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Jüdische Rundschau · 1937-09-03 · Heft 70-71 (3.9.1937) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 70-71 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 70/71, 3. IX. 1937 JODI5CHE RUNDSCHAU Seite 17 ״Die Glasmauer“ Beamte und Juden in Palästina Von unserem Berichterstatter J. K., London, Ende August Die Beziehungen zwischen englischen Beamten in Palästina und der jüdischen Bevölkerung ließen seit langem zu wünschen übrig. Mißverständnisse und Unkenntnis der verschiedenen Herkunftsbedingungen trugen zur Verschärfung einer schon an sich schwierigen Situation bei. Viele Klagen, die seit langem auf jüdischer Seite geäußert wurden (man denke z. B. an den bekannten Aufsatz Arlosoroffs, in dem er dfs Verhältnis zwischen dem Jischuw und den englischen Beamten treffend mit zwei Gruppen verglich, die durch eine ״Glasmauer“ voneinander geschieden sind. — Red.), fanden kürzlich durch maßgebende nichtjüdische Beurteiler Unter- Stützung. Andererseits werden oft Beamte verantwortlich gemacht für Dinge, die jenseits ihrer Macht liegen. Es ist aber oft selbst für Eingeweihte nicht leicht festzustellen, wie die Verteilung der Verantwortung zwischen London und Jerusalem im einzelnen vor sich geht. Im ״Jewish Chronicle“ nimmt nun ein englischer Beamter der Palästinaverwaltung, dessen Namen natürlich nicht genannt werden kann, zu diesen Fragen Stellung. Der Verfasser, der meint, daß seine Ausführungen mit wenigen Ausnahmen von allen britischen Beamten in Palästina geteilt werden, verteidigt die Beamten zunächst gegen den Vorwurf, daß sie der Schaffung des Jüdischen Nationalheims bewußt Schwierigkeiten in den Weg gelegt hätten. Die Beamten seien nur dazu da, die von der Regierung bestimmte Politik in Einzelfällen d u r c 11 z u f ü 11 r e n. Da aber die Regierung nicht den jüdischen Standpunkt akzeptiert hätte, daß das Mandat die schlicßliche Schaffung eines Juden- Staates beabsichtige, dessen Entstehung von der Regierung gefördert werden müßte, so habe die Verwaltung die örund- Sätze dieser Politik anwenden müssen. ״Wir mußten darauf sehen, daß nichts geschieht, diese jüdische Politik zu fördern,“ Der zweite Vorwurf richtet sich gegen die Exklusivität der englischen Beamten, mangelnde Sympathie und ihr in a n - gelndcs Interesse an jüdischen Dingen. Der Verfasser gibt diese Schwäche zu, die der Engländer gegenüber allen Menschen, die ihm fremd sind, empfindet. Daß es sich dabei aber nicht um Antisemitismus handelt, werde durch die freundschaftlichen Beziehungen bewiesen, die zwischen den Beamten und einigen englischen Juden bestehen. Die Zahl der Ehen zwischen höheren englischen Beamten und jüdischen Mädchen spreche eine deutliche Sprache. Der Verfasser warnt die Juden davor, die Beamten durch falsche Anschuldigungen zu verärgern. Angriffe gegen die Beamten, die nur die Regieruftgspolitik durchgeführt hätten, haben schon zu Lord Pf um er s Zeit zu gespannten Be- IN ALLER KDRZE Auf einer Versammlung von Mohammedanern in Algier wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen den Teilungsplan ausspricht. Der Teilungsvorscnlag wird als ein ״zionistisches Manöver“ bezeichnet. Es wird verlangt, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina eingestellt werde. An den französischen Außenminister wird die Aufforderung gerichtet, zugunsten der Araber Palästinas in der bevorstche1u.cn . sversammlung zu intervenieren. Eine Anzahl bekannter Vertreter des früheren