Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 70-71 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70/71, 3. IX. 1937 DAS HORN Eine Rosdh Hnsdiannh ~ Betrachtung Das Horn (liebr.: kcrcn; griech.: kcras; lat.: coran; sämtlich anscheinend verwandte Worte) hat mi Altertum neben der Verwendung als Gefäß und in der Musik offenbar eine uralte religionsgeschichtliche Bedeutung. Die vergleichende Religionswissenschaft vertritt den Standpunkt, daß das Horn in der Religionsgeschichte und religiösen Symbolik eine der letzten zum Sinnbild verflüchtigten Erinnerungen an die einstige Tiergestalt der Totemgötter sei. Im übrigen ist das Horn häufig das Symbol der Stärke, der Kraft und der unumschränkten Macht. Irn späteren Hebräisch entwickelt sich aus der Bedeutung von Keren -- Spitze diejenige für Kapital, das nun ebenso als Urbild der Macht erscheint wie das Horn in der Natur. Bekannt ist, daß das Schofarblasen auf dem Widderhorn an die durch den Widder abgelöste Opferbercitschaft Abrahams anknüpft (Talmud R. f 1.16 a u. b). Dein Widderhorn kommt eine besonders starke Bedeutung im Kultischen bei den Juden zu. Es wird nicht nur am Neujahrsfeste verwendet. Es ist auch Keren hajowel und gibt auch dem Schluß des Jom Kippur sein Gepräge. Es wird auch im alten Israel geblasen bei Gefahr als Alarmsignal, als Huldigungsruf bei der König- Salbung (11. Sam. 15, 10), bei der Gesetzesverki'mdung (Ex. KJ, 19). Wenn man sich mit der rein religionsgeschichtlichen Forschung begnügt, so kommt man in der Erklärung lind in dem Verständnis des Brauchs, der an zentraler Stelle des Rose 11 Haschanah-Goüesdienstcs stellt, nicht näher. Auch die lesenswerten populären Vorbemerkungen, die Michael Sachs in seinem Machsor dem Syiiagogenbesucher zum Verständnis an Hand gibt, dürfen für den kritischen Geist nicht ausreichend sein. Es ist daher festzustellen, in welchen Punkten die -Macht der jüdischen Religion die Reminiszenzen an vorsinaitisdie Begriffe iimgewandclt und zu höheren Ideen entwickelt hat. Aufschluß hierüber gibt fast niemals die Aggadah, sondern meist die nüchterne 11 a! a c 11 a, wenn wir sie nur mit offenen Augen ieson. Entscheidend dürfte in unserem Falle der Grundsatz der Miselma Rösch Hasehanah III, 2 sein: ״Alle Schofaroth sind verwendbar, außer dem vom Rinde, weil es ,Keren‘ (Horn) genannt wird.“ Also alle natürlich hohlen Hörner der reinen Tiere sind verwendbar, außer dein des Rindes. Hier liegt der wesentliche Unterschied, mit dein Gold- und Silberschmiede AUCH ANKAU F BERLIN W8, Unter den Linden 65 (Hotel Bristol) B.B. 11/2■ 242 die Verwendung des Schofar in unserem Kultus festgelegt wird, Alles was an Totemismus oder an das Horn als Symbol irdischer Macht erinnert, wird mit einem Federstrich ausgemerzt und dein Gedanken der Verwendung des Symbols im Kult eine höhere, auf Gott bezogene Bedeutung gegeben. Zwar kann der Schofarton, der ein reiner Natur- Fon ist, nicht ersetzt werden durch Trompeten und Musik- Signale, die der Kunst entstammen und den Menschen wie alle Kunst irn Gottesdienst mir von außen beeindrucken, nie aber wie der Naturton von innen aufzurütteln geeignet wären. Andererseits schaltet aber auch alles aus, was den Menschen als das gewaltigste Wesen der Schöpfung verführen könnte, die eigene physische Macht und Kraft anzubeten und auf sie zu pochen. Und Israel hat einmal diesen Fehler begangen: bei der Sünde des goldenen Kalbes. Er ist ihm verziehen am heiligen Jom Kippur, und nie wieder darf dieses Volk, das Träger des Gottesreichs auf Erden sein soll, in denselben Fehler der Anbetung des ,,Egel“, des Stierhaften und der reinen Vergötterung