Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-09-17 · Heft 74-75 (17.9.1937) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 74-75 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653696--31287-2685887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75, 17. SEPTEMBER 1937 Die Freimann-Festsdirift Festschrift, Dr. Jakob Freimann *um 70. Geburtstag gewidmet von der Jüdischen Gemeinde und dem Ra b Din erseminar zu Berlin sowie einem Kreise seiner Freunde und Verehrer, Berlin 1937. Am Schemini Azeret vorigen Jahres vollendete der Berliner Rabbiner Dr. Jakob Freimann sein siebzigstes Lebensjahr. Eine Schar von Freunden, Verehrern und Schülern brachte dem Jubilar eine Festschrift dar, die in Umfang und Inhalt den Nahmen üblicher Festschriften vielfach sprengt und so ein schönes Zeichen der Verehrung und Anhänglichkeit ist, deren sich Freimann in seiner Gemeinde wie in der wissenschaftlichen und rabbinischen Welt erfreut. 34 Gelehrte haben sich an diesem Werk beteiligt, die Hälfte von ihnen in Deutschland, etwa ein Viertel in Erez Israel lebend; die Beiträge gliedern sich in einen deutschsprachigen und einen hebräischen Teil. Dem ersten ist eine Bibliographie der Schriften des Jubilars sowie ein biographischer Abriß vorausgeschickt. Es sind fast alle Zweige jüdischer Wissenschaft vertreten, und bei der alphabetischen Anordnung nach Namen der Verfasser ist es daher unvermeidlich, heterogene Themen nebeneinander behandelt zu sehen. Bei dem sehr reichen Inhalt kann natürlich nicht auf jeden Beitrag nach seinem Werte eingegangen werden. Es soll daher hier nur auf die Hauptth einen hingewiesen und die Darstellung des einen oder anderen kurz skizziert werden. Dem Arbeitsgebiet Freimanns entsprechend ist die Geschichte, insbesondere Literatur-, Gelehrtengeschichte vind Bibliographie besonders vertreten. Leo Baeck bespricht drei alte Lieder aus dem Midrasch, Marmorstein behandelt die wirtschaftlichen Verhältnisse Galiläas im 3. und 4. Jahrhundert. An Hand talrnudischer Quellen zeigt er, welche drückende Armut damals im Lande herrschte. Sie war bedingt durch die Lasten, die die römische Regierung der Bevölkerung aufbürdete und die oft Landflucht und Denunziationen nach sich zogen. Auch Juden übernahmen solche Aufträge, traten den Massen gegenüber als Unternehmer auf und bereicherten sich vielfach. Dies waren die sogenannten בעלי זרוע. Die Armut, die fast 20fache Teuerung führten häufig zu Raub und Diebstahl. Viele Aggadot, viele Aus- Sprüche, die Diebstahl als ganz besonders schweres Verbrechen brandmarken, dje die Schwierigkeitei! des Nalirungserwerbes charakterisieren ־und gegen die בעלי זרוע polemisieren, Gebete um wirtschaftliche Unabhängigkeit, Schriftdeutungen und eine Reihe halachischcr Verfügungen werden aut diesem wirtschaftlichen Hintergrund sehr lebendig und anschaulich. Die Methode Marmorsteins wird liier sehr fruchtbar für das Verständnis von Halacha und Aggadah. Ferner finden wir Abhandlungen über die Kallaversamm- Jungen in gaonäischer Zeit (H i 1 d e s h e i ni e r), über den Brief Chasdais an den Chazarenkönig (Landau), eine liturgische Dichtung über die Speisegesetze von Rechawja ben Jehuda aus Valence (Brody), eine Keroba, d. i. eine Kotn- Position liturgischer Dichtungen, die in die Tefilla eingeschaltet werden, zum zweiten Tag Rösch Haschanah aus dem altfranzösischen Ritus (Rau). Diese Dichtungen sind sprachlieh, inhaltlich und formal «ine einzig der jüdischen Dichtung des Mittelaltere eigene Gattung und stellen in ihrer Art ein ‘ganz spezifisch jüdisches Geistesprodukt dar. Auch die hier veröffentlichte und besprochene Keroba ist eine recht schöne Vertreterin ihrer Gattung. Sie stammt von R. Benjamin ben Schmuei, der in Frankreich um 1000 lebte, ln der Einleitung bespricht Rau Probleme der Entwicklungsgeschichte solcher Kompositionen und sagt dazu manches Treffende und Anregende. Es wäre eine dankbare Aufgabe, die mit ihnen zusammenhängenden Fragen unter Heranziehung des gesamten Materials, wie es dem Forschungsinstitut für hebräische Poesie in Jerusalem zur Verfügung steht, zu untersuchen. Weitere Aufsätze behandeln die Minbagimbücher Ittur und Hainanhig (Abraham Ch. Frei mann), Rcsponsen von Josef Gitatila (Scholen!), die methodische Differenzierung von Judenrecht und jüdischem Recht (Kisch), die Geschichte einer Kölner Bankierfamilie im 14. Jahrhundert (Kober), den Wormser Rcichsrabbiner Jakob (1559—1574) und den Streit zwischen dem reichen Simon von Ginsburg und Nathan Schotten in Oberhausen (Stern), Briefe von Bezalel Asclikenasi (1587) und Elieser Aschkenasi (Marx), die hebräischen Drucke im Rom des 16. Jahrhunderts (Aron Freimann), den Einfluß Maitnonidcs’ auf Mose Isscrles (Horodetzki), einige historische Nachrichten aus dem Werk des Frankfurter Rabbiners Josef Hahn (Horovitz), die Biographie und Familiengeschichte des Lembergcr Gelehrten Abraham Hakohen Rapapart, 1585—1651 (Markon), Posener Minhagim (Daniel Lew in), Verhältnisse der Häuserpacht in Jerusalem im 18. und 19; Jahrhundert, Briefe von Sachs an Zunz (El bogen), Bibliographien der Dozenten des Rabbinerseminars Simon Eppenstein, 1864—1920, und Jacob Sperber, 1890—1918 (Pos ner). Auch die Erforschung des Talmuds wird durch maneben interessanten Aufsatz gefördert. Klein behandelt den geographischen Terminus אסיא, der schon zahlreiche, doch unbefriedigende Deutungen gefunden hat. Klein zeigt, daß es sich nicht um ein Land, sondern um eine Stadt handelt, die am Meere lag, Handelsbeziehungen mit Akko unterhielt und Schwammfischerei trieb; daß der Midrasch sie mit den Negewstämmen der Kenitcr und Kenisiter in Verbindung bringt; daß in ihr Juden lebten, die Hebräisch nicht mehr verstanden; daß sie nicht weit von Palästina gelegen sein kann und daher in Zeiten der Verfolgungen als Zuflucht«- ort diente, ja daß sie eigentlich innerhalb der weiteren Grenzen Erez Israels zu suchen sei, da man zu Notzeiten dort das Jahr interkaliercn konnte. Klein erkennt in ihr das ״Asia“, das Eusebius in seinem Onomastikon mit dem alten Ezion Geber am Golf von Akaba identifiziert. Auf dieses träfen alle die angeführten Voraussetzungen zu. So Gewinnt Klein ein vertieftes historisches Verständnis rabinischer Aussprüche und die Kenntnis von einer jüdischen Ansicdlung in einer Gegend, die heute wieder politisches Interesse beansprucht. Es folgen Beiträge über einen Amoräer namens Raba (Alb eck), über die Königin von Saba im Talmud (Krau ß), über einen Kommentar des R. Nissim zu Erubin (Benjamin Lewin). Halachische Erörterungen bringen ferner Aptowitzer, Asaf, Büchler, Michael Guttmann und Weinberg, religionsphilosophische Alexander A 11 m a n n, Heschel und Wiener, eine Deutung zu 1. B. M. 22, 14 Grünberg, sowie einen Beitrag aus seiner ״Mineralogie der Juden“ Immanuel Löw über das Zinn. Dr. Gustav Ormann Unter den diesjährigen Gewinnern des bekannten arnerikanischen Pulitzer - Preises befinden sich drei Juden, Moß Hart, George S. Kaufmann und William Lawrence, ein aus Salant in Litauen stammender Reporter. Der Roman der dritten Alijah Jehuda Jaari: כאור יהל (Wie das Licht erstrahlt). — Verlag Erez Israel, Tel Aviv 1937, Eine Geschichte des Leidens tut sich vor uns auf, und das Licht erstrahlt erst schwach und unsicher — und vielleicht ist es nur ein Irrlicht? — an ihrem Ende. Aber vielleicht meint auch der Autor, keinen Ausweg gefunden zu haben, denn nach dem schönen Motto ist allein Gott dieses Lichtes teilhaftig. In eine unlösbare Wirrnis, in ein unerschöpfliches Ung'ück scheinen die Menschen dieses Romans gebannt. Auch Brenner, der das Palästina der zweiten Alijah gestaltete, hat Romane der Ausweglosigkeit geschrieben. Auch bei ihm zerren die Menschen an ihren Ketten, ihre Seele ist wund von der Inkongruenz zwischen Streben und Verwirklichung. Aber man muß sich nur die Geschichte dieser zweiten Alijah vergegenwärtigen, um zu wissen, daß sie ein anderes Geschlecht war. Sie kam aus dem Rußland der Pogrome, die nach der russischen Revolution von 1905 einsetzten, sie war getragen von den Idealen des jüdischen Selbstschutzes, sie suchte Freiheit, Würde und Arbeit. Wie anders ist die dritte Alijah, die nach dem Weltkriege und nach der Balfour-Deklaration ins Land kam, in ihrem Ursprung und in ihrem Wesen! Sie kam aus einer Weltkatastrophe, meist aus Ländern, in denen die Juden den Leidenskelch bis zur Neige geleert hatten. Dieser Roman führt uns durch eine lange Reihe von Hunger, Elend, Panik, Uebcrfall und Mord, und das alles ist das Schicksal eines jüdischen Jungen in Galizien, der in einem Städtchen lebt, das von den Russen besetzt und wieder aufgegeben wird, bis er dann schließlich als junger Soldat nach der Ukraine verschlagen dort die furchtbaren Judenpogrome nach Beendigung des Krieges miterlcbt. Seine Seele und die Seelen seiner Gcfährten sind ratlos, gepeinigt und mit Grauen übersättigt, und der einzige Ausweg aus diesem Weltuntergang, der Balsam für das zerrissene Herz ist das neue Leben der Juden, ist Palästina. ״So sahen wir es zuerst, unser Erez Israel, — fern, umnebelt, sagenhaft. Es verlangte uns danach, zu knien und uns vor der aufgehenden Sonne niederzuwerfen — als wäre dies der erste Sonnenaufgang auf Erden.“ Nach kurzer Zeit kommen sie nach Galiläa an einen einsamen Siedlungspunkt, den sie entsumpfen sollen. Es ist der erste Abend, sie haben die Zelte aufgeschlagen, sie sitzen auf den schwarzen Basaltsteinen und nehmen ihre erste Mahlzeit ein, und es überfällt sie eine seltsame Traurigkeit. Und an diesem selben Abend gesellt sich ein ״alter Palästinenser“ zu ihnen, «in junger Mensch wie sie selbst, der sich eine verlorene Seele nennt, denn er glaube weder an die ״Religion der Arbeit“ noch an irgendeine Religion. Seine wilden Reden und sein fürchterliches Lachen beherrschen diesen ersten Abend imGalil. Die Arbeit beginnt, die Gruppe legt den Sumpf trocken, sie ziehen froh und stolz die erste Ackerfurche durch den «ntwässerten Boden. Sie liegen in dem armseligen Kranken zeit und fiebern, aber sie empfangen die Malaria wie eine Braut als eine Besiegelung ihrer Verknüpftheit mit dem Lande. Sie leiden unter der schweren Arbeit, der