Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1937)
- Date
- 1937-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Satte 6 Nr, 73, 14. IX. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU *־־ ־ — — Jüdisches aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 13. September 1937 Die ״Joodsche Jeugdfederatie“, der dje zionistischen |ugendgruppen in Holland angeschlossen sind, hat heute eine Mitgliederzahl von etwa 1400 Jungen und Mädchen. In dem Jahresbericht 5607 werden die Richtlinien tür die Arbeit der Jugendföderation angegeben. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, daß das Interesse für das Hebräische außer in den misraefnstischen Gruppen zurückgegangen sei. Geklagt wird Uber Führermangel, vor allein In den kleineren Gruppen in der Provinz, Was die Chaluziuth betrifft, so ist zwar ein regel-!mäßiger Zugang von neuen Chaluzim aus der Jugendföderation zu beobachten, jedoch lasse die Zahl noch zu wünschen übrig. Die Jugendföderation gab verschiedene Publikationen zur Förderung ihrer Arbeit heraus. Im siebzehnten Jahrgange erscheint ihr allgemeines Monatsorgan ״Tikwath JIsrael“. Das Führerorgan ״Baderech“ erscheint im 12. Jahrgang. — Am 12, September fand in Amsterdam die 18. Jahrcsversammlung der Jugendföderation statt, auf der die Lage des Zlonismus und die zionistische Jugendarbeit behandelt wurde. Zum Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen wurde der Amsterdamer Kantonrichter Mr. L, S, G. Hartog ernannt, zum Offizier im Orden von Oranie-Nassau der Heferendaris im Unterrichtsministerium und Vorsitzende der Portugiesisch-lsraelitischen Gemeinde in Den Haag, G. R. Lobatte, der Generalkonsul von Nicaragua B, J. Citroen, zum Ritter im Orden von Oranje-Nassau Mr. V. K. L. van Os, Schatzmeister der Alliance Brachte Universelle, der Großkaufmarin B. Abraham in Paris, S. L i 011 i, der Sportberichterstatfer des Algetu een Handelsblad in Paris und der Kanloitrichter C. S. Pos, Vorsitzender der Niederländisch- Israelitischen Gemeinde in Paramaribo, der Hauptstadt der holländischen Kolonie Surinam. Das Amsterdamer Concertgebouw steht im Zeichen des fünfzigjährigen Jubiläums, im ersten Orchesterkonzert dieser Saison spielte Stefan Askenase, Die offizielle Er- Öffnung der Jubiläumssaison findet mit einem Gala-Konzert am 7. Oktober statt, bei dem F r i t z K r e i» 1 e r unter Leitung von Willem Mengelberg als Solist auftreten wird. Im weiteren Programm dieser Saison findet man Namen wie Rronislaw Hubern! an, Jehudl M e n ti h i n, Carl Fl es cf! und Dari us M i i h a u d. In der zweiten Hälfte der Saison wird Bruno Walter dirigieren. Iri einem der letzten K ti r!1 a u s k o n z e r t e in Sehe- V e ת i 11 g e n spielte Schuriclit Mahlers Lied von der Erde. In dem alljährlichen Benefiz-Konzert fiir die Mitglieder des Resideiiz-Orebcsfcrs trat diesmal der blinde Pianist Im re Ungar als Solist auf und konnte auch hier wieder niit seiner Wiedergabe Chopinscher Kompositionen außerordentlichen Beifall eiitgegennehmcii. — Chaja Goldstein, die durch ihre jüdischen Lieder bekannte Vortragskünstlerin, wird im kommenden Monat eine Tournee durch Litauen, Lettland und Polen unternehmen. Bei der feierlichen Uebergabe der Leitung des Königliehen Konservatoriums in Den Haag hielt der neue Direktor Sem Dresden eine Ansprache, in der er als wichtigste