Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr.7624 ,7ק. IX. 1937 Palästina erwartet wird, auch anderen Möglichkeiten einer Losung des Palästinaproblems Raum läßt all nur einer Teilung des Landes. Die kommende Prozedur Die Behandlung■ des Palästinaproblems dürfte voraus* sichtlich in folgender Weise erfolgen: Die Britische Regierung: wird in den nächsten Tagen eine 11 eile K<> יח miss io״ einsetzcn, die sich nach Palästina begeben wird, um Einzelheiten des Planes mit den Vertretern der Juden und der Araber zu besprechen. Die Kommission vvird einen i n s E i n z e 1 n e gehenden T e i 11t n g s plan ausarbeiten, der dem Vülkcrbundrat vorgelegt werden wird. Sodann wird der Völkerbund von sich aus eine Kommission ernennen, die diesen Plan prüfen und die Stellungnahme des Völkerbundes zu ihm formulieren wird, fn welcher Weise diese Vftlkerbundskommission zusammengesetzt sein soll, steht noch nicht fest. Sobald der Bericht der Kommission dem Völkerband vorliegen wird, soll eine aus Sachverständigen hestehende t e c 11 n i s c he Ko m m i s s i o n vom Völkerbund eingesetzt werden, deren Aufgabe cs sein würde, die ge- Haue (irenzziehun!׳ für die geplanten beiden Staaten und das unter britischem Mandat verbleibende Gebiet vorziinehmer!. Diese Kommission wird rein technische Aufg:aben zu erfüllen mul mit der politischen Seite des Planes nichts zu tun haben. Es besteht, wie Palcor aus Genf meldet, Grund zur An* nähme, daß die neue Kommission aus einigen Mitglieeiern der P e e 1 - K «!11 m i s s i 0!1 bestehen wird, die voll Beamten des K o 1 o 11 i a I a m t e s begleitet sein werden. Die von der KomniFsion einzuleiU'iulcn Verhandlungen werden die Durchführung des Teilungsplaues auf sc hi eben, da nicht;uminchiiK'i! ist, daß ein Be rieht der britischen Re- Rierung so rechtzeitig vorgelegt werden kann, daß diese einen ausgem■beiteten Plan bereits der .1 a n u a r - T a g u n g des VulkcrbumlraU׳s zu unterbreiten in der Lage sein wird. Nach der Genfer Entscheidung In iiiaügclu!ulen Genfer Kreisen besteht die Ansicht, daß die kesoltiuon zwar keine Begeisterung für den Teihingsplau au den Tag legt, jedoch keineswegs die F. i I I iu 1! g d e s R a t c s für die englische Aktion v e r - ״weigert. Dies Mar aus der Wärme ersichtlich, mit der Leicu' dem Rat fitr die Annahme der Resolution, sowie dem Her ichti rstnttcr tmtl seinen zwei Beratern für die prompte Fertigstellung des Resohitionstextes dankte. Erfahrene Brolim'litt r der Vorgänge im Völkerbund stellen fest, dali der Rat dem Beispiele des e n g 1 i s c h e!1 P a r 1 ,1׳ - in cm! t s und des Zionist e n k 0 n g ress e s gefolgt ist, indem er seine restlose Zustimmung zum Teilungspiaii bis ZU dessen klarer Formulierung verweigerte. Der ('nufer Vertreter der Jewish Agency, Dr. Goldmann, stellte in einem Interview fest, daß die Resolution von dui Gesichtspunkten aus außerordentlich wichtig ist. Erstens behält sich der Völkerhumisrat seine Stellungnahme zum Teilungspiaii vor, solange die Einzelheiten nicht bekannt sind. Dies bedeutet, dal! die Entscheidung des Rates weitgehend von den Einzelheiten abhängen wird, ohne deren Keimtnis der Rat sich nicht zum Grundsatz der Teilung äußern wollte. Zweitens null! es vom jüdischen Standpunkt aus als überaus befriedigend angesehen werden, daß das