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Jüdische Rundschau · 1937-09-14 · Heft 73 (14.9.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 73 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 73,14. IX. 1937 jüdische Rundschau Seite 5 werden können, abgesehen von irgendwelchen Möglichkeiten im arabischen Palästina. Es ist richtig, daß die Furcht der Araber Transjordaniens vor jüdischer Infiltration und An- Siedlung dazu geführt hat, wirtschaftliche Entwicklungen großen Maßstabes in diesem Gebiete zu verhindern. Die Araber Transjordaniens haben es vorgezogen, in ihrer alten Weise zu leben. Aber sic würden einen ganz anderen Standpunkt annehmen, wenn Geld für die Erschließung Trans- Jordaniens aus der Tasche jemand anderes käme und wenn sie wüßten, daß die Erschließung zugunsten der Araber geschieht. Ich glaube darum, daß wir mit Recht hoffen können, außerhalb des für den jüdischen Staat vorgeschlagenen Gebietes Raum für eine wesentlich größere arabische Bevölkerung und für wirtschaftliche Entwicklung der Araber zu finden, insbesondere in Transjordanien. Was den Negew betrifft, so sind die in unserem Besitz befindlichen Feststellungen notwendigerweise spärlich. Es wurden Brunnen gebaut, aber man hat gefunden, daß das Wasser salzig ist. Der Negew ist jetzt ein Land, wo eine von den Wissenschaftlern sogenannte Symbiose von Mensch1 und Kamel besteht, das heißt, daß der Mensch auf das Kamel angewiesen ist. Es ist ein Beduinenland, wo das Kamel leben und ziemlich zweifelhaftes Wasser trinken und für seinen Herrn Wasser tragen kann. Beide wandern umher, dahin, wo das Kamel weidet. Es ist ein trockenes, wenn auch nicht durchaus wüstes Land mit geringem Regenfail. Ich glaube, wir können nicht damit rechnen, daß Süd-Palästina, südlich von Beersheba bis zum Golf von Akaba, jemals (wenn nicht Mi 1110• nen Ptund für Wasserleitungen aus Mittel- Palästina aufgewendet werden) ein Gebiet wirklich intensiver oder halbwegs intensiver landwirtschaftlicher Entwicklung werden kann. Wenn jemals, so war hier eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit von Juden und Arabern. Jetzt ist der Negew ein vollständig arabisches Gebiet; wenn es in Zukunft Frieden geben wird, könnte dort Zusammenarbeit stattfinden. Aber der Gedanke, dieses Gebiet hier und jetzt einem abgetrennten jüdischen Staat anzuschließen, muß, wie ich glaube, ausgeschaltet werden. Wenn wir bei irgendeinem Teilungspian praktisch Vorgehen wollen, dann ist es das erste, den jüdischen Staat zu einem möglichst kompakten Gebiet mit einer bestimmten einheitlichen Grenze zu machen, Akko Zu dem Anschluß von Akko an den Judenstaat führt der Minister aus: In der Stadt Akko leben 8350 Araber und nur 250 Juden. Unmittelbar nördlich von Akko gibt es einen geschlossenen arabischen Distrikt. Dieser Distrikt und das dicht bevölkerte Akko bilden einen wesentlichen Teil der sehr großen arabischen Minderheit, die in dem Judenstaat unter jüdische Herrschaft gestellt werden soll. Dagegen haben wir damit zu rechnen, daß die Juden bei der Be- Schränkung des Gebietes möglicher landwirtschaftlicher Siedlungen und unter dem Druck der Verhältnisse in Europa zu industrialisieren genötigt sein werden; der offenkundige Platz für diese Industrialisierung ist die Haifa-Akka- Bucht. Sie besitzen bereits fast den ganzen Boden zwischen Haifa und Akko, einem früher rualariaverseuchten Gebiet. Jetzt haben sie es entwässert und besiedeln es. Rings um die Bucht von Haifa wachsen neue jüdische Industrien aus dem Boden, die sich notwendigerweise auf den Hafen stützen, den einzigen wirklich guten Hafen Palästinas. Jerusalem Ueber Jerusalem bemerkte Ormsby-Gore, es würde nicht leicht sein, den modernen jüdischen Teil der Stadt den Juden zu überlassen. Die Sache ist im einzelnen noch nicht untersucht worden, aber sie strotzt von Schwierigkeiten. Warum? Weil sie eine weitere Reihe komplizierter Grenzen bedeutet. Wie die Mandatskommission weiß, ist die Heilige Stadt, d. h. Alt-Jerusalem innerhalb der Stadtmauern, ein Ort, wo