Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 74-75 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75, 17. IX. 1937 Palästina - Reisen in dieser Zeit Unlauterer Wettbewerb durch Verschleierung eines Jüdischklingenden Namens Die Tarnung eines jüdischen Geschäftes durch Schein* verkauf an einen arischen Angestellten ist, wie das K a 111 m e r g e r i c 111 im Urteil vom 31. 7. 1036 — vgl, ״J, R.“ vom 20. 10. 1936 — ausführt, geeignet, die Verbraucher irrezuführen, und als unlauterer Wettbewerb strafbar. Dieses Rechtsgebiet wird auch in einer Entscheidung des Oberlamlcsgcrichts München vom 10. 5. 1037 berührt. Hier handelte es sich um einen angcklagien jüdischen Geschäftsinhaber, der seine nicht jüdisch klingende Firmenb e 2 ei c h n u n g Alfred B. an Schaufenster und Eingangstür mit groben schwar/en Buchstaben auf weißem Untergrund in einer sofort in die Augen springenden Weise angebracht hatte, während sein jüdisch klingender Familienname nur in einer Ecke der Eingangstiir mit schwarzen kleinen Buchstaben auf dunklem Untergrund stand, und zwar so, daß diese Namensaufschrift für den Durchschnittsbeobachter überhaupt nicht 211 sehen war, wenn «r nicht eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit an den Tag legte. Dieser Tatbestand führte zunächst zur Verurteilung wegen Uebertrctung des (j 15a Gewerbeordnung, nach welcher Be- Stimmung Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben, verpflichtet sind, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen \'omamen an der Außenseite oder am Ein* gang elcs Ladens in deutlich lesbarer Schrift anzubringen. Das Erfordernis der deutlich lesbaren Schrift wurde bei der erwähnten Art der Beschriftung als nicht erfüllt angesehen, da diese geeignet war, Irrtumer über die Person des Geschäftsinhabers hervor/urufen. Daneben wurde ein Vergeben nach § 1 des Gesetzes gegen den u!!laute r e 11 W c 11 b c iv c r b fcsfgestellt. Diese Strafandrohung richtet sich gegen denjenigen, der in der Absicht, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervor/urulen. in Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, über geschäftliche Verhältnisse wissentlich unwahtc und zur Irreführung geeignete Angaben macht. Das erwähnte Urteil dis OlH’rl.uuksgcrichts München hat die Anwendung dieser Strafbestimmung auf den gesehilderten Tatbestand nicht beanstandet. Es wird ausgeführt, daß es nach heuriger Volksanschauung für das Publikum bei der Beurteilung der geschäftlichen Verhältnisse von Bedeutung ist, wer der Inhaber eines Gescha h ist, ob er Arier oder Jude ist. Bei der Mitteilung der Person des Geschäftsinhabers lag die unwahre Angabe im Sinne des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb darin, 11 tB durch das (iesanithi d der An;chtif'eit der Eindruck e״'\c kt wurde, daß A11: eil lä. der Inhaber des Geschäfts sei und die Tatsache der Nichtübereinstimmung des Fand iennanietts des Aagcklagten mit seiner Firma verschleimt und unterdrückt wurde. In subjektiver Hinsicht war die Feststellung erheblich, daß der Angeklagte den Eindruck erwecken wollte, es handle sich um das Angebot eines arischen Verkäufers. Hie Ent- Bcheidutigsgründe betonen — ebenso wie in dem eingangs erwähnten, vom Kammergericht entschiedenen Falle —, daß nach heutiger Volksanschauung dem Durchschnittskäufer das Angebot eines arischen Verkäufers günstiger erscheint als das Angebot eines nichtarischen Verkäufers. Ordnung Im jüdischen Pressewesen Der Sonderbeauftragte des Reichsministers für Volks« aufklärung und Propaganda Reichskulturwalter Hinkel hat mit Rücksicht auf die jüdischen Feiertage die Meldefrist für die in der. Verlagen und Unternehmen der jüdischen Presse tätigen Personen wie Verleger, Redakteure, Mitarbeiter, Ver- Iagsaugestellte, Be/iehcnvtrler, Pressereferenten und Mitarbeiter von Presscdicnststcllen jüdischer Organisationen, Ver* einen und Gemeinden bis zum 15. Oktober 1937 