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Jüdische Rundschau · 1937-08-13 · Heft 64 (13.8.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 64 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 64, 13. VIII 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAO Die Resolution der ״Neinsager“ nach Erez Israel befanden, auf dem Wege durch die Wüste. Es war die schönste Zeit und unser größtes Glück, die Ersten einer Bewegung zu sein. Die Vergangenheit gehört unseren Vorfahren, die Gegenwart der jetzt lebenden Generation und die Zukunft unseren Kindern und Enkeln, die nach uns kommen. Das ist das dreifache Band, das für alle Zeiten bestehen wird bis zum Ende aller Tage. Leib Jaiie (Jerusalem): Der kleinen Schar derer, die sich hier befinden und die sich noch in anderen Ländern befinden, wurde das größte Glück zuteil, das einem Menschen zuteil werden kann, niim* lieh dem Kreise Herzls anz!!gehören, mit ihm zusammenzuleben, zu arbeiten und zu träumen. Und wir betrachten cs als ein Geschenk des Himmels, daß wir es nach 40 Jahren erleben durften, hier auf der״ selben Tribüne zu erscheinen. Der Tag des ersten Kon* gresses war, wie Herzl sagte, der Tag, an dein wir an den Grenzen des Lebens standen. Mit zitterndem Herzen, von Schrecken und Hoffnung er• füllt, hörten wir damals den ersten Atemzug des Volkes, das bis dahin für tot gehalten wurde. Noch war der Puls schwach, wir aber wußten, daß unser Volk lebt, Es fällt mir schwer, in Worten auszudriikken, was uns der erste Kongreß und die Erscheinung Herzls bedeutete. Wir fühlten uns gleich den Juden aus alten Zeiten, die den Staub der Wüste von sich abgeschüttelt hatten und vor dem Berg Horeb standen. Vor diesem großen Erlebnis schien es uns, als seien alle Lebensqtiellcn aiisgctrocknct. Die jüdischen Massen lebten auf einer weg- und planlosen Ebene. Sie waren nur Staub eines Volkes, eine führerlose Herde. Die Besten wurden abtriinnig, verschenkten ihre Seele anderen Völkern, meißelten mit schöpferischer Kraft in fremden Marmor. Es war in der Zeit der Chibbath Zion, als wir uns, beinahe noch Kinder, der Bewegung anschlosscn, kurze Zeit nach dein Tode Pins״ kers. Es war eine Zeit des Tohuwabohu, einer Dämmerung, des Unterganges eines Volkes, der Vernichtung alter und junger Elemente. Wir Jungen konnten und wollten nicht mit diesem Gedanken abschließen. Mit jeder Faser unseres Her» zens und mit allen Nerven erwarteten wir einen erfrischenden Ruf. Und unsere Seele empfand bereite das Herannahen des Wunders. Da kam Herzl. Wir hatten ihn kaum noch recht gesehen, und schon verbanden wir uns ihm in Liebe und Vertrauen. Eine Gruppe von Heidelberger jüdischen Studenten fuhr nach Basel. Die Jugend umgab Herzl mit ihrem Glauhen und ihrer Sehnsucht. Er verstand die Sprache unserer Herzen, aus unseren Seelen holte er sich die begeisternden Worte und erleuchtete uns mit dem Schwung seiner Phan» tasie und der Kraft seiner Persönlichkeit. Er war für die Jugend die Verkörperung alles Schönen und Großen im Leben und in der Geschichte des jüdischen Volkes. Ich sehe vor mir den großen Max Nordxu. Die neue Generation kann nicht verstehen, weiche Bedeutung wir seinen Reden zugemessen haben. Noch sehe ich vor mir die Gestalt meines Freundes und Lehrers Professor Schapira. Er fßfach auf dein Kongreß über den Jüdischen Nationalfonds und über die Hebräische Universität. Noch sehe ich vor mir die Gestalt David Wolfsohns, des Knappen Theodor Herzls, der sein Erbe behütet hat. Seinem Vorschlag verdanken wir die blau-weiße Fahne und die Tikwah-Hymne. In meinem Gedächtnis lebt Prof. Mandelstamm, der bei Kongreßschluß Herzl seinen Dank aussprach. Der erste Kongreß hat den Boden des jüdischen Volkes durchwühlt und mirchsicbt und ihn für die Zukunft vorbereitet, wie ein Friihlingssturm, der den Boden für das Samenkorn vorbereitet, und nun sehen wir die herrlichen Früchte. 