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Jüdische Rundschau · 1937-09-10 · Heft 72 (10.9.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 72 (10.9.1937)
Date
1937-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCH E RUNDSCHAU Nr. 72, 10. IX. 1937 Erdöl im Vorderen Orient Unter den acht Produktionsländern, die allein 95 °0 der gesamten Erdölförderung der Welt besitzen, sind von den asiatischen Staaten Iran und Irak vertreten, dem als jüngster Produzent wohl bald die Bahrein-Inseln — mit ihrer nur nach Monaten zahlenden Geschichte —• folgen dürften. Das erste Iran-Oel erschien 1013 auf dem Weltmärkte. Das Irak-( *et begann 1934 nach Tripoli ans Mittelmeer zu fließen. Von Haifa wurde ein Jahr später das erste Irak-Rohöl nach Europa verschifft. Bereits vor dein Kriege bewarben sich eine Reihe von Mächten darum, iin Irak nach Oel zu suchen. Als Erster bekam 1899 ein amerikanischer Admiral namens Chester das Versprechen für eine Oelkotizession für Armenien und Mesopotarnien, die er jedoch nie erhielt. 1904 gelang es schließlich der deutschen Bagdadhahn-( iesrlischaft, dort eine Konzession zu erhalten, die es ihr erlaubte, auf einem Streifen von 20 km links und rechts der zu bauenden Bahn nach Mineralien und nach Oel zu suchen. Es scheint, daß man über das Stadium der Versuchsbolirungcn nicht hinausgekommen ist. Als es nach überaus schwierigen Verhandlungen endlich dem englischcn Äbentetirer-Cielehrteii William d’Arcy gelungen war, im benachbarten Persien das Oel zu ungeahnter Bedeutung zu bnngen, begann auch in Amerika und Europa das Interc.ese au den Mesopotamien- und Mo.v-.ul-i eklen! sich zu steigern. (> gelang auch d'Arcv, von oili/ieller turki.-clier Seite eine BohrkonZession zu erhalten, die ihn! vier Jahre spater (1912) die Ausbeutung /!!sagte. Doch die jungt 111 kisehe Revolution von BIOS vcilumjcitc diese Ai heit. Schließlich gelang cs 1<>!2 mit Unterstützung des Armeniers (in! b e n k 1 a n, einem Manne, der heute noch an! Irak Oel heteiligt ist, eine Interessengenieinschaft — die Purkish Petroleum Co. — zustande zu bringen, bei der die National Bank of Turkey zu 50 Prozent, die Shell-Gesell- Schaft und die Deutsche Bank 7u je 25 Prozent beteiligt waren. Am 28. Juni 1914, also unmitfelbar vor Beginn des Weltkrieges, übernahm die Anglo-Peisian Co. die 50 Prozent der türkischen Beteiligung, und die somit zu 75 Prozent in englischen Händen liegende Gesellschaft erhielt die Geneiimigmig, östlich der Mosstil- Felder nach üei zu forschen. Sofort bei Kriegsausbruch erklärte die türkische Regierung diese Konzessionen für nichtig. In dem bekannten Svkes-Pikot-Vertrag zwischen England und Frankreich teilten beide Länder die Erdölfelder Mesopotamiens auf. Die Oelfelder des heutigen Irak sollten dabei an Frankreich fallen. England brauchte Oel dringender als irgendein anderer Staat, hatte es doch schon BK)! auf Veranlassung des Admirals Fisher begonnen, seine Flotte auf Oel umnistellcn. England fand auch die richtigen Männer, wie Deterding und Marcus Samuel, und aus dem kleinen Transportunternehmen Samucls, das Peiimut und Muscheln fuhr (shell Muschel), wird die ״Shell“, der größte Oelkonzern der Welt, deren Wahrzeichen nach wie vor die Muschel ist; auf jedem Shell- Tanker findet nun heute noch eine Muschel unter Glas. Nach dein Weltkrieg forderte England für sich den Löwenanteil an den Oelvorkommen vor Frankreich, während Amerika versucht, sich eine Beteiligung zu sichern. Schließlich sechs Jahre nach Kriegsende erreichte man eine Einigung dahin, daß an den l’eldern in Mesopotamien zu je 23,75 ״״ England (als Anglo-Pcrsian), die sog. Sin 11-G1 tippe (Nederlnndsch Indien- Gruppe), Frankreich (als Compagnie 1'ran ca i sc des Petroles) und Amerika (als Stand,•irtl-Oil) beteiligt sind; die restlichen 5 ho sind die des nrmenischen ()elmagnalen (julbenkian. 