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Jüdische Rundschau · 1937-08-24 · Heft 67 (24.8.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 67 (24.8.1937)
Date
1937-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 67, 24. AUGUST 193^ Die Thora und ihre Wege Von Dr. Siegfried Ucko (Kirjath Bialik)) Der folgende Aufsatz stellt die IJcbertragung einer auf einer Tagung in der ״Ahmvahüber die wir kurz berich• teten, gehaltenen hebräischen Diskussionsrede dar. (Red.) Mangelnde Kenntnis der Thora, mangelnde Bildung in .allen Schichten des Schrifttums und der Lebenserscheinungen, die von der Thora ihren Ausgang genommen haben, be• dingen den Niedergang der lebendigen Thora in unserer Generation in Palästina. Es besteht gar kein Zweifel, daß die bildtingsmäßige Fremdheit des religiösen Schrifttums — wieviele palästinensische Kinder kennen wirklich den Siddur hatefilloth? — viele Mängel religiöser Kulturgestaltung iin Lande erklärt. Aber es besteht allzulcicht die Gefahr, daß dieses Bildungsproblem zu einem nur quantitativen herabsinkt. Es ist zweifelhaft, ob hier die entscheidende Frage liegt, die von uns angegangen werden muß. Freilich wird die Dynamik der Geschichte es erweisen, daß die treue Wahrung unseres Schrifttums dereinst auch für die Wiederbelebung einer jüdischen Glaubenshaltung ciine erhabene Aufgabe zu erfüllen hatte und allerdings erfüllt sich darin auch eine uns heute noch gar nicht so bewußte Aufgabe des kulturellen Palästina-Aufbaus. Aber auch die wesentlichsten Stellen der Thora in allen ihren Entfaltungen bleiben stumm, wenn sie nicht von Menschen gelehrt werden, denen cs ernst ist um die eigentliche Anrede der Thora, also von Menschen, die der! Mensehen i n der Thora bejahen: der Mensch der Thora steht und sieht sich in fortwährender Konfrontation und Verantvvortung dem Jenseitigen gegenüber. Das ist das religiös Wesentliche im Tn,ach und in weiteren Schichten unseres Schrifttums. Wie könnte dieses Wesentliche von dem heutigen Leser berührt werden, hätte er nicht zuvor für diese Seite seine Seele geöffnet und Lehrer gefunden, die dorthin weisen? Das Bildnngsproblem der Thora leidet es also nicht, nur als Bildungsproblem angesehen zu werden. Es geht dem Problem des Lernens der Thora noch die Pflicht einer steten kritischen Haltung gegenüber dem W i e des Lernens voraus, und es kommt sehr darauf an, daß der Kreis der Menschen wach bleibt, die für das Lernen das richtige Fragen, das dem Schrifttum entgegenkommt, mitbringen. Wir alle müssen uns darüber klar sein, daß das Aus- •gesprochene, Betonte, durch Wort und Form Gestaltete nicht der wahre Freund des sich ״verbergenden Gottes“ ist, und nicht immer ist das bewußte lind gewollte Symbol wirklich Diener dessen, was wir meinen. Vielleicht ist gerade dieser Zweifel an dem Recht des Symbols in unserer Lage oft das uns Verbindende. Viele von uns, die die Sprache der jüdisch-traditionellen Symbole als ihnen ganz nahe lieben und ergreifen, respektieren sehr die Frömmigkeif, die ganz in der sozialen Gestaltung ihren Ausdruck sucht. Weil wir aber unsere Nähe dieser latenten Frömmigkeit empfinden, haben wir auch Recht und Pflicht, unserem Bedenken Ausdruck zu geben, daß nämlich der Verzieht auf Aussprache des Gemeinten, auch das Leben des Gemeinten und seine Kraft erwürgt. Die Peßachaggadah