Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1937)
- Date
- 1937-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65, 17. AUGUST 1937 * Die Vorgänge im Irak Flug über jüdisches Land Von ihrem Büro in Haifa, wo das Gewicht der Passagiere festgestellt, addiert und als leicht genug für das Flugzeug befunden worden war, hatte uns das Auto der Fluggesellschaft zum Flugplatz gebracht, der nahe bei den Eisenbahnwerkstätten der Regierung auf dem Wege von Haifa nach Kirjath Bialik in der Nähe der Küste liegt. Ein Kontrolleur der ägyptischen Fluggesellschaft ״Misr Air Line Cairu—Haifa'‘ prüft die Fahrscheine. Die Fahrgäste nehmen im Flugzeug ihre Plätze ein, der Flugzeugführer gibt den Mechanikern das Abfahrtszeichen, der Propeller wird angeschwungen; mit gewaltigem Rattern setzt der Motor ein und übertönt für eine Weile das kleine Herzklopfen, das wir alle bekommen haben. Denn dies ist kein gewöhnlicher Flug. Dies ist ein Flug über Palästina. Genauer gesagt: über die schmale Küstenzone von Haifa bis Tel Aviv. Dies ist ein Flug über jüdisches Land. Und darum also überfällt uns alle dieses kleine zusätzliche Herzklopfen... Langsam rollt das Flugzeug über das Feld, hebt sich nach einem kurzen Anlauf vom Boden weg und steigt in einer steilen Kurve in die Höhe. In einem weiten Bogen überfliegen wir die Haifa-Bucht. Wie eine enge Sichel zeichnet sich die Küstenlinie zwischen Haifa und Akko in einem hellen Bogen gegen die blaue Meeresfläche ab. Weit oben im Norden leuchten die weißen Felsen des Grenzortes Ras el Nakura, Nicht weit davon glänzt in der Sonne der hohe schlanke Wasserturm von Naharia. Zierlich liegt die Stadt Akko mit Kuppeln und Minaretts zwischen Sand und Meer. Je näher an Haifa, desto dichter wird die jüdische Be- Siedlung der Bucht. Kiriath Motzkin, Kiriath Chaiin, Kiriath Bialik werden zu einem einzigen weitflächigen Komplex klei- ת er Steinklötzchen. Im Industrieviertel aber sind bereits die einzelnen Fabriken deutlich zu unterscheiden. Vom Ruthenbergschen Elektrizitätswerk an der Küste bis weit hinüber nach Kfar Atta geht der Blick über Stätten der neuen jiidischen Industrie. Immer höher steigt das Flugzeug, wendet über der Bucht nach Süden und überfliegt Haifa und den Karmel. Unter uns liegt der Hafen. Der große Wellenbrecher ragt als elegantes Komma in die Bucht hinein. Am Kai liegen zwei Passagierdampfer. Weiter hinten ist neben Schleppkähnen ein drittes Schiff verankert, die ״Tel Aviv“. Der Hadar Flakarmei ist in den letzten Jahren zu einer eigenen Großstadt geworden. Mit Erstaunen blickt man hinunter auf diese Riesenkomplexc moderner Bauten. Im Süden, am Ende der Rcchow Herzl, ragen eindrucksvoll das neue Schulgebäude der Alliance und daneben das Beth Hapoaloth heraus, in dem Frauen und Mädchen im ersten 'Jahr ihrer Einwanderung wohnen und an Fortbildungs- Kursen teilnehmen können. Hier stellen die Häuser noch lockerer, weniger zusammengedrängt als weiter nördlich, rund um die Baulichkeiten des Technikums. Dort, am anderen Ende der Rcchow Herzl, wird das Stadtbild um das schöne Beth Haschaon bereichert. Beth Haschaon heißt Uhrenhaus. Es wird so genannt wegen der weithin sichtbar in Höhe des zweiten Stockwerkes angebrachten Uhr, An dieser ersten öffentlichen Uhr von Haifa entzündete sich die Phantasie der Bewohner Haifas in ungewohntem Maße. Eine Anzahl von Witzen und Anekdoten ranken sich bereits zu ihr empor und um sie herum. Gegenüber vom Beth Haschaon und den daneben liegen- 4en Geschäftshäusern ist auf dem Boden des Keren Kajcmcth eine einheitlich gebaute Front von Geschäften in einer Gesamtlänge von über 200 Metern entstanden. Diese Front schließt Gebäude und Garten des Technikums von dem lauten Leben der Straße ab und gibt dem Anfang der Rechow Herzl ein großzügiges Aussehen. Wir sind über dem Kamm des Karmel angelangt. Ein einziger Rundblick gewährt eine großartige Sicht auf das Land. Man sieht die Küstenzone von Haifa