1929 verwandelte sich die ehemalige Tiirkish-Petrolcum Comp, in die heutige Irak Petrol Comp. (IPC.) mit einem Stammkapital von 4,4 Millionen engl. Pfund. Von der Irak-Regierung erhalt die IPC. die ()elkonzessionen für 75 Jahrefür das Gebiet östlich des Tigris bis an die iran-Orenze im Osten und bis an die inzwischen festgclcgtc türkische Grenze nach Norden, insgesamt ein Gebiet von 12 (KD engl, Quadrat-!!teile!; Die IPC. verpflichtet sich, für jede Tonne Rohöl 4 Goldschiiiutg an die Irak-Regierung zu zahlen, wobei ein gewisser Mindestiahrsatz vorgesehen ist, England hat erreicht, was es wollte. Neben dem größten Oelproduzeiiten Asiens, Iran, ist nun auch das Irak-Gebiet zur Mehrheit in englischen Händen, Erschließnngsarbeifen und Probcbolirangen 1925/27 zeigten mehr als den erwarteten Erfolg. So wurde zum Beispiel eine Bohrung nahe Kerkuk von einem eruptiven Ausbruch begleitet, wobei täglich eine Menge von 12 000 t Oel ausfloß, d. h. 1200 Waggons. Man war gezwungen, einen Fluß in der Nähe umzuleiten, um sein ausgetrocknetes Bett als vorläufige Stauanlage zu verwenden. Nach Schätzungen von Experten sind im Irak Oeirescrven von ca. 350 Millionen t vorhanden, d. 11. diese Vorräte allein würden genügen, den jetzigen Bedarf Europas auf etwa 15 Jahre zu decken. Die Frage des Abtransportes des Rohöls wurde durch eine Pipeline (Röhrenleitung) gelöst. Von Kerkuk, dem Felde der reichsten Bohrungen, sollte die Pipeline ans Mittelmeer gelegt werden. Frankreich verlangte als Endpunkt einen syrischen Hafen, entweder Alexandrcite oder Tripoli, England dagegen einen Hafen unter britischem Mandat, Haifa. Schließlich entschloß man sich trotz enormer Kosten (die Gesamtleitung kostete 16 Millionen engl. Pfund) zu einer Doppellösung, indem man eine Parallelleitung bis nach Heditah (am Euphrat) führte (Länge 1012 km), während die zweite nach Tripoli gelegt wurde (Länge 869 knt). Die vorgesehene Kapazität von 4,5 Millionen t jährlich wurde bereits im ersten Jahre erreicht. Zur Zeit ist der Bau einer zusätzlichen Parallelleitung sin Gange. Der Bau der Pipeline ist mehr als eine technische Großleistung. Schon wird die erste Autobahnstraße des Orients entlang der Pipeline gebaut. Die zwölf Pumpstationen, von denen neun in ausgesprochenem Wüstengebiet liegen, sind heute nach drei Jahren schon kleine Oasen. Ausreichende Wasserbohrungen in 200 bis 300 m Tiefe ermöglichen der Besatzung von je 50 Mann Obst- und Gemüsebau. Während des Baues der Pipeline waren allein 100 Mann nur mit Trinkwasserversorgung beschäftigt. An Hand Tlflio Mormara Meer * Angora Türkei Moemil ׳4, exandret te Tripoli Cypern ruth me.Br Bagdad Arabien skaba Palästina (heutige Grenzen) Politische Grenzen Oclleitung statistischen Materials über Wasserbohrungen in diesen wüstenartigen Gebieten (ähnliche Ergebnisse wurden auch im Negew erzielt) zeigt es sich, daß eine systematische Bewässerung solcher Landstrecken wohl möglich ist. Trotz der Vorteile, die das Irak-Oel wegen!»Lines günsfigert Transportweges hat, war der IPC. die Konkurrenzgruppe der BCD. Mosul Fields die große Sorge. Die Gesellschaft batte von der Irak-Regierung Konzessionen auf ein Areal von fast 46000 Quadratmeilen westlich vom Ufer des Euphrat erhalten.