verlängert und den äußersten Termin für die Zulassung auf den 31. Oktober 1937 festgesetzt. Demnach dürfen nach dem 1. November 1937 Personen ohne llescheiniguiig oder Ausweis im jüdischen Pressewesen nicht mehr tätig sein. Gesuche zur Eintragung in die amtliehen Listen und die aut' Grund dieser Gesuche den Antragsteilem übersandten Fragebogen sind ausnahmslos zu richten an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Sonderreferat Reichskulturwalter Hinkel, Berlin W 8, Wilhelm platz 8-9. Schlichtungsausschuß beim Kulturbund. Der Herr Reichsminister für Volksauiklarung und Propaganda hat auf Antrag unter dein 01׳selu(t>/eieiu׳n SJ 2313 die Einrichtung eines S c 111 i c h t u 11 gs ,11!־ s s c 11 u s s e s heim Reichsvcrband der .Jüdischen Kulturbünde genehmigt. Der Schlichtungsausschuß befallt sich mit etwaigen Streitigkeiten zwischen den dem Reichsvcrband angesehlosseiien Organisationen, sowie zwisehen aktiven Mitgliedern (Künstlern) und diesen Organ!• sationen, sowie zwischen den Künstlern untereinander. Der Schliclitungsau.sschuß ist mit jeweils drei Angehörigen der streitenden Berufsgruppen (Musik, Theater, Bildende Kunst und Schrifttum) unter Vorsitz eines Vertreters des Reichs- Verbandes besetzt. Zum ständigen Vorsitzenden hat der Reichsverband Herrn Rechtsanwalt Dr. Eisner berufen. Neue Reichsverbandskarten. Am 1. Oktober gelangen neue Reichsverbandsausweiskarten (R.-Karten) zur Ausgabe. Durch Erwerb der R.-Karten wird der Erwerber Besuchermitglicd des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde für die Zeit vom 1. Oktober 1937 bis 30. September 1938. Der Preis der R.-Karte beträgt 1 RM. Nur Personen, die den Bedürlligkcitsnachweis führen (durch Stempelkarte oder Wolilfahrtsbescheinigung) erhalten die R.-Karte unentgeltlieh. Diese kostenlosen R.-Karten für Bedürftige werden für Berlin nur im Büro des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, Berlin SW 19, Stallschreiberstr, 44, in der Zeit von 10—14 Uhr, ausgestellt. Bei Erwerb der R.-Karte muß eine Legitimation über Zugehörigkeit zum Judentum und ein Lichtbild in Paßformat vorgelegt werden. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß alle künstlerischen Veranstaltungen im jüdischen Bezirk nur mit diesen Ausweisen oder Kulturbund-Karten besucht werden können. Die R.-Karten (orange) zum Preise von 1 RM. sind zu beziehen: im Kulturbund- Theater selbst, am Zeituugsstand des Cafe Leon (Lehnincr Platz), und bei den bekannten Zahlstellen des Kulturbundes. Die Jüdische Haushaltungsschule, Frankfurt a. M., veranstaltet in ihren Räumen, Quinckestr. 20, vom 4.-6. Oktober (9—12 und 15—18 Uhr), «ine Sehulausstellung. Airs Anlaß des 40jährigen Bestehens wird eine Uebersicht über die pädagogische Arbeit der Schule gezeigt. Frühjahr 1935. Selbst für diese gesegnete Jahreszeit war es ungewöhnlich schön in Erez Israeli Das Land prangte in allen Farben. Sogar die Wüste Judäa blühte, was die ״ältesten Leute1' niemals erlebt zu haben behaupteten. Die erste Fahrt der ״Tel Aviv“, Zum ersten Male fährt ein jiidisches Schiff unter jüdischer Flagge ins Land der Juden. Tausende strömen von überall her zur Makkabiade herbei. Purim ist in Tel Aviv kaum ein Plätzchen zum Schlafen aufzutreiben. Die Erinnerung an diese Tage verblaßt, manch dunkler Schaffen hat sieh seither vor dieses glänzende Bild gedrängt. Der Abessinienkonflikt und die dadurch hervorgerufene wirtschaftliche Depression, sechs Monate Streik und Terror, das hange Warten auf die Entscheidung der Peel-Kommission, die Unsicherheit darüber, welches nun das politische Schicksal des Landes sein wird! Palästina war als Reiseland bei den Juden in Aufnähme gekommen. Jeder, der es sich irgend leisten konnte, mußte einmal dort gewesen sein. Es gab ja kaum einen, der!