Christen, Mohammedaner und Juden durcheinander gemischt sind. Sogar in Groß-Jerusalem, dem neuen Jerusalem, ist es schwer, ein einheitlich jüdisches Gebiet zu finden, ohne Mohammedaner, ohne ausländische Niederlassungen, ausländische christliche Siedlungen, Klöster und andere Stätten europäischer religiöser rden, Griechen usw. Darum ist das Problem, der jüdischen Forderung nach einem bestimmten Element jüdischer Souveränität in oder bei Jerusalem zu entsprechen und damit den Schrei von einem ״Zionismus ohne Zion“ zu beseitigen, praktisch ein sehr schwieriges Problem, das sich in seiner Kompliziertheit mit dem Problem von Jaffa vergleicheu läßt. Haiia In bezug auf Haifa wies Minister Ormsby-Gore darauf hin, daß Juden und Araber dort zahlenmäßig annähernd gleich stark sind. Haifa ist jetzt eine große Stadt mit über 100 000 Einwohnern; wenn es dort auch ein wenig mehr Juden gibt als Araber, ist die Ueberzah! sehr gering und die Bevölkerung sehr gemischt. Den Rest machen fremde Nationalitäten aus; denn Haifa ist die Handeishauptstadt Palästinas. Es hat den einzigen wirklich guten Hafen; es ist der Endpunkt der Oelleitung auf dem Irak, wo Schiffe nicht nur Oel übernehmen, sondern in absehbarer Zeit zweifellos auch zur Aufnahme von Brennstoff anlaufen werden. Es ist also, wir müssen auch diese Tatsache in Betracht ziehen, der strategische Schlüssel zu Palästina. Es ist das Zentrum des Eisenbahnwesens Palästinas, die Eisenbahnwerkstätfen befinden sich dort, Es ist der Hafen Trans- Jordaniens. Der größte Teil des Verkehrs nach und von Palästina geht über Haifa, wenn es auch einen Verkehr über Jaffa und einen kleinen über Gaza gibt. Es ist durchaus Klar, daß in Haifa mit all den unvermeidlichen Komplikatiouen in bezug auf Zölle und ähnliches ein besonderes Regime eingeführt werden muß. Zollfragea Zu der Frage der Zollgrenzen führte Ormsby-Gore aus, daß zur Zeit von einer arabisch-jüdischen Zollunion nicht die Rede sein könne und daß darum im Hinblick auf die Teilung und das System von Enklaven die einzige mögliche Lösung die sei, der britischen Mandatarbehörde die Bildung einer Zollunion mit den einen oder den anderen zu gestatten. Dann werde es wenigstens nur zwei Zoll- Systeme und nur eine innere Zollschranke zwischen dem jüdischen und dem arabischen Staat geben. Die Greazkommission Der Minister behandelte sodann die Einsetzung einer Grenzkoni mission. Er erklärte, er verstehe unter einer internationalen Grenzkommission eine solche, die nicht ausschließlich aus britischem Personal besteht, und die vom Völkerbund und nicht von der britischen Regierung eingesetzt ist. Er glaube, daß die Grenzkommission, gleichgültig ob sie rein britischen oder internationalen Charakter tragen werde, einen jüdischen und einen arabischen Beisitzer haben solle; die Entscheidungen aber sollten von einer Körperschaft getroffen werden, die weder jüdisch noch arabisch ist. Dieses System sei auch bei der Festsetzung der Grenzen des Irak angewandt worden. Präsidenten-Wahlkampf in Brasilien Die Judenfrage in der politischen Debatte Von unserem Berichterstatter Säo Paulo, 4. September Das gesamte öffentliche Leben Brasiliens steht im Zeichen des Wahlkampfes um die Präsidentennachfolg e. Die Wahl ist auf den 3. Januar 1038 angesetzt und seit etwa drei Monaten bereits tobt der Wahlkampf in aller Schärfe. Die Zeitungen werden in ständig zunehmendem Maße zu Propagandamitteln, der Rundfunk stellt ganz im Dienste der verschiedenen politischen Gruppen und es gibt wohl keinen Lebensbereich, der von der Schärfe dieser Auseinandersetzung unberührt bleibt. Dem, der in den politischen Begriffen Europas zu denken gewohnt ist, bietet dieser Wahlkampf ein ungewohntes Bild. Hier fehlen die politisch-ideologischen Kontraste, die die Wahlkämpfe in den europäischen Ländern bestimmen, Parteien im europäischen Sinne existieren nicht, die politischen Gruppen formen sich unter ganz anderen Gesichtspunkten als in Europa. Das brasilianische Bundesparlament kennt keine politisch-ideologischen Fraktionen; der Deputierte ist vor