Regimes, das im Irak vor dem Staatsstreich des vergangenen Jahres herrschte, wird in den nächsten Wochen nach Bagdad zurückkehren. Darunter befindet sich General Nuri Pascha es Said, der ehemalige Außenminister des Irak. In New York wurde in Anwesenheit von 800 Delegierten die erste amerikanische Landeskonferenz für jiddische Kultur abgehalten. Auf der Konferenz wurde beschlossen, in New York ein ständiges jiddisches Kulturkomitce einzusetzen. In der Lemberger Großen Synagoge fand ein Gedenkgottes dienst für die in den Kämpfen um Polens Unabhängigkeit gefallenen Juden statt. Michael Haskel, einer der Führer der südafrikanischen •Judenheit und südafrikanischer Regierungskommissar zur Wahrung der Handeisinteressen in Palästina, hat von König Georg VI. die Krönun gserintierungsmedaiile als persönliche Erinnerungsgabe erhalten. Dr. Heinz L i p p m a n n wurde von der Vereinigung der Aerzte-Künstler Italiens aufgefordert, während des nächsten Kongresses, der im September in Lecce stattfindet, ein Klavierkonzert zu geben. Vor zwei Jahren hatte er bei gleicher Gelegenheit einen großen Erfolg. Der Maler Leo Michelson ist, nachdem der französische Staat ein Bild von ihm angekauft hat, zutn Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Ziehungen zwischen dem High Commissioner und Mitgliedern der Jewish Agency-Exekutive geführt. Der Bericht der Königlichen Untersuchungskommission über Palästina war bekanntlich schon wenige Tage nach seiner Veröffentlichung vergriffen. Es heißt, daß es sich dabei um eine Auflage von 10 000 Exemplaren handelte. Für die zweite Auflage sind bisher bereits 14 000 Bestellungen eingegangen. Da das Exemplar 6,5 Schilling kostet und die Unkosten gering sind, dürfte die Regierung auf diese Weise einen erheblichen Teil ihrer Ausgaben für die Arbeiten der Kommission wieder hercinbekommen. Major Jarvis, der ehemalige Gouverneur der Sinai- Halbinsel, der als Fachmann für Fragen des Vorderen Orients bekannt ist, nimmt im ״Jewish Chronicle“ zur Frage der Besiedlung des palästinensischen Negew Stellung. Er er* wähnt Bewässerungsversuche, die auf dem angrenzenden Gebiet der Sinai-Halbinsel unternommen wurden, und kommt zu dem Ergebnis, daß große Teile des Negew durch jüdische Arbeit erschließbar seien. * Das Zentralkomitee für Jüdische Er- Ziehung veröffentlichte soeben seinen Jahresbericht. Die Zahl der Schüler an den vier verschiedenen Typen von Schulen und Religionsschulen ist in den letzten Jahren ständig zurückgegangen. Während der Rückgang vor zwei Jahren noch 500 betrug, ist er in dem letzten Jahre aber unter 100 geblieben. Im ganzen sorgt das Komitee für die Jüdische Erziehung von HOOG Kindern in London, darunter 5500 Mäddien. Trotz großen propagandistischen Anstrengungen, die in einer ״Mädchenerziehungswoche“ im April dieses Jahres kulruinierten, ist bisher die Zahl der Mädchen in den jüdischen Schulen nicht gestiegen. A11 den Rdigionslchrcrcxamina im Jews’ College beteiligten sich 96 Kandidaten, 6 mehr als im vorigen Jahr, von denen 49 bestanden haben. Die Einkünfte aus verschiedenen Quellen fielen von 4978 Pfund im Jahre 1935 auf 3166 Pfund. In London fand die Generalversammlung der Eng- 1 i sc he 11 Sektion des Jiddisch- Wissenschaftliehen Institutes statt. Zum Vorsitzenden wurde Chacham Dr. Moses Gast er gewählt. Es wurde beschlossen, das kulturelle Leben der jiddisch-sprechenden Bevölkerung in England zu studieren. Eine Ausstellung wird vorbereitet unter dem Motto: ״Sechzig Jahre