Aufgaben die geeignete Ausbildung der großen Talente, die Vorbereitung für die mechanische Musik (Radio, Grammophon, Film) und die Operngcsangsausbildung bezeichnete. » Nach einer fünfundsechzigjährigen Bühnenlaufbahn Ist 'die Schauspielerin Esther de Boer-van Rijk im Alter von 84 Jahren in Amsterdam gestorben. Sie kam Jung zur Bühne, spielte anfangs naive Rollen und wurde später die beliebteste Charakterdarstellerin der hollänaischen Bühnen. Ihre großen Erfolge erzielte sie, als sie seit dem Jahre 1808 mit dem Dramatiker Herman Heijerinans zusammen 711 arbeiten begann. In seinen Stücken spielte sie meist die Hauptrolle. Berühmtheit erlangte sie als ״Kniertje“ in ״Op lioop ap zogen״ (Hoffnung auf Segen). Gelegentlich ihres fünfzigjährigen Bühnenjubiläums iin Jahre 1921 erhielt sie die silberne Medaille der Stadt Amsterdam und im Jahre 1913 konnte sie zuerst ihren achtzigsten Geburtstag und kurz darauf ihr seehzigjäliriges Bühnenjubiläum tm Amsterdamer Stadttheater unter allgemeiner Anteilnahme begehen. Sic war Ritter im Orden von Oranje-Nassau und im belgischen Kronenorden. Noch im vorigen Sommer konnte sie eine Reise nach Palast™ unternehmen, von der sie mit tiefen Eindrücken vom jüdischen Aufbauwerk zurückkehrte, Die holländische Presse widmet der verstorbenen Bühnenkünstlerin lange Artikel, die von ihrer großen Volkstümlichkeit zeugen. Eine Neunzigjährige. Unser Wiener J. R.-Berichtersfyt• ter schreibt uns: Eine der bedeutendsten Gestalten der öster* reichlichen Frauenbewegung, Frau Regine U 11 m a n n, hat dieser Tage in seltener geistiger und körperlicher Frische Ihren 90. Geburtstag gefeiert. Alles, was in der Fratienbewe* gütig, in der sozialen Arbeit für Mädchen und Frauen in Oesterreich führend ist — vom Altbundespräsidenten Dr. Michael H a i n i s c h, mit dessen verstorbener Mut* ter M a r i a n n e Hainisc 11, die Jubilarin zusammenarbeitete, bis zu den öffentlichen und privaten karitativen Organisationeri, einschließlich der jüdisch-sozialen Körperschaften —, hatte sich im Hause der wiener Kaufmannschaft am Schwärzenbergplatz cingcfunden, um in einer schlichten Feier Frau Regine ullmann zu ehren und für ihre bahnbrechende Arbeit zu danken. Ausblidungslehrgang für Anstaltserzleher. Die Reich»• Vertretung (Abt. Zentralwohifahrtsstelle) macht darauf aufmerksam, daß sie gemeinsam mit dem Jüdischen Wohl• fahrts- und Jugendamt Berlin einen einjährigen Ausbildung»• lehrgang für Anstaitserziehcr und -erzieherinnen veranstalt«. Der Lehrgang beginnt Anfang Januar und *oll eine Au»• Bildung in Theorie und Praxis der jüdischen Anstaltsarbeit zur Vorbereitung für eine hauptberufliche Tätigkeit um• fassen. Als Mindcstauinahmealter gilt das vollendete 20,, als Höchstaufnahmealter das 35. Lebensjahr. Nur in Ausnahmefällen kann von dieser Altersbegrenzung abgewichen werden. Voraussetzung zur Aufnahme ist mindesten* die mittlere Schulreife, Ausbildung in einem anderen Beruf oder Abiturientenexamen und Ausübung einer praktischen Tätigkeit, ln besonderen Fällen kann von diesen Vorbedingungen ab• gesehen werden. Dem Lehrgang soll eine Vornraxis von drei Monaten in einer jüdischen Anstalt vorausgehen. Der Au»- bildungslehrgang wird in Berlin abgehalten, die Teilnehmer werden in jüdischen Anstalten während der Zeit de» Lehr• fanges untergebracht. Die Vorpraxis kann auch außerhalb eriins geleistet werden. Auf hebräische Sprachkenntnisse wird besonderer Wert gelegt; die Teilnehmer sollen vor Eintritt in den Lehrgang mindestens hebräisch lesen und schreiben können. Bewerbungen um die Teilnahme sind bis spätestens 15. September unter Einreichung eines Leben»• laufs, Zeugnisabschriften über Ausbildung und bisherige berufllche Tätigkeit an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle, Berlin-Charlottenbürg 2, Kantstr. 