Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1937)
- Date
- 1937-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 67 24 VIII 1937 JÜDISCH! RUNDSCHAU Serie 3 Neue Agency-Exekutivmitglieder Kurt Blumenfelds Kongreßreterat: Die Arbeit des Keren Hajessod Wir veröffentlichen heute weitere Auszüge aus den beim Kongreß gehaltenen Referaten (siche ״Jüdische Rundschau“ Kr. 65 und 66). Red. Der Keren Hajessod ist unser Staatsfonds. Die Aufgaben die ein kolonisierender Staat mit Hilfe der Staaiselmiaamcn, der Steuern und Zölle, erfüllt, müssen bei uns im wesentlieben durch die Mittel des Keren Hajessod gelöst werden. Die Eingänge des Keren Hajessod werden für Einwan״ derung, Ansiedlung und kulturelle Angelegenheiten verwandt. Die Aufgabe des Keren Hajessod ist Propaganda; mit der Verteilung der von ihm aufgebrachten Mittel hat unser Fonds nichts zu tun. Diese hegt ausschließlich in den Handen der Exekutive der Jewisli Agcricv. Mein Referat soll zeigen, aut welche Kräfte wir uns bei unseren Geldaktionen gestützt haben, und wie es maglieb sein wird, die Eingänge des Keren Hajessod zu st c i g e r n. Wir wußten immer, daß Geldaufbringcn keine mechanische und keine nur organisatorische Angelegenheit ist. Bei der Gründung des Keren Hajessod gingen wir von der Annahme aus, daß es uns gelingen wird, alle Zionisten so zu besteuern, als ob wir ein Staat wären, dem Zwangsmittel zur Verfügung stehen. Wir nahmen das Maasser• Prinzip an, schufen Maasscr-Ordnungcn, und hofften, daß allmählich jeder Zionist zur Erfüllung seiner Maasser-IMlicht nach unserer Steuer■ Ordnung gebracht werden könne und daß die Maasscr-For• derung von den Nichtzionisten als Malistab für die Höhe ihrer Leistung anerkannt würde. Die Durchsetzung der Maasscr-Forderung ist nicht ge• I ungen. Der Keren Hajessod mußte sich damit begnügen, von dem einzelnen Juden so viel zu erhallen, wie er durch eine auf die Person ziigesclmitteiie Beeinflussung erreichen konnte; und es ist nicht zu leugnen, daß er auf diese Weise beträchtliche Beträge erreicht hat, die in solcher Höhe von Juden bisher für eine jüdische Sache nicht gegeben wurden. Zionisten und aufrichtige Palästina-F'reunde zusammen bilden heute fast überall nur einen kleinen Teil der Judenheit ihres Landes. Und was die Leistungen dieser Mensehen betrifft, so zeigt ihre Höhe deutlich, daß sic reinen Spendencharakter haben, und daß es sich nicht um Opfer handelt, die ein Volk für seine neu zu erkämpfende Freiheit bringt. Das jüdische Privatkapital fand niemals den Weg nach Palästina, und was wir kapitalistische Einwanderung• nennen, erhielt diesen Titel durch uns. Wir ernannten Juden z»t Kapitalisten, die einen gewissen Geldbetrag besaßen. Auch in den Zeiten der Prosperity war cs nicht anders. Die zionistische Propaganda operierte vor allem mit der Darstellung der großen Leistung, unter Ausmalung unbegrenzter äußerer Möglichkeiten. Wenn man bei uns von großem Zionismus sprach, so dachte man in erster Linie an äußere Dinge, und nicht an die unbesiegbare Macht einer Bewegung, die unter allen Umständen, besonders auch in schlechten Zeiten, die verborgenen Kräfte des jüdischen Volkes für die Eroberung des Landes mobilisiert. Wir erzeugten Stimmung und Stimmungen, aber bewirkten nur selten eine das Leben bestimmende innere Entscheidung zum Zionismus. Bei der Ueherlegtmg, neue Mittel zu beschaffen, denkt der verwaltende Zionismus an neue Parolen und an eine neue, aufpeitsebende Technik der Propaganda. Seit Jahren glaubt man, daß die große zionistische Propaganda in einer tlieatralischen Form vor sich gehen müsse. Wir haben nicht geling damit erreicht und wir werden in Zukunft noch weniger auf diese Weise zustande bringen. — Heute sind wir in eine Situation gekommen, in der wir dem Hauptproblem nicht mehr aus/uweichcn vermögen. Wir stehen in einer neuen Periode der Entwicklang