Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 JÜDISCHE HUND SCHAU Nr. 64,13. VIII. 1937 Zwischen Auflösung und Aufbau Ungarische Reise-Eindrücke VI.*) (Schluß) KL, B u d a p es t, im Juli 1937 Eine Sonderstellung■ unter den Institutionen der Fester Gemeinde kann das jüdische Sch ul werk beanspruchen. Draußen, in der Nabe des Stadtwäldehens in einer besonders schönen Wohngegend, sieht der Besucher mit Ucberrascliung die Großartigkeit der äußeren Anlage des Gebaudekomplexes, in dem sich ein Knaben- und ein Mädchengymnasiunt befinden. Die nach modernsten hygienischen Grundsätzen errichteten Gebäude bieten ästhetisch einen sehr schönen Anblick, besonders wenn man sie von der Hofseite her betrachtet (das Mädchen-Gymnasium besitzt übrigens als Erholungsort für דממז #וויייווו? ...,:■%1 Das jüdische Gymnasium mit der Schul Synagoge die SD1 uh 1 innr n ei ne st dir gerl! iumige Dachfläche). Fassade mul Im! u 1' Uri s 1 m! ram Teil kll ustleriseh reich ausgestattet. Besoiii!!׳ 1 s diu 1 1 n st or des 1 i repnenhauses im Knaben- Gvmnas;111! ו rijt ■Hi n ein Lr/ciigu 1moderner Glaskunst dar. da-!um uh! YliriU ert ist, u ml verk i'.upfen durch ihre bildlichen i)arm! i!1 1!; rUI1 f!11■!nur erzogene Jugend mit jüdischer Ge- £•'■<:■ 11! 11 ׳ u- 11! hl 1 r e/! <raol - - MO k ö n n t e!1 es vielmehr, wenn es t'ilat! hl U־W .Ii I n. tri L;k ■iche gilt von der Sclmlsynagogc, die in ihre!' "U hk'ht eil 1 i 1 ul (1 ׳!di sein ■ eindrucksvollen Ausstattung regelnd S; 1 hir di!• (in; lewliensi e der Kinder benutzt wird. Rcm״״!!'! N url n ■11I1U t ist, daß!11 c Bimah in cler Mitte liegt und so Ui ÜU N >״!! t :re li!,Ziehung; zwischen der jugendlichen Gemein! 10 um! in׳!1! Vor! es er he!־ stellen hilft. Auch die Turnhalle d US Kn,11 HM1 -< 1 j ג m:1 aUums, über der siel! eine zweite Ttirnhal 10 dur Mini dienst dmlc be findet, ist reich ausgestattet und <1 ie '!11 nub ciibc i juu isehell : sportiereinen der Stadt als Trainin;:;ssl .־tu!. I )10 Cj u s c h i c h t e dieser 11 nsfitution ist das zweite Besondere an ihr. Sie verdankt ihre Entstehung einer in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemachten Stiftung, jedoch gelang es den im Gemeimleleben verantwortlichen Kreisen fast ein Yierteljahrhimdert lang, die Schaffung der Schule zu verhindern, weil mau in kurzsichtig er Verkennung der wirklichen Bedürfnisse der Juden gegen ein jüdisches Scliuhvcrk war. Eiest nach vielen Kämpfen und Auseinandersefzungen kam cs zum Bau der Schule, die schließlich nach dem Kriege eröffnet wurde und sogleicii zu ungeahnter Bedeutung gelangte, nachdem infolge der Verdrängung eines Teiles der jüdischen Schüler von den Mittelschulen infolge der ntmterus claiisus-Bestrebttngen ein erheblicher Teil der jüdischen Schuljugend Budapests in der Frage des Schulbesuches obdachlos geworden war. Allerdings! ist das, was mit Genehmigung der Gemeindeinstanzen liier verwirklicht worden ist, weit entfernt von einem jüdischen Schulwerk, wie es sich etwa diejenigen vorstellen, die glauben, daß in einer solchen Schule auf den jüdischen Gesichtspunkt in allen Zweigen des Unterrichts Wert gelegt werden sollte. Von modernem hebräischem Sprachunterricht kann keine Rede sein, und das Jüdische ist in der Hauptsache auf den Bezirk des kcligion.sunterrichts beschränkt, wo