Hitze und dem Lingeziefer und unter ungenügender Ernährung. Aber das ist nicht der Grund der seelischen Vcrstörung, deren Zeichen immer deutlicher werden. Sie sind zwanzig'Jungen und vier Mädchen, und alle diese Jungen lieben zwei dieser Mädchen, ohne daß sie wagen, den Zauberkreis zu durchbrechen, der die Geschlechter trennt. Was ist der letzte Grund für diese Atmosphäre von Unfruchtbarkeit, von Spannung, die sich nicht löst? ״Was geschah? Heute kann ich fragen,־ damals in Tel Meir konnte ich nicht fragen. Damals war ich verstrickt in die Knäuel des Lebens mit all meinen Gefährten... verloren und verwirrt wie sie.,. Gefangen waren wir in unserer Welt und wir sahen niemand außer den Genossen der Kwuzah... Auf den Hängen der Berge ringsum und im Tale sitzen Araber in Zelten, Hütten und Lehmhäusern. Seit Jahrhunderten sitzen sie hier, furchen die harte Erde, weiden ihre Herden. . . Fragen sie — warum? Brauchen sie eine Vision, ein Streben, ein Ideal? Wir konnten das nicht. Wir konnten nicht Sümpfe trocken legen, nur um den Fluch des Fiebers von dem Ort zu nehmen, wir konnten nicht die Erde pflügen, nur um Brot und Nahrung zu schaffen, wir konnten nicht einen Baum pflanzen, nur um seine Frucht zu essen. Leben um des Lehens willen? Das ist einfach und tief... Auf unserem Leben aber lastete ein großes Warum.. Zadok Hagalili — diesen Namen trägt liier A. D. Gor• don, dessen Gestalt in dem Buche in ihrer schönen Menschlichkeit auf das glücklichste gezeichnet ist, erkennt den wahren Grund dieses Uebels, und wenn er auch nicht zu helfen weiß, so weiß er ihn doch zu nennen, Wenn er zuerst noch meint, daß das jüdische Palästina an sich die Kraft habe, eine Jugend, die den Glauben verloren hat, zu retten, so sieht er später die seelische Verstrickung■ in ihrem ganzen Ausmaße. ״Ihr habt zuviel gelitten, zuviel gesehen, ihr versteht zuviel... Ihr seht, daß mein Maar weiß ist, und trotzdem stehe ich mitten im Leben, und ihr jungen Mensehen seid schon an der Grenze angelangt. Niemals habe ich in der Gemeinschaft der Arbeiter im Lande Menschen gesehen, die stets an der Grenze wandeln. Wir sind einfache Menschen, die mitten in! Leben stehen... Entwurzelt seid ihr aus dem Leben, das Land kann euch niefit verdauen.“ Und an einer anderen Stelle \Grd gesagt, daß man von der Tat- Sache des Lehens in Palästina nicht die - Erlösung aus der Wirrnis der Seele fordern darf. Verlorene Seelen sind sie, wenn ihnen auch nicht der Sarkasmus ihres unheimlichen Gastes am ersten Abend im Galii eigen ist. Sie stehen in der Nacht auf, versammeln sich im unbeleuchteten Elisan! zu Versammlungen, deren Inhalt und Form die Menschen ihrer Umgebung nicht verstehen. Und bald hört auch dies auf, und von edier fürchterlichen Erstarrung befallen, meiden sich alle, jeder die Begegnung des anderen, und sie streifen in den Nächten schweigend durch die Gegend. Dies ist der eigentliche Abschluß der Geschichte, denn die fürchterlichen Katastrophen, Brand und Tod, sind nur auslösende Momente für die Auflösung ihres Lebens. Viele verlassen die Kwuzah. zerstreuen sich im Lande, und der Lield des Romans lebt sein Lehen allein in einem kleinen Dorfe nah bei Jerusalem, in dem es an Juden sonst nur noch Jemeniten gibt. Dieser Schluß ist keine Antwort auf das große Warunf. Er ist auch bei aller Aehnlichkeit der Lebensform nicht identisch mit der Antwort Zadoks, der