unseres Landes und gleichzeitig in einer neuen Periode der jüdische n E n t w i c kl 11 n g der Welt. Beide Male in einer Wende der Zeiten. Die politische Welt, in der der Zionismus entstanden 151, gehört der Vergangenheit an. Wir sollen lins daran erinnern, daß auch in ihr die Judenfrage in aller Scharfe bestand, und daß Theodor Herd im Frankreich des Dreynis- Prozesses zu ihrer vollen Erkenntnis gekommen ist. Sie besteht heute auch in den Ländern, in denen die Herrschaftsformen sich nicht erkennbar geändert haben, in weit stärkerer Form ais vor dem Kriege selbst in betont antisemitischen Staaten. Der Nationalismus hat überall eine neue Form angenommen. Für die Juden ergibt sich folgende Alternative: sie werden entweder völlig ausgeschlossen oder zu einer ganz extremen Form der politischen Assimilation gezwungen, In den Ländern des Westens, in denen die Juden im allgemeinen meist dem Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts und der alten Vorstellung treu geblieben sind, daß wohl Regierungen, niemals aber Völker antisemitisch sein können, wird das eigentliche zionistische Problem nur vorsichtig berührt. Im Zusammenhang damit ergab es sich, daß der ״Nicht- Zionist“ immer mehr eine Erscheinung der vergangenen Generation wird. Wir haben es jetzt in unserer Palästina-Ar beit mit Zionisten, oder mit an Palästina interessierten Antizionisten zu tun. Die Zeit, in der man den Zionismus toleriert und sogar gewürdigt hat, ist vorbei. Man macht heute alle Anslrcngungen, tun den Zionismus aus dem Sattel zu beben uiui versucht sogar die Funktionen zu übernehmen, die bisher ganz in den Händen des Zionismus waren. Es ist nicht erstaunlich, daß gerade in den letzten Jahren wiederholt versucht wurde, unseren Sammlungen einen p h i I a n t h r 0 p i - sehen Charakter zu geben, und dal! die sogenannten niclitzionistischen Palästina-freunde sich wiederholt bemüht haben, die Gemeinsamkeit der Arbeit zu zerstören, und mit den von ihnen hereitgestellten Mitteln Gegengewichte gegen die Zionistische Organisation zu schaffen. Diese niclif/ioriistische Welt lehnt es ab, zu harten und klaren Erkenntnissen der wirklichen Zusammenhänge zu kommen, sie entschließt sich sogar, wenn es anders nicht geht, durch wohlwollende Stel'ungnahme für Palästina zionistische Aktionen zu verhindern. Es kommt ihr alles darauf an, aus dem Judentum eine limitierte Angelegenheit zu machen, bei der die Grenzen durch politische Rücksichten bestimmt sind. Dazu kommt die Verlegung des Schwerpunktes aller Gcldaktienen von Europa nach den angelsächsischen Ländern, nach politischen und geistigen Welten also, mit denen der Zionismus sieb weit weniger auseinandergesetzt hat als mit den Kräften der europäischen Welt. Die Gedankenweit des Zionismus war Mittel- und Osteuropa verblinden. Die entjudeten Juden der angelsächsischen Gebiete sind von ihr nur in Atismhinefällen erreicht worden. Was nun die Wirtschaft betrifft, so reichen die mechanischen Begründungen des Zionismus nicht aus. Die Juden lebeii in Jen Ländern, aut die es für Gelds,׳urinilungen ankommt, unter erträglichen wirtschaftlichen und polifischen Bedingungen, so daß die Auswanderung nach Palästina nicht auch zugleich materiell verlockend ist. So sind wir überall zu gemeinsamen Sammlungen gekommen, bei denen naturgemäß der Kampf um die Idee und den Menschen zuriicktrat hinter den Streit über die Höhe des Prozentsatzes. In diese Situation fällt die Debatte über die politische Zetnnft von Palästina. Es handelt sich hier nicht darum, zui* politischen Frage Stellung zu nehmen, sondern es handelt sich hier um die W i rk u n g jeder politischen Entscheidung auf die jüdische Welt. Die Chancen für ein Gelingen unserer Bemühungen sind gegeben, wenn wir den Zionismus, die Zeit und die jüdische Weit unserer Tage richtig verstehen. Wir Zionisten haben tms in den letzten 21) Jahren