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Jüdische Rundschau · 1937-08-31 · Heft 69 (31.8.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 69 (31.8.1937)
Date
1937-08-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 31. VIII. 1937 | Constantin Brunner # Briefe an die Redaktion Am 23. August wäre Constantin Brunner 75 Jahre alt geworden, am 27. A1ft!ust starb er. An die Stelle der geburtstäglichen Ovationen treten nun die Nachrufe, auch sie sicher- ]ich weit unter Gebühr, denn Brunner war immer ein zu tin/imftigcr und eigenmächtiger Kopf, um beliebt und populär zu wertk-ii. Wir haben, solange er über j u d e n p r o h I e in e schrieb . und wohl die tI.ilfte seiner Schriften gilt solchen Probieren - die heftigsten Hinwendungen gegen seine Auf- Jassimg gehabt; heute dürfen wir auch das nicht zum ersten Aktie unseren Respekt vor dem /utieist rechtschaffenen Main;, tir.-ere Verehrung für den geist- und sprachgewaltigen Denker vor,•:!!steilen. Es ist leer nicht der Ort, Brunners Philosophie zu erörtern, deren;nächtiges Grundbuch ״Die Lehre von den Geistigen und den! Volke“ ist, deren Lebensnahe und üiiltigkeit sich gleichermaßen in späteren Abhandlungen über Christus, Ehe, Judenhaß und psvcliologische, ja selbst medi- /mische Themata erwies, und deren!!!!akademischer, oft bis ins Prophetische mommteiitaier Vortrag ihm das Totschweigen der Scimlmaßigen eintrug, weihrem! seine Gedanken längst anonvm wirk-am geworden von cm fs mag später einmal eine schöne Aufgabe sein, an dicM:r so konkreten und freien, vom sihobn-ms hen Denken bet! eucn Philosophie die jüdischen l oite rslr nimm een fcst/ustcllcii. Ihn; geilen besonders r, r u 11 11 e r s A e u ß e r 1: n - gen zur I 11 d e 1t f r a g e und;!her die Juden an, von denen er!10; 1 kr 0:0• : ן r i ״rio, :!g!; 11 mI Di-tanz fand, ״daß sie eine :.,ei,11 ׳ t:,,r::d sind, leider mir fast beständig in ■י. i!im;:mm V!׳;!!; :Oeiimnr'. Aber seine Distanz, die ubrigram moiur auihnne. ~«׳b:!:U es nur enmt um die jüdische I einem: 01:0׳•!!;: ׳, war niemals \\ rieug:11i:1g seiner;udisehen 1 le:!.min ln nn!ni im 11 eigentlich 1.copold kV er t heim er, Sinn Ga bleute! v-,.! r de! 1!!׳.;aut•• Minimer ()!vrnibbincr Akiba Vr 1.. 1 k wer. auch -am V,a:cr Mosche Wertheimer war ein bemc:'1u1״,y, e!Ur '1 ahniidi-t, und Brunner selbst verdankte sein D Inn. v.;e er ,man! launig erzählt, einem l’eßachiierlr: Sr in Vater rabgr m AI!o;!a ״in! Hanse sehr!■infaeher L.eute“, ilern! ,.noeh imli! ganz sechzehn Jahre zahlemies siatlii 11 e: hhiiiti - [da h, ei '0,1!■׳ ein0- Morgens noch vor sechs l '!!r vor scimait I’rtt, -!and. um ihn zu bitten, das l.ied (dhadwai •a, d'ier am Ahcml zuvor so schon gesun.gr׳!! hätte, 110111־ einmal zu -innen : er v. n׳< den! 11;!i\ 1• 11 .Mädchen die Dir, alter ״dö du also wirkliei! das schöne Lied so gewaltig lieb hast, bleib! nur mm gar nichts anderes übrig —“ als das .Mädchm zu heiraten. Das ..seltsame aüe l.ied״ nimmt 111 Brunners an biograplüschen .Mitti'iiiiiigeii sonst nicht reichen Schriften einen Ehrenplatz ein wie'vieles gut um! alt Jüdische, wovon Brunuer weitaus mehr wußte, als er Staat damit machen mochte. Unmcrklidt und glücklich angewandt kehren auch hebräische Termini und Wemlungcn in seinen Schriften wieder, deren eine sogar einen hebräischen Titel fuhrt: Mauschelet!! Sadon. Gleichwohl mul’ie dem weltweiten Philosophen die nur juden- 1!mi!!c!!e Welt zu enge werden. Später einmal, bei der großen 1 leiniliolung aller jüdischen (feister aus den Landen und Sprachen der Volker, wird man Brunner wohl eine Erscheinun;; der lla.