Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-08-13 · Heft 64 (13.8.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 64 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653687--31118-2685709
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 64,13. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Abstimmung nur an einem Fuß. Auch wir haben in dieser Stunde uns daran zu erinnern, inzwischen wuchs die arabische Kraft, sie wuchs durch uns. Die Araber sind an Zahl gewachsen und gerade in jenen Teilen des Landes, wo wir arbeiten. Das ist wahr, der Berieht der Kommission bestätigt es. Was bedeutet das? Daß die Teilung Palästinas, um das schreckliche Wort auszusprechen, jeden Tag geschieht, ohne daß wir es wollen, ohne daß wir den Prozeß aufhalten können. Wir haben uns alle über Hule gefreut und sind den Männern dankbar, die die Last auf ihre Schulter genommen haben. Von 50 oder 48 000 Dunam Landes, das man trockengelegt und urbar gemacht haben wird, und die 30, 35 bis 40 Pfund kosten werden, werden wir ein Drittel den Arabern geben und so selbst die Teilung durchführen. Es nützt nichts, sich über diese Probleme mit Psukim, Redensarten, Begeisterung hinwegzusetzen. Das sind eiserne Tatsachen, für die niemand verantwortlich ist. Es ergibt sich aus den Verhältnissen, die Zeit, wo man die Sache machen konnte, hat man versäumt. Es ist nicht Schuld der Juden oder Araber oder Engländer, daß Palästina kein leeres Land ist. Aus dieser Orundtatsache erfließt alles, was Ihnen gestern Scliertok gesagt hat, dessen Rede ich mit großer Demut zugehört habe. Hier sprach ein Mann, der tagein, tagaus, ohne Unterbrechung in diesen aufreibenden Kämpfen steht. Es war ein glänzender Bericht und wir müssen ihm danken, daß er es verstanden hat, in diese Kämpfe ein System zu bringen. (Starker Beifall.) In den von ihnen geschilderten Tatsachen liegen die Hauptschwierigkeiten und sie haben sich gerade in den letzten drei Jahren verschärft. Dies mag auch zum Teil die Frage erklären, warum wir unsere Stellung ״so plötzlich“ geändert haben. Es handelt sich nicht um ein plötzliches Fieber, auf das wir reagierten, sondern um eine verschleppte Krankheit, die durch einige Umstände akut geworden ist: Palästina ist heute umgeben von einer Reihe unabhängiger arabischer Staaten, England steht vor dem Problem, nicht mit den Arabern und nicht mit den Juden brechen zu wollen. Ich spreche nicht von den paar Beamten in Palästina, sondern von England. Für uns ist Palästina alles, für England nur ein Fleckchen Erde innerhalb der britischen Interessen- Sphäre. Es nützt nichts, jemandem bösen Willen vorzuwerfen und zu sagen, so weit kann man gehen, nicht weiter. Die Umstände erzwingen gewisse Stellungnahmen, vielleicht werden sie sich ändern, dann wird man vielleicht anders arbeiten können. Jede Nation würde so handeln, wie England gehandelt hat, und wenn wir einmal eine Nation sein werden, werden auch wir in unserem Verhältnis zu anderen Völkern nur so weit gehen, wie es uns paßt. Im Augenblick kann unsere Reaktion nur sein: to niake the best of it. Die Umstände waren, wie ich sagte, die Entstehung der arabischen Staaten, der abcssinischc Krieg, unruhige Wellen im Mittclmeer. Deswegen ist die volle Durchführung des Mandates schwieriger geworden als sie vor füllt Jahren war. Daran ist gar