allzu sehr daran gewöhnt, die Größe des Zionismus mit politischen Grenzen zu identifizieren. Bei dem Versuch, uns über die Ziele klar zu werden, haben wir um von den Quellen, aus denen der Strom der Bewegung floß, immer weiter abgewendet. Aber während wir unsere ganze Hoffnung auf die Verwirklichung setzten, hatten vir im Grunde doch immer eine lähmende Angst vor der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit mußte doch begrenzt sein, und jede Einengung bedeutete die Not- Wendigkeit von Kompromiß und Verzicht. Zusammen mit den Gedanken der Verwirklichung konnte man alle Träume von politischer Romantik träumen, auch jede begrenzte Torderung blieb, solange sie nur Forderung, — solange also die Zahl und die Grenze noch nicht den Charakter des Endgültigen hatte — ein erlaubtes Wunschbild auf den! unbegrenzten Weg zur Verwirklichung. Eine klare und durch Grenzen eingeengte Wirklichkeit hingegen hat in unseren Augen immer den peinlichen Charakter des zu wenig, und sie kann uns gröfknitiäfiig niemals befriedigen. Wenn sie zur einzigen Grundlage der zionistischen Bewegung werden Mrs. Edward Jacobs l‘ hId» : Archiv /)r. Arthur Jltippin ,■ ׳ «sfr*, sollte, dann sind die Aussichten dieser Bewegung nur gerade so groß, wie die Vorteil e, die ein neuer Juden- Staat irgendwelchen Te i i e 11 des jüdischen Volkes zu bieten vermag. Der Zionismus bedeutete I leimkchr zur eigenen Art, Rückkehr zur (irnn׳i11schaft des eigenen Volkes, Fnhvick- Um;:' der sctihple i rden InhigUitrii aut eigenem Boden und im heimatlichen Be.i k, Wiederherstellung der Ehre des judiselten Namens. Mit diesen I 'cbvr/eugiingen erfüllte der Zionismus die Menschen, die für ihn lebten und wi'luei!. 1111 e Sicherheit, daß der Zionismus ihnen! ciitlu 1t und Zukunft verleiht, war das Geliemmis ihrer aus-bahlcuden Wirkung. I )iesem Zionismus konnte keine Wirklichkeit etwa■- anhaben, 1 in Gegenteil: jede du reit die Bewegung gesell.diene V 1 r k J ichkeit wurde ein Beweis dafür, dal! der zionisti-che Mensel! Wirker war als alle objektiven I liiidcruissr für die Verwirklichung. Woher nahmen denn die Menschen der /weilen AI!ja 11 ihre Kraft? Ausschließlich aus ihrem Innern, und nicht ans einer richtigen Bewertung der ,'111 Heren Situation. Wir haben die Aufgabe, uns d i e I. a g e d e s 7. i 11 ״ i s - m 11 s in den kommenden Jahren mit aller Klarheit vor/ustellen. Wie auch immer die politisch«.־ Entscheidung ansfallt, wir werden sehr viel größere Mitiel brauchen, als wir bisher z! 1 hesehaifeu vermochten. Wir werden die judisclie Well in der (iolali 111 Anspruch nehmen müssen und werden von ihr verlangen, dal! sie Millionen Pfuuele für Palästina hergibt. Wir «erden gezwungen sein, die M a a s s e 10 ~1- ־ r d e r u n g a u f s n e u e z u e r h e b e n. Wir werden von unserem Volke verlangt 11 müssen, daß es die gleichen Opfer bringt, die .andere Völker tür ihre Freiheit gebracht haben. Wir werden einschcn müssen, daß die bishörigen Ergebnisse unserer Arbeit völlig unzureichend waren. Wir werden unsere Stimme noch eindringlicher als bis-!1er im Namen der gesamten jüdischen Nation erheben müssen und unser Auftreten muß da/ti führen, daß wir die latenten Kräfte der Juden heit zur Wirkung führen. Dabei wird sich hcrausstellen, daß unsere Kraft in Ercz. Israel davon abbängt, wie viele jüdische Herzen mit uns!111 gleichen Takt schlagen, wie stark der Strom der lebendigen .Nation ist, der als elcmentnre, unüberwindbare Kraft gespürt wird. Es gibt Zionisten, die in dem Gedanken reicher Einkiinfte eines jüdischen Staates schwelgen. Ein Irrtum. Unser Staat wird ein armer Staat sein, der mit größter Muhe imstande sein wird, das Bestehende zu erhalten. I de Expansion wird völlig auf den Mitteln der jüdischen Welt beruhen. Den Fonds und insbesondere dem Keren Hajessod wird die Aufgabe zufalli 11, die große Aussprache noch einmal zu eröffnen, die dazu fuhren soll, dal! wir statt 300 000 oder 40()000 Pfund das Vielfache dieser Befrage erhalten. Sie wird damit fit'giiineil müssen, daß vir in dein von uns noch nicht erreichten Teil de-. jüdischen '.'oll.es eine Zahl von Einzelnen finden, die imsiainle sind, in ihrem Kreis erregend auf/imetcn. Ueber die Fortsetzung dm־ bisher geführten Arbeit braucht nicht gesprochen zu «erden; nur nber die notwendige Ergänzung alles dessen, was wir schon taten. Dabei kommt es dem Keren Hajessod darauf an, den Bew eis /u n liringeii, daß 11 e 11 e M i t t e I 11 11 r d 1! 