des Kibbuz Naane bringt die Erzählung von Mosche am Dornhusch als schöne Einleitung des Jeziath Mizraim und unterbricht die Wiedergabe eben genau vor der Offenbarung des *yölejeh ascher ehejeh“, der großartigsten und zugleich — vom Menschen her gesehen — bescheidensten Symbolik des Göttlichen. Dieses Beispiel für manches andere berechtigt uns, 'die Frage nach ' dem Ausdruck der religiösen Werte ernst zu nehmen, weil der Verzicht oder gar die bewußte Unterdrückung des Ausdruckes jeden Eindruck der jungen Generation verhindert und die ersten Wege religiösen Sichfindens verschließt. Das Rufen nach festeren, schöneren Lebensform eil ist heute in unseren Kreisen und besonders im Lehen des Kibbuz allgemein. Nur selten dringt dieses Rufen zum Wesentlichen vor. Manchmal ist es nur ein Fordern nach mehr ״Aesthetik“ der Tischsitfen und nach einer Verschönerung des Schahbat. Brauchen wir zu sagen, daß diese ästhetischen Ambitionen in dieser Form unsere Frage noch gar nicht treffen? Die Frage nach den Formen erhält Gewicht erst von zwei möglichen Gesichtspunkten her: es fehlen die festen Formen, die uns in den wirklichen, erlebten immer neu zu erlebenden historischen Zusammenhang einstellen, und es fehlen die Formen, die dem Leben die Weihe — Kiddusch hachaim — geben. Aber gerade hier muß sorgsam darauf geachtet werden, daß keine oberflächliche Betrachtung die wirkliche Tiefe dgg Problems verdeckt. Wir versuchen an Hand eines Beispiels weiter 7u kommen. Das Schawuothfest tritt im Leben der palästincnsischen Jugend immer mehr fast nur nach als Chag habikkurim auf. Aber wie ist der historische Kontakt herzustellen? Dieser historische Kontakt, der an den Menschen Unserer Zeit doch ganz besondere Anforderungen stellt. Das Erntefest wächst wirklich ganz aus der Erlebniswelt des Kindes natürlich hervor. Wir glauben nicht daran, daß die historische Belehrung mit dem Anspruch und dem Erfolg Auftreten kann, ״Mntan Thora“ ebenso zur Lebenswirklichkeit des Kindes zu machen, wie die Selbstverständlichkeit der Bikkurim. Woher soll •denn das Geschichtliche seinen erhabenen Anspruch hernehmen? Das Leben des palästinensischen jungen Menschen ist auf die Gegenwart und die aus ihr zu gestaltende Zukunft gerichtet. Der Anspruch verbindlicher historischer Tradition, die sich gestaltend ausspricht, kann sich — eben als verbindlich — nur nach besonderer Vorbereitung der Seelen durchsetzen. Uin im Tenach das uns Nahe zu hören, muß man ihm mindestens auf halbem Wege entgegengehen, muß in uns erst das wach werden, was 1m Tcnach und im anderen religiösen Schrifttum wach ist. Darum haben wir mit Bedacht die Frage der Emunah, des Glaubens also, in den Mittelpunkt gestellt. Wir waren uns freilich von vorhinein darüber klar, aut welche Abneigung die Einführung dieses Wortes stoßen würde. Wir wissen, daß das Judentum die Tat und nicht den Glauben verlangt: wir wissen, daß der jüdische Vater dem Kinde das jüdische Leben zeigte. Aber wenn w i r die Frage nach der Emunah stellen, ist es die prüfende Frage, ob wir in unserer Existenz der jüdischen Tradition nicht nur als ״nationalem Kulturgut“ gegenüberstehen, sondern als einem Anspruch aut unser Tun und Lassen, auf das Gehabe unseres ganzen Tages. Und trotzdem ergriffen wir dieses Wort noch mit Zurückhaltung. Es fällt uns heute schwer, Glaubensbekenntnisse