. Die ersten dreihundert Jahre des frühen Mittelalters, in denen Palästina unter christlich-römischer Herrschaft bleibt, sind für das Land eine Zeit der Stagnation: Es ist die Morgendämmerung einer neuen Gesellschaftsordnung und die Inkubationsperiode einer neuen Kultur. Ende des vierten Jahrhunderts zerfällt das römische Reich in zwei Teile, und die beiden Halbinseln im Norden des Mittelmcers — Italien und Griechenland, die frühere!! Herde der hellenistischen Kultur — werden Mittelpunkte und Hochburgen des neuen Glaubens, der allmählich die germanischen und die slawischen Völker Europas in seinen Bann zieht. Eine neue kirchlichgeistige Macht — das Papsttum — ist im Entstellen begriffen, die das Banner des kaiserlich-römischen Weltimpcrialisinus übernimmt. Der Islam Aber zur selben Zeit, als die Kirche sich anschickte, die Stämme im Norden vorn Mittelmeer zu Christen zu machen, entfaltete sich im südöstlichen Küstengebiet in der Palästina benachbarten arabischen Wüste eine sich vom alten jüdischen Glauben nährende religiöse Bewegung, die, von unbändigem jugendlichem Eifer eines primitiven Volkes getragen, bald in stürmischem Siegeszug den ganzen Vorderen Orient und das südliche Küstengebiet des Mittelmeers eroberte. Im Islam fand die Kirche einen gefährlichen Rivalen, mit dem sie während des ganzen Mittelalters schwer zu ringen hatte, und. der sich sogar über die südeuropäisehen Halbinseln einen Weg in das Her/ Europas zu bahnen versuchte. Auch in diesem weltgeschichtlichen Kampfe zeigte sich das e 11 r o p ä i s 1: h - a s i a - tische Grenzgebiet, in dem die Wie g e beider rivalisierender V e 11 r e 1 i g 1 o n e n g e s landen hatte, als eine der w i c h t i g s t e 11 Schlüssel• Positionen. 638 fiel Palästina in die Ilande der Araber, Jerusalem wurde mohammedanisch, und aut demselben Berge, wo ursprünglich der jüdische Tempel und spater das Heiligtum des Jupiter gestanden hatte, erhob sieh nun der prädttige Kuppelbau der C )1nar-.Mo.whec. 111 dieser Zeit, als auf unserem Kontinent die feudalstamlisebe Verfassung sieh konsoiidierte und eine auf dem Boden tier katholiseh-kirchliehen Weltanschauung erwachsene Kultur sieh entfaltete, schien die Verbindung mit dem Orient last!pan/ verloren zu sein. Am Anfang des zweiten Jahrtausends brach aber in der frühmittelalterlichen GhrRtenhcit eine innere Krise aus, deren Folgeerscheinung die Kre 11 /zeige waren. Das zu neuem Glanze gelangte Papsttum fühlte sieh mächtig genug, um einen heiligen Krieg gegen den Islam /u fuhren: es ging um die Befreiung des heiligen Grabes und Jerusalems, Krcu/ziigr So stand Palästina wieder im Zentrum eines weltgeschichflieh entscheidenden Kampfes. Im Jahre!(599 erstürmten die Kreuzfahrer die Heilige Stadt 111111 machten die dort zurückgebliebenen Juden nieder. Das nach fränkischem Muster errichtete christliche K ö 11 i g r e i c 11 J e r 11 s a I c m best and keine hundert Jahre. 1187 besiegte der ,ägyptische Sultan Saladin das Kreuzfahrer! eich und eroberte Palästina für den Islam zurück. Der Islam konnte seine Machtposition behalfen. Aber den christlichen Völkern eröffneten die Kreuzzüge neue geistige Horizonte, und die Bande mit der Kultur Vorderasiens wurden erneuert. Die Neuzeit Die N e u z e i f findet Palästina in einer völlig veränderten geopoütischcn Situation. Wohl vermochten die Türken am Ausgang des Mittelalters in das Herzgebiet der östlichen Christenheit vorzudringen und eien Sikiasten Europas der Herrschaft des Halbmondes zu unterwerfen, aber der Kampf uni das Ostküsfengebiet des Mittelmeers büßte — infolge der