physischer Macht verfallen, denn es weiß und muß wissen, daß unter Gottes Schlitz es stellt, auch wenn es noch so klein und schwach ist und ihm alle Maelitattribute fehlen, die anderen Völkern ihre gewichtige spräche gestatten. So ist es die erste Tat des Hohenpriesters Ahron bei seiner Amtseinführung (111. Mos. 9, 2), daß er das Rind (egel) opfert und symbülisch andeutet, daß die physische Natur nicht vergöttert werden darf, daß sie zwar im Menschen ein Machtgebiet besitzt, aber dazu da ist, von dem freien sittlichen Willen des .Menschen bezwungen und gemeistert zu werden. Und sogleich darauf bringt er einen Widder als Opfer, den Widder, der auch in der ״Akeda“ und am Rösch Hasehanah Immer wieder eine symbolische Rolle spielt. Das hat ebenfalls seine besondere Bedeutung. Aus dem Lamm, das der Hirt tragt, wird in der Vollkraft das Tier, das der Herde wegweisend voranschreitet. So ist Israel berufen, in voller Hingebung bis zur Selbstaufopferung seinem eineiigen Hirten zu folgen. Sein Horn ist nur Schmuck, nicht Waffe. Der Widder, den Abraham (Gen. 22,13) an Stelle seines Sohnes opfert, war au dein Gehörn festgehaltcn, er war plötzlich bereit, als er zum Opfer gebraucht wurde. ״Abraham erhob seine Augen und er sali.“ Gott sieht für uns, auch wenn wir nicht 1!inner Einsicht in sein Gesetz und sein Walten haben. Das ist das Wesen aller Gotteserkenntnis. Darum ist Abrahams Tat so groß, daß sie für uns heute noch am Rösch Hasehanah Fürsprecher wird, und ist Isaacs Hingabe so gewaltig, daß wir seinetwegen immer wieder Erlösung verdienen. Wenn der Hornruf des Schofar ertönt, dann sind wir nicht nur erschüttert, sind wir nicht nur bußfertige Kinder, die von einem uralten Zauberruf angelockt zum Vater zurückkehren, dann erheben wir uns, und wenn auch mancher nur für kurze Zeit, zur höchsten Höhe der religiösen Weihe, deren ein Mensch fähig ist. An die Stelle der äußeren Gebundenheit (Akeda) tritt die höchste sittliche Freiheit, an die Stelle der physischen Kraft des Heroen tritt die Ueberwindüng des Irdischen tind das Glücksgefühl, mit Gott eins zu sein, was auch unser Geschick uns an Ungewissem noch bringen möge. Wer in diesem Sinne den Schofarruf vernimmt, dem ist er keine leere Zeremonie, sondern der Aufruf zur höchsten Hingabe an die Aufgabe des Judentums und der Menschheit und Ausdruck höchsten Gottvertrauens, das der Mensch sich nur schwer erringt. Wenn wir aber wissen, daß alles Wohlergehen und alle irdische Macht Güter sind, die wir nur Gott verdanken und nicht der eigenen Kraft, und in dieser Stimmung der Heiligkeit des Tages dienen, dann haben wir das Recht, auch jenes andere Gebet zu sprechen, das uns bis in die Stunde der N'eila begleitet: ״Unser Vater, unser König! Erhebe das Horn Israels, deines Volkes!“ Sind wir wieder das Volk Gottes und uns unserer Aufgabe bewußt, dann haben wir auch von Gott zu erwarten, daß er uns in dieser Welt des äußeren Scheins mit den äußeren Tributen ausstahet, die von־ jedem Volke der Welt respektiert werden. Dr. Abraham Löb, Berlin Vom Heb räischen Von Hugo Bergmann In der hebräischen Presse fand kürzlich eine interessante Diskussion statt. Anläßlich der ״hebräischen Woche“ hatte die Kulturabtcilung des Waad Leumi, die unter der Leitung von Dr. Juda Kaufmann steht, einen Aufruf erlassen, der sich von früheren ähnlichen Kundgebungen dieser Behörde sehr wesentlich unterschied. Es war nicht mehr nur die sanfte Sprache früherer Aufrufe, die zur Pflege des Hebräischen aufforderten, da stand auch der starke Satz: wenn die Geringschätzung des Hebräischen in gewissen Kreisen weiter anhalten werde, dann ״werde der Jiscnuw alle