abzulegen. Allein, wir müssen gerade auch in unserer Stunde sagen, was uns das Unzerstörbare unseres Wesens — und unseres Volkes — zu sein scheint. Es gehört zu den Binsenwahrheiten, sogar des palästincnsischen, wissenschaftsbegeisterten Aufklärers, daß wir eines Tages in unserem leben, in unseren erkenntnismüßigen, sozialen und persönlichsten Entscheidungen an einer Grenze stehen, daß wir dem Geheimnis gegenüberstehen. Reich ist die Zahl der Bekenntnisse, die von dieser Er- Gemäßigte Araber für Verständigung? Der Jerusalemer Korrespondent der Zeitschrift ״Great Britain and the East“ schreibt in der Ausgabe vom 19. August, daß neutrale Beobachter die zweifelhafte und unklare Lage beklagen, die durch die Pariainentsentscheidung entstanden ist. Eine klare Linie wäre vorzuziehen. Das englische Prestige im Osten, das mit den! Einnehmcn einer festen Haltung Englands gegenüber den palästinensischen Unruhen wieder gestiegen sei, habe durch die zögernde und skeptische Haltung des Parlaments von neuem gelitten, und das Ergebnis sei die Entstehung neuer Furcht darüber, ob irgend etwas Einschneidendes geschehen werde. Der arabische Standpunkt ist ausgesprochen gegen Teilung oder gegen jede Lösung, bei der die arabischen Forderungen nach voller Autonomie zu kurz kommen. Aber «s könne nicht geleugnet werden, daß wenigstens in gewissen arabischen Kreisen eine gemäßigtere Auffassung aufgekommen sei; sie beginnen zu erkennen, daß eine herausfordernde und ständige Ablehnung nicht nur ein Mangel an staatsmännischcr Klugheit und Erkenntnis der politischen Realitäten ist, sondern eine Haltung, die allmählich ihre eigene Sache untergräbt. Wenn die gemäßigten Araber eine Gelegenheit erhielten, ihre Vorschläge vorzutragen, so bestehe kein Zweifel, daß irgendein Erfolg in Hinsicht auf die Möglichkeit einer freundschaftlichen Lösung ohne Anwendung radikaler Mittel erzielt werden könnte. Aber die Gemäßigten seien nicht geneigt, ihre Interessen oder ihr Leben aufs Spiel zu setzen, indem sie die Gewalt herausfordern, die eine freie Aeußerung ihrer Ansichten hervorrufen würde. Der Autor berichtet von einem Lösungsvorschlag, der ihm der Prüfung wert zu sein scheint. Der Vorschlag gellt dahin, daß die Araber die jüdischen Rechte in Palästina anerkennen sollen, mit einem angemessenen Stimmenanteil in einem souveränen Staat, der unter englischem Protektorat (wie im Irak) errichtet werden und Mitglied des Völkerbunds sein sollte. Dieses souveräne Palästina würde ein Teil einer panarabischen Föderation werden, und es würde ein Vertrag zwischen England und den arabischen Ländern mit dem jüdischen Volk als drittem Partner geschlossen werden. Das Problem der j ii d i s c h e 11 E i n vv 3 11 d erun g, der schwierigste Faktor für die Araber, würde durch die Festsetzung■ einer jährlichen Einwanderungsquote für jüdische Ansiedler in Palästina und den benachbarten arabischen Staaten mit internationalen Garantien für die Minderheitsrechte geregelt werden. Es seien Gerüchte im Umlauf, nach denen die Araber eine Annäherung an die palästinensische Judenheit vornehmen wollen, um die vorbereitenden Schritte für Verhandlun« gen über eine Verständigung zu besprechen. Jüdische Kreise jedoch seien demgegenüber mißtrauisch und würden solche Annäherungen mit Argwohn betrachten, weil sie ein politisches Manöver