bis hinauf nach Syrien, Man sieht den weiten, sich langsam verengenden Eingang zum Emek Jesreel. Man sieht die Unter- und Die Ermordung Bekr Sidkys Der Gcneralstabschef der irakischen Armee, Bekr S i d k y, und der Befehlshaber der irakischen Luftstreitkräfte, Ali Jow a d sind in der Provinz Mossul von einem Soldaten ermordet worden, als sie sich zur Teilnahme an Manövern in die Türkei begeben wollten, zu der die Regierung des Irak in jüngster Zeit in ein freundschaftliches Verhältnis gelangt war. Der ermordete Gcneralstabschef war die eigentliche Seele des Militärputsches vom Oktober vergangenen Jahres, durch den das damalige Kabinett Jassim Pascha gestürzt wurde. Damals wurde der Kriegsminister Dschaafar Pascha getötet, und der Außenminister Nuri Pascha, hekannt durch seine Vermittlungs-Aktion im palästinensischen Konflikt, mußte das Land verlassen. (Gerüchte wollten jetzt von ihm wissen, daß er nach dem Irak zurückgekelirt sei und mit Truppen auf Bagdad marschiere.) General Bekr Sidky, der jetzt getötet wurde, war ebenso wie der gegenwärtige Ministerpräsident ues Irak, liikmat S u 1 a i ni an, seihst nicht Araber, sondern Kurde. Er gehörte früher dem türkischen Heer als Offizier an und war ein Führer aufrührerischer Kurdenstämme. Im Jahre ICH wurde er als Kommandant im Gebiet von Mossul für die Massaker unter den Assvrcrn verantwortlich gemacht. Nach dem Sieg des Militärputsches in! vergangenen Jahre erklärte er, daß die Regierung des Irak das Ziel habe, eine ״irakische Nation" zu schaffen, was in gewissem Sinne eine Absage an panarabische politische Vorsteilungen bedeutete. Obwohl sich der Militärputsch gegen eine england-freundliche Regierung richtete und eine schärfere Form des irakischen Nationalismus auf seine Fahne schrieb, bestätigten sich die damaligen Befürchtungen nur zum Teil, daß Irak in einen Gegensatz zur englischen Politik treten könnte. Damals wurden in Palästina zwei Bataillone britischer Truppen zur Abfahrt nach dein Irak bereitgestellt, um die Sicherheit der Oellinie nach Haifa zu gewährleisten. In der Praxis zeigte es sich jedoch, daß die neue Regierung in ihrer außenpolitischen Linie nur wenig von ihrer Vorgängerin abwich, und daß es zu keinen tieferen Differenzen mit England kam, wenn auch gelegentlich Spannungen bestanden. Oberstadt von Haifa. Unter uns liegt der Har Hakarmel mit seinen tiefen Einbuchtungen und seinen Waldungen, ans denen sich die neuer! jüdischen Wohnbezirke ahheben. Im Süden öffnet sich die Küstenebene und das Meer. Das weite offene Meer; das Rauschen des Motors ist so laut, daß man sich nur schreiend mit dem Nachbarn verständigen könnte. Und dennoch meint man, das leise Rauscheu zu hören, mit dem die kleinen hellen Wellen gegen den Strand laufen. So weit das Auge reicht, bis zum fernen Horizont, wo Meer und Land in silberne Wolkenstreifcn übergehen, sieht man unendlich viele kleine weiße Wellen gegen den Strand hinspiclen. Immer wieder entstehen sie aus der blauen Fläche des Meeres, laufen zum Strand und sinken zurück. Der Karmel neigt sich zur Ebene hinab. Im Westen läßt eine niedrige Gebirgskette den Blick frei bis hinüber zu den Hügeln des Emek. Wir fliegen über einem Gebirgsstock, aus dem sich dicht nebeneinander kleine Kuppen abheben, die sich alle ähnlich sehen. Jede dieser Kuppen sieht ans wie ein kleiner erloschener Vulkan. Man meint, noch den Lauf der erstarrten Lavamassen verfolgen zu können. Der Pilot kehrt nach dieser kurzen östlichen Abweichung, zu der ihn irgendwelche Luftströmungen veranlaßten, wieder an die Küste zurück. F.r fliegt jetzt in genauer Südrichtung. Sichron Jaakow taucht auf, ein Spielzeugdorf inmitten von grünen Flächen und Waldungen. Von hier an wird das Land zu einer lebencrfüllten Landkarte jüdischer Siedlungen und jüdischer Pflanzungen, ln leuchtenden Farben heben sich die Orangengärten vom hellen Sandboden ab, Erst jüngst ist die irakische Regierung durch ihre In!