nichts zu ändern. Unsere Sache wäre verhältnismäßig leicht in einer halbwegs normalen Welt, aber die Welt ist nicht halbwegs normal, cs ist eine sorgenvolle Welt, und wir gehören zu den Sorgenkindern. Die hervorragendsten Redner der anderen Seite, Ussischkin, Raw Berlin, Rabbi Silver, haben ein und denselben Ton angestimmt: Einmal bewegten sie sich in der Stratosphäre, in der Welt des tiefen Glaubens. Und mit cincnnnal sank ihr Ton herab. Sie sagten: ״Weizmann, überlaß die Prophetie dem Jesajas. Wir brauchen Boden!“ Das brauchten Sie mir nicht anzutun. Die Wichtigkeit des Bodens ist mir genau so bekannt wie Ihnen, aber besonders Raw Berlin möchte ich sagen: Es seien die Worte eines einfachen Menschen nicht leicht in deinen Augen. Ich will den Glauben nicht verlieren, daß auch in gewöhnlichen sterblichen Menschen, daß in jedem von uns, wenn er etwas wert ist, ein Funke dieser Erbschaft der Propheten steckt, und dieser Funke war es, der bewirkt hat, daß wir das geleistet haben, was wir geleistet haben. Schertok «der Arlosoroff oder, um noch weiter zu gehen, Theodor Herzl waren keine Diplomaten, wie irgendein Ambassadeur, wenn sie mir das wären, hätte inan nie auf sie gehört. Wenn sic mit den schablonenhaften diplomatischen Redensarten reden, ohne Armee, ohne Schiffe, ohne Geld — nichts würden sie bedeuten. Gerade weil da etwas herausklingt, etwas anderes als der Ton diplomatischer Redensarten, haben sie gewirkt, ßalfour hat viele Diplomaten gesehen. Aber er hat gefühlt, daß hier etwas spricht, wenn auch in schwachen Tönen, was aus Jesaja gesprochen hat. Wenn Sie uns zu Dunamkäufcrn und gewöhnlichen Diplomaten machen wollen, dann nehmen Sie unserer Arbeit ihren Zauber. Sic werden bald gebeten werden, abzustimmen, und ich freue mich, mich Ussischkin anschließen zu können, wenn ich sage: Sie alle wissen, wofür Sie stimmen. Wir betreten einen schweren Weg. Ein Staat wird nicht geschenkt, genau so wenig wie die Balfour-Dcklaration geschenkt wurde. Sogar die historischen Rechte haben nur darin ihren Wert, wenn sie uns eine Möglichkeit gehen, zu arbeiten: ״Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu hesitzen.“ Dieses Goethe-Wort war immer vor meinen Augen. Die historischen Worte sind nur eine Chance, um diesen Dornenweg betreten zu können. Wir müssen ihn gehen. Der Aufbau dieses kleinen Judenstaates wird sich genau nach denselben Rezepten vollziehen, wie die Vcr- Wertung der Balfour-Dcklaration. Er wird das sein, was wir aus ihm machen werden. Und da ich an diese Kräfte, die in uns schlummern, glaube, so bin ich überzeugt, daß wir in diese Form, die voller Schwierigkeiten ist, dennoch einen großen Inhalt hineingießen werden. Verlieren wir nicht den Sinn für die Realität. Keiner von Ihnen hat sich träumen lassen, daß mit einemma! Gelegenheit gegeben werden wird, 60 000 Menschen jährlich nach Pa- Jästina zu bekommen. Deswegen sage ich mir, wenn 300 000 Menschen die ganze Oekonomik, das ganze Antlitz dieser Gegend, wo wir gearbeitet haben, geändert haben, was werden noch einmal 400 000 Menschen machen können? Eine halbe Million Dunam Siedlungsboden ist der Anfang, der Ansatz zu einer größeren Leistling. Welch eine ungeheure Leistung, wenn es in zehn Jahren zu machen ist! Wir wollen den Mond herunterbekoinmen und verlieren den Schilling, der auf dem Roden liegt. Es