—MAGISTER KIRSCH—, Der gute UkDr Magi ttar-Likörf abrlk, MUnchan VII. In Berlin tu baiiah. durch 01• W«ingr06h«ndlunj Bernhard Briuir, BurgttraB• 3 / Ruf: 8143 40 nicht Verwandte, Freunde, Bekannte ״drüben“ hatte. In allen jüdischen Vereine« und Organisationen Deutschlands, nicht nur den zionistischen, waren ״Eindrücke einer Palästinareise“ ein ständiges Vortragsthema geworden. Veränderungen dort und hier haben darin Wandel geschaffen. Palästinareisen sind seltener geworden. Die schweren Zeiten, die der Jischuw jetzt durchmaclit, rechtfertigen das aber nicht, sondern fordern gerade das Gegenteil. Er muß gerade jetzt fühlen und wissen, daß das jüdische Volk mit seinen Sympathien, seinem Interesse und seiner tatkräftigen Unterstützung hinter ihm steht. Das Versickern des Touriste1tslro״-׳׳s muß zu leicht in den Menschen unseres Jischuw •das Gefühl erwecken, in schwerer Zeit allein gelassen zu werden, während in den Tagen der Prosperity alles bei ihm zu Gaste war und teilnehmen wollte an seinem Glück. So wichtig dieses moralische Moment ist, kaum weniger wichtig ist selbstverständlich auch das niateTiTe: Der Fremdenverkehr bildet einen sehr wesentliehen Zweig der jüdischen Palästina-Wirtschaft, und eine Verkümmerung dieses Zweiges ist gerade jetzt, da die wirtschädlichen Bedingungen auch sonst erschwert sind, außerordentlich nachteilig. Oft ist auf die günstigen natürlichen Voraus- Setzungen hingewiesen worden, die Palästina als Reiseland aufweist: Eine denkbar mannigfaltige und außerordentlich eindrucksvolle Landschaft, Stätten reichster geschichtlicher Erintierungen und dann das große Erlebnis des in unseren Tagen durch Juden!im Lande der Väter Geschaffenen. Die bedeutsamen Möglichkeiten der Touristik sind noch lange nicht in genügendem Maße entwickelt, keinesfalls aber dürfen wir ihre hoffnungsvollen Ansätze sich wieder rückbilden lassen. Gerade auch sehr viele Einwanderer aus Deutschland haben in den verschiedensten Sparten des Fremden Verkehrsgewerbes eine Existenz gesucht, die jetzt bedroht ist und die es zu erhalten gilt. Wie der sich nicht rühmen kann, das Land wirklieh kennengelcrnt zu haben, der es nur fn den milden und strahlenden Frühlingstagen gesehen hat, sondern wie man es dazu auch in den langen Monaten der Sonnenglut und während der Regenzeit geschaut haben muß, so kennt man das jüdische Palästinawerk noch nicht, w׳enn man es nur In Zeiten der Prosperity aus den Nähe zu beobachten Gelegenheit gehabt hat. Wer nicht seine Illusionen künstlich konservieren will una nicht seine Wunschträume als Wirklichkeit behandelt, muß unser Palästinawerk auch in schweren Tagen sehen können. Es wird gerade durch die Beobachtung, wie Neuer Kurs der ״Verslinlnki“ In Litauen? Kaunas, 12. September. (JTA.) Der Verlauf des ln Memel abgehaltenen diesjährigen Kongresses des Verbandes litauischer Kaufleute und Handwerker ״Versli• n i n k i“ scheint einen neuen Kurs dieser Bewegung an zudeuten. Zur allgemeinen Ueherraschung sind auf dieser Tagung des Verbandes, der bisher eine heftige Kampagne zur Ausschaltung des jüdischen Handels und Handwerks geführt hatte, keinerlei judenfeindliche Reden gehalten worden. Vielmehr wurde die Bereitschaft betont, mit den in Litauen lebenden Minderheiten friedlich zusammenzuarbeiten. Der litauischen Jugend wurde geraten, Kollisionen mit den Angehörigen anderen Volkstums auf wirtschaftlichem Gebiet dadurch zu vermeiden, daß nicht versucht wird, die Minderheiten aus ihren Positionen zu verdrängen, sondern vielmehr sich solchen Berufen zuzuwenden, in denen noch genügend Betätigungsmöglichkeit vorhanden ist. Der PeeI*BerIchl aut Deutsh Wie wir bereits kurz mitieiiten, ist vor einiger Zeit der vollständige Text des Berichtes der Kgi. Untersuchungs- Kommission für Palästina (Peel-Bericht) in deutscher Uebersetznng im Schocken Verlag Berlin erschienen, Die Uebersetznng: stellt insofern eine besondere Leistung dar, als sie in ganz kurzer Zeit fertiggestellt werden mußte, um bei der großen Aktualität des Gegenstandes rechtzeitig in die Hände des Lesers zu