darstelleu könnten, das mehr die drohende Teilung aufschicben als eine wirkliche Friedensgestc darstellen soll. In jedem Fall erklärten jüdische Kreise, daß die Araber die ersten Schritte unternehmen und ihre Aufrichtigkeit unter Beweis stellen müßten. Das McMahon-Versprectien ln der ״Times“ vom 21. August nimmt jetzt Cyrit Asquith Stellung zu der Frage, oh das McMahon-Versprcchen von 1915 Palästina mit einschloß oder nicht. Fine zwiefache Versprechung liege nur bezüglich Transjordamcns vor, das sowohl den Arabern wie den Juden /!!gesagt worden war. Was Palästina westlich des Jordans anbetrifft -- der Gegenstand der augenblicklichen Auseinandersetzung — so bestehe kein Widerspruch. Nach der Ansicht aller sollte dieses Gebiet den Juden gehören, wenn sie in genügender Anzahl •eiinvandcrten. Wenn Versprechungen, die unhaltbar sind, A und B ge* macht wurden, so sei das bc-tc, war ein ehrenhafter Ver- Sprecher tun könne, zu versieh( m, daß die Ansprüche A’s und B’s in gerechtem Verhältnis miteinander ausgewogen werden sollen. Es ist falsch, den ganzen Laib Brot dem A zu geben, und dem B gar kein Brot oder nur eine Krume. Dies aber wäre das notwendige Resultat, wenn die Empfehlungen der Kgl. Kommission unverändert auggefuhrt wurden. Geschähe dies, so wurden die A r a b e 1111 ־ e 11 r als 100 Pro/ e 11 t dessen erhalten, was ihnen versprochen wurde, und die Juden weniger als!0 Prozent dessen, was ihnen versprochen wurde. Man konnu׳ auf den Erfolg der jüdischen Ansiedlung hinweisen, auf ihre standhafte Zurückhaltung gegenüber dem arabischen Terrorismus und auf die Notwendigkeit der Einwanderung. Aber nicht (maile, sondern (lerechtigkeit und guter Willen sei zu fordern. Afuleh als Hafenstadt? Im ״Haarez“ veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, A. Hausdorf folgenden Plan: Der Wasserreichtum Palästinas ist nicht sehr groß, und der Regenfall beschränkt sich auf eine relativ kurze Zeit des Jahres. Aber die geographische Gestalt des Landes ist der Schaffung künstlicher Bewässerungsanlagen günstig. Die Wasscrmenge des Jordan ist bisher nur zu einem ganz kleinen Teile ausgenutrt, und gerade der Jordan bietet sehr gute Möglichkeiten für die Anlage eines Kanalsystems. Der Jordan bezieht den Großteil seiner Wassermenge von Quellflüssen aus dem Norden, denen man eine westliche Richtung geben könnte. Man könnte einen Kanal anlegen, der nordwestlich vom Huleh-See seinen Ausgang nähme, westlich vom Jordan mehr oder weniger parallel zu ihm verliefe und in der Gegend von Afuleh ins Emek geleitet würde. Von Afuleh sollten dann zwei Kanäle abzweigen: der eine mit dem Kisclion direkt ins Mittelmeer, und der andere zum südlichen Ende des Toten Meeres. Im Süden würde der Kanal ein Gefälle von 400 m haben, und diese Tatsache würde dem Ruthenberg■ Werk zugute kommen, das ja die Konzession für die Ausnützung des Jordanwassers hat. Der Anfangsteil des Kanals würde ein sehr geringes Gefälle haben und gute Bedingungen für Schiffahrt bis in die Gegend des Toten Meeres bieten, Dagegen würde der Teil, der von Afuleh zum Mittelmeer führt, ein Staudammsystem notwendig machen. Solche Systeme muß• ten auch den Hauptkanal mit dem Kincreth-Sec und mit dem Toten Meer verbinden. Für Kinereth- und Meron-Scc müßten genügende Wassermengen abgezweigt werden, damit diese Seen ihre Wassermengen