Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1937)
- Date
- 1937-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 72, 10. IX. 1937 JOD ISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Wie gestalte ich den Scliabbai? Für Schabbat, 11. September Wochenabschnitt: ״Wajelech" (V. B. M. 31, 1-30.) Haftarah: Hoschea H, 2-10; Micha 7, 18-20; Joel 2, 11-27. Mach der Uebcrlicferung sind die Abschiedsworte Mosches an seinem Todestage, dem 7. Adar, gesprochen, an dem er das hundertzwanzigste Lebensjahr vollendete. Neben die Mahnung, die das ganze Buch Dewarim durchzieht und hier ihren Höhepunkt findet, auch nach seinem Tode nicht die Thora und ihre Gebote zu verlassen, tritt in unserem Wochenabschnitt die begreifliche Aufforderung an das Volk wie an Jehoschua, nicht den Mut zu verlieren: ״Chasak Weemaz“. — Alle sieben Jahre soll die Thora (wie Sota 41 a erzählt, durch den König) dem Volke vorgclesen werden. In Zeiten der Not und der Galuth soll dann das Lied ״Haasinu“, tl*s dieser Ssidra folgt, Zeuge sein, daß die Aufeinander- *Ige von Sünde und Sühne vorausbestimmt und vorausgpsagt wurde (vgl. 31, 19, 21). ׳ Dieser Schabbat trägt den Namen ״Schabbat Schuvva“ nach den Antangsworten der Haftarah ״Schuwa Jisracl“ (Hoschea 14,2). Wir lesen in der Uebcrsetzung zunächst Hoschea 0, 1—10 und dann erst die Haftarah, Kap. 14,2 ff., die gewählt wurde, weil sie von der Umkehr des jüdischen Volkes, aber auch von der verzeihenden Güte Gottes spricht Im Orach Chajim (§ 602, 603) werden verschiedene Gebräuche für die ״Zehn Tage der Umkehr“ gebracht. Man vermehre die Zahl der Gebete, man prüfe seine Taten. Niemand soll während dieser Tage in den Bann gelegt werden (Gieren!), um nicht die ״Kräfte des Gerichtes״ zu stärken. Die Richter sollen auch nicht schwören lassen, weil man bedacht ist, keine Strafe w egen eines unrichtigen Schwures über die Welt zu bringen. Wohl aber entscheide man in Prozessen, um unrecht erworbenes Gut dem richtigen Besitzer zurückzugeben. Für den Brauch des Ta sch lieh, dessen Entstehungsgeschichte nicht klar ist, hat man eine Anlehnung in den Sätzen der Haftarah (Micha 7,19) gefunden (vgl. Jnmim Norairn, Arbeitsplan und Stoffsammlung von B. S. Jacobsohn, herausgegeben von der Rumlesieitiing des Brith Hanoar für Deutschland, Berlin VV 50, Augsburger Sfr. 60, S. 46, Abschnitt 6). Ucber die alte Sitte der ״Kapparoth“ für Erew Jom Kippur, die von manchen Grollen der Halachah abgelebnt wurde, und über die Diskussion darüber unterrichtet Munk: Die Welt der Gebete, Band 2, S. 243 ff. Vom Gebet und seiner Entwicklung ln Anbetracht der hohen Feiertage wollen wir uns über die Institution des Gebetes, dessen Sinn, Entwicklung und Formgestaltung im Judentum unterhalten. Die Wurzel jedes Gebetes liegt zumeist im Zwiegespräch zwischen der Kreatur und ihrem Gotte. Es ist, wie der Psalmist einst sagt (Ps. 55, 171): Ich rufe zu Gott, und der Herr befreit mich. Aus der ursprünglichen spontanen Andacht ist mit der Zeit die feststehende Einrichtung, die feste Form und ein bestimmter Wortlaut des Gottesdienstes entstanden. Diese Entwicklung läßt sich im jüdischen wie int nichtjüdischen Kulturkreis verfolgen, am deutlichsten vielleicht