gelangen. Die Kenntnis dieses Berichtes ist nicht nur zutn Verständnis der gegenwärtigen politischen Erörterungen in Palästina, Genf und London erforderlich, sondern stellt auch eine Lektüre dar, die für jeden großes Interesse besitzen muß, der am Aufbau Palästinas und seiner Ent- Wicklung Anteil nimmt. Die Diktion des Berichtes ist trotz dem anscheinend trockenen Gegenstand so lebendig, daß man ihn mit Vergnügen lesen kann, und jeder, auch der beste Kenner der Materie, wird aus diesem Studium mancherlei Kenntnisse und Anregungen erwerben können, besonders was die Einzelheiten der Landesverwaltung und Entwicklung Palästinas seit dem Kriege betrifft. Es kann daher gar nicht «indringlich genug auf die Bedeutung des Berichtes und die Notwendigkeit seiner weitesten Verbreitung in allen jüdischen Kreisen hingewiesen werden. In der ungarisch-jüdischen Zeitung ״Mult es Jövo״ ist ein Artikel über die vor kurzem in aer ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Reisebriefe aus Ungarn erschienen, in dem der Inhalt der Reisebriefe wiedergegeben und gewürdigt wird. sehr dieses Werk durch schwerste Angriffe nicht in seinen Grundlagen erschüttert werden kann und wie sehr der Jischuw auch härtesten Anforderungen gegenüber standhält, neue Kraft und neuen Glauben gewinnen. Solche Gedanken etwa werden durch die Bekanntmachung angeregt, wonach in den nächsten Wochen von der Berliner Zionistischen Vereinigung gemeinsam mit dem Reichs verband derjii dis eben Kulturbünde sowie vom Keren Hajessod Palästinareisen veranstaltet werden. Es bestehen mancherlei Vorurteile gegen solche organisierten Gesellschaftsreisen, doch in diesem Falle wären sie sicher unberechtigt, Liest man die Prospekte der hier genannten Reisen aufmerksam durch, so wird auch gerade der Kenner Palästinas angenehm überrascht sein, wie sorgfältig die Programme ziisammengestelit sind, wie sehr daran gedacht worden ist, angesichts der verhältnismäßig kurzen Dauer der Rundreise im Lande (10 bzw. 14 Tage) die verschiedenartigsten landschaftlichen Eindrücke zu vermitteln, landwirtschaftliche und industrielle Unternehmungen aller Art, Bildungsinstitute, soziale Einrichtungen und unsere nationalen Tnstitutionen kennenzulernen — und alles unter sachkundiger Führung und mit der Möglichkeit, sich durch maßgebliche Persönlichkeiten des Landes eingehender informieren zu lassen. Selbstverständlich ist es den Rciscteilnehnwrn unbenommen, ihren Aufenthalt im Lande auch über die Rundfahrt hinaus fortzusetzen. Auch wer, w׳ie das jetzt zumeist der Fall 2u sein pflegt, nach Palästina zum Zwecke des Besuches von Angehörigen fährt, erhält reichlich Möglichkeit, sich hei diesen aufzuhalten. Er entgeht aber der sonst naheliegenden Gefahr, nur seine Verwandten und nicht das Land zu sehen. Bei einer solchen Gesellschaftsreise werden auch die mannigfachen lästigen und zeitraubenden Formalitäten von Reisebüros erledigt. Man braucht sich nicht persönlich um das Visum und die Devisen zu bemühen und hat im Lande selbst keine Verdrießlichkeiten wegen seines Gepäcks, der Verkehrsmittel und der Unterkünfte. Berücksichtigt man das dafür Gebotene, so muß der Preis als ein niedriger bezeichnet werden. Er bleibt sicher erheblich hinter dein Betrage zurück, den man für eine entsprechende Einzeireise aufivenden müßte. Die beiden hier erwähnten Gesellschaftsreisen tragen versehiedenen Ansprüchen Rechnung. Bei der einen (BZV und Kulturbiinde) ist die Bahnfahrt III. Klasse lind die Schiffsreise in der Touristenklasse vorgesehen. Der Pauschalpreis beträgt 560 RM. Die vom Keren Hajessod veranstaltete Reise wird m der II. Klasse der Eisenbahn und in der I. Schiffsklasse durchgeführt. Sie kostet insgesamt 885 RM. Bei der KH-Reise, die eine etwas längere Rundreise im Lande bietet (14 gegenüber 10 Tage), ist besonders dafür Sorge getragen, daß die Teilnehmer Gelegenheit zu gründlichem Kennenlerncn wirtschaftlicher Fragen