40 Jahre sind seither verflossen, und uns scheint es, als ob bereits ganze Generationen hinter uns lägen. In dieser Zeit wurden Welten zerstört, das Leben vieler Völker wurde vernichtet und auch unser Leben wurde von Stürmen durchwühlt. Aber in derselben Zeit ereignete sich auch das größte Wunder in unserer Geschichte, die Wiedergeburt unseres Volkes in Erez Israel. Der Chor der ״Ha so mir“ sang zum Schluß die Hatikwah. Dann schloß Ussischkin die Erinnerungsfeicr. Die Mi n d e r 11 ei t s r es01 ut i on der Politischen Kommission, die nur 158 Stimmen erhielt, hat folgenden Wortlaut: 1. Der XX, Zionistenkongrcß nimmt Kenntnis von den Ergehnissen der Untersuchungen der Kgl. Kamnüssioij für Palästina in den folgenden grundlegenden Punkten; Erstens, daß der Hauptzweck des Mandats, wie er in dessen Präambel und in dessen Emzclbcslimmung ausgedrückt ist, der ist, die Errichtung eines Jüdisch-Nationalen Heims zu ermöglichen. Zweitens, daß das Gebiet, in welchem das Jüdische Nationalheim errichtet werden sollte, zur Zeit der iialfaur-Dcklaration verstanden wurde als das gesamte historische Palästina. Drittens, daß der Gedanke SOEBEN ERSCHIENEN י PALÄSTINA KALENDER תרצ״ח 5698 in einer neuartigen, budifärmlgan Sammelmappe mit Bildern von Z. Klug«r«Tel Aviv, Oidoi-Jaruialem, AenneMa>bact1er-Ka»el, H. Sonnenfeld-Barlln u. au• dem Palältlna-Tonfllm ״AWODAH" von Helmar Larski Umiehlag! Heinz Condell Titelbild > Bernheim-Jerutalem Redaktion! Walter Croit Kalendarium; Hermann Finn KOmtlgrliehe Ausgestaltung 1 Ruth Roeenberg u, Manfred Spiteln VORWORT: JOACHIM PRINZ Herausgeber: Zionistisch« Vereinigung für Deutschland PREIS RM 1,90 Erhältlich Im {ödischen Buchhandel oder direkt vom Verlag zuiügl* 15 Rpf. Porto. Auslieferung nur an Juden. JÜDISCHE RUNDSCHAU GMBH. Buchverlag und Buchvertrieb Berlin W15 Melnekostraße 10 einer Entwicklung Palästinas in einen Jüdischen Staat oder Gemeinwp-en vom Beginn an in den Zwecken der llallnur-Deklaration und des .Malidatei lug. Viertens, daß die- Repatriierung einer großen Zahl von Juden in ihr Heimatland d1m׳h״c(ührt. worden ist mit heilen■ tendem Nutzen für die palästinensischen Araber und mit genaue-ter Berücksichtigung ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte. 2. Der Kongreß weist, als irreführend zurück die Behauptungen der Kgl. Kommission, daß das Mandat, timuislührbar sei, und daß Züsunimcnatbeit. zwischen Juden tmd Arabern in i’alä-tina hir den Nutzen des Landes als ganzen unerreichbar sei und drückt seine feste l'ehcrzeugung rms, daß es die Verwaltung des Mandates und nicht das Mandat selbst ist, was zusaininengchrocheu ist. 3. Der Kongreß weist mit gleicher Bestimmtheit 'die beiden polifischen Vorschläge zurück, die von der Kgl. Kommission gemacht sind, die Teilung des Landes <׳!no ־׳■; und die sogen. ,,Palliative“ undereiscits, -—■ Mitte], die den wirtsoludtbchcti Fonschntt verhindern und die Entwicklung de; .Vationallnums autbnUen. <5. Die von der engli-cheii Regierung ausgegebene Erklärung über ihre zukünftige Politik zeigt die Absicht an, die Empfehlung«» der Kgl. Konmii-uon dtircbzuhthien, die einen Tcilungsplal» enthalten, der einschließt.: a) Aulgabe des Mandates für Palästina sind Nii!!!igkeitseiklärmig der IS.ilnmr-I)c1:1 a 1־atkm; b) Zerfleitcluing des Landes; c) Enncliluß des ühotwicgendeit Teils des Landes ir» «׳inen neu zu schaffenden arabischen Staat; d) Stellung anderer Teile des Landes unter eine dauernde engli-che Verwaltung und e) Schaffung eines Jüdischen Staates aus dem Rest des Landes unter Bedingungen, welch׳' naht eriiillen wesentliche politische, wirtschattliehe und Ktrategi-che Notwendigkeiten und nicht brrürksicht ig«n die zwingende Notwendigkeit grüßet Muc-m des jüdischen \ olkca repatriiert zu werden. Der XX. Ziontsienkongrc.