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Jüdische Rundschau · 1937-09-03 · Heft 70-71 (3.9.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 70-71 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70/71, 3. IX. 1937 fl If: ■J׳: ‘t f ,a ji• . 1« | Wirren des jüdischen Lebens, der Unzahl von Opfern, die das jüdische Volk im letzten Menschenalter gebracht hat, in dem seine Söhne auf den Schlachtfeldern, in den Pogromorten «ad auf ihren Wanderzügen litten, die Neuschöpfung hervorgehen kann, die über eine Spanne von fast 1900 Jahren hinweg die Symbolkraft des jüdischen Staates n ieder heraufführt. All das Leiden des Volkes und seiner Söhne gewinnt unter einem solchen Aspekt einen tieferen Sinn. Der Neuschöpfung gehen O e b u rt s we 11 e n voraus, deren Schmerzlichkdt uns nur allzu bewußt geworden ist und in deren Ablauf wir auch heule noch stehen. Wenn der neue Abschnitt in unserer Geschichte Wirklichkeit werden sollte, dann allerdings liegt vor dem jüdischen Volke eine Aufgabe, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten niemals gegeben war. Es ist nicht nur eine Aufgabe äußerer Art, der Mobilisierung der Kräfte, Mittel und Menschen, um den Aufbau des Landes vorwärtszutreiben. Allerdings darf die Größe dieses Werkes nicht unterschätzt werden. Es wird sehr bald darauf ankommen, die Energien und Mittel des Volkes wirklich so zusammenzufassen, daß ein entscheidender Fortschritt des Aufbaus erzielt wird, und daß die erweiterten Möglichkeiten, die sich auf kolonisatorischem Gebiete — wie wir hoffen — ergeben werden, wirklich voll ausgeiiut/t weiden, um den Boden des Landes für neue Siedler bercitzustellen. Dann wird es sich zeigen, ob alle Teile des jüdischen Volkes begriffen haben, worum es geht, und ob insbesondere diejenigen bereit sind, in ganz anderer Weise als bisher am Aufbau mitniarbeiten, die ihr Interesse an Palästina von jeher betonten, ohne jedoch entsprechend praktisch init/uwirken. Leber diesen Aufgaben steht allerdings die Frage der Bewährung in einem tieferen Sinne, es steht die Frage nach der Verwirklichung der eigentlichen zionistischen Vorstellungen, die eine E r n e u e r u n g 11 e s Volkes a ti s seinem Wesen heraus auf dem Boden Erez Israels zum Inhalt haben und uns davon träumen lassen, daß ein Volk eigenster Art, voller Jüdischkeit und zugleich voller menschlicher Werte im Lande seiner großen Vergangenheit einer nicht weniger bedeutsame 11 Zukunft entgegengehen wird. * Wird es nur ein Traum sein? Gestehen wir es: unsere Skepsis ist groß, wenn wir das reale Leben des jüdischen Volkes sehen, auch wenn wir nach Palästina blicken und die Entwicklung des jüdischen Lebens im Lande ins Auge fassen. Das bedeutet, daß wir die Schwere des Weges, der vor uns liegt, erkennen. Es ist ein Weg der Umkehr im vollen Sinne des Wortes, der Umkehr und Rückkehr zu uns selbst. Die Kraft zu einem Leben als Volk, das unserer Vergangenheit und ihrer Ideen würdig ist, werden wir nur dann LONDON 11 Adamson N.W. 3 Mrs. L. B. BENDHEIM Vornahms deulsch-ftnglischa Familianpanaion R o a d haben, und wir werden ein solches Leben gegen die Anfeindungen der Welt und die Verlockungen des Daseins erst durchsetzen können, wenn wir uns in unseren! e i g e 11 e n W esen konzentrieren; wir müssen den eigentlichen, in uns ruhenden Kern unserer Art, als Kreatur der Erde, wecken uiul stark machen, wenn wir die Kraft zum Bestehen in der Lebenswirklichkeit als Einzelne wie als Volk gewinnen wollen. Kraft gewinnen, stark sein, jüdisch werden, Gehalt zurückerlangen — das sind nicht Postulate einer Ueberheblichkeit; im