wirken wollte und im Leben stehen, in einem Lehen, dessen Grenzen weiter sind, als die des persönlichen Tagewerks. Er gibt Frieden und Heilung für ein verwundetes Herz, aber keine Lösung für eine Generation. Diese Generation der driften Alijah hat hier natürlich eine exxr-eme Darstellung gefunden. Wer ihre Menschen heute in Palästina sicht, wird vielleicht nichts mehr von den Spuren dieser ersten Jahre an ihnen bemerken. Auch waren nicht alle Mensclien dieser Generation durch die gleiche Hölle der Leiden gegangen, und nicht alle hatte dieses Leid so gepackt und verstört, wie jene jüdische Jugend aus Galizien, die der Träger dieser Geschichte ist. Aber doch dürfen wir den dokumentarischen Wert dieses Romans nicht verkennen, der wohl als erster die Stimmung־ dieser Jahre rein und unverfälscht wiedergibt. Und die Ideologie, die diese dritte Alijah ins Land zog, die Ideologie der Erlösung durch Boden, Arbeit und Aufbau, wird noch heute jeder neuen Generation unserer Chaluzim gepredigt. Die sind jetzt freilieh ein anderes, nüchterneres Geschlecht, weniger hochgespannt in ihren Erwartungen, orientierter und praktischer gerichtet. Und doch wird dieselbe unerfüllte und unerfüllbare Erwartung auch zu anderen Zeiten sich unter empfänglichen Seelen ihre Opfer fällen. Escha Bergmann Hebräische Metallurgie •‘$בע מתכות — פרקים בחולדות החימיה׳ מאת י• קלוגאי מ■ ם ״Sieben Metalle“. Ausgewählte Abschnitte aus der Geschichte der Chemie. Von J. Klugaj — Verlag R. Maß, Jerusalem 1937. Die Geschichte der sieben Metalle Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei, Quecksilber, bereits den Alten bekannt und von ihnen zu den sieben Planeten in mythische Beziehtmg gesetzt, bildet das Thema des 5. Bandes der populärwissenschaftlichen Maß-Bücherei. Wie so oft erweist sich auch hier die historische Behändlung als der beste Weg, um die Bedeutung des Gegenstandes dem Leser vor Augen zu führen. Das einleitende Kapitel gibt zunächst interessante kulturgeschichtliche Zusammenhänge. Auch die folgenden Kapitel, die die Geschichte der einzelnen Metalle behandeln, enthalten viel kulturgeschichtliches und völkerkundliches Material. Von besonderem Wert scheinen mir die zahlreichen Hinweise auf die Verhältnisse in Erez Israel zu sein, die in ihrer Gesamtheit ein sonst vergessenes oder unzureichend behandeltes Kapitel palästinensischer Kulturgeschichte darstellen. Der berühmte Satz des Deuteronomiums: . ein Land, dessen Steine Eisen sind, und aus dessen Bergen du Erz haust“ (K. 8; 9) erhält seine natürliche Rechtfertigung, W'enn man gleich dem Autor den Spuren des Bergbaus und der Erzgewinnung nachgeht, die sich im Tenach finden. Die den einzelnen Stoffen gewidmeten Kapitel gehen nach der historischen Uebersicht die allgemeinen chemischen und physikalischen Daten des Metalles sowie seine wuchtigen Salze. Sodann folgt die ihrer weltwirtschaftlichen Bedeutung angemessene ausführliche Beschreibung der neuzeitlichen Dar- Stellungsmethoden, im ganzen erweist sich die Auswahl, die der Verfasser traf, um einen Einblick in die Welt der Chemie zu gehen, als durchaus geeignet Vielen Benutzern wird das Fachwörterverzeichnis gute Dienste leisten, das die Termini in Hebräisch, Deutsch und Englisch enthält. Eine kurze Bihliographie schließt das Buch ab. Man möchte den Wunsch aussprechen, daß außer den beigefügten Skizzen dem palästinensischcn