158, zu richten. Kurznachrichten aus aller Welt Die anläßlich de» Beginnes des Schuljahres von nationalradikalen Abteilungen organisierte Boykottierung jii* dis eher Buchhandlungen in Warschau wird fortgesetzt. Die Polizei läßt es zwar nicht zu, daß die Posten sich unmittelbar vor den Geschäftseingängen aufstellen, doch patrouillieren diese ununterbrochen in dem Buchhändlcrviertel und halten die Käufer vom Betreten der Geschäfte ab. An einem der letzten Tage fuhr Ministerpräsident Sk lad; kowski mit dem Warschaucr Wojwoden Jaroszewski zweimal durch die Straße, in der die jüdischen Buchhandlungen sich befinden, um sich persönlich von der Situation zu überzeugen. Anläßlich des bevorstehenden Kongresses der Aerzte Polens hat In Krakau eine Versammlung de» dortigen Aerzteverbandes stattgefunden, an der etwa 400 Aerzte teil* nahmen. Ein Antrag, im Verband den Arierparagraphen einzuführen, wurde mit einer Mehrheit von 250Stimmen abgelehnt. Professor Norman Bentwich weilte kürzlich in Warschau, ln einer geschlossenen Gesellschaft wurde Prof. Bentwich von den Mitgliedern des Präsidiums der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität empfangen. Der Kulturverband Tarbut eröffnet zum neuen Schuljahr hebräische Lehrerbildungsanstalten in Wilna und in Grodno. Das hebräische Lyzeum in Brest-Litowsk hat Oefientlichkeltsreclit erlangt. Das litauische Unterrichtsministerium hat beschlossen, den höheren jüdischen Schulen in diesem Jahr eine Beihilfe von 148 000 Lit (etwa 5000 Pfund) aus Regieningsmitteln zu gewähren. Der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben G Urion, der nach der Züricher Council-Tagung geineinsam mit den Vertretern der amerikanischen Zionisten und der nichtzionistischeil Mitglieder der Jewish Agency nach Amerika gereist war, trat am 11. September die Rückreise nach Europa an, um sich nach London und Gent zu begeben. Zwischen dem Präsidenten der Rcichsrechtsanwaltskam* mer und der Reichsbetriebsgcmclnschaft ״Freie Berufe“, Fachgruppe Anwalts- und Notariatsangestellte in der Deutschen Arbeitsfront, ist eine Vereinbarung über die Ausbildung deutschbiütiger Lehrlinge in jüdischen Anwalts- und Notariats kanzlcien getroffen worden, die an die Arbeitsämter wcitergeleitet werden soll. Hiernach sind die Lehrlinge nur auf Grund einer ordnungsmäßigen Lehrzeit bei einem deutschen Anwalt zur Gehilfenprüfung zugelassen. Lehrlingen, die nach dem 1. April 1937 die Lehrzeit im Büro eines niclitarischen Rechtsanwalts begonnen haben, wird es nicht gestattet, eine Prüfung abzulegen, Inwieweit Lehrlinge, die vor diesem Termin bei nichtarischen Anwälten ausgebildet worden sind, zur Prüfung zugelassen werden, wird noch bestimmt. Die Anordnung bezieht *ich ausschließlich auf jüdische Rechtsanwälte Irr» Sinne der Nürn״ berger Gesetze. Das Stoffhaus Michels & Cie., Berlin, hat seinen Be־ sitzer gewechselt. Käufer ist Henry