nicht verlören. In der Umgegend von Afuleh müßte ein Binnenhafen angelegt werden. Durch die drei Kanäle winde Afuleh mit dein Kinercth-See, mit dem Mittelmeer und mit dem Toten Meer verbunden sein, also drei Meeren als Hafen dienen, und so zu einem wichtigen Handelskiiotenpunkt werden. Die ganze Bodenfläche zwischen dem Hauptkana! und dem Jordan, ebenso die Steppen von Jericho und große Flächen südlich von Jericho werden unterhalb des Niveaus des künftigen Kanals liegen, Sie können also leicht und billig durch ilm bewässert werden, Flächen, die höher Hegen als der Kanal, können durch ein Pumpensystem aus iiim Wasser ziehen. Auch für den Negew ergeben sich so wichtige Perspektiven. Ein Teil der elekfrischen Kraft, die durch das Gefälle des Kanals gewonnen wird, könnte dazu dienen, Wasser in den Negew zu pumpen. Besonders im Winter dürfte eine genügende Wassermenge vorhanden sein, um die Durchführung eines solchen Projekts zu ermöglichen. Durch künstliche Bewässerung während der sechs Wintermoiiate könnte man den Negew zum mindesten in den Status derjenigen Teile Palästinas bringen, deren Landwirtschaft sich allein auf das Regenwasser stutzt, und den Regenmangel, der in diesem Landesteile, das die Hälfte der Bodenfläche Palästinas einnimmt, herrscht, völlig ausgleichen. Die Ausführung dieses Projekts wurde zwar große Investitionen erfordern, sie wurde aber auch gn.dk■ Aussichten für eine wirtschaftliche Entwicklung Palästinas eröffnen. (Ueber ein ähnliches Knnalprojekt de-. Ing. .Abraham Werber be* richteten wir in Nr. 45, '1937. — Red.) schütterung Kenntnis geben — aber was folgt danach? Was eint uns danach? Die Zahl der ״am religiösen Problem interessierten“ bei uns ist nicht gering, weil die Zahl derer, die die Grenze erkannt haben, nicht gering ist. Das Gefühl, einmal an der Grenze gestanden zu haben, erschüttert den Menschen und macht ihn daseinsoffencr. Aber der gläubige Mensch will einen Schritt weiter gehen. Er stellt sich in persona dem jenseits der Grenze Stehenden gegenüber und weif er es mit seiner ganzen Person tut, erfährt er in dieser Stunde die Antwort gleichfalls wie von einer Person kommend. (Wenn das Göttliche dort alles ist, warum sollte es nicht auch in persönlicher Form erfahrbar sein?) Wenn wir vor der Frage stehen, ob solche religiöse Haitung einen größeren Kreis von Menschen unserer Situation vereinen kann, dann müssen wir auch dem Einwand standhalten, ob solche Glauhenshaltung nicht Flucht ist. Flucht aus einer viel menschlicheren, ja tapfereren Haltung. Es sei, so wird eingewandt, ein Sprung, der einer Flucht gleichkommt, wenn man von dem Nichtwissen und von der Erschütterung in die Gläubigkeit übergeht. Es sei die schwere, aber rechte Aufgabe unserer Generation, in der stets kritisehen, prüfenden Haltung zu verharren, ohne die Flucht zu vollziehen. Diesem Einwand gegenüber hilft, wenn nicht allein das Bekenntnis, so die Selbstkritik und die Erkenntnis. Wir haben uns all diesen Fragen genaht, weil wir wissen, daß unsere religiöse Entscheidung uns nicht verengt, nicht aus den Fronten der Welt jagt. Wir sehen vielmehr, daß unsere Persönlichkeit erst ergänzt und erfüllt. Mehr als dies können wir dem kritischen Einwand gegenüber nicht sagen; es ist eine Aussage von unserer erfahrenen Wirklichkeit her. Die Thora ist uns der Ausdruck