gibt hier keinen Königsweg, selbst wenn wir den Judenstaat haben. Es ist der Anfang eines schweren Leidensweges. Ich verstehe den schweren Verzicht, den jeder von uns im Herzen trägt. Aber es ist leicht zu sagen, mir gehört das und das, ich verlange das und das. Ich hatte einen Freund, ״Aleph“ und ״Beth“ Mittwoch vormittag am 11. August eröffnet Vizepräsident Dr. Goldmann als Vorsitzender die Sitzung uin 10.15 Uhr. Dr. Goldmann: Wir kommen jetzt zu der Abstimmung über die zwei Resolutionen, die eine von der Majorität der Kommission, die andere von der Minorität, den sogenannten Neinsagern. Die Prozedur ist folgende: Es wird zunächst Kapiansky den Antrag der Majorität vorlegen und begründen, dann wird Stephen Wise den Antrag der Minorität begründen; sodann erhalten zwei, evtl, drei Redner zur Begründung der Anträge das Wort. Dann wird /nr Abstimmung geschritteil. Sie ist namentlich laut dem hebräischen Alphabet, es wird jeder Delegierte zu sagen haben, ob er für die Resolution ״aleph“ oder ״beth“ stimmt. Es sprechen nunmehr: Kapiansky für die Mehrheit der Politischen Kommission, Dr. Wise für die Minderheit. Die beiden Anträge werden hebräisch, englisch und deutsch verlesen hzw. verteilt. Sodann erklärt Remez für den Arbeiterfliigcl (mit Ausnahme des ״Haschomer Ha/air“), daß dieser einheitlich für die Mchrheitsresolution stimmen wird, denn in dieser Resolution seien alle Schattierungen innerhalb der Arbeiterpartei zur Geltung gekommen. Raw Berlin erklärt namens des Misrachi, daß dieser für Resolution B stimmen wird. Lipsky teilt mit, daß die Mehrheit der Gruppe A und der Amerikaner fiir den Antrag der Politischen Kommission stimmen wird. Es folgen weitere Erklärungen vom Haschomer Hazair und von der Judenstaatspartei. Darauf wird zur namentlichen Abstimmung durch Verlesung der Delegiertenliste geschritten, wobei jeder anwesende Delegierte bei seinem Aufruf sagte, ob er für ״Alepli“ oder ״Betli“ stimmt. Das Ergebnis der Abstimmung haben wir an anderer Stelle mitgeteilt. Nach der Abstimmung gab eine Reihe von Delegierten im Namen ihrer Fraktionen Deklarationen ab. Es besteht eine große Unruhe, da die äußerste Rechte, besonders der Misrachi und die Judenstaatspartei, Anlaß zu Demonstrationen geben, die sich zu einem undurchdringlichen Lärm steigern, als Ussischkin dem Vorsitzenden, Vize- Präsidenten Dr. Goldmann, Vorwürfe macht, weil er dem und wir beide waren mausarm, ich spazierte mit ihm durch die Straßen von Genf, da sagte er zu mir: Chain], ich schenke dir dieses Theater, derweil aber steht es d a. Das ist die Bedeutung eines Verzichts. Ich glaube an die A c 11 a r i t h Hajamim (Ende der Zeiten). Für mich ist es eine Realität in diesem Sinne, weil ich glaube, daß uns in unserer Sache Gerechtigkeit widerfahren wird, wenn eine gerechte Welt über uns zu Gericht sitzen wird. Das ist für mich eine Realität, sub spccie der Zukunft. Ben Gurion hatte recht, als er sagte, daß Bcacharath Hajamim auch nicht über Nacht, sondern auch durch einen schmerzlichen Evolutionsprozeß kommen wird. Ich nehme cs nicht, wie Raw Berlin meint, antropomorphisch, aber es ist ein schmerzlicher Evolution«- prozeß der sich marternden Menschheit, und in dieser sich marternden Menschheit, an deren Qualen wir besonderen Anteil haben, werden wir einmal Gerechtigkeit haben. Bis dahin müssen wir ״verzichten“, ich hoffe, Sie verstehen mich. Aus der schönen Rede von Rabbi Silver klang mir etwas heraus, was ich gern besprechen möchte. Fr sagte, wenn er in dem Teilungsplan die Möglichkeit einer friedlichen Lösung der Araberfragc gesehen hätte, so wäre das schon viel wert, aber er sähe sie nicht. Ich möchte hier sagen: Der Schlüssel zu einer größeren und besseren Arbeit ließt noch immer in der peinlichen Frage des Friedens mit den Arabern und gerade jetzt vielleicht nach dieser Abstimmung, werden wir diese Frage mit größerer Energie und besserem Erfolg als bisher angehen können. Aus meiner vielleicht nicht genagenden Praxis ist es mir klar geworden, daß der Friede mit den Arabern nur kommen wird auf dem Boden der Reziprozität: wenn wir ihnen etwas bieten können und sie uns ein Gegenangebot machen. Gestatten Sie mir für ein paar Minuten z u t r ä u m e n. ich kann mir denken, daß eine gesunde jüdische Wirtschaff auch die neue ökonomische Welt befruchten kann, die sich die Araber heute aufhauen müssen. Ohne eine gesunde Wirtschaft werden die neu entstehenden Staaten nichts als ein leerer und zerbrechlicher Rahmen sein. Hier können und wollen wir unseren Nachbarn Dienste leisten und hier liegt der Schlüssel zu einer Zukunft, an die ich glaube. Welchen Wert hat die bloße Deklaration, ״wir werden Euch milde beherrschen“. Wir meinet[ es aufrichtig, die Araber glauben es nicht. Wenn sie aber sehen werden, daß wir ihnen etwas bi eien können — und wir haben viel zu bieten — dann ist die Möglichkeit zur Anbahnung freundlicher Beziehungen gegeben. Auch das wird nicht über Nacht kommen, auch das muß sorgfältig vorbereitet und gepflegt werden, dazu muß vor allem unser Haus in Ordnung gebracht werden. Das konnten wir bisher nicht tun, denn wir waren nicht die Herren im Haus. Und so komme ich zum Schluß. Nicht aus jugendlicher Begeisterung, nicht geblendet durch den Glanz eines Juden- Staates — Sie wissen, gerade ich war immer derjenige, der dieser Terminologie keine besondere Bedeutung beimaß — sondern als Weg zu einer neuen Etappe, zu einer neuen Leistung. Wir wollen einen Weg für die Verwirklichung des großen Zionismus finden, die Zukunft überlasse ich der Zukunft. Biologische Gesetze werden nicht durch Kongreß- Abstimmungen geschaffen. Wir können nur das machen, was uns nach unserem besten Wissen für eine gewisse Zeitspanne zu einer größeren Leistung führen kann. Groß — gemessen an den Leistungen, die wir bisher aufweisen konnten. Wir können die Dinge nicht weiter als fiir 10- 15 jnhre vorausbestimmen. Auch Schicksale werden nicht von Kongrossen bestimmt, sondern durch Gesetze, die der Menschengeist noch nicht durchdrungen hat. Ich bitte Sie, angesichts aller dieser Schwierigkeiten und mit aller Vorsicht den neuen Weg zu gehen und auf die Kräfte der ,Bewegung und des Judentums zu vertrauen. Aus diesem Vertrauen wird etwas hervorwachsen, was vielleicht so groß sein wird, und im Verhältnis vielleicht noch größer als das, was wir 1918 angefanßen haben. Damals war die Zukunft genau so verschleiert. Die Balfour-Dcklaration konnte man genau so kritisieren. Aber wir haben sie benützt, und was wir jetzt erleben, ist nicht ihre Abschaffung, sondern eine Evolution der Balfour-Deklaration, ein weiterer organi- Vorsitzenden der Exekutive, Ben Gurion, zu einer persönliehen Erklärung