Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 74-75 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653696--31278-2685878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 6 JÖDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75, 17. IX. 1937 Juden in Holland / Eine Artikelserie Mit diesem Beitrag setzen wir die in den Nummern 67, 76, 78/79, 83 und 89 (Jahrgang 1936) begonnene Artikelserie über das Leben der Juden in Holland fort. (Red.) 7. Juden im künstlerischen Leben Literatur Will man einen Ueberblick über das liierarische Wirken holländischer Juden und Einsicht in deren Bedeutung um! Auswirkung haben, so kann darüber niemand besser Ausknnft geben, als der Schriftsteller und Kritiker Siegfried E. van Prang. Er hat nicht nur selbst viel beachtete Romane geschrieben — jüdischen Inhalts wie ״De Weegschaal“ (Die Wage). ״Sam Levita’s Levensdans“ (Sam Levitas Lebentanz) und ״La Judith“ — seine Novelle ״Een Man van Aanzien“ (Ein Alarm von Ansehen) wurde im Jahre 1932 von der Niederländischen Gesellschaft für Literatur preisgekrönt — und allgemein historischer Art (״Julie de Lespinasse“, ״Madame eie Pompadour") — sondern hat auch in seinem Ghetto-Huch einen vielseitigen Einblick in jüdisches Volksleben gegeben und vor allem in seiner Schrift ״De West-Jodvn en Inin letterkunde sinds 1860“ (Die Westjuden und ihre Literatur seit 1860) und in zahlreichen kleineren essayistischen Studien und Zeitungsartikeln eine kritische Dar- Stellung jüdischen literarischen Wirkens gegeben. Siegfried E. van Praag, der aktiver Zionist ist (sein Vater war einer der Mitbegründer der zionistischen Bewegung in Holland), hatte die Ereundlicbkcit, mir einige Fragen über die Juden in der holländischen Literatur zu beantworten. ״Welche jüdischen Schriftsteller von Bedeutung gab cs in der holl.indischen Literatur?“ ״Ich nenne Minen vor allem 1! e r m a 11 Heijermans (1P64—•192-1), der in seinen Romanen ״Diamantstad“ und ״Sabbath“ sowie in dein Drama ״Ghetto“ das Leben des Amsterdamer J ulcuvicrtels meisterhaft (larstellte. Die andere bedeutende Figur ist Israel Q u e r i 11 o (1870—1932), aus sepliardiscliem .Milieu stammend, der biblisches Judentum in seinem Fpo־ ,,De (isule Werekl“ (Die alte Welt), in dein Drama ״Saul cn I lavid“ und in zwei Simson-Romanen lebendig werden lieli; im Roman ״Levensgang" beschreibt er das Leben der Amsterdamer Diamaiitarbeiter, und in dem Theaterstück ,,Aron Lnguiia“ die Auflösung des scphardischcn Milieus in Holland. Ei 11 Dichter von Rang war Jacob Israel de Haan (ESI- 1921), der in Jerusalem auf so tragische Weise ums Leben kam.“ ״Welche Karnen sind unter den lebenden jüdischen Schriftstellern in Holland 711 nennen'1“ ״Hier ist in diesem Zusammenhänge vor allem hinzuweisen auf Eni. Q11 e r i d o (Pseudonym Joost Mendes), Carry v a n 18r 1.1 g g e n, M. H, v a n Ca m p e!1, S a m ue 1 Goiidsmit, M a u r 11 s Dekker, Marianne Philips, Victor E. v a 11 V r i e s 1 a 11 d, M r. Benno S t o k v i s, Jacob 11 i e g c 1! 11 i c h.“ ״Welche typischen Merkmale zeigt ihr Werk? Sind sie Repräsentanten einer bestimmten Richtung?