allem der Vertreter seines Staates und sieht ausschließlich unter diesem Gesichtspunkt die Angelegenheiten der Bundespolitik. So spielet! beim Zustandekommen von Mehrhcitsbeschlossen im Bundesparlameiit politisch-ideologische Fragen fast gar keine Rolle; entscheidend sind dabei fast immer die Sonderinteressen der einzelnen Staaten. Es geht nicht uni links oder rechts, es gellt um die kaffeepolitischen Wünsche des Staates Säo Paulo, um die Gummipolitik der Amazonas- Staaten, um die Interessen der Landwirtschaft in Rio Grande do Sul. Zwischen diesen Interessengruppen gibt es tiefgehende Gegensätze, die ihre Ursache in der Verschiedenartigkeit ihrer wirtschaffspolitischen Absichten haben. Die am Export interessierten Kreise müssen natürlich eine andere währungspolitische Linie verfolgen als beispielsweise die Kreise der Paulistaner Industrie. Für diese ist ein hoher Milreiskurs die entscheidende Vorbedingung, jene sind am möglichst niedrigen Milreisstand aus Gründen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit interessiert. So ergehen sich tietgehende wirtschaftliche Gegensätze, die sich politisch in die Form von Spannungen zwischen den verschiedenen Einzelstaaten kleiden, ein Zustand, der von der föderalistisehen Bundesverfassung weitgehend begünstigt wird. Diese Spannungen müssen sich um ein Vielfaches verschärfen, wenn die Nation vor eine so schwerwiegende Frage wie die der Neuwahl des Bundespräsidenten gestellt wird. Denn in der Person des Präsidenten, dem die Verfassung eine fast nordamerikanische Machtvollkommenheit einräumt, liegt das wirtschaftliche Schicksal der einzelnen Bundesstaaten besiegelt. Daraus erklärt sich der außerordentlich intensive und heftige Wahlkampfbetrieb, der die brasilianischen Präsidentenwahlen charakterisiert. Die starke politische Spannung, unter der das ganze Land zittert, stellt den hier!ebenden Ausländer vor eine doppelt delikate Situation. Von ihm wird — mit Recht — erwartet, daß er gegenüber dieser Schicksalsfrage der brasiiianischen Nation die Zurückhaltung übt, die dem Gast im fremden Hause zukommt. Er hat das Recht, zu dieser Auseinandersetzung zu schweigen. Der Brasilianer verzichtet aut die Stellungnahme des Ausländers zu dieser Frage und verbittet sich — auch im privatesten Rahmen — seine Eininischung. Erfreulicherweise legt sich die jüdische Emigration in dieser Hinsicht die allergrößte Zurückhaltung auf. Die eingewanderten Juden folgen mit Achtung und Interesse diesen Vorgängen. Das ist um so verständlicher, als es in diesem Wahlkampf auch nicht an antijüdischcn Argumenten fehlt. Derartige Angriffe richten sich vor allem gegen den Kandidaten und ehemaligen Gouverneur des Staates Säo Paulo, Armandes Salles de Oliveira. Sie kommen aus dem Lager der sogenannten Integralisten. In einem Teil der integraiistischen Presse wird Salles de Oliveira als der ״Kandidat der Synagoge“ bezeichnet und behauptet, daß er und seine Frau jüdischer Abkunft seien. Inwieweit diese Behauptung der jüdischen Abkunft zutrifft, läßt sich nicht nachprüfen; richtig ist jedoch, daß der Gebtirtsname der Frau dieses Staatsmannes — Rachel Mesquita — ein typischer Marannenname ist Die antisemitischen Angriffe gehen von dem integraiistischen Flügel um Gustavo ־ B a r r o so aus. Aus der Feder dieses Marines erscheinen neuerdings auch Biichcr, die die Judenfrage zum Gegenstand haben. Nunmehr holt die Salles de Oliveira nahestehende Presse zum Gegenschlage aus und behauptet, daß Gustavo Barroso ein juda sei und in Wahrheit Gustav Barucli heiße. Diese Auseinandersetzungen stellen in der brasilianischen Puhlizistik ein Novum dar. Es ist zwar richtig, daß die antijüdische Propaganda Widerstand findet, — trotzdem wäre es ein Fehler, diese Erscheinungen zu bagatellisieren. Andererseits wäre es verfehlt, die hiesige anti jüdische Pronaganda in ihrer Bedeutung zu überschätzen. Sie stellt Keine akute Gefahr für den jüdischen Bevöikerungsteil dar und hat wohl auch kaum Aussicht, in absehbarer Zeit zum Bestandteil der brasilianischen Innenpolitik und