Gegenteil, es sind Forderungen, die wir erheben, weil wir unsere menschliche Schwäche uml unsere Verlorenheit gegenüber den elementaren Kräften des Lebens erkennen, wobei wir aber empfinden, daß wir stärker — und das ist besser —■ nur werden können, wenn wir uns dem Prinzip unseres Daseins wieder annälicrn und dadurch auch fähig werden, weltoffen zu sein, ohne uns dabei zu verlieren. Das sein, was wir sein müssen, uni dem Plan der Welt zu entsprechen — dies allein vermag uns auf den Weg einer nationalen Wiedergeburt zu Führen, um die es sich lohnt zu kämpfen und Opfer zu bringen, und die geeignet ist, nicht allein irgendwo in der Levante einen neuen Staat zu errichten, sondern dem Volk, das diesen Staat auf dem alten Boden Palästinas bewohnt, Bedeutung im Chor der Nationen zu geben. Rückkehr zum Judentum -- wie inan diesen Prozeß genannt hat — ist gewiß keine leichte Aufgabe für ein Der Konflikt in Ostasien Jüdischer Selbstschutz in Schanghai Schanghai, 31. August. (JTA.) Von den Kämpfen uni Schanghai ist die jüdische Bevölkerung dieser Stadt, die größte jüdische Niederlassung im Fernen Osten, schwer betroffen worden. Schon zu Beginn der Kämpfe hatte sich die Notwendigkeit ergeben, einen jüdischen Selbstschlitz, zu bilden, der in den Reihen des Freiwilligenkorps an der Bewachung der Ausländersicdlung teilgeiiornmen hat. Die jüdische Selbstschutzabteilung besteht aus 250 jungen Juden, Mitgliedern der Zionistischen und anderer nationaler Organisationen. Die jüdischen Viertel der internationalen Niederlassung wurden von dem jüdischen Selbstschutz bewacht, der auch die Fürsorge für diejenigen jüdischen Einwohncr übernahm, die unter dem Bombardement der Stadt zu leiden hatten. Es wurde der jüdischen Bevölkerung bei der Uebersiedlung in die französische und die englische Frcindemiicderlassung Hilfe geleistet. Mit der Fortsetzung der kriegerischen Operationen hat sich die Lage der Juden von Schanghai verzweifeit gestaltet. Das Rabbinat hat einen Aufruf erlassen, in dem Hilfe für die Kriegsopfer gefordert wird. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnhäuser sind den bei der Beschießung entstandenen Bränden zum Opfer gefallen. Etwa 5000 Juden sind von den Kriegsereignissen betroffen worden. 500 Juden in Schanghai und 200 Juden in Hongkong haben all ihr Hab und Gut verloren. Das Kadoorie- Institut hat einen Hilferuf erlassen, in dem erklärt wird, daß es nicht mehr imstande sei, allein die Last der Fürsorge für die notleidende jüdische Bevölkerung zu tragen. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Schanghai lebt in den ausländischen Niederlassungen und gehört zu den begüterten Kreisen des Handels, der Industrie und des Bankwesens. Immerhin wohnte ein erheblicher Teil der Juden Schanghais auch in dem Chinesenviertel, dessen Vernichtung durch den Gang der Kriegsereignisse unvermeidlich erscheint. Dieser Teil der jüdischen Bevölkerung ist aufs äußerste gefährdet. Von den jüdischen Einwohnern sind 65 ״/o Angehörige osteuropäischer Staaten. Es gibt auch eine Anzahl von Juden englischer, amerikanischer, französischer, holländischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Zahlreiche Juden sind in den letzten Jahren infolge der veränderten Verhältnisse aus Mandschukuo, insbesondere aus der Hauptstadt Charbin, nach Schanghai übersiedeit. Ferner gibt es eine Anzahl von Bagdader Juden, die schon vor 80 Jahren, nach der Oeffnung der freien Häfen, eingewandert sind. Sie besitzen zum größten Teil die irakische Staatsangehörigkeit und stehen unter britischem Schutz. Viele große Industrie-, Import- und