111 0 ׳ die I! 11 c 11 e 1 11!1 g cl e r z i o 11 i s t i sc h e n B e w e g :1 1; u n d d t: r e h 1!! c Verb r e i t u 11 g e i 11 e s k am p I e r i s e h e 11 Zionismus in der jüdischen Welt geschaifen werden können. ססינ 0)0 i Letzte Spannung in Zürich hs. — Das ist nun drei Wochen 11er, daß dieser XX. Zio nisteiikongreß plötzlich -■ an einem Abend — beisammen und da war, die Gemeinschaft von einiger! tausend Juden als gcwählten oder auch ohne Wahl repräsentierenden Vertretern der Millionen von Juden aus der ganzen Welt. Das stärkste Erlebnis dabei war, daß alle diese Menschen, wie verschieden sie auch nach Herkunft, Stand und menschlichem Wesen sein mochten, das Gefühl der Zusammengehörigkeit mühelos aus dem gleichgerichteten Blick auf das kleine Land Palästina schöpften, und dal! dieses winzige Fleckchen Erde — so klein und so umstritten! — diesem aus aller Welt besuchten Kongrell zum Symbol und fast auch zur Realität der Heimat geworden ist. Die ״Welt"-Juden wurden zu ״Land“-Judcn — ein die Geschichte vorwegnehmender Prozeß, der sich an jedem Tag dieser inhaltsvollen Tagung wiederholte. Er lockerte sich auf, als in der dritten Woche die Jewish Agency zusammentrat, die Vereinigung der, wie man zu sagen pflegt, ״namhaften“ Juden. Die meisten davon gehörten zwar schon dem Kongreß an, richtiger: genau die Flälfte, aber trotzdem änderte sich das Bild von Grund auf. Nun sah man sicli einer Versammlung von ״Notabehr gegenüber, von gemessenen und ihre Repräsentativität unbewußt oder bewußt betonenden Männern. Und aus dem Land der Heimat wurde erst recht das Land der Probleme, der Vorbehalte, der Sorgen. M 1 sah gerunzelte Stirnen, eine gewisse Geste der Abwehr und der Abkchrung gegenüber dem Sturm und Drang, den die Chawerim in den Kongreß hineingetragen hatten. Aus dem Akt des Bekenntnisses zum Land der Väter entstanden ... Akten, über die sich prüfende Augen beugten. Wieder schlossen sich nach dem ersten Tag der Debatte die Türen. Vor der Tonhalle, wohin die Tagung aus dem Stadttheater wieder übergesiedelt war, häuften sich die Autos, die Gerüchte, die Kongreßbuminlcr, die Vcnnutungen. Wie eine Erlösern! kam die ״Prinzessin Schabhat'‘ heran und schuf Zeit zur Besinnung und zu Verhandlungen. Sie hat denn auch die gemeinsame Plattform für Zionisten und Nichtzionisten wachsen und Plan und Ordnung über die allerhand wirklichen oder vermeintlichen Gegensätze obsiegen lassen. Schließlich blieb Palästina, jenseits der Mandats- «der Staatsprobleme, die Heimat, die eine Bindung und ein Rand um alle schloß. So trat die Agency nach Schabbat-Aiisgang zu ihrer letzten Sitzung zusammen. Im Saal und in den Gängen und auf den Treppen wimmelte es von Menschen. ״Prominente‘‘ Namen wurden aufgezählt, ihre Träger fauchten auf dem Podium auf und verschwanden hinter den Türen, wo die Resolutionen ihre letzte Feile und die Kandidatenlisten ihre letzte Abrundung empfingen. Amerika und England helierrschten das Feld, Englisch war die Sprache der Redner und Zwischenredner. Es war eine große Entspannung, als vor der Abstimmung über die Resolution nun Peel-Bericht Chaiin Weizmann noch einmal das Wort ergriff. Wieder bewährte sich seine Gabe, über dem heimlichen (oder unheimlichen) Tumult zu stehen und mit wenigen Worten viele Aengstc zu