“ ״Zwischen «len Querido’s (Israel und Emanuel), van Campet! und in geringerem Maße Samuel Goud• smit kann 111,11t von einem gewissen Stileinfluß sprechen. Sie waren alle in höherem oder minderem Maße wenigstens unter stilistischen Gesichtspunkten Naturalisten, die den detailliert beschreibenden Stil für alles, was menschliches Verhalten angelet, und Hcll-Dunkel-Effekfe verwenden. Diese Schriftsteller en! stammten der Amsterdamer Diamantarbeiterweit oder waren mit ihr verwandt. Nach dieser Gruppe kann man nicht mehr von einer jüdischen Schule sprechen. Jacob Israel de Haan, Jacob Hiegentlich lind teilweise auch V i c t o r E. v an V ries! a n d wurden, ebenso wie ich, durcii den Zionismus beeinflußt.“ ״Haben sie überwiegend allgemeine oder vor allem jüdische Stoffe beliaiHleltV“ ״Die meisten holländisch-jüdischen Autoren haben sowohl allgemeine wie jüdische Gegenstände behandelt. Nur wenige standen, was ihre Themen betrifft, dein Judentum sehr fern, so z. B. Ai a ti r i t s I) c k k e r. Itt den Werken der beiden Querido’s nimmt das Judentum einen breiten Raum ein. Das gilt amii für Samuel G o u d s 111 i t und für meine Arbeiten — In meim-it jüdischen Romanen habe ich mich bemüht, mit dein indischen Roman zu brechen, wie eine frühere Generation sie zu schreiben pflegte und worin man vor allein für den nicht j:1di>eln11׳ Leser bestimmte ausführliche Be- Schreibungen 11 ml Erklärungen von jüdischen Gebräuchen, jüdischen Eestlogi-n, Synagogen Usw. gab. An seiner Stelle brachte ich den jüdischen Cliarnktcrroinnn. Ich wollte zeigen, daß auch im jüdischen Volk der Reichtum an Individuen zu finden ist, den 111:1 n in 1!er Kulturgeschichte anderer Völker findet und mit dem Juden der Konvention brechen, wie man ihn Iris auf «11• 11 heutigen Tag zu zeichnen gewohnt war,“ ״Ist ein Einfluß der judi-dten Schriftsteller auf die holländische 1. it 1 ratur fest/ustellen?“ ״Pas kann man im allgemeinen nicht sagen. Der Einfluß von Heijermans war sozial, nicht literarisch. Nur Herrn an van den Bergig der sich niemals mit dem Indent um beschäftigt hat, hat einstmals an der Spitze einer holländischen I )iehterschule gestanden. Dagegen übt Victor E. van V ri « slnnd auch in seiner Eigenschaft als Retiaktetir verschiedener literari--el1cr Chroniken einen didaktischen Einfluß auf die junge holländische Literatur aus. Er hat vor 23 Jahren in einer Broschüre ״De Cultureele Noodtocstand van het Joods-clie Volk“ zum ersten Male in Holland das Problem der Jude■״ in der Literatur behandelt.“ ״Ist ein Einfluß auf das jüdische Leben wahrzunehmen oder sind die Werke dieser Autoren der Ausdruck bestimmter Erscheinungen im jüdischen Leben in Holland?“ ״Wenn 111,111 unter Einfluß den versteht, den zum Beispiel Buber auf das Judentum Deutschlands ausgeübt hat, so kann man sagen: nein. Allein Rabbiner Dr. M. de Hond hat durch seine Theaterstücke und Volksskizzen die jüdische Volksklasse von Ainsterdem beeinflußt. Wohl wurden vor allem die Werke von Israel Qtterido vorn Amsterdamer jüdischen Proletariat und Kleinbürgertum viel gelesen und brachte diesen Menschen Sinn für Literatur bei, aber auch hier kann ninti nicht von einem bestimmten Einfluß in einer oder anderen Geistesrichtung sprechen. Wie gesagt, kann man die Gruppe Quericlo usw. als die Vermittler der sozialen Emanzipation des Amsterdamer Judentums betrachten, während eine andere Gruppe, zu der auch ich gehöre, als Vertreterin der Rückkehr des jüdischen Bürgertums und der Intellektuellen zu einem national fühlenden Judentum angesehen werden kann.