das Wort gegeben hat. Nach allgemeiner Meinung des Kongresses hat der Vorsitzende richtig gehandelt, da er einem führenden Mitglied der Exekutive, der das Wort zu einer persönlichen Erklärung wünscht, es nicht abschlagen kann. Das Verhalten Ussisciikhis veranlaßt die Ju« d c ns t a a t s p a r $ e i, durch ununterbrochene Zurufe zu verlangen, daß Ussischkin selbst das Präsidium übernehme. Nur mit Mühe konnte die Ruhe nach einiger Zeit wiederhcrgcstcllt werden, worauf die Führer der Fraktionen ihre Deklarationen zu Ende verlasen und dann die Sitzung geschlossen wurde. Die Delegation aus Deutschland Die zionistischen Delegierten aus Deutschland haben sieb zu Beginn des Kongresses als (truppe konstituiert. Den Vorsitz führt Dr. Siegfried Moses, Mitglieder des Präsidiums der Delegation sind Benno Colin, Dr. Traub und Dr. S u I z b e r g e r. Die Gruppe umfaßt 31 Delegierte. Es haben eine Reihe von Beratungen zu allen wichtigen t ragen des Kongresses stattgefumlen, die in der ersten Woche des Kongrosses naturgemäß vorwiegend den politischen Fragen gewidmet waren. Es war das Bestreben der großen Mehrheit der Delegation aus Deutschland, auf eine klare 1:11t- Scheidung hinsichtlich der Stellungnahme des Kongresses in der Frage der Vollmacht fiir die Exekutive zu \ erhamlhingen über die Peel-Vorschläge hin/uarbeitcn. Die große. ,Mehrheit der Delegierten aus Deutschland hat bei der namentlichen Abstimmung für die Resolution der politischen Kommission gestimmt, während vier Delegierte (Dr. Burg, fIr. Hans Klee, R.-A. Ko/owcr mul Arnold V .euer) dir die Minderheits-Resolution stimmten und zwei nicht im Saale anwesend waren (Dr. Sul/bergcr mul Isi fiisncr). Neben den politischen Fragen stehen von Anfang an die Probleme der •\ n s i e d - lang von Juden aus I) c u t s e h I a 11 d im Vordergrund des Interesses der Delegation, Die ״I )ctitsche Abteilun ״'• der Exekutive bat Vorschläge und Plane ausgearbeitet. the vor allem von Dr. (ieorg Landauer und Dr. l udwrg 1*111 n er vorbereitet wurden. Im zweiten Teil des Kongresses werden diese kolonisatorischen kragen ausführlich behandelt wu rden. scher Aufbau. Der Weg ist schwer, der Weg ist lang, aber wir müssen ihn gehen. (Lang anhaltender starker Beifall.) Die Sitzung wird für eine halbe Stunde unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung um 12 l lir nachts teilt der Vorsitzende mit, das Präsidium habe bcsch!״-.-.en, die namentliche Abstimmung, die 2 •3 Stunden in Anspruch nehmen durfte, erst am Mittwoch Vor mittag vor/11nehmen. Hierauf wird die Sitzung ge-chlosseu. ־4 Der politischen Debatte waren Mittwoch nach der Vor» mittagssitzung noch zwei Sitzungen der aus sämtlichen Delegierten des Kongresses bestehenden Politischen Kommission gewidmet. Es sprachen die Delegierten N. Landau (Weltverband Galizien), Mrs. de Sola-Po 0 1 (1 ladassnh Ca« nada), Dr. A. Kaznelson (Arbeiterpartei Palastin.!), Tab c n k i n (Arbeiterpartei Palästina), R a b bi Bru c k n e r (Weltvcreinigung USA.), L. Stern (Weltvcremigung Jugoslawien), Siegel (Arbeiterpartei USA.), Kolodny (Welt- Vereinigung Palästina), Dr. (iliickson (Weltvcreinigung Palästina),'Dr. Julius Becker (Weltvcreinigung Schweiz), Berl Locker (Arbeiterpartei Palästina). Das Wort erhielt sodann der Del. Lord Melchett der Folgendes ausführte: Wir stehen vor einer ernsten