S. Thomas. Vor kurzem wurde auf Grönland eine Metallkugel entdeckt, die von der A n d r 6 e - Ba 11 on - F. x pe <1 It ion nach dem Nordpol, die im Jahre 1897 unternommen wurde, stammt Die Kugel enthielt einen Bericht von der Expedition, unter* zeichnet von dem Führer Andrde und den beiden Mitfahrern Strindberg und Fränkel. Später gingen, wie bekannt, alle drei nach ihrer Landung auf dem Eis im Schneesturm zu• gründe. Der Expeditiousteilnehmer Fränkel war Jude. Der Geiger Stefan Frenke!, der seit einem Jahr den ersten Konzertmeisterposten an der Metropolitan Oper in New York bekleidet, wurde von der Schallplattcn-Firma ״Musicraft“ in New York für eine große Zahl Grammophon- Aufnahmen verpflichtet. Bis jetzt sind folgende Platten herausgekommen, die Frcnktl zusammen mit Dr. Ernst Victor Wölfl (Cembalo) gespielt hat: Bacii: Suite in A-Dur, Fuge in G-Moll; Purcell: Sonate G-Moll. Budapester jüdisches Leben Von unserem Berichterstatter Budapest, 10. September Der fünftägige Budapester Besuch Dr. David Pratos, des Oberrabbiners von Rom und seiner Familie, von deren Ankunft wir schon eine kurze Notiz brachten, gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis für die hiesige Jadenheit. Dr. Prato, der als Oast der Pester Israelitischen Gemeinde hier weilte, besuchte vor allem die Institutionen der Gemcinde und der Chevra und drückte «eine Bewunderung über deren mustergültige Leitung aus. Die zionistischen Kreise der Hauptstadt versammelten sich Dr. Prato zu Ehren im Herzl-Saal der Pro-PalSstina-Verelnigung. Nachdem Dr. Patai den Gast in hebräischer Sprache begrüßt hatte, überbrachte Dr, J. M i k 16 s die Grüße der Zionistischen Vereinigung, Dr. B. Szegö die des Keren Hajessod, Frau M. Bisseliehe» die der Wizo, Univ.-Prof. Dr. j. Donath die der ״Freunde der Universität“. Dr. Prato, der sich während seines Aufenthaltes fast ausschließlich der hebräischen Sprache bedient hatte, antwortete in längeren Ausführungen. Eine Woche später konnte die Pro-Paiästina-Vereinlgung wieder einen Oast begrüßen: Prof. Dr. Rani. Klein von der Hebräischen Universität, der zur Kur in der Heimat weilte. Prof. Klein gab in klarer, lehrreicher Darstellung eine Uebersicht über die Entstehung, Organisation und heutige Lage der Jerusalemer Universität. Generaldirektor Dr. Bels Szegö, der als Delegierter der Nichtzionisten an der Council-Tagung der Jewish Agency in Zürich teilgenommen hatte, hielt ein Referat über diese Beratungen, aas in der Feststellung gipfelte: in der Arbeit fiir Palästina gebe es keine Unterschiede zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Univ.-Prof. Julius Donath, der 86jährige Vorsitzende der Universitätskommission, antwortete auf den Vortrag Prof. Kleins und forderte ebenfalls zur Unterstützung der ״Freunde der Universität“ auf. Die interessant redigierte Halbrnanatsrevue: Szombat (Schabbat) feiert da» Jubiläum ihres zehnjährigen Bestandes. Aus diesem Anlaß wird ihr Redakteur, Dr. Eduard Kur* 1 änder-Kentz. der auf eine 40jährlge publizistische Tätig• keit zurückblickt, von allen Kreisen des jüdischen und nichtjüdischen öffentlichen Lebens begrüßt, Rosch Haschanah erschien pünktlich das vom Leiter der jüdischen Lehrerpräparandie, Oberstudienrat Dr. Samuel Sieme re, redigierte 59. Jahrbuch der Israelitischen Ungarischen Lfteraturgesellschaft. Aus dem reichhaltigen Inhalt seien hervorgehoben die Beiträge allgemein-jüdischen Interesses, Rektor Dr. Michael Outtmann weist hin auf die Berührungspunkte fremder Rechtssysteme im Talmud, wobei auf manche Probleme in Shakespeare* Shylock neue Lichter fallen, Prof. Samuel Krau•* (Wien) behan• delt die abessinische Abart der Königin von Saba-Sage; Univ.