Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1937)
- Date
- 1937-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 67, 24. VIII. 1937 Der Bericht der Mandatskommission Die Knessio Gedaulo der Agudah Marienbad, 22. August. (JTA.) Auf der Mittwoch- Sitzung der Knessio Gedaulo erstattete Präsident Jacob Ro* senheim den Tätigkeitsbericht der Exekutive der Agudas Jisroel. Er behandelte einleitend eine Reihe organisatorischer, finanzieller und Propagandafragen. Er wandte sich dem Verhältnis der Agudas Jisroel zum Misrachi zu und erklärte: Mit Sehnsucht erwarten wir den Moment, wo der Misrachi sich aus der ״Umklammerung durch die Zionistische Qrganisation“ befreien wird. Präsident Rosenheini griff in seinen weiteren Ausführungen die Zionistische Organisation und die Jewish Agency an und behandelte dann ausführlich den Berieht der Kgl. Kommission. Er verteidigte die Bestrebungen, eine Einheitsfront mit der Neuzionistischen Organisation herzustdlen, und berichtete über die Stellung, die die Thoragroßen zum Teilungsplan eingenommen haben. Nach ihrer Ansicht müßten zwei Momente maßgebend sein: Einmal die Tatsache, daß die Grenzen Palästinas durch die Thora für ewige Zeiten festgelegt sind, und daß Politiker sic wohl ändern, aber nicht beseitigen können; weiterhin sei bemerkenswert, daß ein jüdischer Staat, sofern er entstehen sollte, unter die Kontrolle von Menschen kommen würde, die sich gegen die Thora stellen. An den Tätigkeitsbericht schloß sich die Generald e b a 11 e an. Es sprach zuerst der Rabbi von S a d a ■ gora. Mit stürmischem Beifall wurden Ausführungen von Rabbiner Mena ehern Sembn (Warschau) mitgenommen, der sich scharf gegen den Teihingsplan wandte. Friedensohn (Lodz) unterstrich die Wichtigkeit der Schaffung eines Propaganda-Apparates der Agudas Jisroel. f:n Lauf der Generaldebatte kam cs zu einer stürmischen Auseinandersetzung über die Frage einer gemeinsamen Aktion mit der Neu/iomstischeu Organisation gegen die geplante Teilung Palästinas. Der Führer der Po.nie Aguda.lt Palästinas, Jank eiewie־/, hielt eine wiederholt von lebhaften Zwischenrufen unterbrochene Rech-, in der er die Exekutive der Wett- Organisation Agudas Jisroel schart augriff. Wir jüdischen Arbeiter Palästinas, sagte Jankelewir/, wissen, daß niemand in Palästina die Revisionisten ernst nimmt. Die Revisionisten fegen heute ein Lippenbekenntnis zu der Thora ab, aber wir wissen, daß dies nur Täuschung ist. Die Revisionisten versuchen nur die orthodoxe Arbeiterschaft Palästinas ztt beschwindeln. Wir dürfen nicht vergessen, daß die ersten Juden, die im Hafen von Haifa den Schabbat entweihten, Revisionisten waren. ihm antwortete im Namen der Exekutive der politische Sekretär der Weltorganisation, H. A. Goodman. Wir kiiiumern uns nicht darum, so erklärte er, ob Jabojinskv koscher ißt oder nicht. Wir müssen dem Monopol der Zionisten ein Ende setzen und werden mit jedem ein Abkommen schließen, der das gleiche Ziel verfolgt. Gegen die Teilung Palästinas sprach dann noch der Abgeordnete des lettländischen Sejm, Du bi 11. Rabbi Sil ver, Cincinnati, wandte sieh dagegen, daß Präsident Rosenheim erklärt )iahe, jedes Bündnis sei erlaubt, um das Monopol der Zionistischen Organisation zu brechen. Es wäre besser, sich mit allen zu verbinden, um die Agudah zu stärken. Zum Schluß hob der Redner das Heldentum der agudistischcn Arbeiter in Erez Israel hervor und verlangte, daß man sie tatkräftig unterstütze. In der Plenarsitzung am Donnerstag nachmittag hielt Rabbiner W. S. Jacobson, Kopenhagen, das Referat über ״Keren Hatora und Beth Jacob“; Rabbiner J. Bl och, Teistai, lind Rabbiner Eckstein, Sered, sprachen über ״Die Bedeutung der Jeschiwa für die nationale Existenz des jüdischen Volkes“. In der Plenarsitzung hielt ferner Dr. Maximilian Landau, Berlin, ein Referat über die Notwendigkeiten einer Ueberseewanderttng und einer Siedlung jüdischer Menschen. Eine Diskussion innerhalb des Rahbinischen Rates der Agudas