-ka!ah nennen. Das Judentum spielt für ihn so wenig mit wie sonst ein ״tum“ eine Rolle, aber d is jiidensehicksal, die Juden von heute und morgen, der ludenliaß, der Ziotiistmis finden ihn immer wieder als einen immer wieder seine eigene Partei nehmenden Denker. Das Judcn-cim ks.1l war ilun niefif nur philosophisch inicrcs-aiit, cs 1!!!: B ihn im We-ensgrtimi gepackt haben, bis er c-, doch niemals kuhl, als ein psycholngi-ches, ja Sommerkonzerte des Huberman-Ordiesters Aus Mu'ikeikiL'ifCii 'vird uns iehen: T c l A v i v, im August Sehr geehrte Redaktion! Die SonimerkoD/erte des Hub c r m a 11-Ori'li e s f e r * .sind i'siu׳ Sae!־e. mit der die in P;tl;i- ,si1:';1 lebenden Mu-aker niehi 1e-t!0' einvei-arulen sein könncii. L mjinmg'ieh .sind sic de>- hall» eilige! ichtet worden, um d.ts ()rebe '(er niehi unFc't'häi ז igt. zu ki>wc;n und wenigsten', einen Teil der knii'enden S[»e-en cinzubrin- Abt.-r zugieieb sucht man aut tbe-'C \\ י1י eine gewL>>e l nz.u!niwienheit i!n Jiscluiw zu be-v! 1 m iah! igen, dab zu den WhnerkonzGitcn nur;1tD\v;u1i״e Musiker herangezt >gen wei den. Die \'01a׳j-MT7nngen und |!<*dingangen die-cr Konzen«• im Som-!ner .dnd aber so ungun-a;g, dal.׳» sre zwangoHäufig nicht .so gut werden können wie die Konzerte im Winter: cs gibt grundshtzurh zu jedem Konzert, n 11 r 1 \\ c i Pro h c n, während für jedes Wimcrprogiamin niinricstens sechs Frohen verunstaltet werden. Ferner finden die Som-!mrkonzeiie im Freien stau, in einem a k 11 י i i s e h u n g ü n - st igen (unten; und auch das eigentliche Mimik publik um ist. zu einem groben Teil auf der Europareisc. So fehlt den Hörern ein tatsächlicher MalDtab zum Vergleich der ist nngeu der einheimischen mul der auswär* hgen Dirigenten. Hs wärt' sehr dringend zu wiinudien. der Paleotine Orchestra Trust zugun-ucn der im Lande lebenden und schwer um ihre Existenz ringenden Mudker seine bishe! ige Praxis ändern und eine gerechtere Verteilung der Konzerte vornehmen würde. Hochachtungsvoll d. Um das jüdische Buch Steilin, den 27. August 1937 imih einmal ein paar Worte zu Seiir peehite Redaktion! tie-tanei: Sie dem jiidi-elien Buehhandel, 71! die-cin Tbema sagen. Da inneihalb eines preßen Teiledekauf- und Zahlung.- krallige» jüilnctien Publikums eine ablehnende Haltung gegenüber dem jüdi-chen Buch bestellt, halte ich cs für richtig, daß die Reprli-eniantin des Judentums in Deutschland, die Rcichsvertretinig. einen Anfrut erläßt, das jüdi-elie SehriMtuin zu fördern. Denn je mehr Intere-״e seitens der Kundschaft vor- Hegt, desto eher ä-t der jüdische Buchhandel in der Lage, alle Wünsche zu cüülJen. — Der jüdi-elie Buehhandel kann nicht jedes Gemeindemitglied erfassen, noch weniger im Bezirk als im Ort selber, daher brauchen wir die l'ntcrstiitzung auch der maßgehenden jüdischen Oigani-ationcn. Ich hake den Vorschlag von Herrn Trioden!hal jedoch insofern für umiclitig, aher davon spricht, in Kleingemeimlen Lohrer usiv. für den Vertrieb anzustcllcn. Dadurch envikh-t uns — ob gewollt oder nicht — eine uncivvün-ehte Konkurrenz״ da wir jedesmal den um un-eren Ileimator! liegende!! Bezirk mitbeaibeilcn uinl oft von einer sieh ständig vc!kleinernden Gemeinde allein nicht leben können. Ich mache daher folgenden Yoischlag: Eine Liste zu schalfett. die sämtliel'.e jüdischen Bin h hü in II er und Buehvertriebc erlaßt und -ie j e d e m Jude n in Deut.-rhiand, auch demjenigen, der heute noch zu bequem i-t, Port״ für ein jüdisches Buch aU'Ziigchcn. z.u?t.t-!eilen, damit ade informiert sind, wo sie bezivilen können. Außerdem dürften die Vcrleger nicht mehr direkt an den l’i ivoi künden liefern, weil auch da,huch uns viel Aeger und Konkurtenz gemacht wird. Die Verleger müßten nur an den Buchhandel liefern, der dann .seiner -ei!.- wieder das jüdische Publikum zu bedienen Hat. — Dann i-t dem jüdischen Buchhandlcr eines der llaupthinderin-e aus dem Weg geräumt, und, wenn dann noch der jiidi-elie Verleger mit einer allseits in!c1c.