im Islam. Im Judentum ist von jeher der Ton auf Verinnerlichung der Gebete, auf die ״Awoda sche-Balew“, den Gottesdienst mit dem Herzen, gelegt worden. Sowohl das Gebet als Ganzes wie auch die einzelnen Gebete haben sich im Laufe der Zeit verändert. Ursprünglich war auch das Gemeindegebet sehr kurz, aber mit der Zeit erfuhr es verschiedene Erweiterungen, wortreichere Ausführungen und oft poetische Ausschmückungen. Neben dem Gebet war seit jeher die Vorlesung aus der Thora und deren Erläuterung ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes, lieber die Form des Gottesdienstes wissen wir, daß er seiner Best immung nach eia üemcindc)׳otte$dienst ist. Neben dem betenden Individuum spielt die Gemeinschaft als solche eine hervorragende Rolle. Gewisse Gebete setzen sogar eine bestimmte Oelfentlielikeit voraus. Die Betgemeinde wird gewöhnlich aus zehn Personen geformt (Miiijan), ari deren Spitze der Führer und Sprecher (Schaliach Zibbur) stellt. Er ist nicht etwa ein Mittler oder Fürbitter, sondern der Vorbeter, der einst in der Mitte der Gemeinde stand und betete. Erst später bekam er einen abgesonderten Platz, zumeist vor dem Aron ha-koc)csch. 1111 öffentlichen Gottesdienst verrichtete nicht nur der Sprecher das Gebet, sondern die versammelte Gemeinde sekitndierte ihm schon in alter Zeit an bestimmten Stellen. Als die üblichen Responsionen in diesem Zusammenhang gelten die bekannten Worte: Amen (man vergleiche dazu Jereinijahu 28,6) und Hallelujah. Im Tempel, besonders aber beim Kultus des Hohenpriesters am Versöhnungstage, erwiderte die Gemeinde auf jede Eulogie mit den Worten ״Baruch Schern Kewod Malchuto le-Olam Waed“. Der Versöhnungstag galt schon in alter Zeit, obwohl die Form und die Zahl der Gebete noch nicht feststand, als ein Tag mit einem lang ausgedehnten Gottesdienste. Das Charaktenstische an ihn! war das Sündenbekenntnis, das an diesem Tage hergesagt ־wurde und heute einen Teil der Tefilla ausmacht. Man könnte hierzu die biblische Vorschrift über den Sühneakt des Hohenpriesters (Hi. B. M. 16, 21 f.) heranziehen und über den Sinn einzelner Gebete des Tages sprechen. Palästinareisen. Die Berliner Zionistische Vereinigung und der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde veranstalten gemeinsam eine Informationsreise nach Palästina. Die Reise beginnt am 11. Oktober (ab Triest 13. Oktober). Die Rückreise kann innerhalb 60 Tagen nach Belieben angetreten werden. Preis: Berlin—Berlin 560 RM. In diesem Preise sind einbegriffen: Bahnfahrt III. Klasse und Schiffsreise Touristenklasse (Gerusalemme), eine zehntägige Rundreise in Palästina mit Unterkunft in guten Hotels, Verpflegung, landeskundiger Führung, Fahrspesen usw. Auf Wunsch kann ein zusätzlicher Kreditbrief bis zum Betrage von C 8 beschafft werden. — Der Keren Hajessod veranstaltet eine Studienreise nach Palästina, die r, Im Rahme« der Ti*cl1ri•Campagne des Keren Jiajemeth Lejfsrael 5698 sprechen: 11. Sept. In Hellbronn De. Hans Pomeranz, Frankf.