Mandat, wie es in der Resolution betont wird, bis zu einem anderweitigen Beschluß des Rates unverändert bestehen bleibt. Drittens ist wichtig, daß der Rat die Zusicherungen Edens in bezug auf Einwanderung besonders notiert hat, woraus zu schließen ist, daß er den van der Peel-Kommission vorgeschlageiien P a 11 i a t i v L ö s un g e n a b I e h n e n ti g e g 0 n ü b e r s! c 111, d, h. daß die Einführung eines politischen Einwanderungsmaximums, die von der Mandatskommission abgclehnt wurde, nunmehr auch vom Völkerhundsrat verworfen worden ist, und daß die britische Regierung mit diesem Beschluß ü b e* r e i n s t i m m t, In Genf hafte Dr. Wrizniaiin Besprechungen mit den Herren Walter!. I! i o t, Malcolm M a c 1)0 11 a I d, Dell)os, Beck, drin VitIiyht von Schweden, Sandler, dem lettischen Vcif!e1er M unters, sowie mit dem Vorsitzenden der Ständigen Mandat-kommissimi Orts. Ben öiirion traf am 17. September in Gent ein, wahrem! Mosche Schertok und Bort K a z 11 e I s o 11 noch einige Tage in Gent verbleiben werden. Der polnische Korrespondent der ״M o r 11 i n g p 0 s 1“ erklärt, es werde von maßgeblicher Seite die Ansicht vertreten, daß drei Jahre v e r g e 11 e!1 werden, bis der Teilungspiaii so weit ausgearbeitet ist, daß man an seine Ven\ ii klieluuig her.uigehen könne. Vor dem Jahre 1912 Werde der 'ITianigsplan nicht durchgeführt sein. Der Londoner ״S p e c t a t 0 r** schreibt: Es ist־ letzt klar, daß die Königliche Kommission dadurch, daß sic in die N'csseln der Teilung griff, einen großen Dienst geleistet hat. Aber es wird’ ebenso klar, daß s!e einen sehr schlechten Dienst damit getan hat, daß sie eine Teilung mit so s c 111 e c h t g e p lauten und strittigen Grenzen vorgeM-hlagen hat, Die l andkartc, die sie gezeichnet hat, wird ein sehr ernstes Hindernis bleiben: denn während cs nicht möglich Kt, daß me bestehen bleibt, wird sie dazu führen, daß jeder weiiere Plan präjudiziert und kompliziert wird. ln einem Leitartikel des ״Manchester Guardian“ Wird darauf hingewiesen, daß sich bisher fünf Körperschaften über die Teilung Palästinas geändert hätten und daß keine von ihnen die Teilung grundsätzlich begrüßt. Andererseits sei aber auch keine in der Lage gewesen, einen bestimmten Alternativ-Vorsdilag zu machen, I he Parteien würden somit an die Teilung, wenn auch zögernd, herantreten, Den Führern der Zionistischen Organisation sei es nicht gelungen,?11 einer Verständigung mit den Arabern zu gelangen. Warum, fragt ״M a!!ehester O u a r d i a n“, zeigen nicht ihre Kr!- liker, die einflußreichen Juden in der ganzen Welt, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wie dies geschehen solle? — Der M a tul jtskoniniission wird in dem Artikel Anerkennung dafür gezollt, daß sie wieder einmal festgestellt hat, daß nur die Aufnahmefähigkeit Palästinas eilt einschran« kendes Moment für die jüdische Einwanderung sein würde. Sollte die Regierung jemals den Wunsch haben, die Ein- Schränkung der Einwanderung als politische Richtlinie anznnehmen, daun werde sie den Vülkcrbundrat dazu bringen müssen, seine Ansichten über das Mandat zu ändern. Helene Sl non vollendete vor kurzem ihr 75. Lebensjahr, ll!re Wirkung als Soziologin und Biographin war a-ußeroruent* lieh stark. Zu Beginn dieses Jahrhunderts beschäftigte sic sich mit dem