Jisroel hat gezeigt, daß in den Reiben dieser Körperschaft keine Einig k e i t über die Haltung zur T e i 1 11 n g s f r g ן■ besteht. Man gelangte nicht dazu, einen einheitlichen Standpunkt zu fixieren. Während polnische Delegierte und Delegierte aus Deutschland sich zugunsten des Teilungsplanes ausspraclten, waren die tschechischen, ungariseben und amerikanischen Mitglieder des Rates gegen jede Annahme des Teilmt(״;Vorschlages. Nach langwierigen Verhandlungen ist der Leiter des politischen Departments der Neu/ionistischen Organisation, Prof, Ak/in, ans Marien heul abgereist. Die Agudnn hat eine Beteiligung an det von den Revisionisten geplanten ״National- Versammlung׳‘ abgelehnt, weil sie den Frauen kein Stimmrecht einräumen will. Juden im Schulwesen Wie mitgeteilt wird, sind die Maßnahmen auf dem Gebiet der R a s s e n t r e!1 11 «1 n g i m S c h 11 Ivvcs e n so weit geführt worden, daß die Zeit einer abschließenden gesetzgeberischen Z 11 s a rn m e n f a s s u n g nunmehr in immer stärkere Nahe genickt sein dürfte. In der! allgemeinen deutschen Schult• n unterrichten keine jüdischen Lehrer mehr, weder in dm öffentlichen noch in den privaten. In den Volksschulen m Preußen einschließlich der privaten und der Schulen für jüdische Schüler gibt es 20 164 Juden und 5005 jüdische Mischlinge Bei einer Gesamtzahl von 4.8 Millionen Volksschulkindern beträgt der Anteil der jiidischen 0,2 r >. Die privaten Volksschulen sind zu rund 70 0,1 von jüdischen Kindern besucht. Das hat seinen Grund darin, daß außer den Minderlicitsscluilen so gut wie keine privaten Volksschulen mehr für cieutschblütige Kinder bestehen, vvälirend in den letzten Jahren für jüdische Schulkinder in größerer Zahl private Volksschulen errichtet wurden. An den mittleren Schulen Preußens gibt cs 3164 Juden und 533 Mischlinge. Für die höheren Schulen liegt eine Zahl aus dem ganzen Reich vor: 11 706 Juden und 3581 Mischlinge. Hierbei sind nur die reiehsangehörigen jüdischen Schüler berücksichtigt. Unter diesen jüdischer! Schülern befänden sich 8012 Kinder von Frontkämpfern. Unter Einrechnung dieser beträgt der Himdertsatz. jüdischer Schüler rund 1.8 00, ohne ihre Einreclinung nur 0,5 N. Die Verhältniszahl von 1,5 "0 ist demnach hei der Gesamtzahl der jüdischen Schüler der höheren Schulen weit unterschritten. Bei der Verschiedenheit der Bevölkerungsdichte ist der Hundertsatz an manchen Orten noch erheblich höher. Pie gesetzlichen Zulassungsbeschränktingen haben sich hauptsächlich in den Großstädten ausgewirkt, in denen 1033 der Himdertsatz der jüdischen Schüler bei manchen höheren Schulen 35 0״׳ betrug. Die seit 1033 neu errichteten jüdischen Schulen sind im wesentlichen Privatsclmlcn. Das Statistische Amt der lettländischen Regier u n g bat soeben die Ergebnisse der im Jahre 1935 durcheführten Volkszählung veröffentlicht. Danach betrug die ah! der Juden in Lettland in diesem Jahre 93479. Die uden bildeten mit 4,79 «,0 die drittgrößte Volksgruppe -ettlands. Genf, 18. August. (JTA.) Die Mandatskommission hat, w,e bereits gemeldet, den von ihren Mitgliedern ei ns timm i g angenommenen Bericht über das Palästina- Problem an den Generalsekretär des Völkerbundes zur Wciterleitutig an den Völkerbundsrat gesandt. Der Bericht wird jetzt den Mitgliedern des Rates und der Mandatarmacht vorgelegt werden. Der Bericht besteht aus drei Teilen: in dem ersten Teil gibt die Kommission ihre Bemerkungen zu den Berichten der M a n d a t a r וזו a c It t über die Verwaltung Palästinas in den Jahren 1935 und 1036. ln diesem Teil werden auch die Unruhen des Jahres 1936 behandelt. Es heißt, daß es zu diesem Gegenstand nicht an kritischen Bent erklingen über die Haltung der Mandatarregicrung fehlt. 