ß betrachtet dies« Vorschläge als eine Verletzung von Zusicherungen, die dem jiidi» sehen Volk durch Großbritannien gegeben und bestätigt sind dirret» die Volker der Welt. Kr erklärt, feierlich, daß er unabiimle-rlicht opponiert und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln fest«» Widerstand leisten wird der Zxrileiscbting Palästinas, daß das inveräußerliche Recht des jüdische״ Volkes auf sein historisches IIeimathind durch keinerlei i biterscln ift. lie.-eiligt weiden kann, und daß kein Plan, der <1 i e T e i 1 11 1 ז g P a 1 ä s t i n a s c i n s c h 1 i c ß t, d i e ß a -s i ü für Verba n d I u 11 g e 11 bilden kann in bezug uui die zukünftige Politik. 8. Der Kongreß bcatiflragr die Exckulive, ihre Stellung einznnehmen auf rh.r festen < 1 oneibigr des jüdi-ehrn Rechts und. der jüdischen Kiriingensclialieii in i’,11.1 oma, die jetzt in weitem L'nifang anerkannt und be-latigt sind dun.11 den licticin der Kgl. Kommission. Kr ruft die!׳Aekiiiive an!, in ctnr'i'e Anstrengungen ein-?״treten, um die M tttd.tt jrn! e ip /׳! einer 1, ׳11.׳.|!';Luv0', Pohiik nr hiingcn bir die Kiltdlnng de, M .ind.c. ׳> und dun /.!iruckl.ihtuntg des jüdi-rhen Volke, in ounr ]! i .׳־ u; ■|,e Ilciin.u. Für diese Kesoi! 1t ion stimmte geschlossen der g a ti 7 e M i s r a c h i, der Fraktion sz \v a!1 g dafür eingeführt hafte (cs blieb aber eine Anzahl Mis!־achi-l )elegierte der Abstiminuiig fern, besonders auch einzelne Führer des Jtmg-Mi.-rachi bzw. Hapoel Hantisraehi), ferner die Mehrheit der Gruppe B, eine Minderheit der Amerikaner (darunter Dr. Wist, Dr. Silvcr und die fladassa-Fratten), die ״j 11 d e!1 s t;1 at s - partei“, der ״Hasch 0 nt e r lla/air“ und. vereinzelte Delegierte. __ Antisemitische Störungen fii den letzten Tagen sind in den Straßen Zürichs wieder* holt Zwischenfälle voigekoinnien, in denen Kongreßbesiidter von Passanten attackiert wurden. IG handelt sieh hauptsächlich um Mitglieder der Nationalen Organisation _ ״D i e Front“, die auch eine Zeitung lierausgibt, in der die Vorgänge des Kongresses glossiert werde». Mittwoch abend kam es in der Bahnhofstraße tmd in den tun das Theater liegenden Str,alten zu mehreren lieberfällen auf vorübergehende Kottgreßhestieher, die olfenbar organisiert waren. Mehrere Kongreßbesuchcr wurden leicht verletzt. Die Behörden nehmen gegen diese Ucbcrgriffc eilte abwehrende Haltung ein. Seltsame Drohung Pas seit einigen Wochen in Berlin erscheinende Blatt der Kareski-Onippe (״Staatszionisien“) veröffentlicht einen Angriff auf Dr. Siegfried Moses wegen seiner Haltung zu den aktuellen politischen Fragen Palästinas. Es wird ein Absatz aus dem in der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Referat ahgedruckt, in der Dr. Moses sich bedingt für eine Bejahung der Teilungsidee angesichts des Fehlens besserer Alternativen aussprirht. Dazu schreibt das erwähnte Blatt, mit Bezugnähme auf Dr. Moses’ Uebersiedlurig nach Palästina: ״Ks i-> 1 UN finr Urllllii״ nn;4 /׳! Mi" Herr Dr.!M <^es •׳1.11> ,ui. sii ־h dfmn;1rh 1 iי• t־1 Kr; i'l,« rCC ,!■י.:ו׳״ו. יייוי .5 iH'fmdun wird?׳kt!'!