--acr■enden Huehprodukt ion uuiv, inten kann, auch die ausreichende Vcr-orgnng der jürli- .schon Ktindschaf! mit jüdischen Büchern garantiert. Mit: voiz.uglicher Hochachtung E b c r 11 ard B u r g h e i m Anmerkung der Re d a k I i o n: Wir schließen mit dieser Zuschrift die Debatte, nachdem Autoren, Verleger und Buchhändler zu Worte gekommen sind. philosophisches Phänomen allerersten Ranges erkannte lind in mehreren großen Schliffen behandelte. Brunner war Hcr/.ls Altersgenosse, und beider Erkenntnisse und Verallgemcineningen sind einander parallel. Aber im entscheidenden Stadium, wo ans der Erkenntnis V erhalten t!nd Tat wird, kann es keinen tieferen Vidersnruch geben. Rein erkenntnismäßig ist Brunner, der schließlich alles den juden vom Nichtjuden Scheidende abiehnte, Emanzipation proklamierte, noch den C.-V.- Standpunkt als jüdisc!1״völkisch״ empfand und erklärte, einzig und allein noch ״das Wort Jude ist der Judenfleck“, von vollkommencr Konsequenz, nur praktisch politisch, mir lebensmäßig macht die vollkommene Konsequenz des Geistes leider häufig den Eindruck von Don Quijotcric. Auch das wußte der unendlich gescheitere als immer selbstbehcrrsehtc, eifervolle Philosoph sehr gut und nicht nur im allgemeinen der Erkenntnis des menschlichen Wesens und Weltgetriebes: ״Die Erkenntnis, die wirkliche Theorie der Wahrheit ist freilich hier so wenig wie sonstwo das Letzte, sie ist nicht das Wichtigste in der praktischen Menschenwelt.“ Aber für diesen ״Stier des Denkens“ — Brunner hatte nichts gegen dieses von einem Freund auf ihn gemünzte Bild — war der Zionismus ein rotes Tuch, bei seiner Einstellung zum Nationalismus, zur Wahrheit, zum ״Aberglauben“, zu Spirioza und Christus höchst berechtigter Weise; die palästinensischcn Unruhen von IQ2Q wurden ihm zum Argument, die zionistischen Ideologen, von denen er sich Klatzkin besonders vornahm, gefährliche Chauvinisten, ihre Lehre gedanklich eie Mißding: ״Das jüdische Volk mit den vier Ohne: ohne Land, ohne Staat, ohne Volk und ohne Verstand!“ Und endlich: ,,Einige Generationen ohne Judenhaß, — und es gäbe keine Juden mehr.“ Also wieder ein utopisches Wenn an Stelle einer Losung. Brunner war ein Mann voller Widersprüche, sobald er die Sphäre des reinen Denkens verließ. Er hatte, ehe er gegen den Zionismus mit ebenso glanzvollen wie maßlosen Formulicrungen losbrach, längst klarer als irgendeiner dargeiegt, daß und warum der Judenhaß keine Gelegenlicits- oder Zufallserscheinung bestimmter Zustände, sondern ein wesentliches Moment ist. Iri seinen weniger leidenschaftlichen Darstellungen be/eichnctc er die Emanzipation als einen erst begonnenen Prozeß, der auch zu erwartende Rückschläge miteinbegreife, und warb mit allen wunderbaren Mitteln seiner Sprache durchaus nicht für Assimilation als Aufgeben jüdischer Eigenheit, sondern für Verständnis, eine Insel des Verständnisses, ״die ist wichtiger noch als eine gesicherte Heimstätte für die Juden“, die in ihren Ländern nicht bleiben könnten. Eine solche Heimstätte könnte ja weder so bald geschaffen werden, noch viele Juden aufnelimen. Das letzte Wort Brunners zur Judenfrage, das unsere Oeffentliclikeit erreichte, erschien vor sichen Jahren, ln weleher Weise die hiesigen und die palästinensischen Entwichhingen dieser sieben Jahre ßnmner beeindruckt haben, ist uns nicht bekannt. Der immer fern vom öffentlichen Betriebe lebende, aber mit den Seinen immer herrlich lebensfreudige ״Einsiedler Constantin Brunner“ wohnte die letzten Jahre im Haag, bei seinem Spinoza. Und wir meinen, daß er trotz, allem gestorben ist, wie er gelebt hat, als ein mutiger Geist und freier Kopf, der bei aller Krausheit seiner Wege im Praktischen, im Denken sein Glück fand: ״Ich wollte nicht bloß leben, sondern im Wunder bleiben.“ Leo Hirsch Im Alter von 47 Jahren starb in Wien der Vizepräsident der österreichischen Landeskotnmisskm des Keren Hajessod, Dr. Herbert Paul Schutzmann. 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