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Jüdische Rundschau · 1937-08-27 · Heft 68 (27.8.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 68 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 68, 27. VIII. 1937 große Entwicklung abgeben kann. Es ist bedauerlich, daß von Kreisen, die nicht gerade durch Verantwortung*- bevvußtseiri ausgezeichnet sind, immer wieder der Versuch gemacht wird, unser Verhältnis zu England zu stören. Nicht anders jedenfalls kann jene peinliche Affäre bezeichnet werden, die sich an die Publikation eines Doku• mentes über eine Unterredung Dr. Wcizinanns mit dem britischen KolonialministerOrrnsby-öore knüpfte; diese Publikation, die auf Grund eines Vertrauensbruches seitens des Führers der Juden- Staatspartei, Meir Groß mann, zustande kam, hat in der englischen und internationalen Presse Aufsehen erregt. Dies wurde nicht nur dazu benutzt, Dr.Weizinann persönlich zu diskreditieren und ihm die Verhandlungen, die wahrlich schon schwer genug sind, noch mehr zu erschweren, sondern es hatte den Effekt, daß die gesamte jüdische Sache vor der öffentlichen Meinung Englands bloßgc stellt wurde. Es geht ״Maxirnalisten“ dieser Art, wie es scheint, weniger darum, die Sache selbst zu fördern, für die sie gerade nach ihrem Programm die englischen Sympathien noch stärker brauchen würden, als um ein Äusfechten des innerpolitischen Kampfes um jeden Preis, selbst um den einer schweren Schädigung des jüdischen Standpunktes. Gerade wenn wir die Balm der Verhandlungen mit England beschreiten wollen, um trotz seiner schwierigen Lage gegenüber den Arabern Konzessionen zu erreiche״, so ist ein Weg, wie er von gewissen Kreisen eingeschlagen wurde, der beste, um die Möglichkeit derartiger Verhandlungen von vornherein illusorisch zu machen. * ' In Palästina selbst gibt es indessen bemerkenswerte Bestrebungen unter den Arabern, die Teilung des Landes durch eine direkte Verständigung mit den Juden zu verhindern. Es scheint, daß man von arabischer Seite dabei auch an eine Vermittlung der Palästina-Regierung gedacht hat. Allerdings sind die Vorschlage, »her die berichtet wird, nicht geeignet, irgendeine verantwortliche jüdische Instanz zu Verhandlungen zu ermuntern. So heißt es, daß Voraussetzung der Verhandlungcn die Anerkennung des gegenwärtigen Be- V ö 1 k e r u n g s s t a 11 d e s von 2:1 durch die Juden und die Regulierung der Einwanderung auf dieser Basis sein soll. ,,Great Britain and tlic East“, die Zeitschrift des Kolonialamtes, berichtete aus Jerusalem, daß die jüdische Einwanderung durch die Schaffung einer Quote für Palästina und die benachbarten arabischen Staaten reguliert werden soll, wobei gedacht ist, daß Palästina Teil einer panarabischen Föderation werden würde, die einen Vertrag mit England und den Juden als drittem Partner abschließen könnte. Obwohl diese Pläne, soweit in der Oeffentlichkeit Einzelheiten darüber bekannt geworden sind, keine akzeptable Grundlage für ernsthafte Verhandlungen abgeben, müssen sie von uns doch registriert werden, zumal bis vor kurzer Zeit keine einzige arabische Gruppe es wagte, den Gedanken einer Verständigung öffentlich zu diskutieren, die in irgendeiner Form auch der arabischen Seite ein gewisses Nachgeben auferlegl. Die € o u n c i I - T a g 1111 g der J e w i s h Agency hat ihrerseits die Agency-F.xekutive beauftragt, die britische Regierung zu ersuchen, eine Ver st and ig u n g s k u n f e r e 11 z v o 11 J 1! d e!1 u 11 d Ar a b e 111 ׳ zustände zu bringen. Es soll ein Versuch in letzter Stunde sein, wie Dr. Weizinann seihst ausführte, um zu