1111 zweiten Teil behandelt die Kommission die ihr von arabischen und jüdischen Petenten übergebenen Denk- Schriften zu einzelnen Palästina-Fragen. Der dritte Teil ist der wichtigste: er enthält eine Analyse der Vorschlage zur Lösung des Palästina-Problems. Es werden fünf Möglichkeiten in Betracht gezogen: 1. die Aufrechterhaltung des Mandatsregimes in Palästina in seiner jetzigen Form. Die Mandatskommission äußert ihre Meinung über die Vor- und Nachteile einer Fortsetzung des Mandates und betont insbesondere, daß die kritische Lage, in der sich Palästina während des Mandatsrcgimes befand, eine Folge des wachsenden nationalen Antagonismus und der Feindseligkeit der Araber gegenüber den jüdischen Be- Strebungen war. Der zweite Lösungsvorschlag enthält A e nderungen des gegenwärtigen M a n 11 a t c s, durch die Zweifel über die Interpretation der Mandatsbestimmungen beseitigt werden sollen. Die dritte Lösung schließt sich den Kantonisierungsproiekten an. Die zweite und dritte Lösung werden von der Mandatskommission ganz kurz behandelt, woraus zu entnehmen ist, daß sie ihnen keine besondere Bedeutung beimißt. Sehr ausführlich dagegen, auf 16 Seifen Maschinenschrift, wird der Tcilungsplan erörtert. Die Teilungsfrage wird grundsätzlich behandelt, auf Grenzziehung und andere Einzelheiten wird!lieht eingegangen. Besonders interessant ist es, daß die Kommission noch eine fünfte Lösungsmöglichkeit vorschiägt, die jedoch streng geheim gehalten wird. Aber auch über dieses Projekt ,äußert sich die Mandatskommission rein referierend, ohne eine bestimmte Stellung zu nehmen. Die endgültige Entscheidung wird nach Schilderung der Vorzüge und Nachteile einer jeden Methode vollkommen dem Völkerbund überlassen. Es beißt, daß die Mandatskommission für den Fall der Annahme des Plans der Kgl. Kommission eine längere liebe rgangszeit vorschlägt. Die Mandatskommission ernannte ihren Vorsitzenden Pierre Orts zu ihrem Vertreter bei den Verhandlungen im Völkerbundsrat und in der Völkerbtmdsversamrnlung. Die ״Times“ vom 19. August berichtet, daß die Mandatskommisslon das Prinzip der Teilung nicht verwerfe, sondern ein Uebergangssystem vorschlägt, das auf einer Kantonisierung beruht und, wenn nötig, von einer geringfügigen Aenderung des bestehenden Mandats begleitet wird. Sie verlangt ferner, daß die Mandafarmacht alle Vorkchrungen für die Aufrechterhaltung von Frieden und Ordnung treffe, während die Vorbereitungen für die Schaffung der zukünftigen Regierungsform im Gange sind. Die Konimission sah sich vor die vollendete Tatsache gestellt, daß die englische Regierung erklärt hatte, daß das bestehende Mandat infolge der Unmöglichkeit der Versöhnung der widersprechenden Ziele von Juden und Arabern nicht unbegrenzt fortgefiihrt werden könne, und daß sie den Bericht der Kgl. Kommission als ihre eigene Politik angenommen hatte, indem sie zugleich die Aufzwingung• des Mandats durch Gewalt verwarf. Die Mandatskommission hat daher den Bericht der Kgl. Kommission als Grundlage angenommen, aber auch die Frage geprüft, ob das bestehende Mandat unverändert fortbestellen könnte. Sie sah sich zur Anerkennung des Standpunkts gezwungen, daß dies nicht der Fall sei, und beriet deshalb darüber, ob das Mandat in veränderter Form fortdauern und den geänderten Bedingungen genügen würde; welches die Vorteile und Nachteile der Teilung und der Schaffung zweier souveräner jüdischer und arabischer Staaten Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 19. August Die Verhandlungen des Zionisten ko tigresses und die gesamte Frage der Neuregelung itt Palästina findet in der holländischen Presse ein lebhaftes Echo. So widmet ״Het Vaderland“ der Palästinafrage einen umfangreichen Leitartikel unter der Ueberschrift ״Der jüdische Staat. Ein Wendepunkt in der Weltgeschichte. Wie in den Zeiten von Cyrus und Artaxcrxes“ und schreibt darin 11. a.: ״Der jüdische Nationalismus ist wohl die eindrucksvollste Bestätigung des Nationalitätenprinzips, die man sich denken kann. Aber vielleicht auch wird es jetzt erst recht ein Ordnungsprinzip für allgemeine Zusammenarbeit werden. Aber viele und barte Arbeit bleibt noch zu tun. Für die Juden und für alle.