die Mittel an wenden, welche einer organisierten Gemeinschaft zur Verfügung stehen“. Der neue Ton überraschte und wurde freundlich oder ablehnend kritisiert. Ein sehr angesehener Schriftsteller insbesondere veröffentlichte einen Artikel, wo er die neue Tonart aufs lebhafteste begrüßte und die Kulturabtcilung aufforderte, Jugendgruppen z.u organisieren, welche mit dem Elan der Jugend den Kampf um die bedrohte Herr- Schaft des Hebräischen im öffentlichen Leben Palästinas aufnehmen sollten. Es ist nicht verwunderlich, daß hier nach radikaleren Mitteln gerufen wird, als sie bisher angewendet wurden. Die starke Einwanderung der letzten Jahre hat das Hebräische mehr und mehr in die Defensive gedrängt. Die fremden Sprachen beherrschen nicht nur im großen Maße das liäusliehe Leben und das Leben der privaten Gesellschaft, sie beginnen mehr und mehr in das öffentliche Leben einzudringen. Wenn in früheren Jahren ein Redner in einer Ver- Sammlung in einer fremden Sprache sprechen wollte, gab es eine Erregung, und nur wenn der Redner einwandfrei nachwies, daß er noch nicht zwei Jahre im Lande sei, wurde ihm das Reden gestattet. Als 1922 ein angesehener jüdischer Schriftsteller aus Deutschland in den Räumen der Laemcl- Schule in Jerusalem einen Vortrag hielt, der Satz für Satz ins Hebräische übersetzt wurde, schrieb Eiieser Benjehuda einen flammenden Artikel mit der Ueberschrift: Schaaruria! (Skandal!) All das hat sich gründlich geändert. Mit einer Zähigkeit, die eben dem Lebensnotwendigen eigen ist, haben sich die fremden Sprachen durchgesetzt und bedrohen ernstlich die Vorherrschaft des Hebräischen im öffentlichen Leben Palästinas. Und dies gilt natürlich im verstärkten Maße im zianistischen Leben außerhalb Palästinas. Hatte man von früheren Kongressen berichtet, daß die Herrschaft des Hebräischen immer stärker werde, so klagen diesmal die Berichterstatter, daß das Hebräische weit zurückgedräi’.gt sei. Die Radikalität der theoretischen Forderung verblaßt vor der Lebensnotwendigkeit. Man spricht eben, um verstanden zu werden, und nicht, um zu demonstrieren. Daß man freilich auf einem Zionistenkongreß in einer Fremdsprache sprechen muß, um verstanden zu werden, wirft ein eigentümliches Licht auf den Lebensernst unserer Bewegung — vierzig Jahre nach dem ersten Kongreß! Man sollte unsere Jubiläen auch so ansehen. Also die Besorgnis ist durchaus berechtigt. Es ist aber fraglich, ob die alleinige'Propagierung des Hebräischsprechens und dar -Schwergewicht das gerade hierauf* gelegt wird, der richtige Weg ist, ja nun kann sogar fragen, ob nicht diese einseitige Betonung mit Schuld ist an der Niederlage des Hebräischen im zionistischen Lager. Hierüber müssen einige weiter ausholende Worte gesagt werden. Warum wollen wir eigentlich das Hebräische ״wiederbeleben“? Es gibt äußerliche und utilitaristische Antworten auf diese Frage: Eine Gemeinschaft müßte doch eine Sprache haben, in der sich die Gemeinschaftsgenossen verstehen, man könne doch nicht eine Volksgemeinde aufbauen, ohne zu ihr durch Zeitung und Radio sprechen zu können, ein Volk müsse doch eine Sprache haben, um ein. Volk zu שוווווווווו1ו!!וו!ווו1ווווווו!ווו!וווווו!וו!ו1!וווווו1וו1וו!ווו!וווווווווו!!!ווו!!ווו!ווווו1ווווו!ו!