es uaturgemäß (in ziemlich trübseliges Lehen fuhrt und nicht dazu angetan ist, in dieser Jugend jüdisches Wissen wirklich zu verankern und in ihr den Willen zum Judivsein an/ufachen. Sn schön auch das Addiere und so groll die Mittel dieses Srliuhvrrks ■■!111), die sich manche andere Gemeinde wünschet! nennte, so schwach i-t doch der j 11 d i s c 11 e Gehalt des I'ntcrnchts, und dies wird sich kaum lindern, solange dm in der (na1n1׳nde verantwortlichen Instanzen Gegner des jiidi-clieii Schülv, rsens sind und höchstens eine Schule dulden, in der jüdische Kimkr von jüdischen Lehrern unterrichtet v eitlen, ohne daß im Unterricht die indische Note stirkcr ankimgg Daran kann selbst der gute Wille von Lebrcrpvrsoiilichkdtcu wenig andern, die in ihrem Merzen mit dein Judentum /uticDt verbunden sind. Wenn es den Opposition! Ih n, imii'di starker interessierten Kräften in der Fest!־!׳ (iemeimie gelingen sollte, allmählich vor/udringen, so wird ceine ihrer wichtigsten Aufgaben saun, auf dieses Scliulwirk 1 inilulS zu gewinnen, um das großartige Insfrnment zur Lr/iehnug eines Teiles der jüdischen Jugend der Hauptstadt, das der Gemeinde zur Vertilgung stellt, so auszugestalten, wie es sein ein eigentlichen Sinne nach sein sollte. *) Sielte die Berichte in Nr. 59, 60, 61, 62 und 63. Naturgemäß sind alle Diskussionen In der Oeffentlichkeif, die hier über jüdische Dinge geführt werden, verhältnismäflig eng, wenn wir sie mit den Maßstäben anderer jüdischer Gemeinschaften messen. Es gibt zwar eine jüdische Presse; diese ist aber zu einem Teil von der Gemeinde abhängig. Die Tendenz dieser Blätter wird schon durch ihre Namen angedeutet; das wichtigste, den assimilatorischen Standpunkt vertretende Blatt heißt ״Egyen löseg“ oder in dcutscher Uebersetzung ״Gleichheit“. Auf zionistischem Standpunkt steht 2״ s i d o Szemle“ (״Jüdische Rundschau“), während die Monatsschrift ״Mult es Jövo“ (״Vergangenheit und Zukunft“) unter Redaktion von Dr. Patai mehr die geistig-kulturellen Interessen des ungarischen Judentums in sehr vornehmer und niveauvoller Weise pflegt. Bei der verhältnismä füg geringen Anteilnahme der breiten jüdischen Massen an allen jüdischen Angelegenheiten ist aber der Einfluß der jüdischen Fresse relativ gering, und es ist klar, daß dadurch die Stellung der Notablen in der wichtigsten öffentliehen Institution, der Fester Gemeinde, befestigt wird. — Die Beziehung der ungarischen Juden zu Palästina zeigt sich einmal in der Arbeit der Zionistisehen Organisation, die unter Führung ihres derzeitigen Präsidenten l)r. Mikios etwa 5000 organisierte Zionisten umfaßt. Es gibt alle zionistischen Richtungen hierzulande, in der Organisation nicht weniger als in der Jugend. Ein großer Teil der Jugendorganisationen ist mit der Cnaluz- Bewegung verbunden; es gibt in Ungarn augenblicklich zirka 100 Chaluzim auf Hachscharah, während 200 bis 300 bereits fertig ausgebildet sind. Allerdings ist die Lage der bereits Ausgebildcten schwierig, weil die Zahl der auf Ungarn entfallenden Zertifikate außerordentlich klein ist. Besonders wichtig ist die Arbeit der Wizo, deren Kern aus einer Gruppe sehr akt ver jüngerer Frauen besieht und der es unter Führung von FrauKahan gelungen ist, im weiblichen Teil des ungarischen Judentums, besonders auch in seinen