und Einrichtungen erhalten. Jeder, der sich mit dem Gedanken einer Paiiistinareise trägt, lasse sich die Prospekte der hier genannten Palästinareisen kommen, um sie zu prüfen, vielleicht wird aber auch der eine oder der andere, der eine Palästinareise in dieser Zeit nicht erwogen hatte, durch die jetzt gebotene günstige Gelegenheit dazu bestimmt werden, in den nächsten Wochen nach Erez Israel zu reisen. Die Neige des Sommers, die be• ginnende Winterzeit ist für einen Palästinabesuch eine besonders günstige Jahreszeit. Man sollte keinesfalls die Reise auf- Schieben, ״bis die politischen Verhältnisse geklärt sein werden“. Das jüdische Volk kann zu einer günstigen Entscheidung dadurch mitwirken, daß es den Paiäsrina-Aufbau unbeirrt fortsetzt. Einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag, den die Juden der Golali dazu leisten können, stellen die Palästinaleisen dar. Auskünfte und Buchungen für beide Reisen durch: Palestine Expreß Co., Berlin NW 7, Friedrichstr, 100, Palestine & Orient Lloyd, Berlin W15, Meinekestr. 2, Dcutschland-Palästina-Verkehrsgesellschaft m. b. H., Berlin W 15, Kurfürstendämm 224. Schalterschluß bei der Berliner Iwria-Bank fn der Nr. 70/71 vom 3. 9. 37 ist über die Beschlüsse berichtet worden, die in der Generalversammlung der Iwria e. G. m. b, H. Berlin gefaßt worden sind. Man konnte damals die Hoffnung hegen, daß durch die beschlossene Erhöhung des Genossenschaftskapitals einerseits, durch die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Mittel und durch die von den Organen der Genossenschaft eingeleitelen Maßnahmen andererseits, die Sanierung, die Fortführung und der Wiederaufbau der Fwria-Bank ermöglicht werden würden. Die Durchfiihrung dieser Absicht ist nicht möglich geworden. Die Erhöhung der Genossenschaftsanteile erscheint den zuständigen behördlichen Stellen nicht ausreichend, um das durch die früher getätigten Geschäfte verloren gegangene Betriebskapital zu ersetzen. Demgegenüber wurde von dieser Stelle sofortige Beschaffung weiterer beträchtlicher Mittel als verantwortliches Eigenkapital verlangt. Die Berliner Jüdische Gemeinde, die 1m Interesse der Erhaltung zahlreicher jüdischer Existenzen zwecks Herstellung der Liquidität der Iivria darlehnsweise Mittel in Höhe von rund einer Million Mark zur Verfügung gestellt hat und den Einlegern gegenüber eine Garantie in Höhe von 3 00 000 RM. übernommer hat, sieht sich nicht in der Lage, über diese Beträge hinaus weitere Gelder der Iwria zu gewähren. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde bringt zum Ausdruck, daß frühere Aufsiciitsratsmitglieder der Iwria, die der Gemeindevorstand immer wieder dringlieh aufgefordert hatte, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, vollständig versagt und, abgesehen von den immer wieder erneuerten Zusagen der Bank, keine Barmittel zugeführt haben. Bei dieser Sachlage hat die Iwria e.O. m. b. H. in Berlin am 16. September 1937 ihre Schalter schließen müssen, lieber das weitere Schicksal der Iwria-Bank ist zur Zeit eine Entscheidung noch nicht gefallen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß trotz der von der Gemeinde geleisteten Hilfe die Hoffnung, das Kreditinstitut dem Berliner jüdischen Mittelstand zu erhalten, sich bisher nicht hat verwirklichen lassen, Die neue Verwaltung der Iwria-Bank e. G. m. b. H. Berlin teilt uns hierzu mit, daß sie unter den geschilderten Umständen keine Möglichkeit sah, die Geschäfte der Bank weiterzuführen und daher genötigt war, das gerichtliche Ver• gleichsverfahrcn einzuleiten. * Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß die ״Iwria“ Berlin nichts mit den Iwria-Banken in Leipzig, Chemnitz, Breslau und Stettin zu tun hat. Die Betriebe dieser Banken sind von den Vorkommnissen in Berlin völlig unberührt und werden unverändert fortgeführt, dIE \/0tt AROMATISCHE Z10ARE ff £ יקרי, \]\ 'NATÜRLICH NIKOTIN ARM wmBBm 1 W u Hhtüodfa {