Problem der Sehulkinderernährung und wurde für die Durchführung der Schulkinderspeisungen bahnbrechend. Auch auf dem Gebiete des gewerblichen Arbcitcrinncnscimtzcs hatte sie große Erfolge. In der Kriegsfiirsorge arbeitete sie in bedeutender Welse mit. Seit 1933 nyig sieh Helene Simon, die vorher dein Judentum ziemlich entfernt gegeniibcrsland, allmählich zum Zionismus durch. Obwohl sie sich selbst zur aktiven Tätigkeit nicht für berufen hielt, ist sie mit den Vorgänger! Im Zionismus, seinen geistigen und po'üisehcn Strömungen aufs stärkste «:HvtD verknüpft. Englische Juden im vergangenen Jahr Von unserem Berichterstatter J. K. Lon don, Im September 1937 Das jüdische Leben war im vergangenen Jahre in England intensiver als je zuvor. Gleich zu Beginn des Winter* kam es zu einer Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte besonders im Lastend, die sich um den neugebildcten ״Jewish People’* Council“ gruppierten. Diese neue Organisation hat *ich seitdem ständig ausgebreitet und geriet bald in Konflikt mit dem offiziell anerkannten ״Jewish Board of Deputie*“, 13er Board of Deputie* seinerseits verstand es, der neuen Situation Rechnung zu tragen und unternahm gegenüber den Be hörden und dem Publikum große Anstrengungen zur Aufrechterhaltung der jüdischen Gleichberechtigung, Gleichzeitig wurden die Bemühungen für das Hilfswerk mit großer Energie fortgesetzt. Auch aut geistigem Gebiet Ist ein bemerkenswerter Aufschwung festzustcllen. Die Zahl der Veröffentlichungen nahm zu. Besonders wertvolle Arbeit leistete die ,,Jewish H is to r i ca I Society“ unter der Leitung des bekannten Historikers Cecil Roth. Das jüdische Erziehungswesen wurde neu organisiert. In London wurden vier neue Sy!1. agogen errichtet, zwei vergrößert und erweitert, und eine sephardische Synagoge geschlossen, ln Manchester und Liver. Pool wurden neue Synagogen eröffnet, in Bjrkenhead und Cambridge fanden Grundsteinlegungen zun! Bau von Synagogen statt. In Glasgow wurde eine .,Jüdische Buchwoche“ ahgehalteri. An allen diesen Veranstaltungen nahmen die Behörden teil. Hohe Ehrungen wurden mehreren Juden zuteil. Sir A. M. Sauiucf, Sir Herbert Sarnuel und Mr, Julius Salter Elias wurden in den Lordstand erhoben. Einer der Führer der Jüdischen Gemeinden in Glasgow, Mr. Maurice Bloch, wurde geadelt, ebenso Mr, Louis Saul Sterling. A11 den K r ö n u n g s f e i e r 1 i c h k e i t e n nahmen Ju« den aus allen Teilen des Empire teil. Bei der dem Regierungsantritt folgenden Kabinettsumbildung wurde Mr. Leslie Hore-Belisha Kriegsminister und Sir Philip Sassoon Minister für r )effentliehe Arbeiten. Bei Nachwahlen wurden zwei weitere jüdische Abgeordnete in das Unterhaus gewählt, Obers♦ Nathan (Arbeiterpartei) und Mr. I). L, Lipson als Unabhängiger Konservativer. Mr. Joseph Broadhurgf, ein ehemaliger hoher Beim• ter der palästinensischen Polizei, veröffentlicht im ״Jewish Chronicle“ einen Artikel gegen die Teilung Palästinas. Wenn die Palästina-Regierung in den vergangenen zwanzig Jahren wirkliche Anstrengungen gemacht hätte, Juden und Araber zusammenzubringen und diese Politik gescheitert wäre, dann wäre sie vielleicht in ihrer gegenwärtigen Haltung gerechtfertigt. Die Regierung hätte aber von vornherein bewußt eine Trennungspolitik der beiden Völker geführt, dadurch, daß sie