‘ Obwohl in diesen Mossulfetdern Oel in reichlicher Menge gefunden wurde, konnte die Transportfrage bis heute noch nicht gelöst werden. Wegen der überdurchschnittlichen Dickflüssigkeif des dortigen Rohöles war der zuerst gedachte Abtransport durch Pipelines nicht möglich. Ungeachtet dessen, ob eine Ausbeutung der Felder erfolgt oder nicht, verlangte die Irak- Regierung £P 200 000 jährlich von der Gesellschaft. Die Irak A. Hartbrodt Berlin C 2, Königstr.i9 Uhren / Goldu. Silberwaren Petrol. Comp, erwarb über die neugegründete Tochtergesellschaft, die Petroleum Concessions Ltd., schließlich die Aktienmehrheit der Mossul-Gruppe. In den letzten Monaten erwarb die gleiche Gesellschaft weitere Gebietskonzessionen in der Nähe des Sandschak-Alexandrctte, die ursprünglich Frankreich zu übernehmen gedachte. Obwohl es scheinen mag, daß die Oelfelder Vorderasiens aufgeteilt sind, erfuhr man plötzlich, daß es der Standard Oil of California nach vielen Bemühungen gelungen war, auf den B a h r e i n i n se 1 n im Persischen Ciolf Oelvorkommen größten Ausmaßes zu entdecken. Die Bahreininselgruppe liegt etwa 500 km vom Beginn des Persischen Golfes, 30—40 km von der arabischen Küste entfernt. Die größte dieser Inseln hat eine Fläche von 640 qkm. 1931 landeten die ersten Bohrmannschaften und bereits im ersten Halbjahr 1936 war die Produktion der Bahreininseln größer als die Polens. Inzwisehen ist schon mit dem Bau einer Großraffinerie begonnen worden. Ein weiterer Erfolg war der neu gegründeten Petroleum Concessions Ltd. beschießen, als sie 1936 vom König Ibn Saud eine neue Konzession auf einen 100 km breiten Streifen längs der Westküste Arabiens (am Roten Meer) erhielt. Weitere Bemühungen, von englicher Seite auch an der Ostküste Arabiens, im Gebiete von El Haza am Persischen Golf, Oelkonzessionen zu erhalten, scheiterten. Die Frage nach dem Vorkommen von Erdöl in Palästina liegt nahe. Mehrere Probeltohrungen in der Gegend von Kurkub und am Toten Meer sowie eine Reihe geologischer Studien, bis zum Jahre 1910 zurückreichend (Standard- Probebohrungen), haben Oelvorkommen in Palästina mit ziemlieber Sicherheit festgestellt. Auch das reichliche Vorhanden¬ MANNHEIM 8..1, a. «. 1« Samstag, dsn 11, SepL 1937, 20,30 Uhr Kundgebung sichert m Grenzland nordpaiasunas Redner: Rabbiner □r. Lauer Hans Weill Robert Heumann Dr. Hans Capell, Berlin ZIONISTISCHE ORTSGRUPPE MANNHEIM sein von Asphalt am Toten Meer, besonders am Jebel Usdum, läßt auf Oel schließen. Nachdem im September 1932 zwei Kon• Zessionen an Privatleute (davon eit! jüdisches Unternehmen) ausgegeben waren, eine in der Nähe von Kurkub, die andere in der judäischen Wüste, entzog 1933 die palästinensische Regierung diesen sämtliche Rechte, um sie an die I. P.C. zu übertragen, die noch weitere Genehmigungen, nach Oel zu forschen, bis an den Golf von Akaba erhielt. Wie die Dinge zur Zeit auch stehen, in nicht mehr ferner Zeit wird das Erdöl in Palästina einen hervorragenden Faktor im Wirtschaftsleben spielen. Für die Errichtung einer Raffi* nerie, die zuerst den Landesbedarf decken soll, sind in der Haifa-Ray 800 Dunam bestimmt, für Ocllagerung eine Fläche von 4100 Dunam. Dr. B. S t e i g e r, Hamburg Der ״OSE“- KongreB Paris, 5. September. (JTA.) Aut dem Jubiläumskongreß des Verbandes für Gesundheitsschutz der Juden 0״SE“ erstattete der Generalsekretär L. Gourvitch einen Bericht, aus dem hervorging, daß die Konsolidierung der OSE-Arbeit in Osteuropa nach der Verlegung der Zentrale nach Paris erfolgreich durchgeführt worden ist. Im Juli 1936 hat in Riga eine Konferenz stattgefunden, an der die Mitglieder der Exekutive und Delegierte aus den osteuropäischen Ländern teilnahmen. Die Pariser