“ Unter den Neuerscheinungen der letzten Zeit befinden sich einige bemerkenswerte Romane jüdischer Autoren, die jüdische Stoffe behandeln. In das Mittelalter der Kreuzfahrer führt Samuel G o 11 d s m i t in seinem Roman ״D e Kn a a p u i t Worms“ (Em. Queridos IJitg. Mij. Amsterdam 1936). Den Stoff bildet eine Episode aus einer Mainzer Chronik, die über Juden- Verfolgungen lienchtet. üoudsmit gibt im Stile des Naturalismus ein spannendes Zeitbild, in das das Schicksal des Jungen Simcha eingefiigt ist. ״Henri van den Overkant״ (Heinrich von drüben) von Marianne Philips (N. V. Uitg. Mij. C. A. J. van Dishoeck, Bussum 1936) ist die Geschichte des einzigen Sohnes eines jüdischen Antiquars im Amsterdam der Jahrhundertwende. Das Buch gibt nicht nur eine anschauliche Schilderung des Lebens und Treibens im jüdischen Amsterdam jener Zeit — es ist Marianne Philips erstes Buch jüdischen Inhalts —, sondern beweist auch zugleich die Gabe feinsinniger Einfühlung der Autorin in die Gedanken und Ideen, die diese Menschen bewegt haben. Die Gegenwart mit ihren politischen Fragestellungen und den besonderen Schicksalen jüdischer Menschen behandelt Jacob Hiegentlich in seinem Roman ״De Onbewoonde WereId“ (Die unbewohnte Welt) (Uitg. A. C. Schoottderbeek, Laren 1937), in dem er sich als guter Milieuschilderer zeigt. Diese kurzen Hinweise zeigen, daß auch unter den jüdischen Schriftstellern in Holland eine immer stärkere Hinneigting zum jüdischen Stoff wahrzunehmen ist, die Hand in Hand geht mit einer allmählich zunehmenden Erkenntnis von der Notwendigkeit, die Beschäftigung mit dem positiv Jüdischen zu fördern. Bildende Künste Malerei. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sind jü'- dische Maler in Holland nicht bekannt geworden. Es gab damals einige Künstler weniger bedeutenden Formats, wie Maurits C a I i s c h, den Porträtmaler der wohlhabenden jüdischen Familien, David Ries, den Gcnremaler, Elchanan Verveer und andere. Um diese Zeit trat jozef Israels (geb. 1824 in Groningen), der ursprünglich Rabbiner werden sollte, mehr und mehr in den Vordergrund. Schon während seines Aufenthalts in der Familie eines einfachen Schiflszimmermanns in Zandvoort befreite sich Israels vom akademischen Einfluß und schuf damals die von starker Einfülllungskraft in das Volksleben zeugenden Fischer- und Bauernbilder. Seine große Zeit begann im Jahre 1869, als er nach dem Haag übersiedelte, wo er bis an sein Lebensende (12. August 1911) wohnte. Er wurde bald der Führer der ״Haager Schule“ und die repräsentative Figur der holländischen Kunst im 19. Jahrhundert. Aus dem jüdischen Leben sind bekannt ״Der Thora- Schreiber“, ״Ein Sohn des alten Volkes״ tmd ״Jüdische Hochzeit“ (davon eine Ausführung im Städtischen Museum in Amsterdam, eine andere im Museum zu Tel-Awiw). Auch biblische Stoffe wie ״Sau! und David“ hat er dargestellt. Er war der Lehrmeister Liebermanns. Die Werke dieses ״legitimen Rembrandt-Ablconmilings“ — nicht nur Gemälde, auch Kohlezeichnungen und Radierungen — sind in vielen Museen Europas zu finden. Sein Sohn, der durch einen Unglücksfall ums Leben gekommene Impressionist fsaac