einem friedlichen Ausgleich auf Grund der Balfour-Deklaration und des Mandates zu gelangen. Niemand kann voraussagen, ob die Hoffnungen derer, die die Zeit hierfür jetzt für etwas günstiger halten als noch vor wenigen Monaten, sich erfüllen werden. fn Jedem Falle aber scheint uns, daß die Hand, die von jüdischer Seite ausgestreckt ist, um das Ziel der Versöhnung zu erreichen, ein großes moralisches Plus ist, das, wie immer die weitere Geschichte Palästinas sich gestalten mag, seinen Wert behalten wird. Es kommt ja darauf an, unter allen Umständen zwischen den Völkern Palästinas den Friedenszustand zu garantieren, da nur unter seiner Voraussetzung die Sicherheit des Landes und das jüdische Aufbauwerk bestehen kann. Diesem Ziele dienen letzten Endes auch die Vorschläge, um die heute gerungen wird, und ihre Prüfung muß nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt erfolgen, ob sie eine neue Chance zu diesem Ziele hin erschließen. * Palästina an! der Kenessio Gedaulo Mar ienbad, 25. August. UTA.) Eine eingehende Erörterung der aktuellen politischen fragen Palästinas wurde auf der Kenessio Gedaulo durch zwei Referate cingelcitet, die der Direktor der Palästinazcntrale der Agudas Jisroel, Dr. Salomoti Ehr mann, Frankfurt a. M., und Dr. Isaac Breuer hielten. Am Montagabend wurde nach langen Debatten eine Ent- Schließung angenommen, die sich mit der Frage der Teilung Palästinas beschäftigt. In dieser Entschließung lehnt die Kenessio Gedaulo den im Peel-Bericht vorgesclilagenen jüdischen Staat ab. Sie hält die tatkräftige Durchführung des Mandats, verbunden mit einer Politik der Versöhnung von Juden und Arabern, für möglich. Sic protestiert gegen die vorgesehenen einstweiligen Einschränkungen der Alijah und des Boden er werbs und ermächtigt die Politische Exekutive der Agudas Jisroel, Vcrhandiungen mit der englischen Regierung und dem Völkerbund auf- :׳unehmen, um eine Lösung durch/usetzen, ״die den religiösen und materiellen Bedürfnissen des jüdischen Volkes sowie seinen auf der Thora begründeten historischen An- Sprüchen an das Heilige Land entspricht“. Eine weitere Ent- Schließung des Rah'binischen Rats beschäftigt sich mit der Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina auf Grund der Gesetze der Thora und der Forderung, daß die Thora das Grundgesetz des jüdischen Staates sein müsse. Die Entscheidung des Rabbinischen Rates und die politische Resolution wurden gegen eine Stimme angenommen. Dagegen stimmte nur Sch. Z. Moses, e!11 Poel der Agudas Jisroel aus Petach Tikivah. Der Vorsitzende der Poale Aguda in Lodz, Landenb erg, hielt sodann ein Referat über ״Wirtschaftliche Fragen der agudistischen Arbeit“. ln der Schlußsitzung wurde nach Annahme von Ent- Schließungen über Chinueh (Erziehung), Keren Hajischuw (Palästina-Siedlungsfonds), Sehmitio (landwirtschaftliches Brach- 'ahr in Palästina), Sch in i ros Schabbos (Beobachtung des Sab* aat> usw. ein Zentralrat gewählt, dessen Vorsitz der frühere polnische Senator und Oberrabbiner von Rzeszow, Aron Lew in, übernahm, sowie ein Waad flapoel (Aktionsausschuß) gewählt, dem führende Persönlichkeiten angeboren. Da I)r. Isaac Breuer erklärte, in der neuen Exekutive kein Amt übernehmen zu wollen, wurde zur Vermeidung einer Leitungskrise die Wahl der Exekutive dem Waad Hapoel überlassen. gekommen sind, wie auch eine erhebliche Bewegung unter den in Frage kommenden arabischen Kreisen, verstärkter Waffensaiimugge! usw. Die Sorge, die sich im Hinblick auf diese Erscheinungen im Lande selbst ausbreitet, ist groß. Die jüdische Presse hat mit aller Eindringlichkeit