־ Prof. Ignatz Künos bearbeitet semitische Beziehungen der türkischen Folklore, der junge Forscher Sigmund Telegdf den Weg der semitischen Schrift vom Atlantischen zuni Stillen Ozean, Prof. B. Kohl b ach stellt die vielfachen Bedeutungen der Berge, Felsen und Hügel in der Bibel zusammen. fr. St. Hann schreibt über jüdische Sekten im talmudisehen Zeitalter, Dr, Rafael Patai entwirft ein Panorama de* heutigen Palästina, dem auch ein dichterischer Beitrag ewidmet ist. In der geschichtlichen Jahresrevue von Prof, h. Orünwald nehmen die bedeutungsvollen Ereignisse in Erez Israel natürlich den breitesten Raum ein. — Die Berichte über die Entwicklung des Jüdischen Landesmuseums beichließen den Band. __ Dr. A. F, Neu• Ausschreitungen In Polen Warschau,!2, September. (JTA.) Aus zahlreichen Ortschaften, insbesondere aus Kielce und Radom, werden neue judenfeindliche Ausschreitungen gemeldet. Die halbamtliche Agentur ״Iskra“ *teilt fest, daß die von na* tionaldemokratlschen Zeitungen verbreitete Meldung, Juden hätten ein polnisches Dorf ln Brjnd gesteckt, Jeder Begrün• düng entbehre. In dem betreffenden Dorf sei nur ein Haus abgebrannt, Der Brand *ei durch Unvorsichtigkeit ent* standen, ln den le'tzfen Tagen häufen sich die Uebcrfälle auf jüdische Passanten ln Lemberg. Auf den Haupt- Straßen wurden wiederholt Juden am hellen Tage miß* handelt. In Bromberg wird die Straße von Ter* roristen beherrscht. Die Juden vermeiden es, am Abend auszugehen. Ein jüdischer Industrieller, der schwer mißhandelt worden war, hat seine Fabrik geschlossen und die ln ihr beschäftigten Arbeiter entlassen. Diese haben daraufhin eine Abordnung zu dem Kreisgouverneur entsandt und an den Ministerpräsidenten ein Schreiben gerichtet, In dem gebeten wird, den Gesetzwidrigkeiten In Bromberg ein Ende zu machen. Auf dem jüdischen Friedhof In Andzijewo bei Czyzew wurden neun Grabsteine zer* trümmert. Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter H.R. Stockholm, 12. Sept Die Stockholmer Zionistische Vereinigung veranstaltete einen Vortragsabend, bei dem die beiden skandinavischen De״ legierten Dozent Hugo Valentin (Upsala) und B. Slor (Kopenhagen) über ihre Eindrücke vom Züricher Kongreß sprachen. Beide Redner konnten für die Ausführungen anhaltenden Beifall der übe/fiillten Versammlung entgegennehmen, an die sich eine lebhaft angeregte Diskussion schloß. Die seit drei Jahren hier wirkende Sängerin Maria Spilga erntete für ihre Mitwirkung bei den Ruinfestspiele« in Wisby, wo sie Operarien vortrug, großen Beifall. Prof. David Katz hielt an der Stockholmer Hochschule •eine Antrittsvorlesung vor einem großen Auditorium. Meldepflicht für Apotheker. Der Leiter der Reichsapothekerkammer hat folgende Verordnung erlassen: Nach der Reichsapotheker-Ordnung vom 18. April 1937 unter•! •tehen: 1. alle deutschen Apotheker, 2. Personen, die sich auf den Apothekerberuf vorbereitet!, sowie vorgeprüfte Assistenten, soweit und solange sie in Apotheken tätig sind, der am 1. Juli 1937 geschaffenen