Israels, war eine der Hauptfiguren der Amsterdamer Schule und ist durch feinempfundene Interieurs lind Landschaftsbilder sowie Porträts hervorgetreten. Jüdische Gegenstände hat er nicht behandelt. Unter den lebenden jüdischen Malern der älteren Generation ist der Amsterdamer Martin Monnickendam besonders bekannt geworden. Seine Arbeiten, zu denen auch Synagogeninterieurs und biblische Gegenstände gehören, zeichnen sich durch starke Farbenwirkung aus. David Frankfort, ein bedeutender Nachläufer der Haager Schule, wählt gern jüdische Köpfe und das jüdische Volksleben zum Gegenstand seiner Malerei. Es sind ferner zu nennen: David Schulman, Marinus van R a a 11 e, G a r f, Lagt! na, Bueno de Mesquita, Goud man, der verstorbene Benjamin Prins und die Malerin Franken. Unter den Jüngeren ist vor allem Paul Citroen, früher in Berlin, bekannt geworden. Citroen ist ein begabter, vielseitiger Künstler, der schwer einzttordtien ist. Er arbeitet mit allen Materialien lind auf vielerlei Manier. Im Städtischen Museum zu Amsterdam sind einige Porträts von ihm zu sehen. S. L. Schwarz und seine Frau Else Berg, beide Expressionisten, haben vor allem Stillebent und Porträts gemalt. Graphiker und Zeichner. Unter den Graphikern ist Samuel Jessurttn de Mesquita eine der Hauptfiguren des Aufblühens der graphischen Kunst am Beginn dieses Jahrhunderts. Er hat ausgezeichnet« Holzschnitte und Radierungen, vor allem von Tieren, geschaffen. Sehr bemerkenswert sind seine grotesken Phantasien. Joseph Tex«ira de Mattos, ein naturalistischer Zeichner von großem Können, ist mit Stilleben, Stadtansichten und Selbstporträts hervorgetreten. A. Löh, ein aus Deutschland stammender Impressionist, ist durch feinempfundene Porträts bekannt geworden. Auch Ro Mogendorffs zeichnerisches Schaffen ist hier zu erwähnen. Jo Spiers Zeichnungen!n der Tageszeitung ״De Telegraaf“, voller Geist und Humor, geben treffende Analysen von Holland und den Flolländerrt und sichern ihm einen besonderen Platz unter den holländischen Zeichnern. Als Illustratoren sind vor allem bekannt geworden Nelly Bo den heim, die durch hervorragende Kinderbuchillustrationen im Stile des Grandville weit über Hollands Grenzen hinaus bekannt geworden ist, und Leon Holman, dessen vielseitiges großes Können bei Kritik und Publikum lebhafte Anerkennung findet. Plastik und Kunstgewerbe. In der holländischen Plastik nimmt Dr. Joseph Mendes da Costa eine besondere Stellung ein. Er legte die Grundlagen für die dekorative Bildhauerkunst. Plastischer Gebäudeschmuck und Porträt-Büsten nehmen in seinem Werk «inen breiten Raum ein. Von eigenartigem Reiz sind seine von starkem Formgefitbl zeugenden Tierplastiken. Zum Stärksten seines Schaffens gehören seine Figuren aus der biblischen Geschichte wie Abraham, Moses, König David, Hiob, Jeremias, Elia und Elisa. Sein Hauptwerk ist das Denkmal für General De Wet, den Helden aus dem Burenkrieg, auf der Heide bei Hoenderloo. Von der jüngeren Generation sind vor allem Job. G. W e r t h e i m und Jaap Kaas zu nennen. Im holländischen Kunstgewerbe war — wie fesfgestdlt wurde — bereits irn 18. Jahrhundert ein vermutlich aus Deutschland stammender Jude, Samuel Jacob Hanau, als Leiter einer Fayence-Fabrik tätig. Als Keramiken« hat sich Lea Ha Ipern einen guten Namen erworben. Ihre Werke finden sich im Besitz der königlichen Familie, der Gemeinde Amsterdam und vieler Museen. Ihre Ausstellung in London 1936 und ihre Teilnähme an der internationalen Ausstellung weiblicher Künstler im ״Jeu de Paume“ in Paris am Beginn dieses Jahres waren ein großer Erfolg. 