die Mandats-Regierung auf die beunruhigenden Symptome hingewiesen, um sie zu veranlassen, rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Wenn überhaupt durch die in Genf und London vorzunehmenden Entschcidüngen eine Befriedung des Landes eingeleitet werden soll, dann gilt es, in dem kürzere oder längere Zeit dauernden Uebergangszustand unter allen Umständen und mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln die Ruhe 1 Lande aufrechtzuerhalten. * Diese Ruhe ist das Mindeste, was Palästina nach den vergangenen schweren zwei Jahren nötig hat. Die Nerven der Menschen sind aufs äußerste angespannt, und die Sorgen des Tages blicken einem jeden ins Gesicht. Solange die Frage der Zukunft des Landes ungeklärt ist, muß der ökonomische Druck, der durch LONDON N. W. 3 Mrs. L. B. BENDHEIM Vornihm* deutsch-englisch* Fernlllenpeneten R o ■ rt den Mangel an Initiative entstanden ist, anhalfen. Es wurde bereits auf dem Kongreß in verschiedenen Reden darauf hingewiesen, wie bedeutsam es ist, diesen Teil unserer Arbeit über den großen politischen Problemen, die uns bewegen, nicht zu vergessen. In der Tat ist die Lage wichtiger Schichten des Jischuw in wirtschaftlicher Hinsicht ernst. Dies gilt vielleicht nicht einmal so sehr von der Arbeiterschaft, unter der die Zahl der Arbeitslosen jedenfalls keinen beunruhigenden Stand erreicht hat, wie von erheblichen Schichten des Mittelstandes, die in Berufen imtergckommen sind, die gewiß in einer Zeit der wirtschaftlichen Entfaltung ihren Mann ernährten, die aber jetzt, nachdem der Lebensstandard und die Kaufkraft der breiten Masse sehr stark herabgesetzt sind, mehr oder weniger an die Wand gedrückt wurden und einer schweren Depression unterliegen. So notwendig es ist, durch die Schaffung öffentlicher Arbeiten, wie sie z. B. in Tel Aviv jetzt in erheblichem Umfange vorgenommen werden, helfend einzugreifen und Arbeiter zu beschäftigen, so notwendig ist es, unser Augenmerk auf die Lage dieser Mittelstandsschichtcn, unter denen sich zahlreiche Einwanderer aus Deutschland befinden, zu lenken, ruht in ihnen doch ein wertvolles Kapital an menschlichen Kräften und Idealismus, dessen unproduktive Aufzehrung in einer vorübergehenden Epoche des Ueberganges ein schwerer Schaden für das Aufbauwerk wäre. Wesen unserer Arbeit lind unserer Ziele za widmen. In diesem Sinne ist es besonders zu begrüßen, daß gerade jetzt ein Buch erschienen ist, das wie kaum ein anderes geeignet ist, uns dieser Selbstbesinnung nahezubringen. Eine Auswahl aus den Schriften A.D.Gord 0 ns in deutscher Sprache ist soeben veröffentlicht worden. (A. D. Gordon: Auswahl aus seinen Schriften. Uebersetzt von Victor Kellner — Jüdischer Verlag, Berlin 1937.) Gewiß gab cs auch bisher schon die Möglichkeit, die Worte dieses zionistischen Denkers, dieses Arbeiters, der mit Herz und Hand und mit der Glut und Reinheit seiner Seele der Verwirklichung des Zionismus auf dem Boden Palästinas lebte, kcnnenzulernen. Es gab seine ״Briefe aus P a 1 ä s t i n a“, es gab den Sammelband ״Erlösung durch Arbeit“. Jetzt jedoch ist auf Grund der hebräischen Ausgabe eines Auszuges aus Gordons Aufsätzen, Briefen und Tagebüchern ein Buch zustandegekommen, das das Bild dieser Persönlichkeit, ihrer Eigenart und ihrer Gültigkeit für alle Epochen der zionistischen Arbeit uns weit eindringlicher vor Augen stellt. Hier sehen wir, wie in einem Menschen die nationalen und die menschheitlichen Aufgaben Gestalt gewonnen haben, und wir empfinden, wenn Gordon zu uns über aktuelle Fragen des Lebens in Palästina, der Arbeit, der Politik oder über