“ Auch die anderen Blätter bringen ausführliche Kommentare zu den Beschlüssen des Kongresses. Vor dreihundert Jahren wurde in Amsterdam von p&rtugiesischen Juden die jüdisch-theologische Unterrichtsanstalt ״Ez C h a i m“ gegründet. Ihr wurde eine Bibliothek angegliedert, die — insbesondere später nach IJebernahme der ,,Livraria Montezinos“ — sehr bekannt wurde. Das Jubiläum soll zusammen mit dem Gedenktag für Abarbanel gefeiert werden. Fs ist jetzt hundert Jahre her, dal! in H enge Io die erste Synagoge eingeweiht wurde. Dort gab es schon seit Beginn des achtzehnten Jahrhunderts eine kleine jüdische Gemeinde. Heute zählt sie 80 Familien mit 260 Personen. Die Versammlung von Oberrabbinern in Holland beschloß, mit Rosch Haschana 5698 eine neue Regelurig für Bestimmung des Zeitpunktes des Einbruchs der Nacht einzuführen. Danach wird das Land in fünf Zonen von Norden nach Süden eingeteilt, die jeweils einen verschied enen Zeitpunkt für das Schab baten de haben sollen. Prof. Mr. 1. B. Cohen, früher Hochschullehrer an der Universität Groningen und jetzt Mitglied der Deputierten Staaten von Groningen, beging seinen 70. Geburtstag. Lehrtätigkeit und Publikationen von Prof. Cohen beschäftigten sich vor allem mit den Fragen des Agrarrechts. Der Groninger Philosoph Prof. Dr. Leo Polak hielt aut dem Pariser Philosophenkongreß einen vielbeachteten Vortrag über ״L’autonomie et les h6t6ronomies thdologiques, physiques et sociologiques“, in dem er das Wertproblem auf grundlegende und umfassende Weise behandelte. Carl Flesch spielte im Rahmen der Kurhauskonzerte in Scheveningen mit gewohntem Erfolge. Flesch hält sich jetzt sein würden; sowie schließlich über die Möglichkeiten eines Kantonais ystc ms unter der Mandatarmacht als vorübergehende Maßnahme. Der Bericht befaßt sich eingehend mit der Frage der Minderheiten und der Einwandcrungsbeschränkung,' die bereits eine Aenderung des Mandats geschaffen bat. England wird aufgefordert, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um die Minderheitenfrage zu lösen und Ungerechtigkeiten in dieser Hinsicht zu verhüten. Man darf annehmen, daß während der Uebergangsperiode der Bevölkerungsaustausch beginnen wird, und daß dies nur ein Gegenstand friedlieber Verhandlungen, nicht aber erzwungener Maßnahmen sein kann. In ihrem Bericht verurteilt die Mandatskommisslon die Araber als die Urheber der Unruhen. Der Genfer Korrespondent der ״Times“ schreibt, daß man in Völkerbundskreisen der Ansicht sei, daß angesichts des nicht sehr endgültigen Charakters der Ergebnisse der Mandatskommission der Völkerbundsrat eine Politik der Verzögerung versuchen wird, und dies um so mehr, als die Regelung des Problems in jedem Fall Zeit benötigt. Nach Ansicht der englischen Regierung muß aber der nächste Schritt unternommen werden, sobald der Völkerbundsrat sich über die Empfehlungen der Kommission ausgesprochen hat, und man hält eine Verzögerung hierbei nicht für richtig. Die Annahme selbst des Uebergangsregimcs mache die sofortige Eröffnung von Verhandlungen mit Juden und Arabern notwendig, den Abschluß von Verträgen, die Einsetzung der Grenzkommissioncti sowje Maßnahmen für Ansiedlung und Bevölkerungsaustausch. Die Stirnmutig der Juden und der Araber während der Sitzung der Mandatskommission habe gezeigt, daß die Angelegenheit keine Verschleppung verträgt. Die ägyptische Zeitung ״AI A 11 r a 111“ meldet, daß die neue Regierung des Irak beschlossen habe, eine Abordnung unter der Führung des Außenministers Tufik Suwaidi nach Genf zu entsenden. Sie habe den Auftrag, die mit dem Protest gegen den englischen Teilungsplan für Palästina eingeleitete Politik fortzusetzen. Weizmanns Gespräch mit Ormsby-Gore Eine offiziöse englische Stellungnahme Zu dem vom ״Jewish Chronicle“ und verschiedenen Londoner Tageszeitungen veröffentlichten Dokument über eine angebliche Unterredung Dr. Weizmanns mit dem englischen Kolonieaminister O r nt s b y - G o r e verbreitet das R e ti t e r - B ii r o ״von zuständiger Stelle" eine Erklärung. In