- tiative in der Palästina-Frage hervorgetreten; sie hat sich mit einem Memorandum an die Mandats-Kommission gewandt, und — wie es heißt — beabsichtigt sie auch, zusammen mit den übrigen Staaten des Vorderen Orients vor dem Völkerbund selbst in dieser Angelegenheit zu intervenieren und eine Delegation nach Genf zu schicken. Englands Kolonialminister Orinsby-Gore hat gelegentlich der Unterhausdebatte über den!5cd-Bericht erklärt, daß die irakische Regierung von ihrem Einspruch gegen den Peel-Bericht Abstand genommen habe, nachdem die englische Regierung entsprechende Vorstellungen in Bagdad erhoben hatte. Damals wurde — allerdings unverbürgt — gemeldet, daß die irakische Regierung infolge dieser ״Zurechtweisung“ aus London innere Schwierigkeifen habe, jedenfalls hat sie trotzdem ihre Aktion in Genf durchgeführt, inwieweit die Aktion durch die jüngsten Vorgänge beeinflußt werden wird, steht dahin, zumal im Augenblick noch nicht zu übersehen ist, welche Ursachen zu der Ermordung des General Bekr Sidky geführt haben. Ob die Tat auf politische Motive zurückzuführen ist (die Gegner Bekr Sidkys, der die Seele der gegenwärtigen Regierung des Irak war, nahmen teilweise an seiner Verständigungspolitik gegenüber der Türkei, teilweise an seiner aktiven Haltung im Palästinakonflikt Anstoß, manche beargwöhnten ihn auch als Kurden) oder einen persönlichen Racheakt darsiellt, ist vor■ erst noch ungeklärt, jedenfalls scheinen im Irak selbst stärkere Spannungen zu bestehen --- wie zahlreiche Verhaftungen nach dem Attentat beweisen, die besonders in Offizierskreisen vorgenommen wurden —, und diese durften dos Interesse der Regierung des Landes stark beanspruchen. * ״El Dschainca e! Islamia“ meldet aus Damaskus, die Re• gicrung des Irak habe beschlossen, eine offizielle Delegation zur Wahrung der Rechte der palästinensischen Araber nach Genf zu entsenden. Die Regierung de.s Irak sei überzeugt, daß die Frage im Sinne der arabischen Interessen entschieden würde. An der Spitze der Abordnung werde Außenminister Dr. Nadschi As 11 stehen. linealgerade sind sie in kleine Parzellen abgeteilt. Man kann sogar die Siedluugsform der Ortschaften und den Besitz der einzelnen Siedler feststellen. Benjamina macht den Eindruck eines wohlhabenden Dorfes, wo jedem Siedler weite Strecken Landes gehören. P artles s C 11 a n n a erstreckt sich über Kilometer, die einzelnen Häusergruppen und innerhalb dieser Gruppen die einzelnen Häuser liegen weit auseinander. Von oben herab gesehen, scheint hier auf allzunahe Nachbarschaft wenig Wert gelegt zu werden. Man erkennt deutlich, daß diese beiden Siedlungen auf dem Prinzip individualistischcr Lebens- und Wirtschaftsformen aufgebaut sind. Anders ist das in den Siedlungen weiter südlich, im Emek Chef er. Hier sieht inan planmäßig angelegte Reihenhäuschen an einigen wenigen Straßen, die manchmal sternförmig auf einen Wasserturm oder das Schulhaus als dein Mittelpunkt der Siedlung zulaufen. Hier und da gruppieren sich Holzbaracken, Zelte und zwei, drei Steinhäuser um den Wasserturm. Das sind junge Siedlungen, meist Kibbuzim. Auf kleinen Flächen sind hier solche Kibbuzim oder auch Moschwe Owdim angesicdelt. Je jünger die Siedlung ist, desto kleiner sind int allgemeinen die einzelnen Parzellen, und desto mehr Häuser sind auf der gleichen Flächeneinheit zu selten. Gleich hinter Checicra zieht sich ein breiter heller Strich schnurgerade nach Süden. Das ist die neue Landstraße von 'Fel Aviv nach Haifa, die zum größten Teil durch jüdisclies Gebiet läuft. Sie wird die Reisezeit zwischen den beiden Städten um mehr als eine Stunde verkürzen. Sie 1111!1i111111111n111111(11111111t11111111111n1 ....1.......1.mm.. Der südliche Teil roh Hadar, Hacarmel Die. Tanks der Shell-Company in der. Hai ja■ May Emek Jesreel Der Carmel mit der Stadt Haifa, dem Hafen und der. Bucht Die Küste bis Atlith Foto•! Dt, s, ö.u«. Belach Tibwah iiipigi «׳״***Se*׳*•*' . J 6 T * י i, ,