1t* Ardiitekten. Einer der führenden modernen Architekten In Holland war M. de Klerk, der früh — mit 39 Jahren — starb und vorher bereits zum Katholizismus übergetreten war, In den neu errichteten Stadtteilen von Amsterdam zeugen verschiedene originelle und eigenwillige Gebäudekomplexe von seinem großen Können. Harry Elte ist vor allem durch Synagogenbauten bekann( geworden. Das neue Gebäude des ״Joodsclie Invalide“ in Amsterdam ist ein Werk des Architekten Staal. * Dieser kurze, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebende Ueberblick über den Anteil der Juden an den bildendeti Künsten in Holland zeigt, daß die jüdischen Kunstler — vor allem durch führende Figuren wie die Israels, Mendes da Costa und de Klerk — einen beachtlichen Platz in der holländischen Kunstentwicklung einnehmen. Sieht man von der bei manchen zu beobachtenden Walt! jüdischer Stoffe und der Ausführung jüdischer Bauaufträge ab, so ist von einem Einfluß auf das jüdische Leben wenig zu spüren. Musik Das holländische Musikleben, das sehr rege ist, haf seine eigenartige Prägung dadurch, daß es an einer ständigen Oper fehlt. Andererseits wird der Chorgesang besonders gepflegt. Das Amsterdamer Concerfgebouvv-Orkest genießt Weltruf. Aber auclt das Haager Residentie-Orkest ist ein ausgezeichnetes Orchester und auch in den Provinzstädten findet man ein erfreuliches musikalisches Niveau. Jüdische Künstler haben überall, zum Teil hervorragenden Anteil Eine vielseitige Tätigkeit übt Sem Dresden aus. Er ist nicht nur als Komponist und Chordirigent (Haarlemsehe JVIoteten Madrigalvereeniging) bekannt, sondern wurde kürzlich in Anerkennung seiner besonderen musikpädagogiselten Fähigkeiten aus seiner Stellung als Direktor des Amsterdamer Konservatoriums zum Leiter des Königlichen Konservatoriums für Musik im Haag berufen. Albert van Ra alte ist heute Dirigent des h-olländischeu Rundfunk-Orchesters der AVRO, das wegen seiner beträchtlichen künstlerischen Höhe bekannt und beliebt ist. Als Dirigent jüdischer Chöre tritt S. H. Engländer, der Leiter des Amsterdamer Synagogenchores, mehr und mehr in den Vordergrund. Außerdem gibt es noch viele Dirigenten von Männerchören von geringerer Bedeutung. Als Mitglieder der großen Orchester spielen eine Rolle L£ort Rüd eis heim, der zweite Konzertmeister des Amsterdamer Concertgebouw - Orchesters, Sam Stvaap, erster Konzertmeister des Haager Residenz-Orchesters, und Jo Juda, der erste Konzertmeister der Arnhemschen Orehester Vereinigung. Auf musikpädagogischcnt Gebiet sind wirksam der Violinist Herman Leydersdorff, Leiter des Holländiselten Streichquartetts und Ftauptlchrcr am Amsterdamer Konservatorium, der Violinist Alexander Moskowsky, LehreT am Amsterdamer Musik-Lyceuin und erster Violinist des Moskowsky-Quartclts, ferner der weit über die Grenzen Hollands hinaus bekannte Cellist Max Orobio de Castro, der Hauptlehrer am Amsterdamer Konservatorium ist, an dem auch der Pianist