ihr heißt es, daß die Britische Regierung sich zu keinen, ins einzelne gehenden Abänderungen der Vorschläge der Kgl. Kommission verpflichtet habe. Endgültige Bestimmungen über das künftige Regime in Palästina könnten jedenfalls nach der Völkerbundsversammlung im September fcstgclegt werden. Die britische Delegation, die vom Kolonienminister geführt wird, werde im wesentlichen die Annahme der Vorschläge der PalMstinakommission verlangen, lieber die Zukunft Haifas und seines Hafens, den Großbritannien mit einem Kostenaufwand von über einer Million Pfund Sterling erbaut hat, und der eine besondere Bedeutung als Flottenstation im östlichen Mittelmeer besitzt, werde ebenso wie über andere Fragen erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Die Londoner Tageszeitungen, die das Dokument über die Unterredung veröffentlicht haben, enthalten sich im allgemeinen vorläufig jeden Kommentars. Nur ״E v e n i n g Staudard“, der die Palästinapolitik der englischen Regierung seit längerer Zeit kritisiert, widmet der Angelegenheit einen Leitartikel, in dein von der Regierung eine Erklärung verlangt wird, ob die Unterredung zwischen Ormsby-Gore und Dr. Weiztnann tatsächlich in der veröffentlichten Form und unter Zustimmung der Regierung erfolgt ist. Bejahendenfalls fordert ״Evening Standard“ den Rücktritt des Kolonienministers. im Sommer in dem belgischen Badeort Spa auf und übt dort auch seine musikpädagogische Tätigkeit aus. Unter seinen Schülern hält er für besonders vielversprechende Talente den dreizehnjährigen Sega 11 aus Palästina lind den vierzehnjährigen Chassid aus Polen. Flesch konzertiert jetzt bereits 34 Jahre ununterbrochen in Holland. Bronislaw Huber man wird demnächst eine Tournee durch Niederländisch-Ostindien antreten und verschiedene größere indische Städte besuchen. Im September wird er auf Java erwartet. In Nieder!;indisch-Indie11 gibt es ein beachtliches Kunstleben. Künstler wie Heifetz, Rubinstein, Feuermann und andere sind in den letzten Jahren dort gewesen. In dem Programm der Konzerte des Haager Residenzorchesters in der Saison 1937—1938 sind auch eine Reihe bekannter jüdischer Künstler vorgesehen, so der Dirigent Issay Dobrowen, die Violinisten Carl Flesch, Nathan Milstein, Simon Goldberg, Theo Olof, der Cellist Emanuel Feuermann und die Pianisten Alexander Brailowsky und Myra Heß. In Deauviile starb der Mitinhaber der bekannten Diamant- Schleiferei I. J. Ässcher in Amsterdam, Joseph Asscher, im 65. Lebensjahre. Der Verstorbene war im Diamanthandwerk aufgewachsen und hat sielt vor allem durch das Spalten des bekannten englischen Kronjuwels, des Cullinan, einen Namen erworben. Später leitete er die Diamantschleiferei in Versailles, die nach dem Kriege zur Ausbildung von Kindern von Kriegsgefallenen im Diarnattthartdwerk eingerichtet wurde. Joseph Asscher war Vorsitzender der Niederländischen Handelskammer in Paris, Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen und Kommandeur der Ehrenlegion. Aus Slofok (Ungarn). Am 8. August fand in der Synagoge ein Gottesdienst statt, der nach einer einleitenden Ansprache des Rabbiners Dr. T. Fabian dadurch ausgezeichnet war, daß diesen Gottesdienst der Leipziger Tenor Paul Niederland abhielt. Zahlreiche Kurgäste waten in der überfüllten Synagoge anwesend. Am Sonntag danach wurde ein Kulturnachmittag abgehalten, bei dem Herr Paul Niederiand tnchrere jüdische Gesänge vortrug. Der Finanzminister der brasilianischen Provinz Entre Rios hat in Begleitung von Beamten des Landwirtschaftsdepartments eine Gruppe jüdischer Kolonisten aus Deutschland besucht, die von der Jewish Colonisation Association (ICA) in ihrer Kolonie Avigdor angesiedelt worden sind, Der Minister und seine Begleitung besuchten die verschiedenen Teile der Kolonie, besientigten die Milch- Wirtschaft, die Gemüsegärten und eine Reihe gcmeinschaftlicher Einrichtungen. Sie erklärten, die in so kurzer Zeit erzielten Erfolge hätten auf sie tiefen Eindruck gemacht.