die Juden gehindert habe, ln arabischen Gebieten Faß zu fassen, durch Unterlassungen in der Schul- Politik und Verhinderung einer Kooperation. Der neue jü-, dische Staat sei strategisch kaum zu verteidigen, obwohl er sehr großen Angriffsgefahren ausgesetzt sei. Ein so kleiner Jüdischer Staat könne weder die Menschen noch die Mittel zur Verfügung stellen, die zu seiner Verteidigung benötigt würden. In London traf «ine Reisegesellschaft von fünfzig pa* läsflncnslschen Lehrern ein. Die Gruppe wird von Dr. Joseph Rlviin, dem Präsidenten der hebräischen Lehrer- Organisation in Palästina, geführt In der Großen Synagoge in Manchester fand eine Gedenkfeier für Lord Rothschild statt, der diese Synagoge viele Jahre im Board of Deputks vertreten hatte, Per neue Lord Rothschild wurde eingcladen als Nachfolger seines Onkels in den Board of Deputies cinzutreten. Bel seiner An- Wesenheit in Manchester empfing der junge Lord Rothschild eine zionistische Deputation, die die Hoffnung aussprach, da fl er der Tradition seines Hauses folgen und den Aulbau des Jüdischen Nationalheims mit allen Kräften fördern möge. Der Vorsitzende des zionistischen Propagaiulaausschusses in Manchester, Mr. N. Engl e * b e r g, hat sich auf Einladung der südafrikanischen Zionisten auf eine längere Or* ganisationa- und Propagandnreise nach Südafrika begehen. In W i 11 e 8 d e n Ureen (London) wurde «Ine neue große Synagoge eingeweiht, die durch ihre neuartige und zweckmäßige Bauart viel Aufsehen erregt hat. Der Architekt ist ein aus Deutschland stammender Jude. In Manchester starb der bekannte Philanthrop Philip Qua*-Cohen. Der Verstorbene hatte sich um die Förde* ruug von Kunst und Musik besondere Verdienste erworben, Er hatte vielen jüdischen Wissenschaftlern und Aerzten aus Deutschland zu ihrer Niederlassung in England verholten. Juden£elndl!che Ausschreitungen in Polen W1 r s c h 1 u, 22. September. (JTA.) In den letzten Tagen haben in verschiedenen Gegenden Polens, insbesondere in B i e I s k o und W a r s c h a!1, judenfeintiliclie Ausschreitungen stattgefundcu, die in Bidsko pogromarflgcn Charakter annahmen. Die Vorfälle in dieser Stadt erinnerten an diejenigen; in Brest Litowsk. ln Czen stoch au ist von der naiianaidemokratischen Fraktion des Stadtrates der Antrag eingebracht worden, alle Juden au* der Stadt mit Rücksicht auf ihre Bedeutung für den [Klinischen Katholizismus zu entfernen. Der Wortlaut des Antrages wurde auf Maßeranschlägen bekanntgegeben. In der Sitzung des Stadtrates verlangte der Sprecher der Nationaldemokraten, daß ein früheres Gesetz wieder in Kraft treten soll, demzufolge Juden der Aufenthalt in einem Um* kreis von zwei Meilen verboten werden soll. Der Redner richtete die schärfsten Angriffe gegen die jüdischen Ein* wohner, die 25 <״׳ der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Abstimmung über den Antrag wurde von dem Vorsitzenden mit der Begründung abgclehnt, daß er Verfassung*- widrig sei. In einem von der Regierung veröffentlichten Communiqne heißt es, daß die Polizeibehörden in den letzten Wochen über eine Anzahl von Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordmmg berichtet haben. Es seien durch verantwortungslose Elemente Passanten überfallen und Fenster zertrümmert wor* den. Die Behörden seien entschlossen, Unruhen