Exporthiiuser in Südchina stellen unter ihrer Leitung. Sehr bedrohlich war die Lage der Juden von Tientsin mehrere Tage lang. Judenfeindliche Elemente hatten vor der Neuregelung der Machtverhältnisse mit Ausschreitungen gedroht. Eine jüdische Selbstschutzabteilung sorgte für die Sicherheit von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Zahlreiche Juden hatten in der britischen und in der französischen Niederlassung Zuflucht gesucht. Besonders tragisch ist die Lage derjenigen Juden, die unmittelbar vor dem japanischen Angriff in Tientsin eingetroffen sind. Diese sind zum größten Teil auf die Unterstützung durch die jüdische Gemeinde und die jüdischen Wolilfahrtsgeselischaften angewiesen. Tientsin ist das zweitgrößte jüdische Zentrum in Fernost. Wegen der kommenden Feiertage erscheinen die nichsten Ausgaben 72 am Freitag, dem 10. Sept. 73 am Dienstag, dem 14. Sept. 74/75 am Freitag, dem 17. Sept. 76/77 am Freitag, dem 24. Sept. Fa m i I i e n-Nac h r i c h ta n nehmen wir bis zum Tage vor Erscheinen gegen Mittag entgegen Geschlecht, das sich von sich selbst entfernt hat; sie ist besonders deshalb so schwer, weil sie zugleich weit hinübergreift in die menschliche Haltung des Einzclnen und der Gesamtheit. Am zweiten Tage Rosch Haschanah lesen wir die Erzählung von der Bindung Isaaks, jene ergreifende Darstellung menschlichen Gehorsams gegenüber dem absoluten Gebot, an die sich die Verheißung für den Samen Abrahams anschließt. In dieser Etzahlüng konzentriert sich die Fülle der sittliehen Rigorosität, mit der das Judentum dem einzelnen Menschengegenübertritt, und es zeigt sich zugleich an dem Beispiel Abrahams, des Stammvaters, die ganze Schwere des Anspruchs, die darin liegt, ״jüdisch zu leben“. Wir sind von der Erfüllung solchen Gebots weit entfernt, und zwar alle Teile des jüdischen Volkes, wie immer sie in ihrem praktischen Verhalten dem Religionsgesetz als solchem gegenüberstehen. Nicht immer wird das erkannt, und es gibt leider auch in unserem eigenen Kreise genug an Selbstgenügsamkeit, die sich mit äußerlichen Formen und einer gewissen Betriebsamkeit begnügt, ohne Stunde um Stunde die Frage zu stellen, wozu das alles führt und wo der Sinn des Tuns unter dem Gesichtspunkte der letzten jüdischen Maßstäbe liegt. Wenn wir die nationale Renaissance unseres Volkes richtig auffassen, dann kann es nur so geschehen, daß wir in ihr den großen Versuch sehen, das Volk als ganzes wieder zu diesen höchster! und schwersten Maßstäben des Lebens zurikkzuführen und ihm in der äußeren Wirklichkeit eine Chance dafür zu geben, daß es das Rechte, das Jüdisch-Zulässige und das Menschlich-Gebotene tut. Diesem Ziele zuzustreben und sich ihm nach Möglichkeit anz.unähern, ist nicht nur eine Aufgabe ruhiger Zeiten, in denen man Zeit zur Besinnung hat, sondern um so mehr der stürmisch bewegten Epochen, in denen die Wellen des Lebens hockgehen und einem den Atem zu rauben drohen. Dann, ja erst dann kann sich die Kraft des Einzelnen und der Wille des Volkes bewähren, dann kann es sich zeigen, wieweit wir auf dem Wege der Wiederauferstehung der Volksseele, der Erweckung der Herzen gelangt sind. Prüfen wir uns auf diesem Wege! Prüfen wir unser eigenes Tun und sammeln wir unsere Energien für die äußere Erneuerung und die innere Sammlung, die in der kommenden Zeit not tut, jetzt zum Beginn des neuen Jahres! _ K. L. Die Konferenz der polnischen Juden Von unserem Berichterstatter J. M., Antwerpen, Ende August Vier Tage lang berieten Vertreter «1er polnischen Juden aus allen Weltteilen, wie die moralische und materielle Hilfe ';ir