Reichsapothekerkammer. Sie sind verpflichtet, sich umgehend bi* spätestens zum 15. September 1937 schritt* lieh bei ihrer Bezirksapothekerkammer und, falls diese ihnen nicht bekannt ist, bei der Reichsapothekerkammer in Berlin W 15, Kurfürstendamm 211, zu melden, zur Vermeidung der Festsetzung eines Zwangsgeldes bis zur Höhe von 300 RM. Alle approbierten Apotheker sind meldepflichtig, gleichgültig, ob sie in Apotheken oder anderweitig tätig sind, und aucn dann, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Die* gilt auch für verheiratete Apothekerinnen. Von der Meldepflicht befreit sind nur die im Dienste der Wehrmacht stehenden Apotheker. Ein berühmter jüdischer Kunstsammler. Unser Wiener J. R.-Berichterstatter schreibt uns; Erevv Rosch Haschanah ist in Preß bürg, seinem letzten Willen entsprechend, der berühmte Kunst• und Antiquitätenhändler Leopold S a t o r f zu Grabe getragen worden. Der unter tragischen Umständen erfolgte Tod Leopold Satoris hat einem vielbewegten, von ungewöhnlichen Erfolgen gekrönten Leben ein Ende gesetzt. Als einjähriges Kind war Leopold Safori mit seinem Vater, einem Trödler, von Preßburg nach Wien gekommen. Schon sein Vater erreichte bald den Aufstieg vom Altwaren• händler zum Einkäufer des Hauses Nathan ief Rothschild. Leopold Safori aber gelingt es dann in einer beispiellosen Karriere schon in sehr jungen Jahren, sich zu einem der größten Kunst- und Antiquitätenhändler der Weit empor• zuarbeiten. Seine Kunstsammlung, die einzigartige Kunstschätze von seltener Schönheit enthielt, erlangte im Laufe der Jahre Weitruf. In seinem Hause, in einem der ältesten Wiener Stadtteile bei der Franziskanerkirche gelegen, trafen sich seinerzeit die Elite des geistigen und gesellschaftlichen Wien, Mitglieder der kaiserlichen Familie und Repräsentanten der europäischen Kunstwelt. Leopold Satori war drei Jahrzehnte hindurch auch Gerichtssachverständiger, der zahlreiche Gutachten Über Millionenwerte zu erstatten hatte. Von seinem Honorar hat Satori nie etwas für sich behalten. Es wurde von Satori zur Hälfte für das St. Anna-Kinderspital und zur anderen Hälfte fiir das jüdische Waisenhaus bestimmt. Die letzten Jahre, insbesondere nach der Scheinblüte der Inflationszeit, brachten auch das Unternehmen Satoris ins Wanken. Krankheit tat ein übriges. Sein Haus mit der weitberühmten Kunstsammlung mußte schließlich schon vor einem .... Tod erlöst worden. Mfsrachl-Tagungc«. Eine Tagung der Madrichlrt des Bachad, die im mittleren-Hachscnarah- und Jugend-Alijah* Werk arbeiten, findet am 22. und 23. September in Leipzig, Elsterstr. 7, statt. Es werden sprechen: Seew Berlinger, Bomsdorf. über ״Weg und Ziel der Erziehung in der Mittleren-Hachscharah“, Arjeli Händler über den inneren Aufbau der Jugend-Alijah, Josef Burg über die Jugend-Alijah-Konferenz in Zürich. — Die Moezah der Tnuat Thora wa'Awodah (Zeire Misrachi, Bachad, Brit Hanoar) wird am 23. September, 15 Uhr, in Leipzig, Elsterstr. 7, eröffnet und dauert bis zum 25. September. Neben den Fragen der Mittlcren-Hachscharah und Jugend-Alijah sowie einem Arbeitsbericht der Hanhalot wird die Stellungnahme zu den aktuellen politischen Problemen des Zionismus besprochen werden. Außerdem werden ein Referat über den ״Judenstaat“ als Erziehungsproblem und ein halachisclies Referat über die Schmittah-Frage gehalten werden.