jüdisch-kulturellen Lebens in England“, die einen Ueberblick über Presse, Theater usw. geben soll. Der erste jiddische Film ״J i d e 1 mit dem Fidel“ läuft seit mehreren Wochen mit großem Erfolg im Londoncr Westend. In Liverpool wurde im Beisein des Vizebürgermeisters und anderer städtischer Würdenträger eine neue Synagoge eingeweiht. Der Vizebürgermeister erklärte in seiner Anspräche, es gäbe keine Stadt, die die Angehörigen der jiidisehen Religion mehr respektierte als Liverpool. Jüdisches aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 31. August Anläßlich des Geburtstages der Königin Wilheimina wurden Auszeichnungen verliehen. Der frühere Professor an der Delfter Technischen Hochschule, Prof. Dr. C. Feldm a n 11, wurde zum Kommandeur im Orden von Oranje- Nassau ernannt. Zum Ritter im Orden von Oranje-Nassau wurden unter anderen ernannt: der Groninger Mediziner Prof. Dr. L. Polak Daniels; der Vorsitzende des Kirchenrats der Niederländisch-Israelitischen Gemeinde in Groningen, Mr. M. Levic; der Vorsitzende der Alliance Israelite Universeile in Holland und Kammerabgeordnete Dr. I. H. J. Vos; -MAGISTER KIRSCH- Der gute UkAr Magister-Lik&rfabrik, Manchen VII. In Berlin zu bezieh, durch die Weingroßhandiung Bernhard Brauer, BurgtlraGe 3 / Ruf, 5143 40 der Direktor für Arbeitsangelegenheiten im Gerneindesekre־ tariat von Amsterdam Mr. Dr. M. I. Prins, der auch in vielen jüdischen sozialen Institutionen arbeitet; ferner Frau R. Cohen - W it t g e n s t e i n in Amsterdam sowie der bekannte Kunsthändler N. Katz in Dicren und der sehr populäre Vortragskünstler Louis Davids, der sich durch seine Kleinkunstdarbietungen einen Namen erworben hat. In Haarlem wird zur Zeit die aus der ganzen Welt beschickte Frans Hals-Ausstellung abgehalten, in deren Ehrenkomitee unter vielen anderen auch Baron Robert de Roth- Schild (Paris) und Baron Louis Rothschild (Wien) sowie die holländischen Kunsthändler J. Goudstikker, F. B, Gutmann und D. Katz aufgenommen sind. Unter den Bildern sind hier von Interesse zwei Porträts des Großkairfmanns Isaac Abrahamsz Massa, der im siebzehnten Jahrhundert als durch die Generalstaaten ernannter offizieller Handelsagent der Ver- Denn dieses Gebot, das ich heuttags dir gebleie, nidit entrückt ist es dir, nicht fern ists. Nicht im Himmel ist es, daß du sprächest: Wer steigt für uns zum Himmel und holts uns und gibt uns zu hören, daß wirs tun? Nidit überm Meer ist es, daß du sprächest: Wer tährt für uns übers Meer hinüber und holts uns und gibts uns zu hören, daß wirs tun? Nein, sehr nah ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun. Aus dem Wochenabschnitt für Schabbat, den 4. September S. B. M., Kap, 30, Vers li-i4. Uebers. von Martin Bube einigten Niederlande in Rußland arbeitete. Massa war, wie man annimmt, Jude. im letzten der unter Leitung von Ignaz Ncumark stellenden Volkskonzerte in! Kurhaus in Sclieveniiigen spielte der junge blinde Pianist kure Ungar Chopin und fand den begeisterten Beifall des überfüllten Saales. -- Der als früherer Dirigent der Französischen Oper 11ml jetzige Leiter des Haager Harmonie-Orchesters bekannte Henri Zcldcnrust begeht seinen sechzigsten Geburtstag־ und zugleich sein vierzig* jähriges Tonkünstlerjubiläum. — In den vom Amsterdamer Kunstkreis ״Voor Allen“ für die kommende Saison vorgeschonen Konzerten werden als Solisten unter anderen mit* wirken: Nathan Milstein, Jaselia 1 lei fetz, Broitisiaw Huber* man, Wanda Landowska, Jo (ioudsmit mul Simon Gold* borg sowie