dafür, daß unser Volk immer und immer sich vor dem Hinübcrgreifen nicht gefürchtot hat, daß sein historischer Weg dieses Wagnis und dieser Sprung gewesen ist, über dessen Rolle im Leben des Einzeinen wir sprachen. Ist uns die Thora dieser Ausdruck, dann erheischen ihre mannigfaltigen Repräsentationen den großen Respekt, den wir im Leben um uns herum ihnen gegenüber vermissen. Dann — aber auch nur dann — haben sie die Kraft, die wir von ihnen als lebensweihend“ erwarten. Ausgangspunkt ist also auch hier die Frage, wie man die Bibel liest: ob als historisches, sprachliches, nationales Werk oder mit einem anderen Anspruch: dort immer wieder den Menschen und dann das ganze Volk zu finden, die auch dort, wo sie durch Sünde ganz klein sind, größer sind als anderes Geschehen, weil sie nach dem Größten sich hinwenden und anspannen. Polnisch-palästinensischer Transfer Die palästinensisch-polnische Clearing.( )rg.niisation hat, nach eingehenden Verhandlungen zwischen Jer Polnischen Regierung und der Jewish Agency, iiiuiimdir ihre Tätigkeit aufgenonimen. Zur Förderung dieses Clearinghat die Anglo- Palestine-Bank ו in Auftrag der Jewish Agency eine gemeinniit7ige Gesellschaft gegründet, die ״II;11 i f i n“ (Chewrah le Hisuk Kischrej Halifiil Frez Israel Polin ~ Gesellschaft zur Stärkung der palästinensisch-polnischen Cie,11־ingbe• Ziehungen). Die Problemstellung ist hei der llaiiim ähnlich wie bei der Haavarah: in einem Lande, in dem die Lösung der Judentrage besonders dringlich, zugleich alter infolge der Devisen- Zwangswirtschaft schwierig geworden ist, die Möglichkeit für eine Ueberfülirutig jüdischen Kapitals nach Palästina und damit auch für eine Auswanderung jüdischer Menschen dorthin aufrechtzuerhalten. Auch die palästinensische Warenausfuhr nach Polen hängt von der Entwicklung des Clearings ab, da auch die polnischen Importeure ihre Zahlungen über das Clearing leiten müssen. In den beiden letzten Jahren entfielen 13 *״<׳ der Einwanderurig aus Deutschland, aber nur 3 0״ der Einwanderung aus Polen aut die Kapitalisten-Kategorie. Die Kapitaleinfuhr aus Polen, die 1035 noch auf 2 Millionen LP geschätzt wurde, ist seit Beginn der polnischen Devisenrestriktionen im Jahre 1936 wahrscheinlich noch mehr zurückgcg,tilgen, als es der Abnahme des palästinensischen Kapitalimportes entsprach, Ein wesentliches Mittel für die Erweiterung der Transfermögliehkeiten wäre eine Steigerung der palästinensischen Warenausfuhr aus Polen, welche die Halifiu 11. a. auch durch Gewährung von Bonifikationen in bestimmten Fällen anstrebt, Es ist u. a. auch vorgesehen, daß Palästina polnisches Kistenholz in einem bestimmten Verhältnis zu seiner Orangenausftihr nach Polen bezieht. Neben der Wareneinfuhr kommt auch die Erfassung des sonstigen Zahlungsverkehrs, wie der Unterstiit/ungs/al! hingen von Palästinensern an ihre Angehörigen in Polen, in Betracht, um in Palästina die Pfundguthaben zu schaffen, die hier insbesondere den polnisch-jüdischen Zlotycinzahlern nach ihrer Einwanderung zur Verfügung gestellt werden können. Es wird erwartet, daß jeder Palästinenser, lier Zahlungen nach Polen leistet, auch von sich aus die Bestrebungen der Halifin durch Benutzung^ des Clearings, die mit keinerlei Zusatzbelastung verbünde■! ist, unterstützt. W. D.

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