das notleidende Judentum Polens zu organisieren und ■ irksam zu gestalten ist. Ueberblickt man heute das Ergebnis dieser Beratungen, über deren Beginn in der vorigen Nummer berichtet wurde, so muß man sagen, daß sie nicht mir theoretische, sondern eine Fülle von praktischen Resultaten aufzuweisen haben, die bei einer entsprechenden Durchführung von großer Bedeutung für die Lage der Juden Polens sein können. Aber neben alledem hat diese Konferenz wiederum bewiesen, wie stark die geistigen Bande sind, die das Mutterlana Polen mit den polnischen Juden verbindet. Ihre geistige Nahrung ziehen sie bis auf den heutigen Tag aus diesem fruchtbaren Mutterboden, der [Klinisches Judentum heißt. Seit Babylonien und der großen Epoche in Spanien gab es kein anderes Land, das eine so mächtige Konzentrierung des schöpferischen jüdischen Volkselementes barg wie gerade Polen in den letzten Jahrhunderten. Das polnische Judentum existiert noch heute mit einer Fülle von unverbrauchten Kräften, mit reichen Anlagen zur Entfaltung und Weiterbildung der jüdisch-nationalen Kultur. Das war der sich immer wiederholende Ton, der aus den ■Referaten und Reden solcher Männer wie Ab. G o 1 d b e r g, Dr. J. Taubes, Morris Meyer u. a. zu hören war. Systematisch ist dieser Gedankengang in einem Referat von Dr. I. Meitlis (London) ״Der geistige Standort des polnischen Judentums“ entwickelt worden. Einwanderung nach Australien Erschwerende Bestimmungen Melbourne, 31. August. (JTA.) Für die Einwanderung nach Australien sind neue Bestimmungen erlassen worden, denen zufolge die Zulassung von Einwanderern in Zukunft davon abhängig gemacht wird, daß sie eine Bestätigung vorlegen, aus der hervorgeht, daß sie für ein bestimmtes Unternehmen fest angestellt worden sind. Bisher genügte in der Regel für die Zulassung eine Garantie der Jüdischen Gemeinde, daß der Einwanderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen werde, um die Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. Einwanderung nach Chile. Der Hilfsverein der Juden ln Deutschland teilt mit: Nachdem schon vor einigen Wochen auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, eine beschränkte Anzahl jüdischer Familien nach Chile zu bringen — einem Land, in das sonst die Einwanderung fast völlig gesperrt ist und das in klimatischer Hinsicht als besonders günstig gelten kann — wiederholen wir nunmehr, daß diese Möglieh heit immer noch besteht, und zwar unter folgenden Voraussetzungen: Der Familienvater muß einen manuellen Beruf ausüben. Ferner soll er möglichst nicht über 40 Jahre sein, mehrere Kinder haben and imstande sein, ein kleines Kapital nach Chile zu transferieren. Hierbei ist zu betonen, daß für Chile besonders günstige Transfermöglichkeifen gegeben sind. Zuschriften sind zu richten an den Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W 35, Ludendorifstr. 20. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charl. fl (auch verantwortlich für di« Aufnahme von Bildern). Stellvertreter« Kurt I, oewenstein, Berlin W 15. Anzeigenkiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W18. Gültig Anzeiger. - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und AnzeigcnveTwaltnng: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1937 30316. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. וו3ס? DAS SPEZIALHAVS FÜR Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel m iBIifelsiip M°N1Ac den6'5e ormsrJr DEN 7 cip״,, lSEPT- B B R l M N e SPANDAUBM S 7144 1 1 £6 NIC STRASSE . C M C M. * % t i : ׳ ** * ' üMidi

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