וווווווו!1ו Aus einem Zyklus ״Das Land“ Von Ilse Aufrichtig (Polly Tleck) Frühling im Land Wie grttnl Wie grün! . . . Man möchte es rufen. Und ganz mH dem Klang das Land öberzlehn, Alle Felder, alle Berge, alle GSrten, alle Slufen: Wie grün! . . . Menschenhand, — Menschenhand, — in wenigen Jahren Das aus Stein und aus Sand gemacht 1 Manche sagen, die es erfahren: Wie Ober Nadiil Grün läuft es weiter aut eiligen Füßen, Felder und Gärten und Bäume blflhn, Und man trinkt diesen Klang, diesen süfien: Wie grün! . . , , Wie grün! .... Abfahrt von Palästina Schwer, forlzufahren, — schwer, dazublelben, — Schwer, zu beschreiben. Warum das so Ist . . . Man bat es so genau erkannt: Süß Ist das Land, — schwer ist das Land, Aber unmöglich, daß man es Je vergißt 1 . . . Warum unmöglich? Man vergaß euch die andern Länder, die man so sehr geliebt. Und man wird weiter wandern, Bis es Irgendwo eine Heimat gibt . . . Aber hier vergißt man niemals mehr Den Schatten des Baums, den eine Hand Gepflanzt hat, schwer Auf Steine und Sand, Und der Wurzeln schlägt und dessen Blätter treiben. Ein grünes Wunder, — und tausend Wunder, wie er, . . . Jetzt fortzufahren, — jetzt dazublelben, — Schwer) , . . sein. Aber alle diese Antworten, die einen großen Teil der Propaganda für das Hebräische beherrschen, rühren doch nur an die Oberfläche. Es wäre dann zum Beispiel logisch, eine fremdsprachige Zeitung herauszugeben, welche ihrem Inhalte nach gern einschaftsbildend sein wollte, statt dessen bekämpft man sie, und bekämpft sie mit Recht! Was das Attribut der gesprochenen Sprache anlangt, das einem Volke zukommen müsse, so beweist doch unsere Geschichte seit der Zerstreuung das Gegenteil. Als die Juden aus Aegypten zogen, sprachen sie nach dem Midrasch ägyptisch. Wir haben auf dem Wege durch die Länder unserer Zerstreuung die Sprache immer und immer wieder gewechselt, ohne daß dies unserem Volkstum Abbruch getan hätte — warum wollen wir es heute anders? Was hat sich im Leben unseres Volkes geändert, daß wir den Bruch vollziehen mit dem zweitausendjährigen Brauch der jeweiligen Anpassung, und das Joch der hebräischen Sprache auf uns nehmen wollen? Es gibt auf diese Frage keine politische Antwort, Jede politische Antwort muß aut der OberfLäche bleiben, genau so wie eine politische Erklärung der Tatsache des Chaluz an der Oberfläche bleiben muß. Hier geht es um tiefere Erlebnisse und Sehnsüchte der Volksseele. Warum kämpfen Völker um ihre Sprache? Um ihre Sprache kämpfend, kämpfen sie um ihren Anteil an der ״numanitas“, der Menschheit. Das Schicksal der Sprache ist wie das Schicksal der Wahrheit. Es gibt die Eine Wahrheit, nach der wir alle streben, aber die kein endlkher Verstand erreicht. Der endliche Verstand hat nur seine Stück- Wahrheit, seine T e i 1 w a 11 r h e i t, die oft den Teilwahrbeiten anderer Menschen widerspricht. Jeder glaubt, die Wahrheit zu haben und darin mag er recht haben. Er hat aber nicht die ganze Wahrheit. Jeder hat sein Stück erhalten und nur im Kampfe um eine Synthese verwirklicht sich jenseits des Bewußtseins des endlichen Einzelnen die Eine Wahrheit. Sie ist uns nicht gegeben, sie ist uns aufgegeben. Aber sie verwirklicht sich nicht durch Kompromiß, sondern nur durch Einsatz und Kampf des Einzelnen um seinen Anteil. ״Anteil Gottes von oben her“, dieses Bibelwort hat Cohen auf die Wahrheit angewendet. Die Sprache ist die Wahrheit des Volkes, jener Teil der Wahrheit, der ihm offenbart worden ist auf dem Wege seiner Geschichte. All die tiefen Einsichten, die sich den Generationen erschlossen haben, umwehen jedes einzelne Wort. Jedes hat seine Atmosphäre, die ihm einerseits von andern Worten zuschießt, und andererseits von den wechselnden Bedeutungen des Wortes selbst. Und alle diese mitzitternden Bedeutungen der ״inneren Sprachform“ des einzelnen Wortes machen den Geist der Sprache aus, die besondere Art, wie das Volk, das diese Sprache schuf, die Welt sah. Wer Beispiele sucht, findet ihrer eine Fülle in B über •Rosenzweigs ״Die Schrift und ihre