-M. ״ Königsberg Dr. Josef Welss, Berlin ״ Mannheim Dr. Hans Capell, Berlin 12. Sept. 18. Sept. 22. Sept. 23. Sept. Göppingen Dr. Hans Capell, Berlin Chemnitz Dresden Ha nnover München Drv.Hans Friedenthal, Berlin Dr. Hans Capell, Berlin Dr. Josef Welss, Berlin Rabb. Dr. Max Nussbaum, Bari Aachen Rabb. Dr. Max Nussbaum, Berll Bruchsal Dr. Grossberger, Heidelberg ,, Dr. Kurt Licht, Mannheim Essen ür. Hans Friodenthal, Berlin Nürnberg Dr. Josef Welss, Berlin Düsseldorf Dr. Hans Friedenthal, Berlin Kaiserslaut. Dr. Kurt Licht, Mannheim ״ Köln Rabb.Dr.Max Nussbaum,Berlin 25. Sept. ״ Wuppertal Rabb.Dr,Max Nussbaum,Berlin t KEREN KAJEMETH LEJISRAEL - Zentral» lür Deutschland l BERLIN W 15 - MEINEKESTRASSE 10 den Teilnehmern Gelegenheit zu gründlichem Studium der wirtschaftlichen Fragen sowohl im nationalen wie im privaten Sektor der Wirtschaft■ geben soll. — Die Reise beginnt ab Berlin am 4. Oktober, ab Triest am 6, Oktober. Preis: 885 RM. Berlin—Berlin, cinschl. Bahnfahrt 2. Klasse, Schiffsreise 1. Kl. und!-!tägiger Rundreise in Palästina. Auf Wunsch zusätzlicher Palästina-Kreditbrief und Bordgeld. Auskünfte und Buchungen für beide Reisen durch: Deutschlaiid-Palästina-Verkehrsgesellschaft, Berlin W 15, Kurfiirstendamm 224, Palestine Express Co., Berlin NW 7, Friedrichstr. 100, Palestine (> Orient Lloyd, Berlin W 15, Meinekestr. 2. — Im Laufe des Jahres 1938 soll eine zweite Studienreise für jüdische Lehrer nach Palästina unternommen werden. Es kommen für die Teilnahme nur solche Damen lind Herren in Frage, die im Schuldienst stehen. Unverbindliche Meldungen an Dr. Siegfried Braun, Kötn-Sülz, Unkel er Str. 17. Die neue Nummer der Zeitschrift ״Zion“ enthält neben einem Rosch Haschanah-Artikel eine Betrachtung über den Judenstaat von Dr. S. Grünberg, eine Würdigung des Kongresses von Dr. Sulzberger, einen Bericht über die Misrachiweltkonferenz, sowie den Schluß der Arbeit von Dr. S. Grünberg über alte und neue Wege der Bibelexegese. Die Zeitschritt kann bei der Unabhängigen Misraclu-Landesorgani־ sation Deutschlands, Berlin W 50, Augsburger Str. 60 (Post- Scheckkonto: 158910 Berlin, Dr. Alfred Lehmann-Sonderkonto) abonniert werden. Erholungsheim für Israelitische Frauen und Mädchen, Baden-Baden, Sitz: Frankfurt a. M. Es ist beabsichtigt, das Erholungsheim im laufenden Jahre bis zum Oktober einschließlich offen zu halten. Anmeldungen an das Heim, Baden-Baden, Werderstr. 24. Oppenheim Das bekannte Spezialhags für Kleiderstoffe Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 115-116 Wollstoffe ־— Samt — Seidenstoffe Ankündigungen aus dem Reich Bochum: ZOG. Vortrag Dr. Ju»cf Neubörger, Düsseldorf, über: ״Der Jüdische Staat — Lude einer Illusion oder neuer Anfang?“ Beginn 20.30 Uhr. — Breslau: Ziuni-tUche Vereinigung. Am 16. September, 20.30 Uhr, Freunde-Sa.il, Xue Graupen,tr. 3-4, Vortrag Dr. Walter Lux: ״Nach dem XX. Kongreß; Nationale Heimstätte oder Judenstaat?'‘ _ Familien - Nachrichten Herr Georg J a c o b s 0 h 11, Königsberg (Fr.), Kaiserstraße 16, bcgeht am 14. September den 75. Geburtstag. Herr David Stein, Gotha, Langegiuse 2, begeht am 30. Scptemlx* den 75. Geburtstag. Krau Berta Wallach, Oberaula (Uersfeld), begeht am 12. Septem• her den 80. Geburtstag. Barmizwah-Termlne: Am 18. September (13. Tischri): Feter Uhlleider, Sohn von Willy UhlfcUler, Nürnberg, Hochstraße 15. — Am 25. September (20. Tischri): Emst Oppenheim, Sohn von Jakob Oppenheim, Wiesbaden, Kückcilstr. 