Abordnung unternahm «eine Rundreise durch Polen, Litauen und Lettland, um mit den OSE-Zentren in diesen Ländern persönlich Fühlung zu liehinen. Daraus ergab sich auch eine Festigung der Beziehungen zwischen der Gesundheitsorganisation ״T Ü Z“ in Polen und der OSE-Exekutive. Der Kongreß ist nach Annahme einer Reihe von Ent- Schließungen und der Neuwahl der leitenden Körperschaften geschlossen worden. Für das nächste Finanzjahr wurde ein Budget von 382900 Dollar angenommen. Detn American Jewish Joint Distribution Committee wurde einstimmig der Dank für die dauernde Förderung der Gesundlieitseinrichtungen der ״Ose“ ausgesprochen. Es wurde beschlossen, alle drei Jahre eine Weltkonferenz und in der Zwischenzeit Beratungen in kleinerem Rahmen abzuhalten. Die weiteren Resolutionen beziehen sich auf die ärztliche, soziale und sanitäre Hilfsarbeit. Zu den wichtigsten Beschlüssen gehören die Schaffung eines ״Jubiläumsfonds der ,Ose“' und die Errichtune eines Institutes zum Studium jüdischer Gesundheits- Probleme. _ Kleine Nachrichten Das Berufungsgericht in Wilna hat das Todesurteil gegen Wolf Szczerbowski bestätigt, der in Brest Litowsk einen Poüzeibcarutcn getötet hatte. Die Thesen der Verteidigung, daß Szczerbowski die Tat in einen! Zustand hoher Erregung verübt habe, die ihn nicht voll verantwortlich erscheinen lasse, wurde in der Urteilsbegrüiidung zurückgewiesen. Das Gericht׳ vertrat den Standpunkt, daß es sich um einen vorbedachten Mord gehandelt habe. Weiter wird erklärt, daß Szczerbowski eine ,Gefahr für die Gesellschaft sei, so daß das Todesurteil berechtigt erscheint. Die Verteidiger meldeten sofort Berufnng beim Obersten Gerichtshof an. Der NS. Rcchtswahrerbund gibt bekannt, daß der Stellvertreier des Führers im Einvernehmen mit dem Reichs- Innenminister entschieden hat, daß Mitglieder beim NS, Rcehtswahrerlnmd nur diejenigen Volksgenossen sein können, die aut (!rund des Bcrufsbeumtciigesetzcs und der übrigen einschlägigen Bestimmungen als Beamte im Dienste geblieben sind oder hätten bleiben können. Somit sind Juden und jüdische Mischlinge, soweit es sich um Beamte handelt, von der Mitgliedschaft im NSRB. ausgeschlossen. Ein Ereumlschaftsvertrag zwischen Italien und dem Jemen w׳urde in Sana unterzeichnet. Kronprinz Umberto von Italien hat den auf der Levante-Messe von Bari eröffneten P a 1 ä s t i n a - P a v i 1 i 6 n besucht. Der Kronprinz bekundete lebhaftes Interesse für die Leistungen der jüdischen Kolonisation und die Produkte der jüdischen Palästina-Industrie. Das Palästina-Problem ist bei der Eröffnung: des englisch en Gewerkschaftskongresses in Nor wich von dem Vorsitzenden Erncst B c v i n in seiner Ansprache kurz gestreift worden. Bevin erklärte, er wolle sich zu dem Teilungsplan nicht äußern. Von der Arbeiterbewegung aber müsse der Vorschlag daraufhin geprüft werden, ob er zur endgültigen Beendigung der Nöte der jüdischen Rasse beitragen werde. Am ersten Rosch Haschanah-Tage ist in London der Tabak-Industrielle Sir Albert Lcvy, ein verdienstvoller Philanthrop, im Alter von 74 Jahren gestorben. Sir Albert hat u. a. eine Viertelmillion Pfund für verschiedene Kranken- Häuser gestiftet. Im Jahre 1929 gründete er einen Albert-Levy- Wohltahrts-Fonds, dessen Kapitalzinsen alle 25 Jahre statuten gefhäß zur Verteilung gelangen. Der erste Präsident des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeindenverbände in Böhmen, Mähren und Schlesien und langjährige Präsident der Prager Kuitusgemeinde, Dr. August Stein, ist im Alter von 84 Jahren gestorben. 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