mit Entschiedenheit und mit der ganzen Strenge des G e s e t / e s zu unterdrücke n. Die an den Unruhen Schuldigen würden verhaftet und streng bestraft werden; wo es sich um Minderjährige handelt, würden die Elfern zur Verantwortung gezogen werden. Hochschul - Unruhe» Warschau, 17. September. (JTA,) Anläßlich der Er* Öffnung des neuen Studienjahres ist es an der Lern* b e r ge r Universität zu schweren judenfeimüichen Ausschreihingen gekommen. Sechs jüdische Studenten wurden schwer mißhandelt und verletzt. Auch In Warschau wijr« den jüdische Licker am Betreten der Hochschulen verhindert. Nach Interventionen heim Lemberger Rektor, Prof. Kulczynski, und bei dem W«j woden Bilik hat Abg, Dr. Sommerstein dem Leiter des Hochschuldezernat* Im Unterrichtsministerium, Prof, Aleksandrowicz, Bericht über die Vorfälle in Lemberg erstattet. fn einer Warschauer Masc 11 inenbatt hoch• schule sind den jüdischen Hörern besondere Plätze aut der linken Seite der Hörsäle zugewiesen worden. Die Aerzte des Kreises Lodz haben die Einführung de* Arierparagraphen abgclehnt, Daraufhin verließen 78 nationaldemokratische Aerzte die Versammlung. Todesurteil aufgehoben Warschau, 17. September. (JTA.)!Jeher die Berufung, die gegen dag über den 33jährigen Juda Leih C h a « k I e 1 e w i e 7. wegen Ermordung des Sergeanten Jan Bujalc verhängte Todesurteil eingelegt worden ist, hat die Verhandlung stattgefumlen. Im Verlauf der Verhandlung erklärte der Angeklagte mit Bestimmtheit, daß nur seine Erfahrungen während seiner MiHtärdienatz.eit, nicht jedoch politische Motive ihn zu der Tat veranlaßt hätten, Der Staatsanwalt verlangte die Bestätlgungder Todesstraf׳ mit der Begründung, daß die Tat nicht unter individuellen fiesiehtspimkten, sondern vom Standpunkt der gesamten Gesellschaft beurteilt werden müsse. Die Anwälte der Privat klüger hielten scharfe judenfeindliche Reden. Sehr eindrucksvoll waren die Plädoyers der Verteidiger Dom* browski» Honig will und Landau. Zum Schluß erklärte der Staatsanwalt, er gehe zu, daß Chaskielewlcz nicht völlig normal ist, dennoch sei er für seine Tat verantwörtlich. Weiter stellte der Staatsanwalt feit, daß er keine jüdische Partei für das Verbrechen verantwörtlich mache, Chaskielewlcz begnügte sich ln *eine•■' Schlußwort damit, Gerechtigkeit für sien zu verlangen. Da» Berufungsgericht hat das Todesurteil aufge• hoben und den Täter zu lebenslänglichem Zuchthau» verurteilt. Das Urteil ist insbesondere darum von Bedeutung, weil das Berufungsgericht die These von der Mit verantwortuag gewisser Bevölkerungskreise und Zeitungen, die in der Begründung des erstinstanzlichen Urteils an {gestellt worden war, fallen gelassen und darüber hinaus sich ausdrücklich auf den in der Verfassung niedergelegten Grundsatz berufen hat, daß der polnische Staat Gemein* gilt aller seiner Bürger ist. Auch das psychiatrische Gutachten ist diesmal vom Gericht berücksichtigt worden, Wenn trotzdem die höchst zulässige Strafe verhängt wurde, so geschah es darum, weil das Gericht in dem Angeklagten einen von krankhaftem Haß gegen die staatliche Ordnung und insbesondere gegen die Armee beherrschten Menschen erblickte, vor dem die Gesellschaft geschützt werden ruWie׳, Trotz der schweren Strafe, die auch diesmal über Chaskieiewicz verhängt wurde, wird da» Urteil als