Entdeckung Amerikas — seine frühere Bedeutung ein. An Stelle dieses Mittelmeers der alten Welt trat ein weitaus größeres und wichtigeres interkontinentales Gewässer: der Amerika mit Europa verbindende Atlantische Ozean. Pa Uis t i n a befand siel! nicht mehr an der 11 a u p t - v c rkehrsstraße zwi s c 11 e n d e 1! Kontinent e 1!: d er alte Landweg vom Mittelmeer in das innere Asien hatte seinen früheren Wert verloren durch die Entdeckung des Secweges nach Indien über das Kap der Guten Hoffnung (1187). Da mich die Kirche nicht mehr ihre ehemalige Rolle in eleu internationalen Auseinandersetzungen spielte, konnte das Heilige Land noch über drei lahrlumderte im 1 luitei!/runde der Weltpolitik bleiben. Erst in der zweiten Hallte des 19. Jaliiluinderfs bewirkten zwei Ursachen einen grundlegenden Wandel in der wellpolitischen Entwicklung und in der Izige P.ii.i-tinas: die Herstellung einer S e e v c r b i!1 d u 11 g zw Rehen dem Miftelmeer und dem Indischen (>/e:1!1 und der gleichzeitige Eintritt des Fernen Ostens in die Einfluß/one der europäischen Kultur. In derselben Zeit, als der Smvkanal erbaut wurde (1869), gestaltete das ״Reich der aufgeiionden Sonne“ seine feudale Staatsform im modern europäischen Sinne um, lind es begann die wirtschaftliche Ersehhvlhmg des Reiches der Mitte durch die europäischen Staaten. So rucl.de der Stille Ozean in den Vordergrund der internationaien Politik: er wird nun das ״Mittelmeer der Welt“, auf dessen Wassern die großen See- und Haitdelsin,ächte miteinander wetteifern. Gerade deshalb erhielt aber auch das alte Mittel me er von neuem eine besondere Verkehrs- und handelspolitische Funktion: denn der kürzeste Seeweg nach dem Inneren Asiens und nach dem Fernen Osten geht, seit der Durclischncklutig־ der Suez-Landenge, wieder über dieses Meer, den Indischen, und den Stillen Ozean, fit! Küstengebiet dieses Meeres konzettfrieren und kreuzen sich wieder die vitalen Interessen der führenden Staaten. Der Besitz seiner Ausgänge sichert die Herrschaft über die Verbindungslinie mit Ostasien. Dadurch wird auch die Südostküste des Mittelmeers wieder das, was sie jahrtausendelang war: ein strategisch und politisch widtfiger Knotenpunkt an der Verkehrs-Maße zwischen dem Abendlande und dem Morgcnlande. Die Gegenwart Mit der veränderten Rolle des Mittelmeers hängt der Kampf zusammen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhufiderts um die ,,Türkische Herrschaft" entbrannte״ Dieser Kampf war eine der tieferen Ursachen des Welt- Krieges, der die Völker Vorderasiens aus ihrem Jahrhunderte* langen Schlaf erweckte und ihr nationales Selbsthewulitsein aufrüttelte. Die zionistische Bewegung schaltete auch das jüdische Volk als wirksamen Faktor in die politische Ent- Wicklung ein. Durch den Friedensvcrfraff erhielten die im Osten vom Mittelmcer lebenden mohammedanischen Völker einen gewissen Spielraum für ihre nationale Selhsthe-timmung — unter dem Schutz und der Aufsicht Frankreich-, und Fuglands, Palästina wurde englisches Mandatsgebiet, in dem eine Nationale Heimstätte •für das jüdische Volk geschaffen werden sollte. Infolge der wachsenden strategischen Bedeutung des ״Mittleren Ostens“ begann das Land eine immer größere Rolle in der Orientpoiitik Großbritanniens zu spielen: es sollte ein Glied werden in einer Kette von Staaten und Mandats- Findern, die den Irak mit Persien und Arabien verbindet und die militärische und wirtschaftliche Macht Englands in den! Gebiete z"׳i«־׳h״n den Sue/Umal und Indien sichert. Or. J o s 0 p 11 Heller ו

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