Verwaltungspraxis zu werden. Dagegen ist cs keineswegs ausgeschlossen, daß diese Tendenzen ihren Niederschfag in der künftigen Handhabung der Einwan• derungsbestimmungen finden werden. Das wird im wesentlichen davon ahhängen, welchen Einfluß diese Wahlpropaganda auf den Walilaiisfal! haben wird. Sicher ist, daß der Kandidat der Integralisten, Plinio Salf a do, keine Aussicht hat, gewählt zu werden; ebenso sicher aber ist, daß die Zählung der Stimmen am 3. Januar 1Q3S ein beträchtliches Anwachsen dieser Bewegung erkennen lassen wird. Die Integralisten führen den Wahlkampf mit bemerkenswertem Geschick und erstaunlicher Intensität, veranstalten allerorts gut organisierte Aufmärsche und verfügen überhaupt über Propagandamittel, die ihren Eindruck aut die Wählerschaft sicher nicht verfehlen werden. Mehrere Aufmärsche haben mit blutigen Zusammenstößen geendet, die eine ganz.e Anzahl von Todesopfern gefordert haben. Erst vor einiger! Wochen kam es in Säo Paulo anläßlich einer integraiistischen Parade zu einer größeren! Schießerei, bei der ein unbeteiligter Zuschauer — ein litaui* scher Jude — durch eine verirrte Kugel getötet wurde. Die entscheidende Auseinandersetzung bei diesem Wahlkämpf geht um die Namen Salles de ()•liveira und Jose Americo. Salles de Oliveira ist der Kandidat der Regierung des Staates Säo Paulo, Jose Americo der Kandidat der Bundesregierung. Beide Männer sind Persönlichkeiten bedeutenden Formats, die ihre staatsmännisclien Qualifikationen — der eine als Gouverneur des Staates Säo Paulo! der andere als Bundesminister — unter Beweis gestellt haben, fn ihrer Haltung in diesem Wahlkampf liegt eine echte, über- Iegeue Würde, ihre Reden und Schriften weisen ein achtungsgebietendes Niveau auf. Sollte Salles de Oliveira gewählt werden, so ist damit zu rechnen, daß die Einwanderung■®- esetzgebung eine beträchtliche Lockerung erfahren wird, chon als Gouverneur des Staates Säo Paulo hat dieser Staatsmann wiederholt und mit allem Nachdruck eine Er- Weiterung der Einwanderungsgesetzgebung gefordert; von Jos6 Americo dagegen ist eine Stellungnahme zu dieser Frage! bisher nicht bekannt geworden. Es wäre verfrüht, eine Prognose für den Ausfall der Wahlen zu stellen. Die Fronten haben sich noch nicht schart genug abgezeichnet, alles ist noch zu sehr im Fluß, als daß sichere Anhaltspunkte für die Abschätzung der Wahlaussichten gegeben wären. Sicher aber ist — der neue Präsident mag Salles de Oliveira oder Jose Americo heißen — daß die Staatsführung in den verfassungsmäßigen Gleisen fortgeführt werden wird. Dr. H. B. Die Diskussion über die Einwanderungsbeschränkung Bei der Erörterung der Einwanderung nach Palästina erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, Prof. Rappard, der Beschluß, die jüdische Einwanderung auf tausend Personen monatlich zu beschränken, sei ein klares Abgehen von der früheren Politik. Könne man es mit dem Mandat vereinbaren, die Einwanderung in einer Weise, die in keiner Beziehung zur wirtschaftlichen Autnahmefähigkeit steht, niedrig zu halten? Handle es sich hier um eine U ebergang s maßnah me zur Beruhigung der Araber oder komme darin die künftige Politik der Mandatarmacht für den Fall zum Ausdruck, daß der Teilungsplan nicht verwirklicht wird? Der frühere Chef-Sekretär der Palästina-Regierung, J. H. Hall, antwortete darauf, er glaube, es sei nur eine vorübergehende Maßnahme, um die Empfehlungen der Kgl. Kommission in der Uebergangszeit zur Geltung zu bringen. Er glaube nicht, daß dies mandatswidrig sei, weil in dem Mandat der Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit nicht erwähnt wird. Prof. Rappard wies darauf hin, daß nach dieser Erklärung die Maßnahme für die Zeit des Uebergangs zu einem künftigen Teilungsregime gedacht sei. Was aber werde geschehen, wenn es aus irgendeinem Grunde zu der Teilung nicht kommt? Daß im Mandat von der Wirtschaftliehen Aufnahmefähigkeit nicht gesprochen wird, sei richtig; vermutlich könnte die Einschränkung der Einwanderung als eine Maßnahme hingestellt werden, um die Pflicht