das Rosa Spier-Quintett. - Der Hoboist des Rundfunkorchesters, Bram B1 e/, wurde als erster Solo* Hoboist an das palästinensische Symphonie ( )!ehester in Tel Aviv berufen. Palästinafragen auf der Konferenz der Kleinen Entente Bukarest, 31. August. (JTA.) Bei der Erörterung von Fragen der internationalen Politik auf der Konferenz, die der Außenminister der Kleinen Entente in S i n a i a abgchaltcn haben, ist auch das Problem der Teilung Palästinas behandelt worden. Der rumänische Außenminister und Vorsitzende des Rates der Kleinen Entente, A n t o 11c s c 11, der bisher auch Berichterstatter der Mandatskommission im Vötkerlumdsrat war, besprach den Bericht, den er im September in Gent über die Palästinafrage vor/iilegen beabsichtigt. Es verlautet, daß in diesem Bericht der Ansicht Ausdruck gegeben wird, eine sofortig e T e i 11111 g des Landes werde die Gegensätze zwischen Juden und Arabern noch verschärfen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß den Arabern große Expansi'onsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, während die Juden auf iiir Siedlungsgebiet unbedingt angewiesen sind insbesondere im Hinblick darauf, daß der Einwanderung fast in allen Ländern Schranken gesetzt sind. Der rumänische Außenminister tritt in seinem Bericht weiter dafür ein, daß Maßnahmen getroffen werden sollen, um die Entwicklung eines jüdischen und eines arabischen Staates allmählich he r b c i z. u f ü h r en, wenn auch die Zeit für die sofortige Staatsgründung noch nicht reif ist. Beide Gebiete sollen unter britischer Oberhoheit stehen. Es wird hervorgehoben, daß es Großbritannien ist, dem die Araber ihre Unabhängigkeit und die Juden ihr Nationaiheim verdanken. Die künftigen Staaten sollen nach dem Schwei* zer Kantonssystem organisiert werden. Wiener Notizen Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 29. August Die österreichische Unterrichtsverwaltung veröffentlicht «ine Statistik, nach der die Zahl der j ii d i s c b e n 11־ ü r e r an den österreichischen Hochschulen im Sommerscmester 1937 11 »0 der Gesamthörerschaft betrug. Der Wiener Nervenarzt mul Psychiater Dr. Manfred S a k e 1, bekannt durch seine eigene Behandlungsmethode der Schizophrenie, die sogenannte Insulin-Schock•;1\\ethode, ist zu dem berühmten russischen Tänzer Nijinsky, der seit 17 Jahren in geistiger Umnachtung unter der Obhut des Schweizer Psychiaters Prof. Binswanger in Krcu/.lingen lebt, berufen worden, um mit diesem ein Konsilium über den Zustand Nijinskys abzuhalten. Im 9. Bezirk in der Rotenlöwengasse ist an Stelle des alten in einem Kellerlokal uniergebrachten Betraumes von der orthodoxen Judenheit dieses Bezirkes ein neues Bet 11 aus errichtet worden, das 230 Menschen Platz bietet, Der Schriftsteller Egon Dietrichstein ist im Alter von 48 Jahren gestorben. In jedes jüdische Haus gehört der Ich bestelle bai Soeben erschienen ■ f IfcV! PALÄSTINA KALENDER תרצ״ח 5698 Vorwort: Joachim Prinz Umschlag: Heinz Condell Herausgeber: Zionistische Vereinigung für Deutschland Verlag: Jüdische Rundschau G.m.b.H, Buch/erlag und Buchvartrieb Berlin W18, Malnaktatr. 10 Postscheckkonto: Berlin 718 7« Erhältlich Im Jüdischen Buchhandel. Auslieferung nur an Juden --Exemplare des im Verlag der Jüdischen Rundschau erschienenen! Palältina-Kalender 5698 e ־ zum Preise von Reichsmark 1.90 « 1 Inland: zuzüglich 15 Rpf. Porto x Ausland:zuzüglich 25 Rpf.Porto Nama 01*1 und Land StraB« und Nr.

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