oberen Gesellschaftsschichten, Fuß zu fassen. Dennoch ist die organisatorisebe Arbeit hier sehr schwierig, da die ungarische Judenheit schwer erfaßbar ist und eine mehr oder weniger amorphe Masse darstellt. Man schätzt, daß mindestens 30 000 Menschen direkt oder indirekt, organisiert oder svmpathisierend mit der zionistischen Arbeit verknüpft sind. Dabei wird allerdings immer wieder bedauert, daß Ungarn von Palästina aus wie von seiten der Zionistischen Organisation etwas vernachlässigt wird und auch scheinbar dort als der schon erwähnte ״weiße Fleck“ auf der Karte der Judenheit gilt, den es kaum zu besuchen lohnt. Eine stärkere Unterstützung Treppenhaus im Jüdischen Gymnasium mit künstlerisch wertvollen Fenstern der ־zionistischen Arbeit von außen würde diese ohne Zweitel auch in Ungarn vorwärts bringen. Das Gefühl für Erez Israel ist ja auch hier nicht erstorben, und es gibt so manche sentimentalen oder gar persönlichen Beziehungen dorthin. Aus dem Gebiete des heutigen Ungarn leben etwa 3000 bis 401)0 Menschen in Palästina, und wenn man das ehemalige Oiroßimgarn in Betracht rieht, dann werden es gegen 1O0Ö0 sein. Fs ist klar, daß dadurch zahlreiche verwandtschaftliche und freundschaftliche Fäden von Ungarn nach Palästina hinüberlaufen, die ein Ansatzpunkt für die zionistische Arbeit sein können. * Ein Besuch Ungarns gibt in dieser Zeit ein anschauliches Bild vom Leben einer jüdischen Gruppe, deren Existenzgrundläge im Augenblick noch gefestigt erscheint. Zugleich aber steht vor ihr die Gefahr der Ausgliederung auf vielen Gebieten, von der niemand w׳eiß, ob und in welchem Umfange sie sich realisieren wird. Die bange Frage nach der Washington, II, August. (JTA.) Einutidvierzig Mitglieder des amerikanischen Repräsentantennauses haben eine an den Außenminister Corde,1י Hu 11 gerichtete Petition unterzeichnet, in der der Ministar gebeten wird, die Britische Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß England nach Ansicht der Vereinigten Staaten die in der Balfour-Deklaration niedergclcgten Absichten und Zusagen nicht in vollem Umfang und nicht gerecht durchgeführt habe. In der von den Abgeordneten Citron und MicCor• mack entworfenen Petition wird gesagt, daß das Mandat nicht richtig durchgeführt wurde und erklärt, die Teilung sei ״historisch und natürlich unanwendbar, der Balfocr-Deklaration entgegengesetzt und in völligem Widerspruch zu ihrem Geist.“ Zum Schluß wird dem Mitgefühl von Christen, Juden und Angehörigen aller Bekenntnisse in den Vereinigten Staaten für die notleidenden Juden Ausdruck gegeben und die Meinung geäußert, daß das Streben der Juden nach einer Zufluchtsstätte in Palästina von der gesamten. Menschheit unterstützt werden sollte. Senator Royal S. Copeland hat im amerikanischen Senat einen Entschlicßungsantrag eingebracht, in dem die Teilungsaktion Englands verurteilt und der Senat aufgefordert wird, eine feste Stellung gegen eine Acnderung des Palästinamandates ohne Zustimmung des Senats der Vereinigten Staaten einzuneltmen. Ein Buch gegen den Teilungsvorschlag J. M. Machover: ״Jewish State or Ghetto.