der Man• datarmacht, die Einwanderung zu erleichtern, mit ihrer Pflicht, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, in Einklang zu bringen. Die Kommission habe niemals die Ansicht vertreten, daß der Mandatarmacht wegen einer Politik Vorwürfe gemacht werden sollen, die sic für geeignet hält, Arbeitslosigkeit zu verhüten. Wenn aber andererseits aus Gründen der hohen Politik die Einwanderung begrenzt wird, die nach dem Mandat erleichtert werden sollte, dann könne dies kaum mit den Bestimmungen des Mandats in Einklang gebracht werden. Eine vorübergehende Maßnahme und die Ankündigung einer künftigen Politik im Falle der Aufrechtcrhaltung des jetzigen Regimes seien verschiedene Dinge. Der Vorsitzende Orts fragte unter Hinweis auf die Ankündigung der Regierungserklärung, daß die Einwanderung vom August 1937 bis März 1938 aut 8000 Personen beschränkt werden soll, ob die Beschränkung auf 1000 Personen monatlich schon in Kraft sei. Mr. Hall antwortete, daß nach seinem Wissen dementsprechende Instruktionen bereits dem High Commissioner erteilt worden sind. Dazu bemerkte der Vorsitzende, daß danach diese Maßnahme getroffen worden wäre, bevor noch eine Entscheidung über die Zukunft Palästinas gefällt worden ist. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Völkerbund mit Zustimmung der Mandatarmacht die Aufrechterhaltung des Mandates hcscliließen wird. Mr. Hall betonte nochmals, er könne nicht zugeben, daß die Entscheidung der englischen Regierung dem Mandat widerspricht. Auch liie Zahl 8000 sei der Wirtschaftliehen Aufnahmefähigkeit unterworfen. Das Mitglied der Kommission van Asbeck bemerkte, daß von den Juden nachdrücklich betont wird, diese Einwanderungszahl sei völlig unzureichend, um das Jüdische Nationalheim in seinem jetzigen Umfange aufrechtzucrhalten, daß cs dein Wirtschaftsleben der Juden und des Landes überhaupt schädlich sein wurde, wenn an dieser Zahl streng festgehalten wird. Mr. Hall erwiderte, die Zahl scheine nicht, außer Verhältnis zu der durchaus auf der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit aufgebauten Fruhjahrsschedule zu stehen. Bei der Verteilung der 8000 Zertifikate nach Kategorien würden keine politischen Momente maßgebend sein. Ausgewanderte Wissenschaftler Die ״Society for the Protection of Science and Learning'* (früher Academic Assistancc Council) veröffentlicht einen Bericht über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Etwa 800 Wissenschaftler aus Deutschland hatte sie zu betreuen. 464 davon konnten in festen Stellungen untergebracht werdet! und 311 in A u s 1111 f s s t e 11 e n, wo sic ihre Forschungen fortsetzen konnten. Man hofft, daß viele dieser Aushilfsstellen ebenfalls in Dauerstellungen utngcwandelf werden können. Die Wissenschaftler sind auf 43 ver s e h i e d c n e Länder verteilt; in England befinden sich 101 Personen, in Nordamerika 117, in Palästina 43, in.der Türkei 47, in Frankreich 16, in Rußland 15 und in tier Schweiz 11. Die Gesellschaft, so wird in dem Bericht ausgefiihrt, ist in der Lage, ihre laufenden Verpflichtungen zu erfüllen; sie ist jedoch bei ihrem geringen Ueberschufi von C 2106 nicht imstande, neue Verpflichtungen zu übernehmen «der in neuen Notfällen einzugreiren, die sich in den kommenden Jahren ereignen könnten. Der Council for German Je« rv konnte der Gesellschaft keinen Zuschuß für die Arbeit im jahre 1937/38 gewähren. Der Bericht hebt hervor, daß die Gesellschaft auch einigen jüdischen Gelehrten in Oesterreich helfen konnte, denen die Fortführung ihrer Arbeiten unmöglich war. Die panarabischen Nationalisten in M e k 11 e s (Französisch- Marokko) haben gegen das französische Regime Kundgebungen veranstaltet, die in einen Judenpogrom nusarteten. Viele jüdische Geschäfte wurden zum Teil vernichtet, zum Teil ausgeraubt. Die Fremdenlegion schritt gegen die Aufrührer ein. Der United Appeal for Jews in Pol and hat in England eine Aktion zur Aufbringung von 50 000 Pfund für notleidende Juden in Polen eingeleitet

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