יV ו!,! T. 17'׳. MÜrlull‘ *'!1 ׳1! וח r!;! Ii.'ii II. ilülGj׳, wir ^4 in, wird dios-es Y< >lk eines T s J'rri wrnlm und (].GUI ml! <l:uw11 Komm vom 1) olr|,-1״ß ah rot־! ■n, Sei! ur, ihn) /ntm gilt mir eine Strafe lür 11 oeheer rate!! Wenn es in der ZVfO. zuweilen den oder jenen gab, der die Frage atifwarf, oh eine Zusammenarbeit mit der Kareski-Gruppe nicht doch möglich wäre, wird er in dem hier mitgeteilten Zitat, dem wir einen Kommentar nicht beifügen wollen, wohl eine Antwort finden. Polo: Archiv Der Kongreß auf Fahrt hg. — Wie ״geheim“ die 600 Delegierten auch tagen mögen, ihre Zahl schon sichert dem Inhalt der Tagung ein großes Maß von ()Öffentlichkeit, denn, ohne Anzüglichkeit gesagt, man soll und kann ja dem Ochsen nicht beim Dreschen das Maul verbinden. Es gibt also trotz der verschlosserten Türen Ocffiumgen genug, durch die den paar Tausend Nichtdeicgierten alles Wissenswerte und auch manches darüber hinaus sich mitteilt. Der Kongreß als Gemein- Schaft bleibt somit auf detn laufenden. Neben der gedruckten sorgt die mündliche ״Kongreßzeitung“ für eine Fülle von Informationen. In der Nacht nach dem verhandlungsfreien Schabbat Waren noch einmal mehrere Stunden teils mit Warten, teils mit Verhandlungen ausgefüllt. Am Sonntag früh aber begab sich der Kongreß auf die Fahrt. Ein langer Extrazug war mit Delegierten und Nichtdclegierten gefüllt. Das Ziel war Basel und eine Festsitzung im dortigen Kasinosaal, um die Erinnerung an den vor vierzig Jahren dort abgchaltenen ersten Kongreß feierlich zu begehen. Diese sonntägliche Fahrt wurde zu einer wenn auch fröhlich ertragenen Strapaze, Denn es war glühend heiß über und in den dicht besetzten Waggons. Diese brachten die Kongreßteilnehmer näher zusammen, als sic es wünschen mochten. Es war eine manchmal drangvolle Enge, und in ihr entwickelte sich überdies noch eine Art von Bazartreiben der Verkäufer von Zeitungen, Abzeichen, Erinnerungen und Erfrischungen. Die Schweizerischen Bundesbahnen wußten, was sie ihren jüdischen Gästen schuldig waren, und gaben eine Fahrkarte mit deutschem und hebräischem Aufdruck heraus, auch waren offenbar ihre Angestellten angewiesen, dieses Dokument ihres ״Dienstes am Kunden“ den Teilnehmern zu belassen, so daß die zionistische Fahrkarte als Andenken an den XX. Kongreß in alle Weltteile wandern kann. In dem Zug, der dem Rheintal zueilte, hatten die nicht ermüdeten und unermüdlichen Nicht-Delegierten die Majorität. Sie saßen in ״Kahals“ zusammen. Aber die Grenzen flössen ineinander. Der Zug wurde zu einem Ort des Sichkennenlernen*. Näher als nier konnte man sich nicht kommen — buchstäblich nicht. Und die Augustsonne gab ihren allerheißesten Segen dazu.... Es war wie eine Reise zu Theodor Herzl, der in der so schönen wie würdigen Stadt am Rhein der jungen zionistischen Bewegung, seinem Werk, und somit auch seiner Persönlichkeit eine dauernde Heimstätte und ein unauslöschliches Andenken geschaffen hat. Wieder leuchtete, wie so oft schon, sein Bild von der Frontseite über dem Kasinosaal, dessen Fassungskraft auf eine barte Probe gestellt war. Denn zu den Fahrgästen des Extraznges waren aus Basel selbst und aus anderen schweizerischen Städten noch eine erkleckliche Anzahl von ״Sonntagsgästen“ gestoßen. Ihnen allen wurde Herzl lebendig. Ussischkin, der schon vor vierzig Jahren dabei war, präsidierte auch hier. Kein Wunder, daß seine Gedenkrede voll war von Gewesenem, Heutigem und Zukünftigem. Wie in seiner Person, so war auch in seinen Worten die Bindung der drei Zeiten und die Entwicklung von einer zur anderen wie etwas Selbstverständliches gegeben, und er brauchte kein Pathos und keine Sentimentalität aufzuwenden, 11m sich, sein Amt und seine Rede in eine ergreifende Höhe des Gefühls liineinzüheben. Vor seinen Worten war Orgelklang und Chorgesang zur Einleitung feierlich lautgeworden. Von beidem, vom Orgeln und vom Chor, waren auch seine Worte voll. Er war der berufene Interpret der feierlichen Stunde. Nach ihm sprach W e i z m a n n. Es ist immer wieder ein seltsamer Genuß, diese beiden Männer der Führung nach- und nebeneinander zu hören und zu sehen. Ussischkin ist der Mund des Volkes. Er findet die Worte, die es selbst gesprochen hätte. Weizmann