Verdeutschung“. Es ist charakteristisch, daß die Araber sagen, der Bildner ihrer Sprache sei mit Noah in die Arche gegangen. Sie sehen in ihrer Sprache eine Schöpfung der Urzeit. So kämpft ein Volk, Um seine Sprache kämpfend, um seinen Anteil am Erbbesitz der Menschheit. Und wie sich aus den vielen Teil- Wahrheiten jenseits des einzelnen Bewußtseins die Eine Wahr* heit aufbaiit, so baut sich aus vielen Einzelsprachen die Eine Sprache des Endes der Tage. Und darum ist Uebersetzen —• Rosenzweig hat es gesagt — ein messianisches Tun, Dies alles gilt aber nur von natürlich gewachsenen, nicht von künstlichen Sprachen. Ein Esperanto-Wort kann keine Atmosphäre haben, und wer Esperanto spricht, bekommt dadurch nicht einen neuen Aspekt der Welt. Das ist kein Argument gegen das Esperanto, das doch nur ein künstlieber, praktischen Zwecken dienender Spracliersatz sein soll. Aber furchtbar ist es, wetin eine wirklich organische Sprache von Menschen gesprochen wird, für die das Wort kein lebendiges Leben hat, und die dadurch die gesprochene Sprache zu einem Esperanto machen. Und das ist vielfach dem Hebräischen in Palästina widerfahren. Ich meine jetzt nicht nur die Tatsache, daß falsch, mit vielen Fehlern gesprachen wird, obwohl dies ja schon bedenklich genug ist. Viel schlimmer ist, daß diese gesprochene ״Sprache“ keine Hintergründe hat, daß die gesprochenen Worte tot sind, ohne Atmosphäre, ohne jene ״fringes“, jene Säume, die nach dem Worte von James alles lebendige Denken begleiten. Wenn im Zirkus in Jerusalem der Ausrufer sagen kann: ״Kaet jawo ha-champion wejaasse kimzim“, so mag man dies dem ״niedrigen Kulturnivcau“ des Mannes zuschreiben, obwohl einmal unsere Weisen von der Magd Rabbis die Sprache lernten. Aber was soll man dazu sagen, wenn dieses Hebräisch die Sprache vieler Gebildeter ist, und wenn sie sich damit begnügen?! Und dies ist die Gefahr jenes Schlagwortes und jenes Kampfes, von dem eingangs die Rede war. Wer Hebräisch- Sprechen allzusehr betont, hat den Kampf an einer falschen Stelle angesetzt. Was hülfe es uns schon, wenn alle Ein- Wanderer dieses Hebräisch sprächen? Es brächte uns um nichts vorwärts. Ein Lehrer, der in einer der alten Kolonien Galiläas gelebt hat, erzählte, daß die jungen Kolonisten, wenn sie im Gespräch irgendein wirklich lebendiges, eharakteristisches Wort gebrauchen wollen, das arabische Wort gebrauchen, mit der Hinzufügung ״wie die Araber sagen“. Wo die lebendigen Worte einer wirklich gelebten und gefühlten Sprache fehlten, müßte schließlich auch der Begriff verkümmern. Mit all dem soll natürlich nichts dagegen gesagt werden, daß man für das Hebräiscli-Sprcchen kämpfen muß. Aber man muß sich dessen bewußt sein, daß man damit um einen Wert dritter oder vierter Ordnung kämpft. Man macht es gewissermaßen zu billig und glaubt zu früh, einen Erfolg errungen zu haben. Der Palästina-Kalender Der neue Palästina-Kalender 5698 (Verlag Jüdische Rundschau G. m. b. H.), der vor kurzem erschienen ist, hat kein eringeres Interesse erweckt als seine beiden Vorgänger. Das eruht nicht allein auf dem Inhalt des Kalenders, der durch die Vielfalt und Schönheit seiner Bilder einen lebendigen Eindruck von Palästina vermittelt, sondern auch auf der besonders wohlgelungenen Sammelmappe, die dem Wunsche zahlreicher Besitzer der früheren Kalender-Besitzer entspricht, ist doch nunmehr Gelegenheit gegeben, die abgerissenen Blätter des Kalenders in der Mappe zu sammeln und so für die Dauer aufzuheben. REKLA1GARTIKE1L jetzt schon bestellen ^VEMlBE4JE!SC!lMliIWI£E BBKST HAIDL, Berlin W IS, Karfflritcndanm 50A Rnf: f>17548 Originelle Neuheiten W ־ *.» ' ' 7'S־■