beschwichtigen. Er ist und bleibt der wahrhaft Besonnene. Wie ein Aufatmen ging es durch den Saal, als er lächelnd erzählte, daß früher die Sitzungen des Agencv-Council etwas langweilig gewesen seien, so etwas wie der zweite Seiler-Abend, diesmal aber seien sie wie der erste Seder-Abcnd gewesen, tmd das habe viele Widersprüche geklärt. Wei/mami brachte, bevor cs Mitternacht war, Ordnung und Ruhe in die Gemüter und erleichterte dem präsidierenden Lord Mcic lieft die Aufgabe, abstimmen zu lassen und die erhobenen Arme zu zählen. Das Gesumme der Stimmen im Saal blieb zwar, aber es nahm nun eine Melodie der Ruhe und des Friedens an und blieb eine verläßliche Begleitmusik der Sitzung bis in die erste Morgenstunde hinein, die das Ende der ״Nächtigung“ brachte. Die llatikwah setzte den Schlußpunkt. Aber cla waren schon Podium und Saal einigermaßen gelichtet. Manche waren, im Besitz der Budgetaufstelhmg und der Resolution der Agencv, schon vorher schlafen gegangen. Die Mehrzahl der andern mußte sich zu Fuß auf den Heimweg machen, denn in der soliden Stadt Zürich stellt die Elektrische schon vor zwölf Uhr den Betrieb ein. Um Mitternacht ist auch Polizeistunde. So zerfloß die Versammlung müde in den leeren Straßen der Stadt. Dies war der Abschied aller von allen. So löste sich leicht und leise Kongreß mul Agency- Tagung auf. Sic hatten ihre Schuldigkeit getan. Aber die vierte Woche wird noch einmal eine Reihe von Kongreß- und Agency-Mitgliedern versammeln. Denn die J 11 g e 11 d - A 1 i j ,1 11 tagt. In/w i-cheu hat schon unter den andern das grolle Abreisen begonnen. \ ick P:1l,1'ti11111׳s1׳r befinden sich schon aut der f ahrt naeli drüben. Die andern ״Ueberseci", die Amerikaner, setzen ihren .,trip‘' durch Europa fori. Sie haben in /mach nur em paar Wochen Station gcniaifit. Fast alle haben ein löb-cprogranmi, das weit über den Kongreß hinausgeht. Schon 111 dm letzten Tagen der Züricher Arbeit sah man sie nebenhci Reise- Prospekte, Baedeker und Kursbücher studieren. Nicht wenige von ihnen setzen ihre Fahrt vom Westen her noch weiter gen Osten fort, nach Palästina. Sie «oben den Anregungen des Kongresses die Anschauung des Landes folgen lassen und werden die De hatten an Ort und Stelle weiterführen. Sie werden viel Interesse und -- — Geld nach Palästina importieren. Das ist der organische und nützliche Schluß ihrer Reise. Etwas noch werden viele Teilnehmer der Züricher Tagungen mitnehnmi: einen Begriff vom jüdischen Schrifttum. Wir haben früher bemängelt, daß der Kongreß ment genug für die besondeie geistige und künstlerische Repräsentation des Judentums getan hat. Dies gilt nicht für die Literatur. Denn sie war würdig und höchst eindrucksvoll vertreten. Im Stadtthealcr war eine B 11 c 11 a 11 s s t e! I 11 n g aufgehauf, die, ohne eine katalogmäßige Vollständigkeit zu erstreben, doch ein vollkommenes Bild von der modernen jüdischen literarischen Produktion vermittelte. Sie war eine glückliche Mischung von Schaustellung und Verkatifsba/ar. Und ihre Organisation xvar auch insofern zu begrüßen, als sie alles Polemisch-Politische ausschaltete und sieb darauf kon/entrierte, den Besuchern des Kongresses eine anschauliche Vor- Stellung vor! dein literarischen Schöpfertum der Juden der (legen«art zu vermitteln. Es wäre falsch, einzelnes herauszugreifen. Fs genüge die Feststellung, daß fast alle großen jüdischen, jiddischen und hebräischen Verlage der Kultur- Zentren vertreten waren. Und dies ergab eine imposante Schau. Irren wir nicht, so war auch der Umsatz tue die Aussteller durchaus befriedigend - ganz abgesehen davon, dal! sie eine unvergleichliche Gelegenheit, sich tmd ihre geistigen Richtungen einer jüdischen Elite vor Augen zu führen, würdig und eindringlich benutzt haben. Vieleicht wartet der nächste Kongreß, neben einigem amlern, wovon schon die Rede tvar, auch mit einer Kunstausstellung auf. ...