Paul Frenket wirkt. Auch die weltbekannte Harfenistin Rosa Spier, früher am Haager Residenz-Orchester, jetzt am Amsterdamer Concertgebouw-Orchester, hat besondere Verdienste auf pädagogischetn Gebiet. Der Historiker E. H. Enfhoven, Julius Heyrnan und die beiden Musikkritiker Paul r. Sanders und Berfus van Lier (dieser ein Flalbjude) haben auch einen Namen als Komponisten. Als Sängerin hat sich Judith To ff in kurzer Zeit einen guten Namen zu erwerben verstanden. Theater Das Theater nimmt im Leben Hollands nicht den Raum ein wie in vielen anderen Ländern, obwohl gerade hier viele Ditettantenvereinigungen bestehen, die sich dem Theaterspiel widmen. Der jüdische Anteil ist hier verhältnistnäßig gering. Die realistischen Dramen Herman Heijermans bilde« seit der Jahrhundertwende einen festen Bestandteil der Repertoires. Unter seinem Einfluß wandte sich das Theater in Holland mehr und mehr von der Romantik zum Naturalismus. Stücke wie ״Op boop van Zegen“, ״Allerzielen“, ״Schäkels“ üben auch heute noch eine starke An- Ziehungskraft aus. Seine Bedeutung reicht weit über die Grenzen des Landes hinaus. Israel Querido hatte das im scphardischcn Amsterdamer Milieu spielende Stück ״Aron Lagttna“ geschrieben. Die Stücke des Rabbiners Dr. M. de Hond, die im Amsterdamer proletarische» Milieu spielen und meist eine orthodoxe Tendenz haben, werden von den jüdischen Kleinbürgern und Arbeitern gern gesehen. Bezeichnend ist, daß die Stücke von L. J. Cohen van Delft, die unter dem Einfluß der jüdischen Renaissancebewegung die Sonderstellung des jüdischen Volkes historisch beleuchten, ihre Erstaufführungen im Rahmen von Vcreinigütigen erleben. ״Als het get*j verloopt“, das die Geschichte einer jüdischen Familie durch die verschiedenen Generationen hindurch in Deutschland darstellt, wurde unter dem Titel ״Arbaah Do rot h“ in den Spielplan der ״Habimali“ aufgenommen. ״Echo“, das vor kurzem seine erste Aufführung erlebte, behandelt die jüdischen Schicksale der Marranenzeit. Unter den Schauspieler« ist die Zahl der Juden bei weitem geringer als in vielen anderen Ländern, wobei noch nicht immer feststeht, ob si« Volljuden sind. Ein Schauspieler von großem Format war Louis Bauwmeester. Schon sein Vater, Louis Rosenveldt, und sein Großvater waren Schauspieler und auch seine Geschwister, vor allem seine Schwester, Frau Mann-Bo uwmeester, haben sich einen Namen auf der holländischen Bühne gemacht. Bouwmeester ist durch seine Darstellung des Shylock und des Rebbe Sichel berühmt geworden, aucn außerhalb Hollands. ln vergangenen Zeiten standen J udcls und Frau Pauweis-van Biene in großem Ansehen. Unter den Lebenden sind zu nennen Louis de Vries und Louis de Bree, Cor Ruys und Hermann Schwab, Alex Saalborn, der auch als Regisseur tätig ist, und viele Shakespeare-Stucke auf die holländische Bühne gebracht hat, Fie Carelsen, Fritz Hirsch, dessen Operettenensembie sich hier seit 10 Jahren großer Beliebtheit erfreut, Louis Davids, der auf der Kleinkunstbühne wie kein anderer das Wesen holländischen Humors vermittelt, und Silva in Poons von der Revue. Esther de Bo er-van Rijk, die zu den bedeutendsten Schau- Spielerinnen Hollands gehört, ist vor wenigen Tagen gestorlen. Dr. Rudolf Lev v, Den Haag JiÄchaten Freitng: Kimlcr-Knmlsclian