dahingegen filtert seine Gedanken durch eine bald herbe, bald weiche Melancholie hindurch. Er spricht schon heute, wie das jüdische Volk von morgen, das jüdische _ Staatsvolk, sprechen wird. Diesmal freilich hatte er es leicht, und mit jener Leichtigkeit, wie sie nur der geborene Rechner erreicht, wandte er sich an seinen ״Nebenmann“ Ussischkin, um ihm ... zu gratulieren. Denn Ussischkin vollendete gerade an diesem zionistischen Feiertag sein 74. Lebensjahr. Erinnerung verband sich mit Erinnerung, und Weizmann fand mit leiser Stimme die halben und die vollen Töne, um dieses Zusammentreffen zu würdigen, Es war ein bewegender Moment, als eine Gruppe zionistischer Jugend die blau-weiße Fahne durch den Saal an die Rampe brachte und der jugendliche Fahnenträger einige — leider schwer verständliche — Worte an den ״doppelten“ Jubilar richtete, der sowohl diese Ovation wie auch einen mächtigen Blumenstrauß mit patriarchalischer Gelassenheit entgegennahm. Es sprachen auch Vertreter der Stadt, der Baseler jüdischen Gemeinde und der Präsident der Schweizerischen Zionisten. Noch einmal fand Ussischkin einen schönen Höhepunkt. Der Vertreter der Stadt hatte der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß in zehn Jahren der Kongreß zur Feier des ersten 1 lalhjabrlmmterts wieder in Basel tagen möge. Da erhöh sich Ds-isrhkin und dankte und sagte, in zehn Jahren werde der Kongreß wohl in Jeruschalajim tagen, und lud die Stadt Basel ein, dazu ihre Vertreter nach Erez Israel zu senden. Der vollbesetzte Saal stimmte dieser Einladung begeistert zu. Die Feier ging weiter. Die Stimmung stieg hoch. Aber hoch stieg auch die Temperatur im Saal — bis zu paliistinensischen Graden. Gestehen wir es offen: wir schnappten nach Luft und suchten, ehe die Feier beendet war, einen kühleren Ort auf. Basel ist die heißeste Stadt der Schweiz. Jetzt aber hatte man das Gefühl, sie sei die heißeste Stadt der Welt, und es war schon eine wohltuende Kühlung, als uns draußen ein liebenswürdige!• Palästinenser erzählte, daß die Juden in Palästina ein vorzügliches Bier zu brauen gelernt hätten. So feierten wir dann in einer kühlen Ecke einsam weiter, gedachten Jeruschalajims und .seines Bieres (auch das in Basel ist nicht übel) und gedachten Herzls und der vierzig Jahre. Die Stadt glühte in der Sonne. Die Sonne feierte in ihrer Mittagshohe mit. Sie machte es einem leicht, sich vorzustellen, daß vierzig Jahre Wanderung durch die Wüste der Goiah hinter uns lägen und daß wir es uns nun wohl sein lassen dürften an den endlich erreichten Wasserstellen des werdenden Judenstaates. Hier, in Basel, hat diese neue Wanderung begonnen — liier, in Basel, wurde mit Gesang, Orgel und Reden ihr vorläufiges Ziel dem Gemüt nahegebracht. Zwar jubilierten wir ohne Jubel, aber mit viel Hoffnung und Zuversicht. Wir sprachen leise den Refrain von Ussischkins Rede nach: Hajom hasch ... Der Extrazug nahm am frühen Nachmittag das immer noch nicht müde jüdische Volle wieder auf und brachte es durch das weite Rheintal nach Zürich zurück. Nun kann der Kongreß weiter und seiner Höhe und seinem Ende zugehen. Die Fahrt nach Basel hat seinen Verlauf fast dramatisch akzentuiert, seinen Verlauf und seinen Sinn, Sie hat ihn noch einmal mit seiner Exposition, mit dem Beginn der zionistischen Bewegung konfrontiert. Es war eine Fahrt der Rückbesinnung und daher notwendig auch des Ausblicks. Wie weit war das Volk vor vierzig Jahren von dem verheißenen Land entfernt, wie nahe ist es jetzt dem erkämpften Land! * Wir sind nicht vergeblich in Basel gewesen. Der Kongreß ist ins Land seiner eigenen Jugend zuriiekgekehrt. Das nächste Jahrzehnt wird diese Rückkehr vollenden. In Jeruschalajimi

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