Ent- Scheidung, aber nicht vor einer endgültigen. Die wahre Frage ist: Sollen wir verhandeln? Die größte der Weltmiichte hat uns Selbständigkeit angeboten. Exakte Vorschläge hnt die Regierung noch nicht gemacht, der Plan der Kommission ist nur skizzenhaft, er ist nicht durchführbar, ist von beulen Häusern des englischen Parlaments nuhl angenommen, ist von den Ambern nicht akzeptiert mul wird auch von diesem Kongreß nicht angenommen werden. Aber wenn nationale Selbständigkeit, selbst in einer so nebelhaften! orin, uns angeboten wird, so scheint mir, daß kein veraimv״rtheher Mensch es ablehnen darf, in Verhandlungen einziitreten. Wenn ich das sage, darf niemand glauben, daß ich nicht unser aller Enttäuschung über die bisherige i iinvieklung teile. Ich will nicht wiederholen, was ich vor einiger Zeit im liouse of Lords s a g t e. Der ursprüngliche Plan des jüdischen Staates war bedeutend genug, die Aufmerksamkeit der großen Staatsmann!, r der Eriedrtiskonien nz zu fesseln. Der heutige Plan, auch in einer verbesserten Aufläge, wäre von ihnen damals imzweitvlhait abgeiehnt worden. Der Plan von damals ist aber ganz unzulänglich au-gefuhrt worden. Heute aber dürfen wir freilich nicht an der intcrnationalen Situation vorbeigellen. Zu meiner Verwunderung haben manche Redner das jüdische Problem hier sozusagen im luftleeren Raum behandelt, als ob es nicht mit England, dem Völkerbund und allen K o 111 p I i k a t i o n e 11 d e r W e 11 p o 1 i t i k verknüpft wäre. Uns muß klar sein, daß England zwar Fehler macht, von der Vorstellung gebannt, daß es das Gleichgewicht in Palastina erhalten muß — aber die öffentliche und parlnmentarisehe Meinung Englands stellt loyal zur Balfour- Deklaration. So haben wir die klare Pflicht, alles zu tiin, was in unserer Macht steht, um Englands Aufgabe zu erleichtern, in bezug auf die Lösung des schweren Problems in Palästina und, mehr noch, m bezug auf die Erhaltung des Friedens in der Welt. Ich will die Kritik nicht wiederholen, die hier gegen die Administration vorgebradit wurde, ,gegen diese Iioffnungslose Unordnung. Dieses Kapitel, glaube ich, ist vorüber, so kann es nicht weitergehen. Der Ausweg, den die Administration zeigt, ist ,,Kristallisierung'‘, lind es gibt ein gefährliches Amendement zu diesem Vorschlag, nämlich das von Lord Samuel dem Parlament vorgetragene. Wir können diesen Ausweg nicht akzeptieren. Wir dürfen verlangen, dal! englische Staatsmänner, zusammen mit Dr. Wei/mann und seinen Kollegen, einen vernünftigen Plan entwickeln, der uns einen g c s 11 n d e n 11 n d I e b e n s f ä h i g c n St a a t in Palästina gibt, einen Staat, der auch eine wirkliche Erlcicluerung für die Leiden der jüdischen Massen im Osten bedeutet. Gewiß, die Situation ist' voll Gefahren, aber ich glaube, daß eine große Zahl von Juden in der Welt und von Zionisten in diesem Saal überzeugt sind, daß wir in Freiheit und in Selbständigkeit diese Gefahren werden in Ehren bestehen können. (Lebhafter Beifall.) LANDSCHUU4EIN Kristinehov, Ltg. Dr. L. Posener, Västraby per Ldberöd SÜDSCHW1DEN (•«■■■■■■■■■■■■■■■■■י Schulunterricht, Sprachen, Beruftvorblldung, Gartenbau, Tiechlerel, Schneiderei, Sport Voller Pensionspreis (einschließlich Nebenausgaben) ab RM 80.— monatlich - Reisekosten ab Berlin RM 27.- I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.