die letzten Dinge, die den Geist des Menschen bewegen, spricht, weiche Tiefe in unserer Bewegung der jüdischen Renaissance enthalten ist, wenn wir nur die Aufgabe des Volkes, die Aufgabe des Einzelnen und der Familie im Volke recht begreifen. Wie sehr spricht es uns an, wenn er sagt, ״daß wir beauftragt sind, auf die Besserung des Volkes bedacht zu sein, es auf den Weg zu führen, den die Entwicklung des Menschengeistes nimmt, den Weg des Strebens nach Wahrheit und Recht in der Beziehung zu den übrigen Völkern und zu jedem Menschen“. Für ihn ist ja die Renaissance aufgebaut auf der Idee vom Mensch-Volk, einem Volke, das die Prinzipien der individuellen Sittlichkeit zu seinen eigenen machen soll. Und wie sehr empfinden wir es nach, wenn er sich an den Einzelnen wendet, an den Einzelnen, der sich ganz in den Aufbau versenken soll, um eine Kraft zu entfachen, die das ganze Volk aufwecken wird. Ihm ist unsere Arbeit nicht ein praktisches Streben, sondern ein national-menschliches Ideal, bei dem es auf die Tiefe ankommt, mit der es verwirklicht wird. Gerade heute in einem Augenblick des Verweilens, in dem wir auf die vergangenen Jahre der zionistischen Arbeit in Palästina und auch in derGaluthzurückblicken, kommt es uns schmerzlich zum Bewußtsein, daß wir unter dem Druck der Not unserer Zeit nicht immer dieser Parole gefolgt sind. Heute stehen wir vor einem Neubeginn von ungeahnter Größe. In dieser Arbeit der Zukunft wird es erneut darauf ankommen, daß wir uns bewähren und unser praktisches Tun mit den tiefsten Vorsteilungen der nationalen Renaissance konfrontieren. Heute kommt es ja mehr als je darauf an, jede Position im Lande, die durch Juden geschaffen worden ist, zu halten, in der Stadt und auf dem Lande, um die neue Periode der Arbeit, die vor uns steht und die, wie wir hoffen, uns ungeahnte Erweiterungsmöglichkeiten bringen wird, mit Kraft und Entschlossenheit zu eröffnen. In unsere Hand ist es ja zu einem Teil gegeben, das Leben des Volkes zu gestalten. Dazu brauchen wir die Führung und Leitung von Gestalten, wie Gordon war, dessen Lehre auch im kommenden Abschnitt der zionistischen Verwirklichung Geltung haben wird — die Geltung, die wir der Reinheit seines Wollens und der Kraft seiner Gedanken in unserem eigenen Herzen zubilligen. K. L. In Palästina selbst sind allerdings in den letzten Wochen Vorgänge zu bemerken, die höchst bedenklich stimmen. Es scheint, daß die Kreise der Extremen unter den Arabern für den Fall, daß die Teilung des Landes zur Tatsache wird, eine Wiederaufnahme des bewaffneten Terrors vorbereiten. Dafür sprechen zahlreiche lokale Terrorakte, die in den letzten Wochen vor- * Während so unsere Aufmerksamkeit durch die Vielfalt politischer Vorgänge innerer und äußerer Art gefesselt wird, die sich um Palästina und seine Zukunft ranken, tut es gut, einmal eine Stunde der Selbstb e s i n 11 u n g, der Selbstkritik־ und der Erkenntnis vom Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert Weltsch, Berlin-Charl. 0 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenitein, Berlin W 15. Anreigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anreigenvenvaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10, D.A. 11/1937 30 310. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. DAS SPEZIALHAUS für Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche * Gardinen Möbel Ausrüstung für Palästina and Übersee SdirifUidae Antrag« an di« Ubene*-Abteilung / Telafoaiadu Varabraduag« uatar SB OMI 1 I B E R t INC 2 SPANDAUER KON1CSTR.

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