Leser auch Bildmaterial geboten würde. S. gegengesetzter Richtung geschrieben werden. Diesem Uebel« stand sollen die Tafeln des Verfassers al>11 elfen. Nach seinem System sind die einzelnen Buchstaben aus einem Kreis bzw. einem Halbkreis abgeleitet. Als Grundlage gilt der Buchstabe ר Zur Erläuterung der Schreibweise ist jeder Buchstabe mit einem Pfeil versehen, der die Schreihrichtung angibt. Eine begrüßenswerte Neuerung ist die deutliche Unter- Scheidung des Schin und des Ssin, das durch einen Strich gekennzeichnet ist, statt wie bisher durch einen Punkt, der leicht zu Verwechslungen mit Ciiolam führte. K. System der hebräischen Kursivschrift von A. M. K 0 h ת - Asuley, Mannheim. Wandtafel Größe 60x80 cm, Schülertafel 15x20 cm. Es war ein guter Gedanke des Verfassers, diesem Gebiet des hebräischen Unterrichts besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Gerade auf dem Gebiet der hebräischen Kursivschrift herrscht völlige Verwirrung. Fast jeder hebräische Lehrer hat sein eigenes System, wobei die hebräischen Schriftzeichen oft ganz falsch! oder wenigstens in ent- Hera und Leander“ Hebräisch״ תירו וריאנדר, שיר אפי מהמאה הממשית אחרי ספהיג מאת מוזיאום המדקדק־ המקור היוני בצרוף תרגום עברי בקצב המקור עם באורים והעדות מאת זוסמן מונטנר׳ הוצאת ר• מס׳ ירושלים Mit dem lateinischen Titel: Musaei Grammatici Carmen de Herone et Learidro edidit et praefatus est, variantes lectiones selectas, nonnulas animad versiones et indicem adiecit in iingua hcbraica Süssinann JVluntner, Sumptibus Rubir. Maß, Jerusalem 1936. Die Originalität dieser Erscheinung auf dem hebräischen Büchermarkt gibt das Recht, darauf hinzuweisen, auch wenn der Kreis der Interessenten, die zu dieser Lektüre greifen werden, leider klein sein dürfte. Die bekannte Erzählung ist erstmalig durch das Epos des Grammatikers Musaeus, der frühestens Ende des 4. Jahrhunderts lebte, verbreitet worden. Dieses Epos gibt S. Muntner im griechischen Original heraus, nachdem er durch die Einleitungskapitel bewiesen hat, daß er befähigt ist, einen klassischen Text mit allem Elan der besten Editoren herauszugeben. Wir werden belehrt über die Zeit und Persönlichkeit des Dichters, über die Form und Gattung seines Gedichtes, über den Sagenstoff, über das Wesen der Vcstalinncn, über die Hand- Schriften und Ausgaben, über die Uebersetzungcn des Epos in Prosa und Poesie, in Lateinisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Dänisch. Dem Texte und der beigegebenen hebräischen metrischen Uebersetzung des Epos werden die Verse aus dem Hohelied 8,6/7 ״Stark wie der Tod ist die Liebe ...“ vorangestellt. Die Uebertragung, die das Versmaß des Originals nachahmt, muß den griechischen Versen Gewalt antun und kann sich nicht flüssig lesen lassen. Es ist ein Versuch eines Liebhabers, der besser skandieren kann, als der hebräische Vers es in Wirklichkeit zuliißt, der also die Schwierigkeit des Metrums überhört. Damit ist der Inhalt dieser Ausgabe noch nicht erschöpft, sehr reiche Anmerkungen erhärten die vom Verfasser gewählte Lesart aus den Codices und bringen Parallelen aus der Teichen griechisehen Epigrammenliteratur. Aeußerlich besitzt diese Ausgäbe alle Vorzüge einer Prachtedition, die den Forderungen der Aesthctik, des Geschmackes und der Ausstattung im besten Sinne genügt. Rabbiner Dr, A. Pos ner, Jerusalem 1 I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.