“ Dangcrs of Palestine Partition. Royal Commission's Proposals examined. — Verlag Robert Anscombe Ltd., London 1937. Der englische Zionist Macho ver, der im vorigen Jahr mit seinem Buch ״Governing Palestine“ hervorgetreten ist, hat eine Schrift vor! über 200 Seiten zusainmengcstellt, in der er den Bericht der Kgl. Kommission analysiert und die Argumente zusammenlafit, die bisher vorgetragen worden sind. Der Verfasser tritt mit Nachdruck dafür ein, daß das Mandat in seiner bisherigen F'orrri beibchalten wird, und er lehnt die Teilung ab, weil ihr einziges Resultat die Schaffung eines ״Ucbergangssystems von unbegrenzter Dauer sein würde, während die jüdische Einwanderung und der Bodenkauf in dem ganzen Gebiet, das den Arabern zufallen soll, verboten wäre“. Einen wirklichen Ausweg aus den Schwierigkeiten vermag der Verfasser Jedoch nicht anzugeben. N, Menachem Birnbaum zeig! Karikaturen. (Verlag Tiraha, Den Haag 1937.) Mancher wird sich noch der satirischen Zeitschrift ״Schlemihl“ erinnern, an deren Ausgestaltung Menachem Birnbaum hervorragenden Anteil hatte. Jetzt hat Birnbaum anläßlich des Zionistenkongresses eia Büchlein herausgegeben, das Karikaturen prominenter Zionisten enthält. Man findet darin Weizmann und Jabotinsky, Ussischkin, Grünbaum und Blumenfeld, Bernstein und Bubet und viele andere vereinigt. Oft gelingt et, Birnbaum, mit wenigen Strichen die charakteristischen Merkmale einer Person anzudeuten und vielfach zu übersteigern. Manche Karikaturen sind besonders gelungen. Le. David Hermann ist, 61 Jahre alt, in New Yoric einem Herzschlag erlegen. Hermann war einer der ersten modernen Regisseure der jiddischen Bühne, der Ruhm der Wilnaer Truppe ist vornehmlich seiner Inszenierung des ״Dybuk“ von An־ski zu danken. Als die Truppe dann nach und nach trotz der großen Erfolge im Ausland zersplittert wurde und nur noch ein kärgliches Dasein fristete, hat Hermann sie 1927 reorganisiert. Seine letzten Inszenierungen in der Heimat waren ״Die Nacht auf dem alten Markt“ von I. L. Perez, ״Der Taube“ von Bergelsohn und Leiwiks ״Golem“. Her* mann, der aus dem Kreis um Perez kam, war der leiden» schaftlichste Freund und tätigste Vorkämpfer des jiddischen Theaters, Entdecker und Förderer der verschiedensten Talente und Projekte. In das amerikanische Milieu konnte er sich nicht einleben. Zukunft steht vor jedem einzelnen Juden in diesem’ Lande, vielleicht nicht immer in vollem Umfange erkannt, aber doch irgendwie gespürt. Die Stunde ist noch nicht gekommen, in der die Mehrzahl der hiesigen Juden Konsequenzen für ihre ji'tdische Haltung daraus zieht. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif dafür; wir glauben aber nicht, daß alle Quellen jüdischen Lebens in diesem Lande verschüttet sind, und daß es wirklich mit seinen 400 000 jüdischen Menscher! keine Kraft im Rahmen des jüdischen Volkslebens mehr (tarsteilt. Auch hier gibt es weite Kreise, die mehr in den Tag liineinleben, als über ihn nachdenken. Wenn die Zeit dafür da ist, wird das Leben selbst ihr Lehrmeister sein und den Einzelnen wieder zu seinem Volkstum zurückführen. Dann wird auch die kleine Gruppe der Notablen weichen müssen, die heute mit aller Kraft gegen eine ״Judaisierung“ der ungarischen Juden kämpft und das wesentlichste Hindernis für eine wirklictie Anteilnahme der Juden Ungarns am jüdischen Gesamtschicksal ist. Die große Synagoge (Tabak-Tempel) mit dem Haus des Jüdischen Musemm Casse im Budapester indischen Viertel Wuxilfota' MM r'r»