ein Erfolg der Verteidigung empfunden, der c* gelungen ist, das Ge• rieht von der Haltlosigkeit der Vorwürfe zu überzeugen, die vor! den Vertretern der Privatkläger gegen die jüdische Gesamtheit erhoben worden sind. Berufung im Przytyk - Prozeß Warschau, 18. September. (JTA.) Vor dem Berufungsgericht in Lublin hat auf Anordnung des Obersten Gericht*, hofes ein zweites Berufungsverfahren gegen fünf Nichtjuden und drei Juden, die im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Przytyk verurteilt worden sind, statt• gefunden. Die jüdischen' Verurteilten, für die der Oberste Gerichtshof eine Uebcrpriifung des Strafausmaßes angeordnet hat, sind Scholcm Les ko, Leiser Kirschen zweig und Jizchok Friedman». Als Verteidiger der jüdischen Ange* klagten fungieren wieder die Advokaten Waclaw Szu״ manski, Leib Landau, Bercnsohn und Fenigstein, Dagegen nimmt Adv, H « 1• t g I 8 ß diesmal an dem Prozeß nicht teil. Auch die Verteidiger der nichtjüdischen Angeklagten sind dieselben geblieben, nur der bekannte Natianaldemokrat Kowalski ist diesmal nicht erschienen! Der Forderung des Advokaten Szumanski, die Sache Les ko mit Rücksicht darauf a!1szuscheiden, daß der Lernberger Universitätsprofessor Steinhau* in einem Gutachten erklärt hat, der Bauer Wiesniak könne unmöglich durch de» von Lesko abgegebenen Schuß getötet worden sein, und daß zehn weitere Universitätsprofessoren das Gutachten des Pro• fessors Steinhaus bestätigen, hielt der Staatsanwalt entgegen! daß der Oberste Gerichtshof aus dem Gefüge des früheren Urteils nur einige Steine entfernt, aber seine Grundlage nicht zerstört habe, Es gehe hier nicht um die Beurteilung der Straftat selbst, sondern nur um das Strafmaß- Die jü• dlschen Angeklagten seien streng zu bestrafen, damit *ie sich in Zukunft nicht in einer Zeit, in der die Straße von judenfeindlichen Stimmungen beherrscht ist, zu unbe* sonnenen Taten hinreißen lassen. Der Staatsanwalt wies in diesem Zusammenhang auf die Vorfälle in Brest* Li• towsk hin. Das Gericht mdge die Strafe Leskos bestätigen, denn dieser habe nicht in Notwehr geschossen. Auch die Strafe Friedmanns, der auf die Aussagen eines Knaben hin verurteilt worden ist, solle bestätigt werden. Ebenso verlangte der Staatsanwalt die Bestätigung der über die nicht* jüdischen Angeklagten verhängten Strafen. Der Ausscheidungsantrag des Advokaten Szumanski wurde vom Gericht abgclehnt. Es sprachen dann noch die übrigen Verteidiger. Da» Gericht hat folgendes Urteil gefällt: Die Gefängni*• strafe für Scholem Lesko ist von 3 auf 7, diejenige des Elieser Kirschenzweig von 6 auf 5 und die Uaac Fried man ns von Sauf 3'4 Jahre herabgesetzt worden, Die von den Verurteilten bisher verbüßten 1Vtj übrige Haft wird aut die Strafzeit angcrechnct. Bel drei nichtjüdisehen Angeklagten, die zu Gefängni*• strafen von geringerer Dauer verurteilt worden waren, wurde da* Strafmaß bestätigt. Zwei nichtjüdische Angeklagte wurden f r« i ge* proc he n- In der Begründung erklärte das Gericht, die Schuld der Verurteilten *el erwiesen. Die Strafe sei herabgesetzt wor• den, um die Voraussetzung für die Einrechnung der Unter• •uchungshaft zu schaffen. Nach der Urteilsverkündung erklärte der Verteidiger Leskos, Adv. Szumanski, daß er nochmal« ein Revisionsgei uch «n den Oberiten Gerichtshof richten werde.