1. Postschlüsse nach Uehersee Berlin: Postamt C 2: Frankfurt am Main: Bahnpostamt 19 oder Flughafen; München! Ba u1po$ tarnt 1 otler 2 T'lughalcn); Hamburg: Postar nt 1; Köln: Ba amt,־ ck׳ ןח 1 ׳ 10 und Flug iafen. Die Sem: jnecn müssen so cmuewoflc n werden da iS sie za Jen angegebene 1 Zeiten bei -n Postschlußani t verliefe ך oder da s S :h;f£ inindesie ns im letzten europäischen 1! aien erru dien können. Pal ä & t 1 n a 10. Berlin 19.30 (11. München J.OO) Ihd in 15. 9. Hnifa 12. Berlin 18.00 (13. München 9.00) Bai m 17. 9. Haifa 14. Berlin 19.30 (15. München 9.30.1 10. 9. Brimhsi 20. 0. Haifa 15. Berlin 19.30 (1(3. München 3.00) Bd nt 21. 9. H.iiia 17 Herb18) 19.30 ״ , München Q.UÖ) h. hn 22. 6. Harta L u f 1 post 11. Berlin 3.00 via Athen ca. 2' Trine 11. Herl in 9.30 (11. München 1 8,00) via Bi indisi ca. 3 Taoe 13. Heil 1 n G.Uu V; .1 A:ht n aa. 21 1 ׳ age 15. Berlin 3.00 via An;,!. n ta. 2! ■, Tage 15. Berlin 9.30 (15. Münchun 1 6.00) via;r:hd!,.n c׳a. 3 Tage 17. Btjliii G.öü via \:mn ca. 2>'2Tage e r einigte S t a a ten von N 0 r da m e r i k a 13. H.nibulg 11 .00 14. Brunn. 1 1 (,.Hrhiu 1“) 20. 9. New York 14. Berlin 3.00 15■ Uurht ׳Ul*; (,.Bi c IlHTl‘•) 20. 9. New York 16. Berlin 3.00 17. Clurb׳ B.’|7r (.,!Bll hi.ind“) 24. 9. New York 18. Berlin 1.00 19. Cherb il״K <״C>׳ umbib") 26. 9. New York L u! t p o 5 t 14. Balm 1, ..00 15. K U h 1 U ■ 3U Flug z ,,Bremen“ 20. 9. New York S ü d a m e r i k 3 14. Berlin 18.30 15. Manchen 9.30 16. Genua 28. Rio: 2. B, Ä. 16. Berlin 18.30 17. Frankfurt 8.00 18. Cherbourg 4. Rio; 8. B, A. 17. Berlin 17.00 18. Frankfurt 8.00 20. Marseiile 5. Rio; 9. B. A, L u f tpost 11. Berlin 13.30 (11• Frankfurt 15.00) via Paris 14. Rio; 15.B. Ä. 15. Berlin 21.00 (15. Frankluit 24.00) 18. <io; 19. B, A, SUd a 1 r 1 k a 15. Köln 21.00 17. Southampton (״Balm cral CU) 4 10. Kapstadt Luf t ון o s t 11. Berlin 6.00 via Athen ca. 8 Tage 13. Berlin 9.30 (13. München 1 8.00) via Brindisi ca. 8 Tage 14. Berlin 0.00 via Athen ca. 8 Tage 25jähriges Amtsjubiläuiti von Rabbiner Dr. Rßsel, Tilsit. Am 1. September feierte Rabbiner Dr. Ruse!, Tilsit, sein 25jäl!riges Amtsjubiläum. 1:111 Vierteljalirhuiidert lang wirkt er in seiner Gemeinde. Schon frühzeitig hat er es verstanden« dem Paiästinagedanken und den Ideen der Renaissance taiseres Volkes auch in seiner Genie!title Eingang zu verschaffen. Im Ostpreußischen Synagogen verbünde, im Nordostdcutscheii Rabbi nerverbande und im Provinzialvcrbaiulc für Wohl* fahrtspflege stand er immer an leitender Stelle. Persönliches. Provinzialrabbi 11er i. R. I)r. Sander, Gießen, vollendet am 13. September sein 70. Lebensj״hr. Er hat 40 Jahre als Rabbiner für Gießen und die Provinz. Oberhessen seine ganze Kraft eingesetzt. Lin großer Kreis von Freunden und früheren Schülern verehrt in ihm den väter* liehen Berater, viele Hilfesuchende und Arme den immer bereiten Helfer. PALÄSTINA-REISEN Studien-Reise des KEREN HAJESSOD ab Berlin 4. Oktober ab Triest 6. Oktober Rückreise innerhalb 60 Tagen nach Belieben BERLIN - BERLIN RM 885,— Preis einscliließl. Bahnfahrt 2. Klasse und Schilfsreise 1. 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